Archiv für bohemian

Tag des Denkmals 19

Am Sonntag war – so wie jedes Jahr Ende September – der Tag des Denkmals in ganz Österreich. Wir haben uns wieder einiges dabei angesehen. Hier ein paar Fotos:

Vorbei am Karlsplatz…
Decke des Festsaals der Akademie der Wissenschafte
Aida Filiale im Habig Hof
Michaelerkirche, Führung durchs Savatorianerkolleg

Nicht im Bild: Mittagessen im Cafe Tirolerhof, die Sonne und ein Frappe genießen im Salettl Volksgarten (aka: “Ich muss erst schauen, ob wir noch Bananen haben, wir schließen morgen”), Jubelstimmung hören (Grüne), Katerstimmung sehen im SPÖ Zelt beim Burgtheater – weil: es war nicht nur Tag des Denkmals, sondern auch Wahlsonntag im Lande. Ein wunderbarer Tag – Disclaimer: Nicht zwingend wegen des Wahlergebnisses.

Der moderne Gute Nacht Dialog

Ja, wer kennt ihn nicht (mehr), den modernen Gute Nacht Dialog von Grissemann und Stermann?

Stermann: Schlaf gut! 
Grissemann: Du auch.
Stermann: Ich liebe dich.
Grissemann: Du auch

Ende jeder Folge von Salon Helga, untermal von I Santo California mit Tornero.

Und gestern halt, wie gesagt, versehentlich imitiert. Weil Kind dank Lippenverletzung noch nicht ganz verständlich spricht. Und am Weg ins Bett irgendwas murmelte was für mich wie Schlaf gut klang, aber Love you hieß. Und ich dann: “Du auch” Und das Kind: “Alles klar” Harhar.

Nochmal the Voice

Gestern habe ich mich sehr amüsiert bei Voice of Germany.

Und das kam so: Ray Garvey wird von den anderen Juroren, speziell Sido und Mark Foster, immer vorgeworfen, dass er die besten Kandidaten mit seinem englischen Akzent und seiner Masche – genannt die Ray Garvey Klammer – zu sich ins Team lotst.

Sido und Mark erklären diese dramaturgische Klammer so: Ein Talent singt, und Ray eröffnet dann die Jurorenrunde mit empathischen Fragen wie: “Wie geht es dir? Wer bist du? Wo kommst du her?” Dann erteilt er das Wort den anderen und alle geben ihre Kommentare ab. Und dann denkt man schon, es ist zu Ende, da ist wieder Ray am Wort, der Dinge sagt wie “Musik kommt vom Herzen. Hör auf dein Herz” und ähnliches. Da haben die Kandidaten die anderen Juroren schon vergessen und gehen zu Ray.

Sido: Ich überlege mir jetzt was eigenes, ich mache die Sido-Grätsche.

P.S. Wann ist Sido eigentlich so nicht-mehr-gangstermäßig-nett geworden?

The Voice nostalgisch

Das Kind hat Voice of Germany entdeckt und jetzt schauen wir das also gemeinsam, zweimal die Woche.

Nach anfänglicher Skepsis mus sich sagen, finde ich die Show doch ziemlich amüsant. Vor allem die Gespräche der Juroren – die da wären Sido, Rea Garvey, Alice Merton und Mark Forster – untereinander finde ich immer ziemlich witzig, wie sie sich um potentielle Kandidaten streiten.

Gestern wurde ich dann ein bisschen nostalgisch, weil gleich zwei Teilnehmer Songs aus den 90er Jahren sangen. Zuerst eine Dame I will do anything for love von Meatloaf. Ich so zum Kind: “Damals war ich 18 oder 17.” Mark Forster gab mir dann recht mit 17, als er sagte, der Song wäre aus dem Jahr 1993. Ich erinnere mich an einen MTV Moderator, der damals mutmaßte, was das denn bedeuten solle, I will do anything for love, but i won’t do that: “Use a deodorant, stop driving the motorcycle in the house…” Harhar.

Danach noch Always von Bon Jovi. Ich zum Kind: “Da war ich etwas älter” – richtig 19! Und Mark Foster zur Kandidatin: “Wer etwas von Bon Jovi singt, hat sowieso schon gewonnen bei mir.” Und Always ist sicher der beeindruckendste Song von Bon Jovi, zumindest für mich.

