Archiv für Sonntag, 30. August 2020

Caution!

Die Killers haben unlängst ihr sechstes Album veröffentlicht. Es heißt Imploding the Mirage. Ich habe eine lange durchaus leidenschaftliche Liebesbeziehung zu den Songs der Killers.

Weil. Nun ich mag die Stimme von Frontman Brandon Flowers sehr gern. Und ich mag die Sentimentalität, die ihren Songs anhaftet. Ihre Songs sagen: Das Leben ist fürchterlich schmerzhaft, aber auch wunderschön. Und oft beides gleichzeitig. Das habe ich früher gefühlt und jetzt, wo ich Mitte 40 bin, fühle ich es noch viel stärker. Vielleicht sind es die Wechseljahre, vielleicht das Leben, das sich so verwirrend-verwandelt hat in den letzten Jahren, das Größerwerden des Kindes und ja, jetzt haben wir auch noch eine weltweite Pandemie. Vielleicht ist es auch alles zusammen. Jedenfalls können die Killers diese Gefühle wunderbar in Worte und Melodien transformieren.

Die Single Caution vermittelt wieder alles, was man von den Killers vermittelt bekommen will. Zuerst mal: Caution! Vorsicht! Da weht der Wind der Veränderung und das in der Wüste. Da hat eine Frau Hollywood-Eyes – in die hoffentlich nichts vom Sand gelangt. Egal, sie will die Stadt – Las Vegas natürlich – verlassen. Da ist jede Menge Bitterkeit, oder wie Flowers singt: “”If I don’t get out of this town, I just might be the one who finally burns it down.”Flowers hat in einem Interview den autobiografischen Hintergrund des Songs eingestanden: seiner Familie zuliebe ist er aus Vegas weggezogen.

Das neue Album ist nach dem ersten Durchhören vielleicht weniger poppig als die früheren, aber die typischen Killers-Signature Riffs sind geblieben, die uns oder zumindest mir sagen: Wir wissen immer noch nicht genau Bescheid, wir versuchen Dinge, vielleicht scheitern wir, aber das alles ist ok. Es ist in Ordung, zu fühlen, was immer wir fühlen.

Rundgang Oberlaa

Mit der Initiative Denkmalschutz war ich gestern auf Rundgang in Ober/Unterlaa.

Der letzte österreichische Kutschenbauer Florian Staudner hat uns viel über die Geschichte der Gegend erzählt, und wir haben auch gesehen, wie Neubauten – die im Zuge des Ubahn Baus dort errrichtet werden – den dörflichen Charakter der Gegend gefährden.

Sehr gut hier zu sehen, hinter dem Feld, die neuen Bauten, die nicht wirklich ins Ortsbild passen – und man fragt sich wieder, ob das wirklich so sein muss.

Anschließend an den Rundgang dann der (versöhnliche) Ausklang beim sehr netten und lauschigen Heurigen Schurli, an einem perfekten Spätsommerabend.

Gegen Verbauung

Vergangenen Samstag war ich bei einer Demo gegen die Verbauung Wiens. Es hatte 33 Grad, es war drückend heiß und mir wurde gesagt: “Du bist hart im Nehmen.”

Es ging um bzw. gegen die zunehmende Verbauung Wiens – Beispiel aus meiner Gegend: das Donaufeld, das größte zusammenhängende Grüngebiet innerhalb Wiens (Felder, Biogärtner, relativ unbehelligte Natur), das mit Wohnungen zugebaut werden soll und keiner weiß warum. Na ja, das stimmt so natürlich nicht, warum kann man sich denken, aber es ist so zum in die Tischkante beißen.

(click to enlarge)

Die Krone war auch da und hat ein Foto gemacht.

Stadtwanderweg 1

Mein Kind wollte wandern gehen. Weil ein anderes Kind auch wandern wollte. Also waren wir zu fünft: zwei Mamas, drei Teenies, den Stadtwanderweg 1 abgehen. Das heißt von Nußdorf auf den Kahlenberg hinauf und wieder hinunter. Der Wetter war ideal, nicht kalt, nicht heiß, der Himmel strahlend blau…

Los gehts am Beethovengang, ab in die Weinberge…

Der Weg geht oft durch den Wald, also relativ viel Schatten, dazu leichte Steigungen, alles zusammen mäßig anstregend, aber doch einigermaßen, oder sagen wir so, nach guten eineinhalb Stunden setzte ein leichtes Jammern ein…da waren wir dann aber schon fast oben.

Skyporn:

Nach einer kurzen Rast- und Essenspause ging es dann wieder abwärts, über den Nussberg, auch sehr viele Weingärten, auch einfach wunderschön. Aber langsam setzten dann auch Ermüdungserscheinungen ein….die man zb damit bekämpft, dass man mit der Freundin des Kindes drüber philosophiert, wie Gilmore Girls weitergehen könnte und sie fand meine Vision sehr plausibel, aber keine Spoiler hier.

Fazit: wir waren von 10.40 Uhr bis 15.20 unterwegs – vom Start bis zum Endpunkt, mit vielen kleinen und größeren Pausen, Spielplatz, Pokemon fangen usw.

