almis personal blog

Gute Songanfänge, zwei

Auf die Frage nach guten Opening Lyrics wurde auch öfter mal folgendes geantwortet: “It’s nine o’clock on a Saturday. The regular crowd shuffles in. There’s an old man sittin’ next to me, makin’ love to his tonic and gin”. Wobei man sagen muss: Billy Joel ist auch abseits dieser Zeilen einer der besten Songwriter überhaupt, jeder seiner Songs ist eine kleine poetische Geschichte mit ganz viel Atmosphäre, man hat das Gefühl, man wäre direkt dabei gewesen. Oben zitierte Zeilen stammen natürlich von Piano Man.

Die vielleicht beste Single, die überhaupt jemals veröffentlicht wurde, wenn auch eine der skurillsten, weil so lang und soviele Stimmungswechsel, ist wahrscheinlich Bohemian Rhapsody von Queen und beginnt so: “Is this the real life, is this just fantasy?” Die Lyrics zu diesem Song sind ganz schön dramatisch und auch tragisch – siehe auch: “Mama, just killed a man.” Und weiter: Falls ich nicht mehr zurückkomme, macht einfach mit eurem Leben weiter, es ist nichts weiter passiert. Schluck.

Ich persönlich liebe den Anfang von Bjorks in jeder Beziehung eindrucksvollem Song Bachelorette: “I am a fountain of blood in the shape of a girl.” Das erinnert mich an eine Kurzgeschichte, die ich mal geschrieben habe, in der die die Protagonistin sich verliebt und der Mann nur über seine Organe, Blutbahnen und Nervenverbindungen vorgestellt wurde. Irgendwie ist mir das nicht ganz so gut gelungen wie Bjork das in ihrem Song schafft. Harhar.

Sehr gut finde ich auch den Beginn von Common People, der Band Pulp (bezeichnenderweise auf ihrem Album Different Class enthalten), die ich in meinen späten Teenagerjahren wirklich sehr geliebt habe – zu einem großen Teil auch wegen ihrer skurillen Lyrics. Der Anfang hier lautet: “She came from Greece, she had a thirst for knowlegde.” In dem Song geht es übrigens – angeblich, aber falls nicht, ist es gut erfunden – um die Frau des ehemaligen griechischen Finanzsministers Gianis Varoufakis, die damals am St. Martins College studiert hat und stinkreich war und endlich mal sehen wollte, wie “gewöhnliche Leute” so leben. Und – so singt es zumindest Jarvis Cocker – zu ihm sagte: “I want to sleep with common people. I want to sleep with common people like you.”

Die gute Nachricht

Das Wetter ist wirklich übel für August und auch sonst ist es wieder recht unruhig, so in der Außenwelt. Daher eine kleine Geschichte aus der Rubrik: “Die gute Nachricht ist die bessere”.

Ich bin bei Facebook in einer geschlossenen Frauengruppe, wo man sich austauscht, Tipps gibt, Jobs vermittelt – ich habe schon drei Auftraggeber darüber kennengelernt, für zwei arbeite ich immer noch – und noch andere Dinge bespricht. Vorgestern ist was echt Kurioses passiert. Da schreibt eine Dame, sie habe im Donaupark das Geldbörsel einer Frau xy gefunden und ob die hier in der Gruppe vielleicht jemand kennt, dann würde sie ihr die Börse (mitsamt allen möglichen Karten) gern persönlich geben. Die Gruppe hat 10.000 Mitglieder, nicht wenig, aber das ist doch sehr unwahrscheinlich, da jemanden zu finden, oder??? Aber: Frau xy wohnt tatsächlich in meinem Haus! Ich kenne ja die meisten Leute hier beim Namen, weil ich ja für alle Pakete übernehme. Harhar.

Ich schreibe also der Finderin das und sie gibt mir ihre Telefonnummer und bittet mich, sie an Frau xy weiterzugeben, damit sich die zwei kurzschließen können. Da ist es allerdings schon 22 Uhr. Ich überlege. Frau xy wohnt einen Stock über mir und hat zwei Kleinkinder. Sie wird sich irre freuen, dass ihr Geldbörsel aufgetaucht ist, sie wird sich aber auch irre ärgern, wenn ich bei ihr anläute und die Kinder aufwecke. Trotzdem wird sie sicher besser schlafen, wenn sie die Nachricht bekommt. Hm. Ich entwerfe einen Text mit Erläuterungen und der Telefonnummer und dann verlasse ich meine Wohnung, schließe die Tür und versuche, den Zettel durch den Spalt unten durchzuschieben, so Mac Gyver-mäßig quasi probeweise. Geht nicht. Also versuche ich, den Zettel seitlich beim Türspalt durchzudrücken. Geht zuerst auch nicht, aber dann klappt es doch. Gottseidank kommt keiner vorbei und sieht mein eigenartiges Tun.

Ich gehe also hinauf, zufrieden mit meiner Idee und zuversichtlich, dass die Durchführung klappt, aber als ich vor der Türe von Frau xy stehe, denk ich mir, ich probiere es mal old school mit Klopfen. Wird sie wahrscheinlich nicht hören, weil sie mutmasslich beim Zubettgehen der Kinder eingeschlafen ist, aber ein Versuch schadet nicht. Und tatsächlich – mein dezentes, aber doch halbwegs lautes Klopfen scheint gehört zu werden, ihr Mann öffnet die Tür. Er schaut eventuell auch etwas verschlafen aus, aber als ich ihm die Sachlage erkläre, wieso ich hier um diese Uhrzeit an seine Tür klopfe, erscheint ein breites Grinsen. Hurra, alles geklärt, alle happy.

P.S – Das habe ich bekommen:

Es ist kompliziert

Facebook Beziehungsinformationen – oder ein modernes Märchen.

Ich bin auf Facebook mit einer Frau vernetzt, die ich noch aus Kindertagen, vom Urlaub am Bauernhof, kenne. Richtig befreundet sind wir nicht, das wäre zuviel gesagt, aber als wir beide dann kleine Kinder hatten, haben wir uns ein paarmal getroffen. Es war immer angenehm, sie hatte sowas offenes an sich, und ich habe sie dafür bewundert, wie sie mit den Widrigkeiten, die das Leben ihr auferlegt hat, zurechtgekommen ist, ja wie sie sich dagegen gestemmt hat, ein “Schicksal” zu werden.

Danach haben sich einige Dinge in meinem eigenen Leben geändert und ich habe sie nun schon einige Zeit nicht mehr gesehen. Vor einem guten Jahr hab ich dann auf Facebook mitbekommen, dass sie sich getrennt hat und quasi unmittelbar bei ihrem neuen Freund eingezogen ist. Die nun schon jugendlichen Kinder sind beim Exmann geblieben, sie sind nun Besucher in ihrem neuen Leben. Sie hat sich ein neues Haustier zugelegt und hat eine Art Mutterrolle für die Kinder des neuen Mannes angekommen. Was ich damals beim Lesen spürte, kann ich gar nicht so richtig beschreiben. Einerseits war ich beeindruckt von ihrer Klarheit, wie sicher alles scheint, wie unkompliziert, ein neues Leben, von einem Tag auf den anderen. Der nächste Gedanke galt ihrem Ex, ein ausgesprochen warmherziger Mensch, ich kann es nicht anders beschreiben, der offenbar “zurückbleibt” – über die tatsächlichen Hintergründe wusste ich ja nichts – und jetzt ebenso alles auf Facebook mitlesen konnte, wohl oder übel.

Damit könnte die Geschichte enden, aber das Leben geht ja weiter. Der Ex hat dann irgendwann, noch nicht so lange her, auch wieder eine Beziehung und ich spüre, dass mich das sehr freut, als ich das lese. Irgendwie atme ich auf, alles hat sich weiterentwickelt und das ist gut so. Und dann, wieder ein paar Wochen später, lese ich bei ihr “Suche kleine Wohnung in xy” und stutze. Ich checke ihren Bezieungsstatus, der ist noch unverändert, aber als ich am nächsten Tag nochmal nachsehe, da sind plötzlich “keine Beziehungsinformationen vorhanden”. Damit dürfte wohl klar sein, was passiert ist. Und obwohl etwas in mir sagt: Ich wusste, dass war alles zu schnell und zu perfekt, mit zuwenig Zeit zwischendurch, um sich selbst neu kennenzulernen, um sich zu sortieren, sagt auch etwas in mir: Schade. Schade, dass es nicht geklappt hat, schade, dass es jetzt wohl diesen unendlichen Schmerz gibt, bei möglicherweise vielen Beteiligten. Schade, dass die Liebe nicht mal ein Jahr gehalten hat. Schade.

Ich möchte das nicht als Gossip Beitrag missverstanden wissen, wo ohnehin niemand weiß, von wem die Rede ist. Es ist mehr ein Staunen über menschliche Beziehungen und wie sie verlaufen und meine zunehmende Ratlosigkeit darüber.

Ferien, sechs

Diese Woche ist irgendwie so halbgares Sommerwetter, nicht wirklich warm, aber auch nicht kalt, ideales Wetter zum Abarbeiten von einigen Projekten, die sich teilweise schon etwas länger Hinziehen, zum Lesen und Schreiben.

Schon lange bin ich nicht zum Schreiben gekommen, obwohl da ein Text auf mich wartet, mit bis dato 30.000 Wörtern. Dieser Text ist höchst brisant, enthält er doch alles, was mich die letzten Jahre über beschäftigt hat, was mich glücklich und was mir Angst macht. Oft habe ich unterm Jahr soviel zu tun, dass ich wochenlang nicht daran weiterschreibe, aber das ist nur die eine Komponente. Die andere ist, dass ich auch einfach manchmal eine Pause brauche, für diesen in jeder Beziehung ziemlich aufwühlenden Text. Diese Woche fühle ich mich danach daran weiterzuarbeiten und ich habe mir auch vorgenommen, den Freiräume im restlichen August dafür zu nutzen, diesen Text weiter wachsen zu lassen. Auch wenns schmerzhaft ist.

Apropos weiter wachsen – aufmerksame Lesern meines Blogs werden vielleicht bemerkt haben, dass Irene in Irland ein Häuschen weiterzieht (neuer Blogname!). Wer bisher die Erlebnisse in Dublin mitverfolgt hat, wird sich vielleicht auch dafür interessieren, dass sie nun nach Bratislava geht. Spannend. Und was ich persönlich sehr toll finde: Bratislava ist wesentlich näher bei Wien.

LIZVC 69

Es ist fix, mein 3 Milimeter großer Nierenstein ist den Weg alles Irdischen gegangen.

Was sage ich dazu, dass Nierenkoliken zu den schlimmsten Schmerzen überhaupt zählen? Was mich und mein Schmerzempfinden betrifft, kann ich das eindeutig bejahen. Wenn man zwei sehr starke Schmerzmittel genommen hat und trotzdem vor Schmerzen weint, dann ist das schon ziemlich beeindruckend.

Meinen jämmerlichsten Moment diese Woche erlebte ich, als ich den Verschluss der Schmerztropfen herunterschrauben wollte. Achtung Kindersicherung. Ein weißer Verschluss mit einem weißen Pfeil zeigt einem, in welche Richtung man drehen soll. Wem fällt sowas bitte ein? Ich stand – gebückt vor Schmerzen, mit einem Tuch um meine Hüfte gebunden, darunter ein Wärmepflaster – in der Küche und hielt die Flasche weit von mir weg um (Alterssichtigkeit), direkt unter die Lampe, um die richtige Richtung herauszufinden. Drücken und drehen, drücken und drehen. Es klappte nicht! Nach ca 30 Minuten Versuch wurde der Verschluss mit einer Zange gewaltsam geöffnet. Ja, ist schon klar, dass man das vor Kindern schützen muss, aber wenn ich als Mitte 40-jährige mit doch noch einiger Kraft und motorischen Fähigkeiten es nicht schaffe, wie soll das jemand etwa 80 plus hinkriegen, der vielleicht auch noch körperlich gehandicapped ist?

Die Ärztin gestern meinte dann zu mir, ich wäre fleißig gewesen, das wäre ja schnell gegangen mit dem Stein-Abgang. Am liebsten hätte ich darauf geantwortet: “Schnell ist relativ, gute Frau, schnell ist relativ”.

LIZVC 68

Im ersten Lockdown bekam ich eine neue Zahnkrone. Im zweiten Lockdown bekam ich Nierensteine. So gesehen hab ich Angst vor einem möglichen dritten.

Aber nun die Erlebniserzählung zu den Nierensteinen. Vor gut einer Woche begannen bei mir unklare Bauchschmerzen. Zuerst dachte ich mir nicht viel dabei, aber nachdem ich dann eine Nacht nicht schlafen konnte, machte ich mich zur urologischen Ambulanz auf. Um niemanden zu diskreditieren, sage ich nicht, welche Ambulanz es war. Denn der Arzt dort wusste nicht, was ich habe, nur, dass es keine Blasenentzündung ist. Wahrscheinlich ein “Frauenproblem.” Ich bin 44, ich habe ein Kind bekommen: ich weiß, wann etwas ein Frauenproblem ist. Das hier war keines.

