almis personal blog

Die wahren Abenteuer des André Heller, eins

Ich bin gegenüber der Hellerfabrik aufgewachsen. Bis 1971 wurden dort Schokolade und Zuckerl produziert. Ich bin erst 1976 geboren, es roch also nicht mehr permanent nach Süßem, als ich dort gelebt habe, aber die Fabrik stand trotzdem noch ganz schön imposant da. Erst Jahre nachdem ich ausgezogen bin, wurde sie zu einem Pflegeheim umgebaut. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich draufgekommen bin, dass die Heller Zuckerl etwas mit André Heller zu tun haben. Sein Großvater war nämlich einer der beiden Gründer der Fabrik.

Wie komme ich da jetzt drauf? Am Wochenende lief auf ORF anlässlich von Hellers baldigem 75. Geburtstag eine Doku mit dem Titel Die wahren Abenteuer des Andre Heller. Meine Mama hat mir davon vorgeschwärmt und so habe ich sie mir gestern angesehen und diese Doku und natürlich der Mensch André Heller ist wirklich, wirklich faszinierend und interessant. Ich hatte ja sehr lange ein falsches Bild von André Heller oder ein Bild, das veraltet war. Ich dachte, er sei sehr arrogant und abgehoben. Das war er auch junger Mensch, er war eine “Rotzpippn” wie er selbst sagt, und auch: “Ich habe eine so grandiose Eitelkeit gehabt, jahrzehntelang, weil ich so ein armseliges Selbstwertgefühl gehabt habe.” Und die Eitelkeit, so Heller, habe das nie ausgleichen können. Man fresse, sagt er, Anerkennung und scheide sie quasi unverdaut wieder aus. Das ist natürlich auch das spannende bei Heller, wie er sich pemanent selbst hinterfragt und analysiert.

Er ist jemand, der polarisiert. Unglücklich aufgewachsen in einem Schweizer Internat, ein strenger Vater, zu dem er im Grunde keine Beziehung hatte und dessen früher Tod ihn erleichterte, eine Mutter, mit der er permanent aneinandergerät, wurde dann ein überheblicher Radiokommentator, ein Künstler, der aber auch nicht in den Wiener Kunstbetrieb passte, der austeilt und selbst auch stark angefeindet wurde – was er so umschrieb: “In Wien musst erst sterben, damit dich die Leute Leben lassen, aber dann lebst lang.” Er sagt über sich selbst, er war eine “Primadonna der Exzentrik” und wenn Leute in seine Vorstellungen kamen, dann wusste er nicht, ob sie ihn verstehen oder nur sehen wollen, wie es ihn auf die “Pappn” haut.

Man weiß ja oft gar nicht, was ist André Heller eigentlich, wofür ist er tatsächlich bekannt? Er hat eine Universalbegabung. Er ist Sänger und Liedermacher, ebenso wie Moderator, Poet und Schriftsteller, Schauspieler, Filme und Zirkusmacher (im wahrsten Sinn des Wortes), Kulturmanager – obwohl das Wort für ihn total unpassend ist, Visionär, Createur – obwohl er so stark aneckt, ist er andererseits kommerziell auch extrem erfolgreich. Wie er selbst sagt, gibt es in Europa wohl niemanden, der mehr Ticktes für Shows verkauft hat als ihn; aber Shows interessieren ihn nicht mehr, die Shows hat er ausgereizt. Ihn interessieren Preise genauso wenig wie – wie gesagt – die Aufnahme in elitäre Künstlerkreise. Eigentlich, so denke ich, nachdem ich die Doku gesehen habe, geht es ihm darum, dass das Gefühl stimmt, dass er mit sich selbst glücklich ist. Und ich denke, das ist er.

ESC Norway 22

Ich muss zugeben, so richtig in ESC Stimmung bin ich heuer noch nicht und so wirklich überzeugt haben mich auch noch nicht viele Songs, die nun einer nach dem anderen veröffentlich werden.

Aber dann kam Norwegen, mit der Band Subwoolfer (sic!).

