almis personal blog

A Summer Place

Der Trailer zum neuen Kristoffer Borgli Film The Drama ist grandios.

Borgli, der Meister der tollen Prämissen, die dann nicht aufgehen, harhar, has done it again. In The Drama geht es um ein junges Paar, das kurz vor seiner Hochzeit steht. Bei einem Abendessen mit einem befreundeten Paar erzählt jeder etwas bisher Geheimes von sich. Das ist anscheinend lustig, etwas peinlich bis leicht unangenehm. Aber dann ist die Figur, die Zendaya spielt, an der Reihe und sagt etwas offensichtlich so Arges, dass die Stimmung kippt und alle erschüttert sind. Nach diesem Trailer bin ich einfach nur ur neugierig, und ich hoffe, Borgil versaut es nicht wieder. Harhar.

Was aber nebenbei noch interessant ist, in diesem Trailer kommt der Song A Summer Place vor. Da musste ich an meinen Papa denken. Er hatte die Platte und hörte sie oft. Und ich dachte daran, wie ich mich in den letzten Jahren meistens an ihn erinnert habe, mit einem gewissen Schmerz. Ich dachte fast nur noch an ihn als so etwas wie ein ungelöstes Rätsel, als Leerstelle, als jemand, der am Ende seines Lebens nichts mehr mit mir zu tun haben wollte, ich sag es mal so hart. Ich dachte an seine Witwe, mit der ich beim Notar gestritten hatte – harhar, das könnte ich tatsächlich von ihm haben, er hat sich gern aufgeregt – bis sie dann eingestanden hat, dass ich nichts falsch gemacht hatte. Ich habe mich dafür bedankt, dass sie mir das gesagt hat. Ich denke, ich bin einfach nicht der Mensch geworden, den er sich vorgestellt hat. Das ist sehr lange schmerzhaft gewesen, bis es dann eines Tages gar nichts mehr mit einem macht. Ich glaube, das nennt sich Akzeptanz. Ich habe meine Perspektive gewechselt. Ich mag nicht mehr kämpfen.

Jedenfalls hat mich dieses Lied daran erinnert, wie mein Papa auch sein konnte. Sehr lustig nämlich, er konnte super Geschichten und Erlebnisse (nach)erzählen, das haben mir manche auch bei seinem Begräbnis versichert, dass sie sich so an ihn erinnern. Er konnte gut kluge und ziemlich provokante Dinge sagen und es gab natürlich auch viele helle Momente zwischen uns, so hell wie dieser Song. Ich freue mich wirklich, dass mich dieser Trailer daran erinnert hat.

Vladimir

Vladimir – so heißt der Roman von Julia May Jonas, den ich 2022 erstmals und am Wochenende noch einmal gelesen habe. Der Titel “Vladimir” bedeutet für den Text so etwas ähnliches wie der Schauspieler Tom Hiddelston auf dem Plakat für den Film The Life of Chuck bedeutet hat. Hiddelston war zwar in diesem Film anwesend, aber lange nicht so wichtig, dass es die dominate Präsenz auf dem Plakat rechtfertigen würde. “Vladimir” steht im Roman für Katalysator oder Orientierung, vielleicht auch Neustart.

Tatsächlich geht es im dem Roman vor allem um die (namenlose) Protagonistin. Eine Frau Ende 50, Literaturprofessorin, die seit Jahren in einer offenen und mittlerweile sehr langweiligen Ehe mit John, lebt, der auch Literaturprofessor an derselben Uni ist. Sie haben eine erwachsene Tochter. Oder wie es im Roman einmal über heterosexuelle Beziehungen heißt: Sie hätten “ein Leben, das uns alle zu Protagonisten einer längst auserzählen Geschichte macht.”1 Aber dann wird es doch weniger konventionell. John ist nämlich gerade dabei, von der Uni verwiesen zu werden, weil zahlreiche ehemaligen Studentinnen ihm- ja was eigentlich vorwerfen? Sie hatten alle Affären mit ihm, diese Affären wurden freiwillig eingegangen, aber im Zuge von #metoo werden die Dinge manchmal neu “interpretiert”. Auch unsere Hauptfigur bekommt Schwierigkeiten, da sie diese Dinge ja quasi “gutgeheißen” hätte.

