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Nochmal the Voice

Gestern habe ich mich sehr amüsiert bei Voice of Germany.

Und das kam so: Ray Garvey wird von den anderen Juroren, speziell Sido und Mark Foster, immer vorgeworfen, dass er die besten Kandidaten mit seinem englischen Akzent und seiner Masche – genannt die Ray Garvey Klammer – zu sich ins Team lotst.

Sido und Mark erklären diese dramaturgische Klammer so: Ein Talent singt, und Ray eröffnet dann die Jurorenrunde mit empathischen Fragen wie: “Wie geht es dir? Wer bist du? Wo kommst du her?” Dann erteilt er das Wort den anderen und alle geben ihre Kommentare ab. Und dann denkt man schon, es ist zu Ende, da ist wieder Ray am Wort, der Dinge sagt wie “Musik kommt vom Herzen. Hör auf dein Herz” und ähnliches. Da haben die Kandidaten die anderen Juroren schon vergessen und gehen zu Ray.

Sido: Ich überlege mir jetzt was eigenes, ich mache die Sido-Grätsche.

P.S. Wann ist Sido eigentlich so nicht-mehr-gangstermäßig-nett geworden?

The Voice nostalgisch

Das Kind hat Voice of Germany entdeckt und jetzt schauen wir das also gemeinsam, zweimal die Woche.

Nach anfänglicher Skepsis mus sich sagen, finde ich die Show doch ziemlich amüsant. Vor allem die Gespräche der Juroren – die da wären Sido, Rea Garvey, Alice Merton und Mark Forster – untereinander finde ich immer ziemlich witzig, wie sie sich um potentielle Kandidaten streiten.

Gestern wurde ich dann ein bisschen nostalgisch, weil gleich zwei Teilnehmer Songs aus den 90er Jahren sangen. Zuerst eine Dame I will do anything for love von Meatloaf. Ich so zum Kind: “Damals war ich 18 oder 17.” Mark Forster gab mir dann recht mit 17, als er sagte, der Song wäre aus dem Jahr 1993. Ich erinnere mich an einen MTV Moderator, der damals mutmaßte, was das denn bedeuten solle, I will do anything for love, but i won’t do that: “Use a deodorant, stop driving the motorcycle in the house…” Harhar.

Danach noch Always von Bon Jovi. Ich zum Kind: “Da war ich etwas älter” – richtig 19! Und Mark Foster zur Kandidatin: “Wer etwas von Bon Jovi singt, hat sowieso schon gewonnen bei mir.” Und Always ist sicher der beeindruckendste Song von Bon Jovi, zumindest für mich.

Die OEAG

Im letzten Merci Cherie Podcast wurde die OEAG Österreich vorgestellt. Der hiesige Song Contest Fanclub. Ja, ich höre immer noch diesen Song Contest Podcast, der im ca. zweiwöchigen Rhymtmus weiter erscheint, bis sich die Intervalle vor dem nächsten ESC am 16. Mai wieder verdichten werden.

Jedenfalls war das Gespräch mit zwei OEAG Vereinsmitgliedern sehr spannend. Seit 2007 voten die Vereinsmitglieder im Vorfeld auf den Sieger und fünfmal lagen sie in diesen 13 Jahren richtig. Diese Quote liegt auch daran, dass hier meist die Videos der Teilnehmer beurteilt werden – der Live-Auftritt beim ESC ist oft ein anderes Kaliber – sowohl im positiven, wie im negativen Sinn. Jedenfalls wurden die Gewinner 2007 Marija Serifovic/ Molitva, 2009 Alexander Rybak/ Fairytale, 2012 Loreen/ Euphoria, 2013 Emmelie de Forest /Only Teardrops und 2018 Netta/ Toy richtig prognostiziert.

Bei Lena (2010) und Conchita (2014) lagen sie daneben, ebenso wie 2017, als sie Francesco Gabbani mit Occidentalis Karma als Sieger vorhersagten. Dazu der Podcast Moderator Alkis: “Gut, der war überall vorne.” Daraufhin Marco Schreuder: “Nur nicht beim Song Contest.” Harhar.

Interessant ist auch, dass es – wäre es nach der OEAG Wertung gegangen – Italien bereits dreimal seit 2007 den ESC gewonnen hätte, nämlich 2015 Il Volo/ Grande Amore, 2017 eben Gabbani und 2019 Mahmood mit Soldi.

