They don’t really care about us

Ds Nachbarskind: Beat me, hate me, you can never break me, will me, thrill me, you can never kill me

Ich: All i wanna say is, that they don’t really care about us.

Nachbarskind: Meine Schwester hat alle DVDs von ihm und ich schau mir die jetzt an. Ur cool!

Ich: Bist du ein Fan?

Mein Kind: Von WEM?

Die musikalische Sozialisation Michael Jackson betreffend, hab ich bisher sträflichst vernachlässigt!

Julia Roberts, zwei

Der zweite Film mit Julia Roberts, den ich sehr gerne mag, ist die Beziehungsdramödie Closer, in der sie neben Jude Law, Natalie Portman und Clive Owen die vierte Hauptrolle spielt.

Closer ist einer der besten Filme über Beziehungen den ich kenne. Zwischen den vier Protagonisten – ursprünglich zwei Paare – entwickeln sich vielschichtige und relativ komplizierte Beziehungsgeflechte und sie durchleben alles, was man in Beziehungen so erlebt: Leidenschaft, Schmerz, Begehren, Eifersucht, Wut, Leere, Ratlosigkeit. Das kennt man aus dem wirklichen Leben, aber oft spielt sich alles unter der Oberfläche ab und Paare reden nicht offen über ihre Gefühle und Bedürfnisse, aus vielerlei Gründen. Um den anderen zu schützen, um sich selbst zu schützen, aus Mitleid und aus Scham.

 

In Closer reden sie so offen und explizit darüber, dass sie sich damit gegenseitig oft wehtun. Etwa als Larry (Owen) seine Frau Anna (Roberts) über ihre Affäre mit Dan (Law) ausfragt.

 

Larry: Is he a good fuck?

Anna: Don’t do this.

Larry: Just answer the question! Is he good?

Anna: Yes.

Larry: Better than me?

Anna: Different.

Larry: Better?

Anna: Gentler.

Larry: What does that mean?

Anna: You know what it means.

 

Closer nutzt aber – obwohl die Vorlage ein Theaterstück ist und man den Film zu einem Kammerspiel hätte machen können – alle filmischen Möglichkeiten aus, mit sehr intensiven Bildern und guter Musik von Mozart über Rossini bis Damien Rice, dessen Lyrics zu Blowers Daughter sehr schön den Spirit des Filmes einfangen –  so a la: ich liebe dich über alles, solange bis ich jemand neuen finde.

Alice antwortet, als Dan sie darum bittet, etwas Wahres zu sagen: “Lying’s the most fun a girl can have without taking her clothes off – but it’s better if you do.” Daraus hat die Band Panic! at the Disco zwei Songs gemacht, die auf ihrem Album A fewer you can’t sweat out zu finden sind. Einer heißt eben Lying’s the most fun a girl can have without taking her clothes off, der andere But it’s better if you do. Nachdem ich 2007 sehr viel Panic!… gehört habe, bin ich da irgendwann draufgekommen und ich liebe ja so Anspielungen bzw. Querverweise sehr.

Julia Roberts Rolle hat natürlich gar nichts von den Rollen, die sie sonst oftmals in romantischen Komödien wie Notting Hill gespielt hat und genau deshalb gefällt sie mir darin so gut, weil sie sehr reduziert spielt und alles lebhafte und quirllige aus ihrem Wesen gewichen zu sein scheint. Sie wirkt sehr kühl in diesem Film, sehr selbstsicher, trotz des ganzen Gefühlschaos, in dem sie sich befindet. Eine sehr interessante, weil auch differenziert gezeichnete Figur.

Winter is coming

Gestern Abend waren die Kinder noch bis fast acht im Hof. Irgendwie ist in der Dunkelheit draußen herumtoben grad sehr angesagt.

Irgendwann denk ich mir, ich schau mal runter, ob das Kind eh die Jacke zugemacht hat – Handschuhe, dicke Weste unter der Jacke und Mütze hatte er eh an, da seh ich, dass das Nachbarkind im T-Shirt unten ist.

Seit 45 Minuten. Bei plus vier Grad. Ähem #verkühledichtäglich

Ein Lob des Novembers

Ich lese dieser Tage bei vielen, dass sie den Monat November nicht so gerne mögen. Weil er halt so grau in grau, nasskalt und einfach novembrig sei. Und eigentlich keine größeren Höhepunkte beinhaltet.

