Archiv für Samstag, 16. Februar 2019

Pre-ESC

Auf Facebook hab ich den tollen neuen Song Contest Podcast von Song Contest Aficinado und Standard Kommentator Marco Schreuder entdeckt.

Die erste Folge beschäftigt sich damit, wie man den “richtigen” Song Contest Sieger Song findet und wie man sich denken kann, wird diese Frage nicht wirklich beantwortet, weil sonst hätte man ja das ultimative Erfolgsrezept. Und das gibts nicht. Selbst die Frage was wichtiger ist, Radiotauglichkeit oder Performance, kann nicht abschließend geklärt werden. Denn war beispielsweise der 2017 Sieger, Salvador Sobral, ganz eindeutig ein Bühnenact, kann man das über die Siegerin von 2018, Netta, gar nicht sagen. Ich mag den Song Toy, aber auf der Bühne hat er meines Erachtens sowas von nicht funktioniert, weshalb ich gar nicht mit dem Sieg gerechnet hätte.

Podcast-Gast Eberhard Forcher, seit einigen Jahren Mitverantwortlicher für den österreichischen Kandidaten/Kandidatin, beschreibt, dass der Siegerkontext in einen Gesamtkontext passen muss. Und auch den Zeitgeist treffen muss, ein super Beispiel war dafür ja damals Conchita Wurst. Und sowas kann man halt nicht planen. Forcher ist jedenfalls persönlich wichtig, dass der Starter tatsächlich sich mit dem ESC identifiziert und dafür brennt – und nicht nur so eine “schauen wir mal” – Attitüde hat.

Er erzählt auch viel über die Auswahl der heurigen Kandidatin Paenda, die ja die (sich selbst) sehr gehypte Hyäne Fischer, dann doch noch ausgestochen hat. Laut Forcher war der Song nicht stark genug.

Für die Neigungsgruppe Song Contest jedenfalls eine äußerst interessante Podcast Idee, die in den nächsten Wochen sicherlich noch einige spannende Hintergrund-Infos bieten wird.

Ästhetisches in den Semesterferien, zwei

In den Semesterferien hab ich mir auch die Thomas Bernhard Doku im Kulturmontag angeschaut, ich finde Bernhard schon immer sehr faszinierend. Auch wenn ich bei ihm zuerst an ein Erlebnis im Gymniasum denken muss, als unsere Deutschprofessorin zu meiner Schulfreundin sagte: “Du schreibst wie Thomas Bernhard” und die darauf antwortete: “In welche Klasse geht der?” Harhar.

Alle anderen Österreicher denken bei Thomas Bernhard vermutlich zuerst an Heldenplatz, den größten Theaterskandal der 2. Republik, auch schon wieder ewig her. Ein Skandal übrigens, der komplett ohne Text funktionierte, weil den Skandal gab es ja bereits vor der Aufführung und das nur deswegen, weil ein Zitat aus dem Text, das die Östereicher als “sechseinhalb Millionen Debile” bezeichnete, allzu wörtlich genommen wurde. Bzw die Rollenprosa direkt als Ansichten das Autors antizipiert wurden. Heute kann man sich kaum mehr vorstellen, dass sogar Leute wie Zilk und Kreisky in die Massenempörung miteinstimmten. Oder wie der Journalist Michael Frank in der Süddeutschen Zeitung schrieb: “Im Augenblick jedenfalls müht sich Österreich, die größtmögliche Übereinstimmung der Wirklichkeit mit Bernhards grotesken Texten herbeizuführen.” Genau deswegen liebte Peymann es auch, in Wien zu inszenieren, weil sich die Wiener noch empören können, im Gegensatz zu den Deutschen. Die Premiere – übrigens Bernhards letzter öffentlicher Auftritt – war ein fulminanter Erfolg und Heldenplatz wurde 120 Mal aufgeführt und zu einer der erfolgreichsten Produktionen des Burgtheaters überhaupt. Auch das ist irgendwie wieder typisch Wien.

