almis personal blog

Is This Thing On?

Bradley Cooper ist ein Phänomen. Zuerst wegen seines durchaus guten Aussehens eher als romantischer Protagonist gecastet, was ich persönlich ja immer ur fad finde, hat er selbst den Spieß umgedreht und uns in allen möglich recht schrägen, witzigen, herausfordernden Rollen überrascht, vom Scharfschützen zu einem psychisch Kranken bis hin zum Zirkusartisten. Nebenbei hat er begonnen, Regie zu führen. Seine beiden ersten Werke A Star is Born und Maestro waren “Larger than life”, so groß und wuchtig, inklusive ihm in einer der Hauptrollen. Insgesamt brachte ihm das schon zwölf Oscarnominierungen in den unterschiedlichsten Kategorien ein. Und dann kommt dieser kleine Film fast unter der Wahrnehmungsgrenze mit einem Fragezeichen im Titel, was ja nie ein gutes Zeichen ist harhar. Hier ist Cooper, “Balls”, ein Nebencharakter.

Is This Thing On? erzählt die Geschichte von Alex (Will Arnett), der gerade an einem Wendepunkt seines Lebens steht. Seine Ehe mit Tess (Laura Dern) ist an einem toten Punkt angelangt, er zieht aus, weg auch von seinen beiden kleinen Söhnen. Er fühlt sich recht niedergeschlagen und orientierungslos, als er an einem Abend in New York eine Bar betritt, wo gerade Stand-Up Comedy stattfindet. Und weil er kein Bargeld für die Eintrittsgebühr dabei hat, lässt er sich kurzerhand selbst auf die Teilnehmerliste setzen…

Stand Up Comedy als Krisenbewältigung, das ist mal eine gute, erfrischende Idee. Dieser peinliche Moment, wenn man erstmals auf eine Bühne geht, etwas lustig sagen soll, gar nichts vorbereitet hat, und einfach zu reden beginnt, von seinem Leben erzählt. Und irgendwie funktioniert es und Alex hat Blut geleckt und plötzlich eine neue Leidenschaf in seinem Leben entdeckt. Die Dialoge dieses Filmes sind überhaupt hervorragend. Sie umschiffen gekonnt die Stereotypen, die gerne gebracht werden, wenn von Ehekrise, Beziehungsproblemen, Kommunikationsschwierigkeiten erzählt wird, und eröffnen oft ganz neue Blickwinkel.

“Leider” ist allerdings Bradley Cooper der eigentlich Star hier, der den besten Freund von Alex spielt, und den wir erst vor zwei Jahren als Leonhard Bernstein gesehen haben, wie er in der Sonne sitzt und uns mitteilt: “If summer does not sing in you, then nothing sings in you”. Hier ist es komplett crazy, er spielt einen richtigen Exzentrikert, dabei aber warmherzig und erstaunlich ehrlich zu sich selbst. Wie er geht, wie er schaut, wie er seine Sätze spricht, es ist so amüsant, eine Freude, ihm zuzusehen. Oder wie jemand auf Letterboxd schreibt: “And if I said Bradley Cooper als Balls is one of the best supporting performances of the year? What then?” Es ist so.

Ich habe aber nicht alle Entscheidungen bei diesem Film verstanden. Irgendwie ist mir Will Arnett unsympathisch, gut das ist mein Problem, harhar. Ein größeres Ding ist, dass die Hauptdarsteller zu alt für ihre Rollen sind. Ja okay, Menschen bekommen heute später Kinder. Tess war noch dazu Spitzensportlerin gut und schön. Aber mit fast 60 Jahren Kinder im Volksschulalter zu haben, come on. Das führt zur skurillen Situation, dass die Großeltern dieser Kinder gefühlt auch nur einen Hauch älter als die Eltern sind. Und ich verstehe das nicht: Wieso muss dieses Paar so kleine Kinder haben? Wäre es nicht viel spannender, einmal ein Paar zu zeigen, dass sich im Zuge des Empty Nest Phänomens trennt, ein Feld, das noch nicht so sehr beackter ist?

