almis personal blog

LIZVC 83

Am Wochenende war ich am Kahlenberg und Leopoldsberg. Ich glaube, ich hab noch nie von da oben auf das schneebedeckte Wien geschaut.

Na ja, schneebedeckt ist vielleicht zuviel gesagt, eher das angezuckerte Wien. Am Kahlenberg gibts übrigens auch Punsch zu kaufen, ohne Alkohol (wegen Corona). Punsch hab ich dem Teenie dann auch in die Schule mitgegeben, die diese Woche auf Montag und Dienstag fiel. An diesen Tagen wars auch sehr kalt, und 24 Stunde später wars dann plötzlich Frühling.

Dazwischen lag der Valentinstag und jetzt habe ich Blumen in meinem Büro stehen.

LIZVC 80

Jetzt war ich wieder mal im Donaufeld spazieren, bzw. bin einmal “auf die andere Seite” einkaufen gegangen; sehr mysteriöse Wetterstimmung:

Sonst tut sich nicht viel, wie sonst auch meistens im Jänner und dann noch Jänner UND Lockdown. Auf Netflix wird jetzt Dawson’s Creek angeboten und ich musste einfach reinschauen, wie diese Teenie-Serie mit den manierierten Dialogen heute auf mich wirkt. Nachdem die Serie ja immer schon ironisch rezipiert werden konnte, ist sie ganz gut gealtert.

Und ich lese gerade Sie hat Bock von Katja Lewina, die sich in vielen Essays die Frage stellt, wie sexistisch ist unser Sex. Angeregt von der #metoo Bewegung, denkt Lewina u.a. darüber nach, wie selbstbestimmt frau beim Sex sein kann, wie sehr sie sich nach (männnlichen) Bewertungsmaßstäben taxieren lassen muss, und wieviel offene Beziehung eine Partnerschaft verträgt. Laut Lewina viel. Damit tue ich mir ja schwer, also ich finde es interessant, mich damit zu beschäftigen und hab auch kein (moralisches) Problem damit, nur für mich ist es halt nichts. Aber gut, muss ja auch nicht.

Subtile Botschaft in der Bücherei-Auslage.

Gespräche mit Freunden

Jetzt habe ich Gespräche mit Freunden von Sally Rooney gelesen und ich bin hellauf begeistert.

Das Buch spielt großteils in Dublin und handelt von Frances, einer Literaturstudentin Anfang 20, die gemeinsam mit ihrer Freundin Bobbi – mit der sie früher zusammen war – als Poetry Slammerin auftritt. Im Zuge dessen lernen sie das Paar Melissa und Nick kennen. Sie ist eine arrivierte Journalistin, er Schauspieler, beide sind mehr als zehn Jahr älter. Es folgen mondäne Einladungen mit gutem Essen und viel Alkohol, intellektuellen Gesprächen und auch eine Menge an sexueller Anziehung. Die extravertierte Bobbi fühlt sich zu Melissa hingezogen, die reservierte Frances – “Frances ist bisexuell”, wie Bobbi einmal klarstellt – verliebt sich in Nick.

Der Roman ist das, was er vorgibt zu sein. Es geht um Gespräche mit Freunden, die Auseinandersetzung mit dem Leben, mit Arbeit und Berufung, mit Politik und Gesellschaft, vor allen Dingen aber mit Beziehungen. Das Mindset von Frances und ihrem Circle, was Partnerschaften angeht ist, dass Monogamie kein “sine qua non” ist. Auch in der Ehe ist sie das nicht. Also muss man fühlen und ausdefinieren, welche Art von Beziehung man mit wem führen will. Oder muss man das gar nicht? Lässt man geschehen, was passiert, ohne Bewertung und Einordnung? Um Fragen wie diese ringt der Roman. Und wie Frances nicht weiß, was sie mit ihrem Leben tun will, außer lesen und schreiben – oder wie sie einmal sagt: “Manchmal kam es mir so vor als würde ich es nicht schaffen, mich für mein eigenes Leben zu interessieren”; so weiß sie auch nicht, was sie mit ihren Gefühlen machen will, wie sie diese bewerten soll, wo Freiheit aufhört und wo Eifersucht und eine Art Besitzdenken einsetzt.

