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Tag des Denkmals 19

Am Sonntag war – so wie jedes Jahr Ende September – der Tag des Denkmals in ganz Österreich. Wir haben uns wieder einiges dabei angesehen. Hier ein paar Fotos:

Vorbei am Karlsplatz…
Decke des Festsaals der Akademie der Wissenschafte
Aida Filiale im Habig Hof
Michaelerkirche, Führung durchs Savatorianerkolleg

Nicht im Bild: Mittagessen im Cafe Tirolerhof, die Sonne und ein Frappe genießen im Salettl Volksgarten (aka: “Ich muss erst schauen, ob wir noch Bananen haben, wir schließen morgen”), Jubelstimmung hören (Grüne), Katerstimmung sehen im SPÖ Zelt beim Burgtheater – weil: es war nicht nur Tag des Denkmals, sondern auch Wahlsonntag im Lande. Ein wunderbarer Tag – Disclaimer: Nicht zwingend wegen des Wahlergebnisses.

About last weekend

Das Wochenende begann mit einem architektonisch interessanten Ausflug mit dem Verein ÖGDO nach Wiener Neustadt …

Wiener Neustädter Dom

…wo wir allerhand zum Thema Gründungsgeschichte und Stadtplanung erfuhren. Wer glaubt, dass ich mich schon super auskenne in Sachen Architektur, weil ich sooft Ausflüge mache, den muss ich enttäuschen. Kann es sicher noch nicht mit Achitektur-Aficionado Brad Pitt aufnehmen. Im Anschluss an die Führung besuchten wir noch die Landesausstellung NÖ, Welt in Bewegung.

Stadtmauer

Anschließend gabs Mittagessen outdoor an diesem milden Spätsommertag am Hauptplatz, dann eine angenehme Rückfahrt nach Wien und einen groooßen Kaffee (siehe Münze zu Größenvergleichszwecken) im Cafe Schopenhauer.

Das war, rückblickend betrachtet, der relaxte Tag des Wochenendes.

Am Sonntag wollte das Kind mit dem Nachbarkind K Trampolinspringen gehen. An sich keine schlechte Idee. Wir setzten uns also in die Schnellbahn und fuhren ins Flip Lab Schwechat. Soweit alles easy, wir erreichten noch die vorgesehene Zeit, es war wenig los, die Kinder waren im Nu umgezogen. Es war fast schon zu unkompliziert. Ich sah ihnen ein wenig zu, dann surfte ich ein bisschen auf meinem Smartphone, doch nicht lange: plötzlich standen K. und ein Mitarbeiter des Flip Lab vor mir. K. teilte mir mit, dass sich mein Kind verletzt hatte, bei einem Vorwärtssalto auf die Lippe gebissen, es blutet. Ehrlich gesagt dachte ich mir nicht viel dabei, wir kennen das ja, wenn man sich mal in die Lippe gebissen hat, das ist ja oft nicht ganz so wild.

Dann wurde ich in den Waschraum geführt, wo ich dann das Kind sah. Er sah ungefähr so aus wie Joaquin Phonix als Joker (in Kürze im Kino), zu beiden Seiten des Mundes lief im das Blut in nicht gerade geringer Menge über das Gesicht, weiter auf Leiberl und Sporthose (beides auch schon relativ rot gefärbt). Da wurde mir dann ein bisschen anders. Der Flip Lab Mitarbeiter bot an, die Rettung zu rufen, ich bot meinem Kind an, uns ein bisschen hinzulegen. “Nein”, sagte das Kind, “mir ist nicht schlecht.” “Aber mir”, sagte ich, “und ich brauchte ein Alibi” – ich wollte in dieser Situation nicht unbedingt umkippen. Die Rettung kam recht schnell und weil wir in NÖ waren, brachte sie uns in halbwegs nahegelegenes Krankenhaus in NÖ. Die Kinder waren total begeistert davon, dass sie nun im Rettungswagen fahren durften (vor allem K., der vorne beim Fahrer sitzen sollte). Ich dachte nur hoffentlich wird mir nicht wieder schlecht.