Bernhard wurde, meiner Ansicht nach, oft verkannt, vor allem der Witz, der seinen Texten auch innewohnt, den man aber überlesen kann. Am augenfälligsten erkennt man das vielleicht in seinem Einakter Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mir mir essen. Bernhard diagnostizierte sich selbst als einen Kranken, und sagte: “Meine Krankheit ist die Distanz”. Damit ist vielleicht zu erklären, weshalb in seinem Werk Liebe und vor allen Dingen Sex überhaupt keine Rolle spielten – wie auch in seinem Privatleben mutmaßlich nicht. Dennoch hatte Bernhard zwei Menschen, denen er quasi sein Überleben verdankte und das waren sein Großvater und eine 37 Jahre ältere Frau und Vertraute, Hedwig Stavianicek. Übrigens prägte Bernhard für die beiden den Ausdruck “Lebensmensch” – und nicht, wie manchmal angenommen Stefan Petzner (für Jörg Haider)

In meiner Doktorarbeit hab ich unter anderem Bernards Roman Das Kalkwerk analysiert, es ist ein mühsames und anstrengendes Buch und von daher perfekt für den Leitsatz “form follows function”. Denn das Leben eines alten Ehepaares im Kalkwerk – wo der Protagonist Konrad eine wissenschaftliche Studie schreiben will und seine gelähmte Frau quasi im “Dienst der Wissenschaft” zu absurden bis sadistischen Experimenten zwingt – ist ein unbarmherziges. Auch wenn hier ebenfalls Humor durchscheint, etwa, dass immer irgendwas dazwischenkommt, wenn Konrad sich endlich dazu durchringt, den ersten Satz seiner Studie zu schreiben.

Heute vor 30 Jahren ist Thomas Bernhard gestorben.

Ästhetisches in den Semesterferien

Die Semesterferien mit einem prä-pubertärden Kind, sind geprägt von Chillen und “seine Ruhe haben wollen.” Jetzt hat man sich mühsam, nach der Baby- und Kleinkind-Lehrzeit, drauf eingestellt, dauernd raus, dauernd unterwegs und für Abwechlsung sorgen zu müssen, dass das nun auch wieder etwas ungewohnt ist. Da ich aber rechtzeitig zu den Ferien auch ein dringendes Jobprojekt bekommen habe, war mir das dann nun auch nicht ganz so unrecht.

Ein bisschen was haben wir dann aber doch unternommen, wir haben uns die Koloman Moser Ausstellung im MAK angesehen. Das war ein Tipp im Ferienspiel Heft, da hätte es auch Extra Zeichen- und Malworkshops für Kinder gegeben. Nur nachdem das Kind überhaupt nicht gerne zeichnet oder malt, aber die Bruegel Schau – eine Exkursion mit der Zeichenlehrerin – gut fand, haben wir uns dafür als Programmpunkt entschieden.

Das MAK ist ja an sich schon ein sehr sehenswertes Gebäude, im Eingangsraum gibt es aktuell eine Installation mit Plastiksackerl, die sich immer wieder aufblasen, was das Kind recht faszinierend und auch hinterfragenswert gefunden hat. Ist Plastik nicht eigentlich umweltschädlich? Allerdings verwendet man es hier ja doch aus Kunstgründen, immerhin ein vernünftiger Nutzen. Sofern man l’art pour l’art als “nützlich” empfindet. Aber das ist eine philosophische Diskussion. Daran anknüpfend, fragte das Kind dann in den Ausstellungsräumen: “Mama, ist das ein richtiger Heizkörper oder ist das Kunst?”

Ich kann nicht behaupten, dass ich viel von Koloman Mosers Werk verstehe, aber ich mag den Stil und ich besuche Ausstellungen recht gerne, weil sie auf mich oft inspierend wirken. Anschließend gings dann noch zum Vapiano in Wien Mitte, wo dafür, dass gerade Ferien waren, erstaunlich viel los war.