Tatsache ist aber, ich will noch viel mehr Filme von Bradley Cooper sehen, in denen er Regie führt und mitspielt. Und ich habe keine Ahnung, welchem Stoff er sich als nächstes widmen wird. Da kann im Prinzip alles kommen und ich bin an Bord.

ESC Rumänien/Schweiz 26

So jetzt wirds anspruchsvoll, es folgt eine Textanalyse.

Zur Geschichte Rumäniens beim ESC muss man jetzt nicht so viel sagen. Die Sängerin Alexandra Căpitănescu tritt jedenfalls dieses Jahr mit einem Songs namens Choke Me an. Wie man sich denken kann, hat dieser Titel für Aufregung und Zensurwünsche (das aktuelle non plus ultra der Diskurskultur) gesorgt. Căpitănescu hat betont, sie meine die Sache im übertragenen Sinn und mit kritischem Unterton. Trotzdem haben Gegner des Beitrags wieder von toxischer Männlichkeit gesprochen und sorry, aber wie kommt jetzt der toxische Mann sofort ins Spiel, wenn eine Frau irgendwelche Unterwerfungsfantasien hat? Ja, man könnte halt meinen, der Mann “an sich” nimmt sich ein Beispiel an dem Text, Reflexionsfähigkeit wird ihm offensichtlich nicht zugetraut. Außerdem: Wenn ich einen dementsprechenden Kink habe, ist das jetzt “erlaubt” oder müssen meine persönlichen sexuellen Präferenzen erst durch einen Wertekatalog überprüft werden? Und abgesehen davon: Es gab auch schon Todesfälle von Männern, in diesem Zusammenhang.

Im Gegensatz dazu gibt es viel Lob für die Schweiz, ein Land, das in den letzten Jahren zahlreiche ambitionierte Songs zum Bewerb beigesteuert hat, nicht nur Nemo als Sieger ist in Erinnerung, für mich vor allem auch Gjon’s Tears. Veronica Fusano besingt heuer in Alice ein Verbrechen an einer Frau aus der Perspektive eines Mannes. Und rein inhaltlich ist das jetzt nicht so sonderlich weit von Choke me entfernt, ich finde den Text sogar um einiges schockierender. Hier wird aber insistiert, dass es sich um einen Song mit gesellschaftskritischem Anspruch beziehungsweise um Kritik an Gewalt handelt und deshalb wäre das nicht nur okay, es ist sogar vorbildlich.

Ich verstehe nur persönlich den Gedankengang nicht. Bei Choke me traut man einem männlichen Hörer nicht zu, den Text quasi auf eine Metaebene zu heben und von dieser aus zu betrachten, bei Alice funktioniert das dann aber ohne betreute Interpretation? Obwohl man da viel mehr um die Ecke denken muss? I doubt it.

Generell finde ich ja beide Songs an sich ganz gut und wie ich auch schon öfters geschrieben habe, Texte über den politisch korrekten Menschen und die tadellose Lebensführungs sind halt in erster Linie ein bisschen fad. Ob jetzt das Thema Gewalt, egal ob “affirmativ” oder kritisch, das passende in einem ESC Rahmen, das kann jeder finden wie er will.

Arbeitswochenende

Mein Wochenende war wie eh befürchtet harhar recht arbeitsintensiv, es ist sich aber alles ausgegangen und ein bisschen unterm Baum liegen (und in der prallen Sonne schlafen, nur noch jetzt möglich) ging schon auch

Blick aus dem Garten-Arbeitszimmer am Sonntagmorgen:

Ich brauche immer irgendwas, was mich beim Arbeiten fröhlich macht und inspiriert, also Mannerschnitten (originale Metallschachtel zum Aufbewahren), mymochi, getrocknete Blumen aus dem Garten, ein Silvesterglücksbringer, Notizzettel, Post it’s…

Jetzt am Abend noch ein bisschen ESC Merci Cherie Podcast gehört. Übrigens, Teaser, nächste Woche werde ich in diesem zu hören sein, natürlich nur circa 50 Sekunden, harhar. Ich habe meine Kernkompetenz verlassen und einmal meine Wertung gesprochen – und Marco Schreuder hat mir tatsächlich, “danke Bussi” zurückgeschrieben, wir sind schon die ur Kumpels, harhar.