Glow

Als Elter will man seinem Kind ja etwas “mitgeben”, von seinem Leben, seinem Erfahrungsschatz, von seiner Weltsicht. Von Dingen, die einen geprägt haben.

In meinem Fall: den Flashmob des Song Contests 2010. Harhar.

Das kam so: das Kind und ich fuhren über die Tangente und bei diesen Autofahrten hat das Kind das größte Redebedürfnis überhaupt, vorzugweise wenn ich gerade auf die Autobahn auffahre oder einen LKW überhole. Jedenfalls hörten wir letztens Glow – einen Song, den das Kind erstaunlicherweise kannte. Und ich geriet ins Schwärmen: Weißt du, hab ich gesagt, dass dieser Song und der Flashmob das Highlight des Song Contests 2010 war? Damals, hab ich gesagt, warst du noch ganz klein und hast noch nicht Song Contest geschaut.

Dann musste ich erklären, was ein Flashmob ist und warum der als Intervall Show des ESC in Düsseldorf so besonders beeindruckend war. Überall in ganz Europa tanzten Menschen auf der Straße zu diesem Song eine spezielle Choreografie. Manche warfen auch einfach nur die Arme in die Höhe und shakten mit.

Und das war so großartig, so voller Lebensfreude und so verbindend, ein ewiges Highlight der ESC-Geschichte.

ESC das ganze Jahr lang

Seit dem diesjährigen Song Contest verfolge ich wiwibloggs intensiver, eine Plattform, die sich dem ESC mit absoluter Leidenschaft widmet.

In der High Season wird wiwibloggs als Referenzgröße verwendet, sie machen Reactions Videos, Interviews mit den Teilnehmer, ausführliche Reportagen. Für Nerds ist das ja schon ziemlich super. Aber auch abseits des Events bringen sie weiter content. Im aktuellen Youtube Video geht es darum, welche Songs weiterhin am häufigsten nach dem ESC gehört werden.

Das Ergebis: Der beliebteste ESC Song nach dem Contest ist Soldi von Mahmood. Kann ich nur bestätigen, den höre ich immer als erstes, wenn ich auf spotify zu meiner Songcontest Playliste wechsle. Ich höre dieses Jahr aber generell immer noch erstaunlich viele Songs, letztes Jahr waren es nur zwei oder drei, diesmal sind es wesentlich mehr (wie Schweiz, Aserbaidschan, Malta, Slowenien, Zypern). Auch das Siegerlied aus den Niederlanden höre ich noch, allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, dass es weniger als Lied als solches gewonnen hat, als als Lebensgefühl. “Loving you is a losing game” – mit dieser Inbrunst gesungen, das hat irgendwie alle gepackt.

Aber Soldi – ein durchaus schwermütiger, dabei aber auch selbstbewusster Song über eine gescheiterte Vatersuche – ist für mich der beste Beitrag des letzten ESC, auch wenn er auf der Bühne nicht ganz rüberkam IMO und es extrem schwer ist, ihn nachzusingen, was auch die wiwiblogger beweisen hihi.

Was Oma noch wusste

Aus der Rubrik: Was Oma noch wusste.

Wer kann sich tatsächlich noch daran erinnern, dass Conchita Wurst 2012 im ESC Vorentscheid Österreich rockt den Song Contest Zweite hinter den Trackshittaz mit Woki mit deim Popo wurde? Ich habe das wirklich komplett vergesen! Der Song war – ähnlich wie Rise like a Phoenix – ein Selbstermächtigungssong und hieß That’s what I am und war gar nicht so schlecht.

Die Trackshittaz sind nicht ins Finale gekommen, zweifelsohne war es aber gut so, dass Wurst sich damals nicht durchsetzen konnte, denn Marco Schreuder und Konsorten (in dessen Merci Cherie Podcast mir das ganze wieder in Erinnerung gerufen wurde) waren sich einig, dass 2012 das Jahr von Loreen und Euphoria war und, dass niemand anderer in diesem Jahr gegen dieses eine Chance gehabt hätte.

Interessantes Detail am Rande: Beim Merci Cherie Podcast werden alle Gäste nach ihrem all time favorit ESC Song gefragt und erstaunlich viele Menschen antworten darauf “Euphoria”. Und oft auch, dass sie dieser Song wieder zurück zum ESC gebracht hat.

Mamma Maria

Es gibt ja dieses Märchen oder die Legende, dass eine Katze drei Vornamen hat, und wenn sie irgendwo liegt und versonnen in die Gegend schaut, dann denkt sie darüber nach, welche es waren.

Mir geht es immer so mit Liedern, die irgendwo zu mir her wehen und dann denke ich daran, dass sie vor 30, 35 Jahren aus dem Küchenradio bei meinen Eltern kamen und ich grüble nach ihren Namen. So ging es mir vorige Woche in Bibione, mit dem Song (wie ich mittlerweile weiß) Mamma Maria von Ricchi e Poveri.

Ein unwiderstehlicher italienischer Ohrwurm aus dem Jahr 1982, da war ich sechs Jahre alt. Lyrcis-mäßig ist er quasi die etwas klamauike Version von Que sara, sara von Doris Day, in dem es ja darum geht, was wird die Zukunft bringen. Bei Mamma Maria geht es auch darum, allerdings geht man dafür in Italien zur (windigen) Wahrsagerin. Die soll einem schöne Dinge prophezeien, zum Beispiel: “Sarebbe bello se fosse un re”: “Es wäre doch schön, wenn ich ein König sein könnte”. Aber es soll auch wahr sein, nicht nur gefällige Worte.

Ja, ja, die Italiener…

Dare to dream – das Finale

Ja, wir haben in Österreich gerade andere Sorgen, aber dennoch will ich natürlich noch was zum ESC Finale bloggen.

Der haushohe Favorit hat sich letztendlich durchgesetzt. Duncan Laurance singt mit Arcade eine sehr ruhige und auch relativ unspektakuläre Ballade. Wieso war das von Anfang an so gehypt und hat diesen Start-Ziel Sieg errungen? Ich persönlich glaube ja, weil sich sehr viele von den Lyrics angeprochen fühlen bzw. dem Gefühl, dass dieser Song vermittelt. “Loving you is a losing game,” wer kennt das nicht? Und dann heißt es:


I’m afraid of all I am
My mind feels like a foreign land
Silence ringing inside my head
Please, carry me, carry me, carry me home

Ich zumindest fühle mich da total abgeholt, wie auch immer man es nennen will. Und ich glaube, das war in Wahrheit das Erfolgsrezept dieses Sieges. Auf orf.on wurde heute über die neuen sensiblen “Schmerzensmänner” geschrieben, weil dieses Jahr auffällig viele Interpreten sich mit ihrer fragilen Gefühlswelt auseinandersetzen. Ich finde das ja gut und richtig so. Nächstes Jahr also dann Songcontest in den Niederlanden, vermutlich Amsterdam.

Was gibt es noch zu sagen? Italien hat es dann doch noch auf Platz 2 geschafft. Schön! Luca Hänni hatte einen sehr guten Abend, ich hab kurz geglaubt, da wäre sogar der Sieg möglich, es wurde dann Platz 4. Dazwischen Russland auf drei, bei denen alles andere als ein Sieg angeblich eine Niederlage ist naja.

Die große Verliererin des Abends war aber eindeutig Madonna, die Like a prayer derartig schief sang, dass Moderator Andi Knoll meinte, ihr teuer bezahlter Auftritt hätte nun doch einen Sinn gehabt, nämlich den zu demonstrieren, wie unheimlich schwierig es ist, auf einer großen Bühne live zu singen.

Der andere Intervall Act – Conchita sing Heroes von Mans Zelmerlöw, Mans singt Fuego von Eleni Foureira, diese singt Lasha Tumbai von Verka Serdutschka und Serdutschka schließlich singt Toy von Netta – war dagegen richtig cool, das könnte man ruhig öfters machen.

Die letzten Worte hat Marco Schreuder mit seiner ESC Zusammenfassung.


Dare to dream – Review Semi 2

Paenda bzw. Österreich hat den Einzug ins ESC nicht geschafft und mehr ist dazu eigentlich auch nicht zu sagen. Es war leider vorhersehbar.

