almis personal blog

ESC: Die Wertung

Der Merci Cherie Podcast macht auch diesmal eine Publikumswertung und daher habe ich heute meine Punkte abgegeben. Das war gar nicht so einfach. Weil es gibt heuer tatsächlich keinen Song, den ich über alles liebe, aber einige, die ich sehr gut finde.

Nach reiflicher Überlegung habe ich italien 12 Punkte gegeben, wie ich das auch in den letzten zwei Jahren gemacht habe, harhar. Allerdings hätte ich einen Revamp vom Song gemacht, und den Teil, der bei ab Minute 1.43 anfängt – die Bridge – verlängert, weil das ist der beste Teil des Songs IMO. Obwohl sie leider den Text entschärfen mussten. Jetzt heißt es dreimal: “Non sa di che cosa parla” – “Sie wissen nicht, was für Sachen sie reden”. Ursprünglich hatte es beim dritten Mal: “Non sa di che cazzo parla” geheißen. Cazzo heißt Schwanz, im Sinne von Penis. Das geht natürlich beim ESC nicht, hatte aber mehr Aggressionspotential. Harhar.

Zweiter ist heuer bei mir – so wie auch schon letztes Jahr – Malta. Destiny singt toll und bei Je Me Casse gefallen mir besonders die Passagen mit dem Saxofon. Auf den ersten Platz wollte ich es aber dann nicht setzen, weil es mich zu sehr an Toy von Netta erinnert, also nicht so innovativ ist wie Zitti e buoni. Mein Platz 3 ist Litauen mit Discoteque. Der Song gefällt mir immer besser, außerdem kann man super dazu tanzen.

Auf den weiteren Plätzen:

7 Punkte: Belgien – Hooverphonic The Wrong Place

6 Punkte: Schweiz – Gjon Tears Tout l’ universe

5 Punkte: Frankreich – Barbara Pravi Voila

4 Punkte: Island Dady Freyr Ten Years

3 Punkte: Irland – Lesely Roy Maps

2 Punkte: Schweden – Tusse Voices

1 Punkt: Tschechische Republik Benni Cristo Omaga

LIZVC 87

Auch heuer hab ich wieder am 19. März Geburtstag.

Ich erinnere mich “gerne” an den Geburtstag letztes Jahr. Schönstes Wetter, aber erster total Lockdown. Meine Mutter damals so am Telefon: “Nächstes Jahr wirds dafür wieder super.” Und ich sagte: “Wenn ich da noch lebe.” Sagen wir so, wir haben uns beide geirrt. Harhar. Aber na ja. Ich kann zwar das zweite Jahr in Folge nicht mal irgendwo Kaffee trinken gehen, aber mir gehts gut und es gibt viele Dinge, die ich trotzdem habe.

Ich habe zum Beispiel gerade fünf Ohrwürmer gleichzeitig – oder doch eher abwechselnd – und nur vier davon sind ESC- Songs! Ich habe auf Facebook Marco Schreuders Mann den französischen Beitrag pfeifen hören und sehen. Husavik, der Song aus dem ESC Film The Story of Fire Saga wurde für den Oscar nominiert und das vereint zwei meiner großen Leidenschaften auf wundersame Weise. Und das waren jetzt nur die guten Dinge in meinem Leben, die mit dem Songcontest zu tun haben. Kleine Downside: Der Teenie verlässt mittlerweile fluchtartig mein Zimmer, wenn er auf meinem Bildschirm das ESC-Logo sieht, weil er (vollkommen zu Recht) fürchtet, dass ich ihm einen gerade veröffentlichten neuen Kandidaten vorspielen will.

Ganz wichtig auch in dieser Zeit (und überhaupt): Menschen, die einem zuhören, wenn man jemand zum zuhören braucht, und denen man auch sehr gerne zuhört, stundenlang, die einen im Arm halten (dürfen), auch stundenlang, und ja, das wars dann auch schon.

Mein 5. Ohrwurm übrigens, Bungalow vom Bilderbuch, voll reingekippt Jahre zu spät. Das Video spiel ich mir selber zum Geburtstag vor, weil es wunderbar bizarr und weird ist.

ESC Island

Apropos schwierige französische Schreibweise: Daði Freyr und seine Band Gagnamagnið waren voriges Jahr die großen Favoriten auf einen Sieg in Rotterdam.

