almis personal blog

Bahnhof zwischen den Tagen

Schön ist es, Menschen von Bahnhöfen abzuholen, vor allem, wenn man diesen Menschen vermisst hat, weil er Weihnachten anderswo war.

Und dann regnet es auch noch und es ist so ein richtiges Schmuddelwetter, wo man sich noch mehr freut, den anderen zu umarmen und festzuhalten.

Und wenn der Zug dann verspätet ist, ist selbst das romantisch.

Weihnachtsreflexionen

Im Zuge der Feiertage und der Unterhaltungen mit anderen bin ich draufgekommen, dass Weihnachten wirklich sehr individuell gefeiert wird.

Manchen ist es wichtig, dass die Kinder den Weihnachtsbaum vorher nicht sehen, andere lassen ihre Kinder den Baum aussuchen und/ oder mitschmücken. Bei manchen wird gesungen, bei anderen nicht. Manche essen vor der Bescherung, andere danach und was gegessen wird, ist auch so eine Sache Fisch oder Würstel, Schinkenrollen oder Gans. Manche Speisen gehen für manche Menschen zu Weihnachten offenbar überhaupt nicht. Tatsächlich gibt es auch Menschen, die explizit keine Geschenke haben möchten und verletzt sind, dass der (Nicht-) Wunsch nicht respektiert wird. Anderen sind wiederum große Geschenke ziemlich wichtig. Manche (oder gar alle?) sind froh, wenn Weihnachten dann auch wieder vorbei ist. Obwohl sie es schon mögen.

Ich selbst hab schon alles gehabt: tradtionelle Weihnachten mit Gesang und Kirche. Versteckte Bäume, gar keine Bäume und solche, die ich aus dem Baumarkt rausgeschleppt habe bzw. Bäume von denen wir uns bewusst verabschiedet haben – “Bis nächstes Jahr” *wink* *wink* ja, das Kind war damals vier. Viele Geschenke und auch gar keine Geschenke, Gans, Fisch, Steak, Braten. Zweimal Weihnachten im Krankenhaus im Jahr 2000 bei meiner Oma (die am 2. 1. 2001 gestorben ist), und 2007 im SMZ Ost auf der Intensivstation beim Kind. Mir ist alles recht, nur im Spital muss ich Weihnachten eher nicht mehr haben, wenn ich es mir aussuchen kann.

Nach Halloween

Ich kann Halloween nicht leiden.

Ich war zwar aus, aber das, um einen 55. Geburtstag zu feiern, weil es auch Menschen, gibt, die am 31. einfach nur geboren wurden. Und deshalb war meine Mama hier, damit der Teenie nicht allein schlafen muss (bzw. eher, damit er irgendwann überhaupt schläft….) und sie war so begeistert, dass ungefähr zehn verschiedende Kindergruppen bei ihr geläutet haben, und sie Süßigkeiten austeilen konnte. Leider habe ich das Kinder-Aufkommen krass unterschätzt, so dass sich die Kleinen dann um die coolen Gruselaugen streiten mussten, weil nicht sooviele da waren. Der Teenie ging auch herum und hatte auch eine ziemlich große Ausbeue zu verzeichnen, darunter auch zehn Euro, weil manche Leute kein Süßzeug daheim hatten und dafür die Geldbörse zückten. Sowas gibts übrigens auch mal in einer Friends-Folge. Das Geld hätte er mit seinem Freund teilen sollen, aber er hat dem Freund dann alles überlassen und ich trotzdem gefreut.

Ich kann Halloween nicht leiden.

