Alles gut

Heute vor 13 Jahren war der letzte Tag, an dem ich nicht Mama war.

Jahrelang hab ich den ganzen September ambivalente Gefühle gehabt. Wurde von der Spätsommerluft und dem Stand der Sonne getriggert. Das hörte mit jedem Jahr mehr auf und heuer hab ich kaum was gefühlt. Weil auch viele andere Themen das gerade heuer überlagern.

Bis ich heute in aller Frühe, um halb sieben, die Fotos von meiner damaligen Bettnachbarin im Krankenhaus Bozen sah. Ihr Sohn M. wurde heute vor 13 Jahren geboren. Auf ihrem Whatsapp Status hat sie ein Bild gepostet, in dem sie mit M. die Marsupio (Känguruhtherapie) macht. Sie sitzt da in dem weißen Kittel, den wir auf der Intensivstation immer angezogen haben, vor der Wand mit den braunen Fliesen, auf der Brust ihr winziges Baby. Und sie hat diesen Gesichtsausdruck zwischen Babyblues und Glücklich-sein und der Frage: wie bin ich bloß hierher geraten. Und das war dann doch wieder ein ziemlich emotionaler Flashback für mich.

Aber M. geht es wunderbar. Es ist alles gut.

Fall Guys

Ich bin ja nicht so die Zockerin. Achtung Euphemismus.

Natürlich weiß ich, dank dem Kind, dass seit einigen Wochen das Videospiel Fall Guys der letzte Schrei ist. Der letzte Schrei würde das Kind das natürlich nicht nennen, aber mir fällt gerade kein hipperer Begriff dafür ein.

Jedenfalls fand ich das Spiel 1. sehr süß – mal nichts mit Autos und Waffen usw. 2. schön bunt animiert, 3. hat lustige Musik, macht gute Laune.

Natürlich hab ich mir trotzdem nicht erträumt, dass ich es einmal selbst spielen werde. Ich glaube, das letzte Spiel, das ich – damals noch auf meinem Personal Computer – gespielt habe war Simon the Sorcerer. Ja, das ist aus dem Jahr 1993. Aber na ja, das Kind wollte, dass ich es mal ausprobiere. Am Anfang hab ich null gecheckt. Aber dann ging es etwas besser und ich habe die eine oder andere Runde gewonnen. Und dann war ich voll drauf angefixt.

Ich bin immer noch schlecht. Ich habe es gestern zwar bis zur dritten Runde geschafft, doch gerade in dem Moment als diese begann, klingelte das Kind an der Wohnungstüre und ich musste aufmachen. Man kann im Spiel aber nicht pausieren Als ich zurückkam, hatte mein Team (es gibt vereinzelt auch Teamspiele) die Runde einfach so gewonnen, ohne, dass ich was dazu getan hätte. Scheint (m)ein Erfolgsrezept zu sein.

Also vielleicht was für den langen socially distant Winter.

ESC, deine Texte

Mir ist ja kein Anlass zu gering, dass ich ihn nicht nütze, um über den Songcontest zu bloggen harhar.

Am Samstag war wieder Eurovision Again, diesmal das Jahr 2005. Ich war nicht daheim und hab es daher nicht gesehen, aber ich habe folgenden Tweet dazu entdeckt:

Wir erinnern uns (oder, oder??) 2005 hat Griechenland mit My number one gewonnen. Und mit eben dieser ersten Zeile.

Mir persönlich gefällt ja folgende Zeile aus der Sergey Lazarevs Nummer You are the only one – btw. hat der Titel Ähnlichkeiten zu oben angesprochenem griechischen Song – noch besser: “Thunder and lightning, it’s getting exciting”. Aber Russland wurde damit “nur” Dritter.

Und weil wir alle etwas Aufheiterung brauchen, hier Lazarevs Auftritt 2016 – reduziert und zurückhaltend, wie die meisten russischen Beiträge harhar. Aber ehrlich gesagt: den Effekt bei Minute 2 finde ich schon auch toll.

ESC 2021

Die gute Nachricht – einsam im Schatten aller miesen Nachrichten der Woche – im Jahr 2021 wird es wieder einen Songcontest geben. Und weil die Veranstalter in Rotterdam ja nicht hinter dem Mond leben, gibt es gleich vier mögliche Austragungsszenarien.

Erstens ein ganz normaler ESC. Let’s face it, das wirds nicht sein.

Zweitens einen ESC mit 1,5 Meter Abstand. Da gäbe es zwar Shows und alle würden vor Ort performen, aber natürlich mit deutlich reduziertem Audiotorium.

Drittens bei Reisebeschränkungen. Da würden diejenigen live performen, die reisen dürfen. Die andern würden in ihrem jeweiligen Land auftreten und zugespielt werden.

Viertens Lockdown Szenario. Alle performen daheim.

Zu viertens ist zu sagen: Sorry Island, Litauen, Malta und Bulgarien, ihr Favoriten für 2020. Das hätte man dieses Jahr nämlich auch noch hinkriegen können.

