Archiv für Freitag, 9. Juni 2017

Don’t look back in anger

Heute wurde bekannt, dass Oasis-Mastermind Noel Gallagher alle zukünftigen Tantiemen für seinen Song Don’t look back in anger den Opfern des Terroranschlags in Manchester bzw. deren Hinterbliebenen spenden wird. Eigentlich wollte er das ja mehr geheim machen, aber nach massiver Kritik, da er beim Manchester Benefizkonzert nicht dabei war, wurde es jetzt doch öffentlich. Und das ist natürlich grandios.

Bei Don’t look back in anger handelt es sich – zumindest meiner Meinung nach – um den besten Oasis Song überhaupt. Während der Hochblüte des Britpop, als diskutiert wurde, welche Band nun besser wäre Blur oder Oasis hab ich mich immer für Pulp oder Suede entschieden. Harhar. Aber ich liebte Live forever von Oasis und das (What’s the story)Morning Glory Album mochte ich auch sehr gern, auf dem ja der oben genannte Song enthalten ist. Wobei der Albumtitel bei weitem nicht so gut ist wie der des 1. Albums (Definitely maybe). Davon fühlte ich mich als Teenagerin sehr angesprochen.

Was muss man zu Don’t look back in anger wissen? Erstmal, dass es nicht Liam singt, der das sonst meistens tut, sondern sein ihm nicht gerade in großer Einigkeit zugetaner Bruder Noel (der ja sonst eher die Texte schrieb und Gitarre spielte). Und ich hab echt nichts dagegen, dann ich war nie ein Fan von Liams Attitude, sich halb schief vor ein Mikro zu stellen und dann (ebenso) halb gelangweilt den jeweiligen Song zu performen.

Das Video ist offenbar irgendeinem feuchten Traum der Band als ganzes geschuldet, besuchen sie doch ein Haus, in dem nur weiß gekleidete Frauen zu leben scheinen und lungern dann dort am Pool herum und machen Musik. Zielsetzung: “I wanna start a revolution from my bed.” Aus feministischer Sicht ist das na ja, schon ein bisschen ein “Male gaze”-Ding, die Frauen im Video sind sehr passiv, abgesehen davon, dass sie manchmal ein bisschen in die Kamera singen, natürlich den Text von Männern, und extrem traurig sind, als die Band wieder abfährt, so als wäre ihnen nun ihr Lebenssinn genommen. Aber vielleicht interpretiere ich da auch zuviel rein. Harhar. Der Schauspieler Patrick McNee (Mit Schirm, Charme und Melone) als Chauffeur bringt immerhin ein bisschen Seriosität in das Ganze.

Don’t look back in anger wurde – zumindest vom Libro Magazin (und die müssen es wohl wissen!) – als Statement für die damals neue UK Regierung unter Labour mit Tony Blair rezipiert. Heute, und besonders natürlich nach der Tantiemenspende, gilt der Titel eher als Anti-Terror Song, jedenfalls hat er eine gewisse Aufbruchstimmung, eine Mischung aus Trotzigkeit und Melancholie, siehe letzte Songzeile:

“We don’t look back in anger, I heard you say – at least not today”.

In Anbetracht des aktuellen Bezugs kriegt man schon einen kleinen Kloß im Hals.