EurovisionAgain

Unter dem Namen EurovisonAgain veröffentlicht der offizielle Songcontest Kanal in der letzten Zeit Samstags alte ESC-Sendungen. Kurz vorher wird verraten, welches Jahr gestreamt wird, und da kann man dann dann mit gleichgesinnten Nerds auf twitter oder anderswo den damaligen Bewerb quasi “live” verfolgen. Wie der echte ESC startet er um 21 Uhr und endet nach Mitternacht. Auch das ganze Voting wird übertragen.

Gestern hab ich das erstmals gesehen, weil ich Samstag daheim war und es wurde ein Topjahr ausgewählt, 1991. Dieses Jahr ist aus mehreren Gründen denkwürdig. Zum einen habe ich die Songs mit meiner damaligen besten Freundin N. im Gymnasium rauf und runter gehört, wir waren solche Hardcore Fans. Zum anderen hatte der Bewerb fast zwei Siegerinnen. Am Ende des Abends gab es nämlich einen Punktegleichstand zwischen der Schwedin Carola und ihrem Song Fangad av en stormwind und der Französin Amina mit C’est le dernier qui a parle qui a raison (bitte die Hatscheks dazudenken) Sie hatten auch beide viermal die Höchstpunktezahl bekommen, was ja normal den Ausschlag bei Gleichstand gibt. Letztendlich siegte Carola, weil sie öfter zehn Punkte bekommen hatte. Die beiden Lieder waren wie Tag und Nacht. Carolas Song vermittelte eine fast aggressive Fröhlichkeit, wenn auch gut gesungen und mit viel Einsatz vorgetragen; während Amina ein eher sperriges (und wunderschönes) arabisch anmutendes Lied zum besten gab. Aminas Song ist nicht nur wesentlich besser gealtert, es klingt auch heute noch sehr zeitgemäß. Aber schon damals hat es ziemlich stark polarisiert.

Der Bewerb war aber noch aus weiteren Gründen bemerkenswert. Er fand in Rom statt, weil 1990 Toto Cutugno mit Insieme den Bewerb in Zagreb gewonnen hat. Und es war so chaotisch, dass es schon wieder kultig war. Toto selbst moderierte mit Gigliola Cinquetti, die selbst 1964 den Songcontest mit Non ho l’eta gewonnen hatte. Während Cinquetti versuchte, dem ganzen – trotz Ton und Kameraproblemen – einen seriösen Anstrich zu geben, stolperte Cutogno (gefühlt) komplett unvorbereitet durch den ganzen Abend, was sehr lustig war. Es gipfelte dann in einem bizarren Voting, bei dem Cutogno nicht nur Schwierigkeiten hatte “Royaume-Uni” richtig auszusprechen. Aber das machte auch den Charme aus und hey, Rom als Austragsort, da ist halt alles etwas anders. Ach ja, die Moderatoren moderierten komplett auf Italienisch, nach dem Motto: who cares, wir sind in Italien. Harhar.

Marco Schreuder vom Merci Cherie Podcast hat gestern getwittert:

Und er hat recht!

P.S. Österreich hat übrigens auch teilgenommen, es war das Venedig im Regen Jahr…

LIZVC 33

Am Freitag hab ich mein Geburtstagsfrühstück mit meiner Freundin L. nachgeholt. Im Hidden Kitchen.

Ein klassisches Hipster Frühstück (harhar) mit Lachs, Gurke, Himbeermarmaelade, roter Rüben Aufstich, Brownie und Kresse zum selbst abschneiden.

Schön, dass L wieder da ist, sie war die Hauptdarstellerin in meinem ersten LIZVC Blogeintrag, die bei mir einen Heulanfall ausgelöst hat, als sie geschrieben hat, sie ziehen jetzt auf unbestimmte Zeit nach Niederösterreich. Und es klang so wie die Ewigkeit und ein Tag. Aber jetzt ist sie wieder back in town, zumindest bis Schulschluss und das ist gut.

Außerdem hab ich gesehen, dass Vapiano als (offenbar) Vapiano wieder aufsperrt.

Ich bin gespannt.

LIZVC 32

Gestern war ich aus, Abendessen in einem Gastgarten – schön lauschig und mild wars, aber nur drei Tische besetzt, in einem Garten, der ungefähr 20 Tische zu bieten hat. Einen Boom in der Gastro gibt es also nicht unbedingt.