Ich muss sagen, ich empfinde das gar nicht so. Bzw. ich mag den November gerade deshalb ziemlich gern. Grad weil er so ein unspektakulärer Monat ist, wo man eigentilch gar nichts “muss”, der einfach so dahinplätschert, ohne besonderen Sinn oder Ziel.

Im Sommer spielt sich soviel draußen ab, dass das “innen” bei einem selbst manchmal zu kurz kommt, weil man das gute Wetter natürlich nutzen “muss” und will. Außerdem ist es phasenweise so heiß, dass die eigene Reflexionsfähigkeit sowieso schwer zu mobilisieren ist. Aber auch ein Monat wie der Dezember ist so vollgepackt mit Äußerlichkeiten, dass man irgendwie kaum zur Ruhe kommt.

Der November hingegen fordert gar nichts von einem. Man kann aus dem Fenster schauen in die graue Außenwelt und das reicht eigentlich. Ich persönlich kann mich besser auf die Arbeit konzentrieren und auf meine Gedanken, ich kann auch besser lesen und schreiben und Musikhören, weil mich so wenig davon ablenkt. Die langen dunklen Abende sind heimelig und behaglich, nach einem Spaziergang an der ziemlich frischen Luft besonders.

Aber vielleicht bin ich auch einfach ein sehr fader Mensch, harhar. So wie meine Freundin damals als Teenie zu mir sagte, du willst ja immer nur lesen und schreiben und nie Party machen. Tja. Shame on me and on november!

Galileo

Gestern Abend hab ich mit dem Kind eine interessante Sendung gesehen – eine Spezialausgabe von Galileo, die letzten 50 Jahre in Bildern, also pro Jahr ein Bild, das besonders prägend für das Jahr war. Sowas liebt er ja und ich fands eigentlich auch ganz spannend.

Etwa der Brand auf Windsor Castle 1992. Soviel hatte das Schloß ohne Schaden überstanden, Bürgerkriege, zwei Weltkriege… nur dass dann schlußendlich einfach ein Halogenstrahler umfällt und ca. ein Fünftel des Schlosses abbrennt. Die Queen bezeichnete (unter anderem deshalb) das Jahr 1992 als “annus horribilis”. Denn Windsorcastle war ihr Lieblingsschloß. Das Kind und ich amüsierten uns darüber, dass jemand soviel Schlösser hat, dass er quasi einen Liebling darunter küren kann. Das Schloß wurde übrigens wiederaufgebaut, das hat die Queen quasi selbst finanziert, indem sie den Buckingham Palast für Besucher öffnete und die Einnahmen für den Wiederaufbau von Windsor Castle verwendete.

Und ich erinnerte mich dann, dass ich bei meiner Oma als Kind immer die ganzen Illustrierten gelesen habe und zwar mit großem Vergnügen (gulity pleasure!) und deshalb die ganzen königlichen Schlößer auch mal auswendig kannte: Highgrove beispielsweise und Sandringham, was die Königsfamile von Weihnachten bis Ende Jänner bewohnt, wenn man mich fragt zahlt sich das nicht optimal aus, aber bitte. Und Balmoral, das Schloß in Schottland, das glaub ich Diana gehasst hat, weils dort so rural und kalt war.

Anyway: auch interessant war in der Sendung das Jahr 1975, in dem Jahr hat Playmobil ein Bauarbeiter-Spielzeugset verkauft und dafür Werbung gemacht, bei dem fünf Kisten Bier inkludiert waren. Und der Bauarbeiter sagt zum anderen: “Das ist heut schon meine 5. Flasche” und der andere sagt: “Macht nichts, wir haben noch ein paar Kisten.” Heut irgendwie undenkbar, damals immerhin auch ein kleiner Skandal und das “Bier” musste aus dem Sortiment genommen werden.

Das hat mich wiederum daran erinnert, dass das Kind mit zweieinhalb Jahren ein Baustellen-Buch besessen hat, das wir uns immer wieder angeschaut haben. Er konnte damals noch gar nicht sprechen und ich hab ihm halt alles im Buch erklärt, unter anderem, dass der LKW Fahrer grad Pause macht und “Bier trinkt”. Weiß nicht, ob es wirklich Bier war, es sah zumindest so aus. Ich dachte, das Kind versteht es eh noch nicht. Und was machte das Kind, als es dann sprechen konnte, er griff zum Buch, blätterte auf die dementsprechende Seite, zeigte auf die Flasche und sagte: “Bier”. Ähm.

