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Trotzdem. Mein Leben. Drei

In der Erika Pluhar Doku gab es einen Ausschnitt aus dem Film Marmortische. Die Dialoge entstanden großteils aus dem Stehgreif. Es ist eine Beziehungsgeschichte, die Figuren, die Pluhar und Heller verkörpern, sind mit Freunden auf Urlaub in Portugal – und in der Krise. Pluhar sagt in der Doku zu Heller, in dem Film sei er “wirklich schön” gewesen und Heller daraufhin. “Und jetzt bin ich ein schiacher Hund oder was?” Harhar. Er ist echt witzig.

Hellers Figur in Marmorsteine sagt:

Es gibt Menschen, die haben einander ser lieb und wollen füreinander nur das Beste, die sind sehr bemüht und sorgfältig miteinander, und passen aber einfach nicht zusammen. Es geht nicht und es ist eine Glocke von Schrecklichkeit über ihnen, und es hat aber überhaupt niemand schuld. Es hat jeder das beste getan, was er tun konnte und es ist wie bei einem chemischen Versuch, wo zwei Stoffe nicht zueinander passen.

Das finde ich ganz enorm treffend beschrieben.

Später reden sie über Betrug, und Pluhar fragt ihn: “Sag hast du mich in allen Sommern beschissen oder nur das eine mal, wo ich euch so ein bissl draufgekommen bin?” Daraufhin sagt dann er:

Du hast so eine rührende Vorstellung von betrogen werden, wenn man mit jemandem schlaft, ist es betrogen werden, aber deine Gespräche mit anderen gelten nicht als Betrug. […] Was glaubst, wie oft Grenzen verraten werden, in Gesprächen oder mit einem Blick.

Später in der Doku sagt Pluhar, dass Heller und sie am meisten verbindet, dass er der Mensch war, der bei ihr war, als ihre Tochter Anna (von Udo Proksch) gestorben ist und mit ihr geweint hat und nicht geflüchtet ist. Und Heller sagt, dass die Hauptgrundlage seiner Liebe zu ihr die ist, dass er so einen Respekt hat, wie sie mit den zahlreichen Schrecklichkeiten, die ihr im Leben passiert sind, umgegangen ist.

Trotzdem. Mein Leben. Zwei.

Bei Erika Pluhar ist ja interessant, dass sie mit ziemlich Aufsehen erregenden Männern verheiratet bzw. zusammen war.

Zunächst war sie mit Udo Proksch verheiratet, mit dem sie auch eine Tochter hat – Anna, sie starb 1999 mit 37 Jahren an einem Asthmaanfall. Pluhar erzählte, dass sie für Proksch quasi die Zweit- oder Co-Frau war und er zu ihr meinte, sie wäre so eine starke Frau, da würde sie es schon aushalten, eine andere Frau “daneben” zu akzeptieren. Pluhar redete sich ein, das sie das konnte, tatsächlich litt sie aber sehr darunter. Wenn man das so hört, denkt man sich, wie geht das, so eine hübsche, kluge und begabte Frau und doch “reicht” sie einem Mann nicht. Sowas ist mir immer irgendwie ein Rätsel. Die beiden ließen sich dann – lange vor dem Fall Lucona – scheiden.

P.S. Als Anna Pluhar später ein schwarzes Kind adoptieren wollte, veranlasste Erika Pluhar, dass offiziell sie es adoptierte, damit der Bub den Namen Pluhar bekam. Pluhar meinte, es wäre für einen Schwarzen sowieso schon schwer, der Name Proksch dazu, das müsse dann auch nicht sein.

Nach Andre Heller war Pluhar mit Peter Vogel zusammen, das war ja ein riesiger Skandal, weil Heller mit Gertraud Jesserer, der Ehefrau von Peter Vogel zusammen kam und Pluhar eben mit ihm, ein klassischer Partnertausch und ein gefundenes Fressen für die österreichische (Klatsch)Presse. Leider war diese Beziehung – für Pluhar war es die große Liebe – auch nicht von Glück gesegnet. Relativ bald stellte sich heraus, dass Vogel schwerer Alkoholiker und Tabletten-süchtig war. Und, dass Pluhar nichts für ihn tun konnte. Eine Therapeutin sagte ihr, dass sie nur helfen könnte, wenn er selbst die Sucht besiegen will. Das passierte allerdings nicht: Vogel beging 1978 Suizid.

Trotzdem. Mein Leben.

