almis personal blog

Bitteres Fest

Ein Jahr, in dem ein neuer Almodovar Film herauskommt ist ein gutes Jahr. Auch wenn die jeweiligen Filme unterschiedliche Grade an Brillianz aufweisen.

Heuer schenkt uns Pedro Bitteres Fest, einen Film, dessen Protagonist Raul (Leonardo Sbaraglia) ein berühmter Drehbuchautor, nach Jahren der fehlenden Inspiration, wieder schreibt. Er erzählt die Geschichte der ehemalige Filmemacherin Elsa (Barbara Lennie) die aufgrund von Erfolglosigkeit in die Werbebranche gewechselt ist. Ihr Verdienst ist gut, aber die Erfüllung fehlt ihr. Eines Tages beginnt Elsa, die noch um ihre Mutter trauert, ihr Umfeld als Inspiration zu erkennen und beginnt ein neues Drehbuch zu schreiben…

ACHTUNG SPOILER!!!

Klingt ein bisschen sperrig? Nun ja, Bitteres Fest ist – im Gegensatz zu Almodovar letztem, ziemlich straight erzählten (und ersten englischsprachigen) Werk The Room Next Door wieder ordentlich verschachtelt und voll von Subtexten, die aber dann nicht so mühelos und spielerisch ineinandergreifen, wie es im vorletzten Werk Parallele Mütter der Fall war. Aber das ist ja auch ein bisschen das Thema von Bitteres Fest, einen Autor zu zeigen, der Schwierigkeiten hat, einen kohärenten, mitreißenden und schlüssigen Text zustandezubringen. Form follows function sozusagen. Aber natürlich denkt man auch gleich an das wohl berühmteste (und IMO beste) Werk über einen scheiterenden Filmemacher – 8 1/2 von Federico Fellini. Fellini hat sich damals sehr überzeugend in den Surrealismus geflüchtet.

Bitteres Fest beginnt amüsant und reiht viele kleine interessante Szenen aneinander. Je länger der Film aber dauert, umso mehr sucht man den roten Faden, das sogenannte große Ganze. Hier wird so viel erzählt, das augenscheinlich wenig Einfluss auf die “Haupthandlung” hat, das hat mich, ich gebe es zu, ein bisschen nervös gemacht. Am besten zeigt sich das an der von Raul ausgedachten des Figur Bonifacio (Patrick Criado), dem Lebensgefährt von Elsa, Feuerwehrmann und zugleich Stripper – wir verfolgen eine ziemlich lange Szene in einem Club und erleben Bonifacio in “Aktion”. Doch nachdem Bonifacio in der ersten Hälfte des Films eine große Rolle gespielt hat, nicht zuletzt auch als emotionale Unterstützung für Elsa, verschwindet er plötzlich ohne weitere Erklärung und tritt nur noch als (lästiger) Anrufer und als Name auf ihrem Handy in Erscheinung.

In den letzten (und meines Erachtens besten) 20 Minuten des Filmes, in denen es um den Schreibprozess von Raul geht, wirft Rauls Assistentin Monica ihm genau das vor, dass er Bonifacio im Film wie eine Hauptfigur einführt und dann einfach auf ihn vergisst. Sie zieht Parallelen zu Rauls Lebensgefährten Santi, der immer für Raul da ist, aber irgendwann seine Aufmerksamkeit verloren hat. Das sei, so Monica weiter, ganz typisch für Raul, den Menschen nur eine gewisse Zeit interessieren, nämlich so lange, wie sie ihm nützlich sind: vor allem als Inspiration für Charaktere in seinen Werken. Ich gebe zu, da habe ich gelacht und mich auch ertappt gefühlt, weil ich mir eben die ganze Zeit über gedacht habe, wieso ist Bonifacio verschwunden. In einem herrlich amüsanten Moment der Selbsterkenntnis sagt Raul noch, es gäbe in seinem neuen Film zwei Szenen, wo die Musik die Zuseher einlullen soll und die Protagonisten dazu bringen, etwas in ihrem Leben zu ändern. Nachsatz: Das habe ich zwar schon in anderen Filmen gemacht, aber es funktioniert halt so gut. Harhar.

Fazit: Kein Hauptwerk von Almodovar, aber wenn man seine Art, zu denken und Filme zu machen, mag, wird man auch mit Bitteres Fest seine Freude haben.

Fancy Friday

Heute ging es gleich weiter mit dem dolce vita.