May Jonas ist schon sehr mutig, denn mit diesem Roman setzt sie sich natürlich in gewisser Weise zwischen alle Stühle, was ich ja immer ganz gerne mag, harhar. Hier sind ganz viele Dinge nebeneinander richtig, hier gibt es ganz viele Zwischentöne. Natürlich spielt John mit seiner Macht und er ist kein übermäßig sympathischer Charakter. Aber was ist mit den jungen Frauen? Feiern wir nun sexuelle Selbstbestimmung, zu der aber auch Selbstverantwortung gehört, auch wenn sich die Angelegenheit hinterher schal anfühlt? Oder sind die jungen Frauen (erwachsen) doch weiterhin immer nur Opfer? Und wieso hängt die Protagonistin mit drinnen, die ebenfalls nicht unbedingt extrem sympathisch erscheint, aber sehr ehrlich mit sich ist. Auf quasi der Metaebene überlegt sich die Protagonistin einmal: “Sollten wir [in der Kunst, Anmerkung] nur die Welt abbilden, in der wir leben wollten? (…) Hatten wir uns nicht darauf geeinigt, dass die Moral in der Kunst nichts zu suchen hat?”2

Spannend, aber noch spannender als diese gesellschaftspolitischen Fragen, die sehr pointiert und kontrovers verhandelt werden, fand ich die Gedankenwelt der Protagonistin. Wie geht es einem als Frau Ende 50, was hat man erlebt, was hat man versäumt, wie will man weitertun, beruflich und privat, was hat man noch zu erwarten oder erhoffen. Und hier kommt der ominöse, russischstämmige und natürlich sexy “Nachwuchs”professor ins Spiel. Vladimir. “Er eröffnet ihr eine Welt und wenn schon nicht eine Welt, dann einen bodenlosen Abgrund”3 Nicht, weil er irgendwie die große Liebe ist oder die Protagonistin sich extrem für seine Gedanken interessiert, obwohl sie seinen Roman faszinierend findet. Nein, er ist Mittel zum Zweck tiefer Selbstreflexion. Und er löst einiges aus, in ihrem Leben und gibt diesem tatsächlich so etwas wie eine neue Wendung.

Wunderbar, ich mag die Sprache und die Gedankenwelt von May Jonas sehr und auch wenn der Plot nicht besonders leicht verdaulich ist, war es eines dieser Bücher, in dem ich mich gleich wohlgefühlt habe.


  1. Julia May Jonas, Vladmir, Seite135 ↩︎
  2. Seite 200 ↩︎
  3. Seite 25 ↩︎

Oscar Countdown

In einer Woche findet die Oscarverleihung statt.

Nächstes Wochenende gibt es im Votiv und Gartenbaukino die Tage der nominierten Filme, nämlich die, die für “Best Film” nominiert sind. Und ich denke mir ja eh cool, aber ich habe halt alle schon gesehen. Und dann fällt mir ein: Halt, nein. Ich habe nicht alle gesehen. Mir fehlt immer noch F1 *hüstel*, der natürlich weder in dem einen noch im anderen Kino läuft. Ich muss den jetzt in den nächsten Tagen trotzdem noch irgendwo per Streaming halt in meinen Zeitplan reinquetschen.

Ja, wir haben immer noch eine gewisse Spannung im Szenario One Battle After Another versus Sinners (auf “deutsch”: Blood & Sinners). Mir haben ja beide Filme gefallen, wie heuer generell recht viel, im Gegensatz zu Wolfgang M. Schmitt, der auf Youtube den Kanal Filmanalyse hat (unbezahlte Werbung). Er findet nämlich, es sei ein eher schlechter Jahrgang. Aber gar nicht wegen F1, den er partiell lobt, vor allem seine Kameraarbeit, und der natürlich tatsächlich eh keine Chance auf den Oscar in dieser Kategorie hat.

