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Movie Challenge #day1

Auf Instagram gibts gerade eine 10 days movie Challenge und ich hab mir gedacht, ich verlege das auf den Blog, dann kriege ich hier auch in der Vorweihnachszeit etwas Traffic zusammen.

Die Aufgabenstellung lautet: Post for 10 days a picture of a movie that made an impact on you. No explanation allowed. #tendaysmoviechallenge #day1

Dann kann das fröhliche raten und sich inspirieren lassen ja beginnen. Wer mitmachen will, fühlt euch nominiert.

Neues von Twitter

Auf Twitter gibt es einen neuen Trend unter (Mama)Bloggerinnen: das Thema Nachhaltigkeit. Das heißt, ressourcenschonend leben, Abfall vermeiden, usw. Dagegen kann man ansich ja nichts haben, allerdings wird hier – ähnlich wie bei den allgemeinen Mama-Streitthemen – oft so radikal argumentiert, dass ein gewisser Druck entsteht, der sich dann wieder in einer Gegen-Offensive entlädt.

Auf der einen Seite gibt es also die Nachhaltigkeitsverfechterinnen, die nahe an der Selbstgeiselung argumentieren, und dann liest man drei Tage später von jemanden, der die (zuvielen) Süßigkeiten für die Kinder wegschmeißt, weil sich die Kinder sonst überfressen. Da geht es mir dann, wie bei vielen anderen Fragen, oft so, dass ich mir denke, wieso gibt es keinen Mittelweg? Wieso muss man sich gefühlt immer für ein Extrem entscheiden? Mich stößt der Dogmatismus der einen Seite ab, aber ich finde es ehrlich auch schockierend, wenn jemand Essen wegwirft, mit dem Argument, vor Weihnachten hat eh jeder viel zuviel davon. Ich denke mal, nicht jeder hat zuviel davon. Wenn man es nicht dem Kindergarten oder der Schule für irgendwelche Feste anbieten will oder kann, dann anderen karitativen Organisationen oder zumindest dem Bettler auf der Straße, der vielleicht auf der Suche nach Essbarem ist?

Anderer Twitter Aufreger: Der Oscar Host für zwei Tage, Kevin Hart. Hart hätte im kommenden März den Event eigentlich moderieren sollen, wurde dann aber geshitstormt, weil er sich Homosexuellen-feindlich geäußert hatte. Ok, da war wieder die Frage, er ist ein Comedian und was läuft da alles unter Überzeichnung und Unterwanderung von political correctness, auf satirische Art und Weise. Tatsächlich hat Hart allerdings nicht (nur) in seinen Programmen zweifelhaftes von sich gegeben, sondern eben auch getweetet, dass er seinem Sohn was auch immer auf den Kopf schlagen würde, würde es ihm einfallen, mit dem Puppenhaus seiner Töchter zu spielen (und somit, im Umkehrschluss ?? – schwul zu sein/werden).

Im Aufdröseln dieser schiefen Optik hat sich Hart jetzt auch nicht unbedingt als sonderlich talentiert erwiesen, in dem er erst seine alten Tweets löschte und dann argumentierte, man solle ihn so nehmen wie er ist: “I am almost 40 years old and I am in love with the man I am becoming.” Was einen Journalisten von The Verge zu folgender brillianten Analyse gebracht hat: “Apparently, in Hart’s world, it’s ok for a man to love a man — as long as that man is yourself.” Harhar.

Na ja, jedenfalls ist Hart dann doch zurückgetreten und nun haben wir Mitte Dezember und es gibt keinen Oscar Host. Ich will ja nichts sagen, aber da suchen die Veranstalter schon monatelang, wählen jemand aus, der nach zwei Tagen zu Fall gebracht wird (bzw. durch einen gewissen “Tatbestand” werden kann) und Plan B gibt es offensichtlich auch nicht. Twitter schlägt übrigens eine Frau vor. Melissa Mc Carthy zum Beispiel, die dieses Jahr sogar gute Chancen hat, (wieder) nominiert zu werden.

Die Stadt ohne Juden

Gestern hab ich in der Urania eine Aufführung der vollständigen Fassung von Die Stadt ohne Juden gesehen.

Der Film, entstanden 1924, ist die Realisierung der gleichnamigen Buchvorlage von Hugo Bettauer aus dem Jahr 1922. Die Filmaufnahmen waren zum Teil verschollen, und eine vollständige Kopie wurde erst 2015 (sic!) auf einem Pariser Flohmarkt durch einen Sammler gefunden. Die Fassung wurde vom Filmarchiv Austria restauriert und nun in der Urania präsentiert. Der Film wurde musikalisch untermalt, allerdings nicht so retro wie ich mir das vorgestellt hatte, nämlich mit einem Klavierspieler, sondern eher so Soundcollagen-mäßig mit zahlreichen zeitgenössischen Bezügen (u.a. Schnipsel aus einer Rede gegen die Afd, usw.) – was qualitativ als “Geschmackssache” bewertet werden kann.

Worum geht es also im Film, der oft als prophetisch in Bezug auf das Schicksal der jüdischen Bevölkerung in Europa bezeichnet wurde. In der fiktiven Stadt Utopia (die allerdings wie Wien aussieht, dort wurde auch gedreht) herrscht eine Wirtschaftskrise. Der Bundeskanzler entschließt sich daraufhin – weniger aus ideologischen, vielmehr aus scheinbar pragmatischen Gründen – alle Juden des Landes zu verweisen, um so quasi alle Probleme zu lösen. Bei der Bevölkerung löst das gemischte Gefühle aus, Familien werden auseinandergerissen, Liebespaare entzweit, manche versprechen sich allerdings auch steigenden Wohlstand. Allerdings ist das Gegenteil der Fall: Utopia verspießert quasi, jegliche Kultur, Eleganz und letztendlich auch wirtschaftliches Geschick scheinen sich gemeinsam mit der jüdischen Bevölkerung verabschiedet zu haben…

Der Kinosaal (noch) ohne Zuschauer

Den Stummfilm (mit Zwischentiteln) empfand ich als sehr kurzweilig, er liefert einigen Stoff zum Nachdenken. Bei den Szenen, die die Juden bei der Ausreise aus Utopia (nach “Zion”) zeigen, muss man schlucken, weil die Aufnahmen sehr, zu sehr den Deportationen in der NS-Zeit ähneln. Tatsächlich werden im Film die Juden (und versus auch die Christen), aber auch sehr klischeehaft dargestellt, was dem Film auch einige Kritik einbrachte; ob der Film eine satirische Lesart zulässt bzw. einfordert oder nicht, ist ebenfalls eine Frage, die sich stellt.

Manches fand ich amüsant, etwas als der Bundeskanzler die jüdische Bevölkerung als jene beschreibt, die dafür bekannt sind Theaterstücke zu schreiben; als darauf der christliche Teil seiner Zuhörer sich wehrt und meint “Wir schreiben auch Theaterstücke”, entgegnet der Bundeskanzler: “Ja, aber sie werden nicht aufgeführt.” Auch die Auftritte von Hans Moser als antisemtischen Parlamentarier, bieten einen Vorgeschmack auf den Hans Moser, den man als raunzenden Ur-Typ des grantigen Wieners in späteren (Nachkriegs)filmen kennt. Interessant ist, dass Moser, der hier einen regelrechten Judenhasser spielt, sich später weigerte, sich von seiner jüdischen Frau scheiden zu lassen und wohl nur aufgrund seiner Popularität keine großen Repressalien zu spüren bekam, während Johannes Riemann, der die jüdische Hauptrolle im Film spielte, später der NSDAP beitrat.

Die Stadt ohne Juden ist – trotz aller möglichen Kontroversen – ein zeitloser Denkanstoß in Sachen Politik, Propaganda und Schwarz/Weiß Denken.

A Star is born

Die Award Season hat Fahrt aufgenommen und nun hatte A Star is Born Vorpremiere.

Es handelt sich dabei um das 3. Remake eines Filmes von 1937. Frührere Remakes waren 1954 eine Musical-Version mit Judy Garland und 1976 eine Rockversion mit Barbra Streisand und Kris Kristofferson. Für die 2018-er Version hat Bradley Cooper Regie geführt (sein Debüt), er spielt auch die männliche Hauptrolle neben Lady Gaga.

Das ist schon eine recht spannende Prämisse. Cooper (bisher viermal Oscar nominiert), der in Silver Linings Playbook bereits getanzt hat, singt hier und Lady Gaga, die für ihre Performance in der Serie American Horror Story einen Golden Globe bekommen hat, schauspielt erneut. Gewisse Parallelen zu ihrem echten Leben sind wohl nicht auszuschließen.

Ich finde den Trailer sehr beeindruckend:

 

Die Geschichte – alternder Rockstar bringt junge, unsichere Sängerin groß raus, während er selbst zu Straucheln beginnt – ist spannend. Die beiden Hauptdarsteller sind super, Cooper war großartig in Silver Linings, witzig in Hangover und souverän im “Kraut und Rüben” Machwerk von David O Russel American Hustle; und Gaga kann hier zeigen, dass sie ihre Nemesis Madonna zumindest in schauspielerischer Hinsicht weit überflügelt. Und, dass sie keine großartigen Verkleidungen und Alter Egos braucht, sondern auch natürlich aussehend große Präsenz hat.

Die Kritiken sind sehr gut, bis euphorisch. MaryAnn Johanson von Flickfilospher etwa schreibt: “A perfect movie in all ways”. Filmkritiker Sean Burns twittert:

Und ein Freund von mir, der alles, was auch nur im entferntesten die Bezeichnung Hype trägt meidet wie der Teufel das Weihwasser schrieb mir unlängst: “Ich fürchte, ich finde A Star is Born interessant.” Ja ich auch, und wie!

Kino in der SCN

Oida, was geht mit dir SCN?

Gestern haben wir den Geburtstag vom Kind mit der besten Schulfreundin und ihrem Bruder gefeiert. Gedacht war, dass wir in der SCN zum Mc Donald’s mittagessen gehen und dann ins Kino. Weil das Essen dort ja nicht rasend lange dauert, haben wir uns nur eine Stunde vor Filmstart getroffen, um dann festzustellen, dass der Mäci dort nur jeden ersten Sonntag im Monat (??) geöffnet hat, und das auch nur sechs Stunden.

Ok, na gut, einen Stock weiter oben gibt es eine Pizzeria. Die übrigens erst um 13 Uhr aufmacht, aber ok, es war ja eins. Wir setzen uns hin, kommt der Kellner und fragt uns, ob wir etwa was essen wollen. Äh ja? Na zum Essen gibt es am Sonntag nichts. Okaaay, weil…? Sohalt. Na ja, gottseidank gab es noch einen Asiaten gegenüber, der sowohl offen hatte, als auch Essen anbietet. Übrigens sehr gutes. Ich hatte ein bisschen Sorge, ob wir alles gut in einer Stunde schaffen würden, aber aufgrund einer Art göttlicher Eingebung hatte ich die Kinokarten bereits online gekauft, also würden wir keine Zeit an der Kasse verlieren.

Während des Essens musste ein Kind aufs WC. Das WC war geschlossen. Grumpf. Aber das WC vorm Kino gsd nicht. Vorm Kino gabs genau noch einen Eistee im Getränkeautomaten. Ich weiß nicht, welchen Plan die SCN verfolgt, aber er scheint mir nicht besonders kundenfreundlich zu sein. Allerdings hat die SCN natürlich das Manko, das am wenigsten attraktivste Einkaufszentrum in/um Transdanubien zu sein. Denn im Gegensatz zur Millenium City oder dem Donauplexx liegt es nicht nur nicht an einer Ubahnstation, man muss von der Straßenbahn auch noch relativ weit zu Fuß in einer wenigen attraktiven Gegend (mehrere Ausfallstraßen treffen aufeinander) gehen. Dafür müsste man an sich keine Kinokarten reservieren, weil eh immer genug frei ist.

Der Film (Die Unglaublichen, 2) war übrigens ziemlich lustig. Familienvater Bob lässt diesmal seiner Frau den Vortritt, was Heldentaten betrifft, und kümmert sich – ganz emanzipiert – um die drei Kinder, darunter ein Baby. Zuerst tut er so, als hätte er alles im Griff, nach einigen Tagen ist er aber so fertig und grau im Gesicht, dass sich die Eltern im Kinosaal echt super wiedererkannten und lauter lachten als die Kinder. Und seine Verzweiflung darüber, dass “sie die Mathematik verändert haben” (weil die Rechenwege andere sind) fand ich auch köstlich.

Die Unglaublichen 2 besteht übrigens auch locker den Bechdel-Test.

Award Season Kickoff

Mit dem Filmfestival in Venedig im Spätsommer wird die Film-Award Season tradtionell eröffnet.

Der Eröffnungsfilm war dieses Jahr First Man von Damien Chazelle – sein Nachfolgefilm zu La La Land und sein erster Film, in dem Musik keine Hauptrolle spielt; vielmehr geht es um Neil Armstrong und seine Mondmission.

Der Film hat sehr wohlwollendes Feedback erhalten, was ihn auf alle Fälle zu einem Oscarkandidaten macht, es sei denn, es gibt einen Skandal. Wie das zb in jüngster Vergangenheit Nate Parkers Birth of a Nation passiert ist; ein Film, der ebenfalls euphorische Kritken erhalten – doch dann wurden Vergewaltigungsvorwürfe gegen Parker laut und der Film ging sang und klanglos unter.

Als ich also gestern auf Twitter las, dass First Man sich auch einer Kontroverse ausgesetzt sieht, dachte ich schon, oje, was hat Chazelle denn gemacht? Ich dachte an #metoo oder an irgendwelche rassistischen Äußerungen. Aber es ist ganz anders: Chazelle wird kirtisiert, weil First Man anti-amerikanisch ist und zwar deswegen, weil im Film die Szene fehlt, in dem Neil Armstrong die amerikansiche Flagge am Mond befestigt.

Dazu hat Filmkritiker Sam Adams eigentlich schon alles gesagt, was es dazu zu sagen gibt:

Ich habe spontan an den Film No Country for old man der Coen-Brüder denken müssen. Die Coens lassen den Showdown des Filmes (ich will nicht spoilern, aber es ist quasi der Höhepunkt einer Konfrontation) einfach abseits passieren. Man sieht was vorher und was nachher passiert, ist aber als Zuschauer abwesend, in dieser Situation. Es ist so, als würde man aufs WC gehen und derweil wird das entscheidende Tor bei einer Fußball-WM geschossen.

Wieso machen Künstler das? Weil sie etwas tun wollen, was den Zsuchauererwartungen zuwiderläuft, weil sie die Perspektive wechseln wollen, weil sie Dinge anders darstellen wollen, als das gemeinhin gemacht wird. Das ist ja eigentlich auch das Spannende an der Kunst, dass sie uns überrascht, provoziert und zum Nachdenken herausfordert. Und ohne den Film gesehen zu haben: Chazelle wird seine Gründe gehabt haben, diese Szene nicht in den Film aufzunehmen.

Summer thoughts, eins

Wie man Sommerferien des Kindes, Arbeiten, eigene Freizeit und Bloggen unter einen Hut kriegt, kann ich nicht beantworten. Ich schaffe es nämlich nicht, daher ist es hier etwas ruhig geworden.

Heute hab ich aber doch mal etwas Zeit übrig und kann mich mit den Themen beschäftigen, die mir in den letzten Wochen durch den Kopf gegangen sind. Zum Beispiel wird es bei der kommenden Oscar-Verleihung anscheinend eine neue Kategorie geben, die da heißt “Best popular film” (oder so ähnlich). Ich muss sagen, es ist auch eine Kunst, etwas einzuführen, was wirklich alle gleichermaßen ankotzt harhar. Ich habe in den Social Media keine einzigen Kommentar gelesen, der diese Entwicklung positiv sieht, das höchste der Gefühle war sinngemäß sowas wie “na ja, wird man auch überleben.”

Tatsächlich aber muss man sich fragen, was ist ein populärer Film eigentlich genau? Muss der eine bestimme Summe einspielen? Und welchen Anspruch muss so ein populärer Film darüber hinaus noch haben, um oscarwürdig zu sein? Und ist der Film dann auch in der Kategorie “Best Film” allgemein zugelassen oder dezitiert nicht? Und waren Filme wie Titanic oder Lord of the Rings – beide bekanntermaßen mit Oscars überhäuft – etwa keine Publikumsmagneten? Würden diese beiden Filme ab 2019 etwa nur noch in der Populär-Schiene laufen? Schon klar, Kunst ist etwas sehr subjektives und Kunst zu beurteilen und zu vergleichen war immer schon schwierig, aber die Einführung einer solchen neuen Auszeichnung wird das Dilemma wahrscheinlich nicht kleiner machen.

Auf Twitter schrieb der Filmkritiker Mark Harris: “There is already an award for popular films. It’s called money.” Und da hat er eigentlich recht.

Lady Bird

Gestern hab ich Lady Bird im Wiener Admiral Kino gesehen, das Regie-Debut von Greta Gerwig, das für fünf Oscars nominiert war – für den besten Film, beste Hauptdarstellerin/Nebendarstellerin, Regie und Drehbuch und leider nichts gewonnen hat. Dafür zwei Globes.

Ich mag Greta Gerwig sehr gern, wie könnte man nicht, sie lebt quasi den Traum. Sie hat diese nerdig-hippe Aura, ist eine großartige Komikerin, sie schreibt schräge Drehbücher und jetzt ist sie auch noch Regisseurin. Dabei wirkt sie so bescheiden und bodenständig, fast ein bisschen zurückhaltend, wenn man sie auf solchen Großveranstaltungen wie den Oscars oder den Golden Globes sieht. Dabei ist sie erst die fünfte Frau überhaupt, die für einen Regie-Oscar nominiert wurde.

Lady Bird ist so was wie ein semi-autobiografische Coming of Age Geschichte. Im Mittelpunkt der Handlung steht die 17-jährige Christine “Lady Bird” Mc Pherson (Saoirse Ronan), die eine katholische High School im kalifornischen Sacramento besucht. Als sie im Rahmen einer Audition für ein Musical vom Pfarrer gefragt wird, ob Lady Bird ihr “given name” ist, sagt sie: “Yes, I gave it to myself, it’s given to me, by me”, was schon recht viel über ihre Persönlichkeit aussagt. Lady Bird fühlt sich als Künstlerin, sie möchte nach dem Abschluß auf ein College an der Ostküste gehen, was aufgrund der finanziell mehr als prekären Situation ihrer Familie quasi ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint. In diesen turbulenten Zeiten macht sie auch ihre ersten Erfahrungen mit Liebe und Sex…

 

Lady Bird hätte nun ein lakonischer, etwas flapsiger Film übers Erwachsenwerden einer jungen Frau werden können, wie man solche Filme ja durchaus kennt. Ein paar Witzchen hier, etwas harmloses Drama da, quasi auf dem Reißbrett. So leicht hat es sich Greta Gerwig allerdings nicht gemacht, denn an der Oberfläche zu bleiben ist ihre Sache nicht. Lady Bird ist deshalb eine authentische, differenzierte Betrachtung eines Erwachsenwerdens in einer Familie geworden, in der jeder seinen eigenen Kampf führt, der – so hart er auch manchmal sein mag –  niemanden bitter oder ungerecht macht; höchstens etwas zynisch.

Laurie Metcalf, bekannt als Schwester von Roseanne in der gleichnamigen Sitcom, spielt hier als Mutter im Dauerkonflikt mit ihrer Tochter quasi die Rolle ihres Lebens; was überrascht ist, dass die anderen Darsteller ihr gegenüber nicht abfallen, die Ensambleleistung ist erstaunlich, wobei mein heimlicher Liebling Lady Birds Vater (Tracy Letts) ist, ein sehr ruhiger, besonnener Mensch, von ihrer Mutter dafür kritisiert, immer “der Nette” sein zu wollen, während sie, die Mutter, den “Bad cop” spielen muss. Einmal fährt er Lady Bird zur Schule und sie hören Hand in my Pocket und Lady Bird fragt “Do you know, Alanis Morissette wrote this song in only ten minutes”, und er antwortet recht trocken: “I belive it.”

Wenn man solche Dialoge mag und sich für kleine, warmherzige Geschichten, die vor allem vom menschlich-sein erzählen, interessiert, dann sollte man diesen Film unbedingt in Betracht ziehen. Und man sollte Greta Gerwig wohl im Auge behalten. Das Hollywood-Kino braucht einen weiblichen Blickwinkel, das hat es sich selbst im Zuge von #metoo und Co attestiert, und Gerwigs Debütfilm ist ein vielversprechender Anfang einer vielleicht großen Karriere.

My Fair Lady, zwei

Jetzt hab ich mich eingehender mit der Film-Version des Musicals beschäftigt und das ist durchaus interessant. Wenn man sich überlegt, wie kultig der Film ist, ist es erstaunlich, wieviel “Pfusch” im Vorfeld und auch bei der Produktion passiert ist.

Es fängt damit an, dass Audrey Hepburn für viele als Fehlbesetzung galt, so etwa auch für “Higgins”. Hauptdarsteller Rex Harrison wollte eigentlich – wie in der Bühnenversion, in der er Erfolge feierte – mit Julie Andrews spielen, aber die war den Produzenten zu unbekannt für einen Film dieser (finanziellen) Größenordung. Harrison kritisierte, dass Eliza Doolittle ja aus der Gosse kam, und sich in Ballsälen wie ein kompletter Fremdkörper fühlen musste, aber: “Audrey has never spent a day in her life out of European ballrooms” Hepburn selbst war mit Julie Andrews befreundet und wollte ihr die Rolle nicht wegnehmen, erst als die Produzenten ihr sagten, dass Andrews auch nicht besetzt werden würde, wenn sie absagt, sondern sie dann Elisabeth Taylor fragen würden, stimmte sie zu.

Rex Harrison selber war übrigens auch nicht fix, er sähe zu alt für Hepburn aus, fanden die Produzenten. Stattdessen wurde die Rolle u.a. Cary Grant angeboten, der genaugenommen sogar noch vier Jahre älter ist. Grant meinte aber, seine natürliche Sprache käme eher der von Eliza gleich als der von Prof. Higgins. Er lehnte also ab und sagte außerdem, wenn jemand anderer als Rex Harrison die Rolle spielen würde, würde er sich nicht mal den Film ansehen.

Dann die Singerei: Harrison kann genaugenommen nicht wirklich singen, er sprechgesangt sich quasi durch den Film. Hepburn wiederum hat extra monatelanges Gesangstraining genommen, um dann im letzten Moment zu erfahren, dass jemand anders an ihrer Stelle den Großteil des Parts singen wird, und sie nur die Lippen bewegen soll. Was sie ziemlich gekränkt haben dürfte. Das Ganze kam schlecht an, weil noch die Kontroverse um die Nicht-Besetzung von Andrews in aller Munde war; letztendlich wurde Hepburn für diese Rolle auch nicht für den Oscar nominiert. Was schon ein Statement ist, da sowohl der Hauptdarsteller, als auch die Nebendarsteller (Elizas Vater übrigens der einzige unter den Hauptdarstellern, der tatsächlich selbst sang, Higgins Mutter) nominiert waren. Harrison hat schließlich den Oscar gewonnen und als er einmal gefragt wurde, wer seine Lieblingspartnerin überhaupt gewesen sei, antworte er mit “Audrey Hepburn in My Fair Lady”. Es wird vermutet, dass das nur britische Höflichkeit war (oder ganz perfide gedacht: Ironie)

Eines ist allerdings auch erstaunlich: Rex Harrison, der spätere Oscarpreisträger und quasi DER Higgins, bekam für seine Rolle damals 250.000 Dollar, während Hepburn 1 Million bekam. Das ist schon bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass heute die Frauen in Hollywood oft um gleiche Bezahlung wie die Männer kämpfen müssen, selbst wenn sie unangefochten die Hauptrolle spielen.

My Fair Lady

Am Wochenende hab ich mit meiner Mama My Fair Lady gesehen. Ich kenne das 60ziger Jahre Musical natürlich, aber es ist ewig her, dass ich es gesehen haben und eigentlich hab ich mich nur an die Szene mit “Es grünt so grünt” erinnern können.

Wenn man den Film mit 40 plus Lebensjahren sieht, ist natürlich einiges daran zum Haare raufen. Das Pygmalion-Motiv, auf dem dieser Musical-Film fußt, ist ja bekannt; Henry Higgins (Rex Harrison), ein Mann in den besten Jahren, Junggeselle und Sprachforscher, trifft zufällig die Blumenverkäuferin Eliza (Audrey Hepburn), quasi “aus der Gosse”, die auch so spricht und macht es sich, gemeinsam mit seinem Kumpel Pickering (auch Phonetiker), zum Ziel, ihr in sechs Monaten ein so perfektes Englisch zu verpassen, dass sie in der vornehmen englischen Gesellschaft als ihresgleichen akzeptiert wird.

Higgins, der ja eigentlich ein britischer Gentleman sein sollte, verhält sich zu Eliza teilweise extrem unhöflich und sogar misogyn. Seine Haushälterin fängt an, Eliza zu verteidigen und bei Pickerton meldet sich zumindest sowas wie ein väterlicher Schutzinstikt. Eliza selbst ist aber kein Opfer, im Laufe der Handlung gewinnt sie die Oberhand und am Ende “blattelt” sie Higgins natürlich auf – allerdings fragt man sich schon ein bisschen: was will sie eigentlich von ihm? Sie ist 21, er ist Mitte 50 und eigentlich ein arroganter Arsch; nur das einnehmende Wesen des Schauspielers Harrison bewahrt einen davor, ihn als Zuschauer komplett zu verachten.

Der Film ist aber als ganzes schon sehr interessant. Über weite Strecken eine relativ konservative Musical-Verfilmung seiner Zeit (1964), fällt die Szene in Ascot – wo Higgins, Pickering und Eliza das Pferderennen besuchen – komplett aus dem Rahmen.

Besonders der Teil, wo die Hauptfiguren noch nicht anwesend sind und die feine Gesellschaft dargestellt wird. Die Männer in grau, die Frauen in schwarz weiß, wie sie sich bewegen, ihr ganzes Auftreten ist spooky, so künstlich-überhöht, dass es mich mich spontan total an die Ästhetik von A Clockwork Orange (1971) von Stanley Kubrick erinnnert; ja das ist natürlich eine ganz andere Baustelle, das Kubrick Werk ist ziemlich brutal und voller Ambivalenzen, aber My Fair Lady ist, zumindest bei der Betrachtung der “oberen Zehntausend”, durchaus auch sehr gesellschaftskritisch…

Wenn man ein bisschen danach googelt, finden sich noch ein paar Verrückte, die ebenfalls Parallelen zwischen den beiden Filmen sehen, also bin ich zumindest nicht ganz alleine damit.