#metoo, zwei

Gestern hat sich die Schauspielerin Nina Proll bemüßigt gefühlt, etwas zu #metoo zu sagen. Dann brach ein ziemlicher Shitstorm los. Ich würde gerne sagen, dass hier überreagiert wurde und sie das nicht verdient hat, aber das fällt mir schon eher schwer.

Abgesehen davon, dass sie so ein sensibles Thema, das ja offenbar doch sehr viele Frauen betrifft mit dem Holzhammer bearbeitet, finden sich im Text auch ziemlich widersprüchliche Aussagen. Beispielsweise sagt sie einleitend, ihr selber ist das in 20 Jahren Filmkarriere noch nie passiert, dass es Grenzüberschreitungen gab, etwas später dann, dass sie sich für ältere Männer nie interessiert hat und es ihr deshalb egal war, wenn diese ihr “Avancen” gemacht haben.

Dann schreibt sie, jede Frau kann ja selbst bestimmen, in welche Abhängigkeiten von einem Mann sie sich begibt. Das ist wirklich blanker Hohn, denn nicht jede Frau, die sexuell belästigt oder missbraucht wird, ist in der Position, “einfach” nein sagen zu können, wie sie salopp vorschlägt. Etwa weil sie minderjährig ist, weil Missbrauch in der Familie passiert, weil sie eingeschüchert, bedroht, gewaltsam zu etwas gezwungen wird, etc. Wäre es so einfach mit: “Ein nein ist ein nein, daran hält sich jeder” zu erledigen, gäbe es ja diese ganze Problematik überhaupt nicht.

Und schließlich wirft Nina Proll alles durcheinander, wenn sie sagt, dann darf ja kein Mann mehr mit einer Frau flirten, weil er ja dann sofort in ein Eck gestellt wird. Ich frage mich wirklich wie schwer es sein kann, einen Flirt und sexuelle Belästigung zu unterscheiden. Ein Flirt lebt nämlich substantiell von seiner Gegenseitigkeit, davon eben genau die Reaktionen des Gegenübers abzuwarten und wiederum darauf zu reagieren. Und nicht wie ein Bulldozer alles niederzuwalzen, weil das “Objekt der Begierde” vor allem eines ist: Mittel zum Zweck.

Polemisch zu sagen, dann schaffen wir Sex ab, dann gibts keine Probleme mehr, zieht die ganze #metoo Bewegung komplett ins Lächerliche und verhöht die Frauen, die sich (vielleicht endlich!) trauen, Zustände zu benennen und sich selbst nicht mehr schuldig zu fühlen. Sex ist etwas wunderschönes, wenn er zwischen Menschen stattfindet, die das beide wollen. Es geht hier aber gar nicht um Sex per se, sondern um Machtmissbrauch, um Grenzüberschreitungen, um Gewalt und Erniedrigung. Schade, dass Frau Proll das offenbar absolut nicht nachvollziehen kann und mehr noch, anderen ihre Erfahrungen abspricht.

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