Archiv für Samstag, 22. Februar 2020

Pizza the vintage way

Heute ist das Kind auf Skikurs gefahren – gestern noch schnell zum Abschied Pizza bestellt.

Ich: “Ich werde bei Mjam bestellen, ich hab da einen Gutschein”

Kind: “Nein nicht bei denen.”

Ich: “Der Gutschein geht bei dem Lokal eh nicht. Wo sehe ich, in welchen Lokalen ich den Gutschein einlösen kann? Na ja, wurscht. Pizza on tour also?”

Kind: “Ja.”

Ich: “Wie verknüpfe ich das mit der Webseite von der Pizzeria? Wie weiß ich, ob ich dann eh bei der richtigen Pizzeria bestelle? Wieso muss ich überhaupt über so einen Dienst bestellen

*suder* *suder*

Und letztendlich wieder ich: “Wieso kann ich nicht wie früher auch einfach in der Pizzeria anrufen und sagen, was ich haben will?”

Internet ist manchmal auch für mich Neuland. Harhar.

San Remo, zwei

Wenn das Kind beim Hören des San Remos Siegers – und ESC Teilnehmers – Diodato und Fai Rumore wie eine zerprackte Kröte am Bett liegt, weiß ich: Das wird nix gewinnen.

Kinder sind ganz gute Gradmesser für ESC Erfolg, und hier sind eher Paenda-Vibes im Spiel.

Aber mir persönlich gefällt der Song schon ziemlich gut, muss ich auch sagen.

Oscars 2020, vier

Das waren sie also schon wieder, die Oscars, und meine Prognose war falsch, dass die Oscars nicht spannend werden. Ja, die Schauspielerkategorien boten keine Überraschungen. Dafür hat Parasite doch die Auszeichnung für den besten Film bekommen, als erster nicht-englischsprachiger Film überhaupt. Und dazu noch beste Regie, bestes Originaldrehbuch und bester internationaler Film. Schön, ich habe darüber gebloggt.

Und um 5.30 hab ich dann mit meiner Mama über den Film ge-whatsappt und über die Frisuren (berufsbedingt eine wesentliche Sache für sie). Oscars sind auch haartechnisch sehr white. Blöd ist schon, wenn die Verleihung dann um halb sechs aus ist, aber es noch eine Stunde dauert, bis man das Kind aufwecken muss. Vielleicht das nächste mal doch etwas später anfangen, mit der Verleihung.

Was gibts noch zu sagen über die diesjährigen Oscars? Host gabs keinen, aber Steve Martin und Chris Rock haben den Abend quasi eröffnet und das gar nicht so übel. Martin: “How come, we don’t have hosts anymore?” – Rock: “Twitter. Everyone has embarrissing tweets.” Dazu ein paar Witze über Jeff Bezos – Martin sinngemäß “Ich sage nichts über ihn, ich will meine Pakete pünktlich haben.” Dazu Seitenhiebe auf #oscarssowhite und fehlende Nominierungen für Frauen. Hat schon gepasst, der Standup

Ich weiß, dass viele Joaquin Phoenix‘ Rede super fanden – sie wurde in meiner Facebook Timeline des öfteren geteilt; ich fand sie ein bisschen Kraut und Rüben, einerseits poetische Zitate von seinem verstorbenen Bruder River, andererseits Vowürfe, dass wir den Kälbern die Milch ihrer Mütter wegnehmen. Apropos Mütter: cool fand ich die Rede von Drehbuch-Preisträger Taika Waitit (Jojo Rabbit), der seiner Mutter dankte und suchend ins Publikum schaute: “Where are you, I lost you hours ago.”

Warum Eminem aufgetreten ist, um 17 Jahre nach seinem Oscar für Lose yourself (immerhin damals Bono und Paul Simon geschlagen, aber bei der Zeremonie nicht aufgetaucht) zu performen, man weiß es nicht so genau, aber es stellte sich heraus, dass der Song sehr vorteilhaft gealtert ist und Eminem eigentlich auch. Dazu die unsterbliche Zeile: “A normal life is boring, but super stardom is close to post mortem.” Scorsese fand es wohl etwas ermüdend, ansonsten aber auch viel Begeisterung im Auditorium.

Und dann also der koreanische Traum und auch der Traum aller Filmemacher die nicht-englischsprachige Filme produzieren, weil Hoffnung auf Paradigmenwechsel – und da wars wiederum lustig, dass weder Bong Joon Ho noch seine Produzentin Englisch sprachen, sondern alles auf koreanisch sagten (und das dann erst übersetzt wurde). So auf die Art, wurscht, dass das Hollywood ist, wir reden trotzdem wie wir wollen. Da musste ich an eine meiner Italienischprofessorinnen denken, die mir immer vorwarf, mein Italienisch würde so Wienerisch klingen. Non c’e problema. Wenn ich meinen Drehbuch Oscar gewinne, werde ich auch deutsch sprechen. Harhar.