Heidi@Home: Der Fall Kevin Spacey

Hier meine versprochene Uncut-Kolumne zu Kevin Spacey

Und damit das nicht alles so unfassbar deprimierend ist, hab ich heute was lustiges auf twitter gelesen, das ich teilen möchte. Sony hat sich entschlossen, alle Szenen des Filmes All the Money in the World in denen Spacey mitspielt neu zu drehen. Christopher Plummer soll ihn dabei ersetzen.

Und ein US-Filmkritiker hat dazu getwittert:

#metoo, drei

Gestern gabs anlässlich des Falls Pilz ein “Im Zentrum” zum Thema sexuelle Belästigung.

Und es hat der Sache leider nicht wirklich geholfen. Weil manchen manche Dinge anscheinend immer noch sehr unklar sind. Und ich weiß auch nicht, ob das probate Mittel ist, Frauen zu sagen, was sie alles tun können, um sich zu wehren. Ich denke mal, jede Frau wird sich gegen Belästigung ohnehin so wehren, wie es ihr auch möglich ist, entsprechend ihres Alters und ihrer Persönlichkeit, auch entsprechend der Art der Belästigung und der Person des Belästigers, auch wo diese stattfindet. Aber die Belästigung wird dadurch nicht ungeschehen gemacht, wenn man sich erfolgreich dagegen verteidigt und wie kommen eigentlich Frauen dazu in die Situation zu kommen, sich wehren zu müssen? Oder sich dann vorhalten zu lassen, man habe sich halt vermutlich zuwenig gewehrt. Nennt mich naiv, aber das ist nicht der Punkt, wo man ansetzen sollte.

Mich zipft es beispielsweise extrem an, dass es für mich als Frau seit frühester Jugend normal ist, Angst zu haben, nachts alleine nachhause zu gehen. Mich zipft es an, Angst zu haben, aus der Straßenbahn auszusteigen und mich umzusehen, ob mir eh niemand Zwielichtiger entgegenkommt, ob mir eh niemand folgt und mittlerweile das Handy in der Hand zu halten, um sofort im Notfall irgendwen anrufen zu können. Das ist zugegeben besser geworden, seit ich in einer anderen Gegend lebe, diese Angst. Aber ganz weg geht das nicht.

Mich zipft es an, dass ich sechs Monate in einem Unternehmen gearbeitet habe, in der mich der Portier jeden verdammten Morgen blöd angeredet hat, zweideutig, extrem aufdringlich und mir einmal auch nachgegangen ist. Mich zipft es auch an, dass ich meinem damaligen Chef erst nach diesem mich-verfolgen, also nach sehr langer Zeit davon gesagt habe, weil ich mir dabei dumm vorgekommen bin und schwach und ich wollte ja erwachsen sein. Und ja, das mit dem Chef reden hat genützt. Würde ich heute sofort machen, ich bin aber auch nicht mehr 20.

Auch wurde mir unter den Rock gegriffen, auf der Straße um ein Uhr nachmittags, quasi total in der Öffentlichlichkeit ohne, dass es irgendwen gejuckt hat, und einmal in einem Haus, wo ich mit zwei Burschen kurzfristig alleine war, die zwei haben mich dabei festgehalten, und das zipft mich nicht an, sondern macht mich immer noch komplett fassungslos. Damals war ich 12 oder 13, und das meine erste Begegnung mit Sexualität wenn man so will; und es waren keine Männer, sondern Jugendliche, ein bisschen älter als ich. Und gegen die beiden hab ich mich gewehrt, sogar sehr, ich hab versucht sie wegzustoßen und gebissen hab ich sie, und trotzdem hat es sehr lange gedauert, bis ich an ihnen vorbei aus dem Haus raus bin und wären sie älter gewesen und hätten sie es drauf angelegt noch andere Dinge zu tun, hätt ich realistischerweise keine Chance dagegen gehabt. Und ich habe niemand davon erzählt, weil ich mich geschämt habe. Soviel zum Thema, wieso kommt das oft erst Jahre später raus. Und auch jetzt fällt es mir nicht sonderlich leicht, hier darüber zu schreiben, obwohl es mich nicht nachhaltig traumatisiert hat oder mein Sexualleben negativ beeinflusst hat.

Besonders zipft es mich daher an, wenn Frauen wie Nina Proll, aber auch genügend andere Frauen jetzt sagen, ist doch alles nicht so schlimm, machen wir doch nicht so einen Wind, ist doch ein Kompliment. Eine Belästigung ist kein Kompliment, sie ist verletzend und demütigend und um die eigene Person geht es da schon mal gar nicht. Ja, es ist schon klar, es gibt bei diesem Thema, wie bei jedem anderem Thema auch Ambivalenzen, und nicht nur schwarz und weiß, darüber kann man auch diskutieren, aber es geht doch vor allem, gerade jetzt, sehr um Bewusstseinsbildung um ein Umdenken, um gesellschaftliche Veränderungen. Und ich glaube, das sehen auch sehr viele Männer so.