Bei Give that wolf a banana stimmt schon sehr viel. Ein Titel, der neugierig macht, weil er so unlogisch erscheint. Warum soll einem Wolf eine Banane angeboten werden? Der gesamte Text ist sehr schräg und skurill, quasi Rotkäppchen upside down und recht dadaistisch. Der Wolf wird einmal Keith und einmal Jim genannt, was auch die Namen der Sänger sind, die ansonsten anonym bleiben wollen. Gemeinsam mit den Kostümen bzw. Masken verbreitet das einiges an Daft Punkt Vibes.

Und natürlich, am wichtigsten: Die Musik. Eingängig, aber nicht billig und ziemlich contemporary. Der Song macht einerseits Spaß, ist andererseits aber kein Blödelbeitrag – was auch anzuraten ist, denn Blödelbeiträge beim ESC sind ziemlich vorbei – sondern cool und würde auch ohne ESC Kontext funktionieren.

Norwegen tritt mit “uns” im ersten Semifinale am 10. Mai an.

ESC Austria 22

Gestern wurde unser Lied für Turin vorgestellt und es fällt mir schwer, mich dazu zu äußern, weil ich keine klare Meinung dazu habe.

Einerseits denke ich: Wow professionell gemacht, catchy und ein Chartstürmer. Andererseits denke ich: 90-er Eurotrash mit bestenfalls gulity pleasure Appeal. Jemand schrieb als Kommentar auf Youtube “Halo schreibt man doch mit Doppel-L” harhar. Also Halo ist natürlich der Heiligenschein, und es gibt ja schon einen ziemlich bekannten Song, der auch so heißt, und den Beyonce singt, was ich immer etwas eigenartig finde, wenn man sich keinen “neuen” Titel ausdenkt, aber ok. Hier mal das Video:

Meine erste Assoziation zu dem Video war ja ganz klar Falco, Junge Römer. Die Assoziation ist wiederum einerseits gut, weil Junge Römer mein Lieblings-Falco Song ist, andererseits auch wieder schlecht, weil Lumix und Pia Maria da natürlich gar nicht mithalten können.

Also sagen wir so: Halo ist schon ok, hat auf jeden Fall Potential fürs Finale und wenn man an die letzten Jahre österreichische ESC Songs zurückdenkt gefällt es mir auf alle Fälle besser als Nathan Trent und Paenda. Ich kenne sogar jemanden, der das schon in den Top 5 sieht, was ich eine mutige Prognose finde. We will see.

Finde den Fehler

Wir lernen für die Englisch.Schularbeit.

Der Teenie: “Ich kann immer noch die drei Zeitformen der Verben.”

Ich: “Das ist auch gut, das musst du dir auch für dein ganzes Leben lang merken.”

Der Teenie: “Was ist schnell die 3. Form von ride?”

Ich: “Woher soll ich das wissen, ich hab das vor 30 Jahren gelernt.”

Harhar.

Eiskalte Engel

Der Film Eiskalte Engel/Cruel Intentions entstand 1999, also gut zehn Jahre nach den anderen beiden Filmen und hat sich entschlossen, die Handlung in die Gegenwart zu versetzen. Die Idee ist nicht schlecht, wenn man sich das Euvre des Regisseurs Roger Kumble aber ansieht, das offenbar eher auf die allzu seichte Unterhaltung abzielt, könnte man ein bisschen Bauchweh bekommen. Gerade bei diesem Thema. Das hätte auch ein American Pie Verschnitt für die Upperclass werden können.

Um gleich zu beruhigen: Eiskalte Engel ist durchaus gelungen und unterhaltsam, mit Niveau, wenn auch ziemlich explizit. Ryan Phillipe übernimmt die Rolle die vor ihm Firth und Malkovich spielten, Sarah Michelle Gellar die von Benning/Close. Reese Witherspoon spielt auch mit, und zwar die “Unberührbare” Annette, hat also einen anderen – amerikanischen – Namen bekommen.

Was ist im ausgehnenden 20. Jahrhundert ein schockierender Wetteinsatz?

MAYBE SPOILERS

Kathryn schlägt Sebastian vor, dass er sie bekommt, wenn er Annette verführt; sollte es ihm nicht gelingen, bekommt sie sein Auto. Sebastian: “Wie kommst du darauf, dass ich darauf eingehe! Das ist ein 56 Jaguar Roadster.” Daraufhin Kathryn: “Du darfst ihn reinstecken, wo du willst.” Das überzeugt ihn und er nimmt die Wette an. Also wir halten fest: im Jahr 1999 muss man, wenn man die Menschen halbwegs schocken will, Analverkehr ins Spiel bringen. Dann hat man ungefähr das Skandalniveau, dass die LeserInnen der Urversion im Frankreich des 18. Jahrhunderts hatten. Zumindest denkt sich das offenbar der Regisseur/Drehbuchautor.