LIZVC 49

Die Schule läuft jetzt seit 7 Tagen. Abgesehen von dem Maskendings und den beschränkten Buffettöffnungszeiten (je nach Klasse), geht es halbwegs normal ab. Und das, obwohl Wien ja jetzt – laut Ampel – orange wird, aber die Schule bleibt dann doch gelb, weil ab orange wäre ja schon wieder Homeschool angesagt, zunächst einmal für die Oberstufenschüler. Was die Tagespresse zu einem sehr witzigen Artikel inspiriert hat. Irgendwie musste ich an meinen Vater denken, der früher gerne sagte: “Farben sind Zeichen einfachen Geistes.”

Vor der Schule wird immer noch bzw. mehr denn je die coole Straße gebaut, weshalb sich die Leute- es gibt dort vier Schulen, einen Kindergarten und ein Hallenband – super auf den schmalen Wegen drängeln können und dauernd von einer Straßenseite auf die andere geleitet werden. Es ist normalerweise mein fast täglicher Weg, zum Bahnhof(sviertel) und zurück. Irgendwie bin ich “fed up” mit dieser coolen Straße bzw. dem Speißroutenlauf.

Was war noch los? Nachdem ein Arbeitsprojekt vom Herbst ins neue Jahr verschoben wurde (Hello Corona my old friend) habe ich mich bei einem anderen beworben, viel Arbeit bekommen und jetzt gibts doch noch was in dem ursprünglichen Projekt zu tun und eine andere Anfrage ist auch herein geflattert. Herrje, und dann rennt einem doch wieder die Zeit davon. Aber besser so als anders.

Dann noch ein nettes Business-Meeting im Türkenschanzpark gehabt. Mit Entenbegleitung.

Und nachts um halb 12 war ich mal auf der Mariahilferstraße, nicht viel los, aber doch mehr als im Lockdown.

Komisch, dass man nach wie vor vieles in Bezug zu Corona/Lockdown setzt.

LIZVC 48

Ach ja, ich bin übrigens die Treppe runtergefallen, im Gartenhaus.

Das war letzten Freitag um 23.30, als im Zimmer, in dem das Kind zockte, irgendwelche Spinnweben von der Decke hingen. Also holte ich einen Besen und wischte die Spinnweben weg und dann wollte ich, mit dem Besen in der Hand, die Treppe wieder hinuntergehen. Aber anstatt auf die Stufen zu schauen, inspizierte ich den Besen, was da jetzt so alles dranklebte. Und da ich Socken anhatte und nicht aufpasste, wo ich hinstieg, und mich wegen des Besen auch nicht festhalten konnte, als ich ins Schleudern geriet, krachte ich, anstatt Stufen zu steigen, mit dem Rücken voll auf die Treppe.

Man kriegt übrigens keine Luft, wenn man auf den Rücken fällt, zumindest für eine kleine Weile. Jedenfalls klappte dann mein Kreislauf zusammen. Ich sagte dem Kind, es wäre alles ok, ich müsse mich nur kurz hinlegen; aber das war gar nicht so leicht, weil auf dem Rücken liegen konnte ich beim besten Willen nicht mehr. Also nur noch ein bisschen atmen, ein paar Minuten im ruhigen und dunklen Schlafzimmer. Und den Schweißausbruch und die Panik-Übelkeit ignorieren.

Meine Mutter kam dann und meinte, ich müsse wohl ins Krankenhaus, aber tatsächlich reichte es, dass sie mich mit irgendeinem ihrer Arthrose Wundermittel einschmierte und mir einen ominösen “Schmerz-Saft” einflösste und, dass ich 7 Stunden durchschlief, um am Samstag in der Früh frisch und fröhlich, nach einem kleinen Outdoor Frühstück auf der Terasse und nur mit kleineren Abschürfungen versehen, per pedes zur Vereinsvollversamlung (mit Abstand, Maske und Lüftung, ha – Bezug zu Corona gefunden) zu gehen. Weshalb ich ja speziell an dem Tag im Garten schlafen wollte. Da war ich schon etwas stolz auf mich.

LIZVC 47

Heute vor sechs Jahren, am allerersten Schultag vom Kind, hat es so geschüttet, dass wir mit dem Auto hinfahren musste, sonst wären wir komplett durchnässt angekommen. So stellt man sich das eigentlich nicht vor.

Sechs Jahre später und mit Beginn der dritten Klasse Gymnasium, hörte der Regen früher auf. In der Früh schrieb ich Denk-an-dich Grüße an alle meine Freundinnen, die Mamas mit Kindern sind, und heute in eine (neue) Schule kamen, oder in den Kindergarten, und an meine Freundin, die erstmals als Klassenvorständin eine Klasse übernimmt.

