almis personal blog

ESC Deutschland

Deutschland hat eine durchaus wechselvolle ESC Geschichte hinter sich.

In der jüngsten Zeit ein Sieg mit Lena (2010) und mit Michael Schulte ein vierter Platz (2018), aber auch viele Platzierungen jenseits der Top 20, dazwischen gabs nicht viel. Voriges Jahr hatte Deutschland meiner bescheidenen Meinung nach einen guten und innovativ klingenden Song ausgewählt Violent Thing, interpretiert von Ben Dolic. Es war eine Symphonix Produktion, ein Komponistenkollektiv, das für viele Qualitätssongs beim Eurovision in den letzten Jahren verantwortlich zeichnet.

Dieses Jahr hat man sich für einen anderen Künstler entschieden. Jendrik Sigwart, seines Zeichens Musicaldarsteller. Dabei muss ich sofort an die Bemerkung von Grissemann 1997 denken, als er den isländischen Teilnehmer Paul Oscar vorstellte mit den Worten: “So sympathisch er hier auch scheint, er kommt hassenswerterweise vom Musical, wie so viele der heutigen Kandidaten, LEIDER.” Harhar. Ich erinnere mich deshalb so genau, weil Paul Oscar mit Minn hinsti dans bis heute eine meiner ESC All time favorits ist.

Wie auch immer: Jendrik Sigwart ist nunmal auch ein Musicaldarsteller und hat seinen Song selbst geschrieben, der da heißt I don’t feel hate. Das ist ja an sich eine begrüßenswerte Grundeinstellung. Und klingen tut das so:

Und ist quasi in jeder Beziehung ein Antipode des letztjährigen Beitrags. I feel sorry. Ok tut mir leid, aber der Kalauer liegt auf der Hand.

LIZVC 85

Ich habe ein Problem.

Am Freitagabend startet Starmania neu und heute lese ich, dass ORF 3 zeitgleich Professor Bernhardi von Arthur Schnitzler zeigt. Wie unfair ist das denn bitte? Die ganze Woche spielt es nichts, was ich mir im TV anschauen will und dann am Freitag zwei Sendungen parallel, und das auf Wochen hinaus, weil auf ORF 3 anscheinend jetzt jeden Freitag Theateraufführungen sind. Gut, vielleicht bin ich zu alt für Starmania, und ORF 3 will mir damit sagen, dass ich nicht die Zielgruppe bin. Vielleicht ist die Schnittmenge zwischen Leuten, die Starmania schauen wollen und solchen, die sich für Schnitzler-Aufführungen interessieren, wirklich sehr klein, aber hmpf.

Apropos Zielgruppe, heute hab ich einen Text einer Mutter gelesen, die das Zusammenleben mit einem Teenager beschreibt, und dass das eher so ein WG-Leben sei, wo man den Mitbewohner quasi nur sporadisch sieht. Auf Facebook haben dann andere Teenie-Mütter mitgetrauert und ich fühlte mich wieder einmal wie ein Alien, der es voll super findet, dass das eigene Kind jetzt ein Teenager ist und schon oft sein eigenes Leben führt. Ich bin ja ein Fan von großen Kindern.

Abschließend und zusammenhanglos noch ein Foto von spooky Floridsdorf am Wochenende….

…am Weg zum Bahnhof.

LIZVC 84

Am Freitag hatte ich meine erste Videokonferenz. Ich bin very late to the party, nach fast einem Jahr Pandemie, ich musste mir erstmal eine Webcam organisieren. Und dann gab es einen Online-Kinoabend, wo ich mit Freunden gemeinsam zuerst einen Netflix Film schaute – alle starteten damit zur gleichen Zeit – und danach trafen wir uns zu einer Online-Cocktailstunde. Der Film war Neues aus der Welt – so etwas wie Papermoon im wilden Westen und war sehr nett, die Cocktailstunde danach sowieso.

Außerdem hab ich mir angewöhnt, jetzt Bücher, die ich lesen mag, einzeln im Donauzentrum zu bestellen und sie dann per pedes – übers Donaufeld spazierend – abholen zu gehen. Das ist aus mehreren Gründen erfreulich: erstens neue Bücher, zweitens ungefähr einstündiger Spaziergang, drittens im Donauzentrum kann man auch Brötchen als Wegzehrung mitnehmen. Corona und Lockdown haben meiner generellen Verfressenheit nicht unbedingt Einhalt geboten, deshalb tun mir einstündige Spaziergänge ganz gut.

