almis personal blog

The Man I love

So jetzt etwas mehr zu The Man I Love von Ira Sachs, mein absoluter Viennale Favorit und einer der Lieblingsfilme dieses Jahres.

Der Film spielt in den 1980er Jahren und die Hauptperson ist Jimmy (Rami Malek), ein darstellender Künstler im off-off Broadway Bereich, der mit seinem Freund Dennis (Tom Sturridge) in New York lebt. Jimmy kommt aus einer lebensbedrohlichen Gesundheitskrise, probt für ein neues Stück, empfängt Besuch von seiner Schwester Brenda (Rebecca Hall) und deren Familie und lernt den neuen Mitbewohner der Nachbarin von unten, Vincent (Luther Ford), kennen. Vor allem aber lebt er noch einmal so intensiv wie es nur möglich ist.

ACHTUNG EINIGE SPOILER!

Also ja Jimmy ist HIV positiv, was aber in diesem Film, glaube ich, nie ausgesprochen wird.

Das Drehbuch ist wahnsinnig gut darin, uns das zu erzählen, aber die Art, wie es erzählt wird, verrät so viel mehr als nur die Tatsache. Jimmys Schwager Gene (Ebon Moss Bachrach) zum Beispiel weist seine Frau, die sich freut, dass Jimmy quasi dem Tod nochmal entronnen ist, drauf hin, dass sie wissen sollte, wie das (trotzdem) enden wird. Er möchte seinem Sohn den Schmerz ersparen, während sie meint, der Sohn soll sehen, wie sein Onkel noch einmal lebt. Die Nachbarin von unten, Leslie merkt, dass Vincent sich Jimmy annähert und schreit ihn in einer emotional ziemlich wilden Szene an: “Do you want to die??” Und Dennis schließlich sagt zu Vincent sehr ruhig, aber auch sehr eindringlich: “Do you know why you got your flat? Because the two young men who lived there jumped out of the window” Das alles vermittelt einerseits die Zurückhaltung, AIDS offen anzusprechen, weil es damals eine noch unbekannte Krankheit war, zum anderen, weil alles damit zusammenhängende ziemlich tabuisiert war, gleichzeitig aber auch eine unheimliche und diffuse Angst erzeugt hat. Der Film schildert auch in Zwischentönen, wie die queere Seite von New York unter dem Druck dieser Bedrohung schwankt.

Es heißt ja, ein Film braucht drei wirklich fabelhafte Szenen, um ein großartiger Film zu sein. The Man I Love hat meines Erachtens um einige mehr, in all seiner Bescheidenheit und Zurückhaltung. Allerdings wird wohl eine Szene als Kern übrigbleiben, nämlich die, in der Jimmy bei einem Hochzeitsjubliäum seiner Eltern What Have They Done to My Song, Ma1 der Sängerin Melanie vorträgt. Wie viele von Melanies Songs ist auch dieser schwerst melancholisch und Jimmys Vortrag ist mehrdeutig. Zum einen ist das eine Metapher dafür, dass nicht nur sein “Song” – also sein Leben, seine Energie, sein “Sein” – auf dem Spiel steht, sondern auch dafür, dass er im Grunde niemals wirklich verstanden wird. Nicht von seinen (für diese Zeit eh einigermaßen liberalen) Eltern. Und auch nicht von seinem Schwager Gene, der später zu Brenda sagen wird, ja Jimmy sei schon gut in seiner Kunst, aber im Grunde macht er nichts daraus. Das ist ein bisschen wie Sterben vor dem eigentlichen Tod. Diese unbarmherzige Bewertung bricht einem – oder zumindest mir, die ich so etwas auch schon so ähnlich gehört habe – das Herz auf eine recht unspektakuläre Weise.

