Kommen wir zu meinem Lieblingsland beim ESC: Italien.
Italien hat ja sein San Remo Festival, das den Italienern tatsächlich viel wichtiger ist als der Song Contest. San Remo ist kein ESC Vorentscheid, selbst wenn das auch Menschen, die es besser wissen müssten, immer wieder behaupten. Aber dem Sieger wird der Einfachheit halber halt angeboten, zum ESC zu fahren, was dieser allerdings nicht immer tut, zum Beispiel voriges Jahr. In diesem Fall kommt der Zweitplatzierte an die Reihe. Italien hatte von 1998 bis 2010 eine längere ESC Pause, aber seit sie zurück sind, waren sie bis auf zweimal immer in den Top 10 (diese beiden Male performten übrigens Frauen ähm) und was noch erstaunlicher ist, mit ganz unterschiedlichen Genres. Wir hatten natürlich Pop, wir hatten Popera, wir hatten Cantautore, wir hatten Jazz, wir hatten Indie, Rap und sogar Rock – Maneskin haben nach ihrem Sieg 2021 tatsächlich eine globale Karriere gemacht. Und ich war bei ihrem Konzert in der Stadthalle 2023.
Auch dieses Jahr gab es irrsinnig tolle und innovative Musik beim San Remo Festival. Gewonnen hat allerdings Sal Da Vinci, harhar.
Sein Song “Per sempre si” (Für immer ja) ist eine Ode an die lebenslange Liebe und insgesamt extrem schmalzig, schlagerig und auch schon ein bisschen angestaubt. In der ESC Facebook Gruppe schrieb die Journalistin Eva Haslinger, er hätte Heiratsschwindler-Vibes und ich finde diese Formulierung immer noch genial, weil sie so sehr ins Schwarze trifft.
Sal da Vinci selbst – ich weiß nicht, wie man den schönen Namen Salvatore tragen kann und sich dann “Sal” nennt – ist heuer einer der ältesten Teilnehmer, was ja super ist, dass auch Menschen weit jenseits der 50 langsam beim ESC sichtbar werden. Dass er in Würde altert, würde ich jetzt aber nicht unbedingt behaupten harhar, dafür ist er zu braun gebrannt, die Zähne sind zu weiß, die Haare zu schwarz bzw sind es auch viel zu viele, es ist hier alles einfach “too much”. Und das ist dann schon wieder so penetrant, dass es irgendwie doch wieder typisch italiensch ist, so nach dem Motto: Mir doch egal, ich ziehe hier mein Ding durch, ganz egal was andere davon halten. Und das finde ich ja ziemlich sympathisch.
Der Song ist natürlich total aus der Zeit gefallen, aber wie jemand beim ESC Compact Reaction sagte: “Aber schau dir doch die heutige Zeit mal an, da bin ich doch froh, wenn ich an eine andere Zeit erinnert werde.” Und auch wenn das witzig ist, hat es doch im Kern eine Wahrheit. Und insofern stehen die Chancen nicht schlecht, dass Italien auch heuer wieder recht weit vorne landen wird.
















