Archiv für Montag, 31. Dezember 2018

Die Fledermaus

Vor der Music-Challenge noch etwas musikalisches zu gestern Abend.

Da habe ich auf ORF 3 zuerst “Best of Neujahrskonzert” mit Barbara Rett gesehen. Barbara Rett moderiert einen Filmausschnitt mit Lorin Maazel an und kommentiert, dass Maazel damals noch blutjung gewesen sei. 1980. Ich schau mir das an und denke mir, naja, weiße Schläfen hat er schon. Und aus Interesse google ich dann, wie alt er tatsächlich war 1980 und siehe da, er war 50. Harhar. 50 ist also das neue blutjung, eigentlich ganz nett.

Dann lief meine Lieblingsoperette Die Fledermaus und zwar in der besten Version, unter der Regie von Otto Schenk. Wenn man die Overtüre hört, kennt man quasi schon die ganzen Hits, da ist bereits fast alles drinnen. Der Plot ist ja, dass Gabriel Eisenstein, ein wohlhabender Bürgerlicher, für 5 Tage wegen Beamtenbeleidigung ins Gefängnis muss. Deshalb erscheint Alfred, ehemaliger Liebhaber seine Frau Rosalinde, für eine letzte Nacht (die Dialoge sind ganz schön eindeutig-zweideutig) und sie ist auch nicht wirklich abgeneigt, während Gabriels Freund ihn vor dem Arrest noch auf einen Ball entführen will, damit er dort seine Eroberung machen kann, also mit der ehelichen Treue wars jetzt nicht so weit und irgendwie ist das sehr witzig, wie Strauss die bügerliche Doppelmoral entlarvt.

Jedenfall ist der Ball Schauplatz des 2. Aktes, übrigens ausgerichtet von reichen russischen Prinzen Orlovsky, der nicht mehr lachen kann, eine einzige Verwechslungs/Täuschungskomödie, weil Gabriels Freund Dr. Falke sich bei diesem für einen Streich rächen will – Achtung MacGuffin – Gäste sind auch unter anderem der Direktor des Gefägnisses, wo Eisenstein eigentlich schon einsitzen sollte, und das Stubenmädchen von den Eisensteins, die sich durch eine Ausrede einen freien Abend erkämpft hat, im Kleid ihrer Dienstgeberin (unrealstisch, dass ihr das passt, beide offensichtlich unterschiedliche Konfektionsgrößen). Enthalten in diesem Akt: diverse launige Hitsongs der Fledermaus, zum Beispiel das Champagnerlied (“Die Majestät wird anerkannt rings im Land, Champagner der Erste wird sie genannt”). Und so fabelhafte Liedtexte über die ewige Liebe: “Für die Ewigkeit, so wie heute – wenn wir morgen noch dran denken.” Ziemlich bissig eigentlich, bei näherer Betrachtung.

Der dritte Akt spielt dann im Gefängnis und ist geprägt vom Gerichtsdiener Frosch, hier extrem witzig von Otto Schenk interpretiert, illuminiert von regelmäßigen Schnapskonsum (ja, der Alkoholkonsum spielt in der Operette eine nicht unwesentliche Rolle). Als es läutet, sagt der Gefägnisdirektor zu Frosch: “Es hat geläutet.” Frosch: “Ja, da kann man nichts machen.” Direktor: “Ja, hast du nicht gehört, es hat geläutet.” Frosch: “Ja, das kommt davon, weil wir eine Glocke haben. Aber ich bin daran gewöhnt”. Harhar. Am Ende jedenfalls kommt die ganze Ballgesellschaft in den Arrest und alles wird aufgeklärt und niemand ist mehr böse auf jemand, weil Champagner war ja im Zweifelsfall an allem schuld. Ach, wie Wienerisch ist diese Operette.

Guten Rutsch!