almis personal blog

Verlass die Stadt, sechs

Ich habe nur eine höfliche Frage: Wem haben sie eigentlich so ins Hirn Wem ist eigentlich eingefallen, bei der A23 an einem Super-Stau-Ferienwochenende plus benachbartem Ungarn GP mehrere Fahrstreifen zu sperren? Wir haben vom Süden Wiens in den Norden fast so lange gebraucht wie von Kärnten nach Wien und das ist leider nur geringfügig übertrieben.

Abgesehen davon war alles wirklich sehr schön und unsere Reisegruppe, bestehend aus drei Generationen (U-20 etwas überrepräsentiert) hat beschlossen, eine Tradtion daraus zu machen, ab jetzt jedes Jahr zu fahren. Bedanken möchte ich mich bei unserem Chaffeur, meinem Sohn, der wirklich super-locker gefahren ist. Und ich meine auch die Bergstraße, mit einer schmalen Fahrspur, auf die wir uns meinetwegen verirrt haben *hust*

Pfarrkirche und Friedhof St. Margareten

Außerdem wollte ich noch was über St. Margareten erzählen und ein paar Fotos zeigen. Wie gesagt war ich jeden Sommer mit meinen Großeltern fast zwei Monate dort – meine Eltern sind am Ende des Urlaubs dann auch dazugekommen. Wir haben bei unseren Freunden gewohnt, die auch zwei Mädels hatten, die ein bzw. drei Jahre älter waren als ich. Außerdem hatten wir ur liebe Nachbarn (heute auf instagram unter smarjeta11 zu finden), auch mit Kindern, wir sind bis heute befreundet. Am Vormittag sind wir damals oft in den Wald gegangen, am Nachmittag durften wir in den Pool der Tante, die eine Frühstückspension hatte oder waren am Feld, auch am Traktor, sind radgefahren, waren am Sonntag in der Kirche – so “lernte” ich ein bisschen slowenisch, weil die Messen waren zweisprachig, und ich hatte dort einfach die typische Astrid Lindgren-sche Bullerbü Kindheit.

In der Kirche

Ich mochte, dass im Dorf vorrangig eine Art von slowenisch gesprochen wurde – früher hat man “windisch” gesagt, aber das Wort ist mittlerweile negativ besetzt. Ich bin oft in der Früh aufgewacht und habe draußen Gespräche gehört, die ich nicht verstanden habe. Auch unsere Familie hat untereinander oft so gesprochen und meine Freundinnen immer dann, wenn sie mich ärgern wollten. Hat auch super geklappt, harhar. Als ich jung war, hatte ich das Gefühl, ich musste auch immer etwas über dieses Dorf erzählen, um zu erklären, wer ich bin. Als Kind habe ich mich nie nach Wien gesehnt und wenn wir Ende August zurückgekommen sind, dachte ich, warum eigentlich. Lange wollte ich Bäuerin werden.

Eine zeitlang haben wir zum Spaß überlegt, dieses Haus zu kaufen. Sah vor 30 Jahren schon ganz genauso aus.

Ich mochte auch, obwohl ich ziemlich schüchtern sein kann, dass quasi dauernd irgendwelche Leute auf den Hof kamen, zum Plaudern. Als wir heuer da waren, war es wieder so, dass wir das Haus verließen, und inzwischen standen drei Autos am Hof, weil schon wieder wer vorbeigekommen ist. Und, dass immer irgendwelche Dinge passierten, die dann quasi zu Kultereignissen wurden, über die wir noch Jahre später gesprochen haben. Und, dass wir mit den Kieselsteinen damals A-K-H auf den Hof geschrieben haben, Abkürzung unserer Vornamen in altersabsteigender Reihenfolge. Spannend auch zuzuhören, wie Menschen auf dem Land Dinge erzählen, es ist so ein Mikrokosmos und es fällt mir so schwer, das zu beschreiben, damit man es nachempfinden kann. Aber ich habe es zumindest versucht.

Noch schnell mein heuriges Lieblingsfoto:

Die Äpfel aus Nachbars Garten

Im Gegensatz zu früher habe ich diesmal nach der Heimkehr meinen Garten betreten und mich daheim gefühlt und angekommen. Das war auch schön. Und nach St. Margareten kann ich jetzt immer wieder fahren.