Nein, Schmitt mag zum Beispiel – wie ich auch – Frankenstein von Guillermo del Toro gar nicht und hat das so gut formuliert, dass ich schon wieder fast neidisch bin, denn er sagt: “Del Toro nutzt die Frankenstein-Geschichte, um einmal mehr seinen Jahrmarkt der Kuriositäten und des Krimskrams (da musste ich sehr lachen!) aufzubauen. Vollgestopft ist jedes seiner marktschreierischen Bilder. Das ist keine Kunst und unterhaltsam ist es auch nicht”. Harte Worte, die aber nicht unzutreffend sind. Aber ich bin sowieso nie die Zielgruppe für solche Blut und Boden Werke, wie ich sie nenne. Ich habe es schon am liebsten, wenn ein Film in unserer heutigen Welt spielt und am besten irgendwas mit Künstlern, Liebe, (Familien)beziehungsproblemen zu tun hat, mit gewissem Humor erzählt ist, aber in der Sache hart ohne dabei bitter zu sein – mit anderen Worten: so etwas wie Sentimental Value, harhar.

Das ist natürlich fast Ragebait. Andererseits ist es schon wieder so übertrieben “offensive” von Chalamet zu behaupten, niemand interessiere sich mehr für Oper und Ballett, dass ich darüber lachen musste und wie gesagt, mir ist sowas lieber, als wenn Schauspieler ihre geopolitischen Einlassungen von Stapel lassen. Die mit den Katzen ist übrigens Jessie Buckley, sie hat ihrem Freund das Ultimatium gestellt: Ich oder die Katzen.

Was in den nächsten Tagen in der Bubble auch noch diskutiert wird: Geht der Oscar an Menschen, für das beste Schauspiel oder für das meiste Schauspiel. Oft ist es eher letzteres, deshalb wird Sentimental Value wohl auch leer ausgehen.

Sunday

Heute war der Tag, an dem ich die Liegestuhl-Saison eröffnet habe. Natürlich noch mit Legging und Weste, zeitweise auch noch mit Jacke darüber, sah sicher sehr belämmert aus, aber egal.

Blick in die noch sehr kahle Landschaft harhar.

Bald werde ich 50 und es ist wohl Zeit, einen Baum zu pflanzen. Voriges Jahr ist ja der Marillenbaum eingegangen und musste gefällt werden. Zuerst dachte ich, ich würde ihn nicht ersetzen wollen. Aber manchmal dauert es eine Weile bis man merkt, dass etwas fehlt. Keine Ahung, *wie* man einen Baum pflanzt und worauf man da achten muss – der alte Baum wurde eingesetzt, als ich so sieben Jahre alt war, ich sah damals mit meiner Volksschulfreundin zu – und wie lange es dauert, bis man dann wirklich einen Schatten hat. Bis zur Pension geht es sich vielleicht aus, harhar. Ich denke darüber nach.

Ach ja und das Buch Vladimir habe ich vor einigen Jahren schon mal gelesen, konnte mich aber null an den Inhalt erinnern (meine geheime Superkraft, ich vergesse die Handlung von manchen Büchern sofort wieder). Basically geht es um eine Literaturprofessorin, die eine gewisse Besessenheit für einen “jungen” Kollegen, naja, eh auch schon 40, harhar, entwicklt. Läuft jetzt als Serie auf Netflix und ich überlege, eine Kolumne über die Serie zu schreiben, die ich dafür aber erst anschauen muss. Das Buch habe ich jedenfalls heute fertiggelesen und ich fand es ur toll.

Am Abend noch etwas über das schwedische Melodifestivalen gelesen, das gestern ihren ESC Act gekürt hat und bitte die ORF Redakteurin, die auf das italienische Musikfestival referenziert hat, schreibt jetzt 50 Mal zu ewigen Erinnerung: “San Remo ist kein ESC Vorentscheid.” Okay? Harhar.