Und jetzt bei leichtem Regen an jemand denken und mit dem Gedanken einschlafen.

Entdeckung

Auch mit 50 Jahren hat man ab und zu noch Aha-Momente über sich selber. Heute zum Beispiel.

Ich tue mir immer schon eher schwer, nein zu sagen. Stattdessen gehe ich dann über meine Grenzen, schmeiße meine Pläne um, stresse mich irgendwohin. Ich dachte lange, das hat damit zu tun, dass ich andere Menschen nicht enttäuschen will. Das ist es schon auch, aber nicht nur. Tatsächlich habe ich heute festgestellt, dass ich irgendwo auch immer im Hinterkopf habe, vielleicht werde ich gar nicht mehr gefragt, wenn ich einmal irgendwas absage, was sich einfach zeitlich oder sonst wie gerade nicht ausgeht. Vielleicht werde ich dann ab jetzt vergessen. Also so eine Art Angst vor einer auto-induzierten Selbst-Marginalisierung. Schön gesagt gell, harhar.

Dann dachte ich mir, boah, was ist denn das schon wieder für ein (Kindheits)thema in mir. Und dann ist mir Chandler (der leider verstorbene Matthew Perry) aus Friends eingefallen, die eine Szene in der ihm irgendwas passiert, ich weiß nicht mehr was, jedenfalls sitzt er dann so da und denkt (man hört nur seine Stimme): “Seriousely what’s wrong with me? Uhh…don’t open that door”

Und deshalb lieben wir alle Chandler am meisten, zumindest ich tue das, weil er ein so ein zutiefst unperfekter Charakter ist, mit so vielen Themen, die er immer mit Humor und Selbstironie pariert, aber nie versteckt. Der immer auch offen zugibt, dass er sich so fühlt, wie er sich fühlt, aber nie als Opfer seiner Umstände. Ein echt authentischer Charakter, das will ich auch sein, sagen was ist.

Sunny Friday

Endlich T-Shirt Wetter und nachdem ich am Wochenende arbeiten muss – zwar auch in der Sonne, aber trotzdem – war ich heute mit L. essen. Sollte langsam zur Vapiano Spokesperson werden, glaube ich. Aber wie üblich unbezahlte Werbung.

L. hat Spargelpasta probiert, und ich habe bei ihr gekostet, ich glaube, das traue ich mich auch nächstes Mal. Zum Tiramisu gabs heute eine Erdbeere dazu, sehr nett. Haben über die bevorstehende Matura unserer Kinder gesprochen, noch sind wir nicht nervös, harhar. Danke außerdem für den irre guten Tipp, was die Installation von der ID Austria auf meinem neuen Handy betrifft, den ich gern weitergebe, weil ich dran gescheitert bin. App einfach löschen und neu installieren, läuft.

Am Abend ging es ins gestern (!) neu eröffnete Bellaria Kino hinter dem Volkstheater, das jetzt seit 2019 wegen Renvierung geschlossen war. Sieht ja wunderschön aus, sowohl von außen als auch von innen, allerdings ist es drinnen ziemlich dunkel und man wird mit clubartiger Musik beschallt, das gefällt mir nicht so gut. Ich will nicht so gerne in ein Kino gehen, das cooler ist als ich, da kann ich gleich das Schikaneder besuchen, harhar.

