almis personal blog

Digger

So. Der Film Digger handelt vom schwerreichen Ölmagnaten Digger Rockwell (Tom Cruise), den seine Profite selbstverständlich mehr interessieren als irgendwelche Umweltaspekte oder auch andere Menschen. Er ignoriert Warnungen von diversen Wissenschaftern, unter anderem dem ökologischen Berater Ganesh (Riz Ahmet) und entschließt sich zu einer sehr gefährlichen Bohrung in Grönland, die eine Katastrophe globalen Ausmaßes anzurichten droht. In einer eilig einberufenen Konferenz mit US Präsident Compson (John Goodman) und anderen Entscheidungsträgern versucht er, die Eskalation einzufangen und sogar zu seinen Gunsten zu nutzen…

MÖGLICHE SPOILER ABER KEINE SUBSTANTIELLEN

Ich hatte bei diesem Umweltkatastrophe Szenario ehrlicherweise Angst, dass uns Innarritu seine “Haltung” um die Ohren haut, belehrend und moralisierend auf uns einwirken wird, wie es derzeit ja in Hollywood ärgerlicherweise öfters der Fall ist. Obwohl das, meines Erachtens, auch überhaupt nicht die Aufgabe eines Regisseurs wäre. Ich finde, Kunst sollte immer zum Reflektieren einladen und verschiedene Sichtweisen vermitteln, aber ich mag von Kunst nicht erzogen oder in eine Richtung gedrängt werden. Und in Digger ist tatsächlich so, dass Innaritu das nicht tut. Es ist ein sehr offener Film, der verschiedene Perspektiven gegenüberstellt, aber nicht sagt, übrigens, die richtige Ansicht ist diese. Ich persönlich feiere das, ich habe aber schon in einigen Kritiken gelesen, dass das manche gar nicht gut finden, die wären lieber an der Hand genommen worden und möchten alles “eingeordnet” haben. Meiner Meinung nach der Tod von Kunst.

Digger hat einige tolle Momente und drei, vier große, wirklich witzige, beeindruckende auch verstörende Szenen, in denen die Arbeit von Innaritus Stamm-Kameramanns Emmanuel Lubezki enorme Wirkung hat. In einer dieser Szenen sitzt Digger mit dem US Präsidenten und sonst einigen (tatsächlich nur) mächtigen Männern an einem Verhandlungstisch . Jemand eröffnet die Sitzung und sagt “Ladies und Gentlemen” und alle schauen sich um, es gibt keine Ladies; das wird nicht kommentiert, muss es auch nicht. Die Männer beraten, wie sie zwar nicht die Realität ändern könnten, aber die Worte, die Medien verwenden oder nicht verwerden. Also gewisse Begriffe sollten quasi nicht fallen bzw. umformuliert werden. Das ist so wie aktuell die SPÖ Führungsdebatte, da sieht man das eine und hört das andere. In Digger ist zum Beispiel “Al Gore” ein solcher no-go Begriff; Gore, der mit seinem Film An Inconveniant Truth 2006 für Diskussionen um Umwelt und Klima gesorgt hat. Sehr schön ist auch ein Auftritt Diggers in einem, so scheint es, EU Gremium, wo er eine ziemliche Brandrede hält – für mich auch der Cruise-Moment von: Ich möchte gerne einen Oscar harhar – und alle europäischen Politikerinnen (hier gibt es sie) und Politiker sind komplett in grau und beige gekleidet. So als wollte uns Innaritu die Sichtweise der US Politik auf die Europäer geben: ein Haufen von unbedeutenden, quackenden und lästigen Stimmen, quasi auf den billigen Plätzen.

Nachdem ich nicht zu viel spoilen will, denn hier ist es wirklich wichtig, dass man ohne zuviel Vorab-Info in den Film geht, noch etwas zu Tom Cruise. Egal wie man den Film jetzt insgesamt findet, seine Leistung ist beachtlich. Natürlich kann man sich fragen, wieso hat Innaritu nicht einfach einen 65 jährigen genommen, der auch so aussieht, die Antwort ist vermutlich einfach: weil es so mehr Spaß macht. Cruise trägt einen naja, nicht fat suit, er ist als Digger nicht fett, er trägt einen Durchschnitts-Mitte-60 Körperbau Suit und gleich am Anfang ist er nur mit einer Boxershort bekleidet, die ihm so halb runtergerutscht ist, und es sieht so unvorteilhaft aus und deswegen so lustig. Das zeigt schon die mangelnde Eitelkeit und Fähigkeit zur Selbstironie, die Cruise ja auch in sich hat. Und das ist sehr sympathisch. Herrlich fand ich auch den wie immer wunderbaren Michael Stuhlbarg in einer kleinen, aber skurillen Rolle als Vize-Präsident. Aber ich bin generell ein Stuhlbarg Fan seit Call me by Your Name.

