By the Sea

Heute hab ich auf orf.on gelesen, dass Angelina Jolie mit dem Film By the Sea, in dem sie Regie führte, eigentlich ihre Ehe mit Brad Pitt retten wollte.

Das hat ja nicht so ganz funktioniert und der Film selbst wurde von der Kritik auch ziemlich zerzaust. Ich hab ihn nicht gesehen, weil der Trailer mich schon unendlich deprimiert hat und solche Filme meide ich dann mit großer Freude.

Aber jedenfalls hat mich die heutige Meldung wieder daran erinnert, dass bei der Oscarverleihung 2016 – die ja ein Zeichen gegen #Oscarssowhite setzen wollte – ein Showblock von Host Chris Rock darin bestand, schwarze Kinobesucher in Compton nach ihren filmischen Vorlieben zu befragen. Das war einerseits witzig, andererseits auch durchaus der angestrebten Diversity zuträglich.

Mein Lieblingsmoment war aber, als Rock eine schwarze junge Frau fragt, was ihr liebster “White-Movie” des Jahres war und sie so: “By the Sea with Brad Pitt and Angelina Jolie”. Und Chris Rock so: “Wow – not even they would say that.”

Embrace the change!

Immer wieder erscheinen auf Elternblogs sentimentale Texte, dass die Kinder so schnell groß werden und einem die Zeit quasi durch die Finger rinnt.

Ich habs ja persönlich nicht sehr mit der Sentimentalität an sich, es ist einer dieser Gefühlszustände, die ich nicht sonderlich gut leiden kann, weil sie immer so ins leicht depressive abzugleiten drohen, und ganz nachvollziehen kann ich es auch nicht, wenn (zumeist) Mütter trauern, wenn aus Babys Kleinkinder, aus Kleinkindern Kindergartenkinder, aus Kindergartenkinder Schulkinder usw. werden. Ich hatte auch nie das Gefühl, dass alles zu schnell geht. Mag daran liegen, dass ich drei Jahre quasi rund um die Uhr mein Kind betreut habe und wirklich praktisch alles hautnah miterlebt habe, was es da zu erleben gibt.

Es gibt ja diesen Text, dass man oft nicht weiß, wann alles zum letzten Mal passiert, also beispielsweise, das letzte Mal, dass man sein Kind stillt, es am Arm trägt und so weiter. Ich hab ja nicht wirklich gestillt, abgesehen von zwei, drei eher glücklosen Versuchen, aber ich weiß nicht, wieviele Fläschchen ich gegeben habe und wieviele Windeln gewechselt und wie oft ich nachts wach war und wie oft ich das Kind von da nach dort getragen hab oder einfach im Kreis herum, es war jedenfalls alles wirklich oft genug für mich. Harhar. Ich sehe Veränderung auch nicht als etwas schlechtes an, etwas wovor man sich fürchten muss, auch wenn ich sonst durchaus auch ein Gewohnheitstier sein kann. Aber, dass ein Kind wächst und mehr kann, vor allem mehr versteht und sich differenzierter ausdrückt und man besser mit ihm reden kann, dass man das Gefühl hat, es begreift die Welt langsam und entwickelt eine eigene Perspektive, über die man sich mit ihm austauschen kann, das finde ich absolut großartig und will ich never ever zurücktauschen, nicht für eine Stunde.

Wie kam ich jetzt darauf, aja genau, ich hoffe, ich habe das letzte Mal “Wir haben Läuse in der Klasse, bitte untersuchen sie ihr Kind” bereits hinter mir, ohne es zu wissen. Denn dieses Jahr, oh Wunder, gabs noch gar keinen derartigen Alarm und ich könnte wirklich gut damit leben, wenn das so bliebe.

Frühstück bei mir

Gestern bin ich am Vormittag alleine im Auto gesessen und dabei zufällig auf Frühstück bei mir gestoßen. Ich hab das bisher ab und zu und immer gerne gehört, vergesse aber, das bewusst einzuschalten, weil Sonntag Vormittag irgendwie immer irgendwas ist.

Jedenfalls war diesmal Michael Niavarani zu Gast und dem höre ich ja sehr gerne zu. Ein Thema war sein kommender 50. Geburtstag nächstes Jahr und weil Alfons Haider grad 60 wurde, hat Claudia Stöckl ihn gefragt, ob er auch – wie Haider, der mit 60 Leuten feierte – es schaffen würde, 50 Leute einzuladen.

Niavarani: “Ja, ich würde 50 einladen, aber ich bin nicht dabei. Das wäre mir sehr recht.”

Stöckl: “Du würdest alles bezahlen?”

Niavarani: “Ich würde alles bezahlen, aber ich geh nicht hin.”