Während in den vorigen Verfilmungen klassisch die Musik der damaligen Zeit quasi als Hintergrund-Stimmungsbild vorkommt – Spinettmusik, Händel Vivaldi et al, setzt Kumble natürlich auf (Indie-angehauchte)-Musik der damaligen Gegenwart, allen voran Placebo und The Verve, wie Fatboy Slim und Skunk Anansie. Natürlich kleiden sich Phlippe und Co. wie Jugendliche der 1990er aber zitieren durchaus die Mode des 18. Jahrhunderts, speziell in der Figur von Gellar wird das deutlich, die oft lange Kleider und miederartige Oberteile trägt, in denen ihr Busen hervorquillt, wie das auch in der Rokoko Mode oft der Fall war.

Interessanterweise ist Eiskalte Engel der Film – uns das weiß ich erst, seit ich die anderen Verfilmungen kenne – der tatsächlich Liebe ins Spiel bringt. Während man in den anderen Verfilmungen nicht weiß, ob Valmont wirklich zu Liebe fähig ist oder sie auch nur anstrebt, alles bleibt sehr vage und nebulös, wird hier schon suggeriert, dass Sebastian zumindest sehr viel für Annette empfindet. Und das ändert natürlich auch den Grundton der Erzählung. Wenn man so will ist die – oberflächlich betrachtet – hippste Verfilmung diejenige, die andererseits aber auch den meisten Anspruch an Moral hat und im Endeffekt eine recht klassische Liebesgeschichte erzählt. Eine Interpretation, die die beiden andere Filme nicht teilen.

Gefährliche Liebschaften

Kurz vor Valmont hat 1988 Stephen Frears seine Version von Gefährliche Liebschaften (Dangerous Liasions ) veröffentlicht. Das war natürlich so nicht geplant, und den Regisseuren damals nicht so recht, denk ich mir, erscheint im Rückblick aber reizvoll, weil man die beiden Adaptionen damals quasi recht zeitnah direkt miteinander vergleichen konnte.

Die Rolle des Valmont, die Colin Firth verkörpert hat, spielt hier John Malkovich und die von Madame Merteuil – bei Forman Annette Benning – übernimmt hier Glenn Close. In einem Review der renommierten amerikanischen Kritikerin Pauline Kael schreibt sie sehr pointiert: “Using American actors (instead of following the Hollywood tradition of casting British actors as French aristocrats) gives the film a directness, an emotional immediacy.”

MAYBE SPOILERS

Die Stimmung von Gefährliche Liebschaften ist tatsächlich eine andere als der bei Valmont. Zwar herrscht auch hier ein ironischer bis zynischer Unterton, allerdings ist alles von Beginn an weitaus düsterer und bedrohlicher. Malkovich hat nicht den kindlich-verspielten Charme, den Firth hatte, er wirkt eher wie ein leicht verhaltensgestörtes Raubtier auf Beutezug. Und Close erscheint intriganter als Benning das war, nicht so herzlich, eigentlich eine ziemliche Eigenbrödlerin. Dennoch (oder deshalb?) wirkt es so, als würde sie mehr an Valmont zu hängen, zwischen ihnen ist deutlich mehr Leiden- als Freundschaft.

Michelle Pfeiffer hat hier die eher undankbare (weil farblose) Rolle der Madame de Tourvel, wurde dafür aber sogar für den Oscar nominiert; überzeugender ist eine blutjunge Uma Thurman als Cecile. Auch Keanu Reeves spielt mit und ich weiß nicht ob es daran liegt, dass meine Generation ihn eher mit Matrix verbindet, aber er wirkt auch in einem Historienfilm aus dem Frankreich des 18. Jahrhunderts wie jemand aus der ganz fernen Zukunft. Und von einem anderen Stern.