So genug Klugscheißerei. Noch ein Filmpodcast und Gedanken an jemand, von dem ich sofort wusste, dass er fehlen wird. Trotzdem sind es schöne Gedanken.

Vier kleine Dinge

Nadines neuer Blogeintrag Vier kleine Dinge haben mich gleich inspiriert, auch darüber nachzudenken. Über Dinge nämlich, die einem im Alltag Freude machen.

Hier meine vier:

Zuerst ist mir das Essen mit meinem Kind eingefallen. Gerade jetzt, wo er erwachsen ist und wir gerade nicht so viel Zeit miteinander verbringen, ist dieser Punkt sehr wichtig geworden. Weil wir essen beide sehr gerne, derzeit oft Piccata Milanese, sein Lieblingessen von mir. Wir kochen dann zusammen oder, wenn er in der Schule ist, versuche ich es so zu timen, dass das Essen genau dann fertig ist, wenn er zur Türe hereinkommt. Und dann quatschen wir über seinen Tag und meinen und er bringt ein Thema auf, wo er weiß, dass es mich aufregt (harhar) oder fragt mich tatsächlich auch um meinen Ratschlag oder meine Ideen zu etwas O Ton: Das Einzige, wo ich nie auf dich hören werde ist, welche Jacke ich anziehen soll.

Sehr gerne komme ich meist Freitagabend in mein Haus, derzeit ist es oft schon dunkel bzw. die Solarleuchten im Garten haben sich eingeschaltet. Ich esse zu Abend, meine Mutter ist manchmal da, dann reden wir, sie lebt unten. Dann gehe ich hinauf in meinen Stock, den ich nach und nach so eingerichtet habe, wie ich wollte, mit Bücherregalen und Sofa, Fotolichterkette, Filmplakaten und vielen Pölstern und Decken und anderem Zeugs, auch so kleines Krimskrams, über das Chandler in Friends einmal sagte, dass das Frauen so lieben, “The tiny little box, that’s too small to put anything in”. Und da fühle ich mich dann sehr wohl, und habe Zeit und Ruhe zum Lesen und Schreiben und Nachdenken.

Den nächsten Punkt muss ich “leider” von Nadine übernehmen, nämlich die Dunkelheit, bevor ein Film im Kino beginnt. Das liebe ich auch so sehr. Weil es einen aus der Welt reißt und in eine ganz andere katapultiert. Egal ob man gestresst, zerstreut oder auch einmal niedergeschlagen im Kino ankommt, ob einen etwas belastet oder ob man einfach nur in totaler Vorfreude auf den Film ist – was bei mir auch oft der Fall ist – in einem Kinosaal kann man mal zwei, zweieinhalb Stunden an nichts anderes denken als eben das, man ist so in dem Moment, alles andere bleibt außen vor. Und das ist tatsächlich ein Vorteil zu Netflix und Co (was ich natürlich auch ab und zu schaue), man katapultiert sich bewusst aus seinem Leben hinaus. Und nachdem mir sehr oft gesagt wurde, ich lebe in einer Traumwelt, passt das hervorragend harhar.

Und als viertes kurz und bündig: Abendsonnenlicht, dass sie in den Fensterscheiben schöner, alter Häuser spiegelt.

Frühstück Das Hegel

Heute waren L. und ich im halbwegs neueröffneten Cafe/Restaurant Das Hegel frühstücken.

Es wurde mir irgendwie in meine timeline gespült (unbezahlte Werbung), wir haben übermotiviert reserviert, aber der Andrang war eher überschaubar *hüstel*. Das Hegel liegt gleich neben dem Stadtpark, auch in der Nähe der entsprechenden Ubahn Station, was ich aber wieder ignoriert habe, und zuerst irgendwo beim Gartenbaukino gesucht habe. War aber dann trotzdem immer noch zehn Minuten zu früh.

