der himmel über meran, zwei

ich mag joseph zoderers art zu schreiben. ruhig, sachlich, unaufgeregt. aber dennoch (oder gerade deshalb) gelingt es ihm perfekt, stimmungen zu vermitteln.

wenn in zoderers erzählband der himmel über meran der wind weht, dann ist es auch schon mal "der wind eines anderen sommers". sofort weiß man, was der autor meint. wenn der dezember als "das lange trostlose jahresstück" bezeichnet wird, in dem der protagonist "nach nichts verlangt", auch. und erst recht, wenn jemand "zu aufgeregt und zu glücklich" zum essen ist. 

ein junger student genießt es "ohne zeitvorschrift aus dem haus treten zu können (…) und einbiegen in die nächste gasse, zwischen den häuserfronten zu flanieren, leute ansehen, frauen, schick gekleidete mädchen, und hinter der nächsten ecke sozusagen den sommer des mittelmeers riechen zu können, auch noch im späten herbst zwischen den standeln des bozner obstmarktes."

in der letzten und zugleich am wenigsten konkreten erzählung sagt der protagonist: "den himmel über meran kenne ich nicht. obwohl ich unter ihm geboren bin an einem novembermorgen". und dann "wenn der nebel so dicht wird, daß die dolomitengipfel und die sarner gebirgsrücken einer ebene scheinbar gewichen sind, ist mir manchmal die via ripetta in rom viel näher als an sonnentagen."

sowie: "ich gehe vor mich hin, als ob der himmel eigentlich unter meinen füßen wäre". und zuletzt: "unter diesem südtiroler himmel wandere ich mit dem bewußtsein, daß alles teil eines lebensabenteuers ist (…) mir gefällt das widersprüchliche und ich leide mit. wie oft wünsche auch ich mir das eindeutige, den einzigen klaren blauen himmel und weiß, wie unterträglich langweilig das auf dauer wäre".

schön.

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