Ich habe den Abend also bei einem Geburtstagsessen im kleinen Kreis verbracht, für das ich Saftfleisch gekocht habe, dass ich in den Öffis transportiert habe, und wo ich auf dem Weg zum Feierort schon in der U-Bahn neben lauter (Fake)Blut-verschmirten Menschen saß, und solche, die schwarze Augen hatten und Spinnennetze im Haar, und Engelsflügeln am Rücken, ich find das irgendwie wirklich beängstigend. Dann musste ich allerdings lachen, weil mir ein Pädagoge geschildert hat wie er mit seinen Schulkindern Halloween gefeiert hat, nämlich mit Langhaarperücke und Knochenkette und ihnen erzählt hat, dass er jetzt da ist, statt ihrem Betreuer, der läge im Hof im Sarg. Die Kinder fanden das sehr lustig und haben begeistert mitgespielt. Wir haben dann lange gegessen und getratscht und als wir kurz vor Mitternacht heimgefahren sind, waren immer noch blutverschmierte, schwarz gekleidete Menschen in der Straßenbahn, mit dem Unterschied, dass diese jetzt bereits nach Alkohol rochen und herumgröhlten.

Ich kann Halloween nicht leiden.

Aber ich mag es, die ganze Nacht im Arm gehalten zu werden und ich mag die Stimmung am 1. November, wie ich den ganzen November in seiner Tristesse und Unspektakulärheit mag – und damit vermutlich eine Ausnahme bin; der Monat, wo man gefühlt wirklich gar nichts versäumt, wenn man zuhause ist, der Monat, der wirklich absolut nichts zu bieten hat und mir deswegen schon wieder sympathisch ist. Und ich mag es auch, wenn andere begeistert von Halloween sind und mir davon erzählen, sich darüber freuen und feiern und Spaß haben. Solang ich mein Saftfleisch essen kann und damit nix zu tun hab harhar.

Ferien, Ende

Im Laufe (m)eines Lebens werden die Abschiede schmerzhafter – sogar die banalen, wie das Ende der Ferien. Altweibersommer ist so eine bittersüße Zeit im Jahr, eine Zeit, die für einen Neuanfang steht, aber auch die Melancholie des Loslassens in sich trägt.

Den Samstag des letzten Ferienwochenendes habe ich auf der Vollversammlung der Initiative Denkmalschutz im Schloss Vösendorf verbracht. Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht, dass es ein Schloss Vösendorf überhaupt gibt. Aber das tut es und so sieht es aus:

Die Versammlung fand in der Sala terrana statt, auch hier hatte ich keine Ahnung, was das ist, aber jetzt weiß ich, dass es sich hierbei um einen Raum im Erdgeschoß handelt, meist an der Hauptachse seines Schlosses, der einen fließenden Übergang zum Garten schaffen soll. Die Sala terrena des Schlosses Vösendorf ist wirklich wunderschön:

Dekorative Details in der Sala Terrena

Abgesehen von der Sitzung hörten wir eine ausgesproche interessanten Vortrag vom ORF-Journalisten Rupert Reiter-Kluger, der die Sendereihe Verlorenes Erbe verantwortet, machten eine Führung durchs Schloss und besichtigten das Museum. Dazwischen waren wir Essen, ich wurde gefragt ob ich abgenommen hätte (nein, leider überhaupt nicht harhar, aber schwarz macht ja bekanntlich schlank), Kaffee trinken, ich durfte auf einen Hund (Alma) aufpassen, der während des Aufpassens eine halbe Stunde laut schnarchend schlief, also keine besonders herausfordernde Tätigkeit – oder anders gesagt: der Tag war gut ausgefüllt.

Glaskuppel im “Innenhof”
Blick aus dem Fenser auf den Schloßpark

Kur vor 21 Uhr waren wir dann im Garten und wie immer gabs Aperol bei Kerzenschein. Im Bett musste ich an den Aerosmith Song I don’t want to miss a thing denken, der irrsinnig cheesy und kitschig und eigentlich ganz fürchterlich ist, aber so fühlte ich mich in dem Moment, ich wollte gar nicht einschlafen. Deshalb gabs am Sonntag ein recht spätes Frühstück oder eher Brunch.

Wenn man schon die Ferien verabschiedet, dann so, bei herrlichem Wetter und Sonnenschein.

Ferien, zehn

Meine tatsächliche Urlaubswoche hat letzten Donnerstag mit Sternschnuppen-Schauen angefangen. Und ich habe mir gedacht, ich hätte das grad nötig, mir etwas zu wünschen. Und dann hab ich eine gesehen.