Zu Unrecht übrigens eher wenig los, denn das Lachsfrühstück, das wir beide ausgewählt haben, war wirklich sehr gut und das Heißgetränk ist im Preis schon inkludiert, was man wissen sollte (wer lesen kann ist klar im Vorteil, harhar), denn sonst wirkt es vielleicht etwas teuer. Wie man sieht, ein sehr bunter und gesunder Teller, neben Lachs und weichem Ei noch Avocado, Tomaten, Käse, Weintrauben (!), die ich zuerst mit Oliven verwechselt habe und Ruccola. Und dazu eben Cappuccino. Mhmm, wirklich sehr gut.

Danach waren wir noch im Stadtpark, sind in der Sonne gesessen und haben geplaudert, unter anderem über die nahenden Maturabälle unserer Kinder. Ich musste auch daran denken, wie wir vor fast vier Jahren schon mal dort gesessen sind und es war der letzte Tag eines anderen Lebens, was ich damals aber nicht wusste. Wie viel hat sich seitdem verändert und wie viel gar nicht. Ich bin glücklich, meine Erinnerungen an dieses Leben zu haben und das Schreiben.

Guten Start ins Wochenende.

qwien, Teil 1

Ich heute im qwien (sprich: Queen)

Jeder Ausstellungsbesucher muss ein Foto vor diesem Spiegel machen, sonst war er gar nicht dort, harhar.

Eigentlich könnte hier auch ein Selfie mit Marco Schreuder und mir gepostet werden. Dazu hätte ich ihn aber darum bitten müssen, und dafür war ich leider zu überfordert.

Marco Schreuder ist Kurator der Ausstellung United by Queerness und einer der Moderatoren des ESC Podcasts Merci Cherie – und war auch mal Politiker. Wir kannten uns noch nicht persönlich, haben uns aber öfter mal geschrieben und ich war ziemlich überrascht, als er plötzlich vor mir stand und fragte: “Du bist doch Heidi oder?” Harhar. Habe ihm gleich zur tollen Ausstellung gratuliert. Er hatte dann direkt auch noch ein Interview ebendort und hat mich zum Abschied umarmt und geküsst und meinte, schön, dass wir uns mal gesehen haben und das fand ich ur lieb.

ESC, die Elemente

Am Wochenende war nicht nur San Remo, auch der deutsche Vorentscheid für den ESC, der den etwas brachialen Titel “Das deutsche Finale” trägt. Ich habe ihn ein bisschen parallel geschaut.

Gewonnen hat dann jedenfalls Sarah Engels, die früher Sarah Lombardi hieß und ich kam mir ein bisschen vor wie mein Vater früher, als ich nachfragen musste. Dann bekam ich die Antwort, ja die war verheiratet mit mit Pietro Lombardi. Okay. Und wer ist das? Harhar. Jedenfalls ist ihr Song ein bisschen, ich würde es so formulieren: Unüberraschend. Und er heißt Fire.

Darüber habe ich länger nachgedacht, weil ich den Eindruck hatte, dass es in der letzten Zeit quasi jedes Jahr einen Song beim ESC gab, der was mit Feuer zu tun hat. Und ich hatte unrecht. Manchmal gibt es pro Jahr auch zwei Songs, harhar. Letztes Jahr zum Beispiel Lighter und ein Feuer verbirgt sich auch hinter Zjerm (albanisch für Feuer). Dann hatten wir natürlich Fuego, mit dem der heurige deutsche Titel stilistisch auch oft verglichen wird, wir hatten On Fire, Fulen (Funke), es gab Firefighter, Start a Fire, Pali Si (Fire of Love) oder auch Embers (Glut).