Im KH kamen wir nach relativ kurzer Wartezeit bereits dran und die Ärztin meinte, diese Trampolinhallen sichern ihnen diverse Arbeitsplätze. Ich glaube, es war nur zum Teil ein Witz. Jedenfalls stellte sie fest, dass das Kind genäht werden musste. K. fand das super und als wir in den entsprechenden Raum geführt wurden, erklärte er dem Kind, was alles an OP-Besteck bereitgestellt war (“Wow, was für eine große Schere – und Nadeln”). Ich bat ihn um etwas weniger Mitteilungsfreudigkeit. Das Kind war jetzt relativ nervös und sagte das auch der Ärztin. Die Ärztin meinte trocken: “Ja, ich auch”, da mussten wir lachen. In der Lippe kann man nicht viel nähen, habe ich gelernt, daher reichte ein Stich, den das Kind, nach eigener Aussage nicht spürte. Die Ärztin: “Jetzt hab ich dich enttäuscht, soll ich sonst noch was machen?” Harhar. Gut zwei Stunden nach dem Unfall waren wir mit allem fertig und konnten wieder nachhause.

Fazit: Glimpflich ausgegangen – ein Glück, dass nicht mehr passiert ist. Auch wenn Tante Jolesch dazu gesagt hätte: “Gott schütze uns vor dem, was noch ein Glück ist.”

Open House 19

Jedes Jahr an einem Wochenende Mitte September findet Open House statt. An diesen zwei Tagen hat man Gelegenheit, Architekur zu sehen, die sind nicht öffentlich zugänglich ist. Jedes Jahr sind da sehr spannende Objekte zu besichtigen, diesmal 69 an der Zahl.

Natürlich kann man unmöglich alles schaffen, aber heuer hab ich immerhin acht Stationen besucht. Zuerst waren wir im Seelsorgezentrum Oberbaumgarten. Eine sehr moderne Kirche im Stahlbetonbau-Stil. Die Führung dort hat die Tochter des Architekten Georg Gsteu gemacht.

Das war, wenn man so will, schon eher was für Achitektur Insider. Danach ging es ins eher populäre Palais Esterhazy, was man auch an den Wartezeiten sehen konnte. Open House bietet übrigens einen Live Ticker über die Wartezeiten via app und Internet an, was durchaus hilfreich ist. Im Palais Esterhazy musste man aber immer mit ca. 20 Minuten Wartezeit rechnen.

Anschließend ging es zur Rossauer Kaserne, wo man die Kapelle innerhalb der Kaserne besichtigen konnte. Nicht ausschließlich den Angestellten dort vorbehalten, nach Anfrage kann man auch als Zivilperson an Messen teilnehmen. Der Altar ist ein Tisch, der auf Bücherstapeln ruht. Beeindruckend fand ich auch die Gestaltung der Decke.

Danach fuhren wir in den 15. Bezirk, zum ehemaligen Dorotheum. Nach einem Mittagessen – man kann schließlich nicht dauernd nur gehen – genossen wir vor allem den beeindruckenden Blick über Wien vom Dach. Oder sagen wir, ich als Architektur-Nackerpatzerl erfreute mich vor allem an diesem, den man sich auch redlich verdient hatte, nachdem man 7 Stöcke zu Fuß hinaufgestiegen ist.

Anschließend ging es in meinem Heimatbezirk Favoriten, und zwar ganz weit hinaus, nach Rothneusiedl, zum Haschahof. Das Wetter war bestens spätsommerlich und so war der Ausflug in diese schon ziemlich ländliche Gegend besonders stimmungsvoll. Ich fand den Hof, der ja auch vom Abriss bedroht war, sehr stimmungsvoll.

Nebenan fand dann eine Führung zur Schneckenzucht von Andreas Gugumuck statt, wo wir vor allem einiges zum Liebesleben der Schnecken erfuhren. Kosten wollte ich dann keine Schnecke und auch nicht den Schneckenschleim, der Anti Aging Wirkung haben soll, berühren, aber muss man ja auch nicht unbedingt.

Zum Abschluss des Tages ging es noch Eisessen. Da habe ich dann kein Foto mehr gemacht, weil Eis zu gierig verschlungen. Harhar.

