Archiv für Mittwoch, 27. Dezember 2017

Donne

Zu Weihnachten hab ich ein wirklich tolles Buch geschenkt bekommen, Frauen von Andrea Camillieri. Ich hab schon länger kein fiktionales Werk mehr gelesen, weil mir oft die nötige Ruhe fehlt, aber hier konnte ich nach der ersten Seite einfach nicht mehr aufhören und war schon am Christtag fertig.

Camillieri kennt man ja eher als Kriminalautor, sein Comissario Montalbano ist vielleicht sowas wie ein Gegenpart zu Gudio Brunetti; während dieser in Venedig ermittelt, tut Montalbano das in Sizilien, was atmosphärisch wahrscheinlich schon einen großen Unterschied macht. Ich kann es nicht näher beurteilen, da ich alle Brunetti Romane gelesen haben, aber (noch) keinen von Montalbano. Ich mag Brunetti ja deshalb, weil die Kriminalfälle so nebensächlich und oft auch unspektakulär sind und die Stadt, die Menschen und vor allem das Essen soviel wichtiger.

Jedenfalls portraitiert Camillieri in seinem Buch, Nomen est Omen, Frauen, alphabetisch geordnet, quasi um weder Wertung nach Wichtigkeit zu treffen, noch einer Chronologie folgen  zu müssen, es sind auch nicht immer Frauen, die er persönlich gekannt hat, sondern manchmal auch literarische Figuren wie Antigone oder Desdemona, zu denen er einen persönlichen Bezug hat. Und obwohl die Texte eher kurz sind – es sind ungefähr 40 Geschichten enthalten – und die Frauen sowohl in Alter als auch Charakter und Background komplett unterschiedlich sind, gelingt es Camillieri spielend, die Figuren mit ein paar Sätzen so umfassend lebendig werden zu lassen, dass man sie sofort erfassen kann.

Mir haben schon diese Texte am besten gefallen, in denen Camillieri persönliche Begegnungen beschreibt – oder zumindest sehr gut erfunden oder fantasiert hat. Diese Texte sind oft ein bisschen schräg, meistens auch sehr erotisch, überraschend und geheimnisvoll und vermitteln sehr viel an italienischer Atmosphäre. Manchmal sind sie auch recht witzig, etwa als Camillieri in ein Flugzeug steigen muss und darüber sagt “Wenn ich fliege, empfinde ich mich nicht gerade als einen glücklichen Menschen.” Oder als er als Gastprofessor einer jungen Schwedin nach einer unmissverständlichen Einladung nach Hause folgt und dort keine Studenten-WG vorfindet, sondern feststellen muss, dass Ingrid noch bei den Eltern wohnt. Er simuliert dann eine Erkrankung und wird von ihrem  Vater zurück ins Hotel gebracht. Lakonisch bemerkt er: “In dieser Woche muss der Index italienischer Manneskraft in Schweden steil abgefallen sein.”

Camillieri sagt im Nachwort, dass er nicht psychologsieren oder Frauen irgendwie deuten will, sondern nur Geschichten aus einem subjektiven Blickwinkel erzählen will. Das ist ihm sehr gut gelungen.

Lost in translation

Aus der Rubrik: Lost in translation.

Da erklären englische Zeitungen ihren Lesern den neuen Innenminister Herbert Kickl als bisheringen Marketingexperten seiner Partei, und bringen dabei seine Zitat legendären Slogans wie “Daham statt Islam” als Beispiel. Dieser wird übrigens übersetzt als “Home instead of Islam”.

Wie genial oder nicht genial mal den Slogan auch finden mag, den Lesern des Guardian wird sich wahrscheinlich nicht wirklich erschließen, was an dem Slogan besonders bemerkenswert oder orignell sein soll.

Merry Christmas

Heuer sehen die Weihnachtsfotos von der alten Donau eher nach Frühling aus:

Mal sehen, ob es dafür dann am 24. Jänner schneit oder zu Ostern.

Jedenfalls: frohe Weihnachten allen meinen Lesern!

In der Weihnachtsbäckerei

Bei uns herrscht derzeit Adventbäckerei, quasi same same but different. In der Früh machen wir jetzt nämlich des öfteren Pizzastangerl.

Nicht, dass mir so extrem fad wäre, wenn ich um ca. 6.18 eh schon Toast mache, Rührei und Punsch und für mich Kaffee, weil ich muss ja auch was frühstücken; nun kommt aber noch das Einrollen von Pizzateig dazu, dann werden die Stangerl 15-18 Minuten gebacken und anschließend mit einer Mischung aus Olivenöl und frischem Knoblauch bestrichen. In dieser Zeit kann man zumindest ins Bad gehen.

Heut war ich dann anschließend einkaufen und als ich zurückgekommen bin, wehte mir schon im Stiegenhaus ein durchaus intensiver Knoblauchgeruch entgegen. Woher das wohl kam. Harhar.

