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Austro Podkastl: ESC

Neue Woche, wieder mal staying at home.

Beim Kochen hab ich mir das Austro Podkastl angehört; ich kenne den Podcast an sich nicht, bekam aber den Tipp, dass es diesmal um den ESC gehen würde und Andi Knoll zu Gast ist. Daher musste ich es mir natürlich anhören und es war tatsächlich ein sehr interessanter Talk. Einziger kleiner Kritikpunkt: als vom Sieg von Katrina and the Waves 1997 sprechen, wird Walking on Sunshine eingespielt und wie wir Nerds wissen, haben sie mit – na – genau, Love shine a light gewonnen. Kann mich noch erinnern wie Grissemann und Stermann sie damals anmodierten: “Und jetzt kommt der Geheimtipp oder wie heißt das, wenn alle sagen, das wird Erster?” “Favorit” “Ja genau, jetzt kommt der Favorit.” Übrigens 1997 eine der besten Moderationen von den beiden ever. Ich hab die Aufnahme irgendwo noch auf VHS herumkugeln, harhar.

Aber in dem Podcast war eben Andi Knoll zu Gast, der sich zu einem formidablen ESC Moderator gemausert hat, weil 2021 ist es auch nicht mehr en vogue alles zu verblödeln, der Bewerb ist seit mindestens zehn Jahren wirklich ernstzunehmend, mit vielen guten Kandidaten. Auch die österreichischen Beiträge, wie Knoll auch feststellt. Und, dass Österreich auch ganz anders wahrgenommen wird, von der Community seit dem Sieg 2014. Knoll sagt, es war erstaunlich wie gut Conchita mit der Favoritenrolle umgegangen ist und die Nerven behalten hat, im Gegensatz zu beispielsweise Francesco Gabbani. Dem hatte Knoll – und auch sonst alle ESC Auskenner in Europa – 2017 hohe Siegeschances eingeräumt. Und dann ist er ziemlich abgestürzt. Knoll erklärt das so: “Der war wahnsinnig lustig am Red Carpet, in allen Interviews, Italiener, Schnurrbartl, feinster Zwirn, super Song – eigentlich eindeutiger Sieger. Er hat es nur nicht rüber gebracht. Er hat am Ende seine Lockerheit verloren.” Diese Einschätzung finde ich sehr spannend, weil ich Occidentalis Karma auch immer noch für einen der besten ESC-Songs insgesamt halte. Ich persönlich fand aber auch, dass es nicht der beste Song für eine Bühne war. Das war Toy von Netta aber auch nicht, und sie hat trotzdem gewonnen. Also hat die Argumentation von Knoll durchaus etwas für sich.

Die Relevanz und ungebrochene Begeisterung für den ESC erklärt Knoll so: “Es ist ganz ein wichtiger Abend. Es sitzt sitzt gefühlt ganz Europa an diesem Samstag im Mai auf dem Sofa und schaut sich diesselbe Sendung an. Und da gibt es ja nicht soviel idenitätsstiftendes, gemeinsames. Es gibt die Fußball Europameisterschaft, aber da sind aber nur noch zwei Länder im Finale. Das schauen zwar alle, aber du hast quasi keinen Spieler mehr am Feld. Zumindest als Österreicher. (…) Ich halte es viel mehr als einen Liederabend. Wir haben zum Beispiel französisch zählen gelernt – neun und elf wissen wir aber bis jetzt nicht.”

Die besten Zweiten, zwei

Nachdem Marco Schreuder jetzt offiziell das Ranking der besten ESC Zweitplatzierten aller Zeiten veröffentlich hat, tue ich es hiermit auch, am Ende sind auch die Punkte vermerkt, die an den jeweiligen Song gingen:

1. Platz 2014: NED The Common Linnets – Calm After the Storm /518

2. Platz 2019: ITA Mahmood – Soldi/ 492

3. Platz 2007: UKR Verka Serduchka – Dancing Lasha Tumbai/ 487

4) 1991: FRA Amina – Le dernier qui a parlé… / 403

5) 1974: ITA Gigliola Cinquetti – Sì /398

6) 2018: CYP Eleni Foureira – Fuego /384

7) 1980: GER Katja Ebstein – Theater /372

8) 1983: ISR Ofra Haza – Chai /367

9) 2004: SCG Željko Joksimović & Ad Hoc Orchestra – Lane moje /360

10) 1973: ESP Mocedades – Eres tú /359

11) 1995: ESP Anabel Conde – Vuelve conmigo / 262

12) 1968: UK Cliff Richard – Congratulations / 259

13) 2009: ISL Yohanna – Is It True? / 214

14) 1963: SUI Esther Ofarim – T’en vas pas / 198

15) 1994: POL Edyta Górniak – To nie ja / 191

Wie schon angesprochen, sind unter den ersten sieben Plätze sechs, die auch ich gewählt habe. Bei mir hat Mahmood gewonnen, vor Amina und Verka Serduchka. Nur die Common Linnets habe ich deutlich schlechter bewertet, die waren bei mir nur auf Platz 8.