Am Freitag bin ich in den Garten übersiedelt. Ich habe mir überlegt, wie ich was dort gestalten werde. Ich war im Pool, ich habe meine drei Bücher gelesen. Ich war in einigen Gastgärten, bin quer durch Wien zu Fuß gegangen, ich war im Kino und abends sind wir lang beim Aperol und Kerzenschein draußen gesessen. Einmal war ein Fuchs (sic!) da, der den Marillenbaum beschnuppert hat und dann ist er weiter spaziert. Ein paar Kröten sind durch die Botanik gekrochen und einmal war ein Vogel beim Frühstück, der für uns gesungen hat. Ich hab gesprochen, ich hab zugehört, ich habe manches verstanden.

Gut, dass ich die Sternschnuppe gesehen habe.

Ferien, sieben

Am Samstag war ich wieder auf Exkursion mit der Initiative Denkmalschutz. Diesmal ging es nach Wiener Neustadt.

Ich war jetzt schon zum dritten Mal in Sachen Denkmalschutz in Wiener Neustadt, langsam kenne ich aus, also zumindest was die Orientierung in der Stadt betrifft. Jedenfalls erzählte am Vormittag Prof. Erwin Reidinger – seines Zeichens Archäoastrom – was es mit der Stadtplanung in Wiener Neustadt auf sich hat. Er hat auch herausgefunden, dass die Stadt 1192 errichtet wurde, und nicht wie oft fälschlicherweise behauptet 1194, und er hat auch eine Menge Beweise dafür. Langsam setzt sich diesen Wissen auch bei den offziellen Stellen durch. Obwohl jetzt Vermessungstechnik nicht gerade mein Spezialgebiet ist, war es sehr interessant, Reidingers Ausführungen zu lauschen, weil es so schön ist, Menschen zuzuhören, die für eine Sache brennen.

Wiener Neustädter Dom

Danach waren wir gleich neben dem Dom in einem schönen Gastgarten Mittagessen. Das ist heuer schon fast eine Sensation, einfach so essen zu gehen – zumindest für mich – ein Ereignis das mittlerweile nur noch recht selten stattfindet. Ich hatte Eierschwammergulasch mit Knödel und Topfenknödel mit Erdbeersauce (für zwei).

Am Nachmittag gings weiter zum Reckturm, wo Familie Karlik ein privat geführtes Museum betreibt. Dieses zu besuchen, ist ein besonderes Erlebnis, werden doch hauptsächlich Schuss-, Hieb- und Stichwaffen ausgestellt und im Kontrast dazu jede Menge altertümliches Spielzeug. Die Art des Vortrags von Herrn Karlik ist ziemlich interessant, auch jemand, der für etwas brennt, wenn auch auf einem ganz anderem Gebiet als Prof Reidinger einige Stunden zuvor. Uns wurde beispielsweise sehr anschaulich erklärt, dass man keine Bomben, Granaten und anderes “Sprengmaterial” einfach so berühren, aufschrauben oder auf andere Art manipulieren soll. Man könnte sonst seinen Arm zum Beispiel 50 Meter entfernt wiederfinden. Und weil ihm das offenbar noch zu wenig eindrücklich erschienen ist, nahm er irgendwann ein schmales A4 Bändchen zur Hand, das den schönen Titel “Schlimme Unfälle” trug. Das war dann der Moment, in dem ich von der ersten Zuseherreihe in das am weitesten entfernte Eck des Zimmers wechselte, harhar. Ich mein, alles muss ich auch nicht sehen.

Reckturm

Danach gings mit dem Zug wieder zurück nach Wien, direkt in den Garten, wo es quasi ein kleines Familientreffen gab und dann wieder einen ziemlich lazy sunday.

Ferien, sechs

Diese Woche ist irgendwie so halbgares Sommerwetter, nicht wirklich warm, aber auch nicht kalt, ideales Wetter zum Abarbeiten von einigen Projekten, die sich teilweise schon etwas länger Hinziehen, zum Lesen und Schreiben.

