almis personal blog

November, ganz generell

Viele Menschen mögen den November so als Monat gar nicht. Und derzeit ist der November auch besonders “novembrig”.

Es ist grau, es ist düster, es niesel-regnet, es ist feucht und unwirtlich. Es gibt nix besonders in diesem Monat, der (oft) goldene Oktober-Herbst ist vorbei, Weihnachten noch zu weit weg und jetzt mit Halb Lockdown und so weiter ist die Stimmung sowieso allgemein eher gedrückt.

Aber ich hab den November nach wie vor gern. Einmal am Tag mache ich eine große Runde draußen, wo ich zum entfernesten Supermarkt einkaufen gehen, übers Donaufeld, da bin ich eine gute Stunde unterwegs, meistens gleich in der Früh. Dann arbeite ich, beschäftige mich mit Schulzeugs (bin nicht direkt böse, dass diese Woche Geschichte auf dem Programm steht und nicht Mathe…), am frühen Abend lese ich oder schreibe oder schaue eine Serie. Danach arbeite ich nochmal bis relativ spät am Abend. Ich habe gerade einen so großen Arbeitsauftrag bekommen, dass ich alleine damit bis mindestens Jänner gut beschäftigt bin. Im Bett höre ich meinen Lieblingspodcast bis ich einschlafe.

Tja mehr mache ich derzeit nicht, außer am Wochenende jemand treffen und jemanden im Arm halten und im Arm gehalten werden und dann stundenlang frühstücken und Kaffeeee trinken, wie jemand sagt, Kaffeeee genauso lange gesprochen, wie man ihn trinkt und miteinander redet und Kipferl isst und Lachs und Ei und sich geborgen fühlt, in diesem grauen November.

Mir wurde schon gesagt, dass ich genügsam bin, aber das find ich gar nicht. Ich hab alles was ich brauche.

Die gute Nachricht

Das Wetter ist wirklich übel für August und auch sonst ist es wieder recht unruhig, so in der Außenwelt. Daher eine kleine Geschichte aus der Rubrik: “Die gute Nachricht ist die bessere”.

Ich bin bei Facebook in einer geschlossenen Frauengruppe, wo man sich austauscht, Tipps gibt, Jobs vermittelt – ich habe schon drei Auftraggeber darüber kennengelernt, für zwei arbeite ich immer noch – und noch andere Dinge bespricht. Vorgestern ist was echt Kurioses passiert. Da schreibt eine Dame, sie habe im Donaupark das Geldbörsel einer Frau xy gefunden und ob die hier in der Gruppe vielleicht jemand kennt, dann würde sie ihr die Börse (mitsamt allen möglichen Karten) gern persönlich geben. Die Gruppe hat 10.000 Mitglieder, nicht wenig, aber das ist doch sehr unwahrscheinlich, da jemanden zu finden, oder??? Aber: Frau xy wohnt tatsächlich in meinem Haus! Ich kenne ja die meisten Leute hier beim Namen, weil ich ja für alle Pakete übernehme. Harhar.

Ich schreibe also der Finderin das und sie gibt mir ihre Telefonnummer und bittet mich, sie an Frau xy weiterzugeben, damit sich die zwei kurzschließen können. Da ist es allerdings schon 22 Uhr. Ich überlege. Frau xy wohnt einen Stock über mir und hat zwei Kleinkinder. Sie wird sich irre freuen, dass ihr Geldbörsel aufgetaucht ist, sie wird sich aber auch irre ärgern, wenn ich bei ihr anläute und die Kinder aufwecke. Trotzdem wird sie sicher besser schlafen, wenn sie die Nachricht bekommt. Hm. Ich entwerfe einen Text mit Erläuterungen und der Telefonnummer und dann verlasse ich meine Wohnung, schließe die Tür und versuche, den Zettel durch den Spalt unten durchzuschieben, so Mac Gyver-mäßig quasi probeweise. Geht nicht. Also versuche ich, den Zettel seitlich beim Türspalt durchzudrücken. Geht zuerst auch nicht, aber dann klappt es doch. Gottseidank kommt keiner vorbei und sieht mein eigenartiges Tun.