Aber es ist klar: “Calm after the Storm” ist bereits jetzt ein ESC Klassiker und äußerst beliebt, weil es so ein zeitloses Lied ist, auf das sich viele einigen können. Ich fand das Staging damals besonders gelungen. Der deutsche ESC-Moderator Peter Urban hat in einer Merci Cherie Folge sogar gesagt, die Common Linnets hatten nur das Pech gehabt, dass sie im gleichen Jahr wir Conchita angetreten sind…

Die ganze Sendung kann man sich unter Merci Cherie anhören.

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Zunächst mal: Happy 2021. Laut meinen empirischen Erfahrungen sind die ungeraden Jahre immer die besseren – also…

Gestern hab ich einen gemütlichen Silvesterabend verbracht, unter anderem habe ich die Fledermaus live aus der Wiener Staatsoper gesehen. Ohne Publikum versteht sich. Die Fledermaus ist meine Lieblingsoperette, ich kann fast mitsprechen, weil ich früher mit meinem Papa immer die Ausgabe mit Otto Schenk als Frosch gesehen habe. Der Gerichtsdiener Frosch ist ja keine Gesangsrolle, sondern tritt nur im 3. Akt auf und wird immer von einem meist bekannten Schauspieler, mit zumindest Hang zur Komik verkörpert. Gestern war das Peter Simonischek. Der aus dem Frosch einen Steirer macht.

Der Frosch bietet auch immer wieder Raum für Improvisation, neben den althergebrachten Dialogen. Am besten hat mir diesbezüglich gefallen, als der Protagonist aus seiner Zelle heraussingt: “Sing mit mir, sing mit mir, sing, sing!” Und Frosch antwortet: “Ich singe nicht mit dir, ich habe eine Sprechrolle.” Ich mag ja so Metaebene-Sachen.

Geknallt wurde auch heuer, trotz Verbot, aber hier an der alten Donau doch lange nicht soviel wie in den vergangenen Jahren. Feuerwerk hab ich kein einziges gesehen, es war aber um Mitternacht auch sehr, sehr neblig. Und in der Schnellbahn war es dann sehr, sehr leer. Um genau zu sein war ich um halb eins der einzige Fahrgast. Letztes Jahr am Praterstern war der gesamte Zug überfüllt…

Die besten Zweiten

Endlich ist das Voting der besten Zweitplatzierten des ESC zuende und in der neusten Folge von Merci Cherie kann man sich den Countdown anhören. Plus die Wertungen von ESC-Insidern wie Irving Wolther (Dr. Eurovison), William Lee Adams von Wiwibloggs oder Sascha Gottschalk und Sonja Riegel von ESC Greenroom.

Und was soll ich sagen? Das Endergebnis gefällt mir. Die ersten 7 Plätze belegen sechs Songs, die auch bei mir unter den ersten sieben sind – allerdings in anderer Reihenfolge. Und den Sieger des Merci Cherie Votings, ja der ist in meiner Wertung nur auf Platz 8 gelandet. Ich versuche das ganz verklausuliert zu schreiben, damit meine LeserInnen sich die Folge alle noch anhören. Clever, oder?

Einen Song will ich hier präsentieren, der in meiner Wertung um einen Platz besser abgeschnitten hat als im Podcast-Voting. Und der vielleicht nicht ganz so bekannt ist. Nämlich Si von Gigliola Cinquetti, die 1974 Zweite geworden ist. Übrigens hat Abba in diesem Jahr mit Waterloo gewonnen. Zu Unrecht, wie Marco Schreuder findet. Er meint, Cinquetti hätte gewinnen sollen. Bildet euch eure eigene Meinung.

Cinquetti hat übrigens den ESC tatsächlich einmal auch gewonnen. Nämlich bereits zehn Jahr vorher, 1964, mit Non ho l’eta. Auch ein sehr schöner Song, etwas Jugendschutz-rechtlich bedenklich vielleicht. Lyrics in etwa: Ich bin zu jung, um etwas mit dir anzufangen. Si ist da vielleicht die Antwort darauf?

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Whatsapp Nachrichten an meine Mutter im Lockdown-Light: “Dein Föhnspray ist super.” Da weiß man dann auch, welchen Beruf die Mama früher hatte.

Jeden Tag kommen viele Packerl an. Hauptsächlich für meine Nachbarn. Dafür werde ich auch reich beschenkt, mit Sekt und Ildefonso, nur dafür, dass ich die Türe öffne. Aber ich freu mich natürlich darüber!

Der Weihnachtssstress geht mir nicht ab. Aber das jährliche Punschtrinken mit FreundInnen im alten AKH. Obwohl Grissemann in Willkommen Österreich gesagt hat, dass er folgendes auch in Zukunft an Christkindlmärkten verbieten würde: Standeln, Menschen, Punsch. Harhar. Sehr schön war übrigens das Gespräch mit Andre Heller. Ich habs hier am Blog eh schon öfters geschrieben, aber Heller könnte ich tatsächlich stundenlang zuhören und er könnte auch alles erzählen, es wäre wohl immer interessant und geistreich. Erika Pluhar war übrigens früher eine Kundin meiner Mutter (siehe erster Absatz) und ab und zu treffen sie sich dort, wo meine Mutter früher gearbeitet hat und plaudern ein bisschen, auf Distanz derzeit.

Was noch? Last Christmas hab ich heuer noch gar nicht gehört. Aber ich musste an ein musikalisches Review dazu denken, in dem es hieß, der Song wäre gar nicht so trivial, wie man meinen könnte. Man solle doch mal versuche, nicht den Refrain mitzusingen, sondern die Strophe. Ist gar nicht so leicht. Wie auch immer: ich liebe das Lied sowieso. Und noch mehr George Michaels Stimme.

Spotify Jahrescharts

Das Jahr mag anders als andere gewesen sein, gleich ist aber, dass in meinen Spotify Jahrescharts wieder mal die ersten ca. 20 Plätze von Songcontest Songs belegt werden.

Und die Nummer 1 ist Diodato, der mit Fai Rumore heuer bei ESC für Italien angetreten wäre, hätte es einen Songcontest gegeben.

Fai Rumore ist nicht gerade ein fröhliches Lied. Antonio Diodato besingt hier seine gescheiterte Liebesbeziehung. Lärm machen ist gut, besser als die “unnatürliche Stille”, die zwischen ihm und seiner ehemaligen Liebsten herrscht.

Es gibt auch eine Aufnahme vom Lockdown in Italien, als ItalienerInnen dieses Lied aus ihren Wohnungen gesungen haben. Davon hab ich schon mal erzählt.

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Die Eurovision Songcontest Seite auf Facebook betreibt fortgeschrittenen Eskapismus und fragt nach Songs, die in den Qualifikationsrunden ausgeschieden sind, es aber ins große Finale des ESC hätten schaffen müssen/sollen.

Da fällt mir sofort ein Song ein, bei dem ich es bis heute nicht verstehe, warum er ausgeschieden ist (und diese Einschätzung teile ich mit Marco Schreuder), nämlich Time von Izabo, Kandidat 2012 für Israel:

Den hab ich seit geraumer Zeit auf meiner Songcontest-Playlist und finde ihn immer noch super und total underrated.

Was gibts noch außer Corona und Terror? Ich habe den neuen Podcast von Mari Lang gehört, Frauenfragen. In diesem Podcast wird Lang Männer treffen und sie mit typischen Fragen konfrontieren, die sonst noch Frauen gestellt werden – beispielsweise nach den Designern, die sie gerade tragen oder nach Vereinbarkeit von Kind und Karriere. Interessantes Konzept, in der ersten Folge war Armin Assinger zu Gast und es war ein ziemlich idealer erster Gast, würde ich sagen. Er war auch sehr offen und hat nur einen Joker von dreien gebraucht. Ja, in diesem Podcast gibt es auch Joker, immer dann, wenn man eine Frage nicht beantworten will. Dann kann man die Frage entweder abwählen, jemand anrufen oder die Frage der Moderatorin zurückspielen, die sie stattdessen beantworten muss.

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Kommt ein neuer Lockdown? Es kommt ein neuer Lockdown (light).

Problem: Ich kann nicht – wie im Frühling – um halb neun irgendwie aus dem Bett fallen, mich gemächlich ins Wohnzimmer vorarbeiten, am Sofa hängenbleiben, dort ewig ins Nichts starren und dabei schluckweise Kaffee trinken, um dann irgendwann ins Bad zu gehen usw, denn: die Schule bleibt offen und ich habe jede Menge Arbeit. So hat man zwar irgendwie einen Lockdown, aber dann doch nicht wirklich das passende Gefühl dazu. Das ist eigenartig.

Am Samstag, als ich nach 20 Uhr das Haus verließ und Ubahn fuhr, war es jedenfalls schon wieder erstaunlich leer in derselben. Viel leerer als in den letzten Wochen und dabei war eh noch alles geöffnet. Allerdings hatte der Bundeskanzler um 20 Uhr zum Volk gesprochen.

