almis personal blog

Adore

Vor einigen Tagen hab ich neben einer eher eintönigen Lektoratsarbeit einen Film schauen wollen. Ich schreib jetzt nicht wo oder wie, sonst muss ich wieder einen Disclaimer setzen, dass ich dafür nicht bezahlt werde, jedenfalls handelte es sich um den Film Adore, auf deutsch: Tage am Strand. Dieser Film war mehr als furchtbar.

Die Hauptrollen spielen Naomi Watts und Robin Wright Penn, also durchaus honorige (und gute) Darstellerinnen. Die Story ist lose an eine Kurzgeschichte von Doris Lessing, immerhin Litertaurnobelpreisträgerin, angelehnt. Es geht um zwei Mütter in den 40er, Lil (Watts) und Roz (Wright), die eng befreundet sind, und beide jeweils einen Sohn, Ian und Tom haben, die Anfang 20 Jahre alt sind. Warum alle Namen hier drei Buchstaben haben weiß ich nicht, es passt aber durchaus zu diesem äh Werk. Ach ja und das ganze spielt in Australien, weshalb es heiß ist und alle permanent in Badekleidung herumlaufen müssen.

Jedenfalls ist es so, dass die beiden Mütter eine sehr enge Freundschaft haben – so eng, dass der Mann von Roz (Lil ist Single) einmal sogar den Verdacht hegt, es sei mehr als das. Tatsächlich aber trägt es sich zu, dass Ian, der Sohn von Lil, Roz seine Liebe gesteht und sie verführt oder wie auch immer man das nennen soll. Tom, der Sohn von Roz, kommt dahinter und verführt seinerseits Lil, die Motivlage ist unklar. Rache, aber warum? Frust, wirklich? Koinzidenz – echt jetzt? Nun ist das ja alles an sich schon ziemlich absurd, um nicht zu sagen an den Haaren herbei gezogen, aber mein Gott, soll sein, dass Zwanzigjährige etwas mit 40 plus Frauen anfangen, die sie seit dem Kleinkindalter kennen. Wenn man allerdings ein so sensibles Thema behandelt, dann muss man alles dafür tun, dass das nicht irgendwie so eine Art kinkiger Softporno wird, es sei denn man will einen kinkigen Softporno drehen. Aber Adore läuft eigentlich unter Arthouse.

Nun sind die Sexszenen schon eher peinlich als sonst was und vermitteln absolut keine Chmie zwischen den ProtagonistInnen, aber diese werden noch locker von den absolut platten und nichtssagenden Dialogen getoppt. Wenn sich Lil und Roz über ihre Affären, oder wie man das auch immer nennen soll, unterhalten, so ist es so als reden sie über den letzten Besuch am Wochenmarkt. Dabei muss es doch lebensverändernd sein, wenn man plötzlich mit dem Sohn seiner besten Freundin schläft und die beste Freundin mit dem eigenen Sohn? Aber mehr als Sätze wie: “Ich will nicht damit aufhören” und “Sie haben sicher schon bald genug von uns” kommen dabei nicht heraus. Man hat das Gefühl, dass Wright und Watts sich selbst insgeheim fragen, was das Ganze eigentlich soll.

Fazit: Ja, es wäre schön, wenn es mehr Filme gäbe, in denen Frauen Mitte, Ende vierzig als Menschen dargestellt werden, die ein erfülltes Sexleben haben. Davon gibt es viel zu wenig. Von mir aus auch mit Männern, die halb so alt sind. Aber dann bitte doch ohne diesen merkwürdige Erzählhaltung, die sich quasi gar nicht für das Innenleben der eigenen ProtagonistInnen interessiert, und dabei halb verschämt/halb voyeuristisch aufgeladen, aber immer komplett sinnleer daherkommt. Eindringliche Warnung.

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