Archiv für Mittwoch, 28. Februar 2018

Mythen im Film

Letztens hab ich einen sehr guten Artikel über Sex Mythen im Film gelesen, den man eigentlich nur vollinhaltlich unterschreiben kann.

Tatsächlich lehrt einen das Medium Film ja sehr viele Dinge, bevor  man sie selbst erlebt und dann hat man – vor allem als sehr junger Mensch – das Gefühl, dass das Medium die Realiät abbildet. Abgesehen davon, dass es die Realität an sich ja schon nicht gibt, birgt das natürlich gewisse Gefahren. Ich hatte als Jugendliche eine Freundin, die ihre erste Beziehung mit Beziehungen in Filmen gleichsetzte und immer ganz enttäuscht war, wenn sich ihr Freund gar nicht “filmtauglich” verhalten hat. Das mag eine Extremposition sein, aber ganz kann man sich vor solchen Klischees wahrscheinlich nie ganz verschließen, vor allem wenn sie in einer gewissen Konzentration auf einen einströmen. Weshalb ja der Film auch eine gewisse Verantwortung gegenüber seinen Zusehern hat, finde ich.

Ich hab das selber erlebt als ich im Kreissaal lag. Nachdem ich ja meinen Geburtsvorbereitungskurs um gute sechs Wochen verpasst hatte, fragte ich mich, was jetzt eigentlich zu tun sei. Ich konnte mich nur fragmentarisch daran erinnern, was ich zum Thema “Geburt” auf Wikipedia mal überflogen hatte. Also überlegte ich mir, was ich so an Geburten im Kino schon gesehen hatte. In ganz frühen Filmen wird ja immer nach Tüchern und heißem Wasser verlangt (warum weiß ich eigentlich immer noch nicht so genau), später wird sehr viel geschrieen und gehechelt, falls es nicht überhaupt so schnell geht wie zum Beispiel beim Billa eine Wurstsemmel bestellen. Das alles war nicht wirklich hilfreich. Oder als in irgendeinem Film der Frau die Fruchtblase platzt, und dann ruft sie einfach ein Taxi und setzt sich da komplett trocken rein. Ja waaaahrscheinlich.

Aber zurück zum Sex in Filmen, da find ich es ja durchaus gut, wenn man zur Ironie übergeht. Wie in Harry und Sally. In einer der kultigsten Filmszenen überhaupt, die wohl die meisten Zuschauer einfach sehr amüsant finden, wird quasi nebenbei auch etwas über Kommunikation über Sex gelehrt. Nämlich als Harry von seinen Affären berichtet, wo er nicht mal so lange bleibt um anschließend noch mit den beteiligten Frauen zu reden, und dennoch davon überzeugt ist, dass sie es genauso genossen haben wie er selbst. Wir wissen alle wie Sally die Sache erklärt. Und obwohl das einfach ziemlich witzig ist, erzählt es auch etwas darüber, wie Mann und Frau miteinander manchmal (nicht) kommunizieren. Und das ist eigentlich ziemlich feminisisch für eine “einfache” RomCom.

Auch wenn Hitchcock recht hatte als er – angesprochen auf eine Unplausiblität – sagte: es ist nur ein Film. Es ist zwar nur ein Film, aber innerhalb dessen sollte es schon halbwegs schlüssig zugehen. Und so wie sich die Gesellschaft verändert, offener wird und differenzierter Themen diskutiert, sollten vielleicht auch die “ewigen Themen” in Filmen neu gedacht und in Szene gesetzt werden.