Dafür betreibe ich das, was ein Freund gestern als Übersprungshandlung bezeichnet hat. Statt mich mit Corona zu beschäftigen, mache ich nach wie vor beim Suchen der besten Zweitplatzierten in der Geschichte des ESC mit, in unserer ESC Facebookgruppe. Wir haben uns schon bis 2010 vorgearbeitet. Und somit haben wir auch eine(n) Zweitplatzierte(n) erreicht, der IMO das Zeug hat, ins zumindest Viertelfinale zu kommen, nämlich Verka Serduchka 2007 mit Dancing Lasha Tumbai. Die Kontroverse um den Titel hab ich eh schon öfters erzählt (Stichwort Russia Goodbye)

Um etwas Schwung in die trübe Stimmung zu bringen und falls sich jemand nicht mehr an Verka erinnern kann:

Original und Fälschung, neun

Als John Lennon starb, waren Roxy Music gerade auf Europa-Tour. Als sie von seiner Ermordung erfuhren, spielten sie als Hommage spontan Jealous Guy, ein Song, der auf dem 1971 erschienen Album Imagine enthalten ist.

Vorab: Ich mag beide Versionen von Jealous Guy. Sowohl die von Lennon als auch die von Roxy Music. Nur ist die Version, die Bryan Ferry singt natürlich eine dementsprechende Poser-Version, ganz im Stil der beginnenden 1980er Jahre. Lennon leidet, jammert, bettelt ein bisschen, dann ist er wieder zerknirscht, dass er so eifersüchtig ist, ein bisschen Selbsthass ist auch dabei, die ganze Gefühlspalette eben. Bei Lennon hat man das Gefühl, dass er wirklich meint, was er singt.

Dagegen Bryan Ferry, im Video als Achtziger-Dandy herausgeputzt, schaut sich in ebendiesem Video zuerst mal in den Spiegel quasi als der Narzisst, der eben ist. Bei ihm hat man eher das Gefühl, dass er mit dem Image des Eifersüchtigen eher ein bisschen kokettiert als es wirklich zu fühlen. Oder sagen wir so: man hat das Gefühl, er gibt der Frau die schuld, dass er eifersüchtig sein muss. Eigentlich sollte sie sich bei ihm entschuldigen. Harhar. Außerdem muss ich immer, wenn ich Bryan Ferry sehe, daran denken, dass er die Ex-Freundin seines Sohnes geheiratet hat. Tut zwar nicht sehr viel zur Sache, abgesehen von Gossip, aber ist halt so.

Jedenfalls trotzdem thumps up für diese Coverversion, auch wenns ein bisschen Folklore ist.

ESC, deine Texte zwei

Weils so lustig war, noch ein paar Gedanken zu Lyrics von Song Contest Songs.

Eine Zeile, die Marco Schreuder im Merci Cherie Podcast besonders gut gefallen, gerade im ESC-Kontext, kommt von der “Combo” Sisters, die 2019 Sister performten. Die Zeile lautete. “I am tired of competing”. Wie gesagt, im Wettbewerbskontext gesungen.

Sehr nett auch Verka Serducka 2007 mit Dancing Lasha Tumbai: “Me English nix verstehen, let’s speak dance.” Vorgeworfen wurde der Ukrainerin allerdings, dass sie nicht “Lasha Tumbai” singen würde, sondern “Russia Goodbye”. Was übrigens “Lasha Tumbai” tatsächlich heißt, darüber gibt es diverse Spekulation. Die wahrscheinlichste davon ist: es heißt gar nichts.

Von den Strichmännchen bei ESC Sieger 2015 – Mans Zelmerlöw mit Heroes – sollte man nicht verwirren lassen. Der Song ist gar nicht fröhlich und easy going. Hier wird zwar auch getanzt, allerdings “with the demons in my mind.” Er singt auch: “Don’t tell the gods I left a mess”. Irgendwie fast etwas gruselig.

Da gehts bei Netta dann – trotz massiver Kritik an männlicher Toxität – bei Toy doch wieder etwas entspannter zu. Da läuft der Teddybär weg und die Barbie hat etwas zu sagen, aber am wichtigsten: “I’m taking my Pikachu home.” Das finden sogar die Kids von heute cool, weil Pikachu ist ja wieder “fresh”.

Noch erwähnenswert an dieser Stelle – die Konjunktiv-Hymne von Frans, If I were sorry. Da zählt er auf, was er nicht alles tun würde, würde es ihm leidtun. Durch die Wüste auf allen vieren kriechen, den höchsten Berg erklimmen, tausend Meilen rennen, so lange tauchen bis seine Lungen explodieren. Problem nur: “If I were sorry. But I’m not sorry. No.” Ok, wäre das auch geklärt.