San Remo

Von Twitter angefixt, hab ich gestern erstmals den letzten Abend des San Remo Fesitvals gesehen. San Remo ist ein italienischer Musikwettbewerb, eine Leitungsschau italienischer Künstler, der seinesgleichen sucht bzw. zeigt, wie reichhaltig und hochwertig die Musiklandschaft in Italien ist. Der Sieger fährt in der Regel danach als Italiens Vertreter zum Songcontest und belegt – auch in der Regel – einen Platz in den Top 10, oft auch in den Top 5

Den Wahlmodus hab ich nicht ganz verstanden und ich fass es nicht, wie lange alleine der Finalabend gedauert hat – mit unzähligen Werbepausen, mit halbstündigen Gastauftritten von arrivierten Musikern, mit den üblichen leicht infantilen Scherzen der Moderatoren…hier feiert Italien tatsächlich exzessiv seine Musikszene. Keine Kunst, sie können echt aus dem Vollen schöpfen. Beachtlich ist nämlich auch die Genre-Vielfalt, die dann auch beim ESC präsentiert wird. Von Elektro Hip Hop über Oper-Belcanto, Rap, rotzigem Rock zu innovativem Pop, alles dabei.

Gewonnen hat heuer eine klassiche “ich bestell mir eine Pizza und ein Glas Chianti”- Ballade, die da, eher unpassend Fai rumore heißt (Du machst Wirbel). Wirbel macht der Song nicht wirklich, er ist sehr schön anzuhören und ruhig, aber wohl etwas zu unspektakulär, um Siegeschancen beim ESC zu haben. Zweiter wurde übrigens Francesco Gabbani, dessen Occidentalis Karma 2017 ein wirklich orgineller Song war, aber dann von der eigenen Bühnenshow hingerichtet wurde. Sein Song gestern hieß Viceversa; auch schön, aber auch eher zu unscheinbar für den ESC.

Wie auch immer, die Italiener haben das mit den Musikmachen echt gut drauf.

Oscars 2020, drei

Die heurige Oscar-Verleihung – let’s face it – wird wohl nicht sehr reich an Überraschungen werden.

Die SchauspielerInnen sind – sowohl in den Haupt- als auch in den Nebenkategorien wohl klar, Zellweger, Phoenix, Dern und Pitt. Einen großen Favoriten gibt es auch bei Regie und Film. Wobei: Regie und Film ist ja in der letzten Zeit des öfteren gesplittet, dh der beste Regisseur ist nicht notwendigerweise der, der für den ausgezeichneten besten Film tätig war.

Gehen wir nach den Statistiken, wird der Kriegsfilm von Sam Mendes 1917 gewinnen und Mendes selbst wird – 20 Jahre nach seinem Debütfilm American Beauty – erneut für Best Directing ausgezeichnet werden. Aber wir Oscar Nerds wünschen uns doch meistens auch eine kleine Überraschung, wenn wir schon extra mitten in der Nacht aufstehen, um die Show zu sehen. Kann die kleine Überraschung vielleicht Parasite heißen, bzw. Bong Joon Ho? Es wäre eine Sensation. Wenn, dann sehe ich die Überraschung eher bei der besten Regie.

Denn: Noch niemals hat ein nicht englischsprachiger Film den Oscar für den besten Film gewonnen. Dafür jedesmal den Preis für Best Foreign Film, wenn er in beiden Kategorien nominiert war. Die Kandidaten bisher waren: La vita e bella (1999), Crouching Tiger, Hidden Dragon (2001), Amour (2013), Roma (2019). Ja, mehr waren es tatsächlich nicht. Ich frage mich ja, ob es möglich ist, dass ein Film nicht bester ausländischer Film wird und dann aber bester Film überhaupt schon. Das wäre doch ein Widerspruch oder. Aber wird sowieso nicht (so schnell) schlagend werden.

Nebenbei: es haben auch erst zwei Schauspieler geschafft, den Oscar für einen nicht-englischsprachigen Film zu bekommen, nämlich 1960 Sophia Loren (La Ciocara) und 1999 Roberto Benigni (Das Leben ist schön). Interessant ist, dass weder bei 1917 noch bei Parasite Darsteller nominiert wurden.

P.S. Dank Alexander Horwaths Ausführungen in der Oscarnacht weiß ich, es gab noch einen Film neben den angeführten, der sowohl international als auch als best film nominiert war und zwar der für Algerien an den Start gegangen Film Z, aus dem Jahr 1969.

Heidi@home: Fleabag

Jetzt hab ich für Uncut auch was zu Fleabag geschrieben

Wer nachlesen will, hier entlang.