Gefährliche Liebschaften ist ähnlich direkt wie Valmont – etwa wenn der Vicomte Cecile im Bett sagt: “Ich denke, wir beginnen jetzt mit ein oder zwei lateinischen Fachbegriffen” harhar – erlaubt sich schließlich aber doch mehr Moral und Urteil als die Forman Version, wo ja sogar noch Begräbnisfeierlichkeiten etwas zumindest unterschwellig Fideles hatten. Am Ende ist hier gar nichts mehr lustig, sondern bitterer Ernst. Und den ZuseherInnen wird durchaus eine vielleicht etwas platte, offensichtliche Botschaft mit auf den Weg gegeben.

Morgen dann, die wahrscheinlich hippste Version von de Laclos Vorlage: Eiskalte Engel.

Valmont

Jemand kennt mich außerordentlich gut und hat mich auf die ARTE Doku Skandalöse Liebschaften hingewiesen, die sich mit dem Briefroman von Choderlos de Laclos, Gefährliche Liebschaften, beschäftigt.

Die Hauptfiguren sind Madame Marteuil und Vicomte Valmont, die sich den Zwängen ihrer Zeit – vor allem den sexuellen – entziehen und den ganzen Tag auf der Jagd sind, nach dem nächsten amourösen Abenteuer, nach der nächsten erotischen Herausforderung, nach Spaß und Nervenkitzel. Sie gehen eine (erotische) Wette miteinander ein, die einen unvorhersehbaren Verlauf nimmt.

Ich habe mir gedacht, ich schau mir drei Verfilmungen an, bevor ich mir die Doku ansehe und habe gestern mit Valmont gestartet.

Valmot ist ein Film aus dem Jahre 1989 vom Milos Forman, in den Hauptrollen Colin Firth und Annette Benning. Forman hat einen meiner absoluten Hassfilme gedreht – und damit meine ich natürlich nicht qualitativ, denn Einer flog übers Kuckucksnest ist an sich ein sehr guter Film – aber ich hasse seine Botschaft und seinen “Spirit” und hätte ich nochmal die Wahl, würde ich ihn mir nicht mehr anschauen, anyway er ist auch bekannt für Hair und vor allem Amadeus, der zahlreiche Oscars bekommen hat.

MAYBE SPOILER

Gefährliche Liebschaften kann man sehr unterschiedlich interpretieren. Man könnte daraus beispielsweise ein echtes Drama machen, aber Forman hat sich offenbar gedacht: Na ja, wenn Einer flog über das Kuckucksnest schon so schlimm war, dann mach ich aus Gefährliche Liebschaften eine Art Lustspiel. Harhar. Na ja, ganz so extrem ist es vielleicht nicht, aber speziell die erste Hälfte von Valmont ist wirklich sehr amüsant, beschwingt-frivol, irgendwie alles wie ein großer Spaß, jede*r bumst quasi jede*n und was ist schon dabei.

Colin Firth als Valmont hat langes, wehendes Haar und tut so als wäre er auf der Suche nach der ganz großen Liebe; wenn der Film in eine andere Richtung abbiegen würde, könnte man aus ihm den verklärten Helden einer Romanze machen. So ist er aber eher mehr ein Strizzi mit zuviel Tagesfreizeit. Annette Benning als Madame Marteuil ist eine durch und durch feministische Figur, die sich nimmt, was sie will – nach außen hin sehr verbindlich und freundlich, geht es ihr in Wahrheit nur um ihre eigene Befriedigung und noch mehr um ihre Freiheit. Eine Witwe, die nie mehr heiraten will, denn das würde Unterwerfung bedeuten und das ist wirklich nicht das, was sie sucht.

Forman hält den ironischen Unterton der Erzählung tatsächlich während der ganzen Laufzeit des Filmes durch. Für ihn sind die beiden zwei wohlstandsverwahrloste Bohemians, die die Liebe als etwas sehen, mit dem sie sich die Zeit vertreiben. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist offenbar niemand, mehr als Spaß sucht keiner. Ob man nun ein Herz bricht oder zum Duell gefordert wird, nichts scheint wirklich ernst zu sein. Und das verleiht dem Film letztendlich auch, bei aller Spielfreude – ich liebe die Szenen mit der alten Tante von Valmont, die permanent einschläft, es in ihrer Jugend aber offenkundig ziemlich krachen ließ – vielleicht ein bisschen zuviel Unverbindlichkeit und damit auch eine gewisse Blutleere.

