Archiv für bohemian

ESC das ganze Jahr lang

Seit dem diesjährigen Song Contest verfolge ich wiwibloggs intensiver, eine Plattform, die sich dem ESC mit absoluter Leidenschaft widmet.

In der High Season wird wiwibloggs als Referenzgröße verwendet, sie machen Reactions Videos, Interviews mit den Teilnehmer, ausführliche Reportagen. Für Nerds ist das ja schon ziemlich super. Aber auch abseits des Events bringen sie weiter content. Im aktuellen Youtube Video geht es darum, welche Songs weiterhin am häufigsten nach dem ESC gehört werden.

Das Ergebis: Der beliebteste ESC Song nach dem Contest ist Soldi von Mahmood. Kann ich nur bestätigen, den höre ich immer als erstes, wenn ich auf spotify zu meiner Songcontest Playliste wechsle. Ich höre dieses Jahr aber generell immer noch erstaunlich viele Songs, letztes Jahr waren es nur zwei oder drei, diesmal sind es wesentlich mehr (wie Schweiz, Aserbaidschan, Malta, Slowenien, Zypern). Auch das Siegerlied aus den Niederlanden höre ich noch, allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, dass es weniger als Lied als solches gewonnen hat, als als Lebensgefühl. “Loving you is a losing game” – mit dieser Inbrunst gesungen, das hat irgendwie alle gepackt.

Aber Soldi – ein durchaus schwermütiger, dabei aber auch selbstbewusster Song über eine gescheiterte Vatersuche – ist für mich der beste Beitrag des letzten ESC, auch wenn er auf der Bühne nicht ganz rüberkam IMO und es extrem schwer ist, ihn nachzusingen, was auch die wiwiblogger beweisen hihi.

Das Oida Quiz

Heute auf der Heimfahrt vom Garten hat das Kind mit mir das OIDA Quiz von Krone Hit nachgespielt. OIDA steht in dem Fall für Österreich im Detail abgefragt.

Bei dem Quiz geht es darum, dass Fragen nach folgendem Muster gestellt werden: “X-Prozent der Österreicher macht dieses und jenes, in dieser oder jenen Situation (oder eben nicht).” Um es gleich zu sagen, ich bin extrem schlecht dabei. Ich hab von ca. 25 Fragen keine einzige richtig beantwortet.

Das Highligt war aber die Frage: “Was tun 40 Prozent der Österreicher wenn sie frisch verliebt sind?” Meine echt, man muss es sagen, naive Antwort: “Einen Brief schreiben.” Die tatsächliche Antwort: “Nacktfotos von sich an den Partner verschicken.”

Und ich so: “Waaaas sind die denn wahnsinnig? An jemand den man gerade erst kennengelernt hat, 40 Prozent machen das, waaaas?”

Das Kind fand meine Reaktion extrem lustig, na wenigstens etwas.

Sommerfrauen, Winterfrauen

Auf eine Empfehlung auf Facebook hin, hab ich das Buch Sommerfrauen, Winterfrauen von Chris Kraus gelesen.

Mein erster Eindruck war: Kraus’ Schreibweise erinnert mich total an Arnon Grünberg, von dem ich vor Jahren einige Romane gelesen habe, unter anderem Phantomschmerz. Das liegt wahrscheinlich daran, dass beide sich mit jüdischer Famliengeschichte beschäftigen und das auf durchaus auch flapsige Art und Weise. Bei Phantomschmerz ging es u.a. um einen Autor, der auf Kochrezepte umsattelt – sein Buch trägt den Untertitel “Kochen nach Auschwitz”, als (durchaus provokant zu lesende) Anlehnung an die Diskussion, dass man nach Auschwitz keine Lyrik mehr schreiben kann. Noch böser und politisch unkorrekter wird es, als ein deutscher Journalist das Buch unter dem Titel “Frisch aus dem Ofen” rezensiert.

