Archiv für frühchen

Fragen über Fragen

Heute gab es bei Stad-Land-Mama einen Artikel einer Frühchen-Mutter, die berichtet, wie sehr sie nach der Geburt ihres Kindes unter neugierigen, unsensiblen Fragen aus dem Umfeld gelitten hat.

Sie geht recht streng mit den Fragern um, ich denke, gerade Leute, die einem vielleicht nicht so nahe stehen und/oder die noch nie mit dem Thema Frühgeburt in Berührung gekommen sind, wissen es oft wirklich nicht besser, wenn sie “unpassende” Fragen stellen. Ich habe das, in meinem Fall, oft nicht so eng gesehen, oftmals sind Fragen ja auch nur dazu da, um irgendwie Kontakt herzustellen. Und wer weiß schon im ersten Moment, was er wirklich dazu sagen soll. Da kann ich schon nachvollziehen, dass man mal etwas ungeschickt agiert.

Mich hat damals ein bisschen gestört, dass manche Leute dachten, ich wäre jetzt Fachfrau für Frühgeburten, nur weil ich mein Kind gerade drei Monate zu früh auf die Welt gebracht hatte. Im Laufe der Zeit lernt man natürlich viel und kennt sich nach einer Weile tatsächlich einigermaßen gut aus, aber nicht ein, zwei, drei Tage nach der Geburt. Da ist man erstmal verwirrt, erschöpft, erschlagen, ratlos und vor allem verzweifelt. Vielleicht trifft es noch eher auf Eltern zu, die während der Schwangerschaft bereits Gründe zur Annahme hatten, dass ihr ein Kind ein Frühchen wird, und die sich daher mit dem Thema beschäfigt haben. Aber wenn es überraschend kommt, ist das in der Regel nicht der Fall.

Die Frage nach dem Zeitpunkt der Entlassung – die die Autorin erwähnt – habe ich auch sehr oft gehört. Wobei ich die Frage an sich nicht schlimm finde. Schlimm wird sie dann, wenn sie täglich von derselben Person kommt, obwohl diese weiß, dass das Kind noch voll beatmet wird und in kritischem Allgemeinzustand ist. Sehr verletzend habe ich auch die wiederholte Frage empfunden: Wann kannst du ihn denn endlich halten? Auch hier ist die Frage selbst nicht so schlimm wie die dauernde Wiederholung. Natürlich wünscht man sich als Mutter nichts mehr als sein Kind endlich in den Arm zu nehmen, aber das ist wie beim Gras, das nicht schneller wächst, wenn man dran zieht. Ein Kind, das im Brutkasten gerade so halbwegs gut zurechtkommt, kann man nicht einfach mal jemanden in den Arm drücken, nur damit der sich besser fühlt. Natürlich sind sechs Wochen bis zum “Erstkontakt” (so war es bei uns) lang und natürlich kann man sich das als Außenstehender nicht so vorstellen, zumal man vielleicht selbst ein Kind hat, das man direkt nach der Geburt auf die Brust gelegt bekommen hat.

Generell muss man als Frühchen Mama – wie im Artikel beschrieben – sehr früh lernen, sein Kind absolut gar nicht mit anderen Babys und Kleinkindern zu vergleichen. Außer, man will monate- bis jahrelang frustriert sein, weil das Kind logischerweise entwicklungsmäßig sehr hinterher hinkt. Es gibt auch Leute, die bereits in der Phase der Intensivstation fragen, warum das Nachbarbaby xy bereits entlassen wird, obwohl es ja nach dem eigenen geboren wurde. Tja, weil das Nachbarbaby xy zwar ein Frühchen ist, aber aus der 35. Woche. Und man kann 25 Wochen-Frühchen schwerlich mit einem 35 Wochen-Frühchen vergleichen. Bei Frühchen machen zwei Wochen Unterschied bei der Schwangerschaftswoche schon sehr viel aus.

Generell gilt, was uns der Arzt auf der Neonatologie gesagt hat, sowohl für Eltern eines Frühchens als auch für das ganze Umfeld: “Ihr werdet Geduld brauchen.” Und wenn man Frühchen-Eltern unterstützen will und nicht weiß wie, ist es sicher am besten, wenn man nicht drängt und stresst und die eigene Neugierde etwas hintenanstellt. Wenn man unbedingt etwas fragen möchte, dann kann ich aber folgende Frage uneingeschränkt empfehlen: “Brauchst du jemand zum reden?”

Welt-Frühgeborenentag

Heute durfte ich – anlässlich des Welt-Frühchentags auf dem bekannten deutschen Blog Stadt-Land Mama unsere Geschichte erzählen und auch auf mein Buch hinweisen. Das ist toll.

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Auf dem Foto war das Kind übrigens genau einen Monat alt. Aber noch immer sehr winzig und intubiert.

An einem Tag wie diesen wünsche ich allen “aktuellen” Frühchen-Eltern soviel Glück wie wir das hatten. Ich bin dafür immer noch täglich dankbar.

Bozen, damals und heute

In ein paar Tagen hat das Kind Geburtstag und heute ist genau so ein Tag, wie er damals vor acht Jahren in Bozen auch war. Sonnig, blauer Himmel, in der Sonne fast noch ein bisschen heiß. Deshalb sehr viele ambivalente Gefühle bei mir. Manchmal bilde ich mir ein, dass es da und dort ein wenig so wie im Krankenhaus riechen würde, was immer irgendwie Beklemmung auslöst.

Mich macht dieser Geburtstagscountdown und das Wetter dazu irgendwie immer schon tagelang vorher unruhig (- und das nicht nur, weil ich eine Kinderparty mit 12-en vor mir habe, harhar)

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Mein Schwager hat ein Foto von Bozen (mit Blick auf den Rosengarten) geschickt, und genau so erinnere ich mich auch an die Stadt. So wars, als ich ein oder zwei Tage nach Adrians Geburt das erste Mal vorm Krankenhaus gestanden bin und in die (wenn auch andere) Weinberge geschaut habe. Irgendwie war der Anblick damals tröstlich, bei all den verzweifelten Gefühlen.

Maternita

Die Schwangerschafts- und Babyinfoseite Maternita hat sich in ihrem neuesten Blogbeitrag mit Büchern zum Thema Frühgeburt beschäftigt. Ich freue mich sehr, dass auch Geboren in Bozen dabei vorkommt:

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Inga Sarrazin, selbst Mutter von Zwillingsfrühchen, hat mein Buch gelesen, und natürlich interessiert mich sehr, was andere Menschen, die unsere Erfahrungen teilen, zu meiner Aufarbeitung sagen. Denn ich habe auch schon einige Frühchen-Mamas getroffen, die mir gesagt haben, dass sie mein Buch bewusst nicht lesen, weil sie ihre eigene Geschichte noch nicht verarbeitet haben, und Angst davor haben, dass die eigenen Gefühle von damals wieder hochkommen.

Das verstehe ich sehr gut. Ich habe selbst Themen, denen ich aus dem Weg gehe, und wo ich die Konfrontation scheue. Umso mehr freut es mich aber, wenn ich Feedback von Frühchen-Eltern bekomme. Inga Sarrazin schreibt:

Mich selbst hat dieses Buch sehr berührt, viele fast vergessene Situationen wieder aufleben lassen und mir gezeigt wie viel Frühcheneltern doch gemein haben.

Mein Fazit:

Ein ungeschönter Erfahrungsbericht aus dem realen Leben, der einem das Verständnis für eine außergewöhnliche Erfahrung nahe bringt. Für Eltern und Fachpersonal rund um die Geburt lesenswert.

Herzlichen Dank für diese Worte!

Kännchen und Fratzen

Wieder einmal kann ich über Berichte in Medien über Geboren in Bozen erzählen. Zum einen war ich sehr überrascht, vor einigen Woche eine Rezension von jemand zu lesen, den ich überhaupt nicht kenne und bei dem bzw. derjenigen ich gar nicht weiß, wie sie auf mein Buch gekommen ist. Wie auch immer, die Rezension läuft unter “Winterlektüre” und mein Roman kommt eigentlich ganz gut weg (vier von fünf Sterne! Besser als Gone Girl von Gillian Flynn)!

Dann hatte ich vor kurzem noch das Vergnügen, für das österreichische Magazin Fratz und Co. etwas über Frühgeburten schreiben zu dürfen. Mein Buch wurde  im Zuge dessen auch empfohlen. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

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Das Heft kann man auch online durchblättern.

Sprechtag

Gestern war also der erste Elternsprechtag in der Volksschule. Bei solchen Gelegenheiten hat man immer wieder ein Aha-Erlebnis nämlich: “Aha, ich stehe jetzt auf der anderen Seite. Ich bin der Erziehungsberechtigte.” Man sollte meinen, dass man sich daran nach sieben Jahren Elternschaft langsam gewöhnt hat, aber es ist immer wieder ein bisschen überraschend.

Ich hatte insofern das Glück, dass gestern die Förderlehrerin der Klasse dabei war und die Klassenlehrerin mich fragte, ob es ok sei, wenn sie zuhört, denn “es ist ihr erster Elternsprechtag”. Darauf ich in einem Anflug von ungeheurer Witzigkeit: “Kein Problem, es ist auch mein erster Elternsprechtag”. Aber irgendwie hat das doch die Stimmung aufgelockert.

Allerdings gabs da eh nicht viel zum Auflockern. Denn der Arzt, der in Wien die Entwicklungskontrollen bei Adrian durchgeführt hat (er wird in letzter Zeit oft Schluckauf haben, weil ich wirklich sehr häufig an ihn denke), tja, der Arzt, der meinte, Adrian würde große Probleme in der Volksschule bekommen, dem Unterricht nicht folgen und nicht stillsitzen können. Tja, der hatte Unrecht.

FF- das Südtiroler Wochenmagazin

Ich habe schon wieder Glück, Geboren in Bozen wird diese Woche auch in FF- das Südtiroler Wochenmagazin gefeatured. Ich wurde dazu von der Chefredakteurin persönlich interviewt, die mein Buch auch gelesen hat und es vorstellt.

