Archiv für frau

LIZVC 65

Wien bei Nacht im Lockdown ist echt spooky.

Ich war Samstag Abend im 3. Bezirk und wenn jetzt die Lieferservices auch verboten wäre, dann wären mir praktisch keine Menschen begegnet. Die einzigen, die die Straße noch beleben, sind FahrradbotInnen.

Einmal ist ein einzelner Mensch um die Ecke gebogen und wir haben uns beide sehr erschrocken.

LIZVC 59

Aja falls ihr euch Nägelkauend gefragt habt, was mit Dancing Stars ist, im Lockdown: es wird ganz ohne Zuschauer fortgesetzt.

Ich habe am Freitag jetzt immer langen Fernsehabend, weil der Teenie das Ende der Schulwoche zelebriert. Also schau ich das, irgendwie entspannend, die eh schon einkalkulierten, oft passiv-aggressiven Fehden der TeilnehmerInnen mit der Jury und teilweise wirklich sehenswertes Tanzen. Währenddessen backe ich Kuchen und danach schau ich Was gibt es Neues – wo letztens jemand “infisziert” gesagt hat und jemand anderer: “Das heißt infiziert” und Person 1: “Wir sind in Österreich”. Harhar. Und danach hab ich noch Die Perle Anna geschaut, mit Elfriede Ott, wieder eine Hausangestellte, die die Seitensprünge “ihres” Ehepaares konterkariert, das war thematisch offenbar wirklich mal “a thing.”

Am Wochenden hab ich den den Lockdown Text von Eva Menasse gelesen, der in den sozialen Medien abgefeiert wurde, und der hat mich leider gar nicht abgeholt, wie man so schön auf neudeutsch sagt. Ich tu mir generell schwer mit Texten, die mir auf doch eher plumpe, gleichzeitig aber auch reichlich selbstzufriedene Art – garniert mit einer Prise Kulturpessmismus – sagen wollen, was ich fühlen soll. Dabei hab ich noch nicht mal das Gefühl, dass mir Jahre gestohlen werden, wie Menasse suggeriert, bin aber der Meinung, dass man das Ganze nicht runterbrechen kann, auf eine kuschelige Wellness-Auszeit für Besserverdiener und Privilegierte, sowie Menschen im “richtigen” Alter. Denn Menasse ist, wie ich selbst, in einem relativ komfortablen Alter für eine Pandemie. Bei uns ist die Wahrscheinlichkeit doch hoch, dass die folgende Zeit nicht unsere finale Lebensphase sein werden.

Anyway, wirklich abholt gefühlt hab ich mich dafür bei folgendem Tweet:

LIZVC 58

Die Eurovision Songcontest Seite auf Facebook betreibt fortgeschrittenen Eskapismus und fragt nach Songs, die in den Qualifikationsrunden ausgeschieden sind, es aber ins große Finale des ESC hätten schaffen müssen/sollen.

Da fällt mir sofort ein Song ein, bei dem ich es bis heute nicht verstehe, warum er ausgeschieden ist (und diese Einschätzung teile ich mit Marco Schreuder), nämlich Time von Izabo, Kandidat 2012 für Israel:

Den hab ich seit geraumer Zeit auf meiner Songcontest-Playlist und finde ihn immer noch super und total underrated.

Was gibts noch außer Corona und Terror? Ich habe den neuen Podcast von Mari Lang gehört, Frauenfragen. In diesem Podcast wird Lang Männer treffen und sie mit typischen Fragen konfrontieren, die sonst noch Frauen gestellt werden – beispielsweise nach den Designern, die sie gerade tragen oder nach Vereinbarkeit von Kind und Karriere. Interessantes Konzept, in der ersten Folge war Armin Assinger zu Gast und es war ein ziemlich idealer erster Gast, würde ich sagen. Er war auch sehr offen und hat nur einen Joker von dreien gebraucht. Ja, in diesem Podcast gibt es auch Joker, immer dann, wenn man eine Frage nicht beantworten will. Dann kann man die Frage entweder abwählen, jemand anrufen oder die Frage der Moderatorin zurückspielen, die sie stattdessen beantworten muss.

LIZVC 52

Was hab ich also gebacken? Punschkrapferl.

Mir wäre ja nie eingefallen, Punschkrapferl selbst herzustellen, wenn der Geburtstagsmensch diese nicht lieben würde, aber so… Na jedenfalls ist es nicht so schwierig wie man denken könnte. Oder sagen wir so: wenn man ungefähr 30 Rezepte von Punschkrapferl gegoogelt hat, findet man so ca. bei Nummer 31 auch eines, das einfach zu verstehen und nachvollziehbar ist.

Dieses Punschkrapferl Foto hab ich auf Instagram gepostet #fürmehrrealitätaufinstagram Harhar. Geschmeckt haben sie übrigens wirklich gut, wenn ich mich loben darf.

Geburtstag gefeiert wurde dann im sehr kleinen Kreis outdoor. Auf der Libelle, wie man das in Coronazeiten eben macht. Die Libelle ist ein Dachaufbau am Leopold Museum und wurde – auch Corona-bedingt – statt im März im September eröffnet. Man hat einen wunderschönen Rundblick auf die Museen und das Museumsquartier.

