The sky is the limit

Schuljahresende ist immer eine besondere Zeit. Aufregend, erleichternd, aber auch irgendwie melancholisch zwischendurch.

Als ich ein Kind war, ging ich immer direkt nach der Zeugnisverteilung zu meinen Großeltern – wo ich ohnehin die meiste Zeit meiner Kindheit verbrachte – und es gab immer Eiernockerl und Cola und Schokolade, und dann hab ich mich auf ihren Balkon gesetzt und gelesen. Einmal, als ich schon eine Jugendliche war, wollte mich eine Freundin am Zeugnistag zu einem Ausflug mitnehmen, ich habe aber abgelehnt, weil ich meinen Zeugnistag so begehen wollte wie immer. Ja, ich war ein fades Kind. Aber für mich war es wichtig. Und als sie mir nachher sagte, ich hätte was verpasst, weil Fiakerfahrt und pipapo, dachte ich: nein, hab ich nicht. Manchmal hab ich das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, auch wenn gar nichts großartiges passiert und wenn ein Schuljahr zuende ging, dann war der richtige Ort einfach immer bei meinen Großeltern.

Wenn man selbst ein Kind hat, wechselt die Perspektive, nicht unbedingt die Gefühle. 2014, beim Kindergartenabschied, haben die Kinder gesungen und getanzt und Absolventenhüte bekommen; wir haben der Pädagogin ein Fotobuch geschenkt und sie hat geweint, wie die meisten Mütter auch, sogar die, von denen ich es nicht gedacht hätte, nur ich nicht. Obwohl es schon sehr emotional war. Es war eine Zeit in meinem Leben, wo ich einfach nicht hätte weinen können und wollen. Und ich hab mir gedacht, wow bin ich stark, und vielleicht war ich das, vielleicht aber auch nicht.

2018, beim Volksschulabschied, war das ganz anders. Das letzte Volksschuljahr des Kindes war aus diversen Gründen eine große Herausforderung für mich, und in der Nacht vorm Zeugnis hab ich fast nicht geschlafen; ich hatte das Gefühl, ein riesiger Elefant sitzt auf meiner Brust und wartet nur darauf, endlich hinunter gestoßen zu werden. In der Schule war ich dann immer knapp vorm Tränenausbruch, weil ich auch viel Zeit mit der Klasse verbracht hatte, bei diversen Ausflügen und Veranstaltungen, aber das war nur ein Teil der Geschichte. In meinem Kopf herrschte ein derartiges Chaos, wie in einer Lade, in die man, in Erwartung eines Besuches, alles hineingeworfen hatte, was so draußen herumlag. Das anschließende Hinausgehen aus der Schule war wie der Beginn eines neuen Lebens, auch für mich. Es war ungewiss, aber auch befreiend.

Irgendwann, wenn das Kind maturiert, vielleicht in 7 Jahren, da wird alles wohl noch krasser, dann lässt man die Schule nochmal hinter sich und noch mehr, die Kindheit das Kindes, auf gewisse Weise, und selbst auch einen Lebensabschnitt, ohne zu wissen, was als nächstes auf eine zukommt. Vielleicht werde ich mich und mein Leben dann schon besser verstehen. Vielleicht aber auch nicht.

Dog day afternoon

Als wir vor sechs Jahren nach Floridsdorf gezogen sind, haben wir recht bald alle Kinder und Eltern im Haus kennengelernt, weil wir im Sommer umgezogen sind und da Hochsaison im Hof war.

Ich kann mich noch genau erinnern, als wir eine liebe Nachbarin von der anderen Stiege das erste Mal gesehen haben, mit ihren kleinen Töchtern und ihrem Hund Phoebe und sie erzählt hat, dass Phoebe schon etwas betagt wäre und nicht mehr so kann. In den folgenden zwei, drei Sommern meinte sie öfters, es wäre dann wohl der letzte Sommer, den der Hund erleben würde. Die Hitze mache ihm zu schaffen. Sie war immer so treusorgend um ihn, das fand ich schön, er war ein richtiges Familienmitglied. Dann wurden die Kinder älter, ihre und meines, und die Zusammenkünfte seltener, aber der Hund lebte immer noch ganz gut. Wir sahen ihn ab und zu.