Verlass die Stadt, vier

Heute sind wir zur “romantischsten Wiese der Welt” (c) Kärnten Werbung harhar gewandert.

Sie ist aber tatsächlich beeindruckend und nennt sich dementsprechend Märchenwiese. Sie liegt im Bodental, also quasi gleich bei unserem Quartier und hinter ihr ragt die Wertatscha empor. Und direkt dahinter ist Slowenien.

Die Märchenwiese, Nomen est Omen

Der Parkplatz, von dem aus man losgeht ist seit anscheinend kurzem kostenpflichtig. Man geht zum Wirt hinein, sagt wie lange man bleiben will, zahlt und bekommt zwar einen Zahlschein, den man zur Windschutzscheibe gibt, der allerdings ohne Zeitangabe auskommt. Irgendwie süß.

Der Weg hinauf wird von einer großen Kuhherde frequentiert, auch das ur süß, obwohl man sie natürlich eher meiden sollte.

Kuh im Gebirge

Aber ich liebe Kühe und so musste ich zumindest ein Foto machen.

Danach waren wir ur gut italienisch essen, beim besten Italiener der Welt (c) Almi harhar, Francobollo in St. Jakob im Rosental. Ich hatte gebackene Tintenfische.

Danach heim und chillen. Am späten Nachmittag hat es hier immerhin angenehme 24 Grad am Balkon.

Verlass die Stadt, drei

Heute war ich das erste Mal seit neun Jahren wieder in meinem Lieblingsdorf, in dem ich die ersten 20 Sommer meines Lebens verbracht habe und danach auch so einige.

Aber dann kommt das Leben dazwischen und anderes hat Priorität und irgendwann habe ich auch fast vergessen, wie glücklich ich dort war.

Heute ist es mir wieder eingefallen. Ganz toller Tag mit lieben Menschen und das Kind mag nächstes Jahr wieder hin.

Mehr Fotos zeige ich dann, wenn ich wieder einen PC zur Verfügung haben. Bloggen am Handy etwas mühsam. Aber glaubt mir, es ist wunderschön dort.

Verlass die Stadt, zwei

Wo bin ich jetzt?

New York? Knapp daneben.

Das Dorf hat 80 Einwohner und nur über eine kurvige Bergstrasse erreichbar. Manche Mitreisende bauen schon gedanklich hier ein Haus in zehn Jahren.

Das könnte ich jetzt nicht, weil:

a) will ich nicht Autofahren

b) gibt es kein Kino in der Nähe

c) ist es mir auf Dauer zu frisch auf fast 1000 m Seehöhe und mitten im Gebirge. Ich friere schon in der Stadt dauernd.

Aber es ist wunderschön und ruhig und abgeschieden hier. Ein paar Tage tut das sehr gut.

Montag

Gestern habe ich das WM Finale geschaut und es war recht ereignislos, aber dank der Kommentare von Co Kommentator Andreas Herzog sehr unterhaltsam.

Herzog ging aufgeregt in das Match, er freue sich so auf das Finale, nach der Hälfte war er schon etwas desillusioniert und am Ende richtig sauer. Als der Moderator erklärte, wie viel Finaltickets kosten (viel) meinte Herzog so: “Dafür sieht man in 80 Minuten keinen einzigen Torschuss von den Argentiniern.” Und als der argentinische Spieler Leandro Paredes sich beim Schiedsrichter über eine Aktion eines spanischen Spielers aufregte, meinte Herzog so: “Selber ein Holzhacker vor dem Herrn und geht sich beschweren beim Schiedsrichter.” Und am Ende, als Paredes nach Abpfiff einen Gegner attakierte: “Schau dir den Vollidioten an” Harhar. Herrlich (siehe auch hier)

Nachdem meine Arbeits-Deadlines alle im August liegen, habe ich heute quasi schon den Urlaub begonnen und zwar am Naschmarkt. Die Odysee verfolgt mich:

Dezentes Plakat des Nolan Films

Ich habe mich mit einer Nachbarin zum Frühstücken getroffen. Im Haus sehen wir uns nämlich fast gar nicht mehr. Früher, als die Kinder noch klein waren, waren wir oft im Hof und unterwegs, quasi der Gang zur Bücherei mit vier Kindern als “der Tagesausflug”; aber das ist ja ziemlich lange her, ihre Tochter hat auch “mit” meinem Kind maturiert, also in der gleichen Schule. Wir haben uns im Orient Occident getroffen, wie eh immer.