Wenn man übrigens 49 Jahre alt wird, dann redet niemand darüber, dass man gerade 49 geworden ist, sondern alle reden vom 50er. O-Ton: “Jetzt haben wir gerade erst deinen 40er gefeiert und jetzt bist schon 50.” “Ich bin nicht 50.” Harhar.

LIZVC 50

Es irritiert mich, dass die Schulhomepage verkündet, dass ihre Ampelfarbe gelb ist. Aber das in oranger Farbe kundtut. Jeden Tag erschrecke ich aufs Neue.

Es ist Coronaherbst, und genauso fühlt es sich gerade an. Die Tagen werden kürzer, grauer und frischer – und irgendwann wird jeder einen kennen, der schlecht drauf ist. An manchen Tagen, wenn ich so nach draußen lausche, hab ich das Gefühl, dass es stiller ist als normalerweise, aber es ist keine angenehme, ruhige Stille, eher eine resignierte. Möglicherweise interpretiere ich aber zuviel hinein.

Leben haben sich geändert und zwar ausnahmslos nicht durch die Krankheit Corona, sondern durch die Begleitumstände, wie das daheim eingesperrt sein – die, die damit ein Problem haben, bezeichnen es oft so. Da haben Biografien sehr unerwartete neue Verläufe gekriegt, wie ich jetzt schon einige Male in persönlichen Gesprächen gehört habe. Ich habe auch schon gehört: “Wer weiß wie lange ich noch lebe? Deshalb habe ich dieses oder jenes riskiert.”

Ich weiß nicht wie ich das finden soll. Ich selbst sehne mich wie schon vor Corona (und das wird sich danach auch nicht ändern, vermute ich) nicht nach Risiko, sondern immer nach Nähe und Geborgenheit, die ich an manchen dieser ruhigen Tagen bekomme. Dann ist die Stille draußen nicht mehr bedrohlich.

Alles gut

Heute vor 13 Jahren war der letzte Tag, an dem ich nicht Mama war.

Jahrelang hab ich den ganzen September ambivalente Gefühle gehabt. Wurde von der Spätsommerluft und dem Stand der Sonne getriggert. Das hörte mit jedem Jahr mehr auf und heuer hab ich kaum was gefühlt. Weil auch viele andere Themen das gerade heuer überlagern.

Bis ich heute in aller Frühe, um halb sieben, die Fotos von meiner damaligen Bettnachbarin im Krankenhaus Bozen sah. Ihr Sohn M. wurde heute vor 13 Jahren geboren. Auf ihrem Whatsapp Status hat sie ein Bild gepostet, in dem sie mit M. die Marsupio (Känguruhtherapie) macht. Sie sitzt da in dem weißen Kittel, den wir auf der Intensivstation immer angezogen haben, vor der Wand mit den braunen Fliesen, auf der Brust ihr winziges Baby. Und sie hat diesen Gesichtsausdruck zwischen Babyblues und Glücklich-sein und der Frage: wie bin ich bloß hierher geraten. Und das war dann doch wieder ein ziemlich emotionaler Flashback für mich.

Aber M. geht es wunderbar. Es ist alles gut.

LIZVC 49

Die Schule läuft jetzt seit 7 Tagen. Abgesehen von dem Maskendings und den beschränkten Buffettöffnungszeiten (je nach Klasse), geht es halbwegs normal ab. Und das, obwohl Wien ja jetzt – laut Ampel – orange wird, aber die Schule bleibt dann doch gelb, weil ab orange wäre ja schon wieder Homeschool angesagt, zunächst einmal für die Oberstufenschüler. Was die Tagespresse zu einem sehr witzigen Artikel inspiriert hat. Irgendwie musste ich an meinen Vater denken, der früher gerne sagte: “Farben sind Zeichen einfachen Geistes.”

Vor der Schule wird immer noch bzw. mehr denn je die coole Straße gebaut, weshalb sich die Leute- es gibt dort vier Schulen, einen Kindergarten und ein Hallenband – super auf den schmalen Wegen drängeln können und dauernd von einer Straßenseite auf die andere geleitet werden. Es ist normalerweise mein fast täglicher Weg, zum Bahnhof(sviertel) und zurück. Irgendwie bin ich “fed up” mit dieser coolen Straße bzw. dem Speißroutenlauf.

Was war noch los? Nachdem ein Arbeitsprojekt vom Herbst ins neue Jahr verschoben wurde (Hello Corona my old friend) habe ich mich bei einem anderen beworben, viel Arbeit bekommen und jetzt gibts doch noch was in dem ursprünglichen Projekt zu tun und eine andere Anfrage ist auch herein geflattert. Herrje, und dann rennt einem doch wieder die Zeit davon. Aber besser so als anders.

Dann noch ein nettes Business-Meeting im Türkenschanzpark gehabt. Mit Entenbegleitung.