Valmont ist also mehr Travestie als Sittenbild oder gar kartharsische Offenbarung, aber als solche sehr gelungen. Ich bin nun gespannt, was Stephen Frears mit dem Stoff angestellt hat, seinen Film sehe ich als nächstes.

Running on air

Heute ist nicht mein Tag.

Eigentlich fing es schon gestern damit an, dass ich auf ein Paket gewartet habe, das zwischen 8 und 17 Uhr geliefert werden sollte. Eine nicht besonders überschaubare Zeitspanne, aber ich bin eh im Homeoffice. Jedenfalls hat der Lieferdienst nicht angeläutet, dafür kriege ich dann eine Email, dass mein Pakerl in einem Paketshop beim Bahnhof ist. Grumpf. Ich gehe werktags selten zum Bahnhof, ich gehe eher in der anderen Richtung, Donaufeld einkaufen, weil das ein grünerer Spaziergang ist, ohne viel Trubel. Well.

Heute also will ich das Paket abholen, gehe zu Fuß zum Bahnhof Flodo, vergesse aber den Abholschein, der im Postkastel war, und bemerke daher erst als ich vorm Shop stehe, dass dieser um 10 Uhr öffnet. Es ist 9.20. Grumpf, das dauert mir zu lang. Na gut, denke ich, wenn ich schon in der Gegend bin, gehe ich zum Asiashop und kaufe Ramen für den Teenie, danach kann ich mit dem Bus nachhause fahren, das geht sich zeitlich gerade aus, denn der Bus fährt nur alle 20 Minuten. Meistens gehe ich alles zu Fuß, aber heut bin ich müde.

Ich gehe also in den Asiashop und kaufe sieben Portionen Ramen. Als ich bei der Kasse stehe und mit der Karte zahlen will, bemerke ich ein Schild am Bankomaten – zahlen mit Karte erst ab 10 Euro möglich, meine Rechnung beträgt 5,90; ungefähr zeitgleich bekomme ich diese Information auch von der Kassiererin. Ich habe null Euro Bargeld bei mir. Grumpf. Ich sage zu ihr: und was soll ich jetzt machen? Sie ist indifferent, um nicht zu sagen gleichgültig. Ich mache den Vorschlag, zum Bankomaten beim Bahnhof zu gehen, und meine Sachen (die auch einen Billaeinkauf inkludieren) bei ihr zu lassen. Sie nimmt es stoisch zur Kenntnis.

Ich gehe im Laufschritt zum Bankomaten, hebe ab, es ist 9.34. Ich werde den Bus nicht schaffen, der um 9.40 beim Bahnhof losfahrt. Überlege mir aber, dass ich bei der zweiten Station zusteigen kann, die liegt näher am Asiashop. Zurück an der Kasse ist die Kassiererin nicht da. Grumpf. Danke auch fürs Aufpassen auf meine Sachen. Nachdem ich sie bei irgendeinem Regal finde und endlich gezahlt habe, verlasse ich den Shop im Laufschritt, Richtung Station Matthäus Jiszda Straße. Ich weiß, dass ich an der Station bereits stehen muss, wenn ich will, dass der Bus stehenbleibt, denn an dieser Station bleibt der Bus nur dann stehen, wenn dort jemand ist und am besten noch irgendein Handzeichen macht (weil dort drei Busse stehen bleiben), ausgestiegen ist dort in der Geschichte des Floridsdorfer Nahverkehrs noch niemals jemand. Während ich also die Station im Laufschritt approache, fährt mein Bus fröhlich an mir vorbei und macht natürlich nicht Halt, denn ich bin ja noch zu weit weg und nicht als potentieller Fahrgast ersichtlich. Grumpff!!!!

Ich denke nach, ob ich die nächste Station – Broßmannplatz – erreiche, bevor der Bus da ist. Das würde sich eventuell dann ausgehen, wenn der Bus an der einzigen Ampel, die zwischen den beiden Stationen liegt, stehen bleiben müsste, was er immer tut, wenn ich drinnensitze, und ich sofort losrenne und wirklich schnell laufe. Dazu bin ich realistischerweise viel zu müde. Dennoch trotte ich sinnlos in Richtung Broßmannplatz – wem will ich eigentlich etwas beweisen und vor allem was? – nur um den Bus ein zweites Mal vorbeifahren zu sehen – die Ampel war anscheinend grün – gänzlich unerreichbar. Also gehe ich den ganzen Weg an der alten Donau zu Fuß nachhause, was eh schön und pittoresk ist, aber das wärs im Bus auch gewesen harhar.