Meine letzte literarische Entdeckung ist Meg Wolitzer. Sie schreibt unheimlich gut und zu den Themen, die mich interessieren: Partnerschaft, Beziehungen, Frauen, Gesellschaft, Literatur. Vielleicht am bekanntesten hierzulande ist das Buch Die Ehefrau (The Wife), das vor einigen Jahren mit Glenn Close in der Hauptrolle verfilmt worden ist. Close war damals heiße Oscar-Anwärterin, zum siebenten Mal nominiert und noch ohne Auszeichnung, doch der Preis ging dann an Olivia Colman, die zum ersten Mal nominiert war. Aber Colman hat das eh recht lieb gemanagt und zu Glenn Close gesagt: “You have been my idol for so long and this is not how I wanted it to be.” So, jetzt ist wieder der Oscar-Nerd mit mir durchgegangen. Na ja, jedenfalls muss ich mir den Film dann auch anschauen, denk ich, wenn ich mit dem Buch fertig bin.

LIZVC 83

Am Wochenende war ich am Kahlenberg und Leopoldsberg. Ich glaube, ich hab noch nie von da oben auf das schneebedeckte Wien geschaut.

Na ja, schneebedeckt ist vielleicht zuviel gesagt, eher das angezuckerte Wien. Am Kahlenberg gibts übrigens auch Punsch zu kaufen, ohne Alkohol (wegen Corona). Punsch hab ich dem Teenie dann auch in die Schule mitgegeben, die diese Woche auf Montag und Dienstag fiel. An diesen Tagen wars auch sehr kalt, und 24 Stunde später wars dann plötzlich Frühling.

Dazwischen lag der Valentinstag und jetzt habe ich Blumen in meinem Büro stehen.

ESC Oscar Shortlist

Letzte Woche wurde die Shortlist für die Nominierungen der Oscar-Kategorie “Best Song” bekannt gegeben.

Auf dieser Shortlist steht auch Husavik, einer der Songs aus dem Film Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga. Husavik ist eine Stadt in Island, aus der die beiden Protagonist*innen kommen. Der Song ist eine Liebeserklärung an ebendiese Stadt.

Über den Film habe ich eh schon mal ausführlich gebloggt, ich war zuerst skeptisch, weil ich dachte, es läuft auf eine ESC-Verarsche hinaus, was sich als absolut falsch herausgestellt hat. Es ist eine erstaunlich liebevolle Hommage geworden und der Song ist richtig schön. Und nebenbei bemerkt: ich glaube tatsächlich, dass der auch beim tatsächlichen ESC gar nicht so schlechte Chancen hätte.

Und wer sich wundert, warum Will Ferrell (der übrigens seinen Part selbst singt) da mit Windjacke auf der Bühne sitzt, ja der muss sich den Film anschauen.

ESC – The return – Litauen

Ok, es geht los ESC-mäßig. Die ersten Songs für den diesjährigen Songcontest werden präsentiert.

Und heuer ist dabei etwas komplett neu: es gibt Interpreten und gar nicht mal so wenige, die letztes Jahr angetreten wären und das auch dieses Jahr wieder tun. Natürlich mit anderen Songs, so will es das Reglement. Das bedeutet aber auch, dass man nicht nur die Interpreten und die Songs beurteilt, sondern sie auch irgendwie in Relation zum Vorjahr setzt. Besonders interessant ist das natürlich bei den Kandidaten, die letztes Jahr als hohe Favoriten galten und für die die Songcontest-Absage daher besonders bitte war. Allen voran Island und Litauen. Von Island weiß man bis dato noch nichts über den neuen Song, doch Litauen haben ihren bereits veröffentlich. Er heißt Discoteque.

Erinnern wir uns kurz an 2020. Da wollte The Roop mit On Fire antreten und das war alles in allem ziemlich nerdy:

Besonders prägnant war ihr Style, die Art wie sie tanzten und wie ihre Handbewegungen. Und wie Conchita in einer ORF ESC-Sendung überrascht bemerkte, der Refrain ist ein Instrumentalteil. Abgewechselt von “La La La”. Also dadaistisch durch und durch.

Im Jahr 2021 entwickelt sie ihren Stil weiter. Sie kleiden sich jetzt gelb und gehen im Video von der Bühne runter um – pandemieverträglich – backstage alleine zu sein. Das ist im Video sehr schön inszeniert, angefangen mit den letzten Tönen von On Fire.

Ob man jetzt besonders Gefallen an dem Song selbst findet oder nicht – ich persönlich stehe diesem Song irgendwie ähnlich gegenüber wie On Fire: ich anerkenne das Gesamtkonzept, aber so richtig erreicht es mich nicht – es ist durchaus on point, im Jahr 2021 einen Text zu bringen, der lautet: “Lets discoteque here at my home, it is ok to dance alone.”

Wobei ich schon auch hoffe, dass nicht alle auf den Corona-Zug aufspringen, weil ich will zumindest beim ESC nicht andauernd an das alles beherrschende Thema erinnert werden. Aber die Ukraine ist da noch konsequenter, was das betrifft. Aber dazu ein anderes Mal.

ESC-Blind Date

Merci Cherie, der ESC-Podcast, hat ein neues Format im Format. Es nennt sich Blind Date.

Und zwar treffen sich da jetzt manchmal zwei Menschen, und stellen sich gegenseitig einen Song vor, der im weitesten Sinn etwas mit dem Songcontest zu tun haben soll. Es muss nicht unbedingt ein lupenreiner Songcontest Song sein, es kann auch einer aus den Vorausscheidungen sein, oder ein anderer Song eines ESC-Künstlers, eines Komponisten etc. Auch Marco und Alkis stellen jeweils einen Song vor, den sie auswählen. In der ersten Ausgabe des Formats waren die Autorin/Filmemacherin Barbara Kaufmann und die Podcasterin Beatrice Frasl zu Gast.

Ich werde jetzt nicht verraten, welche Songs präsentiert wurden, das würde die Spannung nehmen, kann aber schon soviel verraten, dass dieses Format sehr viel hergibt an Gesprächsstoff. Sehr lustig fand ich, dass über den ESC 2014 geredet wurde, als Conchita gewann und Marco erzählte, Conchitas Sieg hätte die Hochzeit eines befreundeten Paares etwas zerstört, weil ab einem gewissen Zeitpunkt alle nur noch vor dem TV gehangen sind. Darauf Alkis: “Ein schwules Paar, das am Tag des Song Contests eine Hochzeit macht? Also Entschuldigung.”

Marco hat dann noch was schönes gesagt, als er zum ersten Mal bei einem ESC live dabei war – Oslo 2010 – hat er gesehen, dass homosexuelle Spanier Seite an Seite mit einer albanischen Familie von Oma bis Kind getanzt haben wusste er: das ist ein guter Event. Das holt das gute in den Menschen raus. Es ist total egal, ob man jung ist oder alt, Frau oder Mann oder irgendwas dazwischen, es ist gut so wie du bist und du bist willkommen. Hach ja, schnüff. Ich glaube, das ist auch einer der Gründe, wieso ich den Songcontest so mag.

P.S. Ich habe unlängst mit einem Homosexuellen darüber geredet, ob man “schwul” sagen darf oder nicht und er meinte, innerhalb der Community sagt man das natürlich, außerhalb kann das auch despektierlich klingen. Deshalb werde ich da wohl mit den Formulierungen in Zukunft mehr aufpassen. Obwohl er zu mir gesagt hat, ich kann gerne weiter “schwul” sagen, bei mir weiß er ja, wie ich es meine. Harhar.

LIZVC 81

In der letzten Woche hatte ich arbeitstechnisch viel zu tun. Ich beschäftige mich beruflich derzeit recht viel mit tradtioneller chinesischer Medizin und das vor allem auf die Ernährung bezogen. Das ist richtig interessant und manchmal auch etwas schwierig, was die Fachbegriffe betrifft wie etwa “Shang Han Za Bin Lun” – ja, so habe ich auch geschaut. Ich bin froh, dass ich Skripten dazu erhalte, in denen das Fachvokabular großteils nachschlagbar ist.

Gestern gabs wieder eine Pressekonferenz zum Thema Lockdown-Ende und wie bei vielen ist bei mir eine gewisse PK Müdigkeit eingetreten. Nostalgisch denke ich an den Tag zurück, wo wir alle auf die Pressekonferenz zur Wahl des Bundespräsidenten 2016 gewartet habe und stattdessen gab dann noch eine Folge Weißblaue Geschichten, ja das waren noch Zeiten. Auch wenn man dazu sagen muss, dass damit das letzte Wort nicht gesprochen war, schließlich wurde unsere BP Wahl damals wiederholt und wir dachten, wie oarg alles ist, na ja.

Heute ist die Ankündigung einer PK jedenfalls eher eine Drohung. Na ja, anyway: Es gibt wieder Präsenzunterricht, ab nächster Woche, zweimal die Woche um genau zu sein, und die Schichteinteilung ist natürlich keineswegs so, wie es die Schule vorgesehen hat. Ich war sehr froh, dass ich das noch nicht in meinem Kalender notiert hatte, weil sonst müsste ich alles wieder durchstreichen und schon mein Kalender 2020 ist voller durchgestrichener Termine, es sah nicht schön aus.

Ach ja und Youtube hat mir was von Harald Schmidt hereingespült, er war beim Podcast von Hazel Brugger zu Gast und hat das getan, was er am besten kann, einfach reden. Über die Bedeutung von Medien heutzutage, über Cancel Culture oder einfach darüber, dass an Filmsets immer der Dialekt nachgemacht wird, den der Produzent spricht, zb Berlinerisch oder Bayrisch. Er sagt aber auch: “Wo es nicht so geht ist, wenn das Team aus Wien kommt, weil die meisten diesen Wiener Akzent nicht so drauf haben.” Sehenswert.

Gespräche mit Freunden

Jetzt habe ich Gespräche mit Freunden von Sally Rooney gelesen und ich bin hellauf begeistert.

Das Buch spielt großteils in Dublin und handelt von Frances, einer Literaturstudentin Anfang 20, die gemeinsam mit ihrer Freundin Bobbi – mit der sie früher zusammen war – als Poetry Slammerin auftritt. Im Zuge dessen lernen sie das Paar Melissa und Nick kennen. Sie ist eine arrivierte Journalistin, er Schauspieler, beide sind mehr als zehn Jahr älter. Es folgen mondäne Einladungen mit gutem Essen und viel Alkohol, intellektuellen Gesprächen und auch eine Menge an sexueller Anziehung. Die extravertierte Bobbi fühlt sich zu Melissa hingezogen, die reservierte Frances – “Frances ist bisexuell”, wie Bobbi einmal klarstellt – verliebt sich in Nick.

Der Roman ist das, was er vorgibt zu sein. Es geht um Gespräche mit Freunden, die Auseinandersetzung mit dem Leben, mit Arbeit und Berufung, mit Politik und Gesellschaft, vor allen Dingen aber mit Beziehungen. Das Mindset von Frances und ihrem Circle, was Partnerschaften angeht ist, dass Monogamie kein “sine qua non” ist. Auch in der Ehe ist sie das nicht. Also muss man fühlen und ausdefinieren, welche Art von Beziehung man mit wem führen will. Oder muss man das gar nicht? Lässt man geschehen, was passiert, ohne Bewertung und Einordnung? Um Fragen wie diese ringt der Roman. Und wie Frances nicht weiß, was sie mit ihrem Leben tun will, außer lesen und schreiben – oder wie sie einmal sagt: “Manchmal kam es mir so vor als würde ich es nicht schaffen, mich für mein eigenes Leben zu interessieren”; so weiß sie auch nicht, was sie mit ihren Gefühlen machen will, wie sie diese bewerten soll, wo Freiheit aufhört und wo Eifersucht und eine Art Besitzdenken einsetzt.

Das alles ist so spannend und diese Welt so faszinierend, dass man eigentlich immer weiterlesen will, über Frances und ihre Freunde, was sie tun, was sie denken, alles ist mit einer enormen Liebe zum Detail und einer Liebe zum Witz beschrieben, dass es wirklich eine Freude ist. Etwa als Frances Middlemarch liest und beschreibt:

Das Cover zeigte eine traurig blickende Dame aus vikorianischer Zeit, die sich an irgendwelchen Blumen zu schaffen machte. Ich bezweifelte, dass vikorianische Frauen wirklich so oft Blumen anfassten, wie es die Kunst aus dieser Zeit nahelegte.

Zwischen Gespräche mit Freunden und Normale Menschen gibt es einige Parallelen: Geheimnisvolle Beziehungen, Sinnsuche, sexuelle Grenzerfahrungen, savoir-vivre in großzügigen Villen am Meer. Die Gespräche haben mich insgesamt noch eine Spur mehr beeindruckt. Und bald soll der dritte Roman von Sally Ronney erscheinen. Das sind großartige Neuigkeiten, bitte schnell!