Nadine hat mich wieder einmal zu einem Blogeintrag inspiriert. Sie schreibt nämlich in ihrem aktuellen Beitrag, dass sie quasi gerade auf Jammer-Diät.
Im Alltag geht es mir nicht so. Ich stehe auf und freue mich auf meinen heißen Kaffee, auf den Toast mit zentimeterdicker Marmeladeschicht, mein tägliches Wordle, Spaß haben mit meinem Kind, ich denke mir, was habe ich heute für eine interessante Arbeit, was kann ich am Abend lesen, kann ich ins Kino gehen, treffe ich jemand zum Essen und Quatschen, es gibt immer irgendwas, worauf ich mich freue.
Dennoch habe ich das Gefühl, mit dem Leben an sich eine Art Kampf zu führen. Es gibt ja diesen Spruch, das Leben beendet die Dinge für dich, die nicht deine sind, aber was ist denn dann meines? Harhar. Die Schule habe ich nur mit Mühe geschafft, auf der Uni war ich zwar gut, bei den Abschlussarbeiten hatte ich aber wieder ganz andere Vorstellungen als meine Professorinnen. Das Studium selber war natürlich auch mit Abschluss eher brotlos, selbstständig zu sein, ist immer auch von Unsicherheiten geprägt. Meine Großeltern, bei denen ich aufgewachsen bin, sind schon lange nicht mehr da, mein Vater ist bereits vor seinem Tod verschwunden, ohne mir einen Grund zu nennen. Meine Schwangerschaft war gut, bis sie zum Desaster wurde, bei der Geburt wurde mir gesagt, vielleicht überlebt das Kind diese gar nicht. Den Schock über diese Aussage spüre ich heute noch manchmal. Und schließlich jetzt: in der Zeit, in der andere heiraten und sich wieder scheiden lassen, bin ich immer noch mit Abschied beschäftigt.
Meine Mama sagt, was vorbei ist, ist vorbei, Vergangenheit, da muss man loslassen. Loslassen kann ich entweder sofort oder gar nicht. Ich habe auch immer noch ein Foto in meinem Haus hängen, und da bleibt es auch. Dann denke ich wieder, wenn ich anders wäre, würde ich sicher nicht schreiben. Ich würde überhaupt ein ganz anderes Leben führen. Und ohne das Schreiben will ich mir mein Leben gar nicht vorstellen, weil es allem einen Sinn gibt. Die Suche nach Worten, das Festhalten, das für mich Aufbewahren, Erinnern. Ich werde immer beschäftigt sein, solange ich schreibe.
Und dann denke ich mir, es ist schon alles richtig so. Und deshalb gibt es auch diesen Blog.







