almis personal blog

LIZVC 50

Es irritiert mich, dass die Schulhomepage verkündet, dass ihre Ampelfarbe gelb ist. Aber das in oranger Farbe kundtut. Jeden Tag erschrecke ich aufs Neue.

Es ist Coronaherbst, und genauso fühlt es sich gerade an. Die Tagen werden kürzer, grauer und frischer – und irgendwann wird jeder einen kennen, der schlecht drauf ist. An manchen Tagen, wenn ich so nach draußen lausche, hab ich das Gefühl, dass es stiller ist als normalerweise, aber es ist keine angenehme, ruhige Stille, eher eine resignierte. Möglicherweise interpretiere ich aber zuviel hinein.

Leben haben sich geändert und zwar ausnahmslos nicht durch die Krankheit Corona, sondern durch die Begleitumstände, wie das daheim eingesperrt sein – die, die damit ein Problem haben, bezeichnen es oft so. Da haben Biografien sehr unerwartete neue Verläufe gekriegt, wie ich jetzt schon einige Male in persönlichen Gesprächen gehört habe. Ich habe auch schon gehört: “Wer weiß wie lange ich noch lebe? Deshalb habe ich dieses oder jenes riskiert.”

Ich weiß nicht wie ich das finden soll. Ich selbst sehne mich wie schon vor Corona (und das wird sich danach auch nicht ändern, vermute ich) nicht nach Risiko, sondern immer nach Nähe und Geborgenheit, die ich an manchen dieser ruhigen Tagen bekomme. Dann ist die Stille draußen nicht mehr bedrohlich.

River

Ich habe auf Twitter eine Frage gestellt. Und zwar hat Joaquin Phoenix seinen neugeborenen Sohn River genannt. Nach seinem 1993 verstorbenen Bruder. Und meine Frage war: ist der Name rührendes Andenken oder eine Bürde.

Und eine Antwort lautet: Das ist schlicht und ergreifend seine Sache. Ja schon klar, aber wenn Twitter nach dem Prinzip funktionieren würde, wäre Twitter längst tot. Harhar. Abgesehen davon ist es Herrn Phoenix sicher wurscht, was irgendwelche Menschen auf Social Media Plattformen drüber denken und mit Recht.

Aber als Gedankenspiel finde ich es schon interessant. Ich bin mir persönlich auch nicht sicher. Im ersten Moment dachte ich wow, Gänsehaut. Der zweite Gedanke war allerdings schon, welche Geschichte man dem Kind damit irgendwie mitgibt. Es ist für mich wohl beides.

ESC, die Runner Ups

Siehe letzter ESC Beitrag, ich nehme jede Gelegenheit wahr über den ESC zu bloggen.

Diesmal ist es so, dass unsere ESC Gruppe auf Facebook den besten Zweitplatzierten der Song Contest Geschichte sucht. Man soll für alle Jahrzehnte eine Bewertung von 6 bis 1 Punkt abgeben. Das ist recht spannend, denn oft sind ja die Zweitplatzierten sogar die spannenderen Acts.

Ich habe mich jetzt erstmal für den Moment mit den Runner Ups der 2010er Jahre beschäftigt, da ich diese noch sehr klar in Erinnerung habe. Und meine Punkteverteilung sieht folgendermaßen aus

6 Punkte: Soldi / Mahmood / 2019 / für Italien

Ehrlich gesagt, ist das eines der besten ESC Lieder der jüngeren Verganheit überhaupt. Nur wiedermal laborierte der italienische Beitrag an akuter Bühnenshow-Schwäche. Die Italiener schaffen es oft nicht, ihre wunderbaren Songs auch live vor Publikum attraktiv zu präsentieren. Auch Mahmoods Auftritt ist massiv überladen mit zuvielen Sinnesreizen. Weniger wäre mehr gewesen. Der Song geht dabei etwas unter. Aber an sich gehört er zu meinen all time Favorits.

5 Punkte: Beautiful Mess /Kristian Kostov / 2017 / für Bulgarien

Hier gilt ein bisschen das Gegenteil. Nein, der Song selbst ist auch wunderschön. Aber hier tut das Staging auch einiges dazu, dass man richtig Gänsehaut bekommt, bei der Performance von Kostov. Der Song ist von den Erfolgsgarantien Symphonix, er hat einen wunderbaren Titel, es ist eine reduzierte, sehr zeitgemäße Ballade, top.

4 Punkte: Sound of Silence / Dami In / 2016 / Australien

Dami In ist ein perfektes Beispiel für jemanden, dessen Song auf der Bühne rein stimmlich genauso gut, wenn nicht besser klingt als aus der Konserve. Der Auftritt als ganzes ist so perfekt und durchgestylt, dass es fast schon weh tut. Ich mag ihn trotzdem (harhar) sehr.

3 Punkte: Fuego / Eleni Foureira / 2018 / Zypern

Höre ich immer noch sehr gerne, diesen Partyhit, aber auf sophisticated, Lyrics: “Take me in, take a breath. Ain’t no hidden agenda.” Von der Live Performance her hat mir das sogar besser gefallen als der Siegersong.

2 Punkte: Calm after the Storm / Common Linnets / 2014 / Niederlande

Die Common Linnets hatten 2014 nur ein Problem und das hieß Conchita Wurst. Sie waren der große kommerzielle Gewinner des Jahres 2014, mit einem absolut Radio-tauglichen Lied, das dort auch sehr häufig gefeaturted wurde. Auch hier gefällt mir die Bühnenshow sehr gut.

1 Punkt: Madness of love / Raphael Gualazzi / 2011 / Italien

2011 kehrte Italien nach langer Abstinenz zum ESC zurück, und wurde gleich Zweiter. Mit einem verrückten, nicht gerade idealtypischen Song, Jazz geht eigentlich nie beim ESC, aber in der Erscheiungsform, in der ihn Italien verpackt, dann doch.

Alles gut

Heute vor 13 Jahren war der letzte Tag, an dem ich nicht Mama war.

Jahrelang hab ich den ganzen September ambivalente Gefühle gehabt. Wurde von der Spätsommerluft und dem Stand der Sonne getriggert. Das hörte mit jedem Jahr mehr auf und heuer hab ich kaum was gefühlt. Weil auch viele andere Themen das gerade heuer überlagern.

Bis ich heute in aller Frühe, um halb sieben, die Fotos von meiner damaligen Bettnachbarin im Krankenhaus Bozen sah. Ihr Sohn M. wurde heute vor 13 Jahren geboren. Auf ihrem Whatsapp Status hat sie ein Bild gepostet, in dem sie mit M. die Marsupio (Känguruhtherapie) macht. Sie sitzt da in dem weißen Kittel, den wir auf der Intensivstation immer angezogen haben, vor der Wand mit den braunen Fliesen, auf der Brust ihr winziges Baby. Und sie hat diesen Gesichtsausdruck zwischen Babyblues und Glücklich-sein und der Frage: wie bin ich bloß hierher geraten. Und das war dann doch wieder ein ziemlich emotionaler Flashback für mich.

Aber M. geht es wunderbar. Es ist alles gut.

Fall Guys

Ich bin ja nicht so die Zockerin. Achtung Euphemismus.

Natürlich weiß ich, dank dem Kind, dass seit einigen Wochen das Videospiel Fall Guys der letzte Schrei ist. Der letzte Schrei würde das Kind das natürlich nicht nennen, aber mir fällt gerade kein hipperer Begriff dafür ein.

Jedenfalls fand ich das Spiel 1. sehr süß – mal nichts mit Autos und Waffen usw. 2. schön bunt animiert, 3. hat lustige Musik, macht gute Laune.

Natürlich hab ich mir trotzdem nicht erträumt, dass ich es einmal selbst spielen werde. Ich glaube, das letzte Spiel, das ich – damals noch auf meinem Personal Computer – gespielt habe war Simon the Sorcerer. Ja, das ist aus dem Jahr 1993. Aber na ja, das Kind wollte, dass ich es mal ausprobiere. Am Anfang hab ich null gecheckt. Aber dann ging es etwas besser und ich habe die eine oder andere Runde gewonnen. Und dann war ich voll drauf angefixt.

Ich bin immer noch schlecht. Ich habe es gestern zwar bis zur dritten Runde geschafft, doch gerade in dem Moment als diese begann, klingelte das Kind an der Wohnungstüre und ich musste aufmachen. Man kann im Spiel aber nicht pausieren Als ich zurückkam, hatte mein Team (es gibt vereinzelt auch Teamspiele) die Runde einfach so gewonnen, ohne, dass ich was dazu getan hätte. Scheint (m)ein Erfolgsrezept zu sein.

Also vielleicht was für den langen socially distant Winter.

ESC, deine Texte

Mir ist ja kein Anlass zu gering, dass ich ihn nicht nütze, um über den Songcontest zu bloggen harhar.

Am Samstag war wieder Eurovision Again, diesmal das Jahr 2005. Ich war nicht daheim und hab es daher nicht gesehen, aber ich habe folgenden Tweet dazu entdeckt:

Wir erinnern uns (oder, oder??) 2005 hat Griechenland mit My number one gewonnen. Und mit eben dieser ersten Zeile.

Mir persönlich gefällt ja folgende Zeile aus der Sergey Lazarevs Nummer You are the only one – btw. hat der Titel Ähnlichkeiten zu oben angesprochenem griechischen Song – noch besser: “Thunder and lightning, it’s getting exciting”. Aber Russland wurde damit “nur” Dritter.

Und weil wir alle etwas Aufheiterung brauchen, hier Lazarevs Auftritt 2016 – reduziert und zurückhaltend, wie die meisten russischen Beiträge harhar. Aber ehrlich gesagt: den Effekt bei Minute 2 finde ich schon auch toll.

ESC 2021

Die gute Nachricht – einsam im Schatten aller miesen Nachrichten der Woche – im Jahr 2021 wird es wieder einen Songcontest geben. Und weil die Veranstalter in Rotterdam ja nicht hinter dem Mond leben, gibt es gleich vier mögliche Austragungsszenarien.

Erstens ein ganz normaler ESC. Let’s face it, das wirds nicht sein.

Zweitens einen ESC mit 1,5 Meter Abstand. Da gäbe es zwar Shows und alle würden vor Ort performen, aber natürlich mit deutlich reduziertem Audiotorium.

Drittens bei Reisebeschränkungen. Da würden diejenigen live performen, die reisen dürfen. Die andern würden in ihrem jeweiligen Land auftreten und zugespielt werden.

Viertens Lockdown Szenario. Alle performen daheim.

Zu viertens ist zu sagen: Sorry Island, Litauen, Malta und Bulgarien, ihr Favoriten für 2020. Das hätte man dieses Jahr nämlich auch noch hinkriegen können.

LIZVC 49

Die Schule läuft jetzt seit 7 Tagen. Abgesehen von dem Maskendings und den beschränkten Buffettöffnungszeiten (je nach Klasse), geht es halbwegs normal ab. Und das, obwohl Wien ja jetzt – laut Ampel – orange wird, aber die Schule bleibt dann doch gelb, weil ab orange wäre ja schon wieder Homeschool angesagt, zunächst einmal für die Oberstufenschüler. Was die Tagespresse zu einem sehr witzigen Artikel inspiriert hat. Irgendwie musste ich an meinen Vater denken, der früher gerne sagte: “Farben sind Zeichen einfachen Geistes.”

Vor der Schule wird immer noch bzw. mehr denn je die coole Straße gebaut, weshalb sich die Leute- es gibt dort vier Schulen, einen Kindergarten und ein Hallenband – super auf den schmalen Wegen drängeln können und dauernd von einer Straßenseite auf die andere geleitet werden. Es ist normalerweise mein fast täglicher Weg, zum Bahnhof(sviertel) und zurück. Irgendwie bin ich “fed up” mit dieser coolen Straße bzw. dem Speißroutenlauf.

Was war noch los? Nachdem ein Arbeitsprojekt vom Herbst ins neue Jahr verschoben wurde (Hello Corona my old friend) habe ich mich bei einem anderen beworben, viel Arbeit bekommen und jetzt gibts doch noch was in dem ursprünglichen Projekt zu tun und eine andere Anfrage ist auch herein geflattert. Herrje, und dann rennt einem doch wieder die Zeit davon. Aber besser so als anders.

Dann noch ein nettes Business-Meeting im Türkenschanzpark gehabt. Mit Entenbegleitung.

Und nachts um halb 12 war ich mal auf der Mariahilferstraße, nicht viel los, aber doch mehr als im Lockdown.

Komisch, dass man nach wie vor vieles in Bezug zu Corona/Lockdown setzt.

LIZVC 48

Ach ja, ich bin übrigens die Treppe runtergefallen, im Gartenhaus.

Das war letzten Freitag um 23.30, als im Zimmer, in dem das Kind zockte, irgendwelche Spinnweben von der Decke hingen. Also holte ich einen Besen und wischte die Spinnweben weg und dann wollte ich, mit dem Besen in der Hand, die Treppe wieder hinuntergehen. Aber anstatt auf die Stufen zu schauen, inspizierte ich den Besen, was da jetzt so alles dranklebte. Und da ich Socken anhatte und nicht aufpasste, wo ich hinstieg, und mich wegen des Besen auch nicht festhalten konnte, als ich ins Schleudern geriet, krachte ich, anstatt Stufen zu steigen, mit dem Rücken voll auf die Treppe.

Man kriegt übrigens keine Luft, wenn man auf den Rücken fällt, zumindest für eine kleine Weile. Jedenfalls klappte dann mein Kreislauf zusammen. Ich sagte dem Kind, es wäre alles ok, ich müsse mich nur kurz hinlegen; aber das war gar nicht so leicht, weil auf dem Rücken liegen konnte ich beim besten Willen nicht mehr. Also nur noch ein bisschen atmen, ein paar Minuten im ruhigen und dunklen Schlafzimmer. Und den Schweißausbruch und die Panik-Übelkeit ignorieren.

Meine Mutter kam dann und meinte, ich müsse wohl ins Krankenhaus, aber tatsächlich reichte es, dass sie mich mit irgendeinem ihrer Arthrose Wundermittel einschmierte und mir einen ominösen “Schmerz-Saft” einflösste und, dass ich 7 Stunden durchschlief, um am Samstag in der Früh frisch und fröhlich, nach einem kleinen Outdoor Frühstück auf der Terasse und nur mit kleineren Abschürfungen versehen, per pedes zur Vereinsvollversamlung (mit Abstand, Maske und Lüftung, ha – Bezug zu Corona gefunden) zu gehen. Weshalb ich ja speziell an dem Tag im Garten schlafen wollte. Da war ich schon etwas stolz auf mich.

LIZVC 47

Heute vor sechs Jahren, am allerersten Schultag vom Kind, hat es so geschüttet, dass wir mit dem Auto hinfahren musste, sonst wären wir komplett durchnässt angekommen. So stellt man sich das eigentlich nicht vor.

Sechs Jahre später und mit Beginn der dritten Klasse Gymnasium, hörte der Regen früher auf. In der Früh schrieb ich Denk-an-dich Grüße an alle meine Freundinnen, die Mamas mit Kindern sind, und heute in eine (neue) Schule kamen, oder in den Kindergarten, und an meine Freundin, die erstmals als Klassenvorständin eine Klasse übernimmt.

Jeder Schul(neu)anfang wird von einer gewissen Melancholie begleitet, auch schon ohne Corona, wie schnell die Jahre vergehen, wenn auch die Tage manchmal dahinschleichen. Ich habe heute einen Papa getroffen, den ich seit besagtem ersten Schultag kenne, weil sein Kind mit meinem in die Klasse ging. Er hat sich getrennt und als ich ihn frage, wie es ihm geht, sagt er: “Geht schon.” Und die Leichtigkeit ist weg, die er früher immer ausgestrahlt hat, ganz oft haben wir uns am Schulweg getroffen, als wir die Kinder gebracht haben und abgeholt, ganz oft haben wir geplaudert, und es war immer nett, er war voller Lebensfreude. Die Lebensfreude, sie ist verschwunden, aber ich hoffe, das war nur eine Momentaufnahme. Mir geht das sehr nahe, wieso frag ich mich, geht mir alles viel näher seit dem ersten Schultag, vor sechs Jahren? Auch in meinem Lebens ist viel passiert.

Das Kind jedenfalls, das Kind ist zufrieden, abgesehen von den Kleinkram-Motzereien, er kommt mir strahlend entgegen.