Ich gehe also hinauf, zufrieden mit meiner Idee und zuversichtlich, dass die Durchführung klappt, aber als ich vor der Türe von Frau xy stehe, denk ich mir, ich probiere es mal old school mit Klopfen. Wird sie wahrscheinlich nicht hören, weil sie mutmasslich beim Zubettgehen der Kinder eingeschlafen ist, aber ein Versuch schadet nicht. Und tatsächlich – mein dezentes, aber doch halbwegs lautes Klopfen scheint gehört zu werden, ihr Mann öffnet die Tür. Er schaut eventuell auch etwas verschlafen aus, aber als ich ihm die Sachlage erkläre, wieso ich hier um diese Uhrzeit an seine Tür klopfe, erscheint ein breites Grinsen. Hurra, alles geklärt, alle happy.

P.S – Das habe ich bekommen:

Ferien, eins

Nach eineinhalb Jahren Abstinenz war ich nun zum ersten Mal wieder im Kino.

Natürlich lag das einerseits an Corona, auch wenn zwischendurch die Kinos wieder offen waren, es wurden wenige Filme produziert. Andererseits ist mir aber auch ein bisschen das Interesse abhanden gekommen, so wie sich vieles gewandelt hat, in den letzten Monaten. Jedenfalls wollte der Teenie Black Widow sehen. Also waren wir mit seiner Freundin und Anhang (Mutter, Bruder), mit denen wir schon seit Volksschulzeiten Dinge unternehmen in der SCN. Interessanterweise ist mir die SCN früher immer extrem leer vorgekommen, jetzt hab ich mir gedacht, es ist eh ganz gut besucht harhar. Zuerst waren wir asiatisch essen (alleine im Lokal), dann haben wir uns noch für den Film verpflegt und offenbar vergessen, wie unfassbar groß (und teuer) ein großes Popcorn im Kino ist. Aber was solls, zur Feier des Tages. Da ich Popcorn nicht mag, hab ich mir Maltesters (genauso teuer) gekauft. Und Superheldenfilme sind jetzt auch nicht mein Lieblingsgenre, aber dennoch hab ich mich gefreut, als es im Saal dunkel wurde und man wieder dieses typische “Kinofeeling” erleben konnte.

Der Film selbst war – interessant. Also interessant vor allem, dass durch die Bank hochkarätige Schauspieler gecastet wurden, um dann wenig Dialog zu haben. Da wären Scarlett Johanson (2x Oscar nominiert) und Florence Pugh (1x Oscarnominiert) in den Hauptrollen und Rachel Weiz (1x nominiert, 1 x Oscargewinnerin) und William Hurt (4 mal Oscarnominiert) in Nebenrollen. Nicht, dass der Oscar jetzt das Maß aller Dinge wäre, aber in der Regel wird man für Charakterrollen nominiert. Mit der Besetzung von vielen SchauspielerInnen, die für Charakterrollen bekannt sind, erhebt man einen Marvel Film über seinen eigentlichen Status. Der Film hätte eine ganz andere Aura, wenn man ihn mit B-DarstellerInnen besetzt hätte. Zwar gibt es – wie gesagt – nicht extrem viele Dialoge, aber in denen zeigt sich die mimische Qualität; dass die Actionszenen technisch gut sind, sei auch angemerkt. Also es war schon ganz unterhaltsam

Beim Heimgehen sind der Teenie und ich an der Kultursommer-Veranstaltung im Mühlschüttelpark vorbeigegangen. Da traten gerade Raw Cat und Miss BunPun auf mit “Pussy Power”. Und so hörte es sich auch an. Harhar. Der Teenie: “Also das ist doch eine Familienveranstaltung, was singen die da?” Ich: “Interessiert es dich nicht, wie oft am Tag sie es sich macht?” Harhar. Na ja, ganz überzeugt hat mich diese Veranstaltung jetzt so nebenbei konsumiert auch nicht, muss ich zugeben.