Zu Erika Pluhars 80. Geburtstag bin ich zufällig in eine Doku namens Trotzdem. Mein Leben gestolpert, die im ORF ausgestrahlt wurde. Wobei stolpern ist das falsche Wort. Ich habe im Bett am Handy Im Zentrum geschaut, bin dabei eingeschlafen und wieder aufgewacht, als eben diese Doku lief. Sie hat mich sofort interessiert und ich schau sie jetzt etappenweise auf youtube weiter an, der ORF hat eh nur eine gekürzte Version ausgestrahlt.

Am besten gefällt mir ja, wie Erika Pluhar mit ihrem Ex-Ehemann Andre Heller zusammentrifft. Pluhar ist neun Jahre älter als er und sie waren von 1970 bis 1984 verheiratet, wenn auch viel kürzer zusammen. Heller sagt, sie war damals die begehrenswerteste Frau Wiens und er wollte sie natürlich irgendwie besitzen. Pluhar sagt, es war keine sehr gelungene Ehe, weil er zu jung war und noch die Welt erobern wollte und mindestens alle Frauen, die auf dieser Welt existieren.

Außerdem sagt Heller etwas sehr interessantes und sicher zutreffendes:

Das war unser zentrales Problem und das ist das zentrale Problem fast jeder gescheiterten Beziehung oder schwierigen Beziehung, dass man dem anderen immer vorwirft, dass er nicht so ist, wie man ihn haben will. Anstatt dass man sagt, so wie du bist, für das lieb ich dich. Alles andere ist ja keine Liebe. Alles andere ist besitzen wollen und dann noch zu den Bedingungen, die man vorschreibt.”

Und als er alte Filmaufnahmen von ihr sieht sagt er, er versteht retrospektiv, wieso sie damals zusammengekommen sind und:

Komischerweise hab ich das Gefühl, wir waren gar nicht so unglücklich, wie wir beide immer behauptet haben”

Harhar. Ein schönes Gespräch und man kann sich im Grunde nur wünschen, so gut freundschaftlich mit jemandem verbunden zu bleiben, wenn die Liebe und Ehe vorbei ist.

Heidi@Home: RIP Luke Perry

Luke Perry ist gestern gestorben.

Ich habe für Uncut ein bisschen was dazu geschrieben, quasi ein Heidi@Home Special. Hier nachzulesen.

Genderkritisch, post-feministisch

Letztens in Willkommen Österreich haben Stermann und Grissemann Bilder von Kindern interpretiert, ich fand die Formulierung zu folgendem Bild sehr genial:

click to enlarge!

“Ist Jeff in diesem genderkritischen post-feministischen Werk anklagende Projektion einer toxischen Männlichkeit? Oder ist das ganze eine krypto-satirische Parabel auf heteronormative Gesellschaftsvorstellungen? Symbolisiert die wilde rote Fläche wirklich banal die Tomatensauce, oder sehen wir hier nicht viel mehr einer Gewalttat zu, und werden Voyeur patriachaler Unterdrückungsfantasien? Wird der Betrachter vielleicht sogar zum Mittäter? Vielleicht rückt der Künstler auch nur die weibliche Periode in den Fokus seiner Arbeit und damit das Konstrukt des Mütterlichen?”

Summer thoughts, drei

Wieder mal ORF Sommergespräche, diesmal mit gleich zwei Moderatoren, wieder mal erscheint es mir, zumindest nach Gespräch Nummer eins, dass das wieder nichts wirkliches wird.

Das Kind jedenfalls, dass zufällig im Wohnzimmer vorbeigekommen ist, als ich geschaut hab, hatte nur eine einzige Frage: “Sitzen die wirklich im Freien oder ist das ein Blue Screen?” Das ist das, was Kinder heutzutage beschäftigt.

Und weil wir gerade bei Kindern sind, ich finde es ja sehr lustig, dass Bella Ciao aus der Netflix Serie Haus des Geldes jetzt anscheinend ein Sommerhit geworden ist. Genau das Bella Ciao, das wir im Italienischunterricht im Gymnasium als antifaschistisches Lied kennengelernt und interpretiert haben. Warum weiß ich gar nicht mehr so genau, aber ich hab es mir gemerkt.

Jetzt singen gerade zwei Kinder im Hintergrund bei mir “Oh partigano”, als wäre das was fröhliches. Und natürlich ist das nicht die Version, die wir in der Schule gehört haben, sondern ein gewisser Herr Hugel hat das Lied durch den Fleischwolf gedreht und eine tanzbare, den ernsten Hintergrund komplett ausblendende Dance-Stampfer-irgendwas-Version draus gemacht, die die Kids natüüürlich lieben.

Bella Ciao wurde übrigens auch beim Begräbnis von Dario Fo gespielt.

