My Fair Lady

Am Wochenende hab ich mit meiner Mama My Fair Lady gesehen. Ich kenne das 60ziger Jahre Musical natürlich, aber es ist ewig her, dass ich es gesehen haben und eigentlich hab ich mich nur an die Szene mit “Es grünt so grünt” erinnern können.

Wenn man den Film mit 40 plus Lebensjahren sieht, ist natürlich einiges daran zum Haare raufen. Das Pygmalion-Motiv, auf dem dieser Musical-Film fußt, ist ja bekannt; Henry Higgins (Rex Harrison), ein Mann in den besten Jahren, Junggeselle und Sprachforscher, trifft zufällig die Blumenverkäuferin Eliza (Audrey Hepburn), quasi “aus der Gosse”, die auch so spricht und macht es sich, gemeinsam mit seinem Kumpel Pickering (auch Phonetiker), zum Ziel, ihr in sechs Monaten ein so perfektes Englisch zu verpassen, dass sie in der vornehmen englischen Gesellschaft als ihresgleichen akzeptiert wird.

Higgins, der ja eigentlich ein britischer Gentleman sein sollte, verhält sich zu Eliza teilweise extrem unhöflich und sogar misogyn. Seine Haushälterin fängt an, Eliza zu verteidigen und bei Pickerton meldet sich zumindest sowas wie ein väterlicher Schutzinstikt. Eliza selbst ist aber kein Opfer, im Laufe der Handlung gewinnt sie die Oberhand und am Ende “blattelt” sie Higgins natürlich auf – allerdings fragt man sich schon ein bisschen: was will sie eigentlich von ihm? Sie ist 21, er ist Mitte 50 und eigentlich ein arroganter Arsch; nur das einnehmende Wesen des Schauspielers Harrison bewahrt einen davor, ihn als Zuschauer komplett zu verachten.

Der Film ist aber als ganzes schon sehr interessant. Über weite Strecken eine relativ konservative Musical-Verfilmung seiner Zeit (1964), fällt die Szene in Ascot – wo Higgins, Pickering und Eliza das Pferderennen besuchen – komplett aus dem Rahmen.

Besonders der Teil, wo die Hauptfiguren noch nicht anwesend sind und die feine Gesellschaft dargestellt wird. Die Männer in grau, die Frauen in schwarz weiß, wie sie sich bewegen, ihr ganzes Auftreten ist spooky, so künstlich-überhöht, dass es mich mich spontan total an die Ästhetik von A Clockwork Orange (1971) von Stanley Kubrick erinnnert; ja das ist natürlich eine ganz andere Baustelle, das Kubrick Werk ist ziemlich brutal und voller Ambivalenzen, aber My Fair Lady ist, zumindest bei der Betrachtung der “oberen Zehntausend”, durchaus auch sehr gesellschaftskritisch…

Wenn man ein bisschen danach googelt, finden sich noch ein paar Verrückte, die ebenfalls Parallelen zwischen den beiden Filmen sehen, also bin ich zumindest nicht ganz alleine damit.

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