Schon lange bin ich nicht zum Schreiben gekommen, obwohl da ein Text auf mich wartet, mit bis dato 30.000 Wörtern. Dieser Text ist höchst brisant, enthält er doch alles, was mich die letzten Jahre über beschäftigt hat, was mich glücklich und was mir Angst macht. Oft habe ich unterm Jahr soviel zu tun, dass ich wochenlang nicht daran weiterschreibe, aber das ist nur die eine Komponente. Die andere ist, dass ich auch einfach manchmal eine Pause brauche, für diesen in jeder Beziehung ziemlich aufwühlenden Text. Diese Woche fühle ich mich danach daran weiterzuarbeiten und ich habe mir auch vorgenommen, den Freiräume im restlichen August dafür zu nutzen, diesen Text weiter wachsen zu lassen. Auch wenns schmerzhaft ist.

Apropos weiter wachsen – aufmerksame Lesern meines Blogs werden vielleicht bemerkt haben, dass Irene in Irland ein Häuschen weiterzieht (neuer Blogname!). Wer bisher die Erlebnisse in Dublin mitverfolgt hat, wird sich vielleicht auch dafür interessieren, dass sie nun nach Bratislava geht. Spannend. Und was ich persönlich sehr toll finde: Bratislava ist wesentlich näher bei Wien.

Ferien, vier

Woran mensch erkennt, richtige Freunde zu haben: Dass sie merken, wenn man ein bisschen instabil ist und vorschlagen, dass man vorbeikommen soll. Und, dass man sich nach den Treffen besser fühlt als vorher. Solche Treffen hatte ich diese Woche, recht spontan. Und ich bin dankbar dafür. Die Gegenprobe funktioniert übrigens auch: wenn man sich nach Treffen schlechter fühlt als vorher, dann stimmt meistens etwas nicht, aber davon ist derzeit nicht die Rede.

Nachdem ich heute Sonntag mal daheim war, was eher selten der Fall ist, hab ich mir beim langen Kaffeetrinken mit mir selber Frühstück bei mir angehört; Claudia Stöckl hatte Martina Rupp zu Gast, die bei Ö3 jetzt in Pension geht – sie mag das Wort nicht – und auf ihr bisheriges Leben zurückblickt. Martina Rupp sagt, am meisten bereut sie immer noch, dass sie schuld am Ende ihrer zweite Ehe war. Ihre Partnerschaft war unzufriedenstellend und sie war nicht stark genug, der Versuchungen – in Form eines Arbeitskollegen – zu widerstehen. Ich finde es immer sehr kraftvoll, wenn Menschen auch öffentlich über ihre Unzulänglichkeiten und ihr “Scheitern” sprechen. Weil es menschlich ist, dass wir Fehler machen. Und je nach Charakter werden die Fehler unterschiedlich sein. Ich denke mir, hoffentlich bin ich in 15 Jahren auch gescheiter. Hoffentlich weiß ich in 15 Jahren auch mehr über mich und das Leben.

Auf Facebook hat dann jemand nach guten Songs über Veränderung, Transformation und eben Lebenskrisen gefragt und da ist mir gleich Bob Dylan und sein Song Things have changed eingefallen. Sätze direkt heraus aus einem desillusionierten Leben: “This place ain’t doing me any good. I’m in the wrong town, I should be in Hollywood.” Das wiederum erinnert mich an einen Freund, der – in meinem Pool auf der Luftmatraze liegend zu mir sinngemäß sagte: Ich könnte jetzt in Cannes sein oder in Biarritz, wenn ich damals das eine oder andere anders gemacht hätte – der Datenschutz verbietet es mir, hier detaillierter zu werden – aber seine Conclusio: Hier in einem Pool in Atzergsdorf ist es auch nicht schlecht. Harhar. Vieleicht sollte Bob Dylan auch mal nach Atzgersdorf kommen.