Apropos Lena Dunham, nachdem ich jetzt die erste drei Staffeln von Girls gesehen habe und parallel ihre Autobiografie lese, ein erstes Zwischenresümee.
Spoiler möglich
Dunham spielt ja in dieser Serie quasi ihr Alter Ego, eine junge Frau namens Hannah Horvath, die drei enge Freundinnen hat, und das erinnert natürlich jeden, der in den 2000er Jahren irgendwann einmal einen Fernseher aufgedreht hat, sofort an Sex and the City. Sehr raffiniert und auch sympathisch baut Dunham diesen Einfluss gleich in der Pilotfolge ein, als wir erstmals die Wohnung ihrer Freundin Shoshanna sehen, da hängt nämlich ein riesiges SatC Poster. Gleichzeitig ist die Ausgangslage aber eine ganz andere. Die Frauen aus SatC sind mindestens zehn Jahre älter als die aus Girls. Sie wissen zwar nicht so genau, was sie von Männern wollen, aber sie haben gute Jobs, tolle Wohnungen, superchice Kleidung und Geld ist (selten) ein Thema. Wir sehen auch ein ganz anderes New York, das ja in SatC oft als fünfter Hauptdarsteller bezeichnet wird, nämlich ein fast ausschließlich pittoreskes, in schönen Parks und Bars und Hotels und Restaurants.
Girls zeigt vier junge Frauen, die noch gar nicht wissen, was sie generell vom Leben erwarten, was sie beruflich machen sollen und überhaupt. Natürlich haben sie dasselbe Männerproblem wie in SatC, aber Männer stehen nicht so direkt im Vordergrund. Die ziemlich gute Prämisse ist hier nämlich, dass Hannah von ihren Eltern “an die Luft” gesetzt wird. Bei einem Abendessen eröffnet ihr die Mutter Lorreen (Becky Ann Baker) – die mir sofort unsympathisch ist (harhar), aber der man zu Gute halten muss, dass sie auch äußerlich eine absolut “untypische” Serienmutter verkörpert, was ja wieder interessant ist – dass sie und Hannahs Vater ihre finanzielle Unterstützung einstellen. Der Vater Tad (Peter Scolari) ist natürlich viel zu lieb und gutmütig, man weiß sofort, wer die Entscheidung getroffen hat, die Dynamiken dieser Familie liegen offen auf dem Tisch. Hannahs Ex-Freund Elijah bemerkt bald einmal “Your father is gay” – und circa 20 Folgen später wird sich Tad auch als gay outen, worauf Elijah zu Hannah sagt, er habe ihr das schon vor langer Zeit gesagt und sie so: “You never said that” und wir als Zuschauer: Dooooch, hat er! Sowas mag ich ja sehr. harhar.
Jedenfalls will Hannah schreiben, aber sie weiß gleichzeitig, dass das kein Job ist (ach ja) und wir sehen ihr dann dabei zu, wie sie dieses Problem angeht. Hannah hat außerdem nicht die typische Hollywood-Seriendarstellerinnen Figur zumindest damals vor Body Positivity, sie trägt nie Stöckelschuhe, die Wohnungen sind oft ein bisschen chaotisch und schauen halt aus, wie normale Wohnungen ausschauen und Schausplatz ist nicht Manhattan, sondern Williamsburg. Diesen Stadtteil kenne ich aus der Serie Unorthodox, er ist bekannt für seine (ja eben) ultaorthodoxe jüdische Gemeinde. Ultraorthodox ist in Girls niemand, die Religion schimmert nur ein bisschen durch, am ehesten natürlich bei Shoshanna Shapiro, deren Name das ja auch suggeriert. Aber ich würde sagen, so kulturell und “Vibe-mäßig” ist da schon viel jüdisches dabei, während das Judentum in SatC ja irgendwie so etwas exotisches war, man erinnert sich, als Charlotte wegen ihres Mannes konvertiert ist.
Ach ja und noch schnell die Männer, also besonders Adam Sackler (Adam Driver), der Typ, mit dem Hannah eine ziemlich eigenartige Beziehung führt. Das ist ja das lustige, wenn man die Serie erst 15 Jahr später sieht und Driver aus Star Wars, Marriage Story und vielen Jarmusch Filmen kennt. Hier ist er in der ersten Staffel quasi durchgehend kaum bekleidet und ein richtiger Arsch, so auf den ersten Blick. Aber bei manchen Menschen lohnt es sich, genauer hinzusehen, weshalb sie sich so verhalten und so ist Adam bei genauerer Betrachtung natürlich auch viel mehr als dieser erste Eindruck.
Soweit mal fürs erste.
