Das alles ist so spannend und diese Welt so faszinierend, dass man eigentlich immer weiterlesen will, über Frances und ihre Freunde, was sie tun, was sie denken, alles ist mit einer enormen Liebe zum Detail und einer Liebe zum Witz beschrieben, dass es wirklich eine Freude ist. Etwa als Frances Middlemarch liest und beschreibt:

Das Cover zeigte eine traurig blickende Dame aus vikorianischer Zeit, die sich an irgendwelchen Blumen zu schaffen machte. Ich bezweifelte, dass vikorianische Frauen wirklich so oft Blumen anfassten, wie es die Kunst aus dieser Zeit nahelegte.

Zwischen Gespräche mit Freunden und Normale Menschen gibt es einige Parallelen: Geheimnisvolle Beziehungen, Sinnsuche, sexuelle Grenzerfahrungen, savoir-vivre in großzügigen Villen am Meer. Die Gespräche haben mich insgesamt noch eine Spur mehr beeindruckt. Und bald soll der dritte Roman von Sally Ronney erscheinen. Das sind großartige Neuigkeiten, bitte schnell!

LIZVC 79

Was ist der Unterschied zwischen einem Kleinkind und einem Jugendlichen? Ein Kleinkind kann um 5.30 aufwachen, unausgeschlafen und grantig sein und sich dennoch strikt weigern, nochmal ein Auge zuzutun. Darunter müssen alle leiden. Mir tut jetzt noch jeder Knochen weh vor Schlafmangel, wenn ich dran denke. Ein Teenie hat um 8.55 eine kurze Videokonferenz, legt sich ins Bett und pennt eineinhalb Stunden bis zur nächsten. Faszinierend! Der Schlaf vor Mitternacht ist dafür allerdings sehr unpopulär geworden.

Ich war bei Thalia und habe mir meine vorbestellten und bezahlten Bücher aus dem Schließfach geholt, dazu muss man nur seine Abholnummer eingeben, dann öffnet sich wie von Geisterhand die Lade mit dem Buch. Ist schon sehr praktisch, quasi “kontaktlos” in Reinkultur. Und auch hier handelt es sich wieder nicht um bezahlte Werbung. Folgende Bücher habe ich erstanden, mit meinem eigenen hart verdienten Geld:

Auch ein Fall für #frauenlesen auf Twitter, merke ich gerade. Rachel Cusk und Danach hab ich schon fertig. Ich muss erst noch mehr drüber nachdenken, bevor ich mich hier näher dazu äußere, es ist auf eine sehr distanzierte Art und Weise geschrieben, dafür, dass es um ein so persönliches Thema wie Trennung geht, aber sprachlich hat es mich sehr angesprochen. Mehr dann ein andermal.

LIZVC 74

Am heiligen Abend bin ich um halb sechs aufgestanden, weil ich jemand zum Bahnhof begleitet habe.

Es ist sehr dunkel und leer auf den Straßen, ganz früh am heiligen Abend, an einem milden, nieseligen heiligen Abend übrigens. Nur die Müllabfuhr fährt und die Standler am Markt packen ihre Sachen aus, solange sie noch öffnen dürfen.

…mitten im Dritten…

Am Westbahnhof war dann auch nicht viel los. Entweder die meisten bevorzugen spätere Züge, oder viele sind schon gefahren oder heuer auch gar nicht.

Vor neun hab ich dann schon Suppe gekocht, man hat schon viel vom Tag, wenn man so früh aufsteht, allerdings ist mittlerweile der Feiertagsschlendrian wieder eingezogen und ich schlafe bis nach acht! Hui. Harhar.

LIZVC 73

Am Wochenende hab ich während einer Diskussion etwas ironisch gesagt “The future is female” und darauf der Teenie: “The future is post Gender”. Da war ich ehrlich beeindruckt.

Gestern war ich beim Nierenultraschall zur Nachkontrolle. Es ist glücklicherweise alles ok und ich muss erst im Juni wieder hin. Aber weil trotz Termin soviel los war, durfte ich aussuchen: Wartezimmer oder Spaziergang. Die Entscheidung fiel leicht und es ist ja gerade auch einigermaßen mild draußen, um nicht das Wort “Weihnachtstauwetter” zu verwenden.