Summer thoughts, eins

Wie man Sommerferien des Kindes, Arbeiten, eigene Freizeit und Bloggen unter einen Hut kriegt, kann ich nicht beantworten. Ich schaffe es nämlich nicht, daher ist es hier etwas ruhig geworden.

Heute hab ich aber doch mal etwas Zeit übrig und kann mich mit den Themen beschäftigen, die mir in den letzten Wochen durch den Kopf gegangen sind. Zum Beispiel wird es bei der kommenden Oscar-Verleihung anscheinend eine neue Kategorie geben, die da heißt “Best popular film” (oder so ähnlich). Ich muss sagen, es ist auch eine Kunst, etwas einzuführen, was wirklich alle gleichermaßen ankotzt harhar. Ich habe in den Social Media keine einzigen Kommentar gelesen, der diese Entwicklung positiv sieht, das höchste der Gefühle war sinngemäß sowas wie “na ja, wird man auch überleben.”

Tatsächlich aber muss man sich fragen, was ist ein populärer Film eigentlich genau? Muss der eine bestimme Summe einspielen? Und welchen Anspruch muss so ein populärer Film darüber hinaus noch haben, um oscarwürdig zu sein? Und ist der Film dann auch in der Kategorie “Best Film” allgemein zugelassen oder dezitiert nicht? Und waren Filme wie Titanic oder Lord of the Rings – beide bekanntermaßen mit Oscars überhäuft – etwa keine Publikumsmagneten? Würden diese beiden Filme ab 2019 etwa nur noch in der Populär-Schiene laufen? Schon klar, Kunst ist etwas sehr subjektives und Kunst zu beurteilen und zu vergleichen war immer schon schwierig, aber die Einführung einer solchen neuen Auszeichnung wird das Dilemma wahrscheinlich nicht kleiner machen.

Auf Twitter schrieb der Filmkritiker Mark Harris: “There is already an award for popular films. It’s called money.” Und da hat er eigentlich recht.

20 Jahre SatC, zwei

Aja ich wollte noch schreiben, warum ich Mr. Big heute nicht mehr für den idealen Mann für Carrie (oder sonst wen) halte.

Damals dachte man sich ja, gut Big ist schwierig und nicht empathisch und egozentrisch, aber das muss halt so, er ist halt ein “echter Mann”. Und es ist ok, immer darum betteln zu müssen, anerkannt und von ihm “gesehen” und wertgeschätzt zu werden. Das macht diese Liebe doch aus, das ist spannend und überraschend.

Tatsächlich ist es destruktiv und demütigend, sich wie Carrie sagen zu lassen, dass sie einfach zu kompliziert für ihn ist, sorry Darling tut mir leid, masculinity so fragile – und dann heiratet Big eine andere und vögelt Carrie trotzdem “nebenbei”, ich mein, was für ein A.. loch eigentlich! Keine Ahnung, warum wir alle so verblendet waren, ihn für den Supertyp schlechthin zu halten.

Ok, es waren die Nullerjahre und wir waren alle noch nicht 30. Jetzt sind wir 40 plus und sehen das ganz anders. Oder?

P.S. Aber Aiden ist auch nicht die Lösung. Fix nicht!

20 Jahre SatC, eins

Vor 20 Jahren hatte die schon ziemlich revolutionäre Serie Sex and the City seine Premiere in den USA. Zu uns nach Österreich kam sie erst einige Zeit später, wenn ich mich richtig erinnere. Aber revolutionär war sie hier auch.

Ich erinnere mich daran, dass sie bei uns jeden Dienstag lief, am späteren Abend, nach meiner Jazzgymanstikstunde und das war ein schönes Ritual, ganz ausgepowert heimzukommen und dann SatC zu sehen. Ungefähr zehn Jahre später hab ich die Serie nochmal großteils als Wiederholung gesehen, da hatte ich aber schon ein ganz anderes Leben, ein kleines Kind, einen komplett anderen Alltag und Sorgen,auch ein ganz anderes Mindset. Und wenn ich jetzt so daran zurückdenke, glaube ich, dass ich die Serie heute mit 40 plus Jahren wieder ganz anders rezipieren würde.

Damals war es teilweise echt erfrischend, zu sehen, was die Serie sich alles traut. Erstmal, dass da vier Hauptdarstellerinnen sind, was ja im Fernsehen relativ selten vorkommt. Die Männer in der Serie waren ja großteils austauschbar und traten oft nur 1, 2 Mal in Erscheinung, vor allem bevor die Damen alle mehr oder weniger fixe Freunde hatte. Die wiederkehrenden Männerrollen waren oft schwule Männer, was ja ebenso erstaunlich war, eine Serie, in deren Mittelpunkt also Frauen und Schwule standen.

