Pacific Daydream

Ich glaub ja, man solle mal in Kalifornien gewesen sein, um Musik von Weezer zu “verstehen”. Ich konnte früher ja mit dieser Surfer Dude/Beach Boys Attitüde überhaupt nichts anfangen, aber seitdem ich an der Westküste war, gelingt mir das doch wesentlich besser.

Weezer haben mal wieder ein neues Album herausgebracht. Ich verfolge ihr Wirken nicht mit besonders großer Aufmerksamkeit, doch Pacific Daydream hat mich jetzt doch wieder ein bisschen gestreift. Und manche Songs sprechen mich sehr an. Vielleicht deshalb weil, Aussage der Band, das Album – trotz des Titels – “less summer day and more winter night” wäre. Ich finde die Texte auch dunkler und komplexer als sowas wie Tired of Sex, wo der Protagonist erzählt: “Monday night I’m making Jen, Tuesdy night I’m making Lyn, Wednesday night, I’m making Catherine” – ja schon recht, aber da krieg ich schon beim Zuhören Kopfschmerzen.

Auf der neuen Platte gefallen mir besonders die Songs Weekend Woman und Sweet Mary. Die Texte zu interpretieren ist da schon viel komplexer und deshalb ungleich interessanter. Bei Sweet Mary bedankt sich der Erzähler bei dieser gewissen Mary, die ihm hilft, wenn er quasi schon mit einem Fuß im Grab steht und er nicht weiß wie es weitergehen soll. Tatsächlich handelt es sich aber vermutlich nicht um eine real existierende Frau, sondern vielmehr eine Metapher (wofür wär noch die Frage) denn “I will never ever touch her, cause if i did she might die.”

Dabei musste ich gleich an Captain Jack von Billy Joel denken. Früher dachte ich, das sei ein zärtliches Liebeslied an Whiskey, tatsächlich ist Captain Jack ein Heroindealer: “Captain Jack will get you by tonight, just a little push and you’ll be smiling.” Laut Joel ist es ein Anti-Drogen Song, aber Joel zeigt viel Verständnis für Menschen, die ein Suchtproblem haben, da ist kein erhobener Zeigefinger, sondern nur der Hinweis wie es soweit kommen kann: Einsamkeit, Schicksalsschläge, Eskapismus. Auch Neil Diamonds Protagonist in Crackling Rosie neigt dazu, aber er greift dafür zur Volksdroge Alkohol, genauer Wein, legal und unkomplizierter zu erwerben – “a store bought woman”. Aber er verspricht ähnliches davon wie die Menschen, die Captain Jack aufsuchen: “We got all night, to set the world right.” Insgesamt ist der Song recht fröhlich und unbekümmert, was wiedermal unterstreicht, dass Alkohol gerne verharmlost wird (harhar).

Zurück zu “Sweet Mary,” da überlege ich noch, Mary Jane ist ja manchmal ein Synonym für Marihuana. Tatsächlich muss es aber natürlich keine Droge sein, kurz hab ich auch an einen religösen Zusammenhang gedacht, also quasi eine Art vergeistigte Anbetung. Und wenn, ist das ironisch gemeint? Hm.

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