Der Protagonist bei Kraus, Jonas Rosen, ein Filmstudent, soll einen Film drehen, will aber – entgegen anderslautender Wünsche – keinen “Nazischeiß” machen. Er geht also nach New York, um dort einen Film über Sex zu drehen. Wer jetzt erwartungsvoll ist: darum geht es nur am Rand. Es geht mehr um das Leben in New York, um die schrulligen Personen, die Jonas dort trifft und um – Nomen est Omen – Sommer und Winterfrauen. Er lässt eine Winterfrau zurück, seine asiatische Freundin Mah, und lernt in NY eine Sommerfrau, die Deutsche Nele Zapp kennen. Was ist nun eine Winterfrau, im Vergleich zu einer Sommerfrau? “Eine Winterfrau ist autark. Sie wohnt in ewigem Permafrost. (…) Verantwortungsvoll und groß ist sie im Schmieden von kleinen Plänen.” Sommerfrauen dagegen sind “Schönwetterfrauen. (…) Sie sind gewohnt, dass ihre Träume wichtig sind. Niemals zügeln sie ihren Leichtsinn (…)

Das ist das Beste an diesem – im Gesamtkontext gesehen vielleicht nicht optimal durchkomponierten Buch: Die genialen Formulierungen und Personenbeschreibungen. Kraus ist ein sehr genauer Beobachter und er versteht es, seine Personen so plastisch erscheinen zu lassen, dass man mit ein paar kurzen Zeilen ein ziemlich genaues Gefühl dafür bekommt, mit wem man es zu tun hat.

Über den windigen Vorstand des Goethe-Institutes in NY schreibt Kraus etwa:

Er stolperte die Treppe herunter, nur im inneren Gleichgewicht gehalten durch ein volles Bankkonto, seine Hölderlinpromotion und die Genugtuung, jede Menge Vorfahren auf preußischen Schlachtfeldern verloren zu haben.


Kraus erzählt über eine Psychologin, deren Freund ihr zu langweilig ist, weil er keine psychischen Defizite hat. Nach dem Sex mit ihm ruft sie daher ihre schwulen Freunde an, um mit denen über ihre Probleme zu reden oder sich fürs Theater zu verabreden. In der Frage, wo (sexueller) Betrug beginnt, lässt er eine Figur im Buch sagen: “Was tun wir schon? Wir liegen da und das Einzige, was wir bewegen, sind traurige Gedanken und ein paar Finger.” Ich finde das brilliant formuliert.

Also: Die Sprache ist wunderbar bei Chris Kraus, inhaltlich stehen Schilderungen von wirklich brutalen Nazimethoden (erzählt von einer Wahltante von Jonas) neben den merkwürdigen Eskapaden der Künstlertypen der New Yorker Kunstszene und die Diskrepanz könnte natürlich nicht größer sein. Als Leser fragt man sich, ob Kraus seinen eigentlichen Stoff vielleicht etwas zu oberflächlich und unbedeutet gefunden hat und – genauso wie sein Protagonist mit dem geplanten Sexfilm – nicht wirklich weiß, was er Tiefgreifendes damit sagen will. Das Holocaust Thema alleine war Kraus dann aber eventuell zu schwer und bedrückend? Die Kunst imitiert hier also, wenn man so will, das Leben.

Sommerfrauen, Winterfrauen sei den LeserInnen empfohlen, die etwas für originelle Sprache und skurille Charaktere übrig haben. Und die denken, sie können sich mit einer Collage aus “Nazischeiß” und verkrachtem Künstlerexistenz-Epos anfreunden. Ich konnte es durchaus.

Fornite WM

Gestern mit dem Kind die Fortnite WM im Duo angesehen.

Ist ja nicht so, dass ich mich wirklich auskenne, aber wie das aufgezogen ist, in einem riesigen New Yorker Stadion, mit deutschen Kommentatoren (selbst schon youtube Stars), die das wirklich witzig machen und es nicht fassen können, dass das Siegerduo 3 Millionen (sic!) Dollar bekommt – das war ganz nett. Für mich war das auch unvorstellbar, das Kind sagt dagegen abgeklärt: “Weißt du nicht, was Epic Games im Jahr für Umsatz mit dem Spiel macht?” Nun ja, offensichtlich wusste ich das nicht. Und jetzt bin ich noch überraschter.

Auch anderes ist erstaunlich: gesiegt hat nämlich ein Österreicher, namens “Aqua”, der erst 17 Jahre alt ist. Ingesamt ist das Teilnehmerfeld sehr jung, der älteste Teilnehmer gestern war 24, der Jüngste erst 13. Da hab ich zum Kind gesagt: “Schluss mit der Schule, ab jetzt zockst du 14 Stunden am Tag.” Das Kind war glücklicherweise ensetzt. Harhar.

Jedenfalls war die Ergebnisliste Song Contest-like. Die österreichische Flagge ganz oben.