Ähnlich dann um 22.30 Uhr in der Ubahn. Ich habe acht Minuten auf die Ubahn gewartet und am Bahnsteig war während dieser ganzen Zeit niemand, mitten in der Innenstadt:

Schön war es.

LIZVC 31

Das Kind hatte diese Woche wieder Schule. Sie fiel auf einen Dienstag. Harhar. Es gefiel ihm na ja. Laut ihm war es wie in einem Operationssaal. Und es lief alles recht gemütlich ab. Nächste Woche wirds dann schon stressiger, da ist drei Tage Schule, bevor dann wieder eine Woche frei ist. Also prinzipiell finde ich diese Rhytmus ja ganz angenehm. Weil ich persönlich hab das Aufstehen um 6.15 jetzt auch nicht extrem vermisst.

Ansonsten hab ich ziemlich viele Aufträge im Moment – Corona ist für mich also arbeitstechnisch ziemlich vorbei. Was natürlich positiv ist. Außerdem hab ich schon zwei Gaststätten besucht, nachdem diese wieder geöffnet sind, aber immer im (halb)Freien – das fühlte sich ganz gut und ok an. Und die Treffen waren sehr nett.

Und heute hatte ich den idealen Start ins Wochenende. Früh wach gewesen, Kind schlief noch, Frühstück mit (von mir selbst) gebackenem Kuchen und Ei und dann ewig am Sofa herumlümmeln und von Spotify für mich ausgesuchte alte Song Contest Songs anhören. Erinnert sich noch wer an Fiumi di Parole (Italien 1997) – was Grissemann anno dazumal mit “Buchstabensuppe” übersetzt hat (tatsächlich: Redefluss/Schwall) Herrlich. Dann gekocht, aufgeräumt, gearbeitet.

Ich mag das gern, so ohne Stress, unspektakulär. Und so gehts weiter, mit schönen Sachen. Es war nicht alles schlecht im Lockdown. Harhar.

Und wieder ESC

Am Samstag war ja der Songcontest nicht, dafür eine Menge ESC Ersatzsendungen, von denen ich keine gesehen habe.

Ich habe nur gesehen, wie der leider-doch-nicht Teilnehmer Diodato seinen Song Fai Rumore für Italien in der leeren Arena di Verona gesungen hat und das war wunderbar.

Vielleicht auch dem Vermeiden von Lampenfieber förderlich, so ganz alleine in der großen Arena.

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Das mit dem Zahn dauert. Eigentlich hätte der Zahn schon gefüllt werden sollen, aber er ist immer noch entzündet. Als die Ärztin hingebohrt hat, war das sauschmerzhaft nicht so angenehm. Also große Spritze bekommen, wo ich dann gar nichts mehr gespürt habe, und nochmal Kortison Provisorium für einen Monat. Mir ist alles recht, weil ich keine Schmerzen mehr habe. Also wenn nicht gerade am Nerv herumgebohrt wird.

Ansonsten angekommen in der “neuen Normalität”. Ich hab aus dem zweiten Härtefallfond auch wieder Geld bekommen, aber mittlerweile soviele neue Projekte, dass ich mich wieder selbst finanzieren kann. Was natürlich gut ist. Beim Friseur war ich auch schon – also bei meiner Mutter, aber ganz safe mit MNS und alles outdoor. Man glaubt gar nicht, welches Aufsehen das im Garten erregt hat. Alle Vorbeigehenden sind stehen geblieben und haben voller Neid auf mich geblickt, garniert mit Kommentaren wie: “Ah die Friseure sind wieder offen” und “Wann gibts den nächsten Termin?” Früher hat das kein Schwein interessiert, wenn mir meine Mutter im Garten die Haare geschnitten hat, so ändern sich die Zeiten.

Nächste Woche geht die Schule wieder los, gemischte Gefühle wie das alles vonstatten gehen wird. Aber soviel Schule ist kommende Woche noch nicht, ein Tag, um genau zu sein für das Kind. Davon zwei Turnstunden und eine Stunde Musik, was ja nicht in gewohnter Form stattfinden kann und eine Stunde Religion, ähm ja eh.