Also zusammengefasst: Der Film ist auf seine Art schon sperrig und fordert einen auch heraus, es ist kein Film, wo man sich entspannt zurücklehnt und einfach nur genießt. Aber ich bleibe dabei: Ich mag den Film.

Digger, Vorrede

Wie bei Gentle Monster muss ich vor meiner Betrachtung von Digger noch was sagen, vielleicht sogar mehr als ich dann zum Film sagen kann, denn die Prämisse das Filmes ist eigentlich schon ein Spoiler und ich habe deswegen aktuell noch keine Ahnung, wie ich darüber schreiben soll.

Den Regisseur von Digger, Alejandro G. Innaritu, verfolge ich schon längere Zeit. Ich bin jetzt kein die-hard Fan, aber ich mag viele Werke von ihm, besonders Birdman (or the Unexpected Virtue of Ignorance). Am Titel sieht man schon, da will einer intellektuell sein, harhar. Bei Birdman funktioniert das ausgesprochen gut. Es geht hier thematisch unter anderem auch um den Unterschied zwischen Kommerz und Kunst. Die böse, aber irgendwie auch warmherzige Satire, die vorgibt, ein one shot Film zu sein, es aber nicht ist, fand ich extrem originell, auch witzig, mit sehr guten Darstellerinnen und Darstellern.

Bardo, seinen letzten Film von 2022 musste ich nach circa 20 Minuten abbrechen. Es war so bemüht surrealistisch und gewollt “edgy”, dahinter aber nur Leere (für mich). Der Falter verstieg sich allerdings dazu, Bardo “Innaritus 8 1/2” zu nennen, in Anlehnung an den wahnsinnig tollen Film von Federico Fellini, da braucht man nix dazu sagen, so ein Kommentar disqualifiziert sich von selbst harhar. Also Bardo ging für mich gar nicht.

Dann sah ich den Trailer zu Digger und fand diesen richtig furchtbar. Ich nahm aufgrunddessen an, der Film würde genauso prätentiös werden wie Bardo nur quasi mit bekannteren Schauspielern, allen voran Tom Cruise. Dann kamen die ersten teils vernichtenden Kritiken. Bisher ist er auch ein absoluter Kassenflop. Aber, und soviel kann ich heute schon sagen: Prätentiös ist der Film nicht, auch nicht surreal, obwohl er tatsächlich nicht jedem gefallen wird, weil er auf gewisse Art und Weise schon anstrengend ist. Aber der Trailer führt einen wirklich auf eine ganz falsche Fährte.

Was in dem Film schwer auszuhalten ist:

  • Alles was Tom Cruise anhat
  • Die Katze von Tom Cruises’ Figur Digger Rockwell
  • Das Aussehen von John Goodman. Ich mein, was ist mit diesem Mann los? Okay, er musste abnehmen, aber was ist das? Er sieht aus wie ein anderer Mensch. Ich hoffe, er ist nicht krank.

Aber sonst ist vieles tatsächlich ziemlich gelungen und ich finde, man sollte sich sein eigenes Bild machen und sich nicht von der medialen Berichterstattung einschüchtern lassen.

Beste Zusammenfassung auf letterboxd:

Auch das ist richtig, harhar:

Und das:

Und auch das:

Bald mehr.

Die Woche

Diese Woche war ich in einem richtigen Arbeitsflow – also der Zustand, wo es einfach ur Spaß macht, auch unter Stress zu arbeiten, weils einfach gerade interessant ist, ja so etwas gibt tatsächlich.

Deswegen heute nur ein kleiner Nachtrag von einem Mittagessen mit meinem Kind. Wir waren im Ebi im Donauzentrum. Unbezahlte Werbung. Ebis gibts mehrere, viele Leute kennen das eh schon, ich war noch nie, und das im DZ ist neu.