Selbst Russell Crowe hat getwittert, wie toll sie sind. Das ist natürlich bitter, wenn der ESC dann abgesagt wird. Obwohl ich mir bis heute nicht sicher bin, wie ich sie eigentlich finde. Also ja, das Gesamtpaket war natürlich irgendwie charmant-nerdy,mit Signature Po-Wackler und Pullover der Song über Dadis neugeborene Tochter mit Lyrics wie: “I don’t understand you, you are yet to learn how to speak” das ist schon lieb und mal ein anderer Lovesong. Aber der Song selbst so als Song, hat jetzt nicht unbedingt mein Herz berührt.

Heuer treten sie wieder an und haben damit wohl die schwerste Aufgabe aller Rückkehrer, sie sollen das Ganze toppen, was von vorn herein zum Scheitern verurteilt ist, weil diesen extremem Überraschungseffekt schaffst du eben kein zweites Mal. Freyr beibt thematisch in der Famlie und besingt diesmal die Beziehung zu seiner Frau in Ten Years, so lange sind sie zusammen. Der Look ist gleich geblieben. Das ist eine Easy Listening Nummer, hat ein bisschen das, was der Musikjournalist Rocco Clein mal als “energielosen Hotelbar-Blues” bezeichnet hat.

Bei den Buchmachern ist das schon unter den Top 10. Aber wie Marco Schreuder schrieb, die Gewinner Vibes sind weg. Und wie jemand in der ESC Facebook Gruppe analysierte: “Eine liebenswerte Enttäuschung”.

ESC Malta

Destiny aus Malta gehörte letztes Jahr zu meinen persönlichen Favoriten und war auch bei den Buchmachern ganz gut gehandelt. Sie sang All of my love – ein Lied, das vom Komponistenkollektiv Symphonix geschrieben wurde, unter anderem auch von Cesar Sampson, der für diese Vereinigung komponiert. Das war toll für ihre außergewöhnliche Stimme und der Song hatte das gewisse Etwas für mich.


Dieses Jahr singt sie Je me casse. Nicht irritieren lassen, das Lied ist schon englisch, nur der Titel ist französisch und Google sagt mir, das bedeutet “Ich verschwinde”. Das Video und die Botschaft schreit wirklich sehr laut Netta, finde ich. Das hab ich gestern in der ESC Gruppe auf Facebook geschrieben und dann wurde ich gleich von jemandem “zur Rede gestellt”, ob ich damit meinte, das sei eine kurvige Frau, die Spaß hat. Ich hab auf Social Media immer mehr das Gefühl, dass egal was man schreibt, es einem irgendwie als “politisch unkorrekt” ausgelegt wird. Bitte ich bin selber eine kurvige Frau, die Spaß hat, Oida!


Btw. glaub ich nicht, dass ich die Einzige bin, die da Netta Assoziationen hat hat. Das ist Female Empowernment an der Grenze zum Male Bashing. Toy gehört bis heute btw zu einem meiner Lieblingslieder des ESC, hab ich auch immer noch auf meiner Playliste.  Je me casse ist jetzt nicht unbedingt love at first sight wie bei Netta, aber auch dieser Song hat etwas, was ihn von vielen Mitbewerbern abhebt; er liegt bei den Buchmachern aktuell auf Platz 2 hinter der Schweiz. Das wird sicher ganz vorne landen und das würde ich Destiny auch gönnen.

Netter Kommentar zu ihr auf Youtube: “This song makes me feel like an independent woman and I am a man” Harhar.

ESC Schweiz

Der liebe Gjon’s Tears aus der Schweiz hat mir schon letztes Jahr sehr gut gefallen. Sein Song Respondez moi war leise, eher unscheinbar und trotzdem (oder deswegen?) sehr beeindruckend. Obwohl ich gar nicht frankophil bin und die Sprache auch nicht spreche, hat mich das “gecatcht”. Respondez moi stand im krassen Gegensatz zum 2019er Vorstadt Casanova Song (wie ich ihn gerne nenne) von Luca Hänni She got me, der mir aber auch sehr gefallen hat – und der ja letztendlich sogar Vierter wurde, das beste Ergebnis seit immerhin auch schon 1991. Letzter Schweizer Sieg 1988 durch Celine Dion. Die übrigens auch französisch gesungen hat.