Und dann, wie sich die Frauen unterhalten haben, so was hat man ja im Fernsehen noch niemals zuvor gesehen; heute versteht man gar nicht mehr so richtig, wie bahnbrechend das war, wenn sich die Damen beim Frühstücken im Lokal zum Beispiel darüber unterhalten haben, wie das Sperma der aktuellen Eroberung schmeckt. Schön war bei der Szene auch, wie die verschienden Charaktere der Freundinnen dabei so richtig zur Geltung kamen.

Samantha beschwert sich also darüber, dass das Sperma ihres aktuellen Lovers “widerlich” schmeckt, worauf Charlotte, die ja die –  sagen wir – Konservativste von allen war, aufsteht und wortlos das Lokal verlässt.

Darauf Miranda zu Carrie: “Und sie ward von Stunde an niemals wiedergesehen….”

Samantha: “Mit wem kann ich denn sonst über solche Dinge sprechen?”

Carrie: “Wenn ich vorschlagen dürfte: mit niemandem”

Samantha: “Hattet ihr das Problem auch schon mal?”

Miranda: “Nicht direkt, aber ich will auch zugeben dass ich die Eisdiele vorziehe, wenn es mir nur um den Geschmack geht.”

Für diese Dialoge haben wir die Serie geliebt. Sehr viele Frauen waren auch der Meinung, dass Mr. Big der beste Mann für Carrie war, auch ich sehr lange (vor allem, weil ich seinen größten Konkurrenten, Aiden, überhaupt nicht leiden konnte.) Aber heute bin ich mir nicht mehr sicher. Aber dazu ein anderes Mal.

All aboard, drei

Na gut, ich bin heuer mit allen Prognosen und Erklärungsversuchen bezüglich Song Contest Ergebnis aber sowas von daneben gelegen und das war eigentlich sehr erfreulich. Denn, und ich habs wirklich nicht erwartet, Österreich wurde Dritter. Nach der Jury-Wertung lagen “wir” sogar auf Rang 1.

Ich hab es schon nach Conchitas Sieg gesagt, die Kinder heutzutage kriegen ein ganz anderes Song Contest Mindset mit, denen muss man ganz schön eindringlich klar machen, wie schlecht Österreich immer war, sonst glauben sie einem das gar nicht oder wie ich gestern zum Kind gesagt hab: “Das war das 2. beste österreichische Ergebnis, das ich in 42 Jahren miterlebt habe. Wir haben echt ur oft auch null Punkte bekommen!!!” Und dann schaut einen das Kind so verblüfft an wie bei Großmutter erzählt vom Krieg.

Wobei man sagen muss, dass dieses politisch Punkte hin und herschieben sich großteils echt aufgehört hat. Abgesehen von Griechenland und Zypern natürlich. Bester Moment des Abends, als die Jurypunkte-Verleserin von Griechenland einen Zettel in der Hand hält, auf dem steht, wer 12 Punkte von Griechenland bekommt und seit gefühlt 80 Jahren ist das natürlich immer Zypern und alle sagen vor dem Fernseher Zypern, Zypern und sie muss tatsächlich vom Zettel ablesen und es ist, Überraschung, Zypern.

Was ist zum Siegerlied zu sagen, dem ich ja vor einigen Tagen den Sieg abgesprochen habe. Nun ja, die Live- Performance gestern war um einiges besser als im Halbfinale, ich finds zwar immer noch nicht sehr bühnentauglich, aber prinzipiell gefällt mir das Lied und es ist ein Reißer bei Kindern, wie ich gestern feststellen durfte (neben Tschechien übrigens). Natürlich polarisiert es sehr, aber Sängerin Netta meinte gestern, Vorjahressieger Sobral (der das Lied als “horrible” bezeichnet hat), hat ihr bei der Übergabe des Siegespokals Respekt entgegen gebracht.

Apropos Sobral, der schaut eigentlich ziemlich gut aus, nach seiner Herztransplantation und ist auch live aufgetreten. Übrigens waren das portugiesische Rahmenprogramm und die Songs sehr landestypisch – also ziemlich eigenwillig und schwer depressiv – was einen meiner Freunde in der Whatsapp Gruppe zur Aussage: “Gefälliger happy Pop, der einen gleich mitreißt” veranlasste (harhar).

Insgesamt war so ein spannender Abend, wie ich das überhaupt gar nicht erwartet hatte. I like.