Architekturwochenende, Teil 2

Der zweite Tag des Wochenendes startete mit einem gemütlichen Frühstück und einem Frühstücksgespräch mit einem Bürgermeister der Gegend. Anschließend machten wir einen Spaziergang zum Stift Geras, bevor es zum ersten Programmpukt ging, eine Weinverkostung in der Kellergasse von Platt. Ich mache mir nicht viel aus Wein/kenn mich nicht aus, aber es war dennoch stimmungsvoll, in diesem besonderen Ambiente:

Endlich lernte ich auch jemanden aus der Gruppe kennen, der genauso ahnungslos von Achitektur war wie ich. Es waren ja fast nur Architekten, Kunsthistoriker, Denkmalschützer und Aficionados ähnlicher Prägung dabei. Eigentlich war nach der Weinverkostung die Wildmühle in Retz geplant, wurde dann aber kurzfristig gecancelled. Und wer war darüber am meisten enttäuscht? Die Achitektur-Nackerpatzerl natürlich, also wir beide. Für alle anderen war das wahrscheinlich eh zu banal. Harhar.

Wir wurden aber durch den Besuch von zwei weiteren Schüttkästchen – in Drosendorf und Primmersdorf entschädigt. Die Besitzer hätten nicht unterschiedlicher sein können. Der Schüttkasten Drosendorf ist um ein vielfaches größer als der andere, und der Besitzer ist ein ehemaliger IT-Manager, der dort einfach alles aufbewahrt, an Materiellem, was ihm wichtig ist. Und das ist ganz schön viel. Hier der echt eindrucksvolle Schüttkasten, dramatisch in Szene gesetzt von einer Gewitterwolke, die Gott sei Dank nicht ernst machte:

Die Besitzerin der Miniaturausgabe dieses Schüttkastens, eine ehemalige Textildesignerin, war ganz anders drauf, der Schüttkasten Primmersdorf deshalb so gut wie leer, nur spärlich und geschmackvoll mit Bildern eingerichtet. Anschließend ging es zum Mittagessen nach Drosendorf. Wie immer bei der ganzen Reise waren wir etwas zu spät dran. Es war dennoch gemütlich und lustig.

Nach dem Essen kam die Sonne wieder zum Vorschein und wir fuhren nach Gars am Kamp, wo wir uns die Villa Gretel ansahen, die nach Skizzen des beürhmten Architekten Josef Hoffmann gebaut wurde. Es war wunderschön, bei angenehmen Wetter durch den weitläufigen Garten zu schlendern.

Dann kam für einige – auch für mich – das Highlight der ganzen Exkursion, die Besichtung von Schloss Buchberg, in Buchberg an der Kamp. Der Besitzer, Kunsthistoriker und Museumsentwickler Dieter Bogner, führte uns eine Stunde durch das malerische Gemäuer, dass er für Installationen von namhaften Künstlern nutzt. Faszinierend und magisch. Erfreulicherweise hat jemand, als wir uns eine Toninstallation im Innenhof anhörten, gesagt: “Schau, den Schwalben gefällt es auch.” Weil deswegen habe ich nach oben geschaut und dieses Foto gemacht:

Ich finde das Blau des Himmels, dass sich von dem alten Gemäuer abhebt, einfach atemberaubend.

Hier noch ein weiterer Innenhof des Schlosses:

Dann der vorletzte Programmpunkt: Baden im Flußbad Plank an der Kamp. Ok, gebadet haben nicht alle, auch ich nicht, wir haben Aperol Spritz getrunken, nach einem Glas war ich ziemlich betrunken (bei mir geht das recht schnell) und weiter gings zum Heurigen. Harhar. Erst bei der Anfahrt zu diesem begann es zu regnen, obwohl es ja den ganzen Tag schon angesagt war – so ein Glück!

Bei ziemlich interessanten Gesprächen und diversen Heurigenspezialitäten klang das Wochenende aus. Facebookseiten und Telefonummern wurden dann am Weg zurück nach Heilgenstadt auch noch ausgetauscht – schön, sehr schön wars!

Architekturwochenende, Teil 1

Jetzt war ich einige Tage am Meer und habe ein Architekturwochenende mit ORTE – Architekturnetzwerk NÖ hinter mir. Auch wenn ich eine der wenigen (ich glaube, wir waren zu zweit harhar) bei dieser Gruppen-Wochenendreise war, die eigentlich keine Ahnung von Architektur haben, war es ein eindrucksvolles und wunderbares Wochenende. Thema war Historisches NÖ – Wald und Weinviertel. Es war bereits die dritte Veranstaltung in dieser Reihe. Fachlich kann ich, wie erwähnt, wenig sagen, aber ich kann ein paar Fotos zeigen, von meinen persönlichen Highlights.