Das System ist so wie “Lustig Essen” früher, falls das wem noch was sagt. Man bestellt kleine Portionen, tauscht untereinander, kostet sich durch, kostet beim anderen. Das geht mittlerweile über ein Tablet, man bzw. ich brauche eine Brille und es ist gut, wenn ein junger Mensch anwesend ist, harhar. Generell Geschmacksrichtung ist in Richtung Asia. Und wenn man was nicht aufisst, muss man extra bezahlen, ich glaube, ab dem zweiten Teller, was ich gut finde.

Calamari, Rindfleisch, ich hatte aber auch noch Huhn und Sushi und Matcha Eis

Ich fands wirklich sehr gut und nett, so vom Spaßfaktor her, und zu Mittag kostet das Ganze zehn Euro weniger als am Abend.

Ich habe dann noch extra für ein Blog ein Matcha Eis bestellt – Jugendliche nennen das übrigens “Larping”1, wenn man so etwas macht – weil die Farbe so toll aussah, aber das Foto ist dann nix geworden. Generell bin ich gar nicht richtig zum Fotos machen gekommen, weil ich mich sehr gut mit dem Kind unterhalten habe. Was ich von Matcha als Geschmacksrichtung an sich halte, kann ich auch nicht wirklich sagen. Es hat mir nicht übermäßig geschmeckt, aber auch nicht nicht. Sagen wir so: Pistazien schaut so ähnlich aus und ist besser.

Und heute habe ich dann mal die erste Deadline geschafft, war am Abend dann noch schnell im Votivkino und habe mir Digger angesehen. Nur kurz: Ich muss mich mal selbst loben, dass ich, obwohl ich wirklich mit sehr, sehr tiefen Erwartungen ins Kino gegangen bin, letztendlich am Ende des Filmes offen eingestehen kann: Ich habe mich geirrt. Es hat mir richtig gut gefallen! Mehr kommt selbstverständlich noch.

Jetzt erstmal Kuschelsachen anziehen und ab aufs Sofa.

—

  1. Larpen = man tut so als ob, zum Beispiel für TikTok oder seinen Blog harhar ↩︎

Sam’s Town

Unlängst habe ich ein Video auf Social Media von Brandon Flowers, dem Sänger der Band The Killers, gesehen, in dem er darüber spricht, dass das zweite Album der Band namens Sam’s Town jetzt dieser Tage 20 Jahre alt wird. Also es ist ein Jahr nachdem ich selbst in Vegas war entstanden.

Bei den Killers ging es mir so wie mit Pulp. Sie waren eine zeitlang meine Lieblingsband, während zeitgleich Muse die Lieblingsband meines Freundes war. Die Killers werden ja immer so ein bisschen belächelt, ich weiß gar nicht genau wieso, ich habe sie sehr geliebt und die Platte Sam’s Town besonders. Weil beim ersten Album Hot Fuss dachte man noch, ah das ist wieder eine Brit Pop/Rock Band, und da gabs diesen großen Hit Mr. Brightside. Aber die Killers waren gar nicht aus England, sie kamen aus Las Vegas. Man hörte es aber eben nicht. Das hat sich bei Sam’s Town geändert und Flowers sagt in dem aktuellen Video auch: “We didn’t know how american we were until we left America” Und “Speaking for myself, I wanted to represent, where I was from. We did the best to take in the desert and the way our parents talked and the lessons we learned.” Finde ich ur schön formuliert und sehr interessant.

Ich mein, es ist eh irgendwie komplett surreal, wie man in Las Vegas aufwachsen kann, wie man zum Beispiel von der Volksschule nach Hause geht und in der Ferne sieht man den Strip, irgendwie so ein artifiziell-kapitalistischer feuchter Traum von Investoren und Konzernen ist – bzw. noch früher der Mafia. Aber ich muss auch ehrlich sagen, die Stadt ist so gaga und drüber, dass es schon wieder spannend ist. Und generell war ich persönlich auf meiner USA/Kanada Reise am meisten fasziniert von den Städten, die am wenigsten mit Europa zu tun hatten und das waren Los Angeles und Las Vegas. Da hab ich mir immer gedacht: Wie kann man hier überhaupt leben.

