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Dare to dream – Österreich

Ich bereue es ein bisschen, dass ich kein Reaction Video von meinem Kind gemacht habe, als ich ihm Paenda mit Limits vorgespielt habe.

Das war eine relativ krasse Reaktion oder in anderen Worten: oft sind Kinder ganz gute Gradmesser dafür, was beim ESC funktioniert und was nicht und insofern würde ich mir jetzt keine allzu großen Chancen für Paenda ausrechnen.

Ich finde, das Problem des Songs ist, dass er sehr interessant anfängt und sie auch unbestritten eine tolle Stimme hat, aber das Lied ist eher ein langes Intro, irgendwie kommt dann nichts mehr nach. Was irgendwie schade ist, Paenda war ja auch im Merci Cherie Podcast zu Gast und kam da sehr sympathisch und interessant rüber. Sie produziert sich ja selbst und macht alles: von Instrumente einspielen, Lyrics, Komponieren – das ist schon beeindruckend, weil sie eine Künstlerin durch und durch ist, deren Begeisterung von der Sache durchaus ansteckend.

Nur die Songwahl gerade für diesen Bewerb…hm…

Dare to dream – die Niederlande

Auch die Niederlande haben eine semi-erfolgreiche ESC Bilanz zu bieten. Dreimal haben sie den Bewerb gewonnen, in letzter Zeit allerdings haben sie oft nicht mal den Einzug ins Finale geschafft. Große Ausnahme ist 2014 – da haben sie, übrigens hinter Conchita, den zweiten Platz geholt und mit Calm after the storm auch einen beachtlichen kommerziellen Erfolg erzielt.

Wenn man Marco Schreuder glaubt, dann sehen wir heuer die Niederlande als Sieger des Bewerbes.

Darüber bin ich mir jetzt zwar noch nicht im klaren, dazu hab ich mich noch zu wenig in die Konkurrenz eingehört, dass Duncan Laurence mit Arcade allerdings einen wunderschönen Gänsehaut Song in den Bewerb bringt, das kann ich aber bestätigen.

Sehr melancholisch, ohne kitschig oder platt zu sein, geht irgendwie total unter die Haut, obwohl oder gerade weil er eher Understatement als protzen mit seinen Vorzügen betreibt.

Schön!

Dare to dream – die Schweiz

Jetzt sind ja bereits alle teilnehmenden Songs für den diesjährigen ESC klar. Wer abgesehen von Italien noch gute Chancen haben dürfte, vorne zu landen, ist – erstaunlicherweise muss man sagen – die Schweiz.

Die Schweiz ja eine sehr wechselvolle ESC Geschichte. Sie haben zwar gleich den allerersten ESC 1956 mit Lys Assia gewonnen, aber dann nur noch einmal, wenn auch sehr prominent nämlich mit Celine Dion und das war auch bereits 1988.

Danach kamen doch einige Songs die etwas, nun ja, gewöhnungsbedürftig waren. Grissemann bezeichnete 1998 etwa den Song Lass ihn als “absolute Frechheit”. Die Punktevergabe – 0 (in Worten: null) – gab ihm jetzt vielleicht nicht komplett unrecht. Die Sängerin Gunvor fragte in ihrem Song übrigens: “Tut es nicht weh?” Und Grissemann/Stermann damals: “Oh doch, es tut sehr weh.” Harhar.

Ab 2007 hat die Schweiz es nur ganze zweimal ins Finale geschafft. Dieses Jahr sollte es mit dem DSDS Sieger Luca Hänni kein Problem darstellen. Die “Rampensau” – (c) Alkis im Merci Cherie Podcast – ist ein begabter Selbstdarsteller, der bereits mit Helene Fischer aufgetreten ist und daher auch einem breiterem Publikum bekannt sein dürfte. Der Song selbst She got me ist ein totaler Ohrwurm. Marco Schreuder meinte im Podcast, dass der zwar am Reißbrett entstanden ist und mit jeder Zeile einen anderen Markt bedient (mit der Erwähnung von Dirty Dancing auch die 40 plus Zuhörer harhar, würde ich anmerken), aber dass der Song dennoch ziemlich viel Spaß macht.

Sollte für die Top 10 locker reichen, eventuell sogar Top 5.

Italien beim ESC

Nachdem Marco Schreuder über das unterschätzte Land Italien beim ESC gesprochen hat, ein paar Gedanken dazu.

Erstmal: er hat sicher recht. Man denke an Lieder wie Volare, Magic oh Magic, Gente di mare, Ciao Ciao bambina – die alle beim Songcontest ins Rennen gingen und nicht gewonnen haben. Tatsächlich hat Italien den Bewerb genauso oft gewonnen wie Österreich, nämlich (erst) zweimal: 1964 Gigliola Cinquetti mit Non ho l’eta und 1990 Toto Cotugno mit Insieme: 1992. Dazu muss man natürlich auch anmerken, dass Italien immer wieder mal auf eine Teilnahme am ESC verzichtet hat, am längsten durchgehend von 1998 bis 2010.

1997 waren sie mit dem Duo Jalisse, das Fiumi di paroli performte – was Grissemann und Stermann als “Buchstabensuppe” übersetzten – Vierter geworden und bei der Rückkehr mit Raphael Gualazzi sogar gleich Zweiter. Und das war auch der Beginn einer Reihe von italienischer Teilnahmesongs, die was Genre, Bühnenshow, Songcharakter und Message betraf, gar nicht unterschiedlicher hätten sein können. Gualazzi war 2010 mit Madness of love ziemlich jazzig und hat sich selbst am Klavier begleitet. Marco Mengoni lieferte 2013 mit L’essentiale eine total schlichte, aber doch zeitlos- schöne Ballade, bei der man sich sofort eine Pizza Tonno und ein Glas Chianti bestellen möchte.

2014 sang Emma Marrone rockig und etwas avantgardistisch über ihre Stadt La mia citta. Ein Song übrigens, den das Kind liebte, der aber auf der großen Bühne leider sehr unvorteilhaft rüberkam und in der Wertung unverdienterweise leider sehr abgeschlagen weit hinten landete. Ich mag das leicht rotzige an der Nummer immer noch. 2015 dann in Wien kompletter Stilwechsel und die drei Belcanto-Interpreten (wie sie sich selbst bezeichnen) von Il Volo, die einen Song über die Liebe – nämlich Grande Amore – und nichts als die Liebe schmetterten. Die Stadthalle bebte (ich war live dabei) und sie wurden letztendlich Dritte. Ich hatte dann eine zeitlang einen richtigen Il Volo Crush und es ist mir nicht peinlich, nein harhar.

2017 ein toller intellektueller Popsong, schon alleine der Titel Occidentalis Karma ist super sophisticated. Da gehts gleich mal um Hamlet und “un gruppo selfisti anonimi” Ich hab damals eine ESC Party initiiert, die unter dem Motto “Schauen wir Italien beim Siegen zu” stand, aber auch Francesco Gabbiani schaffte es auch nicht und wurde 6. Meiner Meinung war das Staging nicht optimal und auch dieser Song funktionierte auf der Bühne nicht so gut wie im Radio. Und schließlich voriges Jahr Meta und Moro mit Non mi avete fatto niente. Wie ich kürzlich schrieb, ein Protestsong im Sprechgesang-Stil. Ich fand den Song gut, hatte aber Zweifel, ob die Eindringlichkeit der Lyrics, die ja eben Italienisch waren, auf die breite Masse überspringen würde. Und das passierte tatsächlich: Sie wurden 5.

Und heuer? Also Matteo Salvini gefällt es schon mal nicht, dass jemand namens Mahmood über Geld singt – oder wie Marco Schreuder sagte, hätte seine Mutter ihn Alessandro genannt, wäre alles in Ordnung. Wobei: im Text kommt sogar der Ramadan vor – wenn auch von Fastenbrecher-Seite gesehen (Champagner während des Ramadans). Anyway: Ein total interessanter Song, meiner Meinung nach, der ganz sicher wieder zu den Favoriten zählen wird.

Wer jetzt neugierig geworden ist:

Pre-ESC, zwei

Am Freitag, Weltfrauentag, wurde der österreichische Song für den diesjährigen Songcontest vorgestellt. Er heißt Limits und wird von der Künstlerin Paenda interpretiert. Paenda hat eine gute Stimme, die Kurzumfrage via whatsapp im Freundeskreis zeigt aber verhaltende Reaktionen. Der Song ist schon ziemlich unspektakulär, oder wie ein Freund es formulierte: “Limit (sic!) ist wahrscheinlich das Halbfinale.”

Gestern hab ich dann auch noch den neuen, zweiten Merci Cherie Podcast gehört, der auch wieder sehr interessant war. Marco und Alkis haben u.a über All time Favoriten gesprochen – Marco Schreuder sieht Italien als am meisten unterschätzte Teilnehmerland an – und auch darüber, welche Songs sie vom letzten ESC noch auf der Playliste haben. Alkis hört immer noch Netta mit Toy und Marco Schreuder Equinox mit Bones.

Schreuder mag zwar Netta, hört das privat aber nicht. Alkis fragt ihn dann: “Wäre Fuego (wurde 2018 Zweiter, Anm. der Almi) besser?” Schreuder: “Zum Staubsaugen.” Harhar.

Ich habe selbst höre übrigens drei Songs vom letzten ESC immer noch regelmäßig auf Spotify und das ist tatsächlich Fuego, Toy UND Non mi avete fatto niente – der italiensche Beitrag, ein kraftvoller und eindringlicher Protestsong, mit der unsterbliche Zeile: ” E non esiste bomba pacifista” (Es gibt keine friedliche Bomben).

Im übrigen bin ich froh über das diesjährige Song Contest Motto “Dare to dream”. Letztes Jahr war es ja “All aboard” und ich wirklich jedes Mal stattdessen ABROAD gelesen.

Pre-ESC

Auf Facebook hab ich den tollen neuen Song Contest Podcast von Song Contest Aficinado und Standard Kommentator Marco Schreuder entdeckt.

Die erste Folge beschäftigt sich damit, wie man den “richtigen” Song Contest Sieger Song findet und wie man sich denken kann, wird diese Frage nicht wirklich beantwortet, weil sonst hätte man ja das ultimative Erfolgsrezept. Und das gibts nicht. Selbst die Frage was wichtiger ist, Radiotauglichkeit oder Performance, kann nicht abschließend geklärt werden. Denn war beispielsweise der 2017 Sieger, Salvador Sobral, ganz eindeutig ein Bühnenact, kann man das über die Siegerin von 2018, Netta, gar nicht sagen. Ich mag den Song Toy, aber auf der Bühne hat er meines Erachtens sowas von nicht funktioniert, weshalb ich gar nicht mit dem Sieg gerechnet hätte.

Podcast-Gast Eberhard Forcher, seit einigen Jahren Mitverantwortlicher für den österreichischen Kandidaten/Kandidatin, beschreibt, dass der Siegerkontext in einen Gesamtkontext passen muss. Und auch den Zeitgeist treffen muss, ein super Beispiel war dafür ja damals Conchita Wurst. Und sowas kann man halt nicht planen. Forcher ist jedenfalls persönlich wichtig, dass der Starter tatsächlich sich mit dem ESC identifiziert und dafür brennt – und nicht nur so eine “schauen wir mal” – Attitüde hat.

Er erzählt auch viel über die Auswahl der heurigen Kandidatin Paenda, die ja die (sich selbst) sehr gehypte Hyäne Fischer, dann doch noch ausgestochen hat. Laut Forcher war der Song nicht stark genug.

Für die Neigungsgruppe Song Contest jedenfalls eine äußerst interessante Podcast Idee, die in den nächsten Wochen sicherlich noch einige spannende Hintergrund-Infos bieten wird.

Hyäne Fischer

Das Kunstprojekt Hyäne Fischer will 2019 mit Im Rausch der Zeit zum Song Contest fahren. Nach Tel Aviv übrigens.

Ein Freund hat dazu einen Text von Christian Schachinger gepostet, in dem er im Standard für Fischer wirbt. Ich glaube zumindest, dass das Schachingers Ziel ist, weil wie bei vielen seinen Texten, steig ich nach der zweiten Zeile aus, weil sie so verschwurbelt geschrieben ist. Ich bekomme ehrlich gesagt Kopfschmerzen von seinen Texten. Oder wie besagter Freund sehr passend schrieb: Schachinger leidet offenbar an sekundärem Analphabetismus. Harhar.

Hyäne Fischer lukriert sich anscheinend aus der Burschenschaft Hysteria, einem feministschen Projekt, dass quasi durch subversive Imitation der Gepflogenheiten von Burschenschaften über diese lustig macht und sie kritisch unterwandert. Man muss also sehr oft um die Ecke denken, wenn man Im Rausch der Zeit hört und vor allem das dazupassende Video sieht. Das Video orientiert sich – sagen wir es mal vorsichtig – an einer gewissen Leni Riefenstahl Ästehtik. Vier Frauen in Loden gekleidet, die auf einem Berg stehen, da muss man sich schon sehr anstrengen, nicht an Eva Braun und den Berghof zu denken. Was wahrscheinlich aber auch das Ziel ist. Nochmal zur Erinnerung: Der Song Contest wird in Israel stattfinden.

Ich weiß jetzt eigentlich nicht so genau, was ich von diesem Beitrag, der sich selbst recht offensiv als Kandidat anbietet, halten soll. Was ja prinzipiell bei Kunst immer interessant ist, wenn man sie nicht genau einordnen kann und etwas fragend davor steht. Aber irgendwie widerstrebt mir das ganze auch. Na ja, mal sehen.

Flames und Sia

So, ich hab jetzt meinen Sommerhit 2018 gefunden, zufällig im Autoradio, weil ich im Sommer mehr Auto fahre und damit auch Radio höre.

Er stammt von Sia und wir erinnern uns an alles, was wir an Sia so extrem cool finden. Zunächst mal, dass sie Breathe me geschrieben hat, der allerletzte Song der Serie Six Feet Under und wie wir wissen, die die Serie großartig, aber am großartigsten sind die letzten sieben Minuten mit eben diesem Song. Ich muss immer noch jedesmal weinen, wenn ich mir das Finale ansehe, weshalb ich das nicht sehr oft mache. Harhar.

Die Musikerin Sia ist eigentlich recht eigenwillig und extravagant in ihrem Habitus, sie gibt ihren Songs und Alben interessante Namen wie beispielsweise Some People have real Problems oder 1000 Forms of Fear. Sie hat eine durchaus brüchige Biografie wenn man das so nennen will (Suchtprobleme, Selbstzerstörungstendenzen, Schicksalschläge), aber auch eine unverwechselbare Stimme, macht dabei eingängige, aber nicht unanspruchsvolle Pop-Songs. Quasi die Königsdisziplin. Außerdem schreibt sie Songs für andere nicht ganz unbekannte SängerInnen wie Rihanna, Katy Perry, Kanye West oder auch Marco Mengoni – wie sie zu diesem Ex-Songconteststarter für Italien (L’Essentiale – 2013) gekommen ist, würd mich ja auch interessieren.

In den letzten Jahren mochte ich Chandelier sehr gerne (das dazu passende Video ist eines der am meisten geklickten auf Youtube) oder erst kürzlich Cheap Thrills. Und jetzt hat sich Sia also, wie schon ein paar mal zuvor, mit David Guetta zusammengetan und einen neuen Hit produziert, oder wie ein Kritiker sehr zutreffend schreibt: “Guetta showcases his skills in providing a massive pop-house hybrid ready to take over the radio stations all over the world, offering a perfect foundation to Sia’s distinctly powerful and unique voice.” Das ist so eine herrliche Formulierung, die den Song wirklich auf den Punkt bringt.

Ich höre den jetzt sooft, dass das Kind gerade reinkam und mit leichtem Vorwurf in der Stimme meinte: “Musst du immer wieder dasselbe Lied hören?” Ich fürchte ja, noch eine kleine Weile.

Plagiat

Vor ein, zwei Wochen geisterte die Meldung herum, das diesjährige ESC Siegerlied sei ein Plagiat von — und als ich das las, dachte ich, jetzt kommt sicher eine unbekannte Band, deren Song tatsächlich voll ähnlich wie Toy von Netta klingt. Aber — festhalten bitte, es geht um die White Stripes und Seven Nation Army.

Ähm, na ja ok, mal probehören, also das:

…klingt ähnlich wie das

Warum sind wir da um Himmels Willen nicht früher draufgekommen? Harhar.

Pro-Tipp: wenn man erst eine musikwissenschaftliche Expertise braucht, um in einem Song ein Plagiat zu vermuten, ist es vielleicht nicht so ganz offensichtlich. Ich hab eh nie mehr was davon gehört, aber sollte das als Plagiat durchgehen, kann man gleich bei anderen ESC Siegerliedern weitermachen, zb. Heroes von Mans Zelmerlöw versus David Guetta (Lovers on the Sun), das habe sogar ich als Laie ziemliche Assoziationen gehabt und zwar bevor ich etwas in den Medien drüber gelesen habe.

All Aboard, fünf

Es ist schon erstaunlich, wie schnell es bisweilen geht, dass die Realität die Satire überholt.

2014 hat Österreich den Song Contest mit Conchita Wurst gewonnen und was haben wir uns alle gebrüstet weltoffen und tolerant zu sein. Ein paar Tage später wurden die Festwochen Plakate aufgehängt, auf denen nackte Menschen mit beiden Geschlechtsmerkmalen zu sehen waren, und schon waren wir wieder ganz die alten. Ich hab damals eh was dazu gebloggt.

2018 gewinnt die Israelin Netta den ESC mit einem Lied, in dem sie mit Männern hart ins Gericht geht, die sie aufgrund ihrer Figur und Andersartigkeit verachten. Und man denkt sich: ja eh, aber ist das wirklich noch so ein großes Thema, ich mein, wir schreiben 2018? Und ein paar Tage später die eindrucksvolle Antwort von Thomas Chorherr, 85-jähriger Ex Chefredakteur und Ex-Herausgeber der Presse. Ebendort setzt er einen Kommentar ab, der in seiner Gesamtheit etwas wirr und konstruiert erscheint – was hat der Wiener Stephansdom mit Nettas Sieg beim Song Contest zu tun, aber soll sein – im Detail aber vor allem eines ist: extrem bösartig und gemein. Wer sich den ganzen Text antun will, hier bitte.

Chorherr mag Netta und ihr Lied nicht, das ist selbstverständlich sein gutes Recht. Was aber nicht mehr geht im Jahr 2018, ist folgende Wortwahl, getarnt als “Meinung”:

“Sie war hässlich. Sie war dick. Sie war jenseits aller Ideen zuwider. Sie war abgrundtief schiach.”

Nein, nein, nein, einfach nur nein. Abgesehen davon, dass es extrem subjektiv ist was man schön findet, ist es kränkend und beleidigend und absolut letztklassig, eine Person so zu bewerten und zu beschreiben. Inhaltliche Kritik jederzeit. Aber das nein. Und nein, Netta hat es nicht verdient (wie manche meinen), weil sie selbst ja auch Männer basht. Netta hat einen Song geschrieben, sie hat sich künstlerisch ausgedrückt, nicht mit Samthandschuhen, nicht subtil, nein. Aber sie hat niemand persönlich beleidigt oder angegriffen; hier teilt sie übrigens ihr Schicksal ein bisschen mit Thomas Bernhard, dem man seine Rollenprosa auch bitter übel genommen hat und diese als Argument gesehen hat, ihn persönlich anzugreifen.

Dass Chorherr, quasi in einem Aufwaschen, sich auch darüber wundert, dass Österreich einen “Farbigen” zum ESC schickt, ist da sozusagen nur noch konsequent, in der Kategorie: jenseits von Gut und Böse.

Edition F. hat sich übrigens zur Causa auch so ihre Gedanken gemacht, und das hier sollte man wirklich lesen.