Nachdem ich in der Gegend war, spazierte ich zum Ex-(Betriebs)kindergarten des nunmehrigen Teenies, den er von 2010 bis 2014 besuchte. Nun ist es sowieso schon immer etwas eigenartig, an Orte der Vergangenheit zurückzukehren, die man eine zeitlang dauernd, später dann aber gar nicht mehr aufgesucht hat. Und in Pandemiezeiten, in denen diese Orte ausgestorben sind, ist es noch spookier. Gerade, wenn – wie in diesem Fall – dieser Ort fast monumental wirkt, eine Festung aus Beton quasi. Hier fand immer das Laternenfest statt. Und da, an dieser Rampe, hat er sich öfter mal geweigert, weiterzugehen. Und hier, rund um diese Säulen, haben er und seine Freunde fangen gespielt und wir Mütter mussten achtgeben, weil es sich zwar um Gehsteig handelte, aber hier auch Autos hineinfahren und parken durften. Da ist er mit dem Roller rauf und runter gedüst und ich hatte natürlich diese Schreckensbilder im Kopf, vom stürzenden, sich überschlagenden, in seine Einzelteile zerfallenden Kind, mütterliches Kopfkino at its worst.

Dann denke ich an mein früheres Ich zurück, an meine Gedanken und Gefühle damals, und kann es gar nicht glauben, wie weit ich seither gekommen bin, direkt ins eigenartige Jahr 2020, das mich wiederum sovieles gelehrt hat.

Goodbye car!

Ich habe mein Auto verkauft und fühle mich frei.

Eigentlich denkt man sich das ja umgekehrt: Mensch kauft sich ein Auto, damit mensch frei wird. Damit man jederzeit überall hin fahren kann, das ist doch normalerweise der Inbegriff von Freiheit. Unabhängig sein, sich nicht an Fahrpläne halten müssen.

Ich wollte schon mit 18 keinen Führerschein machen. Es hat mich nie gereizt, vielmehr hatte ich immer Angst vorm Autofahren. Aber mir wurde gesagt, ich solle nicht mit irgendwelchen “Besoffenen” nach dem Ausgehen heimfahren. Das Argument macht sicher im ländlichen Bereich Sinn, aber in Wien gibt es öffentliche Verkehrsmittel und es gibt Taxis. Und auch als junger Mensch war ich mit niemandem befreundet, der “besoffen” Auto gefahren wäre. Der, der fuhr, hat eben nichts getrunken.

Ich habe den Führerschein erstaunlicherweise gleich beim ersten Mal geschafft. Und das Autofahren an sich, also der Akt (ohne andere störende Fahrzeuge auf der Straße) hat mir schon gefallen. Wirklich viel gefahren bin ich dann aber nicht. Und ich habe nie diesen Level erreicht, mich einfach ins Auto zu setzen und irgendwohin zu fahren und vorallem: dort einzuparken. Ich bin mehr oder weniger immer nur ein paar bekannte Strecken gefahren und wenn ich tatsächlich mal woanders hin musste, hab ich mir vorher in Google Street View angesehen, wie man zum Zielort kommt und wie die Parkplätze dort aussehen. Diese akribische Vorbereitung verkörpert schon alles andere als Spontanität und Leichtigkeit.

Das (damals noch) kleine Kind hat das Schimpfwort f*** gelernt und emsig wiederholt, das ich gebraucht habe, als wir abends mal aus dem Garten heimfahren wollten und die Batterie leer war. Ich habe manchmal Blut geschwitzt auf der Tangente und tatsächlich geschwitzt, wenn wir dort gute 40 Minuten im Sommer Stau standen. Auch davor hab ich oft gegoogelt, wieviel Verkehr dort ist und bin dann in einem günstigen Zeitfenster gefahren. “Gebraucht” habe ich das Auto nur für den Garten. Im Winter musste es dann gezwungenermaßen bewegt werden. Und jedes Jahr hat mir der Automechaniker gesagt, ich fahre zu wenig.

Deshalb bin ich froh, jetzt kein Auto mehr zu haben und das wird auch so bleiben. Mein “Lifestyle” ist bescheiden, ich fahre ohnehin nicht weit weg und meine Bahnen ziehe ich zu Fuß und per öffentlichen Verkehrsmittel. Das Kind wird immer älter und bald selbst mobil sein. Und überhaupt bin ich jetzt in einem Alter oder auch Gemütszustand, wo ich alles reduziere, Marie Kondo-esk quasi, ich will nur noch soviel Sachen haben, dass sie in ein Zimmer passen. Das wichtigste ist in meinem Kopf und meinem Herzen.

Leicht(er) werden. Das ist halt meine Freiheit.

SatC Review

Heut ist ein Feiertag, an dem es gar nicht hell wird, wie es scheint.