Die OEAG

Im letzten Merci Cherie Podcast wurde die OEAG Österreich vorgestellt. Der hiesige Song Contest Fanclub. Ja, ich höre immer noch diesen Song Contest Podcast, der im ca. zweiwöchigen Rhymtmus weiter erscheint, bis sich die Intervalle vor dem nächsten ESC am 16. Mai wieder verdichten werden.

Jedenfalls war das Gespräch mit zwei OEAG Vereinsmitgliedern sehr spannend. Seit 2007 voten die Vereinsmitglieder im Vorfeld auf den Sieger und fünfmal lagen sie in diesen 13 Jahren richtig. Diese Quote liegt auch daran, dass hier meist die Videos der Teilnehmer beurteilt werden – der Live-Auftritt beim ESC ist oft ein anderes Kaliber – sowohl im positiven, wie im negativen Sinn. Jedenfalls wurden die Gewinner 2007 Marija Serifovic/ Molitva, 2009 Alexander Rybak/ Fairytale, 2012 Loreen/ Euphoria, 2013 Emmelie de Forest /Only Teardrops und 2018 Netta/ Toy richtig prognostiziert.

Bei Lena (2010) und Conchita (2014) lagen sie daneben, ebenso wie 2017, als sie Francesco Gabbani mit Occidentalis Karma als Sieger vorhersagten. Dazu der Podcast Moderator Alkis: “Gut, der war überall vorne.” Daraufhin Marco Schreuder: “Nur nicht beim Song Contest.” Harhar.

Interessant ist auch, dass es – wäre es nach der OEAG Wertung gegangen – Italien bereits dreimal seit 2007 den ESC gewonnen hätte, nämlich 2015 Il Volo/ Grande Amore, 2017 eben Gabbani und 2019 Mahmood mit Soldi.

Open House 19

Jedes Jahr an einem Wochenende Mitte September findet Open House statt. An diesen zwei Tagen hat man Gelegenheit, Architekur zu sehen, die sind nicht öffentlich zugänglich ist. Jedes Jahr sind da sehr spannende Objekte zu besichtigen, diesmal 69 an der Zahl.

Natürlich kann man unmöglich alles schaffen, aber heuer hab ich immerhin acht Stationen besucht. Zuerst waren wir im Seelsorgezentrum Oberbaumgarten. Eine sehr moderne Kirche im Stahlbetonbau-Stil. Die Führung dort hat die Tochter des Architekten Georg Gsteu gemacht.

Das war, wenn man so will, schon eher was für Achitektur Insider. Danach ging es ins eher populäre Palais Esterhazy, was man auch an den Wartezeiten sehen konnte. Open House bietet übrigens einen Live Ticker über die Wartezeiten via app und Internet an, was durchaus hilfreich ist. Im Palais Esterhazy musste man aber immer mit ca. 20 Minuten Wartezeit rechnen.

Anschließend ging es zur Rossauer Kaserne, wo man die Kapelle innerhalb der Kaserne besichtigen konnte. Nicht ausschließlich den Angestellten dort vorbehalten, nach Anfrage kann man auch als Zivilperson an Messen teilnehmen. Der Altar ist ein Tisch, der auf Bücherstapeln ruht. Beeindruckend fand ich auch die Gestaltung der Decke.

Danach fuhren wir in den 15. Bezirk, zum ehemaligen Dorotheum. Nach einem Mittagessen – man kann schließlich nicht dauernd nur gehen – genossen wir vor allem den beeindruckenden Blick über Wien vom Dach. Oder sagen wir, ich als Architektur-Nackerpatzerl erfreute mich vor allem an diesem, den man sich auch redlich verdient hatte, nachdem man 7 Stöcke zu Fuß hinaufgestiegen ist.

Anschließend ging es in meinem Heimatbezirk Favoriten, und zwar ganz weit hinaus, nach Rothneusiedl, zum Haschahof. Das Wetter war bestens spätsommerlich und so war der Ausflug in diese schon ziemlich ländliche Gegend besonders stimmungsvoll. Ich fand den Hof, der ja auch vom Abriss bedroht war, sehr stimmungsvoll.

Nebenan fand dann eine Führung zur Schneckenzucht von Andreas Gugumuck statt, wo wir vor allem einiges zum Liebesleben der Schnecken erfuhren. Kosten wollte ich dann keine Schnecke und auch nicht den Schneckenschleim, der Anti Aging Wirkung haben soll, berühren, aber muss man ja auch nicht unbedingt.

Zum Abschluss des Tages ging es noch Eisessen. Da habe ich dann kein Foto mehr gemacht, weil Eis zu gierig verschlungen. Harhar.

Schmerz

Ich habe alle Romane der israelischen Schriftstellerin Zeruya Shalev gelesen. Ich mag ihren atmenlosen Stil, ihre detailierten Beobachtungen und vor allem mag ich ihre immerwährenden Themen: Beziehungen zwischen Mann und Frau, Beziehungen in einer Familie, Beziehungen zu Kindern. Oft spielen schicksalshafte Begegnungen eine Rolle und schwierige Entscheidungen.

In Schmerz ist es auch wieder so. Protagonistin Iris, eine 45 jährige Volksschuldirektorin, verheiratet und Mutter zweier (fast) erwachsener Kinder, wurde vor zehn Jahren bei einem Selbstmordattentat in Jerusalem schwer verletzt (ein Schicksal, das sie mit der Autortin Shalev teilt). Am Jahrestag der Verwundung kehren die starken Schmerzen zurück und sie muss ins Krankenhaus. Dort trifft sie ihre große Liebe Eitan wieder, ihre Beziehung scheiterte tragisch. Die Chance für einen Neubeginn zeichnet sich ab, doch will Iris das? Inzwischen gerät ihre erwachsene Tochter Alma in eine schwere Krise…

Schmerz hat mich begeistert, wie Shalevs Romane zuvor. Allerdings muss ich zugeben, dass mich der Handlungsstrang Iris/ Eitan wesentlich mehr gefesselt hat, als der Handlungsstrang Iris/Alma. Ich habe persönlich das Gefühl, dass Shalev selbst mehr Enthusiasmus für die leidenschaftliche Wiederbegegnung ihrer Protagonisten mitbringt, dass sie viel mehr in den Treffen der beiden, mit großen Gefühle und viel Sex, mitlebt. Sex ist überhaupt ein Liebligsthema von Shalev (und mir harhar) und sie schafft es, so darüber zu schreiben, dass es nie derb oder plump wirkt, aber auch nicht technisch oder steril. Das ist eine große Kunst.

Die Passagen dagegen, in denen sie die Probleme von Alma im Vordergrund stehen, erscheinen mir sehr konstruiert. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass man in eine solche Situation gerät, wie das Alma tut, sowas passiert schon hin und wieder, aber es ist ungewöhnlich, es ist nicht ganz schlüssig erzählt, es ist für mich persönlich thematisch irgendwie weit weg. Wozu ich aber Bezug nehmen kann, ist die innere Zerissenheit, die diese Probleme bei Iris auslösen. Sie, die gerade die wichtigste Entscheidung ihres Lebens treffen muss, kämpft nun an verschiedenen Fronten, es ist auch ein Kampf zwischen Kopf und Bauch, und der Leser ahnt, dass es bei jeder möglichen Opion viele Verlierer geben wird…

Nomen est Omen, Schmerz begleitet die Protagonist in jeder Form. Und auch wir LeserInnen kennen vermutlich alle das Gefühl, erlöst werden zu wollen, in welcher Form auch immer, und zu bemerken, dass uns das Leben einfach manchmal eine Erlösung verwehrt. Und wir trotzdem weiterleben müssen. Einen Lernprozess zu erleben, zu lernen und im besten Fall daran zu wachsen.

Leid und Herrlichkeit

Ein Sommer, in dem ein neuer Almodovar Film herauskommt, ist ein guter Sommer. Ein Sommer, in dem ein neuer Jarmusch Film herauskommt, ist prinzipiell auch ein guter Sommer, es sei denn, der Film handelt von Zombies.

Ich kenne fast alles von Almodovar, ich mag ihn sehr gerne und seinen letzten Film, Julieta, hab ich als sein Meisterwerk bezeichnet. Weil er wirklich beeindruckend war, ohne die Folie von Komik. Dieser Folie, die in vielen Werken von Almodovar quasi über dem Ernst des Lebens liegt, um ihn zu entschärfen und zu sagen, alles nicht ganz so schlimm. Diese Folie hat Julieta gefehlt und sie fehlt auch in Leid und Herrlichkeit wieder, trotzdem ist dieser neue Film nicht ganz so schwer und bedrückend geworden, obwohl oder vielleicht weil er ja einigermaßen autobiografisch sein soll.

In Leid und Herrlichkeit lässt Almodovar die Mutter des Portagonisten, des erfolgreichen Regisseurs Salvador Mallo (Antonio Banderas) sagen, sie mag nicht, wenn seine Werke “autofiction” sind. Und während des Filmes fragt sich der Zuschauer wohl oft, was nun tatsächlich passiert ist, in Almodovars Leben. Salvador Mallo ist jedenfalls traurig, sehr trauig. Er ist voll von körperlichen Schmerzen (Kopf, Rücken, Hals, Beine). Er ist einsam, er ist uninspiert und wie gelähmt. Und er kann keine Filme mehr machen. Roger Ebert hat Fellinis 8 1/2 als “Best film about filmmaking” bezeichnet. Und zwar, weil seine Hauptfigur Guido unfähig ist, einen neuen Film zu drehen: “But Fellini manifestly is not.” So ist es bei Almodovar auch.

Natürlich kann man auch bei Leid und Herrlichkeit das Almodovar Bullshit-Bingo spielen. Gewisse Versatzstücke sind dabei, wie ein trauriges spanisches Lied, inbrünsig dargeboten, viele bunte Farben mit einer gewissen Neigung zu Kitsch, nackte Menschen, eine übermächtige Mutterfigur – doch so schablonenartig wie früher sind Almodovars Filme bei weitem nicht mehr. Nach einem eher artifiziell-distanzierten Beginn, wird man unmerklich immer tiefer die Gefühlswelt von Mallo gezogen, in seine Erinnerungen an seine Kindheit, die sich in seine Gegenwart mischen (seine junge Mutter wird von Penelope Cruz dargestellt), in seine vielfältigen Beziehungen zu anderen Menschen, in seine Kunst- und Gedankenwelt. Irgendwann ist man so im Flow dieser – trotz der schweren Themen – ganz ruhigen Erzählung, dass das Filmende komplett unvorhergesehen kommt und einem ziemlich überraschend einfällt, dass man ja im Kino sitzt und, das eigene Leben draußen auf einen wartet.

Die Entdeckung des Filmes ist Antonio Banderas. Ok ja, wir alle kennen ihn, aber wir haben ihn noch nie so gesehen wie in diesem Film. Banderas hatte vor zwei Jahren einen lebensbedrohlichen Herzinfarkt und Almodovar hat ihm gesagt, er habe seitdem etwas in seinem Wesen, was vorher nicht da war. Genau das wolle er für Leid und Herrlichkeit. Und genau das verkörpert Banderas hier auch – eine eigenwillige Verletzlichkeit, die aber nie leidend wirkt, eine in-sich-Gekehrtheit, die weder Protest gegen die Außenwelt, noch als Hilfeschrei an diese gerichtet ist. Wir Zuseher sehen Banderas beim Nachdenken zu und das ist spannender als ein Thriller. Banderas ist am vorläufigen Höhepunkt seiner Kunst angekommen – und ähnliches gilt für seinen Regisseur.

Hier der Trailer.


Glow

Als Elter will man seinem Kind ja etwas “mitgeben”, von seinem Leben, seinem Erfahrungsschatz, von seiner Weltsicht. Von Dingen, die einen geprägt haben.

In meinem Fall: den Flashmob des Song Contests 2010. Harhar.