Nachdem das Kind und ich uns nicht mehr dauernd sehen, hatten wir heute mal ein richtiges Treffen ausgemacht. Ja so ist das mit erwachsenen Kindern. Ich will ja nicht dauernd Werbung für meinen noch nicht ganz fertigen Roman machen (harhar), aber da gibt es eine Passage, in dem die Protagonistin mit ihrem kleinen Kind Eistee trinken geht und sich vorstellt, wie das dann in 15 Jahren ist. Naja, und jetzt bin ich also in die Mutter nach 15 Jahren. Und es ist toll.

Das Kind holte mich mit dem Auto ab und wir fuhren ins Donauzentrum und gingen ins Olive (unbezahlte Werbung). Sieht eigentlich aus wie eine normale Pizzeria, aber:

Er hatte ein Schnitzel paniert, vom Rind (!) und es war soo gut und exquisit, wirklich. Ich hatte Spaghetti Milanese – mit Champions, Karotten, Schinken, Kräuter, Parmesan – und das war auch hervorragend, also qualitativ wirklich etwas besonderes und auch reichlich. Wirklich empfehlenswert.

Vom Donauzentrum fuhren wir dann auf den Kahlenberg, genossen die Aussicht, diskutierten über die Bedeutung von verschiedenen Emojis, turns out: ich verwende emojis teilweise völlig falsch, und bestellten dann eine Eisschokolade – dort übrigens ohne Vanilleeis, wie betont wird; eben wie heiße Schokolade nur kalt. Ich war ja skeptisch, aber auch das hat super geschmeckt.

Im Hintergrund die nette Kirche vom Kahlenberg

Kunstfoto von meinem Sohn:

Damit könnte man Werbung machen

Da hab ich mir dann gedacht, ich komme ja weitgehend ohne Luxus aus (Autos, Urlaube, Schmuck, elektronische Geräte you name it) – aber was ich wirklich gerne habe ist gut essen und trinken und dabei schöne Unterhaltungen zu führen.

War wirklich ein toller Nachmittag!

Frühstück im Garten

Es ist August und somit ist es endlich wieder einmal soweit, M. war zu Besuch und ein Garten-Frühstück stand auf dem Programm. Und dieses wird natürlich so streng analysiert, wie die sonstigen Auswärts-Frühstücke harhar.

Es gab Kornspitz, Croissant, Semmel, Käsewurst, Gouda, Schinken, Tomaten, Erdbeeren, Marmalade, weiches Ei und natürlich Kaffee, Wasser und Orangensaft. Gute Auswahl.

Geschirr: Das meiste aus der H&M Home Kollektion. Unbezahlte Werbung harhar, aber ich liebe die Sachen dort.

Dazu: Fünf Stunden Gespräche über den Sommer, Urlaube, die Kinder, das Leben an sich

Dazwischen: Eine Stunde im Pool.

Herrlich wars!

Direkt danach kamen “meine Kids” und wir waren nochmal eine Stunde im Pool, es gab eisgekühltes Red Bull in diversen Geschmacksrichtungen (die Bereitstellung derer ist meine love language harhar)

Und am Ende vom Tag hab ich mir gedacht, M. kenne ich über 30 Jahre, dafür bin ich sehr dankbar. Jahre, in denen viele Menschen gekommen und wieder gegangen sind. Über manche Abschiede kommt man kaum hinweg. Aber es kommen auch neue Menschen, wie “meine Kids” und es ist so schön mit ihnen.

Lets talk about feelings

Nach Allegro Pastell von Leif Randt, den Roman und Film, über die ich erst unlängst geschrieben habe, habe ich nun auch das Nachfolgewerk gelesen, das da heißt Let’s Talk About Feelings. Im Mittelpunkt steht hier Marian, 41 Jahre, Besitzer eine Designboutique, dessen Mutter gerade gestorben ist und der dieses Ereignis quasi zum Anlass nimmt, sein Leben zu überdenken. Naja, ein bisschen zumindest.

Ein bisschen braucht man im Übrigen auch, um das neueste Werk von Randt hineinzukommen. Denn obwohl es zuerst um den Abschied von der eigenen Mutter geht, also ein fundamental emotionales Erlebnis im Leben der meisten Menschen, ist hier trotzdem die Trauerrede, die Marian vom Tablet abliest, irgendwie wichtiger, Marian, der sagt: “Im Alter von einundvierzig Jahren kann ich sagen, dass ich die meiste Zeit trotz diverser Irriationen ein Fan meiner Mutter geblieben bin”1 Und obwohl das Buch ja sogar im Titel hat, dass man über Gefühle reden will/soll/muss, ist das vorrangige Gefühl anfangs hier vor allem eine gewisse Langweile und Unentschlossenheit.