Die Ruhe von Corona mischt sich wieder mit Alltagsgeräuschen, wenn sie auch noch schallgedämpft sind… ich hoffe ja, dass ein Teil dieser Ruhe, dieses “nichts muss”, dieser angenehmen Terminfreiheit bleiben wird – und auch der besonderen Nähe, die ich während dieser Zeit empfunden habe.

Der schmale Grat

Gestern in der Früh hab ich ein Interview mit Reinhold Messner gelesen, in dem er unter anderem erzählt hat, dass sein Bruder Hubert wegen Corona aus der Pension zurückgekehrt sei, um wieder im Krankenhaus zu arbeiten. Das hat mich deshalb interessiert, weil Hubert Messner der Arzt des Kindes war, der ihn auf seiner Station nach der Frühgeburt behandelt hat. Und ihm das Leben gerettet hat.

Als ich daraufhin dann gegoogelt habe, hab ich erfahren, dass Hubert Messner gemeinsam mit einem Journalisten seine Autobiografie geschrieben hat Der schmale Grat. Als Arzt und Abenteurer zwischen Leben und Tod. Die ist Anfang März erschienen, aber nachdem zu diesem Zeitpunkt Corona voll Fahrt aufgenommen hat, ist das alles in den Hintergrund getreten. Sonst hätte man vielleicht darüber mehr erfahren.

Jedenfalls hab ich mir noch am gleichen Tag das Buch gekauft und ausgelesen. Messner beschreibt nicht nur sein Leben als Arzt, sondern auch als Abenteurer – er hat mit Reinhold mehrere Expeditionen unternommen – mal erfolgreich, mal nicht erfolgreich, immer lebensgefährlich. Das ist sehr spannend zu lesen. Noch spannender ist für mich natürlich der Teil in dem es um seinen Beruf als Neonatologe geht.

Ich werde von dem Buch noch mehr erzählen, aber eines ist mir beim Lesen besonders in Erinnerung geblieben: es ist ein großer Unterschied bei den Eltern ob ein Baby zu früh geboren wird oder ob es während der Geburt in eine lebensbedrohliche Situation kommt und dann Patient der Neonatolgie wird. Im ersten Fall erscheint das Krankenhaus und die Ärzte als Retter, als Anker, als positive Kraft; im zweiten Fall empfinden die Eltern das Krankenhaus manchmal als Verursacher des Leides, das sie ertragen müssen, auch wenn kein medizinischer Fehler passiert ist. Im zweiten Fall wird die Schuld wesentlich öfter beim medizinischen Personal gesucht und dieses auch verklagt. Im zweiten Fall fällt es den Eltern schwerer ihr Schicksal zu akzeptiren

Messer schreibt dazu:

Ich hatte die Erfahrung gemacht, dass sich gerade Eltern, bei denen es während einer Termingeburt zu Komplikationen kommt, oft gegen das Kind entscheiden. Bei Frühgeburten entscheiden sich Eltern meistens dafür, auch ein Kind mit Hirnschäden ins Leben begleiten zu wollen.

(Messner Hubert: Der Schmale Grat, S. 188)

Ich habe darüber gestern lange nachgedacht. Ich glaube, es liegt darin begründet, dass Frühgeburten doch oft eine gewisse Vorlaufzeit haben. Auch bei mir, wo es doch relativ überraschend war, weil die Schwangerschaft bis dahin problemlos verlaufen war, verging noch fast eine Woche bis zur Geburt. In dieser Zeit hadert man auch sehr mit seinem Schicksal. Man will es nicht wahrhaben. Man “versteht” nicht, was passiert. Letztendlich hat man aber doch Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen und zumindest ich habe mich aufs Kämpfen eingestellt. Ich denke, es ist wesentlich schwieriger “unvorbereitet” ins Krankenhaus zu gehen, eine unkomplizierte Geburt zu erwarten und dann komplett ins kalte Wasser gestoßen zu werden. Es fehlt einem dann die Zeit, sich auf die neue Situation vorzubereiten.

Noch mehr ESC

Ich habe jetzt die ganze Merci Cherie Folge angehört und sehr lustig fand ich Ö1 Journalistin Eva Haslinger, die auch ihre Wertung abgab und meinte, dass sie sich diesmal echt anstrengen musste, zehn Songs zu finden, die ihr gefallen. 4 Punkte hat sie Hooverphonic gegeben, weil es “das beste fade Lied des diesjährigen Songcontests” war. Harhar. Genial formuliert.