Und nachts um halb 12 war ich mal auf der Mariahilferstraße, nicht viel los, aber doch mehr als im Lockdown.

Komisch, dass man nach wie vor vieles in Bezug zu Corona/Lockdown setzt.

LIZVC 47

Heute vor sechs Jahren, am allerersten Schultag vom Kind, hat es so geschüttet, dass wir mit dem Auto hinfahren musste, sonst wären wir komplett durchnässt angekommen. So stellt man sich das eigentlich nicht vor.

Sechs Jahre später und mit Beginn der dritten Klasse Gymnasium, hörte der Regen früher auf. In der Früh schrieb ich Denk-an-dich Grüße an alle meine Freundinnen, die Mamas mit Kindern sind, und heute in eine (neue) Schule kamen, oder in den Kindergarten, und an meine Freundin, die erstmals als Klassenvorständin eine Klasse übernimmt.

Jeder Schul(neu)anfang wird von einer gewissen Melancholie begleitet, auch schon ohne Corona, wie schnell die Jahre vergehen, wenn auch die Tage manchmal dahinschleichen. Ich habe heute einen Papa getroffen, den ich seit besagtem ersten Schultag kenne, weil sein Kind mit meinem in die Klasse ging. Er hat sich getrennt und als ich ihn frage, wie es ihm geht, sagt er: “Geht schon.” Und die Leichtigkeit ist weg, die er früher immer ausgestrahlt hat, ganz oft haben wir uns am Schulweg getroffen, als wir die Kinder gebracht haben und abgeholt, ganz oft haben wir geplaudert, und es war immer nett, er war voller Lebensfreude. Die Lebensfreude, sie ist verschwunden, aber ich hoffe, das war nur eine Momentaufnahme. Mir geht das sehr nahe, wieso frag ich mich, geht mir alles viel näher seit dem ersten Schultag, vor sechs Jahren? Auch in meinem Lebens ist viel passiert.

Das Kind jedenfalls, das Kind ist zufrieden, abgesehen von den Kleinkram-Motzereien, er kommt mir strahlend entgegen.

LIZVC 46

Eine “weltweite Pandemie”, wie ich es hier öfters geschrieben habe, ist strenggenommen ein Pleonasmus. Auch wenn Menschen in der ZIB ebenso gesagt haben, wie ich gestern hörte.

Heute ist der letzte Ferientag, ab Montag ist wieder “normal” Schule. Das Kind wäre ja für Homeschooling mit höchstens ein, zwei Präsenztagen in der Woche, zur Sicherheit harhar. Na ja, es war nicht alles schlecht im Homeschooling muss ich zugeben. Nicht so früh aufstehen, weniger Stress, deutlich mehr Entspannung allgemein – mal sehen wie der Schulherbst dann tatsächlich wird, ich habe keine Vorstellungskraft mehr, was wie noch alles passieren wird.

Vor allem, nachdem ich gestern die wohl absurdeste Meldung seit Beginn der Krise gelesen habe – und das ist gar nicht einfach. Die “oberste Medizininer Kanadas” (alleine dieses Prädikat, wer sagt das, sie selbst über sich?), rät zum Sex mit MNS (sic!) und das Küssen sollte man überhaupt am besten weglassen (sic!). Oder auch gleich den Partner. Ähm…

Gestern war ich mit dem Kind in Niederösterreich, wo wir nochmal seine Freunde getroffen haben, ein bisschen was von “this used to be my playground” hatte das.

Ein sonniger Spätsommertag, mit dem schönsten blauen Himmel und den stimmungsvollsten Wolken.

LIZVC 44

Der 15. August ist vorbei und jetzt fängt es zu herbsteln an. Ich liebe es.

Früher dachte ich immer, ich liebe den Sommer, aber eigentlich liebe ich die Zeit, die mir sagt, es ist alles vergänglich, es kann bald vorbei sein. Weil es auch – im Gegensatz zum Hochsommer – eine Zeit ist, die gar nichts mehr von einem will. Während man im Hochsommer manchmal das Gefühl hat, man muss an drei Orten gleichzeitig sein, sagt der Wind Ende August, es ist alles ok so wie es ist.

Das Kind hingegen bekommt langsam den Ferienende-Blues und bestellt einen Espresso in unserem Stammlokal und die Kellnerin ist darüber so erstaunt/begeistert, dass sie ihn darauf einlädt.

Ich treffe eine alte Freundin wieder, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Das ist so eine Geschichte, wo man weiß, dass jede Menge schief gelaufen ist, aber die Emotionen, die man damals hatte, hat man heute nicht mehr. Wahrscheinlich auch, weil das eigene Leben nicht mehr dasselbe ist. Manchmal würde ich gern wissen, wie alles in zehn Jahren sein wird; vorstellen kann ich es mir immer weniger, was sein und kommen wird.

Wir waren Hipster-mäßig essen am Volkertmarkt im Banlieue. Ich hatte sehr gut gewürzte Hühnerspieße mit Erdnussbutter-Sauce und selbstgemachten Eistee.

Sehr nett, so in Spät-August-Sonne im Gastgarten.