almis personal blog

Awards-Season, zwei

Ok, das mit Tânia Maria hat leider nicht funktioniert, dennoch haben die heutigen Oscar Nominierungen doch ein paar kleinere Überraschungen gebracht.

Zunächst einmal hat Sinners den Rekord an Gesamt-Nominierungen gebrochen und das war in dieser Souvernität nicht zu erwarten und zwar mit 16 Nominierungen. Ja, es gibt auch eine neue Kategorie (Bestes Casting). Und ja, damit wird es für Paul Thomas Anderson und One Battle After Another doch noch ziemlich eng. Ich muss ja ehrlich sagen, nachdem ich das halbe Jahr gesudert habe, dass die Filmsaison nur so mittelmäßig ist, ging es im Herbst Schlag auf Schlag und ich mag sowohl Sinners (obwohl Vampir Horror!) als auch OBAA richtig gerne – und auch noch einige andere, natürlich allen voran Sentimental Value. Ich möchte die Nonstop Kinos hiermit auch bitten, Sinners nochmals ins Programm zu nehmen. Ich habe ihn ja gestreamt, aber das ist defintiv ein Film für die große Leinwand. Auch wenn es im Kino sicher extrem bedrohlich ist.

Hier alle Nominierten in der Kategorie bester Film:

Und hier kann ich erfreulicherweise sagen, dass ich fast alles tatsächlich schon kenne, außer Marty Supreme (der läuft bei uns erst im Februar an) und F1 *hust*, einen Film, den mein Kind bereits dreimal gesehen hat. harhar.

Auch in den Schauspielkategorien gab es ein paar kleinere Überraschungen. Kate Hudson als Beste Hauptdarstellerin im so liebenswerten Underdog-Film Song Sung Blue zum Beispiel. Auch Ethan Hawke als Bester Hauptdarsteller für Blue Moon war eher ein Wackelkandidat, der Film kommt leider erst im Frühling in unsere Kinos. Delroy Lindo hat es noch in die Beste Nebendarsteller Kategorie geschafft, für mich komplett nachvollziehbar, weil ich nämlich während des Filmes gegoogelt habe, wer das ist, weil er so beeindruckend war. Wagner Moura (The Secret Agent) war dagegen eine Bank, allerdings ist er der erste Brasilianer, der in der Kategorie Bester Hauptdarsteller nominiert wurde. Stellan Skarsgard war auch quasi fix, aber – ebenfalls interessant – er ist der der erste Nebendarsteller, der für einen internationalen Film nominiert wurde.

Und überhaupt Sentimental Value, hach ja, der ganze Cast wurde nominiert,

Ein ziemlich erfreulicher Trend in den letzten Jahren: zum dritten Mal wurde alle Menschen, die für einen Oscar in der Kategorie Beste Regie nominiert sind, auch in der Kategorie Bestes Drehbuch (adaptiert oder Original) nominiert. Was nichts anderes heißt als: Der Auteur ist zurück. Und das finde ich sehr schön.

Ich hätte ja noch dutzende Facts und Stats, aber ich glaube abgesehen von mir interessiert das niemanden soo sehr, harhar. Morgen gibts ein anderes Thema, versprochen.

P.S. Ah ja, Votivkino hat mich schon prophylaktisch erhört und bringt Sinners im Rahmen des Black History Month. Hey Gartenbau, bei euch geht auch noch was! Harhar.

Awards-Season

That time of the year:

Wenn man Film und Filmpreise ein bisschen verfolgt, weiß man in vielen Fällen schon, was da ungefähr auf einen zukommen wird, an Nominierungen (morgen: die Oscars). Aber jeder wünscht sich insgeheim auch, dass es irgendwo eine Überraschung gibt, dass jemand nominiert wird, der einen total überzeugt hat, aber bei den bisherigen Awards und Nominierungen übersehen wurde.

Vor einigen Tagen hat sich auf X eine Fanbase von Tânia Maria gebildet, einer 79 jährigen brasilianischen Schauspielerin, die quasi vor sieben Jahr in diesem Job angefangen hat harhar. Filmkritiker Brian Rowe schreibt: “One of the most inspired shocker Oscar nominations that could happen (..) is Tânia Maria in Best Supporting Actress for The Secret Agent.” Und er hat recht. Kaum erscheint sie auf der Leinwand hat man das Gefühl, es mit einer realen Person zu tun zu haben. Einer schrulligen Südamerikanerin in Blümchenkleid mit Flip Flops, die permanent eine Zigarette zwischen Fingern hat. Sie spielt eine Pensioniswirtin für Menschen, die zu Außenseitern geworden sind, die vor irgendetwas oder irgendjemanden flüchten. Sie ist warmherzig, aber auch herb, sie nimmt sich kein Blatt vor den Mund, sie hat schon alles im Leben gesehen, nichts kann sie schockieren. Und es ist ihr komplett egal, was andere von ihr denken.

Die Chancen, dass sie nominiert wird, sind jetzt nicht wahnsinnig groß, das “Campaigning” für sie hat spät angefangen und sie ist auf keiner großen Prediction-Seite gelistet, wenn ich das recht überblicke. Andererseits hat The Secret Agent gerade ein enormes Momentum. Und in der Kategorie Beste weibliche Nebenrolle gibt es nur zwei sichere “Fixstarterinnen”, nämlich Teyana Taylor (One Battle After Another) und Amy Madigan (Weapons), wobei ich hoffe, dass Inga Ibsdotter Lilleaas (Sentimental Value), auch dabei sein wird, meine Lieblings-weibliche-Nebenrollen Performance dieses Jahr. Jedenfalls ist es aber eine Kategorie, die relativ volatil ist, in den anderen Kategorien sind meistens mindestens vier Plätze schon “sicher”.

Ich glaube, irgendwo recherchieren Journalisten zur Sicherheit schon, wann das früher mal passiert ist. Da kann ich helfen, das letzte Mal ist gar nicht so lange her, Andrea Risborough wurde 2023 out of the blue für To Leslie nominiert, da gabs damals aber eine Kontroverse. Auch Marcia Gay Harden in Pollock war bei den größeren Filmpreisen vor dem Oscar völlig ignoriert worden und gewann 2001 dann sogar. Soviel zu meinem unnützen Oscar-Wissen, harhar. Aber es ist doch auch mal schön, sich mit solchen sinnlosen Dingen zu beschäftigen.

Ich würds ihr jedenfalls gönnen.

Deine kalten Hände

Deine kalten Hände, das Buch von der Nobelpreisträgerin Han Kang, habe ich in zwei Tagen ausgelesen. Ich bin sehr begeistert davon.

Es geht um den Bildhauer Jang – meine neuen Themenschwerpunkte dieses Jahr offenbar: Asien und bildende Kunst – der aufgrund der Erfahrungen in seiner Kindheit, den Menschen hinter ihre “Fassaden” schauen will. Er hatte irgendwann bemerkt, dass seine Eltern das eine sagen und das andere tun, Lachen, wenn es nicht zu lachen gibt, und Weinen, wenn ihnen gar nicht danach ist, sondern nur, wenn es angebracht erscheint. Das erschreckte ihn und machte ihn fassungslos: “Was andere für echt hielten, zweifelte ich hartnäckig an.”1

Ich liebe dieses Cover

Dieser Wunsch spiegelt sich in seiner Kunst wider. Er arbeitet mit Gipsmodellen, das heißt, er sucht Menschen, bei denen ihn gewisse Körperteile faszinieren und bitte sie, diese eingipsen zu dürfen, um damit ihre “Hülle” zu erforschen, aber auch ihrer Persönlichkeit auf den Grund zu gehen. Dabei empfindet er eine gewisse Ambivalnz: “Woher kam dieser Widerspruch, dass ich etwas gleichzeitig zu zeigen und zu verbergen suchte.”2

Bei der extrem übergewichtigen L. sind es ihre Hände, die ihn als erstes faszinieren. Und das ist auch das, was sein Leben ausmacht. Frauen, die er eingipst, sind ihm wie ein Rätsel, dass es zu lösen gilt. Gewisse äußerliche Merkmale sind nur das Symptom dafür, was sich in ihrem Inneren abspielt.

Wenn ich spürte, dass jemand etwas vor mir verbarg, enstand bei mir Sympathie und eine Art Faszination für die betreffende Person, und zwar umso stärker, je weniger fassbarer das Geheimnis war.3

Jetzt kann man natürlich nicht behaupten, dass das unkomlizierte Lebensgeschichten wären, die Jang zu hören bekommt. Es geht um “Binge Eating” und um Bulimie, es geht um chirurgische Eingriffe, es geht um fehlende (Selbst)akzeptanz, die mit körperlichen Komponenten, die mit Mangel- oder auch Überfüllezuständen zu tun haben. Und natürlich liegt hinter all dem eine immer sehr tragische Geschichte. Tatsächlich geht es immer um die Seele, auf deren Grund Jang, der selbst ziemlich zurückgezogen lebt, gelangen will. Über L. vermerkt er einmal: “Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass L. mein anderes Ich sein könnte, das ich vielleicht irgendwann vor langer Zeit in meiner Kindheit verloren hatte.”4

Was für ein Satz! Ich musste an jemanden denken, wie so oft, an so inspirierende Gespräche. Jedenfalls fand Deine Kalten Hände wirklich sehr spannend zu lesen. Obwohl ich, laut einigen Rezensenten, nicht die Zielgruppe dieses Romans bin, ich habe mit meinem Körper tatsächlich noch nie ein Problem gehabt, aber wie Jang habe ich mich immer schon sehr dafür interessiert, hinter die “Hüllen” zu blicken, auch hinter meine eigene.

Han Kang bekam den Nobelpreis übrigens für “„für ihre intensive poetische Prosa, die historische Traumata anspricht und die Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens aufzeigt”.


  1. Deine Kalten Hände, Seite 86 ↩︎
  2. Seite 92 ↩︎
  3. Seite 222 ↩︎
  4. Seite 116 ↩︎

Mein älteres Ich

Sneak Peek: In meinem Roman beschreibe ich, wie die Protagonistin mit ihrem noch kleinen Kind im Museumsquartier sitzt und Eistee trinkt. Ur spannend, was? Harhar. Es war das erste Mal, dass diese kleine Kind länger als fünf Minuten irgendwo sitzengeblieben ist und die Protagonistin denkt sich, hach herrlich: “Unser Mama-Kind Beziehung löste sich für einige kurze Momente auf, ich musste nicht sagen, wo es langgeht und er musste nicht folgen oder sich auflehnen oder gelangweilt darüber gähnen oder wütend werden, je nach Laune und Anlass, wir konnten einfach nur sein, und uns voneinander erzählen und ich dachte plötzlich voller Sehnsucht daran, an mein und sein älteres Ich, es gefiel mir.”

In Wirklichkeit bin ich jetzt tatsächlich in dieser Situation des älteren Ichs und das Kind hatte heute einen Termin, bei dem ich in gewisser Weise mitreden sollte (es ging um seine Geburt). Wir haben uns bei der Schule getroffen, das Kind hat am Bahnhof gegessen und gegoogelt, dass gleich gegenüber dieses Termins eine Parkparage sei. Und so stieg er in die Straßenbahn – ich habe mich geweigert und musste auch noch Geld abheben – um das Auto zu holen. Wir machten aus, uns dann entlang der oberen alten Donau zu treffen.

Auf dem Weg dahin schreibt er, ich solle ihm meinen WhatsApp Standort schicken, ich schaffe das, noch dazu mit eiskalten Fingern, natürlich nicht. Er: “Dann mach ein Foto” harhar. Wie old school! Und dann steige ich also zu ihm ins Auto und wir fahren mit den üblichen Bemerkungen (“Da gehen Leute über die Staße” “Ja ich sehe es!!” harhar) durch Wien und hatten es ur lustig. Und dann geht es eben in diese Parkgarage und er kennt sich mit allem besser aus als ich und parkt professionell ein und da denke ich ja, jetzt bin ich diese Person, ich habe ein erwachsenes Kind, das Dinge macht, die ich nicht kann. Wie flashig!

Ich war direkt froh, dass er dann meinte, ob ich ihm bei diesem Termin ein bisschen unterstützen würde. harhar. Das erinnert mich daran, dass ich im Jahr 2007 und 2008 mehr Telefonnummern von Ärzten und Ärztinnen sowie Therapeutinnen in meinem Notizbuch hatte als sonst was. Aber das ist eine andere Geschichte.

“Asiatisches” Wochenende

Am Freitagabend hab ich über die Stränge geschlagen und mir einfach so ein Buch fürs Wochenende gekauft, ich bin so oarg. Harhar. Und zwar das, was ich das Wochenende davor beim Morawa angelesen habe, Han Kang – die Nobelpreisträgerin von 2024 und das Buch Deine kalten Hände.

Ich bin in den Garten gefahren, habe mich in meine Leseecke oben gesetzt. Jemand hat früher einmal zu mir gesagt, als der Stock noch nicht eingerichtet war, ich werde schon spüren, was hierhin kommen soll. Und ich habe irgendwann gespürt, nachdem das Leben mich vollkomen durchgeschüttelt hat, es soll eine Leseecke sein. Jetzt finde ich sie so gemütlich. Jedenfalls habe ich am Freitag die Stehlampe eingeschaltet, habe mir was zum Trinken und Naschen geholt und habe gleich mal hundert Seiten gelesen.

Sanftes Licht in meiner Leseecke – dazu das wunderschöne Cover von Deine Kalten Hände

Es ist einfach so gut geschrieben und gibt einem so viel zum Nachdenken, bin hin und weg und auch bald fertig. Danach habe ich wie erschlagen mal wieder halbwegs gut geschlafen.

Am Morgen sah es dann so aus:

Glatt und hier sieht man noch die Weihnachtsdeko, die dann kurz drauf von mir entfernt wurde

Einer dieser Tage, in denen es gar nicht richtig hell wird. Ich war einkaufen und am Friedhof und habe weitergelesen, bis es Zeit war, ins Filmcasino zu fahren, zum Preview von Hamnet. Ich war wieder mal ein bisschen zu früh dran und bin in der Gegend herumgestreift, zu der ich wenig Bezug habe.

Haus vom Silberwirt

Ich mag das gerne, in Stadtvierteln herumgehen und zu überlegen, was sie ausmacht. Warum es sich zwei Straßen weiter schon ganz anders anfühlt, anders riecht, die Menschen einen anderen Gesichtsausdruck haben. Die Gegend um das Filmcasino, so mein erstes Fazit, besteht aus einigen Geschäften, die zahlreiche sonderbare Dinge anbieten, die schon ein bisschen älter sind, an der Grenze von geschmacklos und unendlich hip, harhar.

Total hübsche Plakatpräsentation im Filmcasino

Dann also ins sehr volle Kino. Was soll ich sagen? Ich hatte meine Vorbehalte und Regisseurin Chloé Zhao hat sie eindrucksvoll bestätigt, harhar.

Die Darsteller spielen sehr gut, aber als Film ist es absolut nicht meines, es ist so ein gewollter Tränendrüsendrücker-Naturmystik-Kitsch für mich, ja das klingt gemein. Aber ich habe vor einigen Tagen einen anderen Film einer Asiatin (Hikari) gesehen, Rental Family, durchausnicht unkonventionell, will nix neu erfinden, aber mit kleinen Indie- Einsprengseln, stringent und warmherzig erzählt, da sind mir fünfmal die Tränen gekommen, weil es einfach so schön war. Hier, obwohl als großer Film der Empfindsamkeit angekündigt, null. Es hat mich so wenig berührt, dass es schon wieder erstaunlich ist. Mehr zu beiden Filmen bald.

Heute dann spät mit dem Kind mittaggegessen, viel Arbeit aufgeholt, wieder gelesen. Und meinen besonderen Sonntagabendgedanken nachgehangen.

Showing Up

Wie schon kurz erwähnt, habe ich mir während der kleinen Kelly Reichardt-Retrospektive im Stadtkino ihren Film Showing Up angesehen.

Es geht hier um die recht introvertierte bildende Künstlerin Lizzy (Michelle Williams), die sich auf eine kleine Vernissage vorbereitet. Ein paar Tage in ihrem Leben werden porträtiert, das zwischen Erwerbsarbeit im Büro – sie arbeitet für ihre Mutter im administrativen Bereich der Kunstuni – dem täglichen Chaos mit ihrer Vermieterin und Freundin Jo (Hong Chau), die ebenfalls Künstlerin ist, einer verletzten Taube, sowie dem “Crashout” ihres Bruders Sean (John Magaro) und die Gespräche mit ihrem Vater (Jude Hirsch) oszilliert.

Kelly Reichardt ist bekannt für ihr sehr, sehr kontemplatives Tempo des Filmemachens. Sie nimmt sich ganz viel Zeit dafür, im Grunde genommen ziemlich wenig zu erzählen. In ihrem letzten Film The Mastermind hat das vor allem wegen Josh O’Connor funktioniert. Showing Up aus dem Jahr 2022 hat da schon mehr interessantes Personal und hat so einen schönen leisen Witz, dass mich dieser Film wirklich einfach nur glücklich gemacht hat, harhar.

Nämlich, was ich so toll daran finde. Sie stellt diese Art von Künstler-Community dar, die man eh schon irgendwie “kennt”. Leicht neurotische, sonderbare, oft auch depressive Menschen, die sehr viel Nabelschau betreiben und sich auf gewisse Weise für den Mittelpunkt der Welt halten. Aber sie tut das nicht, wie man es auch kennt, auf so eine sehr überzeichnete, karikatureske Art und Weise, sondern Reichhardt hat ganz viel Verständnis für ihre Figuren, ohne ihre manchmal auch überbordernde Schrulligkeit und Selbstgerechtigkeit dabei zu sehr zu “entschuldigen”. Es gibt eine sehr tolle Szene, in der sich Lizzi bei Jo beschwert, dass das Warmwasser in ihrer Wohnung sein Tagen nicht funktioniert, und sie sich doch gerade auf ihre Ausstellung vorbereitet. Jo hängt inzwischen einen Autoreifen an einen Baum, warum wird nicht erörtert (ist das auch ein Kunstprojekt?) schaukelt und erklärt Lizzi, sie hätte gerade so viel zu tun, sie habe sogar zwei Ausstellungen “which is insane!”. Die ganze Szene hat irgendwie so eine unaufdringliche Komik und Hong Chau mag ich so gerne, sie hat so viel Charisma, gleichzeitig denkt man aber auch, jetzt nimm dich halt nicht so wichtig harhar.

Auch Michelle Williams mag ich sehr, finde aber besonders erstaunlich, wie sie hier agiert. Als komplett graue Maus, mit einer recht eigenwilligen Auffassung von Mode, fast ganz in sich gekehrt, aber total glaubwürdig. Man könnte ihr hier stundenlang zuschauen, wie sie ihre Keramik bemalt, keine Ahnung warum das irgendwie interessant ist, aber es hat etwas mediatives. Im gleichen Jahr hat Williams übrigens in The Fabelmans für mich überraschend furchtbar gespielt und nachdem ich jetzt Showing Up gesehen habe, der unmittelbar vorher gedreht wurde, bin ich überzeugt, dass wirklich sehr eigenartige Regieanweisungen von Steven Spielberg gekommen sein müssen, weil sie kann spielen.

Showing Up jedenfalls ist ein wunderschöner kleiner Film, der viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

So Mom

Apropos behilflich, heute erwartete das Kind Besuch und so habe ich Putztipps (naja…) gegeben, sprich: ich habe ihm mehrere Swiffer (unbezahlte Werbung) gereicht. Die sind aber wirklich sehr hilreich.

Wir haben jeden Winkel inspiziert, wo man vielleicht nicht ganz so häufig vorbeischaut.

Ich zum Kind: Bitte das ist ein Wahnsinn, da putzt man einmal drei, vier Jahre nicht und dann liegt da zentimeterhoch Staub.

Danach habe mich selbst sehr über diesen wunderbaren Gag amüsiert.

Später schickt mir das Kind so ein Insta Reel:

Und es ist (leider) so wahr. harhar.

Faust, vereinfacht

Das Kind musste sich diese Woche für ein viertes Fach entscheiden, in dem er zur mündlichen Matura antritt. Das war gar nicht so einfach.

Ich war natürlich gerne mit Tipps behilflich, harhar. Ich habe ihm von Deutsch vorgeschwärmt, wie toll das war. Nur zwei, die damals angetreten sind, naja nach der schriftlichen waren wir drei, und stundenlang über Faust reden, das Motiv der Kindermörderin in verschiedenen Texten verfolgen und 25 Bücher durfte man auch lesen. Ich bekam zur mündlichen Matura einen Auszug aus einem Schnitzler Stück, in dem ich die ganzen Subtexte markieren und analysieren sollte. Das war das Beste an der ganzen Schulzeit, harhar.

In Berlin wird derweil darüber geredet, dass deutsche Literatur zu schwer rezipierbar wär. Und ob man da echt noch Klassiker lesen soll. Oder lieber in einfacher Sprache. Oida! Anna Schneider, Journalistin der Welt und manchmal ähnlich wütend wie ich, dabei aber viel eloquenter, hat gesagt, damit reduzieren wir Literatur auf Zusammenfassungen und nehmen ihr das, was sie ausmacht, nämlich die persönliche Auseinandersetzung mit dem Text. Sicher kann das anstrengend sein, es bringt einen aber auch weiter. Schneider außerdem: “Wenn ein Lehrer jetzt sagt, na gut, lesen wir die einfache Version – es gibt keine einfache Version von Faust.” Harhar. Einfach nur richtig. Und ich würde noch ergänzen, man muss auch nicht immer alles bis ins Detail kapieren. Das bereitet einen gut aufs Leben vor, wo man später auch nie alles verstehen wird, was einem so widerfährt.

Das Kind nimmt jetzt aber doch ein anderes Fach, harhar.

Eternity

Einer der Filme, die ich am Wochenende gesehen habe, war Eternity.

Die Prämisse ist total interessant. Das alte Ehepaar Joan und Larry stirbt fast zeitgleich und trifft sich in einer Art Vorzimmer des Himmels wieder. Dort wartet aber schon – seit 67 Jahren – Joans erster Ehemann Luke, ihre große Liebe, mit dem sie aber nur kurz verheiratet war, bevor er im Korea Krieg getötet wurde. Er möchte mit ihr die Ewigkeit verbringen, genauso wie Larry, mit dem sie eine große Familie hat. Joan muss sich nun nicht nur für ihre persönliche Ewigkeit entscheiden, sondern auch, mit wem sie den Rest ihres äh Todes zusammensein möchte…

ACHTUNG IMMENSE SPOILER

Zunächst mal fand ich es sehr lustig, dass der Vorraum oder das Hotel zur Ewigkeit – früher nannte man es Fegefeuer harhar – durch und durch kommerzialisiert ist und den Gesetzen unserer kapitalistischen Gesellschaft folgt. Wie bei Netflix gibt nämlich eine schier endlose Auswahl an “Programmen”, die recht marktschreierisch beworben werden, wie man weiterexistieren kann. Es gibt auch einen Afterlife Coordinator. Man kann einen immerwährenden Strandurlaub ebenso wählen wie eine Holzhütte am Berg. Man kann auch etwas extravaganter sein, etwa die Ewigkeit im Museum verbringen oder, meine absolute Lieblingsidee, in der “Weimar World”. Also im Deutschland der 1930er Jahren, aber ohne Nazis, wie betont wird harhar.

Der Film ist irrsinnig kreativ im Set-Design und er hat so viele originelle Ideen, dass man in zahlreichen Szenen weiß, man versäumt jetzt auch einiges, weil man sich nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren kann. In jeder Welt gibt es auch die sogenannten “Archives”. Das ist so etwas wie ein Kino der eigenen Vergangenheit. Hier kann man einen Spaziergang machen und die Meilensteine des Daseins, beispielsweise sein erstes Date oder die Geburt eines Kindes nocheinmal erleben. Schön ist auch, als Joan (Elisabeth Olsen) einmal (verbotenerweise) hinter die Kulissen blickt und da die eher traumatischen Aspekte ihres Lebens nochmal aufflackern sieht. Also das, was man mehr oder weniger erfolgreich verdrängt hat.

Weniger gelungen fand ich die Geschichte an sich, oder sagen wir so, das fand ich insgesamt fast etwas zu konventionell. Auf letterboxd schrieben manche: Where is Luca Guadagnino when you need him? In Anspielung darauf, dass Guadagnino im Film Challengers quasi eine Dreiecksbeziehung zwischen zwei Männer und einer Frau schildert, die tatsächlich in alle Richtungen geht harhar. Das würde das Problem vielleicht wirklich lösen.

Während des Films habe ich eine Theorie entwickelt, die aber entweder falsch ist oder bewusst nicht auserzählt wird. Wenn man hier stirbt, kommt man nämlich in dem Alter seines Lebens zurück, in dem man am glücklichsten war. Was ja in gewisser Weise ein Indikator für Joans Entscheidung sein könnte. Das bemerkenswerte ist, dass Joan (Elisabeth Olsen) anfangs übel ist, und sie sich noch darüber wundert, dass man das als Tote auch erleben kann. Ungefähr eine Stunde später erzählt dann Clark (Miles Teller), dass er sich immer als “Trost” empfunden hat und es wenige Momente gab, in denen er wirklich das Gefühl hatte, sie wären eine Einheit gewesen. Einer davon war bei einem Abendessen in eine Restaurant, als Joan gerade mit dem zweiten Kind schwanger war. Ha! Übelkeit, nicht? Aber wie gesagt: es wird nicht aufgelöst.

Auch sonst regt Eternity sehr zum Nachdenken an. Vielleicht hat man selbst den Traum, irgendwie ewig zu existieren, aber wäre das möglicherweise vielleicht auch auf Dauer einfach auch sehr, sehr fad? Harhar. Einmal ein erfrischend anderer Ansatz.

ESC: Goodbye Conchita

Heute habe ich erfolglos versucht, Karten für den ESC zu ergattern.

To be fair: Ich hätte darüber enttäuschter sein können. Der ESC hat für mich derzeit eine Ambivalenz, die ich gar nicht mag. Und ich hoffe, das gibt sich, sobald die ersten Vorentscheide (San Remo!) stattfinden und wir wieder über etwas anderes reden können, als wer wem böse ist und wer jetzt noch welches Virtue Signalling betreiben muss.

Conchita Wurst hat heute in einer sehr kryptischen Social Media Message, die man so oder so finden kann, erklärt, dass sie sich vom ESC als Ganzes zurückzieht. Der Songcontest, so Wurst, würde immer ein Teil ihrer Vergangenheit bleiben, aber nicht mehr ihre Zukunft sein. Genaue Gründe nennt sie nicht, Fragen dazu will sie nicht beantworten und so bleibt natürlich massiver Raum für Spekulation.

Hat es etwas mit Israel zu tun (was ich nicht hoffe) oder damit, dass sie gerüchteweise nicht moderieren “darf” oder ganz was anderes? Wir werden es eventuell nie erfahren. Aber es ist halt schon ein Statement, wenn der ESC gerade heuer in Wien stattfindet, und sie letztes Jahr noch auf allen ESC-Hochzeiten getanzt hat (nämlich auch bei anderen Vorentscheiden mitgemischt hat, etcetera) und nun kommt so eine doch finale Aussage. Wozu? In dieser Endgültigkeit war das nicht notwendig. Das hat ja schon fast den Vibe von der großen Geste a la: “Ich verlasse Twitter.”

Conchita hat natürlich jedes Recht dazu, klar, aber ein bisschen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass jemand, den dieser Bewerb berühmt gemacht und auch das Konto ganz gut gefüllt hat, vielleicht ein wenig behutsamer mit der Institution an sich umgehen hätte können, gerade in einer Zeit, die für den ESC eh, vorsichtig formuliert, ein bisschen Orsch ist. Zumindestens wenn einem der ESC was bedeutet.

(Almi mad as hell, harhar, nein so schlimm ist es auch nicht, aber ich muss auch nicht alles super finden)