Ok, zum Song Sam’s Town – der übrigens nach einem Casinokomplex benannt ist, der allerdings abseits des Strips liegt, in der Gegend, in der Flowers aufgewachsen ist. Der Song ist bombastisch-glamurös, mit Synthesizer, aber auch mit Indie-Gitarren und er hat einige Tempowechsel, was ich sehr gern mag. Ich finde es nämlich super, wenn Songs anders funktionieren als das sonst der Fall ist, wenn man sich nicht so ganz auskennt in einem Song. Und natürlich ist er, wie praktisch alle Killers Songs, irgendwie melancholisch, auf eine Art und Weise, die mich nicht übermäßig deprimiert. Flowers besingt das Vegas abseits der Touristenpfade und Klischees ebenso wie den Druck, den er nach einer Welttournee spürt: “I am sick of all my judges, so scared of what they find”. Am Ende schlägt er eine symbolische Brücke zwischen seinen Welten: “I see London, I see Sam’s Town now.”

Marsupio

Am Montag gab es folgende Frage bei Wer wird Millionär:

Mein Favorit: Thunfisching!

Das ist natürlich easy für mich. Auch wenn es in Bozen nicht so genannt wurde, sondern Marsupio, italienisch für Beutel, klingt ein bisschen sachlicher.

Und damit man weiß, wie lange es dauern kann bis ein extrem frühgeborenes Kind sein erstes “Känguruing” machen kann: Es ist ungefähr nach der 420. SMS-Frage von Menschen aus Wien: “Wann darfst du ihn endlich halten?”. Oder anders gesagt: Sechs Wochen nach der Geburt. Und es war irrsinnig umständlich, mit den vielen Kabeln und Sensoren, die ja am Baby dranhängen, und auf der anderen Seite am Überwachungsmonitor. Man legt sich dabei das Baby nur mit Windel bekleidet auf den nackten Oberkörper und eine warme Drecke drüber. Ich kann mich noch erinnern, als die Schwester beim ersten Mal meinte: “Leider hab ich gerade nur noch eine rosa Decke.” Und ich so: “Es wird ihm wurscht sein.” Heutzutage könnte man ja so einen Dialog aus ideologischen Gründen gar nicht mehr so führen, harhar.

Jedenfalls war die Känguruh-Therapie wirklich super, hat auch messbar (Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung) gute Ergebnisse gebracht.

19 Jahre später, genießen wir gerade das Studentenleben, harhar.

Ein Windrad vom Bauhaus (unbezahlte Werbung)

Und ich werde zum Bauhaus chauffiert, danach düngen wir gemeinsam die Blumen und gehen essen, stehen eine Stunde im Tangentenstau und selbst das ist schön.

Bin immer noch sehr dankbar für Marsupio und alles andere, das geholfen hat.

Gentle Monster

Worum geht es also genau? Die Musikerin Lucy (Lea Seydoux) ist mit ihrem Mann Philipp (Laurence Rupp) und Sohn Johnny kürzlich aufs Land, in ein Dorf in der Nähe von München gezogen. Philipp, der in der Filmbranche arbeitet, erholt sich von einem Burnout, doch das idyllische, naturnahe Leben wird je von einem Polizeieinsatz unterbrochen. Philipp muss den Beamten aufs Kommissariat folgen. Die entgeisterte Lucy versteht die Welt nicht mehr, als sie erfährt, wieso Philipp verhaftet wurde…

ACHTUNG MÖGLICHE SPOILER

Es tut mir leid, aber ich war von so vielen Dingen in diesem Film so enorm irritiert, die im Grunde gar nichts mit der Haupthandlung zu tun haben, dass es mir schwerfiel, wirklich in Gentle Monster einzutauchen.

Lucy ist Pianistin und Sängerin, aber ihr Fach ist nicht die Klassik, nein, sie tritt mit Popsongs der 1980er und frühen 90er Jahre in Konzertsälen auf und die konservativ gekleideten Menschen jubeln ihr zu. Ich mein, ich liebe Popmusik dieser Zeit, aber: Wie? Warum? Der Song, mit dem der Film eröffnet wird, ist Would I Lie to You von Charles und Eddie, den ich überhaupt nicht liebe, der mir schon 1992 extrem auf die Nerven gegangen ist und der hier irgendwie für mich die Funktion hat, uns darauf zu stoßen, dass in diesem Film hier irgendwer lügt, das aber bestreitet. Später singt sie Boys Don’t Cry, einen wesentlich bessern Song von The Cure. Und Pia Reiser sagte im fm4 Filmpodcast, über the Cure wurden circa 800 Feuilletontexte geschrieben und über Charles und Eddie keiner – ja, das hat auch einen Grund, harhar.