Schöne Morgenstimmung am Naschmarkt

Wir haben echt lang geplaudert, quasi das erste Mal nach drei Stunden auf die Uhr geschaut. Das ist ja immer ein gutes Zeichen. Es ging um Kinder und Häuser am Land und Männer (hui!) und ich war sehr offen und habe gesagt, dass es jemand gibt, den ich vermisse. Es ist okay, es gehört zu mir.

Später ging es auch darum, dass wir froh sind, keine Babies oder Kleinkinder mehr zu haben. Da habe ich ein wirklich crazy Kompliment bekommen, sie meinte nämlich zu mir, sie könnte sich mich schon mit Baby vorstellen und ich ganz erstaunt: Wieso das? Und sie so, na du siehst so jung aus. Waaaas? Harhar. Aber danke.

Mediteranes Dings-Frühstück und mein klasisches Wiener Frühstück

Als wir gegangen sind, hat sie mich noch bis zum Schwedenplatz begleitet, ihr Rad schiebend. Das hat mich an etwas erinnert.

Tag mit Seifenblasen

Offiziell habe ich die Seifenblasen für die Kinder mitgenommen, die am Samstag bei uns zu Gast waren. Inoffziell wollte ich auch gerne wieder mal Seifenblasen machen.

Kunstfoto!

Gestern gab es also eine Party im Garten. Die letzte ist Jahre her. Gründe gibt es einige. Vor allem war ich lange mit mir nicht im Reinen und da steht einem der Sinn danach nicht, ich sag es ehrlich.

Dieses Jahr sollte es aber wieder ein Grillfest geben und bei der Terminfindung stellte sich heraus: Es gibt im ganzen Sommer 2026 genau ein Wochenende, an dem alle 14 Personen Zeit hatten, und das war dieses. Zuerst war die Wetterprognose eher durchwachsen, am Freitag dann noch das große Gewitter mit Sturm. Wir haben es trotzdem gewagt, und Samstag war es von 11 Uhr vormittags bis 21 Uhr, so lange dauerte es, wirklich angenehm warm und sonnig. Keine Spur von Regen.

Einer von zwei Tischen

Zuerst wurde ausgiebig allerlei gegrillt – die Klassiker, Würstel, Karree, Spare Ribs, Hendl, Spieße, Cevapcici am Schluss sogar eine Ananas!

Danach gabs noch Kuchen und Eis und Kaffee und dann waren die Kinder (und manche Väter, harhar) lange im Pool. Wir anderen haben über alles mögliche geplaudert, dazu war der Geschirrspüler im Dauerbetrieb und schließlich lagen sogar die Schleich-Tiere matt herum:

Dazwischen wurde “Hochstapler” gespielt und eine Drohe entwickelte sich zum Renner unter den kleineren Besuchern. Natürlich landete sie, nach Ansage von mir, zuerst mal im Nachbargarten (harhar), aber bald klappte das Starten, Steuern und Landen schon richtig gut.

Abends war eine Gästin lieberweise noch beim Billa (unbezahlte Werbung) und hat noch ein bisschen was zum Snacken besorgt. Wasser-, Honig- und Zuckermelone, Heidelbeeren, am Ende war nichts mehr übrig.

Machst du das Foto für den Blog? Ja!

Etwas später wurde noch die Leuchtpilze angemacht und kurz bevor die Gelsen einfielen, sagten die letzten Gäste auf Wiedersehen.

Sehr schön war das.

Wir in zehn Jahren

Aufgrund des Titels und der Prämisse habe ich mir Wir in zehn Jahren von Jessica Stanley gekauft. Eine Beziehungsgeschichte über ein Paar. die sich über eben diesen Zeitraum erstreckt. Coralie wird beruflich von Australien nach London versetzt und lernt den geschiedenen Adram kennen, der eine kleine Tochter hat.