Und morgen schreib ich dann für Uncut was zum Thema Kevin Spacey. Und das ist durchaus schmerzlich. Stay tuned.

Doppelzimmer mit Horwath

Gestern, zu Allerheiligen sendete fm4 ein Doppelzimmer (noch sechs Tage zum nachhören) mit Alexander Horwath, nunmehr Ex-Direktor des Filmmuseums.

Ich bin ja eine bekennende Horwath Fanin, seit ich ihn von der Oscar-Co-Moderation im ORF kenne. Erstens, weil er ein wirklich Auskenner ist und ich immer wieder von ihm lerne, wenn er über Film spricht und zweitens, fast genauso wichtig, er nicht nur ein Liebhaber des Arthouse Kinos ist (dem ich auch sehr viel abgewinnen kann), sondern auch das (gute) Hollywood Kino sehr schätzt. Das finde ich immer schön, wenn so jemand nicht die Nase rümpft über den scheinbaren Kommerz, denn nicht jeder US-amerikanische Film ist per se schlecht, nur weil es sich um eine Hollywood-Produktion handelt.

Im Doppelzimmer mit Elisabeth Scharang darf Horwath nun zwei Stunden (mit natürlich einigen Musikunterbrechungen) über Film und sich selbst sprechen und es war wie immer sehr aufschlussreich und schön zum zuhören. Er findet zb dass der Western als Genre uns noch einiges zu sagen hätte, ihm ist aber bewusst, dass das Genre nicht gerade in aller Munde ist, derzeit. Den letzten Tarantino Western The Hateful Eight mochte Horwath aber zum Beispiel nicht so besonders, weil er ihn als zu postmodern empfindet, “als dreifach ums Eck gewickelter Western” und wohl als “Western to end all Westerns” konzipiert war, also als quasi überdrüber Western, in dem alles reingepackt ist, nur der alte tatsächliche Western-Spirit weniger.

Sehr witzig fand ich auch, dass er einen Song von Jeanne Moreau mitgebracht hat, nämlich Le tourbillon den ich selber sehr mag, auch wenn ich kein Wort verstehe, da ich nicht französisch kann, aus dem Film Jules und Jim und den ich komischerweise vor gut einer Woche zufällig in meinen youtube Bookmarks wieder gefunden habe. Horwath denkt laut darüber nach wie das ist, einen Song quasi unmittelbar im Film zu singen und nicht als Soundtrack über eine Szene zu legen und welche Wirkung das hat. Im Fall von Jules und Jim eine sehr bedeutsame natürlich.

Interessant ist auch, als Scharang ihn fragt, wie das für ihn so war mit Sexualität, die man meist quasi durch Film kennenlernt, bevor man sie selbst praktiziert. Das hab ich mich auch schon lange gefragt, weil ich eine Freundin hatte, die ihr Beziehungsleben immer in Relation zu dem stellte, was sie im Kino so sah und das war sehr oft natürlich viel zu idealistisch und ziemlich realitätsfern. Scharang meinte, das Kino habe ihr viele Dinge beigebracht, diesbezüglich, auch “viel Blödsinn” – Horwath hat dazu einen anderen Zugang. Er hat damals die Klischee-Filme vermieden und lieber Bogart und Bacall geschaut. Was hat er dabei gelernt, fragt Scharang: “Geste, Pause, Stille.” (…) Ich bin ein Quassler. (…) Wenn man auch weiß, wo man ein Wort sagt und wie man besser schweigt (…) Wie eine Geste fünf ganze Sätze ersetzen kann.”

Super, dass genau nach dieser Gesprächspassage mein Lieblingssong als Tween folgte, den ich immer noch total gern mag, nämlich Do you remember the first time von Pulp, passt zur nerdigen Selbstbeschreibung von Horwath, denk ich. Eine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Thema erster Sex, aufgrund der mutmaßlichen Wiederbegegnung des Song-Protagonisten mit dessen erster Freundin. Man kann da sehr viel interpretieren in die Lyrics, und das ist immer spannend.

