almis personal blog

Adele reloaded

Das twitterte Marco Schreuder heute. Ich habe mir daher sofort den Song angehört. Und ich muss ihm rechtgeben.

Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich mit Adele immer schon Probleme hatte. Sie hat eine wunderschöne Stimme klar, das wird niemand bestreiten, der bei klarem Verstand ist. Aber was sie singt, erreicht mich einfach nicht. Sie erzĂ€hlt von unerfĂŒllter Liebe, gescheiterten Beziehungen, Krisen, die ganze Palette, aber ich fĂŒhle nichts. Es ist, als wĂ€re eine glĂ€serne Wand zwischen mir und Adeles jeweiligem GefĂŒhlsausbruch.

Über ihr neues Album sagt sie: “Als ich 30 war, fiel mein Leben auseinander, ohne Vorwarnung.” Das kann ich so gut nachvollziehen, so ging es mir mit 40. Und mit 41 habe ich sogar was dazu gebloggt. Sowas wie der ur junge Harry Styles damals gesungen hat, das hat mich total erwischt. Dem habe ich jedes Wort geglaubt. Aber Adele? Ich höre das Auseianderfallen nicht. Leider.

ESC 22

Endlich hat sich Italien dazu bequemt, die Stadt zu nennen, in der sie nÀchstes Jahr beabsichtigen den ESC auszutragen und es ist:

In Turin war ich sogar schon mal, auf dem Weg von einer Reise durch die Schweiz nach Monaco (es war nicht der billigste Urlaub meines Lebens…) Ich hab irgendwie gar keine Erinnerungen daran, außer, dass ich bei einer Pizzeria eine Viertelstunde vor dem WC warten musste, keine Ahnung, was das bedeutet, dass mir sonst nichts dazu einfĂ€llt, es ist sicher eine schöne Stadt.

Die Semifinali werden am 10. und 12. Mai stattfinden, das Grand Finale dann am 14. Mai 2022.

Verstörende Videos, drei

Die schottische Band Travis ist dafĂŒr bekannt, in ihren Songs sehr repetierende Strukturen zu verwenden. Oder auch: es wird immer wieder das gleiche gesungen, in so einer Art Litanei. Das klingt negativer als es gemeint ist, es hat durchaus auch etwas persuasives, wenn man lange genug zuhört. Ich glaube, mich erinnern zu können, dass Martin Blumenau Sing eine zeitlang als Openingsong in einer seiner Sendungen gespielt hat. Aber um Sing soll es gar nicht gehen, sondern um Re-Offender.

Ein Song, der sich eigentlich um eine Liebesbeziehung dreht – “You say you love me, an then you do it again” – “it” wird in dem Fall nichts gutes bedeuten – dessen Video aber in die AbgrĂŒnde der Band Travis blicken lĂ€sst (hoffentlich/vermutlich parodistisch). Die Band fĂ€hrt auf eine Tour, zuerst noch mit einem Auto und einem Wohnwagen, sie singen in abgeranzten kleinen Clubs, in trostlosen VorstĂ€dten, bei schlechtem Wetter. Sie parodieren sich also quasi selbst als eher erfolglose kleine Nachwuchsband. Im Laufe der Tour gehen die Emotionen hoch und sie sich gegenseitig gewaltig auf den Wecker. Sie fangen an, gegeneinander zu sticheln und schließlich artet das Ganze sogar in GewaltĂ€tigkeit aus.

Jeden Abend, wenn sie auftreten mĂŒssen, sind sie mehr mitgenommen, Handverletzungen, blaue Augen, Kratzer, Platzwunden und ihre Kleidung ist auch schon ganz fleckig und abgenutzt. Ein eigentlich arges Video, wenn man das Augenzwinkern dahinter nicht mitdenkt, oder vielleicht bewĂ€ltigt Travis so tatsĂ€chlich die (heimlichen) Aggressionen, die zwischen den Bandmitgliedern herschen, wer weiß harhar. Immer interessant, wenn sich die KĂŒnstler selbst als Protagonisten in ihren Videos inszenieren, weil genauso gut hĂ€tten Travis ja Schauspieler dafĂŒr engagieren können. Die Botschaft des Videos wĂ€re dann eine andere, distanziertere gewesen.

Am Ende haben sie jedenfalls ihr Band-Beziehungsproblem insofern gelöst, als dass jeder ein eigenes Auto mit Wohnwagen zur VerfĂŒgung hat.

Verstörende Videos, zwei

Justin Theroux ist der (Noch)-Ehemann von Jennifer Aniston und ist mir immer schon in seiner Eigenschaft, oft extrem weirde Protagonisten (Six Feet Under, Lynch-Filme, Miami Vice) im Kino und TV zu verkörpern, positiv aufgefallen. Nebenbei hat er noch ein paar DrehbĂŒcher (Trophic Thunder, Iron Man 2) geschrieben. Und er hat im Video zum Song Hysteria von Muse mitgespielt. Hysteria ist ja einer dieser Songs, die am besten live genossen werden, und sowas sag ich nicht oft, weil ich nicht unbedingt der große Konzertgeher bin, aber die unbĂ€ndige Energie dieses Werks wirkt einfach am besten auf einer großen BĂŒhne. Das haben sich die Menschen von Muse wohl auch gedacht und beschlossen, dass dafĂŒr das Video dann extrem beĂ€ngstigend sein muss.

Und das ist ihnen gut gelungen. Wir sehen Theroux in einem gehobenen Hotelzimmer liegen, das komplett verwĂŒstet ist. Dabei denkt man natĂŒrlich sofort an den Topos von den argen Rockbands, die dafĂŒr bekannt sind, nach Konzerten ihre Hotelzimmer zu zerstören (Wikipedia sagt, so eine Szene kommt auch im Pink Floyd Film The Wall vor). In einer RĂŒckblende, die in sich zeitlich aber auch nicht kongruent ist, sieht man, dass er wohl eine Frau empfangen hat und dann irrsinnig in Rage geraten ist. No na, es heißt ja schließlich Hysteria. Die Frau ist offenbar eine Prostituierte, die er vorher auch gefilmt hat und naja, ĂŒber den Rest muss man wohl spekulieren. Vielleicht nagt gerade der Fakt ihres Brotberufes an ihm, weil er mehr fĂŒr sie empfindet, als in dieser Situation wohl “angebracht” ist? DafĂŒr sprechen die Lyrics: “Cause I want it now, I want it now. Give me your heart and your soul.”

Wie auch immer, jedenfalls brĂŒllt und heult der Protagonist, es werden Vasen zerschmettert und Tische umgeworfen, ein Röhrenfernser zertrĂŒmmert, ein ganzer Servierwagen – samt Essen – umgestoßen, Sessel gegen Bilder geschleudert usw. Es ist – in seiner ganzen offen zur Schau gestellten Aggression – ein echt kraftvolles und beeindruckendes Video. Aber eben auch, ja, ziemlich verstörend.

Verstörende Videos, eins

Weil es mir jetzt bei Youtube mal angezeigt wurde, hab ich mir nach langer Zeit wieder einmal das Video zum Song Henry Lee von Nick Cave im Duett mit PJ Harvey angesehen. Der Song Henry Lee befindet sich auf dem (kommerziell erfolgreichsten) Nick Cave Album Murder Ballads und na ja, Nomen est natĂŒrlich omen. Und ich hab mir gedacht, das könnte der Auftakt zu einer Rubrik namens verstörende Videos sein.

Im Text von Henry Lee geht es um eine Frau, die den besagten Henry Lee dazu auffordert, mit ihm die Nacht zu verbringen. Im Bett. Weil er wĂŒrde auf der Welt keine andere Frau finden, die besser fĂŒr ihn wĂ€re. Daraufhin sagt Henry Lee, das wird er nicht machen, er hat schon ein MĂ€dchen, fernab “in that merry green land”, und “I love her far better than thee”. Was macht dann die VerschmĂ€hte folgerichtig, sie nimmt ein Messer und “plugged him through and through —” Brr, ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich das zum ersten Mal gehört habe, ich fand das ganz furchtbar und grausam, und wollte den Song am liebsten nie mehr hören. Dennoch ist er irgendwie faszinierend.

Weil: In diesem Video gilt die Regel form follows function nicht. Was zwischen Cave und Harvey passiert, ist ganz und gar nicht furchtbar. Sie schmachten sich an und sie liebkosen sich, am Ende tanzen sie sogar und kĂŒssen sich. Sie lĂ€cheln und scheinen eine Menge Freude an dem zu haben, was sie da singen. Oder wie jemand als Kommentar unter dem Video vermerkt: “One camera, one cheap set, and a thousand fucking kilotons of charisma, chemistry, and sexual tension.” Die beiden waren zu der Zeit ein Paar, wie ich recherchiert habe.