Anfang Juni dieses Jahr kam mir vormittags plötzlich aus dem nichts heraus der Gedanke, ob wohl Phoebe noch lebt. Und abends, als ich mit dem Kind in den Garten gefahren bin, fragt er mich von der Rückbank: “Lebt die Phoebe eigentlich noch?”. Das war spooky. Ich hab dann gemeint, wieso er gerade jetzt drauf kommt, da sagte er, er hätte beim Vorbeifahren einen Hund gesehen, der so aussieht wie sie. Jedenfalls hab ich ihm versprochen, dass ich die Nachbarin frage, wenn ich sie wieder sehe. Und das war heute der Fall.

Und, noch spookier – Phoebe ist Anfang Juni gestorben. Also zwei, drei Tage vor dem Gespräch vom Kind und mir, ich hab im Kalender nachgesehen. Sie war natürlich alt, fast 17 Jahre, am Ende ist es steil bergab gegangen mit ihr; ich habe der Nachbarin gesagt, sie hatte ein gutes Leben bei ihnen. Es ist traurig, aber natürlich auch irgendwie eine Erlösung, so abgedroschen das auch klingt.

Und da dachte ich dann drüber nach, was sich alles geändert hat, seit wir hier eingezogen sind. Die wuseligen Klein- und Vorschulkinder haben laaange Beine bekommen und sind jetzt alle prä-pubertär. Im Hof sind viele andere wuselige Klein- und Vorschulkinder, unsere gehen jetzt schon alleine zur alten Donau schwimmen und streifen mit ihren Rollern in der Gegend herum und machen die Türen zu ihren Kinderzimmern gerne zu. Wir sehen sie nicht mehr so oft und auch wir Eltern sehen uns nur noch unregelmäßig, es sind einige ausgezogen und neue eingezogen, das ist der Lauf des Lebens. Wir haben andere Gedanken als noch 2013, wir leben andere Leben, die (kleine) Welt hat sich verändert und wir uns mit ihr. So ist das Leben und es ist gut so.

Juni-Endspurt.

Nach dem langen Pfingstwochenende ist es dem Kind und mir dann doch einigermaßen schwer gefallen, den Garten zu verlassen, um wieder der Verpflichtung Schule und Arbeit nachzukommen. Auch die Arbeit als EPU hatte nämlich eine Wochenend-Pause gemacht und das fühlte sich sehr erholsam an.

Denn man kann mit dem Kind im Pool sein und ihm zuschauen, was es einem alles zeigen will (und das ist recht viel). Man kann die Badehose, die das Kind aufs Dach (sic!) des Gartenhauses befördert hat, wie auch immer er es geschafft hat, mithilfe eines Sessels und eines Gartenrechens wieder hinunter fischen (wie ich das genau geschafft habe, weiß ich auch nicht, vor allem, ohne dabei vom Sessel zu fallen…). Man kann mit der Oma Aperol mit frischen Erdbeeren trinken und mit der Gartennachbarin plaudern. Man kann im Liegestuhl liegen und einfach mal nur in den Himmel schauen – zumindest solange, bis von irgendwo ein “Mamaaaaa” erschallt.

Dem Kind ist dankenswerter das Fußballspielen in der prallen Sonne mittlerweile auch zu heiß und so muss man es auch nicht, wie in diversen Sommern davor, über den Gartenzaun ins Nachbargrundstück heben, weil der Ball dorthin geflogen ist – ich würde das auch gar nicht mehr schaffen. Das Kind hat zwar nur 30 Kilo, was für sein Alter wenig ist, für meine Armmuskeln aber doch zuviel. Und dann steht man vorm Radio, weil die Oma findet einen Song so gut, weiß aber nicht wie der heißt. Und der Sohn will die Soundhound App aktivieren, aber es stellt sich raus, dass man selber die Soundhound App ist, denn der Song heißt zweifelsohne Space Oddity und ist von David Bowie – “The stars look very different today”. Soviel schaffe ich auch ohne Technik.