Leif Randt schreibt aber auch hier wieder häufig extrem gute Sätze. Zum Beispiel: “Es gab letztlich an den unmittelbar bevorstehenden Monaten nichts schönzureden. Alles würde beschwerlicher und düsterer werden, das Aufstehen, das Einkaufengehen, das Sich-Motivieren, man würde sich gebeugt über feuchte Straßen bewegen, und das Gefühl haben, dass es mehr darum ging, eine Zeit zu überstehen als eine Zeit zu erleben.” 2 Oder: “Im Anschluss kehrten sie zum Essen in der obersten Etage der Galerie Kaufhof ein. (…) Ich kann mir kein schöneres Lokal am Montagmittag vorstellen”, sagte Marian.”3 Und ich kann das richtig gut nachvollziehen, Lokale für bestimmte Zeiten und Wochentage. Randt ist immer noch ein feiner und aufmerksamer Beobachter der ein bisschen wohlstandsverwahrlosten Subgruppe seiner Generation.

Aber die Geschichte selbst hat uns noch weniger zu sagen als Allegro Pastell. Marian ist ein unentschlossener Mensch, der halbwegs erfolgreich im Modebusiness arbeitet, immer unterstützt vom Geld seiner Mutter. Er nimmt ab und zu synthetische Drogen (das geht mir ur auf die Nerven, bitte du bist 40!), er reist an ziemlich außergewöhnliche Orte, er hat Affären und verliebt sich einmal sogar (so mittelmäßig). Aber nichts an ihm hat irgendwie wirklich Leidenschaft oder Dringlichkeit oder sonst einen Verve. Alles ist lau und ein bisschen wurscht, das finde ich schade, weil Randt so ein guter Erzähler ist, und dieses Talent hätte sich eine etwas aufregender Geschichte verdient.


  1. Leif Randt: Lets talk about Feelings, Seite 16. ↩︎
  2. Seite 99 ↩︎
  3. Seite 213 ↩︎

Reicht dann auch?

Nadine hat unlängst über das Sommer-Mitte Phänomen geschrieben und wie es ihr irgendwie schon reicht vom Sommer und seinen “Begleiterscheinungen”.

Ich habe tatsächlich in meinem Roman darüber geschrieben, wie froh die Protagonistin ist, als sie im August das erste mal den Herbst riecht, weil dieser Geruch sie erleicht. “Der Sommer, mit seinen unendlichen Möglichkeiten, von denen man immer die falsche wählte, liegt nun bald hinter mir.” Ich selber liebe an sich den Spätsommer/ Frühherbst auch am meisten.

Heuer ist es bei mir aber trotzdem noch nicht soweit, komischweise. Vielleicht bin ich auch nur noch einen Hitzetag von 39 Grad davon entfernt, harhar.

Neuer Tag, neuer Badeanzug oder die Momente, die mich für fehlendes 13. und 14. Gehalt entschädigen – arbeiten beim Pool

Vielleicht…

…weil es der erste Sommer seit 16 Jahren ist, wo im September nicht ein neues Kindergarten/Schuljahr beginnt, sondern etwas anderes, mit dem ich nur mehr am Rand zu tun habe.

…weil ich erstmals seit sieben Jahren wieder auf Urlaub war, und jetzt einen fast komplett unverplanten August vor mir habe, einfach gar keine Termine und keine dringenden Arbeitsdeadlines.

…weil ich mich besser fühle, als in den letzten Sommern, in meinem Haus, in meinem Garten, mit mir.

…weil es schön ist, ein erwachsenes Kind zu haben, mit dem Zeit verbringen kann, ohne, dass ich mehr Verantwortung habe. Ich bin jetzt mehr so ein Michael Caine in Batman Begins, gescheit reden aus dem Hintergrund harhar.

…weil ich im Moment viel Zeit zum Schreiben habe und das Gefühl, dass es irgendwie doch dem Ende zugeht, wovor ich auch immer etwas Angst hatte. Weil mein Roman sehr lange mein Rettungsanker war. Aber irgendwie habe ich jetzt das Gefühl, ich bin bald soweit, alles gesagt zu haben, was ich sagen wollte

Was darf Kunst?