Sehr schönes Bellaria-Kino neu

Ein Kunstfoto vom Foyer:

Aber der Saal selbst war nett und gemütlich. Der isländische Film The Love That Remains allerdings ein ziemlicher Metaphernfriedhof. Und dagegen habe ich per se jetzt nichts, aber es wäre schon schön, wenn man den Zuschauern auch die Möglichkeit gibt, diese irgendwie enträtseln zu können.

Dann in der lauen Abendluft heimgegangen. Schön.

Vom Jammern

Nadine hat mich wieder einmal zu einem Blogeintrag inspiriert. Sie schreibt nämlich in ihrem aktuellen Beitrag, dass sie quasi gerade auf Jammer-Diät.

Im Alltag geht es mir nicht so. Ich stehe auf und freue mich auf meinen heißen Kaffee, auf den Toast mit zentimeterdicker Marmeladeschicht, mein tägliches Wordle, Spaß haben mit meinem Kind, ich denke mir, was habe ich heute für eine interessante Arbeit, was kann ich am Abend lesen, kann ich ins Kino gehen, treffe ich jemand zum Essen und Quatschen, es gibt immer irgendwas, worauf ich mich freue.

Dennoch habe ich das Gefühl, mit dem Leben an sich eine Art Kampf zu führen. Es gibt ja diesen Spruch, das Leben beendet die Dinge für dich, die nicht deine sind, aber was ist denn dann meines? Harhar. Die Schule habe ich nur mit Mühe geschafft, auf der Uni war ich zwar gut, bei den Abschlussarbeiten hatte ich aber wieder ganz andere Vorstellungen als meine Professorinnen. Das Studium selber war natürlich auch mit Abschluss eher brotlos, selbstständig zu sein, ist immer auch von Unsicherheiten geprägt. Meine Großeltern, bei denen ich aufgewachsen bin, sind schon lange nicht mehr da, mein Vater ist bereits vor seinem Tod verschwunden, ohne mir einen Grund zu nennen. Meine Schwangerschaft war gut, bis sie zum Desaster wurde, bei der Geburt wurde mir gesagt, vielleicht überlebt das Kind diese gar nicht. Den Schock über diese Aussage spüre ich heute noch manchmal. Und schließlich jetzt: in der Zeit, in der andere heiraten und sich wieder scheiden lassen, bin ich immer noch mit Abschied beschäftigt.

Meine Mama sagt, was vorbei ist, ist vorbei, Vergangenheit, da muss man loslassen. Loslassen kann ich entweder sofort oder gar nicht. Ich habe auch immer noch ein Foto in meinem Haus hängen, und da bleibt es auch. Dann denke ich wieder, wenn ich anders wäre, würde ich sicher nicht schreiben. Ich würde überhaupt ein ganz anderes Leben führen. Und ohne das Schreiben will ich mir mein Leben gar nicht vorstellen, weil es allem einen Sinn gibt. Die Suche nach Worten, das Festhalten, das für mich Aufbewahren, Erinnern. Ich werde immer beschäftigt sein, solange ich schreibe.

Und dann denke ich mir, es ist schon alles richtig so. Und deshalb gibt es auch diesen Blog.

ESC Finnland 26

Jetzt kommen wir zu einem diesjährigen Geheimtipp oder wie nennt man das, wenn alles sagen, das gewinnt? Ach ja, Favorit. Harhar. Finnland ist tatsächlich dieses Jahr der Favorit auf den ESC Sieg. Die Nerds wünschen sich schon lange einen ESC in Helsinki, weil Schweden kennen sie in- und auswendig, und diesmal stehen die Chancen richtig gut.

Was ist zu Finnland als ESC Nation zu sagen? Nun was für die tschechische Republik eine gewisse Subtilität, ist für Finnland der Holzhammer. Zimperlich sind die meisten finnischen Beiträge zumindest des letzten Jahrzehnts nicht gewesen, allen voran natürlich Käärijä mit Cha Cha Cha, ein richtiger Fan Favorit und sofortiger Kultsong, der sich am Ende nur Loreen geschlagen geben musste. Aber auch Blind Channel (nicht mein Geschack) mit Dark Side waren laut. The Rasmus wurden mit Jezebel aus der Versenkung geholt und vom letzten Jahr ist uns Erika Vikman noch in sehr lebhafter, brachialer Erinnerung. Der einzige finnische Siegersong bisher, Lordi mit Hard Rock Hallelujah aus dem Jahr 2006, war ebenfalls ein Kracher.