So klang Respondez moi:

Gjon Tears hat sich mit seinem neuen Beitrag stilistisch kaum verändert. Was auch ins Auge gehen kann, weil dann noch direktere Vergleiche mit dem Vorgänger Song gezogen werden können. Nun ja, bei Gjon’s Tears hat es sich wohl ausgezahlt, ich habe bei der Videopremiere nicht nur einmal “Winner 2021” gelesen. Ob das tatsächlich so sein wird, das kann man derzeit natürlich nicht ernsthaft beurteilen. Der Song Tout l’Univers gefällt mir aber auch wieder ziemlich gut und bedeutet tatsächlich noch einmal eine Steigerung zum letzten Jahr.

Das einzige, das mich bei den französischen Songs anzipft ist, dass ich sie nicht gescheit schreiben kann. Harhar.

ESC Österreich

Heut in der Früh war es endlich soweit – Österreichs Beitrag zum Songcontest 2021 wurde vorgestellt. Er wird von Vincent Bueno gesungen, der schon 2020 vorgesehen war und heißt Amen. Und so hört sich das an:

Der Song gefällt mir ausgesprochen gut, viel viel besser als Alive letztes Jahr. Dabei ist er nicht spektakulär, er ist eher einfach und schlicht gehalten. Aber er spricht mich total an. Hoffe, das ist ein gutes Vorzeichen.

ESC Italien

Italien beim ESC ist immer ein Genuss. Laut Marco Schreuder (und mir) hätten sie viel öfter gewinnen müssen, als sie das tatsächlich haben – nämlich nur zweimal bis dato nämlich 1964 Gigliola Cinquetti mit Non ho l’eta und Toto Cutugno mit Insieme 1990. Gut, sie haben 1994 bis 1996 und dann sogar von 1998 bis 2010 auf die Teilnehme verzichtet.

Seit sie wieder zurück sind, wurden sie bereits zweimal Zweite und einmal Dritte. Außerdem zeichnen sie sich durch ein besonderes Facettenreichtum aus, was die musikalischen Genres betrifft. Von Jazz über Ballade, von Rap bis R&B, Pop sowieso, gefehlt hat eigentlich nur Rock und damit treten sie jetzt also 2021 an. Der Song heißt Zitti e buoni (ungefähr: “Still und brav”) und versteht sich als eine Art Protestsong der Jugend, die sich nicht ernstgenommen fühlt.

Ich bin noch unsicher, wie mir das gefällt. Es ist nicht ganz mein Genre. Also ich kann Rock prinzipiell schon einiges abgewinnen, aber dieser Song ist mir irgendwie doch eine Spur zu unmelodiös. Will er sicher auch gar nicht sein, denn es geht ja um Protest. Und wie kann Protest lieblich und gefällig sein? Aber Mahmood war 2019 auch schlecht gelaunt und ich hab Soldi geliebt. Ich glaub, Zitti e buoni werd ich anerkennen. Aber lieben werd ich das nicht. Leider.

ESC Belgien

Belgien im Songcontest, das bedeutet in den letzten Jahren immer sehr innovative Popsongs, etwas sperrig, sophisticated, intellektuell. In den 2010er Jahren belegten die belgischen KandidatInnen immerhin zweimal Platz 4, wobei Blanche 2017 mit City Lights auch einen formidablen Radiohit hatte, obwohl die Künstlerin extrem introvertiert war, das Gegenteil einer Rampsensau quasi.

Auch 2021 setzt sich dieser Trend vor. Hooverphonic sind eine bereits bekannte Band, voriges Jahr wären sie auch angetreten, allerdings mit einer anderen Sängerin. An den Beitrag vom letzten Jahr konnte ich mich nicht mehr erinnern. Er hat mich nicht so besonders beeindruckt. Journalistin Eva Haslinger hat im Merci Cherie Podcast gemeint, das sei das beste fade Lied des ESC 2020, das fand ich eine super Formulierung.

2021 find ich persönlich weniger fad, eher creepy und ja, ich mag es!