Nachdem ich einigen Menschen meine Symptome erzählt habe, erhärtete sich der Verdacht, dass es ein Nierenstein sein könnte. Eine Nierenkolik am drauffolgenden Tag gab den begabten medizinischen Laien recht. Nach einigen weiteren Koliken – unterbrochen von stundenlanger vollständiger Symptomfreiheit – machte ich einen Termin bei einer niedergelassenen Urologin aus.

Ein UrolgInnenbesuch während der Coronazeit hat etwas sehr skurilles. Weil: Man soll mit voller Blase hinkommen. Ich selbst hatte auf der Fahrt hin eine volle Blase und eine leichte Nierenkolik. Bei der Ärztin angekommen, warteten die PatientInnen im Stiegenhaus, weil nur Einzeleintritt möglich. Lauter Menschen, die dringend auf die Toilette mussten. Nun ja sagen wir so, es ging nicht bei allen gut aus.

Als ich endlich in der Ordination war, ging es mir so schlecht, das ich weinen musste. Das ist mir nicht mal bei der Geburt meines Kindes passiert. Die Ärztin erkannte nach ca. zwei Sekunden Ultraschall einen “massiven Stau in der linken Niere vermutlich aufgrund eines Steines.” Therapie: Sehr starke Schmerzmittel (Yeah!) und Medikamente, die den Harnleiter weiten und den Stein nach unten (and out) befördern sollen. Als ich die Gebrauchsanweisung las, war ich überrascht über die mögliche Nebenwirkung “schmerzhafte Dauererektion”. Das Medikament ist normalerweise nur für Männer.

Nachdem ich die ganzen Medikamente genommen habe, hatte ich eine Kolik, die schlimmer war als jede zuvor, trotzdem ich vollgepumpt mit stärksten Schmerzmitteln war. Am Nachmittag fuhr ich zum CT (Computertomografie). Anscheinend war die Kolik erfolgreich, denn der Stein hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Niere verlassen und befindet sich am Weg zum Ausgang. Die Schmerzen sind seither weg.

To be continued…

LIZVC 62

Aus der Rubrik: Dinge, die ich während irgendeines Corona Lockdowns kaufte, weil sie mir auf Facebook hineingespült wurden

Heute: der Norsack. Der Norsack, der binnen Sekunden von einer Tasche zu einem Rucksack wird. Wie, das zeigt dir ein hippes youtube Video, wo du zwar überhaupt nicht siehst, welches Runde in welches Eckige gesteckt werden soll, aber sofern man es schaffen würde, hätte man eine super wandelbare Tasche-Rucksack.

Edit: ein paar Stunden später habe ich nach diversen Informationserkundungen und try und error eine super wandelbare Tasche-Rucksack. Ein echter Bastlerhit. Sieht aber schon ganz gut aus. Also unterm Strich dann doch ein Erfolg.

Disclaimer: das ist keine Werbung. Ich bekomme nichts für die aufgewendeten Arbeitsstunden bezahlt!

LIZVC 48

Ach ja, ich bin übrigens die Treppe runtergefallen, im Gartenhaus.

Das war letzten Freitag um 23.30, als im Zimmer, in dem das Kind zockte, irgendwelche Spinnweben von der Decke hingen. Also holte ich einen Besen und wischte die Spinnweben weg und dann wollte ich, mit dem Besen in der Hand, die Treppe wieder hinuntergehen. Aber anstatt auf die Stufen zu schauen, inspizierte ich den Besen, was da jetzt so alles dranklebte. Und da ich Socken anhatte und nicht aufpasste, wo ich hinstieg, und mich wegen des Besen auch nicht festhalten konnte, als ich ins Schleudern geriet, krachte ich, anstatt Stufen zu steigen, mit dem Rücken voll auf die Treppe.