Das kam so: das Kind und ich fuhren über die Tangente und bei diesen Autofahrten hat das Kind das größte Redebedürfnis überhaupt, vorzugweise wenn ich gerade auf die Autobahn auffahre oder einen LKW überhole. Jedenfalls hörten wir letztens Glow – einen Song, den das Kind erstaunlicherweise kannte. Und ich geriet ins Schwärmen: Weißt du, hab ich gesagt, dass dieser Song und der Flashmob das Highlight des Song Contests 2010 war? Damals, hab ich gesagt, warst du noch ganz klein und hast noch nicht Song Contest geschaut.

Dann musste ich erklären, was ein Flashmob ist und warum der als Intervall Show des ESC in Düsseldorf so besonders beeindruckend war. Überall in ganz Europa tanzten Menschen auf der Straße zu diesem Song eine spezielle Choreografie. Manche warfen auch einfach nur die Arme in die Höhe und shakten mit.

Und das war so großartig, so voller Lebensfreude und so verbindend, ein ewiges Highlight der ESC-Geschichte.

Unterwerfung

Mein Vater sagte gerne über Männer, die naja, nicht unbedingt jugendlich geblieben wirken: “Na hoffentlich wird der einmal so alt wie er ausschaut.” Das ist natürlich oft etwas übertrieben, um genau diese Pointe anbringen zu können. Beim Autor Michel Houllebecq – Wikipedia ist gnädig und zeigt ein barmherziges Foto – hab ich mich dabei ertappt, genau das ganz unironisch zu denken, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Wobei Houllebecq nicht unbedingt alt aussieht, er sieht sehr ungesund aus. Oder sagen wir so: Ich hoffe, er ist gesünder als er aussieht.

Jedenfalls hab ich seit dieser Woche eine Büchereikarte und mir gleich fünf Bücher ausgeborgt. Und als erstes habe ich Unterwerfung gelesen. Wie die meisten großen Autoren ist Houllebeqc umstritten, die Leserschaft, ja sogar die Kritiker sind sich unsicher, wie sie ihn rezipieren sollen bzw. was er denn jetzt wirklich genau meint. Und was meint Houllebecq denn nun tatsächlich, wenn er ein Frankreich schildert, dass 2022 von einer muslimischen Regierung geführt wird und in dem sich einfach alles verändert? Ist das ein Thilo Sarrazin Szenario, unter dem Motto: Frankreich schafft sich ab? Warnt Houllebecq seine Landsleute vor dem Islam? Ist er gar am Ende ein rechter Autor, der zündelt?

Wenn man mich fragt: er hat einen echt abgefahrenen Humor und Lust an der Provokation. Das liest man schon auf den ersten Seiten und es hat mit dem Islam noch gar nichts zu tun. Nein, es geht da erstmal nur um den Protagonisten Francois, einem Professor für Literaturwissenschaften, der gleich mal lapidar feststellt: “Ein Studium im Fach der Literaturwissenschaften führt bekanntermaßen zu so ziemlich gar nichts.” Ich habe selbst Literatur studiert, ich habe mehr darüber gelacht als ich wahrscheinlich sollte. Das zeigt: Houllebecq (der Name ist übrigens ein Horror zum Schreiben) nimmt vieles nicht ernst, auch und wahrscheinlich vor allem sich selbst nicht.

Der Text ist ein Hybrid: Manchmal eher flapsige Schilderung des deprimierenden Lebens seines Protagonisten Francois – und ja, natürlich geht es da um Alkohol und Sex – und Fertiggerichte. Dann wieder ist es ein Befund, eine Bestandsaufnahme; mehr von Frankreich als vom Islam, der stellenweise eher in Klischees daherkommt. Und dann wieder gibt es Passagen, die einem wirklich Angst machen. Das kann H. also auch mit seiner Sprache, Situationen so bedrohlich zu schildern, dass einem der Atem stockt. So gesehen hätte Unterwerfung auch ein viel finsteres und abgründigeres Buch werden können, bei dem ich mir nicht sicher wäre, ob ich es zuende gelesen hätte.

So ist Unterwerfung aber vor allem ein Unterhaltungsroman, an der Grenze zur Satire, eine Was-wäre-wenn Geschichte, in der Houllebecq demonstriert, dass er virtous auf der Klaviatur des “Skandalsschriftstellers” spielen kann, aber das auf entsprechend hohem Niveau.