Das N-Wort

Nachdem sich Österreich im Zuge einer Volksbefragung am Sonntag für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht ausgesprochen hat (lediglich in Wien waren die Berufsheer-Befürworter in der Mehrzahlt) und Vizekanzler Spindelegger in der ZIB2 gefragt wurde, ob man jetzt daran denke, das Zivildienst auf 6 Monate zu verkürzen (und dem Wehrdienst anzugleichen), da lehnte dieser ab und auf die Frage warum, antwortete er mit dem schönen und nicht nur später auf Twitter viel diskutierten Satz: “Weil es immer so war”.

Unter dem Hashtag #weilsimmersowar machten sich dann zahlreiche Twitterati darüber lustig, welche Dinge man noch mit #weilsimmersowar “argumentieren” könnte, da kamen dann so Sätze wie “Die Erde ist eine Scheibe #weilsimmersowar”, oder “Hände falten, Goschn halten #weilsimmersowar”.

Heute ist mir aufgefallen, dass man die Diskussion über Wortänderungen in Büchern, die ja auch schon seit einiger Zeit durch die Medien geistert und man manches, was da geäußert wird, auch unter diesem Hashtag subsummieren könnte. Warum zb. das N-Wort ausgetauscht werden soll, weil es eben nun mittlerweile als “offensive” gilt. Ich möchte mich jetzt gar nicht bezüglich politcal correctness überschlagen; es wird sicher manches Mal über das Ziel hinausgeschossen und ja auch ich finde, man kann es zuweilen übertreiben, aber ein Kommentar der von mir an sich sehr geschätzen Autorin Christine Nöstlinge zum Thema “Der Neger bleibt ein Neger” lässt mich dann doch etwas kopfschüttelnd zurück.

Nöstlinger empfindet es nämlich als Zensur an ihrem Werk, wenn der “Neger” nun zum Schwarzen würde, denn Kinder würde das nicht stören und eigentlich wäre das nur eine verkopfte Erwachsenenidee. Als Beispiel bringt sie, dass “erotische Abschnitte” ihrer Bücher in Italien zb. wegstrichen werden. Was das betrifft, stimme ich zu, das ist Zensur und abzulehnen. Ein Wort allerdings, über das man sich gesellschaftlich geeinigt hat, es nicht mehr zu verwenden (aus gutem Grund), gegen ein anderes (mit gleicher Bedeutung) auszutauschen, das ist für mich nicht Zensur sondern der Wandel der Zeit und der Fortschritt. Sprache ändert sich, Begriffe werden durch andere ersetzt, fragwürdige und diskriminierende Ausdrücke verschwinden. Und wieso sollte das nicht so sein? Nur weils #immersowar? Wir sprechen heute auch nicht mehr mittelhochdeutsch, weil es immer so war.

Auf Twitter hat heute jemand auch ein gutes Argument dafür gebracht, warum der Ausdruck Neger ersetzt werden sollte: Als Nöstlinger über Neger schrieb, war das ein ganz normaler, unverdächtiger Begriff, den jeder ohne böse Absicht benutzt hat. Wenn eine Figur in ihren Büchern das zu einer anderen sagte, so meinte diese Figur das nicht beleidigend. Wenn Kinder heute das Wort in einem Buch lesen, dann ist der Kontext ein völlig anderer, dann wirkt es so, als würde eine Figur die andere verletzen wollen oder absichtlich diskreditieren. So komisch das klingt, gerade die Beibehaltung dieses Wortes würde den Kontext verändern.

Man kann und soll darüber diskutieren, ob PC immer und überall ihren Zweck erfüllt oder nicht und auch intensiv darüber, welche Begriffe man in Büchern ändert, aber gerade was das N-Wort betrifft, kann ich mich Nöstlingers Ansicht hier nicht anschließen.

2 Kommentare

  1. wuchale sagt:

    Hm, schwieriges Thema. Kann dein Argument nachvollziehen. Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass sich die Gesellschaft ‘drauf geeinigt’ hat, Neger nicht mehr zu verwenden.
    Ich bin mit dem Wort groß geworden. Und ich hab’s ehrlich gesagt nie verstaden, warum es plötzlich ein böses Wort sein soll. Ich hab ihm nie eine böse oder negative Bedeutung zugemessen. Aber gut, wenn das gesellschaftlich (wer ist das eigentlich) verpönt sein soll, dann halt ‘Schwarzer’. Wart noch ein paar Jahre, dann wird auch diese Begrifflichkeit verpönt sein. Das ist nämlich das Problem (imho): Rassismus entsteht nicht durch Wörter sondern durch Geisteshaltungen. Streich das eine, wächst das nächste. So wird das Problem nicht gelöst.

    Um so mehr finde ich es verwerflich Wörter aus einem Sprachgebrauch tilgen zu wollen. Nichts anderes ist es nämlich, wenn man Begriffe aus Kinderbüchern streicht. Der Plan ist so durchsichtig wie dämlich: Hält man Wörter den Kinderköpfen fern und streicht sie aus Büchern, dann ist es in 2 Generationen getilgt.

    Und da setzt meine wirkliche Sorge an: Wenn das klappt, was wird als nächstes gestrichen? Und von wem eigentlich? Ich halte es für gefährlich Wörter und Begrifflichkeiten einfach zu streichen. Kann Nöstlinger diesbezüglich gut verstehen.

    Just my 2 Cents 🙂

    • heidi sagt:

      “Schwarzer” ist eh auch jetzt schon nicht unumstritten. Schwierige Sache, das, da hast Du recht.

      Ich glaube – wie Du – nicht, dass man damit gewisse Geisteshaltungen einfach umkehren kann, wenn man ein Wort ersetzt, finde aber auch nicht, dass man gerade dieses Wort künstlich am Leben halten muss. Für meinen Sprachgebrauch “geht” dieser Begriff einfach nicht mehr, ich finde ihn abstoßend, genauso übrigens wie eine Menge anderer Begriffe oder Aussagen, die ich als Kind bedenkenlos und ohne böse Absicht verwendet habe, jetzt aber nicht mehr verwenden würde. Ich finde nichts schlimmes dabei, wenn man Sprache und Begrifflichkeiten hinterfragt und mit der Zeit (behutsam) anpasst, ohne sich dafür zu geißeln, dass es früher anders war. Und natürlich hast Du recht, dass die Gefahr besteht, übers Ziel hinauszuschießen.

      Eben ein kompliziertes Thema. 🙂

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