Man kriegt übrigens keine Luft, wenn man auf den Rücken fällt, zumindest für eine kleine Weile. Jedenfalls klappte dann mein Kreislauf zusammen. Ich sagte dem Kind, es wäre alles ok, ich müsse mich nur kurz hinlegen; aber das war gar nicht so leicht, weil auf dem Rücken liegen konnte ich beim besten Willen nicht mehr. Also nur noch ein bisschen atmen, ein paar Minuten im ruhigen und dunklen Schlafzimmer. Und den Schweißausbruch und die Panik-Übelkeit ignorieren.

Meine Mutter kam dann und meinte, ich müsse wohl ins Krankenhaus, aber tatsächlich reichte es, dass sie mich mit irgendeinem ihrer Arthrose Wundermittel einschmierte und mir einen ominösen “Schmerz-Saft” einflösste und, dass ich 7 Stunden durchschlief, um am Samstag in der Früh frisch und fröhlich, nach einem kleinen Outdoor Frühstück auf der Terasse und nur mit kleineren Abschürfungen versehen, per pedes zur Vereinsvollversamlung (mit Abstand, Maske und Lüftung, ha – Bezug zu Corona gefunden) zu gehen. Weshalb ich ja speziell an dem Tag im Garten schlafen wollte. Da war ich schon etwas stolz auf mich.

About last weekend

Das Wochenende begann mit einem architektonisch interessanten Ausflug mit dem Verein ÖGDO nach Wiener Neustadt …

Wiener Neustädter Dom

…wo wir allerhand zum Thema Gründungsgeschichte und Stadtplanung erfuhren. Wer glaubt, dass ich mich schon super auskenne in Sachen Architektur, weil ich sooft Ausflüge mache, den muss ich enttäuschen. Kann es sicher noch nicht mit Achitektur-Aficionado Brad Pitt aufnehmen. Im Anschluss an die Führung besuchten wir noch die Landesausstellung NÖ, Welt in Bewegung.

Stadtmauer

Anschließend gabs Mittagessen outdoor an diesem milden Spätsommertag am Hauptplatz, dann eine angenehme Rückfahrt nach Wien und einen groooßen Kaffee (siehe Münze zu Größenvergleichszwecken) im Cafe Schopenhauer.

Das war, rückblickend betrachtet, der relaxte Tag des Wochenendes.

Am Sonntag wollte das Kind mit dem Nachbarkind K Trampolinspringen gehen. An sich keine schlechte Idee. Wir setzten uns also in die Schnellbahn und fuhren ins Flip Lab Schwechat. Soweit alles easy, wir erreichten noch die vorgesehene Zeit, es war wenig los, die Kinder waren im Nu umgezogen. Es war fast schon zu unkompliziert. Ich sah ihnen ein wenig zu, dann surfte ich ein bisschen auf meinem Smartphone, doch nicht lange: plötzlich standen K. und ein Mitarbeiter des Flip Lab vor mir. K. teilte mir mit, dass sich mein Kind verletzt hatte, bei einem Vorwärtssalto auf die Lippe gebissen, es blutet. Ehrlich gesagt dachte ich mir nicht viel dabei, wir kennen das ja, wenn man sich mal in die Lippe gebissen hat, das ist ja oft nicht ganz so wild.

Dann wurde ich in den Waschraum geführt, wo ich dann das Kind sah. Er sah ungefähr so aus wie Joaquin Phonix als Joker (in Kürze im Kino), zu beiden Seiten des Mundes lief im das Blut in nicht gerade geringer Menge über das Gesicht, weiter auf Leiberl und Sporthose (beides auch schon relativ rot gefärbt). Da wurde mir dann ein bisschen anders. Der Flip Lab Mitarbeiter bot an, die Rettung zu rufen, ich bot meinem Kind an, uns ein bisschen hinzulegen. “Nein”, sagte das Kind, “mir ist nicht schlecht.” “Aber mir”, sagte ich, “und ich brauchte ein Alibi” – ich wollte in dieser Situation nicht unbedingt umkippen. Die Rettung kam recht schnell und weil wir in NÖ waren, brachte sie uns in halbwegs nahegelegenes Krankenhaus in NÖ. Die Kinder waren total begeistert davon, dass sie nun im Rettungswagen fahren durften (vor allem K., der vorne beim Fahrer sitzen sollte). Ich dachte nur hoffentlich wird mir nicht wieder schlecht.