Spannend ist auch, dass Horwath derzeit noch nicht weiß, was er als nächstes beruflich machen wird oder will. Und das findet er gerade auch sehr gut so. Denn jetzt, mit 52, war es ihm wichtig, “in einem Lebensabschnitt zu sein, in dem man nicht weiß, was der nächste Lebensabschnitt sein wird, das war mir wichtig, so einen Moment nochmal zu erhaschen, (…) dass es nochmal einen Moment gibt, wo man nicht weiß, wie es weitergeht.”

Ich hoffe jedenfalls, weiterhin von ihm zu hören und auch auf weitere Einsätze als Oscar-Co-Moderator.

Happy Halloween

#teamblutigeaxt

Julia Roberts, eins

Dieser Tage wird Julia Roberts 50 und das ist mir ein willkommener Anlass, ein bisschen über ein paar ihrer Filme zu reflektieren.

Da wäre zunächst einmal Pretty Woman. Vielleicht ist man verleitet, Pretty Woman zu gering zu schätzen, weil es eine leichte Komödie ist, aber eigentlich sind leichte Komödien ein ziemlich kompliziertes Genre, vor allem, wenn sie einen gewissen Anspruch haben wollen. Pretty Woman ist witzig und selbstironisch und hat eine – trotz ihres Berufsstandes – sehr feministische Hauptfigur, die genau weiß was sie will und was sie nicht will.

Ich wollte damals als Teenager unbedingt so tolle lange Locken wie Julia Roberts haben, die übrigens nicht die erste Wahl für die Rolle der Vivian war und auch nicht die zweite oder dritte. Als sie dann schließlich doch fix gecastet war, wollte Richard Gere eigentlich nicht wirklich, aber Roberts schrieb ihm ein post it mit den Worten “Please say yes” und dann hat er doch zugesagt. Gere wirkt ja im Film dann eher passiv und zurückhaltend, ich habe in der Trivia gelesen, dass er anfangs seine Rolle viel aktiver angelegt hat, ihm aber dann vom Regisseur Bescheid gesagt wurde, dass nur einer der beiden im Film so lebendig rüberkommen sollen und das sei nicht er.

Es gibt soviele kultige Szenen, dass es schwierig ist, eine bestimme herauszugreifen. Natürlich mag ich sehr gerne die Szene, in der Vivian mit Edward shoppen geht – Dialog Edward mit dem Shopmanager: “Ich möchte ein hier ein Vermögen ausgeben.” Der Shopmanager: “Ein kleines, ein mittleres oder ein richtiges Vermögen?” Edward: “Ein richtiges Vermögen.” Und dann probiert Vivian lauter tolle Kleider an und das in den ausgehenden achtziger Jahren, die ja nicht gerade für dezente Mode berühmt waren, hach ja. Ich nehme an, Männer finden diese Passage auch so toll.

Schön ist auch die Szene, als die beiden in die Oper wollen, Vivian trägt dieses rote Kleid und Edward meint, da fehlt noch was. Dann zeigt er ihr eine Perlenkette in einer kleinen Schachtel und als Vivian die Kette berührt, schnappt er die Schachtel zu und sie erschrickt und lacht. Das interessante an der Szene ist, dass das Zuschnappen lassen der Schachtel von Richard Gere improvisiert war und somit die Reaktion von Roberts komplett natürlich. Das hat dem Regisseur so gut gefallen, dass er die Szene so belassen hat.

Ich mag auch die Anfangsszene, in der Edward Vivian im Auto vom Hollywood Boulevard “aufliest” und gröbere Probleme beim Schalten mit der “Haarnadelschaltung” hat. Zitat Vivian: “Schönen Gruß vom Getriebe, der Gang ist drinnen.” Einen Satz, den ich auch schon manchmal in passenden Situationen gern verwendet habe, v.a. mir selbst gegenüber harhar. Und natürlich die Endszene (Spoilerspace, aber ich glaube, hier liest keiner mit, der den Film noch nie gesehen hat), als der nicht schwindelfreie Edward seine Prinzessin aus dem “Turm” rettet, und mit Müh und Not die Feuerleiter des staubigen Hauses in einer unspektakulären Gegend von Los Angeles hinaufklettert.

Was man vielleicht schon vergessen hat, wenn man den Film nicht ein dutzend Mal gesehen hat wie ich: der Roxette Song It must have been love wird an sehr prominenter Stelle im Film gefeatured. Damals war die schwedische Band ja am absoluten Höhepunkt ihrer Karriere. Und: Julia Roberts wurde für ihre Darstellung für den Oscar nominiert (gewonnen hat dann allerdings Kathy Bates für Misery).