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Am Freitag hatte ich meine erste Videokonferenz. Ich bin very late to the party, nach fast einem Jahr Pandemie, ich musste mir erstmal eine Webcam organisieren. Und dann gab es einen Online-Kinoabend, wo ich mit Freunden gemeinsam zuerst einen Netflix Film schaute – alle starteten damit zur gleichen Zeit – und danach trafen wir uns zu einer Online-Cocktailstunde. Der Film war Neues aus der Welt – so etwas wie Papermoon im wilden Westen und war sehr nett, die Cocktailstunde danach sowieso.

Außerdem hab ich mir angewöhnt, jetzt Bücher, die ich lesen mag, einzeln im Donauzentrum zu bestellen und sie dann per pedes – übers Donaufeld spazierend – abholen zu gehen. Das ist aus mehreren Gründen erfreulich: erstens neue Bücher, zweitens ungefähr einstündiger Spaziergang, drittens im Donauzentrum kann man auch Brötchen als Wegzehrung mitnehmen. Corona und Lockdown haben meiner generellen Verfressenheit nicht unbedingt Einhalt geboten, deshalb tun mir einstündige Spaziergänge ganz gut.

Meine letzte literarische Entdeckung ist Meg Wolitzer. Sie schreibt unheimlich gut und zu den Themen, die mich interessieren: Partnerschaft, Beziehungen, Frauen, Gesellschaft, Literatur. Vielleicht am bekanntesten hierzulande ist das Buch Die Ehefrau (The Wife), das vor einigen Jahren mit Glenn Close in der Hauptrolle verfilmt worden ist. Close war damals heiße Oscar-Anwärterin, zum siebenten Mal nominiert und noch ohne Auszeichnung, doch der Preis ging dann an Olivia Colman, die zum ersten Mal nominiert war. Aber Colman hat das eh recht lieb gemanagt und zu Glenn Close gesagt: “You have been my idol for so long and this is not how I wanted it to be.” So, jetzt ist wieder der Oscar-Nerd mit mir durchgegangen. Na ja, jedenfalls muss ich mir den Film dann auch anschauen, denk ich, wenn ich mit dem Buch fertig bin.

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Jetzt war ich wieder mal im Donaufeld spazieren, bzw. bin einmal “auf die andere Seite” einkaufen gegangen; sehr mysteriöse Wetterstimmung:

Sonst tut sich nicht viel, wie sonst auch meistens im Jänner und dann noch Jänner UND Lockdown. Auf Netflix wird jetzt Dawson’s Creek angeboten und ich musste einfach reinschauen, wie diese Teenie-Serie mit den manierierten Dialogen heute auf mich wirkt. Nachdem die Serie ja immer schon ironisch rezipiert werden konnte, ist sie ganz gut gealtert.

Und ich lese gerade Sie hat Bock von Katja Lewina, die sich in vielen Essays die Frage stellt, wie sexistisch ist unser Sex. Angeregt von der #metoo Bewegung, denkt Lewina u.a. darüber nach, wie selbstbestimmt frau beim Sex sein kann, wie sehr sie sich nach (männnlichen) Bewertungsmaßstäben taxieren lassen muss, und wieviel offene Beziehung eine Partnerschaft verträgt. Laut Lewina viel. Damit tue ich mir ja schwer, also ich finde es interessant, mich damit zu beschäftigen und hab auch kein (moralisches) Problem damit, nur für mich ist es halt nichts. Aber gut, muss ja auch nicht.

Subtile Botschaft in der Bücherei-Auslage.

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Am Wochenende waren wir in der Gegend spazieren.

Wien sieht derzeit andauernd so aus:

Grau, nieselig, dunkel – im Grunde wirds gar nicht hell den ganzen Tag. Wenigstens ist es nicht übermäßig kalt. Und die alte Donau ist immer oder gerade auch bei so einer Wetterlage sehr fotogen. Ein bisschen hat es stellenweise sogar nach Venedig und der Lagune gerochen.