Ich bin viel zu früh aufgewacht, obwohl ich gestern bis Mitternacht Sex and the City geschaut habe. Ja, ich bin gerade retromäßig wieder in die Serie reingekippt. Erstmals hab ich sie gesehen, als ich von daheim ausgezogen bin, dann als das Kind ein Kleinkind war war und jetzt also nochmal. Das finde ich immer besonders interessant, wenn man in verschiedenen Lebensphasen eine Serie nochmal komplett durch-schaut, man hat jedesmal eine andere Perspektive darauf, weil man sich selbst in 20 Jahren verändert und weiterentwickelt hat.

Samantha hab früher immer sehr oberflächlich gefunden, heute merke ich, dass sie sehr wohl ziemlich interessante Dinge zu sagen hat, sehr pragmatisch ist und vielleicht die Einzige der vier ist, die wirklich imstande ist, solo ein sehr glückliches Leben zu führen. Auch die Beziehung von Big und Carrie sehe ich heute in einem ganz anderen Licht. Früher dachte ich, Big wäre ein unsensibles Rauhbein (euphemistisch ausgedrückt, obwohl ich ihm immer viel mehr abgewinnen konnte als Carries anderen Freunden) – beim Wiedersehen erkenne ich einen Mann, der schwere Bindungsängste hat. Und zwar wirklich, keine Ausrede. Und eine Frau, die damit nicht umgehen kann. Was nicht verwunderlich ist, wenn man dem noch nie begegnet ist. Weil es ihr zunächst einmal auch ganz viel Angst macht.

Etwas ist immer gleich geblieben, seitdem ich die Serie zum allerersten Mal gesehen habe: Ich wünsche mir auch eine Kolumne, von der ich meinen Lebensunterhalt bestreite. Harhar. Wo ich mit meinem Laptop am Bett sitze, aus dem Fenster sehe und schreibe, schreibe und dann kommen soviele originelle Gedanken und inspierende Sätze dabei heraus wie bei Carrie.

LIZVC 65

Wien bei Nacht im Lockdown ist echt spooky.

Ich war Samstag Abend im 3. Bezirk und wenn jetzt die Lieferservices auch verboten wäre, dann wären mir praktisch keine Menschen begegnet. Die einzigen, die die Straße noch beleben, sind FahrradbotInnen.

Einmal ist ein einzelner Mensch um die Ecke gebogen und wir haben uns beide sehr erschrocken.

LIZVC 59

Aja falls ihr euch Nägelkauend gefragt habt, was mit Dancing Stars ist, im Lockdown: es wird ganz ohne Zuschauer fortgesetzt.

Ich habe am Freitag jetzt immer langen Fernsehabend, weil der Teenie das Ende der Schulwoche zelebriert. Also schau ich das, irgendwie entspannend, die eh schon einkalkulierten, oft passiv-aggressiven Fehden der TeilnehmerInnen mit der Jury und teilweise wirklich sehenswertes Tanzen. Währenddessen backe ich Kuchen und danach schau ich Was gibt es Neues – wo letztens jemand “infisziert” gesagt hat und jemand anderer: “Das heißt infiziert” und Person 1: “Wir sind in Österreich”. Harhar. Und danach hab ich noch Die Perle Anna geschaut, mit Elfriede Ott, wieder eine Hausangestellte, die die Seitensprünge “ihres” Ehepaares konterkariert, das war thematisch offenbar wirklich mal “a thing.”

Am Wochenden hab ich den den Lockdown Text von Eva Menasse gelesen, der in den sozialen Medien abgefeiert wurde, und der hat mich leider gar nicht abgeholt, wie man so schön auf neudeutsch sagt. Ich tu mir generell schwer mit Texten, die mir auf doch eher plumpe, gleichzeitig aber auch reichlich selbstzufriedene Art – garniert mit einer Prise Kulturpessmismus – sagen wollen, was ich fühlen soll. Dabei hab ich noch nicht mal das Gefühl, dass mir Jahre gestohlen werden, wie Menasse suggeriert, bin aber der Meinung, dass man das Ganze nicht runterbrechen kann, auf eine kuschelige Wellness-Auszeit für Besserverdiener und Privilegierte, sowie Menschen im “richtigen” Alter. Denn Menasse ist, wie ich selbst, in einem relativ komfortablen Alter für eine Pandemie. Bei uns ist die Wahrscheinlichkeit doch hoch, dass die folgende Zeit nicht unsere finale Lebensphase sein werden.

Anyway, wirklich abholt gefühlt hab ich mich dafür bei folgendem Tweet: