almis personal blog

ESC 22

Endlich hat sich Italien dazu bequemt, die Stadt zu nennen, in der sie nÀchstes Jahr beabsichtigen den ESC auszutragen und es ist:

In Turin war ich sogar schon mal, auf dem Weg von einer Reise durch die Schweiz nach Monaco (es war nicht der billigste Urlaub meines Lebens…) Ich hab irgendwie gar keine Erinnerungen daran, außer, dass ich bei einer Pizzeria eine Viertelstunde vor dem WC warten musste, keine Ahnung, was das bedeutet, dass mir sonst nichts dazu einfĂ€llt, es ist sicher eine schöne Stadt.

Die Semifinali werden am 10. und 12. Mai stattfinden, das Grand Finale dann am 14. Mai 2022.

Vent’ anni

Apropos kein ESC Content mehr: K. will mit mir aufs Maneskin Konzert gehen, wenn sie mal nach Wien kommen.

Ist wohl so ein MittvierzigerInnen Ding. Wir hören uns jetzt an, wie die ZwanzigjĂ€hrigen die Welt sehen, unsere Söhne sind ja auch (halbwegs) bald zwanzig, also vent’ anni. Anscheinend sind die ZwanzigjĂ€hrigen von heute viel weiter als wir damals waren oder zumindest als ich war. Sie sagen, sorry, dass wir Drama machen, aber wir sind halt gerade 20. Und wir wollen, dass mehr von uns ĂŒberbleibt als nur Geld. Sie entschuldigen sich fĂŒr alles mögliche im voraus, und wollen denen die Farben zeigen, die nur schwarz und weiß sehen. Sie sagen: WĂ€hle Liebe oder Diamanten, wĂ€hle DĂ€monen oder Heilige! Und sie haben jetzt schon einen ausgewachsenen Weltschmerz, dafĂŒr musste ich erst vierzig werden, ehrlich.

K. will ihr Italienisch auffrischen. Die anderen wollen Italienisch lernen. Ich habe sogar in Italienisch maturiert, aber komplizierte Texte strengen mich ziemlich an. Ach ja und ich mag diese Tupfenbluse, die der Schlagzeuger im Video trÀgt.

Zitti e buoni

Italien hat es also tatsÀchlich geschafft, den ESC zu gewinnen. Das Voting war so spannend, ich hab fast einen Herzinfarkt bekommen.

Ich freue mich sehr, nicht zuletzt deshalb, weil das 2022 vielleicht wieder einen chaotisch-liebenswerten Bewerb in Rom gibt, wie damals 1991. Aber Spaß beseite: Dass ein Song, der derart wild, unangepasst und ja, auch strange ist gewinnen kann, hĂ€tte ich mir nicht vorstellen können. Zumal in einem Genre, das nicht gerade zu den beliebtesten in der Songcontest Geschichte zĂ€hlt. Aber so richtig an Genregrenzen hĂ€lt sich Zitti e buoni ja jetzt auch nicht unbedingt.

Im Vorfeld haben viele Menschen gesagt: Ja, der Song ist schon gut, auch QualitĂ€tsmusik, aber gewinnen wird das nicht. Das polarisiert zu sehr. Andererseits sagt Marco Schreuder immer wieder gerne, dass polarisierende Songs oft gute Chancen haben, weil man nur FÜR einen Song anrufen kann und nicht dagegen. Und wenn man alleine an jĂŒngere Siegerlieder wie 1944 oder Amor pelos dois denkt (wo ich im Vorfeld gefĂŒhlt die Einzige war, die das gut fand), dann hat er vermutlich recht. Im Standard hat Schreuder einige ESC Aficionado befragt, was das Erfolgsrezept fĂŒr einen Gewinn ist und da wurden schon kluge Dinge gesagt, wie, dass es um das gewisse Etwas geht, dass es nicht mal besonders perfekt vorgetragen sein muss. Ich denke persönlich, man muss auch den Zeitgeist treffen. Und der lautet wohl 2021: “Sono fuori di testa – ma diverso da loro” Was ungefĂ€hr bedeutet: “Ich bin verrĂŒckt, aber anders als die anderen.”

In diesem Sinne: See you in Rome! (or Milano)

Gedanken vorm Finale

Also dafĂŒr, dass ich ursprĂŒnglich recht skeptisch dem italienischen Beitrag gegenĂŒberstand, bin ich jetzt fast schon ein glĂŒhender Fan. Weil das ist schon sehr großartig, was sie da auf die BĂŒhne stellen, sowohl musikalisch als auch vom Glam-Faktor her.

Ich glaube tatsĂ€chlich, dass es da am Samstag um den Sieg geht. GefĂ€hrlichste Konkurrentin sicher Barbara Pravi aus Frankreich, stark ist aber natĂŒrlich auch Malta und die Schweiz. Wobei die beiden letztgenannten m.E. etwas zu nah den den Gewinnern jeweils von 2018 und 2019 dran sind. Das Dark Horse ist mittlerweile sicherlich die Ukraine, die zwar den wohl verstörendsten, aber auch einen der interessantesten Auftritte hinlegt.

Weniger Chancen sehe ich nach den Live-Performances mittlerweile fĂŒr Litauen und Island, wobei zumindest die IslĂ€nder auch in den Top 10 landen werden. Top 10 vorstellbar ist fĂŒr mich defintiv auch San Marino, die schon eine sehr unterhaltsame Performance mit Flo Rida hinlegen, der offensichtlich ziemlich viel Spaß hat (oder es zumindest sehr gut vortĂ€uscht). Meiner Meinung nach könnte nach dem Semifinale jetzt auch Portugal ĂŒberraschend in den Top 10 auftauchen, was ich mir noch vor drei Tagen niemals hĂ€tte vorstellen können. Vermutlich schafft das auch Finnland, aber mit denen kann ich einfach leider trotzdem gar nichts anfangen.

Achja und weil heute ja auch in den Radiostationen all over Europe der besten Songcontest Song aller Zeiten gewĂ€hlt wird. Ich tippe auf Gewinnerin Loreen mit Euphoria. Nur fĂŒrs Protokoll.

Review 2. Semi

Tja, das war es dann wohl. Österreich hat es leider nicht geschafft, ins Finale am Samstag einzuziehen, obwohl Vincent Bueno m.E. einen wirklich guten und emotionalen Auftritt hingelegt hat, der mit einer tollen Lichtshow in Szene gesetzt wurde. Dass das mit dem Finale nichts wird, war mir beim Voting ziemlich schnell klar, nachdem gleich zu Beginn zwei LĂ€nder, die ich nicht weiter gesehen hĂ€tte, ihr Tickelt gelöst haben (Moldawien und Serbien).

Der Rest war eh erwartbar. Wobei mich speziell Portugal sehr positiv ĂŒberrascht hat. The Black Mamba mit Love is on my side – lange Zeit ziiiemlich weit hinten bei den Buchmachern – haben ein sehr stimmige Performance geliefert. Victorias Song Growing up is getting old kommt, wie schon mal erwĂ€hnt, 20 Jahre zu frĂŒh fĂŒr sie, hat aber irgendwie das gewisse Etwas, dem man sich nicht entziehen kann, auch wenn alles denkbar unspektakulĂ€r ist und Victoria eine der wenigen KĂŒnstlerInnen des diesjĂ€hrigen ESC ist, ĂŒber die man kaum etwas hört. Wenig Interviews, wenig “Buzz” rundheurm. Trotzdem seit Anbeginn bei den Buchmachern rund um Platz 5 gereiht.

Am frappierendsten fand ich gestern Tornike Kippianis Auftritt mit You. Wie schon Marco Schreuder in seinem Standard-Blog treffend beschrieben hat, weiß man nicht so richtig, wieso Herr Kippiani eigentlich beim ESC antritt, er scheint emotional nicht sehr beteiligt. Und der Song ist dermaßen langsam und ereignislos, dass man staunt oder wie Schreuder schreibt: “Und wenn man dann hofft, der Song möge sich steigern, setzt er sich erst mal hin.” Immerhin wurde der Song aber strategisch gĂŒnstig hinter Loco Loco von den Serbinnen platziert, weil danach brauchte man definitiv Erholung.

Was ich mich noch frage: Gjon’s Tears aus der Schweiz mochte ich von Anfang an, auch seine Live Performance ist gut, aber dieses Outfit! Warum?

Poor Iceland

Island hat ESC-technisch jetzt wirklich in allen Belangen die Arschkarte gezogen, ich kanns nicht anders sagen.

Letztes Jahr quasi schon fast der sichere Sieger mit Thinking about things, sogar mit persönlicher Empfehlung von Russell Crowe, dann wird der ESC abgesagt. Heuer dann ein neues Lied, das natĂŒrlich nicht mit dem Hype des vergangenen mithalten kann. Aber nach anfĂ€nglichen Irritationen arbeitet sich Island bei den Buchmachern nach vorne und steht derzeit auf Platz 6. Am Sonntag mussten sie in QuarantĂ€ne, weil jemand aus der Delegation positiv getestet wurde, aber das war ja bei anderen auch der Fall und hat sich dann als falsch positiv herausgestellt. Nicht so bei Island, noch schlimmer: jemand von der Band wurde gestern positiv getestet. Damit ist klar: DaĂ°i Freyr und seine Band werden nicht live auftreten können, weder gestern beim Durchgang fĂŒr die Jurywertung, noch heute beim zweiten Semifinale und auch nicht am Samstag beim Finale (ich gehe mal davon aus, dass sie ins Finale kommen werden).

Das ist wirklich richtig, richtig bitter. Trostpflaster zwar, dass sie trotzdem teilnehmen können, aber gerade eine Band wie DaĂ°i Freyr und GagnamagniĂ° leben von der Interaktion mit Fans, vom tatsĂ€chlichen live performen. Ich wĂŒnsche ihnen, dass sie einen guten Platz schaffen.

P.S Ich hab mir gestern die Juryshow “angeschaut” – also bei Wiwibloggs die kommentieren die Juryshow, und man hört nur die Musik, sieht aber nichts. Und da war die Performance von Island (Aufnahme vom 2. Rehearsal) wirklich gut.

P.P.S Ja, ich bin ein Nerd, der sich Juryshows ohne Bild anschaut.

Review 1. Semi

Gestern ging also das erste ESC Semifinale ĂŒber die BĂŒhne und es war wieder interessant zu sehen, dass die Songs auf so einer riesigen BĂŒhne mitunter dann ganz anders wirken als wenn man die reine Studioversion hört.

Beispiel Russland: Ich fand den Auftritt von Manizha sehr beeindruckend, obwohl ich nicht der allergrĂ¶ĂŸte Fan des Songs bin. Sehr sehr gut fand ich die Ukraine gestern, die ihren durchaus sperrigen Song Shum wirklich hervorragend in Szene gesetzt haben, visuell ganz stark! Langsam gewöhne ich mich auch an den Schreigesang. Und Belgien ist erfreulicherweise tatsĂ€chlich weiter, mit einer ĂŒberzeugenden stimmlichen Leistung der Hooverphonic SĂ€ngerin, einem intimen Setting mit Blair Witch Projekt artigen Einspielungen im Hintergrund.

Etwas verhungert ist m.E. Litauen mit Discoteque. Ich mag den Song wirklich gern, aber er verliert sich leider etwas auf der großen BĂŒhne. Aber Gott sei Dank trotzdem weiter.

Australien hat eindrucksvoll bewiesen, dass an der Live on Tape Performance im Nachhinein wirklich nichts mehr verĂ€ndert werden darf. Das waren wirklich sehr viele schiefe Töne. Auch bei Irland und was sollte diese ĂŒberladende hektische BĂŒhnenshow? Da hat man den Pfad des Videos leider komplett verlassen. Somit auch Irland raus. Ebenso wie das angebliche Dark Horse RumĂ€nien, wobei ich nie verstanden habe, was daran so sensationell ist, mir hat Roxens Song letztes Jahr wesentlich besser gefallen.

Fazit: Die Wertung geht fĂŒr mich in Ordnung.

Stand in

Heute ist das 1. ESC Semifinale – ich freue mich schon sehr.

Auch die Ukraine wird teilnehmen und mit ihrer weißer Gesang/ Rave / Apokalypse Nummer ganz sicher weiterkommen. Letzte Woche musste die SĂ€ngerin allerdings im 2. Rehearsal wegen UnpĂ€sslichkeit pausieren und in den Niederlanden wurde eine SĂ€ngerin gesucht, die einspringen kann – sonst gibts keine Probe. Das war nicht so leicht denn es musste eine SĂ€ngerin sein die a) ukrainisch kann, b) singen kann, c) weißen Gesang beherrscht, d) Zeit hatte. Diese wurde gefunden und hat die Sache ganz großartig gemacht, meiner Meinung nach. Ihre Stimme finde ich sogar angenehmer als die der Originalinterpretin Ă€hm.

Marco Schreuder hat auf seinem Standard Blog seine Tipps fĂŒr heute Abend gegeben. Ich hoffe sehr, dass Belgien weiterkommt, das wird aber nicht einfach.

ESC IZVC

FrĂŒher dachte man sich beim Songcontest um diese Zeit: Werden sich die Favoriten durchsetzen, wer hat die beste BĂŒhnenshow, wird jemand die Nerven wegschmeißen etc.

Beim ESC in Zeiten von Corona fragt man sich: welche Delegation geht als erste in QuarantĂ€ne? Nachdem sich die ukrainische SĂ€ngerin von Go_A Ende letzter Woche nicht wohlgefĂŒhlt hat, rechnete man schon mit ihnen, aber sie wurde negativ getestet und ist schon wieder fit. DafĂŒr hat es dann die polnische Delegation mitsamt Frontman Rafal erwischt und – wie gerade bekannt wurde, waren wohl RumĂ€nien, Island und Malta im selben Hotel oder so, weshalb alle diese nun erstmal nicht am tĂŒrkisen Teppich, der Eröffnungszeremonie am heutigen Sonntag, teilnehmen konnten.

Wie es jetzt weitergeht, wird man sehen, weil es tatsĂ€chlich noch keinen wirklich PCR Test bestĂ€tigten Fall gibt. Viel Zeit bleibt nicht mehr, Malta und RumĂ€nien sind schon am Dienstag beim ersten Semifinale dran. NatĂŒrlich gibt es von jedem Act auch ein Backup Tape, aber…