Stöckl: “Aber dann fehlt ja der Anlaß.”

Niavarani: “Das ist wie beim Begräbnis, da bin ich auch nicht dabei, da können sie sich schon auf mein Begräbnis vorbereitet.”

Bin echt lachend im Auto gesessen, weil ich das auch so gut verstehen kann, das ist genau my kind of birthdayparty, wieso bin ich da selbst noch nie draufgekommen. Feiern ja, aber bitte ohne mich.

Auch sonst war das Interview echt hörenswert, zb die Passage, wo er zur Verlobung von Prinz Harry befragt wird, und Stöckl sagt, Harry hat ihr den Ring selbst designt, Niavarani: “Wenn eine Ehe damit beginnt, dass er ihr was bastelt, wär ich schon angefressen.” Oder als Stöckl sagt, sie habe gehört, er, Niavarani würde gut verdienen, sei aber laut seines Managers kein Abkassierer, meint er: “Ja, weil ich ein Trottel bin.”

Sehr sympathisches Gespräch!

Frühstück im Schnee

Heute also der erste Schnee der Saison, Twitter, Instagram und Co voll von Schneefotos. Und wer auf Twitter keine Schneefotos postet, regt sich drüber auf, dass er dauernd Schneefotos in seiner timeline hat. Manche Dinge ändern sich nie. Ich dagegen freu mich über die Schneefotos von überallher. Daher hier auch mein persönliches erster-Schnee-Foto, kurz nach sieben Uhr früh.

Als ich um halb acht weggegangen hin, haben schon die ersten Kids im Hof eine Schneeballschlacht gemacht; ich hab zur Nachbarin, deren drei Kinder bereits voll mit Schnee waren, gesagt: “Na jetzt gehts wieder los” Und sie: “Ja, aber natürlich braucht niemand Reservehanschuhe.” Harhar.

Ich war übrigens deshalb schon so früh unterwegs, weil ich nach langer Zeit mal wieder auswärts frühstücken gegangen bin, habe mit meiner Freundin in neues Lokal zum Frühstück ausprobiert, nämlich das Hidden Kitchen Park bei Wien Mitte. Als wir unser Essen fotografiert haben, haben wir drüber geblödelt, dass man uns wahrscheinlich für Foodbloggerinnen halten wird.

 

Wir haben – wie man sieht – aber nicht das berühmt berüchtigte “Böse Mandel-Nougat Croissant” gegessen, sondern das Stadtpark Frühstück mit weichem Ei, Schinken, Semmel und Brot, Gurkerl, Kren, Marmelade und Orangensaft und das war sehr lecker und hat alles ziemlich bio geschmeckt. Außerdem kann man dort recht gemütlich sitzen und – heute – in den großen Fenstern dem Schneegestöber zusehen.

Dieser Eintrag war übrigens mal wieder von niemandem gesponsert.

Wanda und Columbo

Die sehr wienerische, aber auch sehr italophile Band Wanda hat ein neues Album rausgebracht.

Wanda, wir erinnern uns, das sind die, die gern mit ihren Cousinen schlafen wollen, die aus Bologna kommen, weil die Tante Cecarelli dort mal ein Pantscherl gehabt hat oder so. Aber sich dann eh nicht trauen. Und die, die einem raten, wenn man gefragt wird, wofür man steht, mit “Amore” zu antworten; und wenn man gefragt wird wohin man geht, dann mit “Bologna.” Ist jedenfalls mal was anderes als Rom, Mailand oder Venedig.

Das neue Wanda-Album heißt jedenfalls “Niente” und schon das verdient Respekt, weil es quasi jedem Rezensenten dementsprechende Sprachspiele/Kalauer auflegt, a la: “Das war gar nichts” oder “Nichts neues bei Wanda” und so weiter. Oder sie denken, dass die meisten Musikjournalisten nicht Italienisch können und zu faul sind, nachzuschlagen was “niente” bedeutet, aber darauf würd ich mich nicht verlassen.

Wie immer bei Wanda gehen die Melodien gleich voll ins Ohr und das ist gefährlich und lässt mich jedesmal an Goethe denken. Ich glaub, das schreibt er in Wilhelm Meister, dass es eine falsche Nachgiebigkeit gegenüber der Masse ist, dass man bei ihnen Empfindungen erregt, die sie haben wollen und nicht die, die sie haben sollen. Weil wenn der Ohrwurm sich mal festgesetzt hat, wird es schwer herauszufinden, ob das wirklich tatsächlich so gut ist oder ob man nur geschickt eingewickelt wurde.