Jeder Schul(neu)anfang wird von einer gewissen Melancholie begleitet, auch schon ohne Corona, wie schnell die Jahre vergehen, wenn auch die Tage manchmal dahinschleichen. Ich habe heute einen Papa getroffen, den ich seit besagtem ersten Schultag kenne, weil sein Kind mit meinem in die Klasse ging. Er hat sich getrennt und als ich ihn frage, wie es ihm geht, sagt er: “Geht schon.” Und die Leichtigkeit ist weg, die er früher immer ausgestrahlt hat, ganz oft haben wir uns am Schulweg getroffen, als wir die Kinder gebracht haben und abgeholt, ganz oft haben wir geplaudert, und es war immer nett, er war voller Lebensfreude. Die Lebensfreude, sie ist verschwunden, aber ich hoffe, das war nur eine Momentaufnahme. Mir geht das sehr nahe, wieso frag ich mich, geht mir alles viel näher seit dem ersten Schultag, vor sechs Jahren? Auch in meinem Lebens ist viel passiert.

Das Kind jedenfalls, das Kind ist zufrieden, abgesehen von den Kleinkram-Motzereien, er kommt mir strahlend entgegen.

LIZVC 46

Eine “weltweite Pandemie”, wie ich es hier öfters geschrieben habe, ist strenggenommen ein Pleonasmus. Auch wenn Menschen in der ZIB ebenso gesagt haben, wie ich gestern hörte.

Heute ist der letzte Ferientag, ab Montag ist wieder “normal” Schule. Das Kind wäre ja für Homeschooling mit höchstens ein, zwei Präsenztagen in der Woche, zur Sicherheit harhar. Na ja, es war nicht alles schlecht im Homeschooling muss ich zugeben. Nicht so früh aufstehen, weniger Stress, deutlich mehr Entspannung allgemein – mal sehen wie der Schulherbst dann tatsächlich wird, ich habe keine Vorstellungskraft mehr, was wie noch alles passieren wird.

Vor allem, nachdem ich gestern die wohl absurdeste Meldung seit Beginn der Krise gelesen habe – und das ist gar nicht einfach. Die “oberste Medizininer Kanadas” (alleine dieses Prädikat, wer sagt das, sie selbst über sich?), rät zum Sex mit MNS (sic!) und das Küssen sollte man überhaupt am besten weglassen (sic!). Oder auch gleich den Partner. Ähm…

Gestern war ich mit dem Kind in Niederösterreich, wo wir nochmal seine Freunde getroffen haben, ein bisschen was von “this used to be my playground” hatte das.

Ein sonniger Spätsommertag, mit dem schönsten blauen Himmel und den stimmungsvollsten Wolken.

Caution!

Die Killers haben unlängst ihr sechstes Album veröffentlicht. Es heißt Imploding the Mirage. Ich habe eine lange durchaus leidenschaftliche Liebesbeziehung zu den Songs der Killers.

Weil. Nun ich mag die Stimme von Frontman Brandon Flowers sehr gern. Und ich mag die Sentimentalität, die ihren Songs anhaftet. Ihre Songs sagen: Das Leben ist fürchterlich schmerzhaft, aber auch wunderschön. Und oft beides gleichzeitig. Das habe ich früher gefühlt und jetzt, wo ich Mitte 40 bin, fühle ich es noch viel stärker. Vielleicht sind es die Wechseljahre, vielleicht das Leben, das sich so verwirrend-verwandelt hat in den letzten Jahren, das Größerwerden des Kindes und ja, jetzt haben wir auch noch eine weltweite Pandemie. Vielleicht ist es auch alles zusammen. Jedenfalls können die Killers diese Gefühle wunderbar in Worte und Melodien transformieren.

Die Single Caution vermittelt wieder alles, was man von den Killers vermittelt bekommen will. Zuerst mal: Caution! Vorsicht! Da weht der Wind der Veränderung und das in der Wüste. Da hat eine Frau Hollywood-Eyes – in die hoffentlich nichts vom Sand gelangt. Egal, sie will die Stadt – Las Vegas natürlich – verlassen. Da ist jede Menge Bitterkeit, oder wie Flowers singt: “”If I don’t get out of this town, I just might be the one who finally burns it down.”Flowers hat in einem Interview den autobiografischen Hintergrund des Songs eingestanden: seiner Familie zuliebe ist er aus Vegas weggezogen.

Das neue Album ist nach dem ersten Durchhören vielleicht weniger poppig als die früheren, aber die typischen Killers-Signature Riffs sind geblieben, die uns oder zumindest mir sagen: Wir wissen immer noch nicht genau Bescheid, wir versuchen Dinge, vielleicht scheitern wir, aber das alles ist ok. Es ist in Ordung, zu fühlen, was immer wir fühlen.

Rundgang Oberlaa

Mit der Initiative Denkmalschutz war ich gestern auf Rundgang in Ober/Unterlaa.

Der letzte österreichische Kutschenbauer Florian Staudner hat uns viel über die Geschichte der Gegend erzählt, und wir haben auch gesehen, wie Neubauten – die im Zuge des Ubahn Baus dort errrichtet werden – den dörflichen Charakter der Gegend gefährden.

Sehr gut hier zu sehen, hinter dem Feld, die neuen Bauten, die nicht wirklich ins Ortsbild passen – und man fragt sich wieder, ob das wirklich so sein muss.

Anschließend an den Rundgang dann der (versöhnliche) Ausklang beim sehr netten und lauschigen Heurigen Schurli, an einem perfekten Spätsommerabend.