Das Semifinale war – auch wie erwartet – geprägt von soliden bis sehr guten Performances. Mein Favorit, auch für das Grand Final am Samstag, ist Aserbaidschan, Chingiz mit Truth. Der Song ist musikalisch einfach ganz jetzig, wir befinden uns definitiv im Jahr 2019, oder sogar etwas später, – auch thematisch am Puls der Zeit (Stichwort toxisische Beziehung), die Inszenierung ist originell und grad noch nicht over the top, die Töne stimmen und Chingiz kommt sympathisch rüber.

Pluspunkt der Live-Performance: Das Ethno-Solo von Chingiz, das es in dieser Form nicht auf der Radiosingle gibt. Das gibt dem Song dann noch den gewissen letzten überraschenden Kick.

Die Favoriten sind wie erwartet alle weiter, am wenigstens kann ich dabei die (Mit)Favoritenrolle von Schweden nachvollziehen. John Lundvik ist ein netter Typ, aber sein Caesar Sampson Gedächtnissong Too late for love ist mir viel zu beliebig, ich war jetzt auch kein riesen Fan von Nobody but you, aber Sampson hat mich live überzeugt. Außerdem war er Österreicher, da ist man dann eh bissl biased.

Da ist mir persönlich Russland verständlicher, weil dieser Song ist perfekt spektakulär inszeniert. Bissl größenwahnsinnig naürlich auch, mit den Spiegeln, Sergey Lazarev mal neun. Da möchte man doch darum bitten: “Will the real Sergey Lazarev please stand up?” Wo ist der echte? Darauf schrieb jemand aus der ESC Whatsapp Gruppe. “Im Gulag, wenn er nicht gewinnt”. Ich seh seit gestern auch Norwegen in den Top 10. Das ist eine gutgelaunte, mehr als gefällige Peformance, oder wie Andi Knoll meinte: “Es ist generell olles drin, wos es in den letzten 60 Jahren Songcontest schon gab.” LOL.

Ob Duncan Laurence mit Arcade tatsächlich siegen wird? Es ist ein sehr guter Song, zweifelos. Er berührt. Und Laurence am Klavier, mit gewissen Chris Martin Open Air Stadion Gestus, alles fein. Aber irgendwie… Vielleicht der Gewinner, aber womöglich knapper als erwartet. Wobei wie gesagt: Meine ESC Prognosen sind immer mit Vorsicht zu genießen.

Und man darf die big five auch nicht vergessen, die ja noch nicht aufgetreten sind, wobei: beschränken wir uns auf Italien und Frankreich als ernstzunehmende Konkurrenten. Ich empfinde Soldi immer noch als perfekten Song, der aber auf der Bühne nicht wirklich zünden will. Einen ähnlichen Befund hat gestern auch Knoll abgegeben. Extrem schade, finde ich.

Das ist übrigens die Startreihenfolge für morgen.

Dare to dream – Semifinale 2

Die bekanntesten Song Contest Blogger, Wiwibloggs, haben ihre Prognose fürs heutige Semifinale abgegeben und dabei einfach mal komplett auf Österreich vergessen. Ich lass das jetzt mal so stehen.

Das heutige 2. Semifinale ist voll von potentionellen (Sieg)Favoriten. Was die Sache für Paenda nicht unbedingt einfacher macht. Die Niederlande mit Duncan Laurance und Arcade sind sowieso seit immer die Nummer eins bei den Buchmachern auf den Sieg. Dazu kommt die Schweiz, mit dem – wie ich ihn nenne – Vorstadtcasanova Dance-Song, She got me, den ich durchaus mag, wenn Hänni ihn auch live dersingt (er tanzt nebenbei noch). Schweden mit Too late vor love, Russland mit Scream und natürlich mein heutiger Favorit: Chingiz aus Aserbaidschan mit Truth. Malta dürfte das Finalticket auch so gut wie fix haben, Michaela war bei den Rehearsals sehr überzeugend.

Das macht schon mal sechs Länder, die so gut wie sicher weiterkommen. Gute Chancen seh ich auch für Armenien, Kroatien (obwohl das sehr gewöhnungsbedürftig ist für mich) Norwegen und Rumänien. Und falls es einer dieser Länder nicht schafft, gibt es noch weitere zwei, drei, die wesentlich eingängigere Songs präsentieren als Österreich, aber vielleicht irre ich mich ja auch.

Im ersten Semifianle dürfte es recht knapp zugegangen sein, wie Jan Ola Sand, ESC Supervisor, getwittert hat.

Und hier noch Marco Schreuders Einschätzung.