Italien beim ESC

Nachdem Marco Schreuder über das unterschätzte Land Italien beim ESC gesprochen hat, ein paar Gedanken dazu.

Erstmal: er hat sicher recht. Man denke an Lieder wie Volare, Magic oh Magic, Gente di mare, Ciao Ciao bambina – die alle beim Songcontest ins Rennen gingen und nicht gewonnen haben. Tatsächlich hat Italien den Bewerb genauso oft gewonnen wie Österreich, nämlich (erst) zweimal: 1964 Gigliola Cinquetti mit Non ho l’eta und 1990 Toto Cotugno mit Insieme: 1992. Dazu muss man natürlich auch anmerken, dass Italien immer wieder mal auf eine Teilnahme am ESC verzichtet hat, am längsten durchgehend von 1998 bis 2010.

1997 waren sie mit dem Duo Jalisse, das Fiumi di paroli performte – was Grissemann und Stermann als “Buchstabensuppe” übersetzten – Vierter geworden und bei der Rückkehr mit Raphael Gualazzi sogar gleich Zweiter. Und das war auch der Beginn einer Reihe von italienischer Teilnahmesongs, die was Genre, Bühnenshow, Songcharakter und Message betraf, gar nicht unterschiedlicher hätten sein können. Gualazzi war 2010 mit Madness of love ziemlich jazzig und hat sich selbst am Klavier begleitet. Marco Mengoni lieferte 2013 mit L’essentiale eine total schlichte, aber doch zeitlos- schöne Ballade, bei der man sich sofort eine Pizza Tonno und ein Glas Chianti bestellen möchte.

2014 sang Emma Marrone rockig und etwas avantgardistisch über ihre Stadt La mia citta. Ein Song übrigens, den das Kind liebte, der aber auf der großen Bühne leider sehr unvorteilhaft rüberkam und in der Wertung unverdienterweise leider sehr abgeschlagen weit hinten landete. Ich mag das leicht rotzige an der Nummer immer noch. 2015 dann in Wien kompletter Stilwechsel und die drei Belcanto-Interpreten (wie sie sich selbst bezeichnen) von Il Volo, die einen Song über die Liebe – nämlich Grande Amore – und nichts als die Liebe schmetterten. Die Stadthalle bebte (ich war live dabei) und sie wurden letztendlich Dritte. Ich hatte dann eine zeitlang einen richtigen Il Volo Crush und es ist mir nicht peinlich, nein harhar.

2017 ein toller intellektueller Popsong, schon alleine der Titel Occidentalis Karma ist super sophisticated. Da gehts gleich mal um Hamlet und “un gruppo selfisti anonimi” Ich hab damals eine ESC Party initiiert, die unter dem Motto “Schauen wir Italien beim Siegen zu” stand, aber auch Francesco Gabbiani schaffte es auch nicht und wurde 6. Meiner Meinung war das Staging nicht optimal und auch dieser Song funktionierte auf der Bühne nicht so gut wie im Radio. Und schließlich voriges Jahr Meta und Moro mit Non mi avete fatto niente. Wie ich kürzlich schrieb, ein Protestsong im Sprechgesang-Stil. Ich fand den Song gut, hatte aber Zweifel, ob die Eindringlichkeit der Lyrics, die ja eben Italienisch waren, auf die breite Masse überspringen würde. Und das passierte tatsächlich: Sie wurden 5.

Und heuer? Also Matteo Salvini gefällt es schon mal nicht, dass jemand namens Mahmood über Geld singt – oder wie Marco Schreuder sagte, hätte seine Mutter ihn Alessandro genannt, wäre alles in Ordnung. Wobei: im Text kommt sogar der Ramadan vor – wenn auch von Fastenbrecher-Seite gesehen (Champagner während des Ramadans). Anyway: Ein total interessanter Song, meiner Meinung nach, der ganz sicher wieder zu den Favoriten zählen wird.

Wer jetzt neugierig geworden ist:

2 Kommentare

  1. Angelika sagt:

    Ich hab mich erst letzte Woche durch die Songs des diesjährigen ESC gehört, weil ich über den italienischen Beitrag gestolpert bin. Ehrlich, ich mochte die italienischen Beiträge nie sonderlich, aber Mahmood ist mir echt positiv aufgefallen! Ob sie nun Chancen haben oder nicht, kann ich nicht beurteilen, weil ich wohl keinen ESC-Geschmack habe. Aber ich mag es!

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