Dieses Jahr tritt Finnland mit einem, wie könnte es anders sein, Castingshow Teilnehmer namens Pete Parkkonen an, flankiert von der Stargeigerin Linda Lampenius. Zwischen den beiden liegt übrigens ein Altersunterschied von 20 Jahren und im Merci Cherie Podcast meinte jemand, das sähe man ihnen gar nicht an. Da möchte ich hinzufügen: Ja, aus zehn Metern Entfernung nicht. Wenn man etwas näher kommt, sieht die Sache ein bisschen anders aus, harhar.

Alkis meinte im Podcast auch, die Violinistin wäre etwas unterfordert, was ihre Aufgabe hier betrifft. Aber egal, denn wie wir aus Love Love, Peace, Peace, der Handlungsanleitung zum Schreiben eines ESC Siegersongs wissen: “Nothing says winner like a violin, trust me, bring a violin.” Mir fallen mindestens vier Siegertitel mit Geigenbegleitung ein. Und dazu heißt der Song übersetzt auch noch “Flammerwerfer”, also wieder mal das Element Feuer im Titel. Der für nicht-Finnen ziemlich unaussprechliche Titel ist vielleicht das stärkste Handicap dieses Beitrags.

Der Song ist jedenfalls ziemlich catchy. Ich wusste nicht, dass man so aggressiv Geige spielen kann. Dazu lange blonde Extensions (würde ich sagen), ein silbernes “Kleid”, er im existentialistischen schwarz, das Hemd nachlässig geknöpft, irgendwann fängt es auf der Bühne zu brennen an…Das ist alles mögliche, nur kein Understatement. Es ist jetzt nicht so, dass der Song nach meinem Herzen greift, aber ganz entziehen kann ich mich dem ganzen Drama auch nicht.

The Drama

Diesmal hat es Kristoffer Borgli geschafft und aus einer echt spannenden Prämisse auch einen ziemlich guten Film gemacht. Noch mal zur Erinnerung die Ausgangslage:

Emma (Zendaya) und Charlie (Robert Pattinson) sind ein junges Paar, das kurz vor der Hochzeit steht. Bei einem Probeessen mit dem befreundeten Paar Rachel (Alana Haim) und Mike (Mahmoudou Athie), die auch die Trauzeugen sind, hat Rachel die Idee, dass jeder der Anwesenden das Schlimmste erzählen soll, was er jemals getan hat. Nachdem alle von ihren nicht so besonders netten Geschichten berichtet haben, die aber irgendwie als “Jugendsünde” durchgehen können, kommt Emma an die Reihe. Und was Emma erzählt ist… ARG

ACHTUNG SPOILER – ABER DAS GEHEIMNIS AN SICH WERDE ICH NICHT VERRATEN

Es ist starker Tobak. Es ist definitiv nichts, was man so einfach wegwischen kann. Deshalb stürzt Charlie auch zurecht in eine gewisse Krise, bei der er hinterfragt, ob er Emma mit diesem neuen Wissen überhaupt richtig kennt und in Folge dessen: ob er sie noch heiraten kann oder will.