Im KH kamen wir nach relativ kurzer Wartezeit bereits dran und die Ärztin meinte, diese Trampolinhallen sichern ihnen diverse Arbeitsplätze. Ich glaube, es war nur zum Teil ein Witz. Jedenfalls stellte sie fest, dass das Kind genäht werden musste. K. fand das super und als wir in den entsprechenden Raum geführt wurden, erklärte er dem Kind, was alles an OP-Besteck bereitgestellt war (“Wow, was für eine große Schere – und Nadeln”). Ich bat ihn um etwas weniger Mitteilungsfreudigkeit. Das Kind war jetzt relativ nervös und sagte das auch der Ärztin. Die Ärztin meinte trocken: “Ja, ich auch”, da mussten wir lachen. In der Lippe kann man nicht viel nähen, habe ich gelernt, daher reichte ein Stich, den das Kind, nach eigener Aussage nicht spürte. Die Ärztin: “Jetzt hab ich dich enttäuscht, soll ich sonst noch was machen?” Harhar. Gut zwei Stunden nach dem Unfall waren wir mit allem fertig und konnten wieder nachhause.

Fazit: Glimpflich ausgegangen – ein Glück, dass nicht mehr passiert ist. Auch wenn Tante Jolesch dazu gesagt hätte: “Gott schütze uns vor dem, was noch ein Glück ist.”

The sky is the limit

Schuljahresende ist immer eine besondere Zeit. Aufregend, erleichternd, aber auch irgendwie melancholisch zwischendurch.

Als ich ein Kind war, ging ich immer direkt nach der Zeugnisverteilung zu meinen Großeltern – wo ich ohnehin die meiste Zeit meiner Kindheit verbrachte – und es gab immer Eiernockerl und Cola und Schokolade, und dann hab ich mich auf ihren Balkon gesetzt und gelesen. Einmal, als ich schon eine Jugendliche war, wollte mich eine Freundin am Zeugnistag zu einem Ausflug mitnehmen, ich habe aber abgelehnt, weil ich meinen Zeugnistag so begehen wollte wie immer. Ja, ich war ein fades Kind. Aber für mich war es wichtig. Und als sie mir nachher sagte, ich hätte was verpasst, weil Fiakerfahrt und pipapo, dachte ich: nein, hab ich nicht. Manchmal hab ich das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, auch wenn gar nichts großartiges passiert und wenn ein Schuljahr zuende ging, dann war der richtige Ort einfach immer bei meinen Großeltern.

Wenn man selbst ein Kind hat, wechselt die Perspektive, nicht unbedingt die Gefühle. 2014, beim Kindergartenabschied, haben die Kinder gesungen und getanzt und Absolventenhüte bekommen; wir haben der Pädagogin ein Fotobuch geschenkt und sie hat geweint, wie die meisten Mütter auch, sogar die, von denen ich es nicht gedacht hätte, nur ich nicht. Obwohl es schon sehr emotional war. Es war eine Zeit in meinem Leben, wo ich einfach nicht hätte weinen können und wollen. Und ich hab mir gedacht, wow bin ich stark, und vielleicht war ich das, vielleicht aber auch nicht.

2018, beim Volksschulabschied, war das ganz anders. Das letzte Volksschuljahr des Kindes war aus diversen Gründen eine große Herausforderung für mich, und in der Nacht vorm Zeugnis hab ich fast nicht geschlafen; ich hatte das Gefühl, ein riesiger Elefant sitzt auf meiner Brust und wartet nur darauf, endlich hinunter gestoßen zu werden. In der Schule war ich dann immer knapp vorm Tränenausbruch, weil ich auch viel Zeit mit der Klasse verbracht hatte, bei diversen Ausflügen und Veranstaltungen, aber das war nur ein Teil der Geschichte. In meinem Kopf herrschte ein derartiges Chaos, wie in einer Lade, in die man, in Erwartung eines Besuches, alles hineingeworfen hatte, was so draußen herumlag. Das anschließende Hinausgehen aus der Schule war wie der Beginn eines neuen Lebens, auch für mich. Es war ungewiss, aber auch befreiend.

Irgendwann, wenn das Kind maturiert, vielleicht in 7 Jahren, da wird alles wohl noch krasser, dann lässt man die Schule nochmal hinter sich und noch mehr, die Kindheit das Kindes, auf gewisse Weise, und selbst auch einen Lebensabschnitt, ohne zu wissen, was als nächstes auf eine zukommt. Vielleicht werde ich mich und mein Leben dann schon besser verstehen. Vielleicht aber auch nicht.