Und am Abend fährt man dann aus Liesing mit Bus und Ubahn rein ins urbane Leben und lässt Oma und Enkel alleine chillen. Und lebt ein bisschen nur für sich.

Vermischtes

Puh, schon lange nichts mehr geschrieben – wie mal Schuljahr-Endspurt, ein paar Projektdeadlines und das Leben an sich.

Noch ein kleiner Nachtrag zum ESC bzw. zu Italiens Beitrag dessen:

Der Merci Cherie Podcast von Marco Schreuder und Alkis Vlassakakis wird übrigens im zweiwöchigen Rhytmus weitergeführt werden, I like. Letztes Mal waren die drei Kommentatoren aus Deutschland, der Schweiz und Österreich zu Gast und es war sehr witzig, etwa als Peter Urban aus Deutschland über den ESC in seiner Heimat erzählt hat – als plötzlich die Tonleitungen für die Kommentatoren ausgefallen sind und er sich live auf Sendung darüber beschwert hat, mit der Frage: “Wir sind doch nicht in Kasachstan, können wir nicht mal eine Leitung schalten” – und dann prompt dann die Botschaft aus Kasachstan sich gemeldet und angeboten hat, den ESC zu veranstalten, weil “unsere Technologie ist spitze.”

Außerdem hat mich mein Kind, für mich out of the blue, vor einigen Tagen gefragt: “Du Mama, kennst du eigentlich die CDU?” Und ich habe dann ganz unschuldig gesagt, “Ja sicher, das ist eine politische Partei in Deutschland”. Damit war das Thema eigentlich abgeschlossen.

Und einige Stunden später plärrte es mir von überall entgegen, das wirklich sehenswerte Rezo-Youtube Video – Die Zerstörung der CDU – und ja liebe Leute, die immer fragen, wann ist man erwachsen, wann fühlt man definitiv, dass man nicht mehr jung ist: in so einem Moment. In dem das eigene Kind mehr am Puls der Zeit ist und sich besser damit beschäftigt hat, was gerade der neueste heiße Scheiß ist, als man selbst, die nicht mal “Rezo” richtig aussprechen kann. “Mama, es heißt Riiiiso”. Jaja. Anyway, wers noch nicht gesehen hat, wirklich worth the 55 minutes.

Dare to dream – das Finale

Ja, wir haben in Österreich gerade andere Sorgen, aber dennoch will ich natürlich noch was zum ESC Finale bloggen.

Der haushohe Favorit hat sich letztendlich durchgesetzt. Duncan Laurance singt mit Arcade eine sehr ruhige und auch relativ unspektakuläre Ballade. Wieso war das von Anfang an so gehypt und hat diesen Start-Ziel Sieg errungen? Ich persönlich glaube ja, weil sich sehr viele von den Lyrics angeprochen fühlen bzw. dem Gefühl, dass dieser Song vermittelt. “Loving you is a losing game,” wer kennt das nicht? Und dann heißt es:


I’m afraid of all I am
My mind feels like a foreign land
Silence ringing inside my head
Please, carry me, carry me, carry me home

Ich zumindest fühle mich da total abgeholt, wie auch immer man es nennen will. Und ich glaube, das war in Wahrheit das Erfolgsrezept dieses Sieges. Auf orf.on wurde heute über die neuen sensiblen “Schmerzensmänner” geschrieben, weil dieses Jahr auffällig viele Interpreten sich mit ihrer fragilen Gefühlswelt auseinandersetzen. Ich finde das ja gut und richtig so. Nächstes Jahr also dann Songcontest in den Niederlanden, vermutlich Amsterdam.