Nochmal Kino

Die Kino Indie-Webseite Indiewire hat ein Ranking herausgegeben. Die besten Filme der 2010er Jahre und Gott sei es gedankt, fehlt Manchester by the Sea auf dieser Liste. Einen Film, den ich abgrundtief, na ja, hassen ist ein starkes Wort. Den ich wirklich gar nicht mag.

Andere Filme fehlen (mir) wie Birdman – aber die Liste hat eine Richard Linklater Schlagseite, dessen Boyhood ja damals gegen Birdman verloren hat; Boyhood ist Platz 24 der Liste. Auch Julieta fehlt mir, dem IMO besten Film von Pedro Almodovar. Oder auch August Osange County.

Dafür findet man auf Platz 73 La La Land, über den es heißt: ” And while the movie is destined to be remembered for the Academy Award it didn’t win, Chazelle earned his title as the youngest person to ever be named Best Director.” Auf Platz 65 haben wir Melancholia, laut den Listenmachern, der “least disturbing” Film von Lars von Trier. Allerdings hat der mit Dogma auch nix mehr zu tun, oder kann irgendjemand von euch Blitze aus seinen Finger sprühen lassen?

Es gibt einen Jarmusch auf Platz 35 (Only lovers left alive) und einen Wes Anderson auf Platz 32 (The Grand Budapest Hotel) und Sofia Coppola mit Somewhere auf Platz 31, ein Film der Understatement pur ist, gegen den sogar Lost in Translation wie ein kalkulierter Blockbuster wirkt. Und auf Platz 11, LadyBird – ganz bezaubernd.

Ganz viel empfinde ich persönlich ja auch für Platz 18 Call me by your Name. Eine wunderbar-traurige homosexuelle Lovestory, viel besser als Brokeback Mountain IMO und durch den Indiewire Artikel hab ich jetzt auch erfahren, dass der Regisseur selber schwul ist. Vielleicht liegt es auch daran. Indiewire schreibt jedenfalls sehr zutreffend:

The last 10 years saw the romantic drama vanish along with the romantic comedy, but “Call Me by Your Name” made falling in love feel sexy again. All it took was the sight of Timothée Chalamet and Armie Hammer staring each other down in short shorts (…) If “Moonlight” is the decade’s defining queer coming-of-age film, then “Call Me By Your Name” is its grand gay romance.

Platz 1 ist übrigens Moonlight, den ich peinlicherweise immer noch nicht gesehen habe.

Once upon a time in Hollywood

Ich muss ehrlich sagen, unter dem neuen Tarantino Once upon a time in Hollywood kann ich mir gar nichts vorstellen.

Es wird auch nicht besser, wenn ich mir den Trailer anschaue. Eher im Gegenteil. Ein bisschen erinnert es mich an Wolf of Wall Street, aber ich hoffe, das liegt nur an Leo, weil an den Film habe ich nicht allzu gute Erinnerung, es ging quasi nur ums Saufen und Rauchen und Vögeln und das war alles insgesamt sehr redundant.

Ok Brad und Leo sind cool und Margot Robbie war echt super in I, Tonya. Aber hier spielt sie Sharon Tate. Die Frau von Roman Polanski, die dann von der Charles Manson Gang hingerichtet wurde und ich frage mich, wird das auch Thema im Film sein und will ich das sehen? Also nein, eigentlich will ich das gar nicht sehen, alleine daran zu denken finde ich schon schmerzvoll.

Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass die Trailer zu den Quentin Tarantino Filmen meistens extrem irreführend sind, man denke nur an den schauerlichen Trailer zu Inglorious Basterds, der mit dem tatsächlichen Plot, seien wir uns ehrlich, kaum was zu tun gehabt hat (Gottseidank!)

Die Kritiken sind jedenfals gut, Sasha Stone von Awardsdaily nennt ihn in ihrer Rezension “Tarantinos most accomplished film” – und da bin ich auch gespannt, wie das gemeint ist – denn so in Richtung reifes Alterswerk, will man sowas bei Tarantino sehen? Ist das zu sehr Mainstream dann? Na ja, man darf gespannt sein.

Auszeit

Diese Woche hab ich mich mit einer anderen Frau getroffen: genauso alt wie ich, ein Kind in meinem Alter, berufstätig und sie hat mir gesagt: “Ich war am Meer und habe mich in den Sand gesetzt und einfach aufs Wasser geschaut, zwanzig Minuten, eine halbe Stunde. Sonst hab ich nichts gemacht. Bis mein Vater gekommen ist und mich gefragt hat, ob alles in Ordnung ist. Und es war alles in Ordnung, ausgenommen die Tatsache, dass ich komplett leer war.”

Ich konnte sie so gut verstehen. Mein Kind war jetzt seit fast zwei Wochen auf Urlaub, ich hatte also “frei”, und ich kenne das Gefühl, einfach nur vor mich hinschauen zu wollen. Das ganze Schuljahr läuft irgendwie getaktet, sechs Uhr aufstehen, Frühstück machen, Kind im Zeitplan halten, Kind verlässt das Haus, Lohnarbeit, einkaufen gehen, Kind kommt wieder, Essen machen, Hausübungsbeaufsichtigung, Lernbeaufsichtigung, emotionale Befindlichkeiten des Kindes abholen, Schultasche neu packen, diversen Nachbarkindern und Freunden Türen öffnen, Türen wieder schließen, nochmal Lohnarbeit, Abendessen, Schlafengehen-Verhandlungen mit dem Kind, um 21.30 Uhr möchte man dann auch gleich schlafen. Fakultativ wird man nachts wegen Bauchweh, schlechtem Traum, Insekt im Zimmer, nicht schlafen können usw. geweckt, oder weil überall in der Wohnung das Licht brennt.

Es ist schon erholsam, und gleichzeitig ungewohnt, einfach mal gar nichts zu müssen, vor allem nicht dauernd dran zu denken, was alles zu bedenken ist. Mental Load nennt man das ja neudeutsch. Ja, die Gefahr ist da, sich dabei zu verlieren. Nur noch erschöpft zu sein, vom ganzen Organisieren und Funktionieren. Auch wenn es Jammern auf hohem Niveau ist.

Aber es ist wichtig, an sich zu denken, etwas für sich zu machen, sich selbst wieder zu spüren, als man selbst, einfach nur als Mensch, als Frau, mit seinen eigenen Emotionen und Befindlichkeiten, Wünschen, Sehnsüchten und Hoffnungen. Und zwar ohne ein schlechtes Gewissen deswegen zu haben, gerade nichts anderes zu machen, als sich auf sich selbst zu konzentrieren. Ich konnte das jahrelang ziemlich schlecht. In der letzten Zeit gelingt mir das viel besser als früher. Und es bringt mir neue Lebensqualität.

Und es ist gut, mit anderen Frauen zu reden, und sich darüber auszutauschen.

Was Oma noch wusste

Aus der Rubrik: Was Oma noch wusste.

Wer kann sich tatsächlich noch daran erinnern, dass Conchita Wurst 2012 im ESC Vorentscheid Österreich rockt den Song Contest Zweite hinter den Trackshittaz mit Woki mit deim Popo wurde? Ich habe das wirklich komplett vergesen! Der Song war – ähnlich wie Rise like a Phoenix – ein Selbstermächtigungssong und hieß That’s what I am und war gar nicht so schlecht.

Die Trackshittaz sind nicht ins Finale gekommen, zweifelsohne war es aber gut so, dass Wurst sich damals nicht durchsetzen konnte, denn Marco Schreuder und Konsorten (in dessen Merci Cherie Podcast mir das ganze wieder in Erinnerung gerufen wurde) waren sich einig, dass 2012 das Jahr von Loreen und Euphoria war und, dass niemand anderer in diesem Jahr gegen dieses eine Chance gehabt hätte.

Interessantes Detail am Rande: Beim Merci Cherie Podcast werden alle Gäste nach ihrem all time favorit ESC Song gefragt und erstaunlich viele Menschen antworten darauf “Euphoria”. Und oft auch, dass sie dieser Song wieder zurück zum ESC gebracht hat.

Eine sexuelle Biografie

Auf fm4 hab ich zufällig eine Rezension zu Doris Anselm Roman Die Hautfreundin. Eine sexuelle Biografie gelesen. Und hab mir gedacht, das Buch muss ich haben.

Ich habe schon sehr lange kein Buch mehr gelesen. Weil mir die Ruhe dazu gefehlt hat. Weil meine eigenen Gedanken zu laut waren, mich abgelenkt haben, von dem, was mir ein Autor erzählen will. Frau Anselm hat es geschafft, meine Aufmerksamkeit nicht nur zu erregen, sondern auch zu halten. Ich habe Die Hautfreundin innerhalb von zwei Tagen ausgelesen.

Eine sexuelle Biografie – nun ja, das liest sich erstmal etwas verrucht. Was ist das, ein Porno zwischen zwei Buchdeckel? Nein, ganz und gar nicht. Obwohl es natürlich schon darum geht, dass die namenlose Protagonistin ihre erotische Biografie vor der*m geneigten Leser*in ausbreitet. Die Protagonistin lebt in keiner Beziehung, sondern hat wechselnde Partner, mit denen sie Sex hat. Aber es ist nicht nur anonymer, beiläufiger Sex, das wäre ja auch sehr langweilig zu lesen.

Es sind tatsächlich Begegnungen, die wenn auch nicht auf Liebe beruhen, dann zumindest auf einer gewissen – sexuellen – Verbindung, auf starker körperlicher Anziehung, auf der Lust, miteinander eine kleine Geschichte zu schreiben. Es ist sinnlich und teilweise auch explizit, manchmal aber auch voller schwer aufzulösender Umschreibungen, dass man gar nicht so genau weiß, was da nun im Detail passiert ist. Und das macht das Buch natürlich auch spannend und lässt viel Spielraum für eigene Fantasien.

Doris Anselm spricht eine betörende Sprache. Und sie findet Formulierungen, die weder harmlos-blumig sind, noch derb-explizit. Sie beobachtet ganz genau, wenn sie schreibt: “Kommen. Ich will kommen und ich will ihn kommen sehen. Ich will wissen, ob es verschiedene Orte sind, an die wir gelangen.” Oder: “Ich wand mich hilflos unter seiner Berührung, presste das Gesicht ins Kissen und stöhnte immer wieder, ein Stöhnen das mir völlig fremd war (…) unsagbar peinlich und so geil wie kein Geräusch, an das ich mich erinnere.”

Oder, etwas aus dem praktischen Leben, was wir, sind wir uns ehrlich in der einen oder anderen Form alle kennen, den Kopf verlieren und dabei doch noch irgendwie an mögliche Konsequenzen denken; und überlegen, wie weit man jetzt tatsächlich gehen will, wenn man sich zwingt, noch schnell einen klaren Gedanken zu fassen. Im Buch ist das Sex auf einem Parkplatz, auf den die Protagonistin nicht vorbereitet war (ergo keine Verhütungsmittel zur Hand sind): “Gut, vielleicht hätte man bei uns damit rechnen können. Rechnen müssen. Also rechne ich jetzt, ich verrechne alles Mögliche miteinaner, Zyklusphase, Risiko, Pauls mutmaßliche sexuelle Vorgeschichte und die Minuten, die uns bleiben, bevor das zu spät kommen auffällig wird.”

Anselm gibt ihrer Protagonistin eine selbstbestimmte, feministische Stimme, sie lässt sie ein erfülltes, üppiges Leben führen, ein Leben, dass Frauen vor einiger Zeit in der Art und Weise noch nicht hätten führen können, ohne zumindest schief angeschaut zu werden. Ihre Protagonistin darf nicht nur glücklich sein, sie darf geil sein und sie darf alles darüber erzählen, was sie möchte, wie sie es möchte – und wir LeserInnen sollen sehen und spüren, das es vollkommen in Ordnung so ist. Und, dass wir das selbst auch dürfen. Auch wenn es uns vielleicht nicht gelingt, so schöne Worte dafür zu finden.

Mamma Maria

Es gibt ja dieses Märchen oder die Legende, dass eine Katze drei Vornamen hat, und wenn sie irgendwo liegt und versonnen in die Gegend schaut, dann denkt sie darüber nach, welche es waren.

Mir geht es immer so mit Liedern, die irgendwo zu mir her wehen und dann denke ich daran, dass sie vor 30, 35 Jahren aus dem Küchenradio bei meinen Eltern kamen und ich grüble nach ihren Namen. So ging es mir vorige Woche in Bibione, mit dem Song (wie ich mittlerweile weiß) Mamma Maria von Ricchi e Poveri.

Ein unwiderstehlicher italienischer Ohrwurm aus dem Jahr 1982, da war ich sechs Jahre alt. Lyrcis-mäßig ist er quasi die etwas klamauike Version von Que sara, sara von Doris Day, in dem es ja darum geht, was wird die Zukunft bringen. Bei Mamma Maria geht es auch darum, allerdings geht man dafür in Italien zur (windigen) Wahrsagerin. Die soll einem schöne Dinge prophezeien, zum Beispiel: “Sarebbe bello se fosse un re”: “Es wäre doch schön, wenn ich ein König sein könnte”. Aber es soll auch wahr sein, nicht nur gefällige Worte.

Ja, ja, die Italiener…