Golden Globes

Heute wurden die Golden Globe Nominierungen bekannt gegeben und anders als in den letzten Jahren ist noch kaum einer der nominierten Film hier gelaufen. Abgesehen von Dunkirk, über den ich mich nicht drüber getraut habe. Weshalb ich da jetzt wenig dazu sagen kann.

Aber ich freue mich speziell auf Greta Gerwigs Lady Bird. Der erste Film, bei dem sie nicht nur das Drehbuch verfasst, sondern erstmals auch Regie geführt hat, da bin ich sehr neugierig. Ich find sie einfach so genial, als Schauspielerin, aber auch als Drehbuchautorin. In Lady Bird spielt sie selber allerdings nicht mit. Gerwig lebt in New York, schreibt nerdige Dialoge, spielt schräge Rollen, ist dabei sehr uneitel und ziemlich komisch und sympathisch. Bisschen entäuschenderweise ist sie nicht als beste Regisseurin nominiert worden, stattdessen wieder nur Männer, aber eventuell/hoffentlich ändert sich das bei den Oscars. Wer nominiert wurde, ist ihr Film, ihr Drehbuch und ihre Darstellerinnen wobei ich vorher schon mit mir selbst gewettet habe, dass Saoirse Ronan wieder falsch ausgesprochen wird und ich hab gewonnen.

Meryl Streep ist übrigens auch nominiert worden, das ist nicht so überraschend, denn jedes Jahr wenn sie in einem oscar-worthy Film mitspielt, wird sie auch nominiert, diesmal für The Post an der Seite von Tom Hanks. Der deutsche Titel des Filmes ist übrigens Die Verlegerin, bisschen sperrig, wenn man mich fragt. Wer auch nominiert wurde, und das ist deutlich überraschender: Christopher Plummer. Wir erinnern uns, der wurde erst im November dazu auserkoren, Kevin Spacey in All the money in the world zu ersetzen, hat dann in ein paar Tagen die Szenen neu eingespielt und ist nun ein GG Kandidat. Da hat sich das (auch finanzielle) Risiko für Regisseur Ridley Scott wohl ausgezahlt.

Richtigerweise bemerkt ein US-Filmkritiker:

Der Globe für den besten Animationsfilm wird Coco wohl nicht zu nehmen sein, wir haben ihn vorige Woche gesehen und es ist wirklich ein außergewöhnlicher Kinderfilm. Ich glaube, ich habe noch nie einen Animationsfilm mit so schönen und ästhetischen Bildern gesehen und der Plot ist auch intelligent, witzig und zugleich auch rührend.

Als Favorit geht übrigens The Shape of Water von Guillermo del Toro ins Rennen mit 7 Nominierungen. Die Verleihung findet am 7. Jänner statt, also bei uns ist es dann schon der 8.

Spotify Charts

Dieses Jahr hab ich schon fast sehnsüchtig auf die Bekanntgabe meiner Lieblingssongs auf Spotify gewartet. Wenn man sich mal dran gewöhnt hat, dass sein Musikverhalten NSA-like aufgearbeitet wird, gehts eigentlich. Voriges Jahr kam das mehr out of the blue.

Und voila, meine Top 5 Songs des vergangenen Jahres:

Nach den Top fünf wundert man sich vielleicht ein bisschen, dass mein meist gehörtes Genre Indie-Rock ist, aber ok. Hier bemerkbar ist ein gewisser Hang zum Musikfilm, La La Land ist gleich zweimal in den Top 5 vertreten (in den Top 100 noch öfters) sowie zum Songcontest, anhand des Beispiels von leider-nein Gewinner für Italien, Francesco Gabbani. Ich glaub, sein Song ist mehr Radio als bühnentauglich.

Sign of the Times hab ich wiederum im Sommer sehr oft gehört und Feel Good Inc. jetzt im Herbst. Insgesamt hab ich ca. 9.400 Minuten auf spotify Musik gehört, was schon eine ganze Menge ist. Ich höre spotify nämlich zum überwiegenden Teil dann, wenn ich mit den Öffis unterwegs bin.

By the Sea

Heute hab ich auf orf.on gelesen, dass Angelina Jolie mit dem Film By the Sea, in dem sie Regie führte, eigentlich ihre Ehe mit Brad Pitt retten wollte.

Das hat ja nicht so ganz funktioniert und der Film selbst wurde von der Kritik auch ziemlich zerzaust. Ich hab ihn nicht gesehen, weil der Trailer mich schon unendlich deprimiert hat und solche Filme meide ich dann mit großer Freude.

Aber jedenfalls hat mich die heutige Meldung wieder daran erinnert, dass bei der Oscarverleihung 2016 – die ja ein Zeichen gegen #Oscarssowhite setzen wollte – ein Showblock von Host Chris Rock darin bestand, schwarze Kinobesucher in Compton nach ihren filmischen Vorlieben zu befragen. Das war einerseits witzig, andererseits auch durchaus der angestrebten Diversity zuträglich.