Gestartet haben wir in Ziersdof beim Konzerthaus, von dort ging es nach Fahndorf, wo wir das Haus eines Architektenehepaares (propeller z) auch innen besichtigen durften. So beeindruckend das Haus auch anzusehen war, abgesehen davon, dass ich eine gewisse Scheu verspürte, die Privaträume eines mir unbekannten Ehepaares zu betreten, war mir das alles auch etwas zu sehr Hipster; mir wäre es etwas zu gestylt zum Wohnen, es wird nichts dem Zufall überlassen, sowohl architektonisch wie auch athmosphärisch, und aber ich bin ja eben auch keine Architektin.

Der Blick ins Land ist jedenfalls sehr idyllisch:

Nach dem Besuch einer Getreidemühle, die von einem Ton-Raumkünstler als Atelier genutzt wird und dem Mittagessen im Sonnentor Restaurant in Sprögnitz, haben wir uns die Eisenbergerfabrik in Gmünd angesehen. Eigentümer Richard Pils ist ein origineller und engagierter Verleger, dem man eigentlich stundenlang zuhören könnte.

Während der Busfahrt haben wir – ausschnittsweise – einen echt deprimierenden Film von Nikolaus Geyrhalter gesehen Über die Jahre. Er erzählt über die Schließung der Anderlfabrik in Schrems, und begleitet einige der nunmehr Arbeitslosen auf der Sinnsuche nach dem Wegfall ihrer oft jahrzehntelangen Tätigkeit dort. Ja, das Thema ist nicht lustig, aber die Herangehensweise von Regisseur Geyrhalter an die Thematik macht die Sache nicht besser, im Gegenteil: Im Stil von Ulrich Seidl und Elisabeth T. Spira breitet sich eine allumfassende und schwer zu ertragende Tristesse beim Zuseher aus. Der tatsächlich Besuch bei dem mittlerweile sehr heruntergekommenen Fabriksbauten war dagegen fast heimelig und behaglich. Die (halb)verfallenden Bauten haben einen ganz eigenen Charme.

Zum Abschluss des Tages haben wir ein Baumhotel besucht, das sich Baumhaus Lodge Schrems nennt. Für eine Auszeit (ab 18 Jahren) kann man sich eines der Baumhäuser mieten und fernab der Zivilisation (naja more or less) in den Baumkronen longieren. Ganz billig ist es nicht, richtet sich aber auch an das Zielpublikum gestresste Urbanists-DINKs.

Das Abendessen wurde dann im Schüttkasten Geras eingenommen, wo wir auch übernachtet haben. Mir ist der Begriff Schüttkasten an diesem Wochenende das erste mal begegnet, es bedeutet Getreidespeicher. Davon gibt es einige in Niederösterreich (und am 2. Tag der Exkursion haben wir noch zwei besichtigt); oft ist die Frage “Erhalten ja, aber was macht man daraus?” Ein Hotel ist eben eine der möglichen Antworten darauf, ob die schlüssigste, ist jetzt nicht ganz zweifelsfrei zu sagen, denn den tatsächlichen Charakter riesiger Räume empfindet man bei einer Nutzung als Hotel natürlich nicht mehr, dazu kommen ziemlich winzige Fenster und somit wenig Licht/Ausblick, was für einen Getreidespeicher ja egal ist, für einen Hotelgast unter Umständen nicht.

Aber geschlafen hab ich nach diesem ereignisreichen Tag auf alle Fälle super, dort.

Ästhetisches in den Semesterferien

Die Semesterferien mit einem prä-pubertärden Kind, sind geprägt von Chillen und “seine Ruhe haben wollen.” Jetzt hat man sich mühsam, nach der Baby- und Kleinkind-Lehrzeit, drauf eingestellt, dauernd raus, dauernd unterwegs und für Abwechlsung sorgen zu müssen, dass das nun auch wieder etwas ungewohnt ist. Da ich aber rechtzeitig zu den Ferien auch ein dringendes Jobprojekt bekommen habe, war mir das dann nun auch nicht ganz so unrecht.