Ästhetisch, aber trotzdem irgendwie creepy!

RIP Blumenau

Im JĂ€nner hab ich ein bisschen einen Rant gegen Martin Blumenau hier am Blog veranstaltet. Er hatte damals gegen einen SĂ€nger mit Sprachfehler geĂ€tzt und ich habe dann wiederum gegen ihn als Moderator im Jugendradio auf Lebenszeit geĂ€tzt. Jetzt ist er völlig ĂŒberraschend mit nur 60 Jahren gestorben.

Ich war sehr betroffen, als ich das gelesen habe. 60 ist ja kein Alter – vor allem, wenn man selbst auch nicht mehr die JĂŒngste ist – und Blumenau hat zwei noch relativ kleine Kinder, und mit relativ klein meine ich, das jĂŒngere Kind ist im Kindergarten. Alleine das ist eine ungeheuere Tragödie. Und natĂŒrlich hatte Martin Blumenau eine QualitĂ€t des Denkens und Moderierens, die jetzt auch in den Nachrufen gewĂŒrdigt wird. Er taugte nie als SĂ€ulenheiliger, er war immer kontroversiell, angriffig, streitbar und – wie ich auch damals schrieb – sehr ĂŒberzeugt von sich selbst. Aber eben auch so, dass mensch ihm gern zuhörte, und wenn es deswegen war, weil einen furchtbar aufregte, was er so mitunter von sich gab.

Gestern saß ich auf einem Dachboden in WĂ€hring, wohin wir von der Dachterrasse geflĂŒchtet waren, wĂ€hrend draußen ein nachmittĂ€gliches Sommerunwetter tobte, und wir haben zu dritt ĂŒber Martin Blumenau gesprochen. Ich habe gesagt, ich tue mir so schwer das einzuordnen, was FM4 ist und was letztendlich Blumenau bis zuletzt war. Ein Moderator in einem Jugendradio? Mit 60? Obwohl ich mit 45 mir schon lange nicht mehr zutraue, Jugendkultur zu verstehen? Da meinte A. ich solle noch einmal etwas zu Martin Blumenau auf meinem Blog schreiben. Und ich fragte ihn eben das, wie ist das alles einzuordnen. Und der meinte er: FM4 ist in dem Sinn ein Jugendradio, weil es dabei um Jugend im Kopf geht. Um Zeitlosigkeit im besten Sinne, eben um Offenheit fĂŒr alles. Es geht nicht um aktuelle Jugendkultur oder darum wie es ist, jetzt ein Jugendlicher zu sein, sondern um jung im Denken sein. Und das fand ich sehr schön und deshalb schreib ich das jetzt auch gerne hier.

Ich habe gelesen, dass es in den letzten Monaten auf FM4 wohl tatsĂ€chlich Diskussionen drĂŒber gab, wo der Sender hin will, wie er sich positionieren soll. Und vielleicht kommen sie dann auf das, war A. mir gestern gesagt hat. Martin Blumenau hĂ€tte das vielleicht auch so gesehen.

Mr. Gallagher

Noel Gallagher ist eine ziemlich Arschgeige. Das bedeutet nicht, dass ich im Team Liam bin, denn der ist genauso eine ziemliche Arschgeige. Die zwei schenken sich da nichts. Und deshalb sprechen sie offenbar auch schon seit zehn Jahre nicht miteinander, weil sie sich gegenseitig nicht aushalten. Ich verstehe das schon ganz gut.

Wie ich hier schon schrieb (und der Falter von mir abkupferte) bei der Wahl Oasis versus Blur wĂŒrd ich mich immer fĂŒr Pulp entscheiden. Es gab schon ein paar Songs, die ich von Oasis mochte. Allen voran Live Forever, wo das Video aber eindeutig belegt, wie wenig Bock sie auf prinzipiell alles hatten. Aber die Zeilen: “Maybe I will never be, all the things that I want to be. But now is not the time to cry, now’s the time to find out why” hatte ich auf mein Federpenal im Gymnasium geschrieben. Ich war gerade in der 7. Klasse sitzengeblieben. Vermutlich war die Antwort auf die Frage: Wegen Mathematik.

