Gelebte Toleranz

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich Österreich nach dem Song Contest Sieg drei Tage lang als Hochburg der Toleranz und Akzeptanz fühlt, dann das neue Plakat der Wiener Festwochen vorgestellt wird, und das ganze Toleranzgebilde schneller zusammenbricht, als man “Wurst” sagen kann.

Am unverständlichsten war ein Kommentar in heute. O-Ton: die armen Kinder. Denen muss man das erklären. Und es verstört sie vollkommen. Ganz ehrlich: mich nervt es eher, meinem Kind den Schärdinand erklären zu müssen oder den Billa Hausverstand, als eine Person mit männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen.

Das einzige, was mein Kind zu diesem Plakat interessiert hat, war: “Wie wurden Menschen eigentlich gebaut?”. Eine spannende Frage, die natürlich nicht so leicht zu beantworten ist, aber auch keine Hexerei ist. Es schadet nicht, seinem Kind auch mal zu sagen, dass man gewisse Sachen auch nicht weiß oder, dass manche Menschen auf die eine Art und Weise über einen Sachverhalt denken und die anderen Menschen an etwas anderes glauben. Kinder können damit nämlich sehr gut umgehen. Sie sind nicht so be-schränkt in ihrem Denken wie manche Erwachsene.

Zu Conchita Wurst wollte das Kind übrigens wissen, ob das eine Frau sei, die sich als Mann verkleidet hat. Und das aufregendste an ihr war schlicht und einfach ihr Name.

6 Kommentare

  1. Etosha sagt:

    Schön gesagt. Wo kann ich unterschreiben?
    Ad Hausverstand: Imaginäre Freunde müssten von Kindern eigentlich leicht zu verstehen sein. Das Unbegreifliche am Hausverstand: Bei der unendlich kreativen Auswahl, die man hat, wenn man sich so einen zulegt, wer denkt sich da ausgerechnet DEN aus?

  2. Gottfried sagt:

    Dass Kinder noch denkbeweglicher sind, das seh ich auch so.

    Allerdings glaub ich auch nicht an die vorgegebene Toleranz. Das hast du eh sehr treffend beschrieben.

    btw: wie hast du denn den Vornamen erklärt? 😉

  3. Manuela sagt:

    mir geht diese pseudo-prüderie total am nerv. gebe dir absolut recht!

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