Ein bisschen was haben wir dann aber doch unternommen, wir haben uns die Koloman Moser Ausstellung im MAK angesehen. Das war ein Tipp im Ferienspiel Heft, da hätte es auch Extra Zeichen- und Malworkshops für Kinder gegeben. Nur nachdem das Kind überhaupt nicht gerne zeichnet oder malt, aber die Bruegel Schau – eine Exkursion mit der Zeichenlehrerin – gut fand, haben wir uns dafür als Programmpunkt entschieden.

Das MAK ist ja an sich schon ein sehr sehenswertes Gebäude, im Eingangsraum gibt es aktuell eine Installation mit Plastiksackerl, die sich immer wieder aufblasen, was das Kind recht faszinierend und auch hinterfragenswert gefunden hat. Ist Plastik nicht eigentlich umweltschädlich? Allerdings verwendet man es hier ja doch aus Kunstgründen, immerhin ein vernünftiger Nutzen. Sofern man l’art pour l’art als “nützlich” empfindet. Aber das ist eine philosophische Diskussion. Daran anknüpfend, fragte das Kind dann in den Ausstellungsräumen: “Mama, ist das ein richtiger Heizkörper oder ist das Kunst?”

Ich kann nicht behaupten, dass ich viel von Koloman Mosers Werk verstehe, aber ich mag den Stil und ich besuche Ausstellungen recht gerne, weil sie auf mich oft inspierend wirken. Anschließend gings dann noch zum Vapiano in Wien Mitte, wo dafür, dass gerade Ferien waren, erstaunlich viel los war.

Am Samstag war ich auf einer Geburtstagsfeier in der Villa Aurora eingeladen, hoch über Wien, auf dem Wilhelminenberg. Ich muss gestehen, ich war noch nie dort und kenne die Gegend generell sehr wenig. Bevor man sich aber nun denkt, wow, was für ein schönes Gebäude und den nächsten Besuch dort plant – leider schließt das Lokal mit 17.3. Allerdings offenbar deshalb, um zu renovieren und dann neu zu öffnen, wie jetzt in einem Zeitungsbericht zu lesen ist. Zuerst haben wir nämlich schon befürchtet, die Villa und die angrenzenden orginellen Gebäude wären abrissgefährdet, wenngleich das wegen der Bauordnungsnovelle, die im Sommer in Kraft getreten ist, nicht mehr so ohne weiteres möglich ist.

Jedenfalls wäre es schön, die Villa Aurora auch im Sommer einmal zu besuchen und den Garten zu genießen.

Österreichs gefährdetes Kulturerbe

Am kommenden Donnerstag wird im alten Rathaus ein sehr interessantes Buch präsentiert (unbezahlte Werbung), das ich mir gekauft und auch schon großteils gelesen habe.

Das Buch Österreichs gefährdetes Kulturerbe – verfasst von Wolfgang Burghart und Gerhard Hertenberger, und herausgegegeben von der Initative Denkmalschutz, die 2018 ihr 10 jähriges Bestehen feiert – beschäftigt sich, Nomen est Omen, mit gefährdeten Bauten in ganz Österreich. Das Buch gliedert sich, neben ausführlichen Vor- und Nachworten, dabei in vier große Bereiche: Gerettet – Gefährdet – Verändert – Verloren.

Anhand von 70 Beispielen wird aufgezeigt, wie zuweilen mit gefährdeten baulichen Kulturgütern umgegangen wird.

Dabei geht es um Immobilienspekulation und politisches Kalkül wie auch um Überlastung der Institutionen, die sich eigentlich um das bauliche Erbe des Landes kümmern sollte, dass man nur den Kopf schütteln mag, über so viel Kurzsichtigkeit und Ignoranz. Über komplett unnötige Abbrüche wertvolle Bauten zu lesen, die dann durch gesichtslose Architektur ersetzt werden, bei der es vor allem um Gewinnmaximierung geht, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Gerade in einem Land wie Österreich, das auch von seiner reichhaltigen Baukultur (touristisch) lebt, fasst man es kaum, wie sorglos Politik und Co. mit ihrer Verantwortung umgeht.

Thema sind allerdings auch Erfolgsgeschichten, in denen es Bürgerinitativen oder idealistischen Einzelpersonen bzw. Unternehmen gelungen ist, Abbrüche zu verhindern, oder zumindest zu minimieren, das heißt Bauten zumindest teilweise oder in (leicht) veränderter Form zu erhalten. Das sollte Motivation für die LeserInnen sein, sich selbst zu engagieren, das geht auch schon im kleinen, beispielsweise mit der Unterschrift von Petitionen – es ist nicht alles automaisch “sinnlos” und “eh schon verloren”. Manchmal muss sich die Politik bei Protesten sehr wohl beugen und ursprüngliche Pläne wieder aufgeben.

Ich bin jedenfalls gespannt auf die Präsentation des Buches, nähere Infos finden sich für alle jetzt Interessierten unter diesem Link.

In der Klimtvilla

Am Feiertag war ich abends in der Klimtvilla, beim Vortrag zum Thema “Das Drama von Immendorf”.

Dr. Andreas Lehne, früherer Leiter der Abteilung für Denkmalforschung im Bundesdenkmalamt, sprach zu diesem Thema und erzählte (mir) sehr viel neues, denn ich bin bei Klimt nicht gerade rasend gut bewandert.

Das Schloß Immendorf wurde von den Nazis 1942 als Depot zur Einlagerung von Kunstwerken – hauptsächlich beschlagnahmte Gemälde sogenannter entarteter Kunst benutzt. Durch einen gelegten Brand 1945 verbrannten 15 Werke von Klimt, darunter auch die skandalisierten Fakultätsbilder.

Mythen ranken sich um den Brand, etwa, ob die verbrannten Gemälde tatsächlich alle zu dieser Zeit noch im Schloß gelagert waren, ob manches eventuell schon vorher “mitgenommen” wurde und noch irgendwo existiert – aufgetaucht ist bisher allerdings nichts – wer den Brand tatsächlich gelegt haben könnte und ähnliches.

Nebenbei hab ich dann noch eine Enkel von Gustav Klimt kennengelernt und erfahren, dass die Klima-Villa vielleicht eventuell eher Klimt Atelier heißen sollte, weil die “Villa” eigentlich kein Repräsentationsobjekt war, sondern ein eher versteckter Arbeitsort. Außerdem war sie zu Klimts Lebzeiten ebenerdig und wurde erst später ausgebaut. Man mag sich jedenfalls kaum vorstellen, dass das Atelier einmal selbst vom Abriss bedroht war, und erst seit einigen Jahren, nach bewegter Geschichte, unter Denkmalschutz steht.

Otto Wagner Ausstellung

Letzte Woche hab ich es fast auf den letzten Drücker geschafft, die Otto Wagner Ausstellung im Wien Museum zu besuchen.

Und das war gut so, denn ich finde die Ausstellung ausgesprochen gut gemacht, zumindest für jemand wie mich, der noch nicht so extrem viel über Otto Wagner wusste. Sie Ausstellung ist struktuiert in verschiedene Abschnitte mit unterschiedlichen Schwerpunkten –  zb. “Kampf um den Karlsplatz”, “Am Steinhof”, “Imperiale Projekte” oder “Die unbegrenzte Großstadt.” Wagner setzte sich stark mit Stadtplanung auseinander, auch in theoretischen Schriften. Dieses Zitat fand ich interessant:

Wagner hatte dabei aber wenig Interesse an “sozialem Wohnbau”, es ging ihm mehr um den Einsatz von neuen Materialien wie Stahlbeton und Aluminium und einer Synthese von Funktionalität und Ästhetik. Er gilt als Proponent der neuen Sachlichkeit. Wiens Stadtbild ist bis heute von Wagner geprägt – von der Stadtbahn, für die er, neben charakteristischen Stationen, sowas wie eine “corporate identity” schuf, bis zur Kirche am Steinhof, vom Postsparkassengebäude bis zu Ankerhaus am Graben.

Charakteristisches Sonnenblumengitter

Dennoch gab es auch Projekte, die Wagner eine Herzensangelegenheit waren, allerdings nie verwirklicht wurden, wie beispielsweise sein Entwurf des Wienmuseums am Karlsplatz. Natürlich gibt es dort heute ein Wienmuseum, in dem ja diese Ausstellung stattgefunden hat, aber es hat nichts mehr mit Otto Wagners Ideen zu tun. Er hätte sich das etwa so vorgestellt:

Auch über Wagners Zeitgenossen und Schüler erfährt man einiges. Wagner übte einen gewissen Einfluß u.a. auf Adolf Loos aus, allerdings lehnte der den Jugendstil, besonders in der österreichischen Variante (der Wiener Secession) ab. Als ich Loos’ Porträt in der Ausstellung sah, dachte ich sofort, er sieht aus wie ein Hipster harhar:

Wer jetzt Lust bekommen hat, die Ausstellung noch zu sehen, muss sich beeilen, sie läuft nur noch bis 7. Oktober, dafür allerdings ab morgen bis 20 Uhr abends.

[Disclaimer: das ist keine bezahlte Anzeige, niemand gibt mir Geld für diese Infos]

Open House Wien

Am Samstag war ich zum ersten Mal bei Open House Wien – Archtitektur zum Angreifen. Im Rahmen dieser Aktion, die zum fünften Mal stattgefunden hat, kann man diverse Gebäude in Wien gratis besichtigen und Führungen machen. Oft solche Gebäude, zu denen man vielleicht sonst nicht so einfach Zutritt hat.

Wie beispielsweise das italienische Kulturinstitut in der Ungargasse, wo wir gestartet sind.

Von außen kennt man es ja zb vom Vorbeifahren mit dem O-Wagen. Ich habe einige Jahre fast direkt daneben gearbeitet. Reingehen kann man nicht so einfach, es sei denn, man besucht einen Italienischkurs, weil das Kulturinstitut ist eigentlich gar nicht österreichischer Boden. Innen sieht es jedenfalls sehr schmuck aus:

Hinter dem Kulturinstuit ist ein kleiner Garten und so sieht es übrigens auf der Rückseite aus:

Danach sind wir zur Dominikanerbastei gefahren. Nachdem beim Kulturinstitut wenig Andrang war und wir gleich zu einer Führung dran kamen, musste man sich bei der Dominikanerbastei schon etwas länger anstellen. Angeblich gab es ja auch eine open house App, die einem die jeweiligen Wartezeiten vor den Gebäuden anzeigte, aber ich habe die leider nicht in meinem store gefunden.

Jedenfalls so sieht die Dominikanerbastei “von innen” aus, also der Innenhof:

Fresken an den Wänden des Ganges:

Anschließend an die Führung konnte man einem Dominkanermönch in Ausbildung Fragen zum geistlichen Leben im Orden stellen. Ich fand es sehr interessant, Einblick in den Alltag in dieser Bastei zu bekommen und was ich davon mitgenommen habe ist, dass die Dominikaner viel Zeit für Philosphie, Studium und Verkündigung aufbringen; und es in der Bastei nicht so streng “eremitisch” zugeht, wie in anderen Ordensgemeinschaften. Es hat mich auch dazu angeregt, mal zu googlen, was die Unterschieden zwischen den verschiedenen Orden überhaupt sind.

Nach der Führung haben wir uns noch die Kirche angesehen, die zu diesem Zweck komplett beleuchtet war, wie sonst nur zu Ostern und/oder Weihnachten.

Anschließend gingen wir zur Hollein Boutique (ja, DER Hollein) in der Tegethoffstraße, davon hab ich allerdings kein Foto gemacht, aber man kann sie auf der Open House Page anschauen. Ein Modegeschäft, ganz aus Plastik, im Pop Art Stil der 60er Jahre, irrsinnig klein und in orange gehalten.

Danach sind wir durch die gesamte Innenstadt gehatscht, um noch den Ringturm zu besichtigen, allerdings wurden wir, obwohl wir schon um 16 Uhr dort waren, nicht mehr hinaufgelassen, wegen Überfüllung – “nächstes Jahr dann”

Statt Ringturm ging es dann also zum Essen. Auch schön.

Auch für Architektur Nackerpatzerln wie mich war dieser Tag sehr interessant und sehenswert. Nächstes Jahr möchte ich auf jedenfall wieder hingehen.