Ja Hirsch und Danzer Aufregung, dies, das. Ich hab eh schon hundertmal über Rollenprosa und Kontext geschrieben. Aber dennoch etwas zu dem, was Verena Bogner auf fm4 zur Causa geschrieben hat. Vor allem ihr letzter Satz:

“Nicht jeder menschliche Abgrund muss in Songform erfoscht und vor einem Massenpublkukum wiedergegeben werden.” Und wenn wir diesen Satz sehr kritisch betrachten, klngt das fast ein bisschen totalitär.

Denn wer soll denn bestimmen, was erforscht und einem Massenpublikum zugemutet werden kann und was nicht. Der Staat? Die Zensurbehörde? Das Wahrheitsministerium? Ich würde nämlich sagen: Erstmal darf alles Thema sein. Denn jedes “umstrittene” Thema hat Menschen, die sich davon getriggert fühlen, das ist leider so. Das fängt ja nicht bei Pädophilie an, es gibt genug Menschen, die wahrscheinlich auch nichts über Abtreibungen und Fehlgeburten, Gewaltverbrechen und Missbrauch oder auch einfach nur von solch alltäglichen Katastrophen wie Trennung und Scheidung hören wollen. Und das ist auch völlig okay so.

Es kann aber nicht die Aufgabe von Kunst sein, jeden Trigger zu vermeiden. Nein, man muss sich nicht alles anhören, man muss schon gar nicht alles gut finden. Man darf sich selbst schützen. Es muss aber in einer freien Gesellschaft möglich sein, auch kontroversielle Dinge anzusprechen, vor allem in einem künstlerischen Kontext. Kunst hat nämlich auch immer die Aufgabe, umbequem zu sein, Fragen zu stellen und den Finger in die Wunde zu legen. Das kann unangenehm und anstrengend sein, manchmal auch ärgerlich sein. Ich finde auch nicht alles ur super.

Kunst ist aber kein Safe Space und keine Komfortzone und das sollte von ihr auch nicht verlangt werden, denn sonst schafft man sie ab.

Die Odyssee (zwei)

WEITERHIN SPOILER

Okay, wir waren bei Odysseus.

Auch wenn die Odyssee als Heldenreise gilt, ist Odysseus doch, wie schon kurz angesprochen, eher ein Antiheld. Das zeigt uns Christopher Nolan vor allem in einer Szene im brennenden Troja, die mich sehr an Oppenheimer erinnert hat. Nämlich in der Phase, als Oppenheimer sich denkt, das mit der Atombombe war vielleicht doch eine Scheißidee. Oppenheimer hat die Erfindung ja für sich so gerechtfertigt, dass die Bombe alle Kriege beenden werde. Und dann sagt ein Physikerkollege zu ihm: “Until someone builds a bigger bomb.” Ähnlich ist es hier bei Odysseus, der plötzlich im Moment seines Ruhmes denkt, was mache ich hier eigentlich, war es das wert, dass so viele Menschen sterben, was bin ich eigentlich für ein Monster. Einer der Gründe für seine lange Heimfahrt ist ja auch, dass er erst sein Kriegstrauma loswerden muss. Und Damon spielt diesen zerrissenen und verunsicherten, strauchelnden Odysseus wirklich sehr gut.

Nun zu meiner Lieblingsszene der verschiedenen Stationen, die durchlaufen werden und zwar die Szene bei den Sirenen. Da ist Odysseus noch obenauf, als ihm sein Vertrauter sagt, niemand hat sich dem Gesang der Sirenen gestellt und es überlebt, darauf Odyssseus: Sehr gut, dann werde ich der Erste sein. Der Mannschaft werden die Ohren mit Wachs verschlossen – uns als Kinopublikum übrigens auch, wenn auch ohne Wachs. Uns wird aber der Ton abgedreht und wir hören selbst nichts, sehen nur den am Schiffsmast festgebundenen Odysseus, wie er schreit und sich windet und fast wahnsinnig wird. Als er nachher von seinem Vertrauten gefragt wird, wie er die Gesänge beschreiben würde bzw. was ihre zerstörerische Wirkung ist, sagt er die Gesänge führen uns vor Augen, was wir im Leben erreichen wollten und verpasst haben. Und, noch schlimmer, was wir hatten und liebten und was wir dann für immer verloren haben. Wie Damon das erzählt, da kriegt man wirklich Gänsehaut und kann das fast zu gut nachvollziehen.

