almis personal blog

Motivation?

Manchmal lese ich etwas und frage mich, wieso fühlt es sich nicht richtig an, obwohl es sich vielleicht richtig anfühlen sollte.

Ich mache es jetzt nicht so wie Lena Dunham und nenne Namen. Ich sage mal, es geht um das Posting eines österreichischen “Motivational Speakers”, das vor ein paar Tagen viral ging. In diesem Posting erzählt dieser, wie er seine Kinder in Schule und Kindergarten bringt und mit der Kleineren dann ein Ritual vollführt, wo sie sich jeden Tag vorm Kindergarteneingang hinstellen und sich zurufen: Ich bin stark! Ich bin gescheit! Ich bin toll! Ich stell mir gerade vor, wie ich da als Mutter mit meinem eigenen Kind vorbeigehe und ich glaub, ich rolle dabei mit den Augen harhar.

Es ist nicht so, dass ich es schlecht finde, Kinder zu bestärken, gar nicht. Aber irgendwie ist mir das eine Spur zu gewollt und zu performativ. Dann habe ich mich an die Kindergarten-Morgen mit meinem eigenen Kind erinnert. Oft war ich ur müde, ab und zu tatsächlich auch grantig, da wurde im Lift alle Knöpfe gedrückt, da ist die Straßenbahn davon gefahren, und hat uns im Regen stehen gelassen, da habe ich irgendwie versucht, dass er sich mit dem Roller auf dem Endspurt zu der Einrichtung – eine Art Begegnungszone von Autos und Füßgängern neben einer ziemlich stark befahrenen Straße – nicht umbringt. Das Letzte, was mir eingefallen wäre ist, in so einer Situation dann vor der Eingangstür zu stehen und fröhlich zu rufen: “Ich bin toll”. Das kommt mir ur absurd vor, harhar.

Ich habe im Kindergarten einer meiner engsten Freundinnen kennengelernt, sie hatte damals bereits drei Kinder (unter drei) und ich fand es so cool, wie sie in einem unserer ersten Gespräche meinte, ihr ist das suspekt, wenn bei manchen Familien immer alles toll ist. Das war so angenehm und befreiend, obwohl ich eh “nur” ein Kind hatte, aber trotzdem oft genug überfordert war. Natürlich gab es auch bei uns wahnsinnig schöne und auch bestärkende Momente in dieser Zeit. Aber sie passierten, wann sie eben passierten und nicht als Happening. Aber jeder wie er mag, wie sagt Brad Pitt zu Edward Norton, als der ihm eine Lebensweisheit in Fight Club mitgibt: “Funktioniert das gut für dich? Dann bleib dabei.”

Der Motivational Speaker geht dann übrigens nach dem Abliefern seiner Töchter heim und trinkt mit seiner Frau gemütlich Kaffee. Und ich glaube, spätestens da verlässt er die Lebenrealität der meisten seiner Leserinnen und Leser, harhar.

Famesick, zwei

Übrigens: So beantwortet man depperte Fragen bei einer Pressekonferenz:

Wenn das Bild von Adam Driver, das Lena Dunham von ihm, ihrer großen Liebe in ihrer Serie Girls gezeichnet hat – und es ist ja nur ein Bild von außen, das man sich über jemanden machen kann – auch nur zu einem geringen Prozentsatz akkurat ist, wird Driver ganz sicher niemals ein Buch über sich selbst schreiben, harhar.

Obwohl ich nicht die PR Beauftragte von Lena Dunham bin, finde ich es sagenhaft, was hier wieder für ein Pseudo-Skandal konstruiert wird. Ich empfinde das, was Dunham in Famesick über Driver schreibt, überhaupt nicht als Abrechnung. Vielmehr macht sie deutlich, wie sehr sie selbst daran gescheitert ist, ihn zu verstehen. Der Mensch Adam Driver nämlich, zu dem Dunham große Zuneigung verspürte und dessen schauspielerisches Talent sie immer wieder herausstreicht, ist ihr bis zuletzt trotzdem auch fremd geblieben.

In Famesick beschreibt sie sein Casting und seine Art zu arbeiten – durchaus rau, dominant, ein bisschen an der Grenze zur Aggression, einmal schreit er sie an, als sie ihren Text vergessen hat und wirft dabei einen Sessel gegen die Wand. Aber gleichzeitig betont sie immer, dass künstlerisches Arbeiten eben auch manchmal eine Grenzüberschreitung sein muss, sie hatte Driver quasi selbst die Erlaubnis dafür gegeben: “It was the rare situation where, in the lack of boundaries, there was a safety.”1 Interessant ist, dass der Adam, den Driver spielt, so viel mit dem realen Adam gemein zu haben scheint.

Einmal gab es die Chance, dass Dunham und Driver ein Paar werden, doch sie hat die Notbremse gezogen, aus Gründen, die vor allem die Serie betreffen. Eine weitere Zusammenarbeit wäre ihr unmöglich erschienen. Als Girls schließlich nach sechs Staffeln, endete, beschreibt Dunham die letzte Begegnung mit ihm, wo sie ihm quasi ihre Selbstzweifel ihm gegenüber gesteht, dass sie nicht “gut genug” für ihn war. Und er dann: “It was just as it needed to be” – he said, sounding like a Jedi (maybe he picked up a few tricks.) I hope you know, I will always love you.”2 Sie denkt darüber nach, wie sie sich weiterhin treffen werden, sie ihm vielleicht eine neue, andere Rolle schreiben wird: “But I never heard from him again.”

Und auch so ist das Leben. In diesem Moment hatten sie wahrscheinlich die besten Absichten und sie haben es so gemeint, aber wenn etwas endet, gelingt es manchmal nicht, etwas neues entstehen zu lassen. Und so hat sich nicht nur Driver jemals wieder gemeldet, auch sie hat es nicht getan. Für mich klingt eine gewisse Traurigkeit durch, wenn sie von ihm erzählt, auch immer eine Ratlosigkeit und manchmal sind es eben genau die Menschen, die man nie ganz versteht, die einen unendlich faszinieren und von denen man nicht los kommt.


  1. Lena Dunham: Famesick, S. 62 ↩︎
  2. Lena Dunham: Famesick, S. 205 ↩︎

Kampf der PED

Montag nach dem Grand Finale setzt natürlich bald einmal die PED ein, die Post Eurovision Depression. Aber dagegen kann man einiges machen. Und mein Rezept dagegen ist immer Film und Literatur.

Seit einigen Tagen läuft ja das Cannes Filmfestivat und Uncut berichtet in seinem Cannes Schwerpunkt sehr informativ und kurzweilig darüber. Marie Kreutzers neuer Film Gentle Monster hatte eben Premiere, ebenso Almodovars Amarga Navidad, diesmal wieder mit spanischen Darstellern. Sandra Hüller, die ich als Darstellerin sehr mag, wurde anlässlich der Premiere von Vaterland gefragt, ob sich Deutsche wegen der Nazis immer noch schuldig fühlen (sollen) und sie sagte: “Yes, I feel the guilt every day. And also I never get bored of it, to feel the guilt because it’s necessary to act right.” Sich der Vegangenheit und Geschichte bewusst sein ja unbedingt, aber schuldig fühlen, für etwas, das 40 Jahre vor der eigenen Geburt stattgefunden hat? Weiß nicht, wem das irgendwas bringen soll, aber die Frage an sich war auch schon saublöd. Vielleicht sollte man in so einem Fall einfach sagen, auf so blöde Fragen antworte ich grundsätzlich nicht.

Ein anderer Uncut Kollege hat gerade die Odyssee zu lesen begonnen, weil im Sommer kommt natürlich Christopher Nolans Adaption dieses Werkes von Homer in die Kinos. Der Kollege meinte, es liest sich besser als erwartet, was ich toll finde, weil ich bin schon nach zwei Sätzen auf Wikipedia ein kleines bisschen überfordert und tue mir mit solchen Stoffen ehrlich gesagt schon ziemlich schwer. Aber ich habe mir auch bei Oppenheimer gedacht, wen außer Physikerinnen und Physiker soll das interessieren, was theoretische Physiker (weniger -innen) drei Stunden miteinander reden. Und dann wars ein ungeheuer spannender Blockbuster, weil das Nolan schon sehr gut kann, sperrige Stoffe publikumswirksam aufzubereiten.