Im Video zu Columbo trägt Marco Wanda jedenfalls wieder Zigarette und auch Engelsflügel und das ist visuell gar nicht unoriginell. Es geht wieder mal um Amore und um Angst und Beziehungsprobleme und der Lösungsansatz ist diesmal, Columbo im Fernsehen zu schauen und den Pyjama auszuziehen. Es gibt sicher tiefsinnigere Botschaften, aber direkt dagegen sagen kann man eigentlich auch nichts.

Langer Rede kurzer Sinn: ich hab immer noch keine wirkliche Meinung zu Wanda.

They don’t really care about us

Das Nachbarskind: Beat me, hate me, you can never break me, will me, thrill me, you can never kill me

Ich: All i wanna say is, that they don’t really care about us.

Nachbarskind: Meine Schwester hat alle DVDs von ihm und ich schau mir die jetzt an. Ur cool!

Ich: Bist du ein Fan?

Mein Kind: Von WEM?

Die musikalische Sozialisation Michael Jackson betreffend, hab ich bisher sträflichst vernachlässigt!

Julia Roberts, zwei

Der zweite Film mit Julia Roberts, den ich sehr gerne mag, ist die Beziehungsdramödie Closer, in der sie neben Jude Law, Natalie Portman und Clive Owen die vierte Hauptrolle spielt.

Closer ist einer der besten Filme über Beziehungen den ich kenne. Zwischen den vier Protagonisten – ursprünglich zwei Paare – entwickeln sich vielschichtige und relativ komplizierte Beziehungsgeflechte und sie durchleben alles, was man in Beziehungen so erlebt: Leidenschaft, Schmerz, Begehren, Eifersucht, Wut, Leere, Ratlosigkeit. Das kennt man aus dem wirklichen Leben, aber oft spielt sich alles unter der Oberfläche ab und Paare reden nicht offen über ihre Gefühle und Bedürfnisse, aus vielerlei Gründen. Um den anderen zu schützen, um sich selbst zu schützen, aus Mitleid und aus Scham.

 

In Closer reden sie so offen und explizit darüber, dass sie sich damit gegenseitig oft wehtun. Etwa als Larry (Owen) seine Frau Anna (Roberts) über ihre Affäre mit Dan (Law) ausfragt.

 

Larry: Is he a good fuck?

Anna: Don’t do this.

Larry: Just answer the question! Is he good?

Anna: Yes.

Larry: Better than me?

Anna: Different.

Larry: Better?

Anna: Gentler.

Larry: What does that mean?

Anna: You know what it means.

 

Closer nutzt aber – obwohl die Vorlage ein Theaterstück ist und man den Film zu einem Kammerspiel hätte machen können – alle filmischen Möglichkeiten aus, mit sehr intensiven Bildern und guter Musik von Mozart über Rossini bis Damien Rice, dessen Lyrics zu Blowers Daughter sehr schön den Spirit des Filmes einfangen –  so a la: ich liebe dich über alles, solange bis ich jemand neuen finde.

Alice antwortet, als Dan sie darum bittet, etwas Wahres zu sagen: “Lying’s the most fun a girl can have without taking her clothes off – but it’s better if you do.” Daraus hat die Band Panic! at the Disco zwei Songs gemacht, die auf ihrem Album A fewer you can’t sweat out zu finden sind. Einer heißt eben Lying’s the most fun a girl can have without taking her clothes off, der andere But it’s better if you do. Nachdem ich 2007 sehr viel Panic!… gehört habe, bin ich da irgendwann draufgekommen und ich liebe ja so Anspielungen bzw. Querverweise sehr.

Julia Roberts Rolle hat natürlich gar nichts von den Rollen, die sie sonst oftmals in romantischen Komödien wie Notting Hill gespielt hat und genau deshalb gefällt sie mir darin so gut, weil sie sehr reduziert spielt und alles lebhafte und quirllige aus ihrem Wesen gewichen zu sein scheint. Sie wirkt sehr kühl in diesem Film, sehr selbstsicher, trotz des ganzen Gefühlschaos, in dem sie sich befindet. Eine sehr interessante, weil auch differenziert gezeichnete Figur.

Winter is coming

Gestern Abend waren die Kinder noch bis fast acht im Hof. Irgendwie ist in der Dunkelheit draußen herumtoben grad sehr angesagt.

Irgendwann denk ich mir, ich schau mal runter, ob das Kind eh die Jacke zugemacht hat – Handschuhe, dicke Weste unter der Jacke und Mütze hatte er eh an, da seh ich, dass das Nachbarkind im T-Shirt unten ist.