Jimmy ist aber, und das ist sonderbar und eine sehr mutige Drehbuchentscheidung, überhaupt kein sympathischer Mensch. Wie ich schon sagte, im Gegensatz zur Figur, die Tom Hanks in Philadelphia spielte. Damals war es auch “notwendig”, weil ein “everyman” für Empathie sorgen sollte, bei diesem schwierigen Thema; die Akzeptanz Homosexuellen gegenüber war damals eine andere. Und insofern ist Malek finde ich perfekt gecastet. Es war wohl auch Ben Whishaw im Gespräch, den ich sehr mag, aber ja auch zu viel mag, der zu lieb und freundlich und weich für diese Rolle ist. Malek ist genau richtig ambivalent. Denn Jimmy kann ziemlich narzisstisch sein, sorglos, extrem unverantwortlich. Als Zuseher kommt man ihm kaum nahe, es spricht also alles dagegen, dass man mit ihm “mitleidet” – und doch ist es so. Malek spielt die wenigen Momente, in denen er verwunderbar ist, so eindringlich, dass man nicht umhin kommt, die eigenen Vorbehalte der Figur gegenüber zumindest ein stückweit fallen zu lassen. Die Szene, in der Vincent Jimmy badet wie einen sehr alten, dementen Mann, obwohl Jimmy erst so Mitte 30 ist, aber trotzdem bald sterben wird, weil noch niemand heilen kann, worunter er leidet, das macht einen richtig fertig.

Gleichzeitig ist das kein Film der klagt und jammert, ganz im Gegenteil. Er ist quasi das filmische Äquivalent zu dem Snoopy Bild, wo Charlie Brown zu Snoopy sagt: Eines Tages werden wir sterben. Und Snoopy daraufhin: Aber an allen anderen Tagen nicht.

So schon so viel geschrieben und doch nicht alles. Ich füge morgen noch ein Nachwort an.


  1. Interessanterweise ist dieser Song auch in der Endszene von Digger zu hören. ↩︎

Viennale 5

Heute aus dem Traum erwacht, dass ich zu jemanden fahren möchte, aber nicht die richtige Öffiverbindung finde, immer wieder google, verschiedene Richtungen wähle, mich nicht auskenne, mich im Grunde immer weiter entferne und nie bei ihm ankomme – welche Symbolik! Nicht einmal im Traum kann ich also mein Ziel erreichen, das ist schon bisschen frustrierend. Bin ganz erschöpft aufgestanden.

Gottseidank stand dann nach der Vormittagsarbeit (erste Deadline erledigt) mein letzter Viennale-Film für heuer auf dem Programm und zwar eine Komödie. Und das schon um 13 Uhr, was essenstechnisch immer etwas doof ist, aber sei’s drum. Heute gabs also Hot Dog beim Stadtpark.

Wunderschönes Gartenbau-Kino, bei der Viennale nur echt mit meterlanger Damen-WC Schlange

Der Film, den ich gesehen habe, war The Debut von Jesse Eisenberg. Ursprünglich der Film, von dem ich mir am meisten erwartet habe bei der Viennale, weil ich auch schon viel gutes drüber gelesen habe. Aber nachdem Jesse Eisenbergs letzter Film A Real Pain mich massiv enttäuscht hat, hätte ich mir eigentlich denken müssen, dass es auch diesmal nix wird, harhar.

Wobei ich will nicht sagen “nichts”. The Debut hat mir insgesamt schon deutlich besser als A Real Pain gefallen, aber auch hier habe ich das Gefühl, dass ich Eisenbergs Handschrift als Regisseur nicht so besonders überzeugend finde. Es geht in The Debut um die mittelalte Mona (wie immer “all the feels”: Julianne Moore), am Empty Nest Syndrom und einem gleichgültigen Partner leidend, die für das örtliche Theaterprojekt vorspricht. Sie hat eine schöne Singstimme, versteht allerdings nichts von Schauspielerei, wird vom Direktor Jerry (der teddybärig-grantige Paul Giamatti) zuerst abgelehnt, dann aber aus einer Not heraus doch genommen. Und was dann weiter passiert, davon handelt dieser Film.