Die Hörer haben Aserbaidschan mit Cleopatra auf Platz 10 gewählt, viele mit dem Hinweis, es wäre ihr “Gulity Pleasure” Song mit der jetzt schon unsterblichen Zeile: “Cleopatra was a queen like me, straight or gay or in between”. Ich hab mir das auch durchaus überlegt, weil der Song hat was, inklusive Ofra Haza Gedächtnisheuler, allerdings findet sich hier bei mir das interessante Phänomen, dass mir die Strophe wesentlich besser gefällt als der Refrain (das war letztes Jahr bei Chamäleon/Malta interessanterweise auch so).

Außerdem hab ich jetzt zwei Abende hintereinander den Eurovision Soundcheck angehört – u.a. mit Kommentatoren wie Thomas Gottschalk und Dr. Eurovision. Und da sagte Dr. Eurovision Irving Wolther – er hat seine Dissertation über den Songcontest geschrieben, daher der Name – über Fai Rumore: “Da hat kein Schwede reingepfuscht, da hat kein Bulgare reingepfuscht, da hat kein Niederländer reingepfuscht. Das ist italiensche Musik”. Und jemand anderer sagte: “Wie italienisch kann ein Song sein, das ist aus dem Lehrbuch, das ist ja Italiensch A1 – oh mein Gott.”

Ich sag ja immer, da will sogar ich mir eine Pizza bestellen – und ein Glas Chianti.

Merci Cherie-Jury

Heute kann man mich in der neuen ESC Merci Cherie Podcast Folge hören, wie ich meine Wertung abgebe.

Hab mich sehr gefreut über die liebe Anmoderation. Marco hat natürlich recht, dass ich eine der treuesten HörerInnen von ihnen bin. Ich find den Podcast immer lustig und informativ und ich mag die Art ihrer Doppelconference.

Also falls mich wer hören will, hört euch die eineinhalb stündige Sendung an. Harhar. Na ja, kleiner Hinweis, ab Minute 19 wirds besonders interessant.

Symphonix

Ich bin jetzt draufgekommen, dass der ESC Beitrag von Malta, dem ich beim Merci Cherie Podcast Voting die zweithöchste Punktezahl gegeben habe, u.a. von Cesar Sampons (mit)komponiert wurde. Innerhalb des Produzentenkollektivs Symphonix.

Symphonix und dessen Chef Borislaw Milanow sind ein Garant für echt gute ESC Songs. Sie haben bereits neunmal am ESC teilgenommen und hätte heuer ein Songcontest stattgefunden, wären sie wieder mit drei Lieder (neben Malta noch Deutschland und Bulgarien) vertreten gewesen.

Das beste Symphonix Ergebnis hat 2017 Kristian Kostov mit Beautiful Mess für Bulgarien eingefahren, der damals Zweiter hinter Salvador Sobral wurde. Bei Beautiful Mess stimmt einfach alles. Der Song sowieso, aber auch der Titel des Songs (Oxymoron Alarm!), die Stimme des Sänger das Staging. Die Bühnenshow ist beim ESC immer sehr wichtig – hier wurden tatsächlich schon Siege vergeben, wir erinnern uns hier traurig an Francesco Gabbani mit Occidentalis Karma. Ich kann mich erinnern, dass mich das Staging für Beautiful Mess damals endgültig für den Beitrag eingenommen hat.

Andere Symphonix Erfolge: Cesar Sampson selbst mit Nobody but you – der ja, wie wir uns erinnern können, 2018 hervorragender Dritter wurde. Ist zwar nicht mein Lieblingssong von Symphonix, aber direkt meckern werde ich jetzt auch nicht drüber. Harhar. Der Beitrag letztes Jahr für Aserbaidschan – Chingiz mit Truth – dagegen hat mich ehrlich begeistert. Er wurde damit 8.

Ich bin überzeugt davon, dass Maltas All of my love mit Symphonix heuer in die Top fünf gekommen wäre, möglicherweise sogar in die Top 3. Und Victoria mit Tears getting sober für Bulgarien hätte auch Top 10 Potential gehabt. Schade.