Zweitens hat mich dieses Sprachgemisch sehr gestört. Lucy ist Französin und spricht fast nur französisch, versteht aber recht viel auf deutsch, antwortet aber dann in der Muttersprache. Dazwischen sprechen die Leute auch noch englisch. Drittens sagt Philipps Mutter einmal über ihren Sohn: “Er arbeitet zuviel”. Lucy: “Er baut sich etwas auf.” Wir sehen Philipp im Film aber praktisch nie irgendwas arbeiten. Viertens: Lucy zieht mit Johnny vorübergehend zu ihrer Mutter (übrigens Catherine Deneuve). Eines Abends sitzen sie auf dem Sofa und Lucy legt sich der Mutter auf den Schoß und weint und die Mutter sagt: “Ich habe das Gefühl, hier stimmt etwas nicht.” Was? Nur weil die circa 40 jährige Tochter mit dem kleinen Enkelsohn auf einmal bei dir einzieht, wortkarg ist und irgendwann anfängt zu weinen, ist gleich was nicht in Ordnung? No shit, Sherlock. Fünftens: Wieso heißt der Sohn einer Französin und eines Altausseers ausgerechnet Johnny.

Ich weiß, das klingt alles total kleinkariert, aber ich habe mir hier mit ganz viel Details einfach schwer getan. Der Film an sich war für mich wie eine überlange Tatort-Folge, vermutlich kann man einen Film über so ein Thema auch nicht gänzlich anders drehen. Weil das alles auch irgendwie zu ernst ist, für irgendwelche Experimente. Gegen Ende wurde Gentle Monster für mich aber zugegebenermaßen doch noch interessanter, weil es gab eine Rückblende, die ein bisschen diesen Ermittlungs-Duktus unterbrach und der Moment, als Lucy herausfindet, dass Philipp sie angelogen hat, war wirklich spannend inszeniert.

Im fm4 Film Podcast haben mir zwei Aussagen von Marie Kreutzer sehr gut gefallen. 1.) Sie hat Laurence Rupp besetzt, weil er als Schauspieler und Mann nichts mysteriöses hat, man kann in ihn nichts Dunkles hineinlesen. Das wollte sie vermitteln, dass er eben nicht wie ein “Verbrecher” wirkt. 2.) Bei Lucy ist mir das besonders aufgefallen, dass sie im Film ein Kleid trägt, das eine Spur zu klein und kurz ist. Kreutzer meinte, die Kostümbildner wollen das ja immer vermeiden und eine Nummer größer kaufen, aber: “Wir tragen alle mal Sachen, die uns ein bisschen zu klein oder ein bisschen zu groß sind. Oder wir tragen auch einmal etwas, was uns eine Stylistin vermutlich nicht angezogen hätte. Das ist das Leben.” Das fand ich sehr sympathisch.

Gentle Monster, Vorrede

Bevor ich etwas zu Gentle Monster, den neuen Film von Marie Kreuzer mit dem sehr aktuellen Thema Pädokriminalität sage, muss ich ein paar Dinge erwähnen.

2022 war ein schwieriges Jahr für mich. Mach was dir Freude macht, hieß es. Aber was machte mir Freude? Ich wusste es nicht mehr. Irgendwann im Dezember, als das Jahr quasi schon verloren war, ging ich dann einmal alleine ins Kino und sah Corsage, einen Film von Marie Kreutzer, ein neuer Take zur Kaiserin Elisabeth. Und da dachte ich mir zuerst, braucht es das noch? Wir haben gefühlt alle Klischees zu Sissy/Sisi wie auch immer durch, wir haben aber auch alle Antiheldin Erzählungen erzählt bekommen, inklusive eines erfolgreichen Musicals – so schien es mir zumindest. Und dann sah ich Corsage und war ganz begeistert über diesen frechen, artifiziellen Film, der doch nochmal eine andere Perspektive aufmachte. Sogar Manuel Rubey fand ich toll, der den überheblich-prätentiösen Ludwig den Zweiten spielte, eine Traumrolle für ihn harhar.