Es geht in The Wrong Place um einen “falschen” One Night Stand. Nicht, dass ich mich mit der Thematik auskenne harhar, aber ist das nicht irgendwie wurscht? Die Protagonistin sieht das im Video jedenfalls anders, sie ist etwas äh verhaltensauffällig oder wie William von Wiwibloggs im sehr lustigen Reaction Video sagt: “I don’t wanna be in that house.” Was der Typ tatsächlich falsch macht, man erfährt es nicht, abgesehen davon, dass er organischen Tee trinkt und der Protagonistin offenbar extrem auf die Nerven geht, denn sie insistiert: “Don’t you ever dare to wear my Johnny Cash T-Shirt!” Haha so bizarr. William meint abschließend, angesichts der Vorgänge am Morgen danach in ihrem Haus: “She is going to get a bad recommendation on Tinder.”

Also wie gesagt: Ich mag den Song, bin aber nicht sicher, ob er sehr ESC-tauglich ist. Ich hoffe stark, dass er ins Finale kommt und ich freue mich schon auf die Bühnenshow.

ESC Irland

Irland ist das erfolgreichste Land beim ESC, was die Siege angeht.

Bereits siebenmal haben sie den Songcontest gewonnen, in den 1990er Jahren sogar dreimal hintereinander und nach einer Pause von einem Jahr gleich noch einmal. Es war die Zeit, wo man sich dachte, jetzt wirds langsam fad mit Irland, weil es gewinnt niemand sonst. Diese Zeiten sind allerdings lange vorbei. Seit 1996 haben sie nicht nur nicht mehr gewonnen, sie sind auch relativ häufig gar nicht ins Finale gekomen, und wenn sie dann doch mal im Finale waren, war der Erfolg eher bescheiden. Ein kleiner Ausreißer waren Jedward, die 2011 mit Lipstick immerhin den 8. Platz belegten. Die verrückten Zwillinge fand ich damals sehr amüsant und den Song hab ich auch auf meiner ESC Playlist.

Dieses Jahr tritt Lesely Roy an, die auch schon letztes Jahr vorgesehen war. Den Song vom letzten Jahr empfand ich nicht besonders aufregend, ich musste ihn mir jetzt nochmal anhören, weil ich ihn gar nicht mehr im Kopf hatte. Der neue Song Maps dagegen gefällt mir wirklich gut.

Damit bin ich nicht alleine – Deban und William von wiwibloggs fanden ihn auch gut und wer Deban kennt weiß, der ist nicht immer so leicht zufrieden zu stellen. Schöne Lyrics: “My soul is a map, my heart is a compass, I am the road.” Kommt natürlich auch auf die Live-Performance und das Staging an, wie erfolgreich der Song performen wird, aber die Chance, damit wieder mal die Top10 zu entern, lebt auf jedenfall.

Was das Video betrifft: Schön ist dein Land, Irene in Irland!

ESC Deutschland

Deutschland hat eine durchaus wechselvolle ESC Geschichte hinter sich.

In der jüngsten Zeit ein Sieg mit Lena (2010) und mit Michael Schulte ein vierter Platz (2018), aber auch viele Platzierungen jenseits der Top 20, dazwischen gabs nicht viel. Voriges Jahr hatte Deutschland meiner bescheidenen Meinung nach einen guten und innovativ klingenden Song ausgewählt Violent Thing, interpretiert von Ben Dolic. Es war eine Symphonix Produktion, ein Komponistenkollektiv, das für viele Qualitätssongs beim Eurovision in den letzten Jahren verantwortlich zeichnet.

Dieses Jahr hat man sich für einen anderen Künstler entschieden. Jendrik Sigwart, seines Zeichens Musicaldarsteller. Dabei muss ich sofort an die Bemerkung von Grissemann 1997 denken, als er den isländischen Teilnehmer Paul Oscar vorstellte mit den Worten: “So sympathisch er hier auch scheint, er kommt hassenswerterweise vom Musical, wie so viele der heutigen Kandidaten, LEIDER.” Harhar. Ich erinnere mich deshalb so genau, weil Paul Oscar mit Minn hinsti dans bis heute eine meiner ESC All time favorits ist.

Wie auch immer: Jendrik Sigwart ist nunmal auch ein Musicaldarsteller und hat seinen Song selbst geschrieben, der da heißt I don’t feel hate. Das ist ja an sich eine begrüßenswerte Grundeinstellung. Und klingen tut das so:

Und ist quasi in jeder Beziehung ein Antipode des letztjährigen Beitrags. I feel sorry. Ok tut mir leid, aber der Kalauer liegt auf der Hand.