#metoo, drei

Gestern gabs anlässlich des Falls Pilz ein “Im Zentrum” zum Thema sexuelle Belästigung.

Und es hat der Sache leider nicht wirklich geholfen. Weil manchen manche Dinge anscheinend immer noch sehr unklar sind. Und ich weiß auch nicht, ob das probate Mittel ist, Frauen zu sagen, was sie alles tun können, um sich zu wehren. Ich denke mal, jede Frau wird sich gegen Belästigung ohnehin so wehren, wie es ihr auch möglich ist, entsprechend ihres Alters und ihrer Persönlichkeit, auch entsprechend der Art der Belästigung und der Person des Belästigers, auch wo diese stattfindet. Aber die Belästigung wird dadurch nicht ungeschehen gemacht, wenn man sich erfolgreich dagegen verteidigt und wie kommen eigentlich Frauen dazu in die Situation zu kommen, sich wehren zu müssen? Oder sich dann vorhalten zu lassen, man habe sich halt vermutlich zuwenig gewehrt. Nennt mich naiv, aber das ist nicht der Punkt, wo man ansetzen sollte.

Mich zipft es beispielsweise extrem an, dass es für mich als Frau seit frühester Jugend normal ist, Angst zu haben, nachts alleine nachhause zu gehen. Mich zipft es an, Angst zu haben, aus der Straßenbahn auszusteigen und mich umzusehen, ob mir eh niemand Zwielichtiger entgegenkommt, ob mir eh niemand folgt und mittlerweile das Handy in der Hand zu halten, um sofort im Notfall irgendwen anrufen zu können. Das ist zugegeben besser geworden, seit ich in einer anderen Gegend lebe, diese Angst. Aber ganz weg geht das nicht.

Mich zipft es an, dass ich sechs Monate in einem Unternehmen gearbeitet habe, in der mich der Portier jeden verdammten Morgen blöd angeredet hat, zweideutig, extrem aufdringlich und mir einmal auch nachgegangen ist. Mich zipft es auch an, dass ich meinem damaligen Chef erst nach diesem mich-verfolgen, also nach sehr langer Zeit davon gesagt habe, weil ich mir dabei dumm vorgekommen bin und schwach und ich wollte ja erwachsen sein. Und ja, das mit dem Chef reden hat genützt. Würde ich heute sofort machen, ich bin aber auch nicht mehr 20.

Auch wurde mir unter den Rock gegriffen, auf der Straße um ein Uhr nachmittags, quasi total in der Öffentlichlichkeit ohne, dass es irgendwen gejuckt hat, und einmal in einem Haus, wo ich mit zwei Burschen kurzfristig alleine war, die zwei haben mich dabei festgehalten, und das zipft mich nicht an, sondern macht mich immer noch komplett fassungslos. Damals war ich 12 oder 13, und das meine erste Begegnung mit Sexualität wenn man so will; und es waren keine Männer, sondern Jugendliche, ein bisschen älter als ich. Und gegen die beiden hab ich mich gewehrt, sogar sehr, ich hab versucht sie wegzustoßen und gebissen hab ich sie, und trotzdem hat es sehr lange gedauert, bis ich an ihnen vorbei aus dem Haus raus bin und wären sie älter gewesen und hätten sie es drauf angelegt noch andere Dinge zu tun, hätt ich realistischerweise keine Chance dagegen gehabt. Und ich habe niemand davon erzählt, weil ich mich geschämt habe. Soviel zum Thema, wieso kommt das oft erst Jahre später raus. Und auch jetzt fällt es mir nicht sonderlich leicht, hier darüber zu schreiben, obwohl es mich nicht nachhaltig traumatisiert hat oder mein Sexualleben negativ beeinflusst hat.

Besonders zipft es mich daher an, wenn Frauen wie Nina Proll, aber auch genügend andere Frauen jetzt sagen, ist doch alles nicht so schlimm, machen wir doch nicht so einen Wind, ist doch ein Kompliment. Eine Belästigung ist kein Kompliment, sie ist verletzend und demütigend und um die eigene Person geht es da schon mal gar nicht. Ja, es ist schon klar, es gibt bei diesem Thema, wie bei jedem anderem Thema auch Ambivalenzen, und nicht nur schwarz und weiß, darüber kann man auch diskutieren, aber es geht doch vor allem, gerade jetzt, sehr um Bewusstseinsbildung um ein Umdenken, um gesellschaftliche Veränderungen. Und ich glaube, das sehen auch sehr viele Männer so.

Und morgen schreib ich dann für Uncut was zum Thema Kevin Spacey. Und das ist durchaus schmerzlich. Stay tuned.

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