almis personal blog

Violeta

Wenn ein Autor, eine Autorin ein großes Euvre hat und man bisher noch nichts davon gelesen, dann ist oft die Frage, womit fängt man an, um quasi die “Essenz” zu verstehen? Was Isabel Allende betrifft, wurde mir schon vor einiger der Roman Violeta geborgt und so habe ich diesen, der 2022 erschienen ist, erst kürzlich als ersten Roman von ihr gelesen, was wahrscheinlich nicht die beste Idee war. Dieses Werk hatte, wie ich jetzt im Nachhinein erfahre, sehr gemischte Reaktionen und das ist auch das, was ich am Ende empfunden hat, eine doch beträchtliche Ambivalenz, obwohl ich ihren Schreibstil an sich mochte.

In diesem Roman erzählt die bald 100 jährige Violeta del Valle, erfolgreiche Unternehmerin und selbsternannte Feministin, ihrem Enkelsohn Camillo die Geschichte ihres Lebens, das zu Zeiten der spanischen Grippe in einem unbekannten südamerikanischen Land (das Chile ähnelt) begann und quasi zu Corona endete, was ja recht charmant ist, so als dramaturgische Klammer. Diese Parallele beschreibt aber schon auch sehr gut, wie es mir beim Lesen gegangen ist. So gefährlich wie die spanische Grippe war, so mitreißend und inspiriert beginnt das Buch, so interessant finde ich die ersten, sagen wir, 150 Seiten, es geht um etwas, es ist spannend. Im Vergleich dazu ist Corona ziemlich lauwarm und so fühlte mich mich auch am Ende dieses Buches.

Spoiler!!

Denn was am Anfang interessant ist, die skurille Familie, die vielen merkwürdigen Menschen, denen Violeta begegnet, die irgendwo zwischen Idealismus und Kriminal, zwischen Kapitalismus und Esoterik stehen, die sind anfangs erfrischend. Ihr erster Mann Fabian, den sie gegen ihr Bauchgefühl heiratet, aber bald für Julian verlässt, einem windigen Piloten, von dem sie außer sexueller Erfüllung nichts erwarten kann, das läuft sich in den unendlichen Wiederholungen irgendwann tot. Violeta entgleiten gar beide Kinder – der Sohn in die Ideologie, die Tochter in die Drogensucht – letztendlich versucht sie eine Rettung, aber es ist halt alles sehr viel Drama und blinder Aktionismus, und ich finde, sie stellt immer sich selbst in den Mittelpunkt, nicht andere Menschen, auch wenn sie das vorgibt. Es findet wenig psychologische Analyse statt, wieso es soweit kam, dass sie zu den Kindern nie eine wirkliche Verbindung aufbauen konnte. Violeta generiert sich immer irgendwo zwischen Versager- und Märtyererin und auch wenn ich Antihelden mag, das nervt mich.

Bezeichnend ist dafür der Tod der Tochter Nieves, die sie während ihrer ungeplanten Schwangerschaft unterstützt. Nieves geht für ihr ungeborenes Kind durch einen Entzug und Violeta ist während dieser Zeit an ihrer Seite und betreut sie in Los Angeles (!). Violeta gibt ihr eigenes Leben eine zeitlang auf, erzählt sie doch mit einigem Stolz, um für ihre Tochter da zu sein. Aber ein Lover geht sich nebenbei doch noch aus harhar. Als das Baby schließlich als Notfall geboren wird, stellt sich heraus, dass Nieves an Eklampsie erkrankt war, sie verstirbt unmittelbar nach der Geburt. Eklampsie ist bis heute eine gefährliche Schwangerschaftskomplikation, die aber beherrschbar ist und schon in den 1960er Jahren war, wie ich recherchierte, speziell an einem Ort wie Kalifornien. Und das ist irgendwie bezeichend für die Figur der Violeta, die sich immer wieder rühmt, wie beruflich erfolgreich sie war, wie wohlhabend, wie fortschrittlich: Warum hat sie ihre Tochter nicht besser medizinisch betreuen lassen, Stichwort Vorsorgeuntersuchung? Gerade mit der Vorgeschichte als Suchtkranke. Eine Früherkennung hätte ihr vielleicht das Leben gerettet. Aber das ist typisch Violeta: “too late, too little”.

Zuweilen versorgt uns Violeta mit Paolo Coehlo-artigen Weisheiten a la “Der Weg entsteht im Gehen” oder “Wir kriegen nichts geschenkt, wir müssen es uns nehmen und gut darauf aufpassen, sonst wird es uns wieder gestohlen.” Was aber einige Rezensenten und vor allem auch -innen beklagen, dass Allende hier die Sexualität einer über 80 jährigen beschreibt, ihre hängenden Brüste, das finde ich ziemlich kleinkariert, auch wenn die Rezensenten nichts davon hören mögen: überprüft mal euer Frauenbild im Jahr 2026. Das ist nicht das Problem des Romans, dass Violeta bis ins hohe Alter sexuelle Beziehungen hat. Der Roman hat genug andere Schwächen, harhar.

Fazit: Mitreißend angefangen, leider stark nachgelassen. Vielleicht ist der Roman auch einfach nur zu lang. Der Fairness halber werde ich aber noch etwas anderes von Allende lesen.

Sowieso und überhaupt

Heute war ich bei der Pressevorstellung der Nöstlinger Dokumentation Sowieso und Überhaupt. Fast wäre ich zu spät ins Filmhaus gekommen, weil die S-Bahn, die an sich wieder bis zum Praterstern fährt, einfach fast 20 Minuten Verspätung hatte, ich sags euch.

Letztendlich ist es sich aber doch noch ausgegangen und ich konnte sogar noch ein Foto von mir machen – nein, das war am Rückweg.

Die Röcke werden länger und bald sind wieder Hosen angesagt, aber heute noch nicht

Ich weiß jetzt gar nicht, ob ich schon was dazu sagen darf, ein Embargo habe ich nicht unterschrieben, aber eines kann ich zumindest verraten, Christine Nöstlinger erzählt in diesem Film in einem Interview, dass sie, Jahrgang 1936, in der privilgierten Situation war, von ihren Eltern nicht geschlagen zu werden, was damals eher eine Seltenheit war.

Da habe ich mir gedacht, mein Papa, Jahrgang 1941, wurde auch nie geschlagen, meine Großeltern, bei denen ich dann ja auch zum Teil aufgewachsen bin, haben Gewalt immer komplett abgelehnt. Öfters hat mir meine Oma, Jahrgang 1919, die Geschichte erzählt, als sie in der Volksschule war und den Federstiel, mit dem damals geschrieben wurde, gespalten hat, weil sie krank war, als der richtige Umgang damit gelehrt worden war. Daraufhin hieß es trotzdem “Hände auf die Bank” und sie wurde mit dem Rohrstab ja, verdroschen. Sie hat das dann am Abend ihren Eltern gesagt, aber es war ja damals quasi “üblich” und viele Eltern fanden das auch okay so, dass Lehrer diese “Erziehungsmethoden” anwendeten. Nicht so ihr Vater, mein Urgroßvater. Der ging am nächsten Tag in die Schule, hatte sich extra einen Anzug angezogen, suchte den entsprechenden Lehrer auf und sagte ihm, wenn er bei meiner Oma nochmal den Rohrstab einsetzt, werde er ihn anzeigen. Und meine Oma war so gücklich und stolz auf ihren Papa, dass der einfach so in die Schule marschiert ist und sich das im Niederösterreich der 1920er Jahren getraut hat. Sie wurde tatsächlich nachher niemals wieder geschlagen.

Und auch wenn meine Familie so als gesamtes ähnlich kompliziert war, wie jede andere Familie, muss ich doch sagen, eine Gewaltradition gab es in direkter Linie nicht, wenn wir jetzt einmal von den Giftmördergeschichten in den Nebenlinien absehen hahar.

Wie schön ist der Himmel überm Spittelberg und der Spittelberg selber?

So, erfolgreich das Geheimnis um den Film bewahrt harhar, mehr dann bald bei Uncut.

Rabbit Hole

Letztens bin ich mal wieder das Rabbit Hole tragische Liebeslieder hinabgestiegen.

Direkter Anlass war, ich schreibe in meinem Langtext über den Song Smile like you mean it von den Killers. Dieser Song ist aus dem Jahr 2004 und Brandon Flowers hat ihn im Alter von 22 Jahren verfasst. Er verbreitet diese typische Killers Melancholie, die ich komischerweise liebe, dieses satte Las Vegas Gefühl, die kuriose Depression, kaum dass man erwachsen geworden ist, wenn man erkennt, dass man selbst auch einmal würde sterben müssen. Aber vor allem singt Flowers hier vom Abschied von der ersten Liebe: “And someone will drive her around, down the same streets that I did.” Und dann die Wiederholung des vermeintlich immer gleichen mit anderen, neuen Menschen, die vielleicht besser zu einem passen, vielleicht aber auch nicht.

Von dort kam ich zu Sinead O Connor mit Nothing Compares 2 U: “It’s been seven hours and fifteen days. Since you took your love away”, stellt sie fest. Und, dass der Arzt, den sie aus Kummer aufsuchte ihr rät: “Girl you better try to have fun no matter what you do.” Eh kein so schlechter Tipp. Doch Sinead oder genaugenommen Prince schlussfolgerte über diesen Arzt: “He’s a fool.”

Danach sah ich ein Video von Roxette, wo Marie Fredriksson im weniger bekannten, aber sehr schönen Song Anyone singt: “Everything more or less appears so meaningless. Blue and cold. Walking alone through the afternoon traffic. I miss you so.” Und in dem Video geht Frederiksson ins Meer, aber nicht aus den guten Gründen und heutzutage würden solche Videos wahrscheinlich gar nicht mehr produziert, und wenn, dann nicht mehr veröffentlicht werden, nicht mal mit Triggerwarnung, weil: kritischer Content.

Ich ging weiter zu Always von Bon Jovi, auch eine sehr arge Liebesgeschichte, nur ist das Video so dermaßen gaga, dass man ganz davon abgelenkt ist. Ich mein, wirklich alles, was die Protagonisten hier tun, ergibt keinen Sinn, ich habe darüber schon mal echt gut geschrieben, finde ich (hahar). Aber die Zeilen “This Romeo ist bleeding, but you can’t see his blood” sind super und auch “I ll be there till the stars don’t shine, till the heavens burst, an the words won’t rhyme” – ja hat Bon Jovi da einen leicht ironischen Unterton, bei allem Liebeskummer?

Und schlussendlich Dido, mit White Flag, die die, finde ich, sehr weisen Worte spricht: “I know you think that I shouldn’t still love you or tell you that. But if I didn’t say it, well I’d still have felt it. Where’s the sense in that?” So ist es, Dido. Dafür habe ich ja meinen Blog, harhar.

Vorbereitung

Diese Woche steht die Pressevorstellung für die neue Christine Nöstlinger Doku Sowieso und Überhaupt auf dem Programm, benannt nach einem ihrer erfolgsreichsten Romane, den ich selbstverständlich mehrfach gelesen habe, wie fast alle ihrer Bücher, oft im Bett, Schokolade essend, weshalb sic in einigen dieser Bücher möglicherweise ein paar Schokoladeflecken befinden *hüstel*.

Ich habe die Bücher wieder zusammengesucht, quasi als kleine Vorbereitung, aber bei weitem nicht alle gefunden, manche sind auch im Garten oder sonstwo versteckt, was natürlich für die grandiose Ordnung spricht, die ich halte, hier eine Auswahl:

Wer meint, das sind eh schon recht viele, ja eh, aber es fehlen trotzdem welche

Nöstlinger wäre im Oktober 90 Jahre alt geworden. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Doku, was das Publikumsinteresse betrifft, mit der Erfolgsdoku Favoriten von Ruth Beckermann mithalten kann, die ich auch zweimal gesehen habe. Sidestep: Beckermann selbst hat ebenfalls einen neuen Film am Start und dem prophezeihe ich jetzt keine neuen Besucherrekorde, denn 1) Ich verstehe den Titel nicht 2) Wenn man den Titel googelt, ist er metaphorisch 3) Das Plakat und die Film-Stills sind seltsam, 4) Der Trailer ist ur verwirrend 5) Jede einzelne Filmbeschreibung ist ebenfalls ur verwirrend – ich hätte gerne den Pitch für diesen Film gehört, weil offenbar kann man nicht so griffig klar machen, was eigentlich das Thema ist 6) Schauplatz ist Äthiopien. No offense, aber das ist halt was anderes als ja Favoriten.

Wie auch immer, ich habe Christine Nöstlinger sooo gerne gelesen. Noch lieber als ihre Kinderbücher – die ich dann meinem Kind vorgelesen habe – noch die Jugendbücher, und am allerliebsten hatte ich die Gretchen Sackmeier Trilogie, wo es um eben Gretchen, ihre dicke Familie (das war vor Body Positivity), ihre komplizierten Familienverhältnisse und ihre verkorksten Liebesbeziehungen zu dem Schnösel Florian und dem lieben Hinzel geht. Und natürlich entscheidet sich am Ende für Hinzel, Gott sei Dank war das in den 1980er Jahren, weil heute würde man Nöstlinger vorwerfen, sie betreibe “Broke Man Propaganda”, so einen Schwachsinn gab es damals glücklicherweise noch nicht. Ich habe dann selbst mit 14 einen Roman geschrieben, der ein bisschen davon “inspiriert” war.

Ich mochte an Nöstlingers Romanen, dass sie Probleme überhaupt nicht gescheut haben und immer wieder auch schwierige Themen aufgegriffen haben. Wie beispielsweise ziemlich oft die Scheidung der Eltern der Protagonisten (damals eher noch ein Tabuthema), Außenseitertum und Identitätssuche, Durchsetzung gegenüber Autoritäten, Durchsetzung auch gegenüber Ungerechtigkeit. Dabei waren die Bücher im Ton aber durchgehend humorvoll, blieben positiv und lebensbejahend, den Silberstreif am Horizont im Blick, und das ist etwas, was mir persönlich immer schon wichtig war, ich halte Probleme aus, aber so ein hoffnungsloser Miseryporn ist nichts für mich.

Insofern sehe ich mich als Nöstlinger Ultra schon als prädestiniert an, euch via Uncut dann über den Film berichten zu dürfen.

The Dog Stars

Der bald 89-jährige Ridley Scott, bekannt für Werke wie Blade Runner, Alien oder Gladiator, der oft einen recht pessimistischen Blick auf die Welt und die Menschheit hat, hat einen post-apokalyptischen Film gedreht, der sich The Dog Stars nennt, zu “deutsch”: Das Ende der Sterne, nach dem Titel der Buchvorlage.

Der Mechaniker Hig (Jacob Elordi), ansässig in Colorado, ist einer der Überlebenden einer großen Pandemie, sein Hund Jasper immer an seiner Seite. Er hat sich mit dem Ex-Marine Bangley (Josh Brolin) zusammengetan, obwohl die beiden praktisch nichts gemeinsam haben, sie sind eine Zweckgemeinschaft in einer Welt, in der es kaum mehr Hoffnung gibt. Als Hig bei seinen Erkundungsflügen ein Funksignal erhält, glaubt er, dass es anderswo vielleicht eine bessere Zukunft geben kann…

SPOILER MÖGLICH

Man sollte sich von diesem Plakat nicht täuschen lassen. Jacob Elordi als Hig, eine Idealbesetzung für einen jungen melancholischen Mann, der vom Schicksal gezeichnet ist, steht zwar im Vordergrund mit dem Gewehr, er schießt aber tatsächlich, glaub ich, nie in diesem Film. Das macht hauptsächlich Josh Brolin, weil dafür wurde er typ-gecastet. Harhar. Aber tatsächlich wird in diesem Film überhaupt eher wenig gekämpft. Die Sache ist nur die: Wie nach Corona (natürlich die viel harmlosere Krankheit) stehen sich auch hier nach dieser Pandemie die Menschen sehr vorsichtig bis feindlich gegenüber. In diesem Fall, weil die Ressourcen schrumpfen, weil das Hab und Gut erobert oder verteidigt werden muss, weil es kaum eine Zukunft zu geben scheint.

Das Schöne an diesem Film ist, er ist über weite Strecke extrem langsam, fast elegisch erzählt. Hig fliegt mit seiner Cessna herum, die Natur hat Territorium zurückerobert, es ist, wenn man so will, die ganz große Entschleunigung eingetreten. Leider auch die ganz große Hoffnungslosigkeit. Denn die Überlebenden existieren zwar, aber viele andere Menschen scheint es nicht mehr zu geben und auch keine wirkliche Zukunft. Für Bangley reicht das, er will einfach nur irgendwie weiter leben. Da kann man reflektieren, was macht Leben eigentlich aus? Warum hängt man daran, wenn man fast alles verloren hat? Ist es genug, die Grundbedürfnisse zu erfüllen und kaum etwas darüber hinaus zu erleben, nur einen gewissen Status quo zu erhalten? Hig beschließt nein, lieber etwas wagen, anstatt weiterhin mit dem grantigen Bangley in halbwegs (!) sicheren Verhältnissen zu leben.

Mit seiner Reise nimmt der Film im wahrsten Sinn des Wortes Fahrt auf, es kommt für Hig nach einer Bruchlandung zur Begegnung mit Cima (Margret Qualley, die hier find ich ihrer Mutter Andie Mac Dowell sehr ähnlich sieht und wie immer super ist) und Pops (Guy Pearce, den ich nie erkenne, auch wenn ich ihn gut finde) und dann erlebt man zu dritt ein paar gefährliche und auch ein bisschen abartige Abenteuer und das ist ziemlich unterhaltsam, auf so eine Endzeit Art und Weise. Die tatsächliche Action – und ich bin kein großer Action Fan – ist mitreißend inszeniert und sieht nicht nach CGI aus. Eine Szene, die der Drehbuchautor der Buchvorlage eigenmächtig hinzugefügt hat, ist surreal und skurill, ich würde sie in diesem sonst ziemlich geerdeten Film nicht missen wollen.

Und nochmal ein extra Spoiler: Ridley Scott hat eine neue Botschaft für uns, und zwar wider Erwarten eine hoffnungsvolle. Wenn wir uns mit anderen zusammentun, und seien sie noch so gegensätzlich, wenn wir die Barrieren (auch in uns selbst) überwinden, dann sind wir stärker als alleine und auch glücklicher. Und das ist in Zeiten wie diesen gar nicht mal so banal wie man denken könnte.

Die Woche

Wie immer im September endet einiges und anderes beginnt (wieder).

Es war vermutlich einer der letzten Outdoor-Arbeitswochen, also sowohl am Laptop als auch im Garten selbst. Noch einmal Rasen gemäht – ich schwöre, nächstes Jahr kaufe ich einen neuen, weil der jetzige fällt fast auseinander, und ich packe es auch nicht mehr lange, 20 Meter Kabel hinter mir herzuziehen harhar. Der Pool wurde ebenfalls nochmals gereinigt, weshalb ich drinnen war, noch 27 Grad, richtig angenehm und trotz wirklich ausgedehnter Hitzewellen immer noch glasklares Wasser.

Außerdem war ich im Kino und habe mir The Dog Stars angesehen.

Bild/Text Schere, mein Film wird hier gar nicht angezeigt

Die ganze Welt so: Naja. Ich so: Hey ich mag das. Ein Film von Ridley Scott, der in post-pandemischen, post-apokalyptischen Zeiten spielt, klingt zwar grauenhaft, ist es aber meines Erachtens (!) überhaupt nicht, im Gegenteil. Pia Reiser meinte im fm4 Filmpodcast, dass er sogar witzige Momente hat. Man darf nicht vergessen, es gibt in der Welt dieses Filmes fast keine Menschen mehr, es gibt natürlich keine Kinos, keine Unterhaltungsmedien, auch keine Erwerbsarbeit, und trotzdem, so Reiser, liegt da das 1000 Seiten (und über 300 Fußnoten) Buch Infinite Jest von David Foster Wallace quasi unberührt auf dem Tisch. Also selbst wenn man auf der Welt gar nichts mehr zu tun hat außer sich ab und an vor marodierenden Banden zu verteidigen, kommt man nicht drauf, zur Zerstreuung dieses Buch zu lesen, harhar. Mehr zum Film dann bald.

Und heute endlich wieder mit L. frühstücken – so schnell, aber auch langsam sind zwei Monate vergangen.

Zweimal Egg Benedict und Cappuccino im Joseph

Eigentlich wollten wir ja durch die Stadt bummeln und uns ein Frühstückscafe suchen, aber es hat so geschüttet, dass wir dann doch quasi bei Wien Mitte geblieben sind. Das Egg Benedict war ausgezeichnet. Wir haben über unsere Sommer, unsere Kinder und uns selber geredet und es war so nett und lustig wie immer.

In Zukunft wieder öfter!

Oh William

Ich bin immer so froh, wenn ich eine Autorin oder einen Autor entdecke, deren oder dessen Schreibstil mir gefällt und dann komm ich drauf: Oh da gibt es noch mehr Romane. Viel mehr. So ging es mir mit Elizabeth Strout. Irgendwie random aus dem Regal gezogen, die Inhaltsangabe gelesen, mitgenommen und sehr begeistert gewesen.

In Oh William geht es um den Ex-Mann der Protagonistin, Schriftstellerin Lucy Barton, der mit Anfang 70 in einer veritablen Lebenskrise steckt. Und obwohl die beiden schon lange nicht mehr zusammen sind, nimmt er sie mit auf einen Roadtrip in seine Vergangenheit.

Ich lese ja im liebsten Romane über die verschiedenen Beziehungen, die Menschen so miteinander führen können und was die Freuden dieser Verbindungen, aber auch die Schwierigkeiten sind. Lucy zum Beispiel weiß genau, wieso sie mit William nicht mehr zusammen ist, sie war es auch, die sich damals auch von ihm getrennt hat als die Töchter fast erwachsen waren. Spoiler: Es ging um andere Frauen, aber nicht nur. Es gibt einiges, was sie an ihm nervt (und umgekehrt, wie sie genau weiß), also hier wird Gott sei Dank nicht so eine Klischee Ex-Partner-sind-die-besten-Freunde- Geschichte erzählt. Trotzdem haben die beiden eben diese gemeinsame Vergangenheit und ein Fundament, auch eine gute Gesprächsbasis, die bewirkt, dass sie in Krisensituationen doch immer wieder die Nähe des jeweils anderen suchen.

Das ist ein leises Buch, es passiert nicht wahnsinnig viel spektakuläres “außen”. Es geht ganz viel um Charakterentwicklung, die die Details, die Menschen ausmachen, die Mechanismen, die greifen, wenn jemand in die Enge getrieben wird, wie man aber auch über sich herauswachsen kann. Ich mag, wie Strout das macht, dieses Erzählen, wie sie Menschen beschreibt: Also da wäre einmal sein Aussehen, schreibt sie, und das sind seine Ängste, das sind seine Frauen. “Aber auch das gehört dazu…” schreibt sie weiter, und “Dazu muss man verstehen…” sie schreibt so, als würde sie das einem direkten Gegenüber erzählen und das schafft so eine spezielle Verbindung finde ich, die man als Leserin zu dieser Lucy gewinnt.

Ich bin draufgekommen, dass Lucy immer wieder in Romanen von Strout vorkommt. Lucy, die als Kind von den Eltern sowohl finanziell und emotional nur mit dem notwenigsten ausgestattet wurde, aufgewachsen im hintersten Illinois und auch für dortige Verhältnisse noch rückständig, das einzige Kind von dreien, dass sich von der Vergangenheit befreien konnte, ein “besseres” Leben haben konnte. Aber natürlich, frei nach Doderer, tropft, die Kindheit das ganze Leben an ihr herunter und sie schreibt immer wieder darüber, aber auch über die anderen Familien an diesem Ort.

In einem anderen Roman von Strout sagt Lucys Schreibcoachin ihr: “Sie werden immer nur eine Geschichte haben. Sie werden diese Geschichte auf vielerei Weise schreiben. Lassen Sie sich davon nicht irre machen. Sie haben nur eine Geschichte.”1 Höchst nachdenkenswert!


  1. Elizabeth Strout: Die Unvollkommenheit der Liebe, Seite 155f. ↩︎

Aus Venedig

Jetzt mal was zu den Filmfestspiele in Venedig – es gibt übrigens schon Rezensionen zu den ersten Filmen dort auf Uncut zu lesen. Unter anderem stellen zwei Regisseure ihre neuen Werke vor, zu denen ich ein eher kompliziertes Verhältnis habe.

Erstens Danny Boyle. Der neue Film heißt Ink. Prinzipiell ein interessantes Thema, der Auftstieg der Zeitung The Sun in den 1960er Jahren. Aber, ich spreche offen: Ich mag das Gesamtwerk von Danny Boyle überhaupt nicht. Harhar. Sorry, aber es ist so, wird ihm auch zurecht wurscht sein. Ich kann mit seiner Art Filme zu machen einfach absolut nichts anfangen. Ob Slumdog Millionaire – einer der schlimmsten Oscar Sweeps überhaupt, meines Erachtens, und dabei mag ich Wer wird Millionär wie man weiß sogar sehr gerne. Ob 128 Hours, Trainspotting (ja auch der), Yesterday, oder auch Steve Jobs. Ich mag sie alle nicht, und lustigerweise aus ganz verschiedenen Gründen. Ich weiß noch, als Steve Jobs damals noch im TV lief und ich es parallel mit meiner Mutter schaute, whatsappte sie mir in der Werbepause: Das ist schon sehr anstrengend. Harhar. Trotz Michael Fassbender und Kate Winslet.

Endlich kann ich das Hollywood Zeichen aus dem Minimundus posten harhar

Zweitens: Martin McDonagh – auch nicht gerade mein Favorit. Obwohl ich seine Filme an sich besser finde, erzeugen sie bei mir immer ein länger anhaltendes Gefühl von Sodbrennen. 2022 zum Beispiel kamen fast nur echt schreckliche Filme heraus und einer davon war The Banshees of Inisherin. Der Trailer tat so: Haha lustig, zwei Männer, beste Freunde und einer von beiden will dem anderen jetzt die Freundschaft aufkündigen. Und es wurde so dargestellt, als wäre das eine leichtfüßige Bromance-gone-bad-Komödie. Nur war an diesem Film überhaupt gar nichts lustig, er war düster, bitter, dunkel selbst in den Nebenhandlungssträngen und auch dann, wenn sich die Menschen ausnahmsweise nichts Böses wollten (was eher selten vorkam) spielte ihnen dann noch das Schicksal übel mit. Oida.

Der neue Film von McDonagh heißt Wild Horse Nine und handelt von zwei Agenten auf den Osterinseln in den 1970er Jahren (Jössas) Und ich gönne John Malkovich, dass er bereits jetzt im Oscar-Geraune ist und ich werde mir den Film auch anschauen, aber mir schwant schon wieder Übles.

Was sonst noch geschah

Die Nachbarn aus Smarjeta 11 sind in Wien, wir haben uns leider im Rosental verpasst und so haben wir das Treffen im Katzencafe Neko in Wien nachgeholt, weil ihre Tochter liebt Katzen.

Neko heißt übrigens auf japanisch Katze, wie ich jetzt weiß. Das Cafe ist in einer schönen verwinkelten Ecke Wiens, in der Blumenstockgasse. Es ist von außen sehr unscheinbar, weshalb ich wieder mal vorbeigelaufen bin.

Ich glaube, das ist Sofie

Hier gibt es sieben Katzen in verschiedenen Formen und Farben Sie heißen Amy, Bella, Princess, Kasimir, Sofie, Ilvy und Milo. Wobei Milo (schwarz) hab ich persönlich nicht gesehen, Tarnfarbe womöglich.

Meine Bedenken, dass ich permanent Katzenhaare im Getränk haben werde (harhar) waren haltlos. Die Katzen machen großteils eh ihr eigenes Ding, haben viele Klettermöglichkeiten und Körbchen und nähern sich den menschlichen Gästen nur, wenn sie Lust dazu haben. Es gibt auch gewisse Verhaltensregeln, man darf sie nicht hochheben und nerven, was nachvollziehbar ist. Aber man darf sie streicheln, anschauen und auch fotografieren. Btw. lag der Frauenanteil in diesem Lokal, zumindest bei unserem Besuch, bei über 95 Prozent. Wir haben den Männer- und den Altersschnitt etwas angehoben.

Katze an Kuchenvitrine

Danach waren wir noch Essen, in einem anscheinend sehr neuen japanischen Lokal, Umai Ramen und Sushi.

Wunderschöner Blick nach draußen, auf die Schwarzenbergstraße

Bin ja nicht so der Spezialist der japanischen Küche, stehe dieser aber aufgeschlossen gegenüber, im Gegensatz zu vielen anderen Küchen (harhar), bin eher Purist.

Ich habe mich für Rindfleisch Bento und diverse Beilagen (Obst, Maki, Gurkensalat mit Alge) entschieden, was eine gute Entscheidung war und außerdem habe ich erstmals nur mit Stäbchen gegessen. Es war kein Besteck da und fragen wollte ich nicht. War gar nicht so schwierig wie ich mir das dachte.

Besonders hübsch und appetittlich serviert

Fazit: Es war wirklich sehr schön, dass wir uns gesehen haben. Hatten ein paar sehr lustige Stunden. Natürlich auch mit viel Kino-Content. Wir sehen uns teilweise wieder, bei der Viennale!