Seit 45 Minuten. Bei plus vier Grad. Ähem #verkühledichtäglich

Ein Lob des Novembers

Ich lese dieser Tage bei vielen, dass sie den Monat November nicht so gerne mögen. Weil er halt so grau in grau, nasskalt und einfach novembrig sei. Und eigentlich keine größeren Höhepunkte beinhaltet.

Ich muss sagen, ich empfinde das gar nicht so. Bzw. ich mag den November gerade deshalb ziemlich gern. Grad weil er so ein unspektakulärer Monat ist, wo man eigentilch gar nichts “muss”, der einfach so dahinplätschert, ohne besonderen Sinn oder Ziel.

Im Sommer spielt sich soviel draußen ab, dass das “innen” bei einem selbst manchmal zu kurz kommt, weil man das gute Wetter natürlich nutzen “muss” und will. Außerdem ist es phasenweise so heiß, dass die eigene Reflexionsfähigkeit sowieso schwer zu mobilisieren ist. Aber auch ein Monat wie der Dezember ist so vollgepackt mit Äußerlichkeiten, dass man irgendwie kaum zur Ruhe kommt.

Der November hingegen fordert gar nichts von einem. Man kann aus dem Fenster schauen in die graue Außenwelt und das reicht eigentlich. Ich persönlich kann mich besser auf die Arbeit konzentrieren und auf meine Gedanken, ich kann auch besser lesen und schreiben und Musikhören, weil mich so wenig davon ablenkt. Die langen dunklen Abende sind heimelig und behaglich, nach einem Spaziergang an der ziemlich frischen Luft besonders.

Aber vielleicht bin ich auch einfach ein sehr fader Mensch, harhar. So wie meine Freundin damals als Teenie zu mir sagte, du willst ja immer nur lesen und schreiben und nie Party machen. Tja. Shame on me and on november!

Galileo

Gestern Abend hab ich mit dem Kind eine interessante Sendung gesehen – eine Spezialausgabe von Galileo, die letzten 50 Jahre in Bildern, also pro Jahr ein Bild, das besonders prägend für das Jahr war. Sowas liebt er ja und ich fands eigentlich auch ganz spannend.

Etwa der Brand auf Windsor Castle 1992. Soviel hatte das Schloß ohne Schaden überstanden, Bürgerkriege, zwei Weltkriege… nur dass dann schlußendlich einfach ein Halogenstrahler umfällt und ca. ein Fünftel des Schlosses abbrennt. Die Queen bezeichnete (unter anderem deshalb) das Jahr 1992 als “annus horribilis”. Denn Windsorcastle war ihr Lieblingsschloß. Das Kind und ich amüsierten uns darüber, dass jemand soviel Schlösser hat, dass er quasi einen Liebling darunter küren kann. Das Schloß wurde übrigens wiederaufgebaut, das hat die Queen quasi selbst finanziert, indem sie den Buckingham Palast für Besucher öffnete und die Einnahmen für den Wiederaufbau von Windsor Castle verwendete.

Und ich erinnerte mich dann, dass ich bei meiner Oma als Kind immer die ganzen Illustrierten gelesen habe und zwar mit großem Vergnügen (gulity pleasure!) und deshalb die ganzen königlichen Schlößer auch mal auswendig kannte: Highgrove beispielsweise und Sandringham, was die Königsfamile von Weihnachten bis Ende Jänner bewohnt, wenn man mich fragt zahlt sich das nicht optimal aus, aber bitte. Und Balmoral, das Schloß in Schottland, das glaub ich Diana gehasst hat, weils dort so rural und kalt war.

Anyway: auch interessant war in der Sendung das Jahr 1975, in dem Jahr hat Playmobil ein Bauarbeiter-Spielzeugset verkauft und dafür Werbung gemacht, bei dem fünf Kisten Bier inkludiert waren. Und der Bauarbeiter sagt zum anderen: “Das ist heut schon meine 5. Flasche” und der andere sagt: “Macht nichts, wir haben noch ein paar Kisten.” Heut irgendwie undenkbar, damals immerhin auch ein kleiner Skandal und das “Bier” musste aus dem Sortiment genommen werden.

Das hat mich wiederum daran erinnert, dass das Kind mit zweieinhalb Jahren ein Baustellen-Buch besessen hat, das wir uns immer wieder angeschaut haben. Er konnte damals noch gar nicht sprechen und ich hab ihm halt alles im Buch erklärt, unter anderem, dass der LKW Fahrer grad Pause macht und “Bier trinkt”. Weiß nicht, ob es wirklich Bier war, es sah zumindest so aus. Ich dachte, das Kind versteht es eh noch nicht. Und was machte das Kind, als es dann sprechen konnte, er griff zum Buch, blätterte auf die dementsprechende Seite, zeigte auf die Flasche und sagte: “Bier”. Ähm.