Archiv für tv

Heidi@Home: 29 Folgen unter der Dusche

Ich meiner neuen Kolumne beschäftige ich mich damit was passiert, wenn Seriendarsteller aus der Produktion aussteigen – und manchmal wiederkehren.

Passend zur Wetterlage nennt sie sich: 29 Folgen unter der Dusche!

Grande Finale

Der Song Contest ist gelaufen und der Sieger heißt leider nicht Italien. Francesco Gabbani belegte den sechsten Platz, was das zuerst enttäuschte Kind mit “Na so wichtig ist der Song Contest auch nicht” relativ schnell abhakte. Genau, der Song ist trotzdem super (gestern vorm Bewerb ganze fünfmal im Auto gehört) und wird sicherlich seinen Weg machen, ebenso wie sein Interpret, der von Andi Knoll als “Adriano Celantano 2.0.” bezeichnet wurde.

Der Song aus Portugal hingegen – den ich diese Woche zu polarisierend empfand – hat einen klaren Start/Ziel Sieg hingelegt. Eigentlich war Salvador Sobral von Anfang an beim Voting vorne, so deutlich, dass ich lange dachte, er würde nicht gewinnen, denn aus Gründen der Spannung wird oft zunächst jemand anderer lanciert. Aber der Vorsprung war so klar, dass man da anscheinend nicht viel Spannung reinbringen konnte.

Mir ist immer noch nicht ganz nachvollziehbar, wie es dieser Song schaffen konnte, die Massen zu begeistern und das, obwohl ich ihn selbst ja durchaus ansprechend fand. Aber eben praktisch nur ich in meiner kleinen, natürlich nicht repräsentativen Umfrage in meinem Umfeld. Und damit setzt sich mit Amor pelos dois der voriges Jahr begonnene Trend fort, dass ein Siegerlied eigentlich fürs (Kommerz)Radio fast unspielbar ist. 2016 hat Jamala mit 1944 ein Lied gewonnen, dass Vorgänge im zweiten Weltkrieg mit der persönlichen Geschichte der Sängerin verknüpfte. Sehr schwere Kost also. Amor pelos dois handelt vom Versuch, eine verlorene Liebe zurückzugewinnen, also auch kein amüsantes Thema – wenn auch eher tragisch im kleineren – und das auf sehr unkonventionelle Art und Weise vorgetragen. Zum Finale sang Sobral übrigens mit seiner Schwester, die das Lied komponiert und ihn auch in seiner Abwesenheit bei den Proben vertreten hatte, und man fragt sich, warum sie nicht gleich selber gesungen ein Duett draus gemacht haben.

Österreich wurde übrigens 16. Nach dem Juryvoting waren “wir” noch in den Top 10, beim Publikumsvoting gabs allerdings null Punkte. Ich fand den Auftritt von Trent wesentlich überzeugender als im Semifinale. Leider hat er das Publikum draußen gar nicht erreicht, die Jury aber interessanterweise schon.

Na ja, so bleibt der Song Contest doch immer irgendwie überraschend, offen und spannend. Ich freu mich auf nächstes Jahr in Lissabon.

Zweites Semifinalle

Eigentlich heißt es nach Ludwig Wittgenstein: Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. Abgewandelt für die rumänischen “Kombo” Ilinca ft Alex Florea heißt es allerdings eher: “Yodel it!” In einer bizarren Performance, die alles vereint, was nicht zusammengehört, haben sie sich so – zu meiner Überraschung – das Ticket ins Grand Finale des ESC gesichert. Andreas Gabalier muss sich warm anziehen.

Auch Jaques Houdek aus Kroatien scheint Kommunikationsprobleme zu haben und löst diese in einer Art Doppel-Conferance mit sich selbst. Auch diese etwas schizophrene Vorstellung kommt ins Finale. Ebenso wie Ungarn, dessen Sänger Joci Papai, ein Roma-Ungar, wenn man so sagen kann, sicherlich auch polarisiert, mich aber musikalisch wesentlich mehr angesprochen hat.

Beim Voting hieß es für Nathan Trent lange zittern. Er wird erst als zehnter und letzter aufgerufen. Österreich ist daher zum dritten Mal in Folge in einem ESC-Finale, das ist schon überraschend, wenn man denkt, welche Durststrecken wir früher schon hatten. Ich kann mich noch immer nicht recht mit Running on Air anfreunden, aber super Leistung natürlich.

 

Neuer Favorit?

Das erste Halbfinale des Song Contests ist geschlagen und es gibt einen neuen Favoriten. Den Portugiesen Salvador Sobral. Sogar der Standard-Experte Marco Schreuder schreibt ihm jetzt Siegeschancen zu.

Ich bezweifel das ein bisschen. In meinem Umfeld hab ich noch keinen Sobral-Fan gefunden. Die Menschen sind eher mehr oder weniger verstört von ihm. Ich muss sagen, ich finde den Song durchaus interessant, weil er so anders ist als das meiste, was man sonst beim ESC hört. Sobrals Vortrag vermittelt eine große Wahrhaftigkeit und die Attitüde des nicht verbiegen lassens. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass der Song wirklich massentauglich im großen Stil ist. Eine Top 3 Platzierung halte ich aber für wahrscheinlich.

Ein bisschen erinnert mich das ja an 1991, als Amina einen ähnlich eigenwilligen Song vorgetragen hat, den viele damals auch furchtbar fanden (ich nicht). Ich verstehe hier wie da den Text nicht, weil ich weder portugiesisch noch französich spreche, aber es ist ein Verdienst der beiden Künstler, dass sie mich auch erreichen, wenn ich keinen Schimmer davon habe, was sie da singen.

Ach ja, Amina wurde 1991 Zweite. Sie hatte die gleiche Punktezahl wie die Schwedin Carola, die vor ihrem Auftritt sicherlich einen Latte Machiatto Einlauf hatte¹ und ein absolutes Kontrastprogramm zum sperrigen französischen Auftritt bildete. Allerdings hatte Carola öfters 12 Punkte bekommen und siegte daher für Schweden.


¹(c) Fight Club.

Running on Air

Vielleicht sollte ich auch was zum österreichischen Beitrag schreiben. Nathan Trent mit Running on Air.

Ja, Trent hat eine gute Stimme und das Lied tut keinem weh, aber das ist gleichzeitig auch schon das Problem. Die Erklärung findet man im Johnny Cash-Biopic Walk the Line. Keine Ahnung, ob sich das bei Johnny Cash tatsächlich so zugetragen hat, wenn nicht ist es gut erfunden:

Cash hatte eine Vorstellung bei einer Plattenfirma und trägt ein nettes Lied fehlerfrei vor. Darauf sagt ihm der Verantwortliche dort, so geht das nicht. Er muss ein Lied singen, bei dem er alles gibt. So als würde er gerade vom einem Truck angefahren worden sein und tödlich verwundet auf der Straße liegen und er hat noch einen Song, den er der Welt hinterlassen kann. In den er alles reinlegt, was sein Leben hier ausgemacht hat, was es ihm bedeutet hat. So einen Song erreicht die Leute, so einen Song wollen sie hören.

Ich fürchte, Running on Air ist kein solcher Song. Miss Xoxolat meint auf ihrem Blog aber, das Lied wächst mit jedem Mal. Ich stehe derzeit erst bei einem dreiviertel Mal hören ähm.

P.S. Marco Schreuder schreibt auch wieder sein ESC Tagebuch für den Standard. Sehr lesenwert! Sein erster Beitrag.

Italia all’ Song Contest

So, Song Contest Woche again.

Will man den Buchmachern glauben, so ist Italien heuer der große Favorit. Ich hab ja eine gewisse Affinität zu Italien und Italien hat meistens gute, spannende Song Contest Beiträge. Allerdings hat das Land den Wettbewerb – ebenso wie Österreich – erst zweimal gewonnen. Was aber auch daran liegt, dass es seltener am Bewerb teilgenommen hat als “wir.” Den Sieg haben sie 1964 mit Giglioa Cinquetii und Non ho l’eta und 1990 mit Toto Cutogno mit Insieme: 1992 geschafft.

Im Jahr 1990 hat praktisch jeder Interpret nach dem Mauerfall über ein grenzenloses Europa gesungen, aber Cutogno hatte diese gewisse Wurschtigkeit, erst in Zagreb seinen Background-Chor zusammenzustellen und dort relativ free style aufzutreten. Die Bühnenshow setze sich im wesentlichen aus Schnipsen mit den Fingern und der klassischen achtziger Jahre Faust zusammen. Aber der Song war sehr eingängig, man will sich gleich eine Pizza bestellen, wenn man ihn hört und er ist auch recht vorteilhaft gealtert. Im Jahr 1991 wurde der Bewerb dann in Rom ausgetragen, noch mehr Free Style und Improvisation durch den Gewinner/Moderator Cutogno gemeinsam mit Cinquetti. Und sie haben extra einen nicht mehr blutjungen Pianisten beauftragt, diesmal für Italien anzutreten um ja nicht nochmal zu gewinnen, der im neapolitischen Dialekt abseits jeder modischen Strömungen sein Lied gesungen hat (und überraschend immerhin 7. wurde).

1997 verabschiedetete Italien sich bis 2011 aus dem Bewerb mit der Gruppe Jalisse und dem roxette-esken Song Fiumi di Parole (von Grissemann und Stermann damals übrigens mit “Buchstabensuppe” übersetzt, eher hieß es wohl “Wortflüsse” oder sinngemäß reden wie ein Wasserfall). Immerhin gab das den 4. Platz. Das war dann Italien anscheinend zu heikel und sie konzentrierten sich auf das San Remo Festival. Als sie dann 2011 wieder teilnahmen, wurden sie prompt Zweiter, mit Madness of love von Raphael Gualazzi, eine sehr jazzig angehauchte Nummer. Auch in den folgenden Jahren hatte Italien immer gute, eigenwillige Beiträge, in Wien belegte Il Volo – auch favorisiert – den dritten Platz mit Grande Amore, einem ungewöhnlich massentauglichen Song (den ich “nichtsdesttrotz” sehr mag).

Heuer tritt ein gewisser Franceso Gabbani mit dem Song Occidentali’s Karma an. Und weil das Kind heute Sonntag um sieben Uhr in der Früh aufstehen musste, um das Zahlenzorro Rechenprogramm weiterzumachen, hatte ich Zeit, um den italienschen Text genauer unter die Lupe zu nehmen. Wenn ein Song Contest Song mit den Worten: “Sein oder sein müssen, der Hamlet’sche Zweifel” beginnt, dann weiß man, das ist keine herkömmliche 08/15 Nummer, da hat sich jemand wirklich etwas überlegt.

Weiter geht es mit den Ehrenmitgliedern der anonymen Selfie-Süchtler und den Internetologen, die unnütze Schlachten schlagen (meint er etwa twitter?). Es geht um Buddha, “Alles fließt” als Herklit’sches Mantra wird mit dem fünfziger Jahre Kulthit “Singing in the rain” verknüpft, so kann man “fließen” halt auch interpretieren. Und dann dazu tanzen. Das Internet wird als Opium fürs Volk bezeichnet, ohne dabei eine bittere kulturpessimistische Abrechnung sein zu wollen (Gott sei Dank!) Das Ganze wird mit einigem Augenzwinkern vorgetragen.

Ich finde das schon recht großartig.

 

Heidi@Home: Die Lust an der Provokation

Nachdem das Duo Joko und Klaas die goldene Kamera mit einem fake Ryan Gosling genarrt hat, hab ich mich mit der Lust an der Provokation im TV beschäftigt.

Nachzulesen auf Uncut!

Heidi@Home: #Envelopegate

In meiner neuen Kolumne für Uncut beschäftige ich mich mit der gestrigen Oscarverleihung.

Und damit, dass man manchmal einfach auf Martin Scorsese hören sollte. Hier kann man es nachlesen.

Heidi@Home: How will you make it on your own?

Letzte Woche ist Mary Tyler Moore gestorben.

Aus diesem Anlaß beschäfige ich mich in meiner aktuellen Kolumne mit ihrem feministischen Einfluß auf die TV-Serien Landschaft.

Heidi@Home: Das Gilmore Girls Revival

Für Uncut – na ja und auch für mich als großen GG-Fan, aber notorischer Sequels-Skeptikerin – hab ich mir das Gilmore Girls Revival auf Netflix angesehen.

heidi-at-home-63

Wie es mir gefallen hat, das könnt ihr wie jeden Monat direkt bei Uncut lesen.