Seltener werden übrigens andere Elemente besungen, wie Water, River, Voda (auch Wasser), Waterline oder Walk on Water und Watergun. Ein bisschen was zum Wind gibt es auch, wie Storm (gleich zwei Jahre hintereinander), Silent Storm oder auch Calm After the Storm und – im Gegenteil – Hurricane. Das ist mal eine Recherche, was? Harhar. Zu Storm von Estland 2019 ist mir dann die Sendung Songcheck eingefallen, die es leider nicht mehr gibt. Da wurden alle Songs mit Liebe und auch bisschen Ironie analysiert. Über Storm hieß es eben: “IDM mit Country Anleihen, da kriege ich immer so eine Kreuzallergie” und auch: “Er hat diverse Floskeln zur stürmischen See auf Lager.”

Und dann hatte ich nostalgische fünf Minuten und habe der Songcheck Moderatorin Alina Stiegler geschrieben und wir haben uns über die Sendung ausgetauscht:

Finde es wichtig, Menschen zu sagen, wenn es einem etwas bedeutet, was sie tun. Ihre Freude freut mich dann auch. Deshalb bringt den Songcheck zurück, damit wir solche Dinge wie die Rolle der Elemente beim ESC gemeinsam analysieren können.

Father Mother Sister Brother

Wie erwähnt, habe ich am Wochenende den jüngsten Film von Jim Jarmusch namens Father Mother Sister Brother gesehen, für den er voriges Jahr mit dem goldenen Löwen in Venedig ausgezeichnet wurde. Übrigens ein Jahr nach Pedro Almodovar und das Witzige ist, ich habe beide Regisseure in den letzten 30 Jahren quasi begleitet, ich kenne fast alle Filme von beiden.

Father Mother Sister Brother ist ein Triptychon oder anders gesagt ein dreiteiliger Episodenfilm. Im ersten Teil wird ein Vater von seinem erwachsenen Sohn und seiner Tochter besucht, im zweiten Teil eine Mutter von den Töchtern. Der dritte Teil schließlich zeigt ein Zwillingspaar, das nach dem Unfalltod ihrer Eltern deren Wohnung räumen muss und über “Familienverhältnisse” nachdenkt…

Menschen, die Geschichten mit einem klaren Anfang und Ende, mit einer Aussage oder einer “Botschaft” mögen, waren mit Jim Jarmusch immer schon ziemlich schlecht bedient, obwohl er mit den Jahren schon zugänglicher und auch erheblich kommerzieller geworden ist. Seine ersten Filme sind ja weitgehend dialog- und handlungslos. Es geht aber nach wie vor sehr viel um Stimmungen, um Ungesagtes, um Dinge, die zwischen Menschen passieren, ohne, dass man diese so richtig fassen kann.

So ist die erste Episode, nämlich Father, zugleich voller leisem Witz, aber auch ziemlich unangenehm für den Zuseher. Weil dauernd nach einer Möglichkeit zur Kommunikation, zu Anknüpfung gesucht wird, dies aber schmerzhaft ins Leere läuft. Zu verschieden scheinen der akkurate Sohn Jeff (herrlich Adam Driver), die etwas verkniffene Tochter Emily (Mayim Bialik) und der “Hippie” Vater (Tom Waits) zu sein. Der Vater lebt irgendwo in der Pampa in einem heruntergekommenen Haus, scheint kaum Geld, dafür aber ein Alkohol/Medikamentenproblem zu haben. Alle Beteiligten haben irgendwie das Gefühl, sie müssten sich treffen und eine Art von Beziehung haben, tatsächlich sehen sie aber den Zeitpunkt herbei, in dem sie wieder ihr eigenes Leben führen können, in dem die “family relations”, auf die Tom Waits einmal anstoßen will – Driver daraufhin: “Can you toast with tea?” – keine Rolle mehr spielen müssen. Schön ist, dass diese Episode am Ende einen sehr unerwarteten Twist hat.