Na ja, immerhin bin ich so gleich 8.000 Schritte gegangen und habe Ramen für das Kind. Das Paket hole ich dann morgen. Oder so.

Last Night

Nach über zehn Jahren hab ich mir mal wieder Last Night angesehen, ein Film, der mich schon beim ersten Mal ziemlich erwischt hat. Oft ist es ja so, dass man Filme dann in einer anderen Lebensphase sieht und sie wirken ganz anders auf einen. Last Night gehört nicht dazu, er hat mich auch diesmal ganz genauso erwischt.

Maybe SPOILER

Worum geht es also? Joanna (Keira Knightley) und Michael (Sam Worthington) sind seit drei Jahren verheiratet. An diesem Abend begleitet sie ihn zu einer Firmenfeier, wo sie seine attraktive Kollegin Laura (Eva Mendes) kennenlernt. Joanna wird sofort klar, dass Laura ihren Mann auf nicht gerade subtile Art und Weise anbaggert, und dass ihm das zu gefallen scheint. Wieder zuhause angekommen macht Joanna ihm eine dementsprechende Szene. Er behauptet allerdings, Laura wäre ihm nur sympathisch, sonst nichts. Am nächsten Tag bricht Michael mit Laura und einem Kollegen zu einer Geschäftsreise auf. Joanna wiederum trifft beim Gang zum Bäcker ihre alte Liebe Alex (Guillaume Canet) wieder, einem Franzosen, von dem sie Michael nie erzählt hat, der abends mit ihr ausgehen will.

Beide Ehepartner verbringen die Nacht also mit anderen und werden dabei auf unterschiedliche Art und Weise in Versuchung geführt. Als Zuseherin sitzt man nun davor und denkt sich: wer wird hier wen betrügen und – weitergedacht – wo fängt Betrug eigentlich an? Michael und Laura trinken zusammen in einer Bar, im Hotel, am Pool und sprechen über das, was vielleicht zwischen ihnen passieren wird. Jedem Zuseher ist klar: das ist ein Spiel mit dem Feuer. Joanna und Alex treffen ein mit Alex befreundetes Ehepaar zum Abendessen – eine der besten Szenen des Films – und Alex’ Freund durchschaut sofort alles. Er stellt Joanna indiskrete, dabei aber auch sehr richtige Fragen zu ihrem Gefühlsleben. Nach ein paar Minuten hat er ihren inneren Kampf mit sich erfasst – und der Zuseher mit ihm.

Meine Sympthie gilt immer noch der Paarung Joanna/Alex. Die beiden sind Schriftsteller – mehr oder weniger erfolgreich, jedenfalls sind sie beide auf die gemeinsamen Wellenlänge, sehr künstlerisch-bohmemianhaft. Ich bin sehr dankbar, dass man Alex keinen unerträglichen französzischen Akzent in der deutschen Fassung gegeben hat (so wie das letztens bei Untreu der Fall war). Und ich frage mich immer noch, was Joanna und Michael eigentlich verbindet – er wirkt sehr sachlich und distanziert, etwas unterkühlt sogar. Die beiden scheinen gar nichts gemeinsam zu haben. Die offensive Art von Laura stößt mich persönlich sogar regelrecht ab und macht mich wütend. Was vielleicht ein bisschen unfair ist, weil man dasselbe Alex auf einer anderen Ebene genauso vorwerfen könnte. Aber ich gehe die Wette ein, dass sich jeder Zuschauer auf die Seite eines Paares schlägt. Und ohne den “Response” des jeweilgen Partners würden das Eindringen in eine bestehende Ehe sowieso nicht funktionieren, das ist auch klar. Und sobald so ein EIndringen möglich ist, ist in der Ehe selbst schon etwas oder vieles nicht mehr in Ordnung. Banale Erkenntnis? Ja, aber doch zutreffend.

Jedenfalls ein atmosphärisch dichtes und sehr spannendes Kammerspiel, zu sehen derzeit auf Sky. Hier der Trailer: