Jetzt habe ich Famesick von Lena Dunham fertig gelesen und ich würde am liebsten gleich wieder von vorne anfangen, weil es so interessant und gut geschrieben ist.
Am angenehmsten an diesem Buch fand ich, dass es nicht belehrend ist und keine derzeit so übliche Propaganda enthält. Also Propaganda in dem Sinn als, dass zum Beispiel die Witwe von Paul Auster, Siri Hustvedt – ich mag beide wirklich als Autoren – in den Interviews zum Buch über ihren Mann laufend von Trump redet. Und ich denk mir, wenn mein Mann stirbt, mit dem ich 50 Jahre zusammen war, hätte ich, glaube ich, der Welt was anderes mitzugeben. Das hat mich irgendwie so abgeturnt, dass ich weder das Buch lesen wollte, noch ihren Film sehen.
Anyway: Dunham hat natürlich ihre Weltanschauung wie wir alle, sie drückt sie dir allerdings nicht aufs Auge und sie ist auch ziemlich selbstkritisch. 2016 hat sie beispielsweise den Wahlkampf von Hillary Clinton aktiv unterstützt. In A Memoir schreibt sie: “And I know now, I wish I’d just posted a BERNIE sign in my window instead. “1 Sie sieht auch kritisch, dass sie einen Autor von Girls gegen Missbrauchsvorwürfe verteidigt hat, zu einem Zeitpunkt, als sie nicht wissen konnte, was tatsächlich passiert ist. Sie habe diese Erklärung nach einer schweren Operation abgegeben. Dunham ist chronisch krank, hatte zahlreiche Operationen und musste wegen einer daraus resultierenden Suchtmittelabhänigkeit auch auf Entzug.
Was mir noch besonders gut an ihrem Buch gefällt, die gnadenlose Ehrlichkeit was “Vereinbarkeit” betrifft. Das wird uns ja immer suggeriert, wir können alles haben, eine super Ehe, ein paar Kinder, eine tolle Karriere, Hobbies, Zeit für Freunde, Sport etcetera, es geht alles gleichzeitig. Als Dunham ihre Operationen hat, ist ihr damaliger Partner, Jack Antonoff auf dem Zenit seiner Weltkarriere. Jetzt werden viele denken, WTF, wer ist Jack Antonoff. Naja, er hat den Song We are Young mitgeschrieben – ja genau den, ihr summt richtig- und war zu der Zeit quasi einer der gefragtesten Musiker, hat mit Pink, Taylor Swift et al gearbeitet. Natürlich saß Antonoff deshalb nicht immer im Wartezimmer. Nach der Trennung hatte sie kurz einen anderen Partner, der immer da war und ihr Arzt meinte daraufhin auf die Art, ah der Mann ist besser, der ist für sie da. Worauf Dunham trocken vermerkt, naja, er ist arbeitslos, er ist Alkoholiker, er ist bei ihr eingezogen, er hat nichts anderes zu tun. Sie schreibt, dass Antonoff nicht der unempathische Ungustl war, für den ihn ihr Arzt gehalten hat, dass es eben komplizierter ist, wie so vieles im Leben.
Das mag ich alles sehr. Ich werde ein anderes mal noch mehr davon erzählen.
- Lena Dunham: Famesick, S.207 ↩︎