Ich mag an diesem Film, dass Borgli wirklich ein Thema anrührt, wo die meisten Menschen nachzudenken und zu diskutieren beginnen. Mir ging es auch so. Weil es eben nicht nur eine Handlung im Affekt war, wo man halt einmal eine Aussetzer hatte, sondern es geht viel viel tiefer. Und der Diskurs, der seitdem auf Social Media geführt wird, ist auch interessant. Die Entscheidung nämlich, dass hier eine Frau ein solches Bekenntnis ablegt, sorgt für, würde ich sagen, mildernde Umstände und manchmal sogar Verständnis, weil es ist ja schon 15 Jahre her und wer hat nicht seltsame Ideen als Jugendlicher. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Diskurs in eine komplett andere Richtung gehen würde, hätte Charlie dieses Geständnis gemacht, vor allem in der heutigen Zeit der viel zitierten “toxischen Männlichkeit”. Und insofern finde ich schon alleine diese Doppelstandards sehr bemerkenswert.

Ich glaube, das ist der erste Film, wo mir Pattison richtig gut gefällt, Zendaya noch besser und am prägnantesten ist vielleicht Alana Haim – die auf Social Media auch schon leidenschaftlich gehasst wird, ein gutes Zeichen – als “bitchy” Freundin nämlich, die sich nach dem von ihr initiierten Outing als eine Art höhere moralische Instanz generiert. Das ist zuweilen wirklich unangenehm anzuschauen, weil sie sich in keiner Weise darum bemüht, herauszufinden, warum Emma das getan hat, sondern nur scharf darüber urteilt. Und natürlich hat Rachel diesen ultranetten und verständnisvollen Mann, der immer versucht, auszugleichen, er hat mir ein bisschen leid getan harhar.

Ist das die Rückkehr der RomCom mit einem Twist? Ja schon. Denn dieser Film ist abseits dieses großen Themas stellenweise wirklich auch süß und ziemlich witzig, ich sage nur Hochzeitsfotografin, die ein vollkommen derangiertes Paar vor sich hat (ohne natürlich den Grund zu kennen) und Stimmung machen soll oder auch die Szene mit Charlies Assistentin, der er sich anvertraut, was in einer ziemlich bizarren Situation endet. Jedenfalls ist das Borglis stringentester Film bis dato und nicht so zerfasert und nihilistisch wie die Vorgängerwerke.

P.S Heute hab den Film mit den Kids nochmal gesehen. Gefällt definitiv auch der U20 Zielgruppe.

Wochenende

Gestern wars am Nachmittag richtig schön sonnig im Garten, die “Kids” waren auf Besuch – wir sind auf den Liegestühlen gelegen und haben in den Himmel geschaut.

Am Abend habe ich dann begonnen, Alle meine Mütter zu lesen und habe mich aber so geärgert, dass ich gleich wieder damit aufgehört habe. Ich habe festgestellt, für mich ist es eine Red Flag, wenn in einem Buch Frauen* steht – und nicht nur einmal, sondern jedes einzelne Mal. Jetzt wurde endlich erreicht, dass Frauen als halbwegs eigenständig und selbstbestimmt wahrgenommen werden, und nun haben wir plötzlich einen depperten Stern ein Sonderzeichen hinter “uns” stehen? Why? Und hebt das nicht das ganze Gendern wieder auf, wenn jetzt Frauen erneut nicht alleine für sich stehen können? Liebe Autorin, schreib doch von mir aus am Anfang des Buches hin, was du persönlich unter Frauen verstehst und dann ist aber auch gut.

Ich werde dem Buch wahrscheinlich noch eine Chance geben, wenn ich mich abgeregt habe. Aber gestern hab ich dann doch erstmal mit Die Wahrheit über Ann angefangen, im Prinzip eine ähnliche Thematik, und das gefällt mir bisher sehr.

Heute gabs ein Geburtstagsessen in einem Steak-und-mehr Lokal:

Im Saloon

Das Gericht nennt sich Jolly Jumper, man könnte also denken, es wäre vielleicht Känguru, tatsächlich sind es aber Spinatnockerl mit Feta, mhmm. Bin zwar keine Vegetarierin, aber mir schmeckt das einfach so gut dort. Dazu eine fancy Limetten-Limonade.

Danach noch Kaffee und plaudern und ein bisschen vorarbeiten. Viel an jemanden denken. Und dann ist das Wochenende auch schon wieder vorbei.