Die erste Hälfte war vielversprechend, dann versandet alles etwas und löst sich nicht besonders befriedigend (für mich) auf. Ich werde noch mehr dazu schreiben. Bemerkenswert heute war allerdings, dass es in einer Szene Zwischenapplaus vom Viennale Publikum für Julianne Moore gab, die davon nichts weiß, da sie natürlich nicht anwesend war. Aber das ist schon super, wenn bei der Viennale so eine Begeisterung entsteht, das Leute laut lachen und frenetisch zu klatschen beginnen. Das hat im riesigen Gartenbaukino schon eine besondere Wirkung.

In den nächsten Tagen werde ich noch mehr zu den Filmen schreiben. Und im November gibt es außerdem einige spektakuläre Kinostarts im “normalen” Kinoprogramm. Und ich kann mir endlich wieder einen Randplatz nehmen, harhar.

Make it Meme!

Heute nach dem Patchwork-Abendessen wirde ich dazu gewungen überredet, Make it Meme zu spielen und es ist gar nicht meines.

Das Spiel geht so, dass man in einer App gewisse Memevorlagen, also Bilder, eingeblendet bekommt und dazu einen lustigen Text verfassen muss. Boah, da hab ich echt Schwierigkeiten und es setzt mich komplett unter Druck. Die ersten paar Runden habe ich einfach gar nichts geschrieben, weil ich so überfordert war.

Dann habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und dieses Meme erstellt:

Und darauf folgte von jemand anderem das:

Harharhar. So hab ich wirklich ausgeschaut.

Das gefiel mir auch sehr gut:

Fazit: Eh ein lustiges Spiel, aber ich bin minderbegabt, harhar.

Viennale 4

Heute habe ich meinen vierten Viennale Film gesehen, zugleich den insgesamt dritten Film von Ira Sachs nach Passages und Peter Hujar’s Day. Und ich werde immer mehr zum Fangirl.

Der Film heißt The Man I Love und hat wieder alle Ingredenzien, die einen Sachs Film auszeichnen. Er ist sinnlich und ehrlich, erzählt von Künstlern, von Menschen, die immer ein bisschen kämpfen, aber das Leben trotzdem lieben, er ist queer (wobei Sachs das vermutlich nicht so nennt, er ist 60 Jahre alt harhar) und, wie er selbst im anschließenden Q & A sagte, enthält “things that last” wie Musik, Kunst, Sex, Haut, Farbe, Lebenslust.

Regisseur Ira Sachs im Q & A nach der Vorstellung

Kurz zum Plot, aber ich werde bei anderer Gelegenheit noch mehr schreiben: Sachs porträtiert den mittelmäßig erfolgreichen Schauspieler/Sänger Jimmy (Rami Malek), der in den 1980er an AIDS erkrankt ist – und wir wissen, was das damals hieß. Der Film ist aber alles andere als ein Miseryporn, obwohl er natürlich Momente voller Schmerz beinhaltet, und er stellt mit Jimmy einen Mann ins Zentrum, der nicht besonders sympathisch und einnehmend ist, also quasi im Gegensatz zu Philadelphia, dem Film mit Tom Hanks, den ich in den 1990er Jahren sehr geliebt habe. Wo Hanks aber ein total lieber Typ war, der als Anwalt massive Diskriminierung aufgrund seiner HIV Infektion erlebte. Es war einfach, sich mit ihm zu identifizieren. 2026 erzählt Sachs eine andere Geschichte.

Noch kurz zum Q & A: Wieder mal ein Beispiel dafür, wie ein Moderator zehnmal woker ist als sein Gegenüber. Der Moderator so: Naja der Film ist ja erstaunlicherweise gar nicht politisch. Daraufhin Sachs (und quasi alle anderen Anwesenden im Gartenbaukino) Äh doch? Aber halt nicht so, laut Sachs, dass er dem Publikum eine Botschaft überbrät oder sagt, was jemand denken soll (ich feiere es!) Der Moderator: Also man kann sagen, es sei definitiv kein “political spoonfeeding.” Sachs: “Well that’s a very low bar”. Hahar, touche!