Generell ist die Odyssee, wie praktisch alle Nolan Filme, Überwältigungskino mit einem sehr großen philosophischen Kern. Es werden Fragen des Lebens erläutert und das hat ja direkten Bezug auch zu Menschen im Jahr 2026. Schon einmal die erste Szene mit dem trojanischen Pferd, in dem sich Odysseus und seine Männer verstecken. Sinon, ein Mann seiner Mannschaft, soll das Pferd den Trojanern schenken, er weiß aber selbst nicht, dass die Soldaten im Schiffsbauch versteckt sind. Er wird dabei getötet und als Odysseus bei seinem Besuch im Hades Sinon wiedertrifft, fragt ihn Sinon wieso er ihn belogen hat. Worauf Odysseus sinngemäß sagt, wenn er die Wahrheit gewusst hätte, wäre er nicht so überzeugend gewesen. Und das wirft natürlich diese “Der Zweck heiligt die Mittel” Frage auf. Ist eine Lüge gerechferigt und wann? Ist es gerechtfertigt, eine Person zu opfern, um viele zu retten? Fragen, auf die es keine einfache Antwort gibt.

Und Die Odyssee stellt uns, bei aller Bildgewalt und Action, noch einige ähnliche Fragen, nach unserem Ego, nach unserem Mitgefühl, generell nach unseren Gedanken. Weil Nolan dem Look nach Blockbuster Kino macht, allerdings old school an echten Orten, mit echten Bauten, mit ganz wenig CGI, inhaltlich aber Arthouse, er ist ein Auteur.

Die Odyssee für mich wider Erwarten ein erneut großartiger Nolan Film. Unbedingte Empfehlung.

Die Odyssee (eins)

Ja nun. Also Christopher Nolan hat sich diesmal einfach mal daran gemacht, Die Odyssee nach Homer zu verfilmen. Eine schreckliche Idee, meiner Meinung nach, meisterhaft ausgeführt.

Worum es geht, weiß eh jeder so ungefähr: Odysseus (Matt Damon) begibt sich nach Endes des zehnjährigen trojanischen Krieges, den er zwar gewonnen, aber alle seine Männer verloren hat, auf die Heimreise, was dann immerhin auch wieder zehn Jahre dauert. Inzwischen gelingt es seiner Frau Penelope (Anne Hathaway) kaum noch, sich vor dutzenden Freiern zu retten, die sich an ihrem Hof eingenistet haben und sie aus Gründen des Machtstrebens heiraten wollen. Der grindigste unter ihnen ist wahrscheinlich Antinous (Robert Pattinson). Penelopes Sohn Telemachos (Tom Holland) macht sich deswegen seinerseits auf die Suche nach Informationen über seinen Vater…

ACHTUNG SPOILER!!!

Christopher Nolan war bis vor kurzem dafür bekannt, sehr gegenwärtige Stoffe zu verfilmen und seinen Filmen einen eher futuristischen Look zu geben. Schon in seinem letzten Werk Oppenheimer hat er allerdings zurückgeschaut, wenn auch nur in die 1940er Jahre, diesmal geht er gleich ins 12. Jahrhundert vor Christus und gleichzeitig auch in eine Fabelwelt, was ich persönlich immer sehr kritisch sehe, weil es verfilmt oft so unglaublich peinlich sein kann. Wie Homer selbst ist Nolan ein Fan des gepflegten nicht-linearen Erzählens, aber im Gegensatz zu Mindfuck Filmen wie Inception oder Memento ist es hier nicht schwer, dennoch der Handlung folgen zu können.

Den Kern der Odyssee bilden die verschiedenen Abenteuer und Prüfungen, die Odysseus und seine Männer auf der Irrfahrt erleben und die Nolan, man muss es so sagen, vor allem visuell einfach sehr beeindruckend umsetzt. Gleich am Anfang trifft Odysseus eine unglaubliche Fehlentscheidung – der noch weitere folgen werden: er und seine Männer landen in der Höhle von Polyphem, dem einäugigen Riesen, Sohn des Poseidon. Und hier könnte so viel schieflaufen, gerade in der Darstellung dieses Polyphem, es könnte so lächerlich sein, wie Polyphem ja auch einigen der Männer dann gleich mal den Kopf abbeißt, wie ein schlechter Comic. Aber was ist? Es funktioniert und wirkt im Gegenteil extrem bedrohlich. Einen pointierten Moment hat diese Szene aber auch, als die Männer nach einiger Zeit draufkommen, dass Polyphem sprechen kann (folglich sie vielleicht mit ihm verhandeln hätte können), fragt einer Odysseus, wieso Polyphem vorher nicht gesprochen hat. Und Odysseus daraufhin: Reden wir mit Ameisen? Harhar.

