almis personal blog

Victoria

Weil im fm4 Filmpodcast die Rede davon war, habe ich mir Victoria, einen Film des deutschen Regisseurs Sebastian Schipper angesehen. Victoria ist ein One Shot Film und das bringt mich ja tendenziell eher davon ab, harhar. Aber man soll sich ja aus seiner Komfortzone herauswagen.

In Victoria verfolgen wir eine Nacht in dem Leben der titelgebenden Person, eine Spanierin (dargestellt von Laia Costa, die eine Wahnsinnsausstrahlung hat), die eine Auszeit in Berlin nimmt und dabei vier junge Männer trifft, die ihr das “echte” Berlin zeigen wollen…

ACHTUNG SPOILER!!! HIER GIBT ES EINEN GROSSEN

Also erstmal folgendes: Ich betrachte, anders als vielleicht andere, jetzt nicht jeden Mann automatisch als Gefahr oder Gewalttäter. Aber als Frau Mitte 20 um ungefähr drei Uhr früh einfach mit vier mir komplett fremden Männern mitzugehen, die mich auf der Straße anquatschen und deren Sprache ich nicht verstehe und sie dann sogar auf ein Hausdach (!) zu begleiten, so wie es Victoria macht – da kam mir als erstes in den Sinn: Die hängt nicht sehr an ihrem Leben. Und wie ich eine halbe Stunde später merke, habe ich den Nagel auf den Kopf getroffen. Zu diesem Zeitpunkt erzählt Victoria, die es vom Dach herunter geschafft hat, nämlich “Sonne” (Frederick Lau), dass sie ihr ganzes bisheriges Leben damit verbracht hat, täglich sieben Stunden Klavier zu spielen. Und dann ist sie aus dem Konservatorium geflogen, nicht gut genug. So ein Urteil fühlt sich natürlich danach an, dass man auf gewisse Weise seinen Lebenssinn verloren und in Folge dessen nichts mehr zu verlieren hat.

Ich hatte bei diesem Film von Minute 1 an das Gefühl, es wird etwas Schlimmes passieren, hatte das allerdings eher in direktem Bezug auf die Männer angenommen. Ich mein Franz Rogowski (hier als “Boxer”) ist einfach in jedem Film extrem unangenehm und unsympathisch, was ist mit diesem Menschen los? Harhar. Frederic Lau wirkt zugegebenermaßen mit der Zeit sensibel, ihm nähert sich Victoria auch an – bis zu dem Zeitpunkt, als dann diese grenzenlose, “freie” Nacht tatsächlich in etwas düsteres und sehr gefährliches kippt. Die Sache ist nämlich die, dass “Boxer” als Ex-Knasti einem Unterwelt Zampano einen Gefallen schuldet. Er soll eine Privatbank ausrauben und zwar in dieser Nacht. Und weil “Fuß”, der an diesem Tag Geburtstag hat, zu betrunken ist, wird Victoria gefragt, ob sie eventuell den Fluchtwagen fahren kann, es sei eh nichts weiter dabei. Ja genau….

Ein interessanter Twist, generell eine ziemlich spannende Prämisse, aber für mich zerstört diese One Shot Herangehensweise und auch die Improvisation des Textes es irgendwie ein bisschen. Denn auch wenn ich die Technik, sowie die Fähigkeiten der Schauspielerin und der Schauspieler wirklich bewundere, hier steht halt einfach Handwerk im Mittelpunkt, das Verlangen, etwas zu probieren, ähnlich wie etwa auch in Boyhood von Richard Linklater – toller Einfall, aber inhaltlich dünn1. Und auch hier, ja, durch die Berliner Nacht zu streifen wird sehr fühlbar, aber ich mag da gar nicht so reingezogen werden, weil vier mehr oder weniger illuminierte Männer ziemlich viel Schwachsinn reden, den man sich eine halbe Stunde anhören muss. Vielleicht ist auch hier wieder der Film einfach zu lang, denn die zweite Hälfte mochte ich lieber, schon alleine deswegen, weil irgendwas passiert. Aber hier wird es dafür halt auch schnell sehr bitter.

Fazit: Ich glaube, hier ist unter dem Film ein wirklich interessanter Film versteckt, der aber #ausGründen sein Potential nicht ganz ausspielt.


  1. Das nächste große Experiment ist gerade im Entstehen. Vier Beatles- Filme, die jeweils einen aus der Band im Mittelpunkt haben. Also das werden dann vier (wahrscheinlich) zwei Stunden Filme über John, Paul, George und Ringo. Regie führt übrigens Sam Mendes. ↩︎

Sprachlos

Bin ein bisschen sprachlos gerade.

Einiges, was ich sagen will, kann oder sollte ich nicht mehr sagen. Für anderes habe ich wiederum keine Worte.

Am Sonntag beispielsweise war ich gelinde gesagt erstaunt darüber, dass – während man auf Social Media schon stundenlang ein brennendes denkmalgeschütztes Rathaus sieht – viele Qualitätsmedien versuchen, diese Geschehnisse in Frankreich irgendwie noch als legitime Art des Protestes zu framen. Gleichzeitig wurden aber andere Demonstrationen in der jüngeren Vergangenheit, die ungefähr den Agressionsvibe von Kindergeburtstagen hatten, als Gefahr für die Demokratie bezeichnet.

Abseits davon habe ich früher dieser Tage etwas zu feiern gehabt. Jetzt schon das fünfte Jahr nicht mehr. Und diese Zahl fünf hat mich kurz irgendwie schockiert. Weil es schon so lange her ist. Und da hält man ja so Rückschau und denkt, wow irgendwie hat sich gar nichts verändert an Gefühlen, und andererseits aber auch “alles” an oder in mir selbst. Und hier muss ich es für mich “einordnen”, beides kann irgendwie gleichermaßen nebeneinanderstehen, auch wenn man es nicht für möglich hält.

Gerade liebe ich den Herbst, mir ist aber gleichzeitig schon wieder dauernd kalt, ich friere nachts trotz vier Schichten und zwei Decken im Bett. Auch so eine Ambivalenz.

Diese Woche werden noch Koffer gepackt (nicht für mich) und ich habe ich gerade enorm viel Arbeit, die ich großteils erledigen will, bevor für mich die Viennale beginnt. Ich habe immerhin fünf Karten (danke Uncut!). Und eben diese Viennale und die Aussicht auf ein paar schöne Tage quasi Herbstferien, ist das, was mich jetzt gerade glücklich macht. Und ab November werde ich dann wohl auch wieder dazukommen, an meinem Text weiterzuschreiben, das geht mir auch etwas ab. Und auch das macht mich gerade sehr froh, dass er diese Jahr (fast!) fertig wird, harhar.

In diesem Sinne habe ich jetzt meine Sprache doch irgendwie wiedergefunden.

Ragebait

Also folgendes. Ich habe in einem Whatsapp Gruppenchat schon im März auf einen ESC-bezogenen, saublöden Standardartikel (siehe hier) mit nur einem Wort reagiert. Ragebait.

Tja und sieben Monate später ist Ragebait das Jugendwort des Jahres in Deutschland geworden und ich wurde in ebendiesem Chat dafür ein bisschen gefeiert, was mich sehr ehrt. Harhar.

Hat natürlich weniger damit zu tun, dass ich Germanistin bin, als dass ich ein Kind von nunmehr 19 Jahren habe. Und wir verwenden das Wort einfach gerne. Auch, weil es einem mitunter eine zehn Minuten Diskussion erspart. Einer sagt es, der andere nickt und alles ist klar.

Mein Lieblingsbeispiel, wenn ich jemandem diesen Begriff erklären will, ist übrigens Boris Becker. Der wurde ja wieder einmal Vater und hat dann ein Interview gegeben, in dem er im zarten Alter von 58 Jahren, bei seinem (mindestens) fünften Kind feststellt: Oh ein Baby ist schon irgendwie ziemlich anstrengend und man kann auch gar nicht so richtig gut schlafen nachts. Ich mein, ja stimmt eh, aber solltest du das nicht schon lange wissen? Das alleine hat in meinem Umfeld besonders bei weiblichen Personen schon den Puls hochgetrieben. Auch da habe ich diesen Artikel mehrfach per WhatsApp bekommen. Aber er ging noch weiter und meinte, seine Frau übernähme die Nächte und er gehe dann ins Hotel um durchzuschlafen. Klar, was auch sonst. Mehr hat er jedenfalls nicht gebraucht, harhar.

Man kann sich hier natürlich auch sehr lange darüber auslassen oder einfach dieses eine Wort verwenden: Ragebait. Fertig.

Schwiegermutter

Ich habe jetzt das dritte Buch der schwedischen Autorin Moa Herngren gelesen. Sie widmet sich quasi ausschließlich den zwischenmenschlichen Problemzonen. Mit Geschwister, Scheidung und jetzt, fast das ärgste Thema harhar, Schwiegermutter.

In Schwiegermutter geht es am Asa, die ihren Sohn Andreas alleine großgezogen und ein enges Verhältnis zu ihm hat, da ihr Mann sie schon bald nach der Geburt verlassen hat. Nun ist Andreas erwachsen und zieht aufgrund eines Notfalls in seiner eigenen Wohnung mit seiner Freundin Josefin kurzzeitig zu Asa. Doch Asa und Josefin finden keinen Draht zueinander, eher im Gegenteil, und Andreas beginnt eine Therapie, um seine recht vaterlose Kindheit aufzuarbeiten. Dabei wandelt sich auch das formals gute Verhältnis zu Asa völlig…

Herngren hat, das kann ich jetzt nach dem dritten Buch sagen, ein bestimmtes Schema, ihre Romane zu gestalten. Sie erzählt die Geschichte zunächst mal aus der Perspektive der Hauptperson, hier die von Asa, und später kommen noch die anderen Beteiligten mehr oder weniger (hier eher weniger) ausführlich zu Wort und schildern ihre Perspektive. Das finde ich sehr interessant, weil es unsere gewohnte Lesersicht aufbricht. Denn normalerweise fühlen wir mit der Protagonistin mit und sehen alles aus ihrem Blickwinkel, solidarisieren uns vielleicht sogar ein bisschen mit ihr. Herngren zwingt uns quasi, diesen Standpunkt zu überdenken und gibt uns mit, dass es nicht nur eine Perspektive auf die Dinge gibt. Leider kommt speziell in diesem Roman aber die Gegenseite etwas zu kurz und es ist so eher schwierig, herauszufinden, was genau Asa tatsächlich “falsch” gemacht hat. Dafür ist hier das Ende ziemlich überraschend und erinnert uns daran, dass hinter Sein oft sehr viel Schein steckt.

Auch Schwiegermutter ist ein richtiger Pageturner, es gibt immer wieder Konfliktsituationen, Kontaktabbrüche, Schweigen und auch einigen Schmerz, und als Leserin möchte man gerne wissen, wie das alles weitergeht, das hat sicher auch mit einer gewissen Sensationslust zu tun. Aber ein bisschen ist das auch ein Kritikpunkt an ihren Romanen, zumindest für mich. Weil ich manchmal mehr über die Seiten fliege, als die jeweiligen Szene zu sein und die Stimmung voll einzusaugen. Wenn man es nämlich genau betrachtet, dann ist es auch ein bisschen repetitiv, was Herngren uns präsentiert, indem Asa sich immer wieder auf ähnliche Weise reflektiert, diese Reflexionen aber nicht über einen gewissen Punkt hinausgehen, auch nicht hinausgehen können, weil sie, wie wir alle, die Dinge eben nur aus ihrem Blickwinkel sehen kann, selbst wenn sie sich hinterfragt.

Generell kommt mir vor, dass das Thema Schwiegereltern und die Beziehungen zu den “angeheirateten” Kindern ein in der Literatur noch wenig beackertes, aber durchaus spannendes Thema ist, weil es sehr viele Facetten hat. Tragische Aktualität erhält dieser Themenkreis übrigens gerade durch den Suizid des Schauspielers RJ Mitte, dem – laut Internet Gossip – von seiner Verlobten eine Art Ultimatum gestellt wurde: Deine Mutter oder ich. Natürlich ein grausames Extrembeispiel, sofern die Gerüchte stimmen.

In meinem Herngren Ranking liegt übrigens der Roman Geschwister ganz vorne, der chronologisch auch der letzte dieser drei ist. Hier hat die Autorin ihren Stil schon perfektioniert.

Nichts passiert

Heute gibt es nicht viel zu berichten und doch war es ein sehr erfreulicher, ganz normaler Tag.

Das Kind hatte früh eine online Vorlesung und ich tippte im Nebenzimmer an meinem PC, das war sehr gemütlich und das kann man auch ganz ohne Pandemie haben. Es gibt natürlich auch (viele) Vorlesungen in Präsenz, aber wenn etwas um acht beginnt, ist es so nicht unpraktisch. Und wir arbeiten quasi im Einklang.

Später war er unterwegs und brachte mir ein Croissant vom Billa mit. Ich: *schmelz* Das Croissant gibt es natürlich jetzt nicht mehr, harhar.

Ansonsten nur so:

Natürlich hab ich mir nicht nur das Nonstop Kinoprogramm angesehen harhar.

Ach ja und weil auf meiner Pinnwand schon diese Nöstlinger-Film-Karte hängt, seit gestern kann man auch mein Review zum Film Sowieso und Überhaupt lesen, wie immer auf Uncut.

Ansonsten heute “Nichts passiert. Auch schön” Ein Zitat, das man fälschlicherweise (?) Mozart zurechnet. Es passt jedenfalls.

Viennale – es geht los

Gestern ging das Viennale Programm online.

Es ist immer eine Herausforderung, die Filmbeschreibungen zu lesen, denn sie sind teilweise so artsy und umständlich formuliert, dass man nach dem Lesen auch nicht unbedingt mehr darüber weiß, worum es in dem jeweiligen Film eigentlich geht. Als ich mich so durchgescrollt und Filme markiert habe – es gibt da eine super Funktion “Wishlist”, wo man die Filme dann gesammelt als Übersicht hat – habe ich mir gedacht, irgendwie heuer eh nicht so viel, das ich interessant finde. Am Ende schaue ich dann in die Wishlist: 30 Einträge harhar. Wobei ich bei manchen Filmen auch mehrere Zeiten gespeichert habe. Weil man muss sich dann ja einen Terminplan erstellen.

Wenn ich jetzt meine Favoriten nennen sollte, also worauf ich am meisten neugierig bin, dann sicher auf The Debut von Jesse Eisenberg. Obwohl ich ja von seinem letzten Film A Real Pain quasi als Einzige nicht soo sonderlich begeistert war. Aber ich sehe sein Potential und in The Debut geht es um eine ganz normale, nicht mehr ganz junge Frau, die sich als Schauspielerin versucht und die Schwierigkeiten dabei, besetzt mit Juliane Moore (und Paul Giamatti) und das klingt schon ziemlich gut. Unbedingt sehen will ich auch den neuen Film von Ira Sachs, er heißt The Man I Love. Sachs’ letzten beiden Filme Passages und Peter Hujars Day fand ich super, zweiterer ziemlich Indie (=langsam erzählt, unspektakulär). Ich mag seinen Blick auf die Welt, seine visuelle Vision und nicht zuletzt die Themen, die Sinnlichkeit, oft geht es um “queere” Themen, aber nicht auf diese angestrengte woke Weise. Hier geht es um eine Aids-Erkrankung in den 1980er Jahren, weshalb ich mich auch ein bisschen fürchte, aber ich vertraue darauf, dass das kein Miseryporn wird.

Von Behemoth! – man soll sich ja vor Rufzeichen im Titel eher hüten – habe ich in der letzten Zeit viel gelesen; den Titel muss man erstmal googeln, also was das überhaupt bedeuten soll, aber auch das finde ich interessant. Es handelt sich offenbar um eine Art Musical und Pedro Pascal spielt die Hauptrolle. Pascal der, ich zitiere Pia Reiser vom fm4 Filmpodcast, “Vom Internet geliebt wird. Bisher aber tatsächlich noch keinen wirklich ganz guten Film gemacht hat.” Harhar. Er fällt auch immer eher durch politische Äußerungen auf als durch seine berufliche Tätigkeit, was ich ja – wie allgemein bekannt – extrem schätze. Not. In Behemoth! ist auch Eva Victor zu sehen, deren Regiedebut Sorry, Baby ich ganz fürchterlich fand, auch und speziell sie in der Hauptrolle. Aber alleine deswegen interessiert mich dieser Film schon. Es kann nur besser werden.

Auch viel zuviel außerberufliches hört man in der letzten Zeit von Javier Bardem, den ich als Schauspieler sehr mag oder zumindest bis jetzt mochte. In Bunker spielt er mit seiner Ehefrau Penelope Cruz. Als Architekt soll er einen Bunker für einen Tech-Milliardär bauen und auch über Tech-Milliardäre haben wir in letzter Zeit oft erzählt bekommen und es ist fast immer ziemlich öd und/oder ziemlich deppert harhar. Mal sehen. Optional habe ich zum Beispiel noch Echo Chamber gelistet, klingt vielleicht ein bisschen prätentiös. Und auch Succedera questa notte von Nanni Moretti – der wird auf der Viennale Homepage so beschrieben: “Vernünftig handeln die Figuren in Morettis Filmen selten.” Das kann gut sein, oder auch extrem mühsam. Dann gäbe es noch Heimsuchung mit Lars Eidinger oder Fjord, mit der tollen Renate Reinsve, aber ich glaube, den bekomme ich zeitlich nicht unter.

Und ab und zu kommt ja dann noch irgendeine überraschende Entscheidung meinerseits, ein Impulskauf quasi, zustande. Lasst euch überraschen.

Flohmarkt

Heute wurde ich gefragt, ob ich etwas für einen am Wochenende stattfindenden Flohmarkt verkaufen möchte.

Und zuerst dachte ich, ich weiß nicht was, ich habe ja nichts. Aber dann ist es bei mir tatsächlich so, dass ich, wenn ich einmal überlege und anfange, Dinge auszumisten, praktisch gar nicht mehr aufhören kann. Viele Menschen haben ja anscheinend, wie ich immer wieder hören, große Probleme, Sachen zu sortieren und dann etwas wegzugeben und bei mir ist das Gegenteil der Fall. Ich liebe es, Dinge zu mustern und zu entsorgen oder zu verschenken, zu spenden. Unter anderem auch, weil ich schlecht bin, im Ordnung halten. Es funktioniert halt besser, wenn weniger da ist.

In meinem Langtext erlebt die Protagonistin eine Trennung und da heißt es, ich zitiere: “Ich war nun in der Phase, in der ich eigentlich alles aus dem Fenster werfen wollte. Pölster, Stofftiere, sogar manche Möbelstücke. Ebenso und vor allem meine Notizbücher, alle meine Fotos, Vasen mit getrockneten Blumen, Geschirr sowieso, das möglichst laut knallen sollen, wenn es dramatisch auf dem Asphalt zerbricht.”

Es könnte sein, dass da ein bisschen etwas autobiografisches eingeflochten wurde. Harhar. Weil ich habe so das Bild, ich will alle meine Sachen in meinem Haus unterbringen, und trotzdem noch viel Platz übrig haben und da bin ich auf einem guten Weg. Natürlich gibt es Dinge, die ich niemals weggeben würde. Ich bin so froh, dass ich damals beim Notar meine beiden Teddybären zurückbekommen habe, quasi als Erbe meines Papas. Und ich habe Bücher und Plakate, meine Pinnwand, tatsächlich auch diverses “Klimsbims”, das ich liebe. Ich habe eine Fotokette, unter anderem mit einem Menschen aus (m)einem früheren Leben. Sowas würden sich manche wahrscheinlich nicht aufhängen. Aber ich möchte das so, mir bedeutet das viel.

Aber sonst habe ich die wichtigen Dinge im Gedächtnis und das reicht dann auch.

Primetime

Primetime erzählt die Geschichte von Chris Hansen (Robert Pattinson), dem erfolgreichen Moderator der Show To catch a Predator, die tatsächlich ab 2004 einige Jahre auf NBC lief und es sich zur Aufgabe gemacht hat, Pädophile und erwachsene Menschen, die mit Minderjährigen chatten und sich für Sex verabreden, vor laufender Kamera zur Rechenschaft zu ziehen. Mit seiner Produzentin Andie (Merritt Wever) und dem neuen Lockvogel Dan (Skyler Gisondo, was für ein Name!) schickt sich Hansen an, nicht nur zu einer Art moralischen Instanz zu werden – der Zweck heiligt quasi die Mitteln – sondern selbst auch weltberühmt zu werden…

Die große Zeit der Sitcoms ist vorbei. Seinfeld ist zu Ende gegangen, ebenso Friends, wie es im Film heißt. Auch die tollen Dramaserien sehen langsam einem Ablaufdatum entgegen. Es ist der Zeit der Realityshows mit all ihren Ambivalenzen und Kontroversen. To Catch a Predator soll gegen einen der letzten Publikumsmagneten programmiert werden, nämlich gegen Lost. Und die Show soll Chris Hansen reich, vor allem aber richtig berühmt machen. Denn er ist, sagen wir wie es ist, eine richtige Rampensau.

Der Titel des Films deutet schon darauf hin, dass der Aspekt der Pädokriminalität zwar auch eine Rolle spielt, es aber nicht wirklich um Kinderschutz und Recht geht bzw. nur als Nebenprodukt. Der Plan ist vielmehr, richtig erfolgreich zu werden. Und was es am Set von To Catch a Predator tatsächlich nicht gibt, ist so etwas wie die Stimme der Vernunft. Hier sagt niemand: Hey Moment einmal, was machen wir eigentlich und was sind unsere Motive? Was wollen wir erreichen? Ist hier irgendwas nachhaltig, ändern wir wirklich etwas? Haben wir Qualitätsmaßstäbe an unser Handeln, wenn wir als vierte Gewalt praktisch die Aufnahmen von zweiter und dritter übernehmen wollen? Der NBC Boss sagt zwar deutlich: Ich mag eure Show nicht. Was er aber mag ist den Erfolg, den diese in der Selbstjusitz-affinen USA hat. Die Produzentin Andie will sich in einer männerdominierenden Branche als Frau durchsetzen und Hansen wirkt sowieso vom Ehrgeiz zerfressen. Dan will einfach nur einen Job als Schauspieler – und somit eine Existenzsicherung.

Dieser Film lebt vor allem von seiner ästhetischen Extravaganz. Ich behaupte mal, man hat noch nicht viele Filme gesehen, die so aussehen und zwar fast durchgebend. Die Farbgebung, die Bildgestaltung, der teilweise körnige und raue Look, das alles ist so düster und auch angsteinflößend, man hat teilweise sogar den Eindruck, in einen Experimentalfilm geraten zu sein, was Primetime für mich extrem aufwertet. Parallel dazu wird Hansen bzw. Pattison im Film immer dämonischer. Während er anfangs nur aalglatt und unnahbar wirkt, wird er mit Fortschreiten der Handlung immer unheimlicher, bis er selbst fast den Verstand verliert. Dan hingegen ist im Kontrast dazu die tragische Figur. Er hat eine Musicalausbildung und singt wunderschön, muss sich aber hier als Schauspieler mehr oder weniger als Mittel zum Zweck verdingen. Darüberhinaus funktioniert sein moralischer Kompass noch am besten, was bedeutet, dass er bald große Probleme mit seiner “Rolle” bekommt.

Was ich immer schwierig finde ist, auch hier, wenn tatsächliche Menschen in einer semi-fiktionalen Geschichte vorkommen. Oder wie Pia Reiser im fm4 Filmpodcast sagte: “Niemand möchte gerne als karrieregeiles Arschloch porträtiert werden.” Das gilt auch für den wirklichen Chris Hansen, der über den Film natürlich nicht begeistert ist und ich kann es ihm nicht verdenken.

Als Kunstprodukt ist dieser Film aber auf jedenfall sehenswert.

Das Wochenende

Ein paar Impressionen vom Wochenende.

Sag mir, dass du im Bellaria Kino warst, ohne zu sagen, dass du im Bellaria Kino warst:

Der unverwechselbare Vorraum des Bellaria Kinos

Ich habe mir Primetime angesehen. Nach Digger schon wieder ein ziemlich stranger Film, aber auf eine ganz andere Art. Es geht um die tatsächliche US-Show How to catch a Predator aus den 2000-er Jahren, Robert Pattinson spielt den Moderator der Sendung, Chris Hansen, der Menschen, die sich aus sexuellen Gründen mit Minderjährigen verabreden wollen, eine Falle und sie vor laufender Kamera zur Rede stellt. Nun könnte man ja denken, puh, das klingt sehr nach Doku-Drama, aber Regisseur Lance Oppenheim macht (Gott sei Dank) etwas ganz anderes daraus. Bald mehr.

Als ich nachhause gekommen bin, wartete sie schon auf mich:

Beste Tischnachbarin

Sie war wieder einmal ein Wochenende auf Besuch in Wien.

Außerdem waren wir noch beim Italiener beim Garten. Er hat zwei Köche. Wenn der eine da ist, ist die Lasagne gut und wenn der andere da ist, ist sie fa-bel-haft. Gestern war der andere da.

Beste Lasagne im Al Capriccio

Während des Essens habe ich mit meiner Mutter eine Diskussion geführt, in Zuge derer sie meinte, dass ich für immer für alle Menschen eine Entschuldigung finde. Und ich habe dann gesagt, ich finde keine Entschuldigung, ich suche halt eine Erklärung dafür, warum sie sich so verhalten wie sie sich verhalten. Nachher habe ich dann überlegt, ob ich wirklich einfach zu “nachgiebig” bin und stattdesssen einfach über Menschen schimpfen sollte. Aber ich glaube nicht, harhar.

Heute gabs Mittagessen von der Jugend zubereitet und eine Watch-Party mit gutem Ausgang.

Verstappen Sieg in Singapur

Wer nicht Formel 1 verfolgt – es sind während des Rennens manchmal auch die Dialoge zwischen Fahrer und Renningenieur aus dem Teamfunk zu hören und mitzulesen. Meist auch direkt nach dem Rennende, wenn der siegreiche Fahrer dann mit seinem Team spricht. Heute war das Radio von Verstappen allerdings kaputt, man hörte also immer nur, was der Ingenieur sagte, Verstappen verstand man aber so gut wie gar nicht. Und am Ende so:

Iconic! Harhar.

Unterleiberl

Ich höre nicht Radio, also gar nicht. Früher hatte ich es zumindest im Auto an, aber ich habe kein Auto mehr. Oder ich habe es nebenbei im Garten laufen gehabt, aber das hat auch irgendwann aufgehört.

Ich sehe mir aber gerne die Instagram Reels von David und Alina an, die auf Energy das Frühstücksprogramm machen. Weil sie sehr witzig sind, nicht so auf aalglatt wie bei Ö3 (sorry), sondern so als würden sie sich einfach unterhalten und dabei Spaß haben.

Letztens ging es ums Wetter und was man da jetzt anzieht. Alina meinte, sie trage Zwiebellook, was David ganz vernünftig fand, bis sie ihm sagte, ihr Zwiebellook wären drei Leiberl übereinander. Und ganz unten eben ein Unterleiberl. Und David dann so: “Ein Unterleiberl!?? Das hat mich die Mama immer gezwungen in der Volksschule, dass ich so was anziehe.”

Und da musste ich echt lachen und habe das Reel gleich meinem Kind weitergeschickt. Weil eines der wenigen Dinge, die ich ihm aufgezwungen habe, in der Volksschule, waren Unterleiberl. Bei anderen Dingen, die ich “vorgeschlagen” habe, musste ich dann eine halbe Stunde diskutieren. Und meine Durchsetzungsfähigkeit ist eher so mittel. Bei Unterleiberl habe ich mich nicht kleinkriegen lassen.

Bis auf naja. Ab und zu, wenn er dann am Vormittag weg war und ich so ein bisschen das Wohnzimmer aufgeräumt habe, ja, da fand ich hin und wieder eines der Unterleiberl, die er vermeintlich anhatte hinter, klein zusammengerollt, unter einem Polster am Sofa. Er hatte es heimlich vorm Weggehen wieder ausgezogen.

Und ja, jetzt kann ich es zugeben: ich fands toll, dass er mich ausgetrickst hat harhar.