Noel Gallagher hat dem Standard ein angepisstes Interview gegeben und thank god haben wir endlich mal wieder was anderes zu lesen, als ĂŒber Corona, und wenns angepisste Interviews von Mr. Gallagher sind. Er regt sich auf, dass ihn jemand im Pub fĂŒr Liam Gallagher gehalten hat. Darauf er, Noel, er sei der andere. Darauf wieder der Typ im Pub: “Es gab einen anderen?” Eines der Probleme zwischen den beiden, wĂŒrd ich mal sagen. Ach ja und auf Phil Collins ist er auch sauer, weil der habe gefĂŒhlt 147 Wochen Platz 1 der Charts mit You can’t hurry love belegt. Sad life wĂŒrden die Teenies dazu sagen.

Vent’ anni

Apropos kein ESC Content mehr: K. will mit mir aufs Maneskin Konzert gehen, wenn sie mal nach Wien kommen.

Ist wohl so ein MittvierzigerInnen Ding. Wir hören uns jetzt an, wie die ZwanzigjĂ€hrigen die Welt sehen, unsere Söhne sind ja auch (halbwegs) bald zwanzig, also vent’ anni. Anscheinend sind die ZwanzigjĂ€hrigen von heute viel weiter als wir damals waren oder zumindest als ich war. Sie sagen, sorry, dass wir Drama machen, aber wir sind halt gerade 20. Und wir wollen, dass mehr von uns ĂŒberbleibt als nur Geld. Sie entschuldigen sich fĂŒr alles mögliche im voraus, und wollen denen die Farben zeigen, die nur schwarz und weiß sehen. Sie sagen: WĂ€hle Liebe oder Diamanten, wĂ€hle DĂ€monen oder Heilige! Und sie haben jetzt schon einen ausgewachsenen Weltschmerz, dafĂŒr musste ich erst vierzig werden, ehrlich.

K. will ihr Italienisch auffrischen. Die anderen wollen Italienisch lernen. Ich habe sogar in Italienisch maturiert, aber komplizierte Texte strengen mich ziemlich an. Ach ja und ich mag diese Tupfenbluse, die der Schlagzeuger im Video trÀgt.

Zitti e buoni

Italien hat es also tatsÀchlich geschafft, den ESC zu gewinnen. Das Voting war so spannend, ich hab fast einen Herzinfarkt bekommen.

Ich freue mich sehr, nicht zuletzt deshalb, weil das 2022 vielleicht wieder einen chaotisch-liebenswerten Bewerb in Rom gibt, wie damals 1991. Aber Spaß beseite: Dass ein Song, der derart wild, unangepasst und ja, auch strange ist gewinnen kann, hĂ€tte ich mir nicht vorstellen können. Zumal in einem Genre, das nicht gerade zu den beliebtesten in der Songcontest Geschichte zĂ€hlt. Aber so richtig an Genregrenzen hĂ€lt sich Zitti e buoni ja jetzt auch nicht unbedingt.

Im Vorfeld haben viele Menschen gesagt: Ja, der Song ist schon gut, auch QualitĂ€tsmusik, aber gewinnen wird das nicht. Das polarisiert zu sehr. Andererseits sagt Marco Schreuder immer wieder gerne, dass polarisierende Songs oft gute Chancen haben, weil man nur FÜR einen Song anrufen kann und nicht dagegen. Und wenn man alleine an jĂŒngere Siegerlieder wie 1944 oder Amor pelos dois denkt (wo ich im Vorfeld gefĂŒhlt die Einzige war, die das gut fand), dann hat er vermutlich recht. Im Standard hat Schreuder einige ESC Aficionado befragt, was das Erfolgsrezept fĂŒr einen Gewinn ist und da wurden schon kluge Dinge gesagt, wie, dass es um das gewisse Etwas geht, dass es nicht mal besonders perfekt vorgetragen sein muss. Ich denke persönlich, man muss auch den Zeitgeist treffen. Und der lautet wohl 2021: “Sono fuori di testa – ma diverso da loro” Was ungefĂ€hr bedeutet: “Ich bin verrĂŒckt, aber anders als die anderen.”

In diesem Sinne: See you in Rome! (or Milano)