Später sagte der Moderator noch, der Film werde auch regulär zu uns in die Kinos kommen, er hätte Oscar-Buzz (hätte davon nix gehört, fände es aber super für Sachs). Aber davon wolle er, der Moderator, nicht sprechen, denn wir reden über Kunst. Oida wie sehr kann man die Welt in schwarz und weiß einteilen?

Sachs selbst hat dann noch ein paar wirklich interessante Dinge gesagt, ein echt netter Typ, dass ich ganz beseelt den Saal verlassen und mein La La Land Sackerl im Kino vergessen habe. Bin erst bei der Ubahn draufgekommen, natürlich wieder zurück und die Kinomitarbeiter haben es schon gerettet gehabt. Puh. Danke. Also auch insofern ein sehr gelungener Abend.

Break

Programm zwischen Viennale und Arbeitsdeadline: Essen gehen.

War heute mit M. beim Ebi auf der Mariahilferstraße. 15 Jahre war ich nie, jetzt das dritte Mal in einem Monat. Unbezahlte Werbung.

Und hier sollte man tatsächlich reservieren, was ja in Transdanubien nicht notwendig ist, wir hier aber auch nicht gemacht haben, und so kriegt man “nur” einen eineinhalb Stunden Slot ab 11.30 Uhr, wir sind aber trotzdem satt geworden und es war sehr gut. Wir haben ausführlich die Baden Lesung von voriger Woche (Almi ragt!) und historische Romane diskutiert und noch vieles andere mehr. Ich habe gefühlt die ganze Zeit geredet, sorry, habe drei Tage fast nicht gesprochen, weil ich alleine daheim war.

Mittlerweile ist das Kind aber jetzt wieder zurück und mir wurde etwas mitgebracht:

Cadbury Schokolade und ein Kühlschrankmagnet

Die Briten mögen nichts vom Kochen verstehen (sorry), aber diese Schokolade ist sooo gut. Danach will man gar keine andere mehr essen.

Das Kind hat berichtet, dass es im Flugzeug Starlink gab. Ich so: “Als ich zum letzten Mal geflogen bin, gabs überhaupt noch kein Internet im Flugzeug.” Das Kind hat vom London Eye berichtet. Ich so: “Als ich zum letzten Mal in London war, gab es das London Eye noch nicht.” Ich bin wirklich keine Weltenbummlerin.

Dafür bin ich Cineastin, deshalb geht es morgen mit der Viennale weiter.

Viennale 3

Heute hab ich Full Phil gesehen, ein Film von Quentin Dupieux, den ich bisher eher so “meh” fand, mit Woody Harrelson und Kristen Stewart. Übrigens ohne Untertitel. Da war ich gar nicht drauf gefasst, ist aber sehr einfach zu verstehen.

Die beiden spielen Vater und Tochter, die eine gemeinsame Parisreise unternehmen, um sich wieder näher zu kommen. Also das ist das Ansinnen von Phil, Madeleine hat da weniger großes Interesse daran. Woran sie hingegen Interesse hat, sind Monster-B-Movies und Essen. Und es ist schon erstaunlich, wie wirklich grauslich einerseits Stewart isst und zwar nonstop – Messer und Gabel absolutes Fremdwort – aber auch wie schrecklich alles aussieht, was in einem Land wie Frankreich serviert wird, das für Haute Cuisine bekannt ist. Jegliches Fleisch hängt hier an abartig riesigen Knochen und selbst die Mehlspeisen schauen ur unappetitlich aus, das ist schon eine Kunst.

Wenn man sich den Titel ansieht, denkt man an das englische Wort “fulfill” und was es bedeutet, womöglich im größeren Kontext dieses Filmes. Aber dann kommt man drauf, man muss da gar nicht irgendwelche Metaphern suchen, es ist tatsächlich wortwörtlich gemeint, harhar. Überhaupt gilt hier für alle Metaphern, dass sie wesentlich einfacher zu entschlüsseln sind als diese im Film Everytime, an denen ich immer noch grüble. Hier bleibt nichts im Verborgenen, um jetzt das Wort Holzhammer zu vermeiden.

Full Phil ist aber witzig, er ist sehr gut gespielt, sowohl Harrelson (ein bisschen ein edgy Hollywood “Querdenker”) als auch Stewart – die einmal den auf letterboxd vieldiskutieren Satz sagen darf: “Sorry, I like boys” – scheinen eine Menge Spaß gehabt zu haben und besonders erstaunlich ist, dass fast alle Szenen im Hotelzimmer spielen, aber praktisch bei allem, was auf der Straße geschieht, Randale, Schlägereien, brennende Autos im Hintergrund zu sehen sind. Ich meine ja, der Film ist aus dem Jahr 2026, aber er ist nicht vor zwei Wochen gedreht worden. Im Kino heute erstauntes Gelächter, wie aktuell dieser Film ist. An einer Stelle sagt Harrelson: “It’s war outside.” Und dieser Moment war wahrscheinlich beim Drehen witziger als er heute ist.

Dieser Film ist nicht weltbewegend, er ist kein Meisterwerk und wahrscheinlich werde ich nicht sonderlich lange über ihn nachdenken. Aber er hat mir in diesen 78 Minuten wirklich erstaunlich viel Spaß gemacht.

Viennale 2

Und schwupps, schon zwei Filme auf der Viennale hinter mir.

Gestern war ich bei der Premiere von Everytime. Ich kam gleichzeitig mit Birgit Minichmeier an, die eine der Hauptrollen spielt. Everytime ist Deutschlands Einreichung für den Oscar in der Kategorie Best International Feature Film.

Schönes Gartenbaukino bei Nacht

Dieser Film war ja eine Impulsentscheidung, und ich hab es nicht bereut. Er ist wahnsinnig gut. Nach In die Sonne schauen der Berliner Regisseurin Mascha Schilinski, der mich letztes Jahr begeistert hat, weil er so außergewöhnlich auch surreal und visuell so umwerfend war, hier der nächste Film einer Semi-Berlinerin, Sandra Wollner, die in der Steiermark aufgewachsen ist; und auch dieser Film hat sehr starke, auch ungewöhnliche Bilder und macht in vielen Situationen genau das, was man nicht erwartet. Außerdem hat er mich sehr an den wunderbaren Film Aftersun erinnert. Später bin ich draufgekommen, dass in beiden Filmen der gleiche Kameramann am Werk war.

Nach der Vorstellung gab es ein Q &A, bei dem die Regisseurin die, finde ich, total auf der Hand liegende Frage beantworten sollte: Wie ist das Ende gemeint? Harhar. Ist mir schon lange nicht passiert, dass ich das Ende so wenig rational “verstanden” – aber sehr gefühlt – habe. Wollner daraufhin: “Das Ende ist genauso zu verstehen, wie man es gesehen hat.” Okay.

Ich weiß noch nicht, ob ich die Hauptkritik für Uncut hierzu schreiben werden, aber hier am Blog jedenfalls bald mehr.

Heute dann Gartenbau bei Tag:

Auch schön, für den Film gilt das leider nicht so ganz.

Ich habe Behemoth! angeschaut. Hauptrolle Pedro Pascal, über den Pia Reiser vom fm4 Filmpodcast ja meinte: “Er hat bisher noch keinen wirklich ganz guten Film gemacht.” Das ändert sich meines Erachtens auch nicht mit dem neuen Werk des Regisseurs Tony Gilroy. Und ich fürchte ich halte Pedro Pascal auch für keinen extrem begnadeten Charakterdarsteller, es tut mir wirklich leid. Er wirds verschmerzen, harhar.