Mein Lieblingsmoment war aber, als Rock eine schwarze junge Frau fragt, was ihr liebster “White-Movie” des Jahres war und sie so: “By the Sea with Brad Pitt and Angelina Jolie”. Und Chris Rock so: “Wow – not even they would say that.”

Embrace the change!

Immer wieder erscheinen auf Elternblogs sentimentale Texte, dass die Kinder so schnell groß werden und einem die Zeit quasi durch die Finger rinnt.

Ich habs ja persönlich nicht sehr mit der Sentimentalität an sich, es ist einer dieser Gefühlszustände, die ich nicht sonderlich gut leiden kann, weil sie immer so ins leicht depressive abzugleiten drohen, und ganz nachvollziehen kann ich es auch nicht, wenn (zumeist) Mütter trauern, wenn aus Babys Kleinkinder, aus Kleinkindern Kindergartenkinder, aus Kindergartenkinder Schulkinder usw. werden. Ich hatte auch nie das Gefühl, dass alles zu schnell geht. Mag daran liegen, dass ich drei Jahre quasi rund um die Uhr mein Kind betreut habe und wirklich praktisch alles hautnah miterlebt habe, was es da zu erleben gibt.

Es gibt ja diesen Text, dass man oft nicht weiß, wann alles zum letzten Mal passiert, also beispielsweise, das letzte Mal, dass man sein Kind stillt, es am Arm trägt und so weiter. Ich hab ja nicht wirklich gestillt, abgesehen von zwei, drei eher glücklosen Versuchen, aber ich weiß nicht, wieviele Fläschchen ich gegeben habe und wieviele Windeln gewechselt und wie oft ich nachts wach war und wie oft ich das Kind von da nach dort getragen hab oder einfach im Kreis herum, es war jedenfalls alles wirklich oft genug für mich. Harhar. Ich sehe Veränderung auch nicht als etwas schlechtes an, etwas wovor man sich fürchten muss, auch wenn ich sonst durchaus auch ein Gewohnheitstier sein kann. Aber, dass ein Kind wächst und mehr kann, vor allem mehr versteht und sich differenzierter ausdrückt und man besser mit ihm reden kann, dass man das Gefühl hat, es begreift die Welt langsam und entwickelt eine eigene Perspektive, über die man sich mit ihm austauschen kann, das finde ich absolut großartig und will ich never ever zurücktauschen, nicht für eine Stunde.

Wie kam ich jetzt darauf, aja genau, ich hoffe, ich habe das letzte Mal “Wir haben Läuse in der Klasse, bitte untersuchen sie ihr Kind” bereits hinter mir, ohne es zu wissen. Denn dieses Jahr, oh Wunder, gabs noch gar keinen derartigen Alarm und ich könnte wirklich gut damit leben, wenn das so bliebe.

Frühstück bei mir

Gestern bin ich am Vormittag alleine im Auto gesessen und dabei zufällig auf Frühstück bei mir gestoßen. Ich hab das bisher ab und zu und immer gerne gehört, vergesse aber, das bewusst einzuschalten, weil Sonntag Vormittag irgendwie immer irgendwas ist.

Jedenfalls war diesmal Michael Niavarani zu Gast und dem höre ich ja sehr gerne zu. Ein Thema war sein kommender 50. Geburtstag nächstes Jahr und weil Alfons Haider grad 60 wurde, hat Claudia Stöckl ihn gefragt, ob er auch – wie Haider, der mit 60 Leuten feierte – es schaffen würde, 50 Leute einzuladen.

Niavarani: “Ja, ich würde 50 einladen, aber ich bin nicht dabei. Das wäre mir sehr recht.”

Stöckl: “Du würdest alles bezahlen?”

Niavarani: “Ich würde alles bezahlen, aber ich geh nicht hin.”

Stöckl: “Aber dann fehlt ja der Anlaß.”

Niavarani: “Das ist wie beim Begräbnis, da bin ich auch nicht dabei, da können sie sich schon auf mein Begräbnis vorbereitet.”

Bin echt lachend im Auto gesessen, weil ich das auch so gut verstehen kann, das ist genau my kind of birthdayparty, wieso bin ich da selbst noch nie draufgekommen. Feiern ja, aber bitte ohne mich.

Auch sonst war das Interview echt hörenswert, zb die Passage, wo er zur Verlobung von Prinz Harry befragt wird, und Stöckl sagt, Harry hat ihr den Ring selbst designt, Niavarani: “Wenn eine Ehe damit beginnt, dass er ihr was bastelt, wär ich schon angefressen.” Oder als Stöckl sagt, sie habe gehört, er, Niavarani würde gut verdienen, sei aber laut seines Managers kein Abkassierer, meint er: “Ja, weil ich ein Trottel bin.”

Sehr sympathisches Gespräch!