Am Samstag war ich auf einer Geburtstagsfeier in der Villa Aurora eingeladen, hoch über Wien, auf dem Wilhelminenberg. Ich muss gestehen, ich war noch nie dort und kenne die Gegend generell sehr wenig. Bevor man sich aber nun denkt, wow, was für ein schönes Gebäude und den nächsten Besuch dort plant – leider schließt das Lokal mit 17.3. Allerdings offenbar deshalb, um zu renovieren und dann neu zu öffnen, wie jetzt in einem Zeitungsbericht zu lesen ist. Zuerst haben wir nämlich schon befürchtet, die Villa und die angrenzenden orginellen Gebäude wären abrissgefährdet, wenngleich das wegen der Bauordnungsnovelle, die im Sommer in Kraft getreten ist, nicht mehr so ohne weiteres möglich ist.

Jedenfalls wäre es schön, die Villa Aurora auch im Sommer einmal zu besuchen und den Garten zu genießen.

Genderkritisch, post-feministisch

Letztens in Willkommen Österreich haben Stermann und Grissemann Bilder von Kindern interpretiert, ich fand die Formulierung zu folgendem Bild sehr genial:

click to enlarge!

“Ist Jeff in diesem genderkritischen post-feministischen Werk anklagende Projektion einer toxischen Männlichkeit? Oder ist das ganze eine krypto-satirische Parabel auf heteronormative Gesellschaftsvorstellungen? Symbolisiert die wilde rote Fläche wirklich banal die Tomatensauce, oder sehen wir hier nicht viel mehr einer Gewalttat zu, und werden Voyeur patriachaler Unterdrückungsfantasien? Wird der Betrachter vielleicht sogar zum Mittäter? Vielleicht rückt der Künstler auch nur die weibliche Periode in den Fokus seiner Arbeit und damit das Konstrukt des Mütterlichen?”

Song Challenge – Day 30

A song that reminds you of yourselve

Ok, das ist jetzt aber wirklich die schwierigste Frage der Challenge. Und die letzte. Da muss man wohl meine Psychotherapeutin fragen harhar. Sich selbst zu beurteilen, ist ja immer mit gewissen Schwierigkeiten verbunden. Auch glaube ich, dass sich das mit der Zeit immer wieder mal ändert, so wie man sich selbst halt auch ändert.

Ich hatte vor einigen Wochen, als ich mir die Frage durchgelesen habe, eine spontane Idee. Dann hab ich die verschiedensten Alternativen durchgedacht, um letztendlich doch wieder bei meiner ersten Idee zu bleiben. Es tut mir leid, dass es schon wieder nix fröhlicheres ist.Ich bin eigentlich nicht so ein schwermütiger Mensch, zumindest nicht ausschließlich.

Aber Sign of the times erinnert mich an mich, auch wenn es ein ziemlich junger Mann singt, der fast mein Sohn sein könnte. Aber was er singt und die Art, wie er das tut, fühlt sich viel erwachsener und reifer an, als er ist. Er singt so, als wäre sein Leben schon mal vollständig auseinandergebrochen und nur notdürftig wieder zusammengesetzt worden, was ja eher auf 40 jährige zutrifft.

Jedenfalls ein wunderschöner Song, ein guter Abschluss für diese Challenge, find ich.

Song Challenge – Day 29

A song that you remember from your childhood

Mein Lieblingssong, an den ich mich erinnere, ist More than this von Roxy Music. Den hab ich sehr oft auf unserem Küchenradio gehört.

Das alleine wäre schon schön. Noch schöner ist aber, dass Bill Murray in Lost in translation zu diesem Lied Karaoke singt. Natürlich etwas schief – Murray sagte in einem Interview, dass das Lied furchtbar schwer zu singen sei und er sich sicher sei, dass Bryan Ferry selber nicht genau weiß, welchen Ton er wann wählen wird. Kann ich mir auch gut vorstellen.

Das Lied hat etwas ganz magisches für mich.