Archiv für Freitag, 13. April 2018

Von Nervensägen

Heut hab ich auf Instagram gesehen, wie eine Schwangere das Buch Warum französische Kinder keine Nervensägen sind von Pamela Druckerman liest, weil es von sovielen empfohlen wurde. Ich habe mir auch schon überlegt, dieses kontroversiell diskutierte Werk zu lesen, aber ehrlich gesagt find ich den Titel schon so daneben, dass ich mich dazu bis dato nicht überwinden konnte.

Ich habe eigentlich wenig Kontakt zu Franzosen und – innen, und noch weniger zu französischen Eltern, nur einmal ist mir eine französische Familie beim Urlaub in Bibione aufgefallen. Und zwar deshalb, weil die kleine Tochter, sie mag vielleicht zwei oder zweieinhalb gewesen sein, stundenlang quasi unbewegt auf der Liege neben ihren Eltern gesessen ist.

Ich war mit meinem Kind (und der Oma) erstmals länger am Meer auf Mallorca, als er fast sechs war und er ist keine fünf Minuten auf der Liege gesessen, geschweige denn gelegen. Die Freundinnen meiner Mutter, die auch mit im Urlaub waren, haben immer gesagt, jetzt muss er doch mal müde sein und sie haben mit mir gewettet, dass er einmal einschlafen wird und haben diese Wette knapp vorm Abflug – nach einer Woche nonstop Halligalli – gewonnen. Aber das war nur komplette Kapitulation wegen absoluter Übermüdung. Mein ausgeschlafenes Kind verbringt auch heute noch kaum je Zeit auf einer Liege.

Wie war es also diesen Franzosen möglich, dass ein so kleines Kind so ruhig auf der Liege sitzt, dass die beiden stundenlang in ihren Büchern und Zeitschriften lesen konnte (ja ich war etwas neidisch). Und dann sah ich warum. Irgendwann wollten die Eltern nämlich gehen und das Mädchen wollte aber endlich ins Wasser und es ist ein bisschen “weggelaufen” – eh nur zwei Schritte Richtung Pool und hat dabei ein bisschen gejammert und da kam die Mutter und gab ihr ein paar auf den Po, und das keineswegs sanft, und der Vater hat ganz böse geschaut und dann fügte sich die Kleine gleich wieder ihrem Schicksal; ich fand diese Szene ziemlich fuchtbar und hätte am liebsten was gesagt und frag mich bis heute, ob ich hätte etwas sagen hätte sollen.

Ich will von diesem Einzelfall sicher nicht auf alle französischen Eltern schließen, aber ich muss immer dran denken, wenn von den disziplinierten französischen Erziehung die Rede ist und dann will ich davon lieber doch nichts wissen.