An der unteren alten Donau gibt es sogar zwei Lokale, die Punsch ausschenken. Natürlich ohne Alkohol und man muss den Punsch 50 Meter vom Lokal weg konsumieren, aber es war doch ein Stückchen Normalität, am Beeren- bzw. Orangenpunsch zu nippen. Der Teenie hat sogar eine Currywurst gegessen.

Übermorgen geht irgendeine Art von Alltag wieder los, mit Homeschooling und so, wie lang wissen wir nicht, weil es auch die Regierung nicht weiß. Schon interessant, wie sich alles in den letzten Monaten verändert hat.

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Wenn man der Nachbarin, die mit Maske anläutet, Spagetthi borgt bzw. eigentlich schenken will, weil sie erst nach Fertigstellung des Sugos gesehen hat, dass sie keine Nudeln mehr hat ….

…liegt dann sowas vor der Haustüre. Hab mich schon sehr gefreut!

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Ich sag wie es ist: die letzten Tage konnte ich mich schwer dazu motiveren, vom Sofa aufzustehen und in die Gänge zu kommen. Nach dem Aufstehen hätt ich mich am liebsten gleich wieder hingelegt. Ich war so erschöpft von allem und absolut unmotiviert. Ich, die ich an normalen Tagen locker an die 10.000 Schritte gehe, schaffte es grade mal zum Billa.

Gestern hat mir dann L. geschrieben, ob ich Lust hätte auf Coffee und Croissant to go und Plaudern. Und das war heute – an dem sonnigen und in der Sonne sehr milden Vormittag genau das richtige. Ich bin endlich wieder rausgegangen und dann haben wir im Wasserpark unsere Runden gezogen und das hat sehr gut getan. Zum Schluss konnten wir sogar eine Viertelstunde in der Sonne sitzen.

Und hier ein paar Fotos, mögen sie euch eure Stimmung heben. Copyright: L.M.

Und am Schluss noch ein Foto von mir

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Ich hab eigentlich keine geistigen und emotionalen Kapazitäten mehr für die US-Wahl. Zuviele andere Themen.

Aber weil wir es gerade eh nicht so lustig haben, ein wirklich amüsanter Tweet, der daran erinnert, dass Al Gore fast einmal Floridsdorf gewonnen hat:

Gestern hab ich noch eine wirklich gut gemachte Doku über Donald Trump und Joe Biden gesehen – ihre Lebensläufe sind ja denkbar unterschiedlich, erklären aber ganz gut ihr Auftreten und ihr “Mindset”. Trump hat sich – aufgrund einer dysfunktionalen Familienstruktur – Bestätigung und Zuwendung immer von außen holen müssen und liebte es von Kindheit an, sich mit anderen zu messen. Selbst mit seiner ersten Frau Ivana trat er in einen Konkurrenzkampf, wenn sie ihm zu erfolgreich wurde. Wenn sie allerdings Misserfolge zu verzeichnen hatte, ertrug er das aber auch schlecht.

Bidens Leben hingegen ist von schweren Schicksalsschlägen geprägt. So starb seine erste Frau und seine einjährige Tochter 1972 bei einem Autounfall und er wurde zum allererziehenden Vater von zwei Söhnen. 2015 schließlich starb sein ältester Sohn an einem Gehirntumor. Was ihn zum empathischen Redner, beispielsweise auf dem Begräbnis eines erschossenen Polizisten machte. Er wird aber auch als jemand charakterisiert, der nicht immer für geglückte Formulierungen bekannt war; ich wusste zum Beispiel nicht mehr, dass er Barack Obama anfangs folgendermaßen charakterisierte: “I mean, you got the first mainstream African-American who is articulate and bright and clean and a nice-looking guy. ” Dass er später dessen Vizepräsident wurde zeigt aber, dass mit dieser Aussage das letzte Wort nicht geprochen war.