Was gibt es noch zu sagen? Italien hat es dann doch noch auf Platz 2 geschafft. Schön! Luca Hänni hatte einen sehr guten Abend, ich hab kurz geglaubt, da wäre sogar der Sieg möglich, es wurde dann Platz 4. Dazwischen Russland auf drei, bei denen alles andere als ein Sieg angeblich eine Niederlage ist naja.

Die große Verliererin des Abends war aber eindeutig Madonna, die Like a prayer derartig schief sang, dass Moderator Andi Knoll meinte, ihr teuer bezahlter Auftritt hätte nun doch einen Sinn gehabt, nämlich den zu demonstrieren, wie unheimlich schwierig es ist, auf einer großen Bühne live zu singen.

Der andere Intervall Act – Conchita sing Heroes von Mans Zelmerlöw, Mans singt Fuego von Eleni Foureira, diese singt Lasha Tumbai von Verka Serdutschka und Serdutschka schließlich singt Toy von Netta – war dagegen richtig cool, das könnte man ruhig öfters machen.

Die letzten Worte hat Marco Schreuder mit seiner ESC Zusammenfassung.


Dare to dream – Review Semi 2

Paenda bzw. Österreich hat den Einzug ins ESC nicht geschafft und mehr ist dazu eigentlich auch nicht zu sagen. Es war leider vorhersehbar.

Das Semifinale war – auch wie erwartet – geprägt von soliden bis sehr guten Performances. Mein Favorit, auch für das Grand Final am Samstag, ist Aserbaidschan, Chingiz mit Truth. Der Song ist musikalisch einfach ganz jetzig, wir befinden uns definitiv im Jahr 2019, oder sogar etwas später, – auch thematisch am Puls der Zeit (Stichwort toxisische Beziehung), die Inszenierung ist originell und grad noch nicht over the top, die Töne stimmen und Chingiz kommt sympathisch rüber.

Pluspunkt der Live-Performance: Das Ethno-Solo von Chingiz, das es in dieser Form nicht auf der Radiosingle gibt. Das gibt dem Song dann noch den gewissen letzten überraschenden Kick.

Die Favoriten sind wie erwartet alle weiter, am wenigstens kann ich dabei die (Mit)Favoritenrolle von Schweden nachvollziehen. John Lundvik ist ein netter Typ, aber sein Caesar Sampson Gedächtnissong Too late for love ist mir viel zu beliebig, ich war jetzt auch kein riesen Fan von Nobody but you, aber Sampson hat mich live überzeugt. Außerdem war er Österreicher, da ist man dann eh bissl biased.

Da ist mir persönlich Russland verständlicher, weil dieser Song ist perfekt spektakulär inszeniert. Bissl größenwahnsinnig naürlich auch, mit den Spiegeln, Sergey Lazarev mal neun. Da möchte man doch darum bitten: “Will the real Sergey Lazarev please stand up?” Wo ist der echte? Darauf schrieb jemand aus der ESC Whatsapp Gruppe. “Im Gulag, wenn er nicht gewinnt”. Ich seh seit gestern auch Norwegen in den Top 10. Das ist eine gutgelaunte, mehr als gefällige Peformance, oder wie Andi Knoll meinte: “Es ist generell olles drin, wos es in den letzten 60 Jahren Songcontest schon gab.” LOL.

Ob Duncan Laurence mit Arcade tatsächlich siegen wird? Es ist ein sehr guter Song, zweifelos. Er berührt. Und Laurence am Klavier, mit gewissen Chris Martin Open Air Stadion Gestus, alles fein. Aber irgendwie… Vielleicht der Gewinner, aber womöglich knapper als erwartet. Wobei wie gesagt: Meine ESC Prognosen sind immer mit Vorsicht zu genießen.

Und man darf die big five auch nicht vergessen, die ja noch nicht aufgetreten sind, wobei: beschränken wir uns auf Italien und Frankreich als ernstzunehmende Konkurrenten. Ich empfinde Soldi immer noch als perfekten Song, der aber auf der Bühne nicht wirklich zünden will. Einen ähnlichen Befund hat gestern auch Knoll abgegeben. Extrem schade, finde ich.

Das ist übrigens die Startreihenfolge für morgen.

Dare to dream – Semifinale 2

Die bekanntesten Song Contest Blogger, Wiwibloggs, haben ihre Prognose fürs heutige Semifinale abgegeben und dabei einfach mal komplett auf Österreich vergessen. Ich lass das jetzt mal so stehen.

Das heutige 2. Semifinale ist voll von potentionellen (Sieg)Favoriten. Was die Sache für Paenda nicht unbedingt einfacher macht. Die Niederlande mit Duncan Laurance und Arcade sind sowieso seit immer die Nummer eins bei den Buchmachern auf den Sieg. Dazu kommt die Schweiz, mit dem – wie ich ihn nenne – Vorstadtcasanova Dance-Song, She got me, den ich durchaus mag, wenn Hänni ihn auch live dersingt (er tanzt nebenbei noch). Schweden mit Too late vor love, Russland mit Scream und natürlich mein heutiger Favorit: Chingiz aus Aserbaidschan mit Truth. Malta dürfte das Finalticket auch so gut wie fix haben, Michaela war bei den Rehearsals sehr überzeugend.

Das macht schon mal sechs Länder, die so gut wie sicher weiterkommen. Gute Chancen seh ich auch für Armenien, Kroatien (obwohl das sehr gewöhnungsbedürftig ist für mich) Norwegen und Rumänien. Und falls es einer dieser Länder nicht schafft, gibt es noch weitere zwei, drei, die wesentlich eingängigere Songs präsentieren als Österreich, aber vielleicht irre ich mich ja auch.

Im ersten Semifianle dürfte es recht knapp zugegangen sein, wie Jan Ola Sand, ESC Supervisor, getwittert hat.

Und hier noch Marco Schreuders Einschätzung.

Dare to dream – Review Semi 1

Wie Andi Knoll am Ende sagte: “Viele skurille Acts sind weiter, aber auch ganz normale Songs, die man im Radio spielen kann. Ich finde das ganz wichtig, die Show soll unterhaltsam sein, aber sie sollte sich schon im weitesten Sinn um Musik drehen.” Harhar.

Ganz ehrlich: ich habe mir bei diese Semifinale nur gewünscht, dass Slowenien weiterkommt, weil ich das Lied so schön und die “Performance” so süß finde. Und da musste ich lange zittern, weil Slowenien bei der Bekanntgabe der Finalisten als letztes genannt wurde und es vorher schon Entscheidungen gab, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte.

Die einzige Frage, die ich mir zu diesem Auftritt stelle: Wie weit will teilweise die Kamera noch wegzoomen, von den beiden, bald ist sie aus der Halle draußen. Ansonsten: Seufz. Wer will nicht so angeschaut werden, wie die zwei sich anschauen?

Weiter ist erstaunlicherweise auch San Marino. Serhat scheint ein ganz sympatischer Typ zu sein und 176 mal “na” in seinen Song zu packen, Hut aber, aber so daneben wie die Töne da während des Großteils des Auftritts waren – ich kann auch nicht singen, aber ich käme auch nicht drauf, beim ESC anzutreten.

Balkanballaden gabs beim Songcontest schon originellere als Kruna von Serbien, dennoch kam auch Serbien weiter. Estlans Song Storm könnte genau so auch schon in den späten 1990er erschienen sein, was alles zur “contemporary relevance” sagt. Dennoch weiter. Und auch Weißrussland hat mit dem Tralala Liedchen Like it nicht gesteigerten Wert auf Anspruch gestellt oder wie jemand in meiner esc whatsapp Gruppe ironisch schrieb: “Aktuelle brennende Probleme in Weißrussland werden in diesem Song behandelt.” Harhar.

Ungarn, Polen und Portugal werden im Finale fehlen. Für mich wären diese drei die interessanteren Songs gewesen, aber ich respektiere die demokratische Wahl.

Dare to dream – Semifinale 1

Heute steht also das ESC Semifinale Nr. 1 auf dem Programm, das schwächere, nach landläufiger Meinung. Weil die Knaller, die sogar als Siegkandidaten gehandelt werden – Schweiz, Schweden, Niederlande, Russland, Aserbaidschan – allesamt erst am Donnerstag dran kommen. Wie auch Paenda. Ähm…ein anderer Song Contest Teilnehmer, nämlich Darude für Finnland, hat Limits remixt, und da der Song etwas, nun ja, mitreißender.

Heute startet es mit Zypern, die ich auch bis vor kurzem noch zum Favoritenkreis gezählt hätte, v.a. weil es heuer weniger starke Frauen im Interpretenfeld gibt (im Gegensatz zum letzten Jahr, als zwei um den Sieg kämpften). Aber bei den Proben hat mich Zypern nicht überzeugt. Dennoch wird es Tamta mit Replay ins Finale schaffen, ebenso wie vermutlich die Tschechiche Republik, Island (Hass wird siegen!!!) und Australien (die sich dieses Jahr aber für einen kontroversiellen Act entschieden haben).

Ich persönlich würde mir Slowenien wünschen, weil ich Sebi, diesen ruhigen, unaufgeregten Indie-Song sehr mag und die Performance bezaubernd finde, auch Belgien hat was (von Jean Michel Jarre). Belgien schaffte es die letzten Jahre auch immer mit Qualität relativ weit vorne im Ranking zu liegen. Zu Conan Osiris hab ich ja schon was geschrieben, dass er mit seinem avandgardistischen Telemoveis einen aktuellen Befund über Medienkonsum abgibt. Jetzt hab ich in den Lyrics gelesen, dass es um ein kaputtes Handy geht. Harhar. Aber ich denke, das ist eine Metapher.

Herr Schreuder gibt, wie jedes Jahr, seine Tipps, wer aufsteigt, auf seinem Standardblog bekannt. Wie immer lesenswert.

Dare to dream – das Staging

Yo, wenn man die ersten Rehearsals der ESC-Kandidaten auf youtube verfolgt, bekommt man ziemlich rasch ein Gefühl dafür, was funktioniert und was nicht.

Oder anders gesagt: Ich hoffe, die Ausschnitte auf youtube führen manchmal auch auf eine falsche Fährte, weil sonst wird das mit dem Sieg von Italien (wieder) nix. Was ist bisher von Mahmoods Soldi gesehen haben, wirkt so überladen und wie Kraut und Rüben, dass man unweigerlich an Francesco Gabbani denken muss, dessen echt cooler Song Occidentalis Karma 2017 ja auch von der Bühnenshow hingerichtet wurde. Ich hoffe wirklich sehr, dass das heuer nicht passiert.

Optisch sehr gut wirkt hingehen das, was Sergev Lazerav mit Scream veranstaltet, natürlich Bombast, eh klar, aber sehr ästhetisch und beeindruckend in Szene gesetzt, wie ich finde. Außerdem kann er sehr gut singen (was nicht für alle Teilnehmer gilt, es gab da doch eine Menge schiefer Töne auch).

Begeisterungsstürme hat Bilal Hassani mit Roi durch seinen ersten Auftritt ausgelöst. Sein großes Vorbild ist Conchita und seine Botschaft Fairness und Freiheit für alle setzt er auch auf der Bühne um. Er hat beispielsweise eine Tänzerin engagiert, die Body Positivity vermitteln soll und sie tut das in einer Weise, von der Palmers (mit seiner neuen Kampagne) nicht mal zu träumen wagen würde – weil da bei Palerms hat eine dicke Frau im Bikini ca. Größe 38 oder ist schwanger.