Na gut und dann war der Teichtmeister Skandal. Zuerst tat mir Marie Kreutzer und ihr Team wirklich leid, weil der Film natürlich unter den Ereignissen litt und das wirklich nicht verdient hatte. Die Hausdurchsuchung bei Teichtmeister fand erst nach Drehschluss statt. Dann allerdings äußerte sich Kreutzer ziemlich patschert über einen anderen Darsteller von Corsage, zu dem es auch metoo Vorwürfe gab. Nämlich ja, sie habe von den Gerüchten gewusst, auch schon während der Produktion, aber es gäbe Verträge und Partner, und man kann nicht jeder unter vorab-Verdacht stellen ohne Fakten und sehr viele Menschen quasi arbeitslos machen. Das fand ich zwar durchaus nachvollziehbar, aber dasselbe gilt halt dann auch für alle anderen Filmemacher genauso.

Wie auch immer, der Nachfolgefilm zu Corsage beschäftgt sich mit einem Pädokriminellen – die Idee hatte Kreutzer aber schon 2021 zur Filmförderung eingereicht, also vor der Teichtmeister Sache. Und hier muss ich leider sagen: Der Film hat mich nicht erreicht. Aber ich fand wiederum den fm4 Podcast mit Marie Kreutzer zu Gentle Monster ungeheuer interessant und reflektiert, es war ein so spannendes Gespräch, das hat mich wiederum sehr positiv für die Regisseurin eingenommen.

Also durch und durch ambivalent, aber so ist das Leben eben auch manchmal. Bald dann noch mehr zu Gentle Monster.

Slow Sunday

Heute beim Frühstück schon sehr gelacht, über diesen ORF-Text aus der Rubrik: Wunderschöne Alltagsprosa:

Oder ist das eine Nachricht in einfacher Sprache?

Ansonsten einen ruhigen Sonntag gehabt.

Ein Tag, an dem die einen mit kurzen Hosen gehen, die anderen schon in leichter Daunenjacke.

Ein Tag, an dem der Pool gerade noch nicht eingewintert ist, die Heizung im Bad aber gerade schon läuft.

Ein Tag, an dem ich endlich in der prallen Sonne liegen kann (mit langer Hose) und es ist nicht mehr heiß, sondern gerade angenehm.

Ein Tag, an dem ich alle Tageszeitungen und Klatschzeitschriften der vergangenen Wochen lese, die ich noch nicht kannte. Ich weiß jetzt Bescheid über Meghan und Harry zurück in UK und Sarah Connors Beziehungsdefinitionen.

Ein Tag, an dem ich den Projektvertrag unterschreibe und mich auf die neue Arbeit freue.

Ein Tag, an dem ich generell über manche Dinge erleichtert bin.

Ein Tag, der auch Tag des Denkmals ist, das war schön früher. Heute löst es viele Erinnerungen aus, sie sind noch zu nahe. Vielleicht gehe ich irgendwann einmal wieder und sehe mir etwas an.

Ein guter Tag, gutes Wochenende.

Geburtstag

Heute wurde familienintern Geburtstag gefeiert.

Das Schöne an Patchwork jeder ist für irgendwas zuständig. Ich diesmal für die Servietten, harhar.

Zuerst gab es auf Wunsch Lasagne:

Lasagne mit Parmesankruste (mhmm) und süße Servietten harhar

Danach startete das Formel 1 Rennen in Baku (voll hübsche Altstadt!) und die Torte musste warten.

Ich so alle zehn Minuten: Jetzt vielleicht die Torte? Safety Car Phase 1: Die Torte? Saftey Car Phase 2: Äh die Tooorte? Aber es war immer zu spannend. Rote Fahne gabs auch keine, also mussten wir bis zum Ende des Rennens um 15 Uhr warten!! Und dann hätte Verstappen fast gewonnen – 0,196 Sekunden Rückstand. Da hätt er sich schon noch bisschen anstrengen können, für unsere Feier. Aber wir wollen mal nicht unbescheiden sein.

Tolle Torte, auch nicht von mir gemacht

Danach noch Bescherung, endlich mal waren meine Rubbellose (mein Signature Geschenk) recht erfolgreich – zwei Lose, Gesamtgewinn 18 Euro.

Dabei hatte ich zum Kind gesagt, dass ich mir auch ein Los für mich gekauft hätte und drei Euro gewonnen und daher wären seine Chancen jetzt geringer. Und jemand sagte daraufhin zu mir: “Wahrscheinlichkeitsrechnung ist nicht deine Stärke”. Nein natürlich nicht, aber trotzdem dachte ich irgendwie… naja egal. Harhar

So ein schöner Tag.