Achtung Spoiler

Nun hab ich mir persönlich so eine eher rohe Beziehungsabrechnung erwartet, wie das so ist mit Verlieben und Zusammensein und Kinder haben und die ganzen Herauforderungen und Krisen die da so einhergehen. Die Autorin ist mir natürlich nicht schuldig, dass sie das schreibt, was ich gerne hätte harhar. Aber es hat mich schon irgendwie erstaunt, dass Boris Johnson (sic!) in diesem Roman öfter genannt wird, als die beiden Kinder, die sie selbst dann später mit Adam bekommt.

Überhaupt ist hier viel von Politik die Rede – Adam ist Journalist. Ich mag es ja an sich, wenn so aktuelle Ereignisse in die Handlung eingewoben werden, aber man kann es auch übertreiben. Nicht ganz klar ist, ob die Autorin ein bisschen kritisch die Denkweisen der, sagen wir mal, linksliberalen Protagonisten kommentiert oder sie affirmiert. Es gibt eine Szene, in der ein Freund Adam quasi darauf hinweist, dass er mit Labour ja selbst höhere Steuern gewählt hat und Adam sagt ja, aber es geht ja auch um Werte. Das halte ich persönlich für ein ärgerliches Kuriosum der heutigen Politik. Dass ein Teil des Spektrums ihre Aufgabe als erledigt ansieht, in dem sie quasi gegen rechts ist und “Werte” vermittelt, anstatt die Probleme, die es gibt, wirlich anzugehen.

Auch die Erzählökonomie, wie Bachmann-Juror Philipp Dingler sagen würde, stimmt hier gar nicht. Es gibt ein queeres Großelternpaar (natürlich) also anders gesagt zwei Omas und die Omas kommen gleich hinter Boris Johnson, was die Präsenz im Roman betrifft. Ich mein, die Omas sind eh recht amüsant, aber was haben sie in epischer Breite mit dem Thema zu tun. Ich persönlich hätte auch auf die Schilderung des Schwangerschaftsturnens verzichtet können, die außer Klischees (nehme ich an, ich habs ja nicht so weit geschafft harhar) nichts neues an Erkenntnis bringt.

Und letztendlich verägert mich das Buch auch damit, dass es am Anfang ein tragisches oder zumindest kontroversielles Ende in Aussicht stellt, was am Schluss nicht nur nicht eingelöst wird, nein, alles wird so auf süßlich-klebrige Art weggeräumt, dass ich, als jemand der irgendwie anscheinend mehr mit dem wirklichen Leben konfroniert wurde, einfach nur den Kopf schütteln kann. Nein, ein Paar muss sich nicht zwangsläufig trennen, aber Problem auf Problem zu stapeln und dann siegt doch der platte Kitsch, och nö. Harhar.

Donnerstag

Seit gestern ist das Kind ein Student. Wir haben uns ja früher noch um sieben Uhr mit hunderten anderen Menschen in irgendwelchen Gängen gedrängelt und sind fast ohnmächtig geworden. Heute gibt es timeslots.

Wie auch immer, heute Vormittag hab ich was fertig gearbeitet und mich dann in die Wiener Verkehrshölle begeben, genauer gesagt habe ich auf der Mariahilferstraße ein Buch abgeholt und bin beim schönen Museumsqartier vorbei gekommen.

Dann die ganze Mariahilferstrasse hinauf, zum Westbahnhof und dann weiter in den Garten. Dort gab’s im Lokal ein leichtes Sommergericht.

Ich bereue nichts.

Danach ein neues Buch angefangen und abgesehen davon, dass es mit einem riesigen Fehler beginnt – die Protagonistin spricht davon, dass Carola mit Främling 1983 den ESC gewonnen hat; das ist falsch. Carola wurde Dritte. Gewonnen hat sie 1991 in Rom mit Fangad av en stormwind. Mir unbegreiflich, wie das einfach keinem Lektor aufgefallen ist harhar. Also abgesehen davon ist es richtig toll.

Und dann hatte ich ja eine Karte für die Odyssee reserviert; aber stattdessen:

Ich bereue nichts.