Über meine Lieblingsszene bei der Abarbeitung der Stationen schreibe ich morgen (bleibt dran!), heute stattdessen noch etwas zur Besetzung, die ja teilweise kontrovers diskutiert wurde, weil die schöne Helena hier ja von einer schwarzen Darstellerin, nämlich Lupita Nyong’o dargestellt wird. Das hat mich an sich nicht so gestört, weil künstlerische Freiheit und so. Ich persönlich glaube auch nicht, dass Nolan das aus Gründen der DEI gemacht hat, ich empfinde ihn nicht als “woken” Regisseur – bei Corona war er ja schon fast ein “Leugner”; warum er sich so entschieden hat, weiß ich allerdings auch nicht. Im Prinzip ist es aber wirklich ziemlich wurscht, denn Helena kommt in diesem 172 Minuten Film vielleicht insgesamt drei Minuten vor.

Aus der restlichen Besetzung sticht für mich neben dem grauenhafen Antinous (Pattinson) vor allem Matt Damon hervor, den ja viele im Vorfeld nicht gerade als griechischen Helden par exellence gesehen haben und der in vielen Filmen auch eher unscheinbar agiert, fand ich hier wirklich sehr gut. Auch weil er eine gewisse Art von Antiheld ist und das liegt ihm gut. Was ich damit meine?

To be continued…

Dienstag

Gestern wurde Wien von der UNESCO roten Liste gefährdetes Weltkulturerbe gestrichen, auf der sie wegen des Projekts beim Heumarkt seit mehreren Jahren waren. Warum das vielleicht keine ausschließlich positive Nachricht ist, haben 50 Fachleute in einem offenen Brief beschrieben, der im ersten ORF- Bericht noch verlinkt war, was ich sehr wichtig fand. Im zweiten Bericht dann nicht mehr.

Auf meine dementsprechende Frage an die Redaktion, wurde mir heute zuerst mitgeteilt, dass der ORF einer gesetzlichen Längenbegrenzung unterliegt. Ähm, einen Link kann man doch einfach unter jeden Text drunterlegen, was hat das mit Länge zu tun. Und wieso werden dann andere Links ergänzt? Ich mein ehrlich, halten die uns alle für deppert?? Wollte schon pampert antworten, habe dann aber etwas später noch eine weitere Mail erhalten, in dem mir geschrieben wurde, der Link ist jetzt wieder drinnen. Noch mal die Kurve gekratzt. Falls jemand nachlesen will, hier der Artikel (mit Link zum offenen Brief).

Vom nochmal abgewendeten Ärger über den ORF direkt zum Ärger auf die Stadt Wien

Lets agree to disagree

Ja ich weiß, Bauarbeiten sind notwendig. Aber zwei Monate? Und überall in der Stadt gleichzeitig? Den ganzen Sommer lang? Wenn man mit der U6 fährt, muss man derzeit den Weg von der Volksoper bis zum Votivkino zu Fuß zurücklegen. Das kann ich, mache ich auch sonst häufig, zumindest abwärts, aber das gilt ja nicht für alle Menschen.

Gleisbauarbeiten auf der Währingerstraße, die gleich sieben Straßenbahnlinien lahmlegen

Dann war es aber endlich soweit und ich habe Die Odyssee gesehen. Übrigens englisch mit deutschen Untertitel und quasi erstmals in der Geschichte ist die deutsche Synchro vielleicht seriöser als das Original, denn hier hört man in der Adaption von Homers Epos Sätze wie “What about your daddy” und “Get the fuck out of here” Harhar. Aber was soll ich sagen? Die Geschichte interessiert mich an sich wirklich null, (harhar) aber Nolan gelingt es ein weiteres Mal, und da war ich diesmal wirklich sehr skeptisch, dass ich nach 30 Minuten komplett fasziniert und total dabei bin.

Doch noch ein sehr schöner Tagesabschluss. Mehr zum Film dann bald.