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Besonders schön und interessant finde ich, dass sie unseren behandelnden Arzt auch gleich interviewt hat und nachdem der nun in diesem Artikel geoutet wird, verrate ich da jetzt nicht zuviel. Das Interview mit ihm ist quasi in den Bericht eingearbeitet. Und es werden die Themen angesprochen, die ich für essentiell in diesem Zusammenhang halte. Zb. mütterliche Schuldgefühle, der Graubereich “wie früh ist zu früh” oder den Überlebenswillen von Frühchen.

Ein sehr detaillierter und tiefgehender Artikel. Freue mich sehr darüber.

Welt-Frühchentag

Heute ist Welt-Frühchentag. Diesen Tag gibt es noch gar nicht so lange. Er wurde 2011 erstmals begangen.

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Ich hatte das Glück, dass der Stern diesen Tag heute zum Anlass genommen hat, mein Buch vorzustellen. Und zwar hier. Ich finde es (logischerweise) sehr interessant Besprechungen des eigenen Textes zu lesen, wo die Rezensenten die Schwerpunkte legen und was sie aus dem Buch besonders herauslesen.

Susanne Baller vom Familienressort des Stern bezeichnet es als “Tagebuch Krimi”, das ist neu. Spannend hab ich schon öfters gelesen, aber Krimi fällt als Begriff zum ersten Mal. Sehr schön finde ich auch folgenden Satz, der Geboren in Bozen beschreibt:

“Die Schwierigkeiten bei der Geburt, sie hatte einen Vorbereitungskurs erst nach der Rückkehr aus dem Urlaub geplant, schildert sie ebenso eindringlich wie die Tatsache, dass die exakte Wortwahl der Ärzte für sie zum Barometer ihrer Gefühlswelt werden.”

Heute ist für mich – auch davon abgesehen – ein emotionaler Tag. Und ich denke besonders an die Eltern, deren Kinder gerade jetzt kämpfen. Es wird für sie eine Erfahrung sein, die ihr Leben prägt, das kann ich gewiss sagen. Und hoffentlich mit gutem Ausgang.

Schuleinschreibung

Derzeit läuft in Wien die Einschreibung für neuen Volksschüler und jetzt ist es auch für uns soweit. Schulstart 2014!

Wir hatten das Aufnahmegespräch und den Test über die Schulreife gleich am ersten Tag, dem Montag. Was soll ich sagen? Es lief wirklich gut.

Adrian hat sich in den letzten Wochen und Monaten immer mehr zum Vorschüler entwickelt, er will selbst lesen, also Buchstaben aneinander reihen, er will rechnen, er will Aufgaben gestellt bekommen – ohne, dass ich das extra anregen muss. Insofern hab ich mir bezüglich des Tests keine Sorgen gemacht, aber ein bisschen aufgeregt ist man vorher dann natürlich trotzdem. Also ich, er nicht.

War aber unbegründet, zum einen waren sowohl die Direktorin und die Lehrerin, die den Test durchführte sehr herzlich und kinderorientiert, zum anderen hat er alles geschafft, Takt nachklatschen, Sachen ausschneiden, sich selbst zeichnen, mehrere Dinge auf einem Bild finden, Sachen ordnen und so weiter. Ich habe inzwischen gefühlt 20 verschiedene Formulare ausgefüllt. Und im Hintergrund hörte ich: “Was, das kannst du auch schon?”.

Und das gab mir doch einige Genugtuung. Denn es ist gut 5 Jahre her, dass wir zur Entwicklungskontrolle im Krankenhaus waren und der Arzt mir dort prophezeite, dass es für ihn schwer werden würde, eine normale Schule zu besuchen. Kognitiv und aus motorischen Gründen, er würde nicht stillsitzen können, und überhaupt.

Ich sage nicht, dass man sich keine anderen Meinungen anhören und Ratschläge annehmen sollte, gar nicht. Und mir wurden in dieser Zeit öfters unangenehme Dinge mitgeteilt, die ich akzeptierte, weil sie fundiert begründet waren. Aber dieses Urteil nach fünf Minuten Kind ansehen war das nicht. Ich wusste natürlich um Adrians Bewegungsdrang und die Defizite, die er damals hatte, ich wusste aber auch, dass er anders sein konnte, sehr konzentriert und ehrgeizig nämlich.  Und ich war wütend, dass der Arzt sich nicht die Mühe gab, das auch zu erkennen und, dass er mich verunsicherte. Und auch, dass ich mich verunsichern ließ.

Das ist alles lange her. Und für viele andere ist die Feststellung der Schuleignung nur eine Formalität. Für mich aber ist sie ein Beweis, dass mich mein Gefühl damals nicht getäuscht hat.

Out now

Pünktlich zum Weltfrühgeborenentag habe ich Geboren in Bozen nun via Epubli veröffentlicht.

Wer Interesse hat, hier der Link zum Buch.

Und jetzt brauche ich einen Schnaps.

P.S. In ungefähr zwei Wochen sollte das Buch dann auch auf anderen Plattformen wie Amazon, Google, Apple usw. erhältlich sein. Ich setze die Links dann hier herein.