Daheim waren wir beide erstmal groggy, aber nach einer kurzen Rast waren wir schon wieder fähig zum Abendspaziergang. Also durchaus eine schaffbare Halbtagestour.

On the rocks

Mit neuen Filmen ist das Jahr 2020 nicht gerade gesegnet (aber andererseits: womit ist es schon gesegnet)? Im Oktober soll ein neuer Film von Sofia Coppola in die Kinos kommen, den sie vor der Corona-Krise bereits abgedreht hat, er heißt On the rocks. Und zwar mit Bill Murray, mit dem sie 2003 einen meiner Lieblingsfilme gedreht hat – Lost in translation.

Viel weiß man jetzt noch nicht über On the Rocks, aber doch soviel, dass Bill Murray den (Lebemann-)Vater einer End-Dreißigerin (Rashida Jones) verkörpert, die sich Sorgen um ihre Ehe macht und den Rat Murrays sucht. Und on the rocks ist ein schönes Wortspiel – weil es einerseits den Zustand einer Beziehung beschreiben kann, andererseits auf die Zubereitsform eines Getränkes anspielt. Und da denkt der Coppola Fan natürlich in erster Linie an “Suntory time” – Suntory war der Whiskey, den Murray in Lost in translation beworben hat.

Die Grundidee ist gut, da kann aber ehrlicherweise alles draus werden: von einem Indie-Kammerspiel, bis zu etwas, was den Charme eines deutschen TV-Films hat. Es kann klamaukig werden oder eine tiefergehende Charakterstudie. Wenn man den Trailer ansieht, ist man auch nicht recht schlauer, ob das jetzt eine 6 plus Bewertung in der Internet Movie Datebase bekommt, oder ein wirkliches Juwel sein kann. Ein gewisses Niveau sollte aber nicht unterschritten werden, wenn Sofia Coppola draufsteht.

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Heute war ich mit dem Kind und Freunden vom Kind und Mutter der FreundInnen im böhmischen Prater.

Der böhmische Prater ist etwas ganz anderes als der große Prater. Zunächst einmal befindet er sich in Favoriten, wo ich ja immerhin 37 Jahre meines Lebens gewohnt habe. Als Kind war ich trotzdem nie dort, weil ich Vergnüngsparks nie leiden konnte. Mein Kind ist da anderer Meinung. Aber wenn ich – nach 7 Jahren in Transdanubien – in den 10 Bezirk zurückkomme, werde ich fast ein bisschen nostalgisch. Wobei Nostalgie und Favoriten nicht zusammengeht. Zum 10. Bezirk kann man viele Gefühle haben, aber Sentimentalität gehört üblicherweise nicht dazu.

Deshalb passenderweise die Überlegung: wird der böhmische Prater nur noch künstlich am Leben gehalten, weil die Vitalfunktionen noch einigermaßen intakt sind? Eine kleine Welt, die mit dem übrigen Wien, und auch mit anderen Vergnüngsparks gar nichts mehr zu tun hat?

Na ja, es ist schon ein stimmungsvolles Retro-Erlebnis, wenn man sich darauf einlässt, dass die Fahrgeschäfte a) teilweise geschlossen sind, b) nicht gerade der letzte heiße Scheiß sind c) man die VerkäuferInnen der Jetons teilweise suchen gehen muss, weil sie gerade anderswo im Einsatz sind. Den ruppigen Charme, den man auch vom Wiener Wurstelprater kennt, den findet man allerdings auch im böhmischen Prater und tatsächlich wird an neuen Attraktionen und auch Lokalitäten gearbeitet. Und: Hier wird nichts kommerzialisiert, marketing-mäßig aufgeblasen oder sonst irgendwie versucht, großspruig Gewinne zu lukrieren. Und das ist sympathisch.

Bezug zu Corona: viel los ist nicht – außer vielleicht Donnerstag Nachmittag, wo es Ferienspiel Ermäßigungen gibt. Desinfiziert wird auch. Man ist im Freien und kann gut Abstand halten.

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Der 15. August ist vorbei und jetzt fängt es zu herbsteln an. Ich liebe es.

Früher dachte ich immer, ich liebe den Sommer, aber eigentlich liebe ich die Zeit, die mir sagt, es ist alles vergänglich, es kann bald vorbei sein. Weil es auch – im Gegensatz zum Hochsommer – eine Zeit ist, die gar nichts mehr von einem will. Während man im Hochsommer manchmal das Gefühl hat, man muss an drei Orten gleichzeitig sein, sagt der Wind Ende August, es ist alles ok so wie es ist.

Das Kind hingegen bekommt langsam den Ferienende-Blues und bestellt einen Espresso in unserem Stammlokal und die Kellnerin ist darüber so erstaunt/begeistert, dass sie ihn darauf einlädt.

Ich treffe eine alte Freundin wieder, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Das ist so eine Geschichte, wo man weiß, dass jede Menge schief gelaufen ist, aber die Emotionen, die man damals hatte, hat man heute nicht mehr. Wahrscheinlich auch, weil das eigene Leben nicht mehr dasselbe ist. Manchmal würde ich gern wissen, wie alles in zehn Jahren sein wird; vorstellen kann ich es mir immer weniger, was sein und kommen wird.

