Oscars revisted

Ich habe in den letzten Tagen nochmal über diese Verwechslungsgeschichte bei den Oscars nachgedacht, die ja hohe Wellen geschlagen hat.

Heute wurde publik, dass die Verantwortlichen von PWC ihre Jobs als Oscar-Beauftragte los sind. Tatsächlich war das Nennen des falschen besten Films eine Verkettung diverser unglücklicher Umstände. Wir als Zuschauer wissen jetzt, dass es für jede Kategorie zwei Kuverts mit den Siegernamen gibt, eines, dass der Presenter in die Hand gedrückt bekommt und ein Backup-Kuvert, falls das andre Kuvert verlorengeht oder so. So ist es zu erklären, dass eine etwas aufgebrachte Emma Stone erklärte, sie habe ihr Siegerkuvert die ganze Zeit in der Hand gehalten und wie könne dann Warren Beatty ihr Kuvert erhalten haben? Eben, weil der Herr von PWC ihm sein Stone-Backup Kuvert überreicht hat, statt das für den besten Film. Man sagt, er habe Fotos von Stone gemacht und getwittert, was ja schon wieder irgendwie süß ist. Aber er hat halt eben seinen Job dabei vergessen.

Tatsächlich ist es auch sehr peinlich, wenn man den besten Film präsentieren soll und merkt, dass in dem Kuvert eine falsche Karte ist. Letztendlich gibt es aber nur einen Weg, dieses Schlamassel aufzulösen, in dem man sagt, “Stopp, so leid es mir tut, ich hab hier ein falsches Kuvert.” Beatty hat dagegen herumgedruckst, und alle – inklusive seiner Co-Presenterin – dachten, das wäre seine Art, die Spannung ins Unerträgliche zu steigern. Das letzte Mal als jemand so verdattert geschaut hat, bei der Verkündung des besten Films war 2005 Jack Nicholson, als er Crash vorgelesen hat, anstatt Brokeback Mountain, auf den ausnahmslos alle gesetzt hatten. Damals wars aber das richtige Kuvert. Jedenfalls hat Beatty dann Faye Dunaway das Kuvert gezeigt und die war schon dezent genervt und hat einfach den dort aufscheinenden Film verlesen. Dem Faktum, das daneben Emma Stone stand, schenkte sie keine weitere Beachtung. Übrigens wurde das Layout der Karten gerade dieses Jahr geändert und so – nach Meinung mancher – unübersichtlicher gemacht. Na ja und dann wären eigentlich wieder die PWC Menschen zum Zug gekommen, die ja beide (als einzige Menschen) alle Preisträger kennen. Die hätten dann sofort einschreiten müssen und nicht warten, bis das gesamte La La-Team auf der Bühne ist und seine Dankesreden hält.

Ein Verwandter von mir, den ich nach den Oscars anrief und der altersmäßig halbwegs gleichauf mit Warren Beatty ist, hat mir sofort eine Analyse der Situation geliefert: “Beatty war immer schon ein Idiot.” Harhar. Andere auf Social Media Plattformen meinten, er wäre kein Gentleman, weil er Faye Dunaway die Karte aufgedrängt habe, anstatt selbst eine Entscheidung zu treffen. Wieder andere fanden, es wäre verständlich in so einer Situation der Überforderung das Falsche zu tun und nächstes Jahr müssen die beiden wieder präsentieren, sozusagen als Wiedergutmachung etc. Wie man sieht, jeder macht sich so sein eigenes Bild von den Vorgängen. Und das ist ja auch schon wieder spannend, dass alle zwar dasselbe wahrnehmen, es aber vollkommen anders interpretieren und deuten.

Den besten Gesichtsausdruck zur Situation, das er gerade fäschlicherweise auf die Bühne gerufen wurde, hatte meines Erachtens jedenfalls Ryan Gosling. No more words needed.

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