Auch die zweite Episode Mother erzählt von Entfremdung, wenn auch die Mutter (Charlotte Rampling) hier die Wohlhabende, nämlich eine Bestsellerautorin ist. Obwohl sie und ihre Töchter Lilith (Vicky Krieps, ich liebe ihre rosa Haare!) und Timothea (Cate Blanchett) alle in Dublin leben, sehen sie sich nur einmal im Jahr und wissen im Grunde nichts voneinander. Oder wie die Mutter am Anfang ihrer Therapeutin am Telefon sagt, sie freue sich zwar, die Töchter zu treffen, aber sie sollen “nichts aufwühlen”. Was sie damit meint, darüber kann man nur spekulieren. Jedenfalls ist es ein Irrglaube, dass man sich mehr zu erzählen hat, wenn man sich sehr lange nicht sieht. Im Grunde bleiben da nämlich nur die großen Meilensteine des Lebens über, wie hier “Ich wurde befördert” – “Ich habe tausend neue Follower”. Die vielen kleinen Details, die ein Leben ausmachen, die Kämpfe im Alltag bleiben außen vor, die Geheimnisse sowieso.

Die dritte Episode erzählt (endlich) von einer guten Beziehung, die der Zwillinge Billy (Luka Sabbat) und Skye (Indya Moore). Aber da sind die Eltern eben gerade gestorben. Zynisch könnte man bemerken, dass ihr Fehlen mehr Harmonie erzeugt, als die Präsenz der Eltern in den vorigen Episoden. Aber auch hier gibt es Brüche und Leerstellen. Es gibt außerdem wiederkehrende Motive in allen Episoden, beispielsweise die Farbe rot, eine Uhr, eine rätselhafte Redewendung, aber was man als Zuschauerin daraus macht oder nicht, ist Jarmusch, denke ich, komplett wurscht, harhar.

Wie gesagt, es gibt kein Fazit, es gibt nur dieses Gefühl, das nachschwingt, das irgendwie mit eigenen Erfahrungen und Beobachtungen resoniert. Die Figur von Adam Driver spricht einmal die recht platte Weisheit aus, dass man sich Familie nicht aussuchen kann, und so banal es ist, es hat wie alles Konsequenzen und macht uns (auch) zu der Person, die wir sind.

März

Heute bin ich das erste Mal im Garten in der Sonne gesessen. Dabei habe ich mir San Remo Songs angehört, gestern war ja Finale, ich bin um Mitternacht eingeschlafen und da wars natürlich noch lange nicht aus. Habe mich sehr darüber amüsiert, wie man den Siegertitel von Sal da Vinci namens Per sempre sì in der Facebook ESC Gruppe beschrieben hat, nämlich als “1970-ziger Schmalz mit Heiratsschwindler Vibes”. Harhar. Das ist so treffend, da bin ich immer etwas neidisch, wenn mir so etwas geniales nicht einfällt. Jemand anderer meinte: Viel Spaß in Caorle 1981, auch hübsch.

Blick in den Garten am 1.März

Dabei gab es auch sehr viele sehr moderne Songs zur Auswahl, etwa mein diesjähriger Favorit vom Duo Fedez und Marco Masini: Male necessario, Pop mit soften Rap-Anteilen. Der Titel bedeutet so etwas wie “Notwendiges Übel”. Finde ich auch total interessant. Und im Song gehts dann ums Aufknallen auf dem Boden der Tatsachen in irgendeinem Hotelzimmer und man hat gleich tausend Bilder und Assoziationen im Kopf. Richtig schön melancholisch und kraftvoll.

Am späteren Nachmittag bin ich dann ins Kino gefahren und habe mir den neuen Jarmusch Father Mother Sister Brother angesehen. Beim Hinuntergehen der Währinger Straße sind mir viele Menschen mit Iran-Fahnen entgegen gekommen, anscheinend, wie ich nachgelesen habe, gab es eine Kundgebung am Heldenplatz. Es ging dabei aber sehr ruhig und zufrieden zu, eine angenehme Begegnung. Der Film war ein typischer Jarmusch, auch sehr angenehm und ruhig und wie immer bei ihm komplett unspektakulär. Muss man mögen und ich mag es seit 30 Jahren.

Votivkirche, so schön!

Den Abend mit Sonntagszeitungen und Korrekturlesen verbracht. Guter Sonntag.