Wir waren Hipster-mäßig essen am Volkertmarkt im Banlieue. Ich hatte sehr gut gewürzte Hühnerspieße mit Erdnussbutter-Sauce und selbstgemachten Eistee.

Sehr nett, so in Spät-August-Sonne im Gastgarten.

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Freitag war ich auf einer Führung im Aufzugmuseum in Orth an der Donau.

Christian Tauß hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte Aufzüge, die aus Häusern ausgebaut werden, zu “retten” und zu erhalten. Dafür hat er sich ein Depot gemietet. Und er plant, ein Aufzugscafe zu eröffnen. Er hatte spannende Geschichten zu erzählen, von Aufzugsrettungen und geschichtlichen Hintergründen und man merkt, wie sehr er für das Thema brennt.

Danach waren wir – wenn wir schon mal in Orth an der Donau sind – Fischessen. Es war ein schöner, lauer Abend und man konnte draußen sitzen, bis die Gelsen kamen. Da wir ohne Auto unterwegs waren, fragten wir einen netten Menschen, 80 plus, ob er uns bis zur Stadtgrenze Wien mitnehmen könnte. Da wussten wir noch nicht, dass er zwar mit Auto, speziell aber Mercedes Cabrio, Baujahr 2004, gekommen war.

Kurz gesagt: es wurde meine erste Cabriofahrt und ich hab es wirklich in vollen Zügen genossen. In der Ferne waren immer wieder Blitze zu sehen, aber es fing gottseidank nicht zu regnen. Und der nette Fahrer ließ es sich nicht nehmen, uns via Reichsbrücke direkt bis vor die Haustür zu bringen. Das war einer der besondern Momente, die man auch während einer globalen Pandemie genießen kann, ja sollte. Kurz musste ich auch an Bridget Jones und ihre Cabriofahrt mit Hugh Grant in Bridget Jones’ Diary denken. Windalarm!

Als wir ausstiegen fragte ich – mit einem Griff zu meinen Haaren: “Wie sehe ich aus?” Und er antwortete: “Glücklich.”

Gürtelpool

Ja, ich gehöre zur Fraktion der Nörgler und es hat nichts damit zu tun, dass ich selbst einen Pool habe und anderen das nicht gönne. Im Gegenteil. Aber wieso am Gürtel? Für sechs Personen, die derzeit fünf Minuten im Wasser bleiben können.

Ich verstehe auch das Konzept der coolen Straßen nicht so richtig. Hier in der Gegend entsteht eine dauerhafte coole Straße, nur ist es so, dass wir jetzt den 10. August haben und es ist noch immer eine riesige Baustelle, dort wo normalerweise die Allee ist und man zusammen sitzen, relaxen, Rad fahren, rollern kann, wo Kleinkinder recht ungestört herumlaufen können, weil kein Verkehr. Jetzt kann man gar nichts, weil seit Wochen: Bauarbeiten.

Das Rendering im Kurier Artikel ist hübsch das stimmt, vor allem die Bäume, aber braucht es Wasser an einem Ort, wo drei Straßen weiter die alte Donau ist? I don’t know. Maybe. Ok, ich verspreche, meine Skepsis zu unterdrücken und zu versuchen, es nächstes Jahr objektiv zu beurteilen.

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Das Kind war wieder weg und es war saukalt, dafür wurde ich mit meinem neuen Projekt pünktlich zur Deadline fertig, weil was will man ein zwei schiachen Herbsttagen Anfang August sonst machen.

Als es dann wieder warm wurde, war ich mit P. frühstücken im Cafe Telegraph in Wien 9. Neues Lokal, selbes Hipsterfrühstück, harhar. Nein, es war wirklich gut, ich hab erstmals ein porchiertes Ei mit Sauce Hollandaise (aka Eggs Benedict) gegessen.

Dann in den Garten, wo ich so lange draußen am Laptop schrieb, bis mich die Gelsen fast aufgefressen haben – das war ca. um 22.30 Uhr. Am nächsten Tag hat mich dann M. besucht und wir haben den ganzen Sommernachmittag verquatscht und es war grandios. Nur bei so Fragen wie, wann warst du zum letzten Mal hier und die Antwort lautet, da war ich noch nicht verheiratet – ja, da denkt man sich dann erstens: wow ist das (viel zu) lang her und zweitens: how old did we get? Aber egal, 40 plus ist nicht schlecht.

Oder wie ich früher in dieser Woche mit einem älteren Paar geredet habe – das allerdings noch nicht so lange zusammen ist – und draufgekommen bin, dass da immer noch Telefone beleidigt aufgelegt, und wochenlang geschmollt wird und Missvertsändnisse nicht geklärt werden. Obwohl man sich wegen Corona (ich bin wieder on topic!) eh länger nicht sehen konnte. Da dachte ich dann, ist es eher beruhigend, dass man mit 80 noch Liebeskummer haben kann und sich völlig irrational verhält, oder eher beängstigend?