Für den Film werde ich auf jedenfall eine Uncut Kritik verfassen. Hier nur einmal soviel: Ich mag komplizierte Filme, die nicht linear erzählt sind, Zeitsprünge haben, wo viel ausgelassen wird. Aber: Nimm eine Handlung, die sich dafür eignet. Tony Gilroy hat hier selbst das Drehbuch verfasst und die Geschichte ist so simpel, dass er sich anscheinend dachte, ich muss das jetzt möglichst umständlich schildern, um zu verschleiern, dass ich eigentlich recht wenig zu sagen habe. Oder anders: Wenn in Filmminute 70 (ich habe extra auf die Uhr geschaut) gleich fünf Menschen vorkommen, die man zuvor noch nie gesehen hat und danach auch nicht mehr sehen wird, nur um etwas zu zeigen, was man genausogut an anderer Stelle hätte einbauen können, dann stimmt was mit der Erzählökonomie nicht.

Ich war jedenfalls höchst irritiert von diesem Film.

In Baden

Habe schon wieder viele Urlaubsfotos in der Timeline – ich war in Baden, harhar. Ja, Baden bei Wien, aber wegen der S-Bahn Sperre eh auch eine kleine Weltreise.

Also nicht am Wochenende, da habe ich nur geschrieben, sondern schon letzte Woche abends, zur Feier des Geburtstags der Badner Bücherei. Ich habe dort eine Freundin getroffen, die dort wohnt; wir waren voriges Jahr schon zu diesem Anlass dort und es ist sehr nett, man kann im Foyer noch was trinken und plaudern und draußen, beim Theater am Steg, sieht es so romantisch aus:

Der Steg in Baden

Voriges Jahr hat die Autorin Susanne Gregor gelesen, ich fand gut, was sie im Buch Halbe Leben zu einer 24 Stunden Pflegekraft aus Osteuropa und ihr Leben zu erzählen hatte.

Diesmal las der Autor Vladimir Vertlieb aus seinem neuen Roman Der Jude der Kaiserin – ich kannte ihn bisher nur dem Namen nach. Es geht in diesem Roman um Pedro de Rojas, einem spanischen Arzt jüdischer Herkunft, der im 17. Jahrhundert an den Wiener Hof berufen wird, um das Leben der Kaiserin Margarita Teresa zu retten, die Juden allerdings verachtet.

Vladimir Vertlib beim Lesen

Wer sich jetzt denkt, wer war bitte diese Kaiserin. Okay, ich hab mir das gedacht. Sie wurde aber sogar von Velázquez gemalt, siehe hier, das Bild kennt man wahrscheinlich. Und sie war mit ihrem späteren Mann, Leopold dem Ersten, (zu nahe) verwandt, weshalb das mit dem Nachwuchs auch nicht wirklich ideal klappte. Ihre Kinder kamen ausschließlich tot oder ziemlich krank zur Welt, bevor sie selbst mit nur 21 Jahren verstarb. Ein ziemlich furchtbares Leben. Sie war ungefähr 70 Jahre vor Maria Theresia Kaiserin.

Ich bin jetzt nicht so der riesige Fan von historischen Romanen, fand es aber doch recht interessant, was Vertlib zu den Verhältnissen dieser Zeit berichtete. Später wurden ihm noch Fragen zu seiner Arbeitsweise und auch zum Antisemitismus gestellt, der im Roman eine große Rolle spielt, auch zu “Verschwörungstheorien” – damals über Juden – die ihn gleich zu irgendwelche Corona Verschwörungsmythen brachten. Und da ist bei mir dann der Ofen bald aus, harhar. Es wird halt gerne jegliche Kritik an den Geschehnissen damals in so ein komisches verschrobenes Idioten-Eck gestellt, das ist man eh gewöhnt. Aber ich hätte mir von einem reflektierten Menschen schon eine Spur mehr an Differenzierung gewünscht.

Das Ende aber war wieder gut, als mein Kind vor dem Theater vorfuhr, um mich quasi direkt von den Stufen weg abzuholen. Das war sehr lieb. Gute Stimmung und Spaß auf der Heimfahrt, noch ein kurzer Abstecher zum großen M. Ich hatte Eis, harhar. War schön.