Ich selbst lese tatsächlich gerade etwas anderes und das mit großer Freude, in Vorbereitung auf den Film Late Fame, der nächste Woche anscheinend ausschließlich im Gartenbau zu sehen sein wird. Late Fame beruht nämlich auf Arthur Schnitzlers Novelle Später Ruhm, ein Werk, das ich tatsächlich noch nicht kannte, herausgegeben von Wilhelm Hemecker, bei dem ich in den 1990er Jahren einige Seminare auf der Uni besuchte. Im Film wird die Handlung vom Wien der Jahrhundertwende ins New York der Gegenwart verlegt (spannend!) Der immer erfreulich weirde William Dafoe spielt die Hauptrolle von Eduard bzw. Ed Saxberger, der in seiner Jugend einen Gedichtband verfasst hat und quasi 50 Jahr später von einer Gruppe junger Literaten wiederentdeckt wird.

Es gehört zu meinen liebsten Beschäftigungen, mich mit solchen Querverbindungen Buch/Film zu beschäftigen, aber auch zum Beispiel Filme zu vergleichen, die denselben Stoff haben. Vor einigen Jahren habe ich mir alle möglichen Gefährliche Liebschaften Verfilmungen angesehen und danach so tolle Gespräche mit jemand geführt. Daran erinnere ich mich ur gerne.

Finale, ESC 26

Falls jemand heute diesen Blog besucht um zu schauen, wie Almi jetzt den Sieg von Bulgarien erklären wird, muss ich euch sagen, die Mühe ist umsonst gewesen, ich habe nämlich absolut keine Ahnung. Harhar.

Ich habe Bangaranga vor der ESC Woche nicht ein einziges Mal zur Gänze angehört, ich finde es schon eher dadaistisch und relativ schnell auserzählt. Aber es kann ja auch noch wachsen, ich bin offen dafür. Das Voting gestern, vor allem der Jurysieg war für mich ziemlich surreal. Generell war das Juryvoting so divers wie gefühlt überhaupt noch nie. Es war auch das erste Mal seit 2017, dass ein Künstler sowohl das Jury- wie auch das Publikumsvoting gewonnen hat. Damals wars Salvator Sobral aus Portugal, der aber quasi das Gegenteil von dem gemacht hat, was Dara gestern auf die Bühne gestellt hat.

Gefallen hat mir tatsächlich Bulgariens Inszenierung, die ich edgy und interessant gefunden habe, und die absolute Unvorhersehbarkeit des gestrigen Abstimmungsprozesses (Spannung!). Ich meine, außer dass Italien schon wieder sehr gut abgeschnitten hat (Platz 5) – war das alles ziemlich unerwartet, zum Beispiel auch Rumänien auf Platz 3, Finnland nur auf Platz 6, Griechenland abgeschlagen.

Sehr lustig fand ich, wie Andi Knoll nachdem der Sieger festgestanden ist, alle quasi onomatopoetischen Siegertitel aufgezählt hat wie A-ba-ni-bi, La La La, Boom Bang-A-Bang, Ding-A-Dong, Diggi-Loo Diggy-Ley etcetera. Jüngere Zuseher haben sich gar nicht ausgekannt, für die klang es wie eine Sprachverwirrung.

Sehr gelungen fand ich im übrigen auch den Interval Act, das Mashup/Medley, in dem frühere ESC Künstler frühere ESC Songs interpretiert haben. Das war so viel auf einmal, dass muss ich mir noch öfter anschauen, wenn zum Beispiel Lordi das liebliche Save all your Kisses for me singen, Verka Serduchka Volare oder dann alle Waterloo. Mir persönlich hat auch der artsy Auftritt von Parov Stelar gefallen, besser als die Trommelei damals in Wien 2015, ähm sorry. Und der Schnelldurchlauf aller bisherigen Siegertitel, das ist halt der Himmel für Nerds.

Fan Bier und Erdbeertorte als Dessert zum Grand Finale

Schön war, dass es nur wenig Buhrufe gab und der Zusammenhalt der Künstler untereinander, da war viel vom alten ESC Spirit zu spüren, wo der Däne und der Norweger zum Beispiel den Tanzschein-Tanz im Greenroom tanzen. Und dass es auch Fotos mit Noah Bettan gab und nicht alle so taten als hätte er die Krätze. Ziemlich arg finde ich immer noch, wenn jeder Kandidat seine Publikumspunkte einzeln vorgelesen bekommt und das sind dann halt auch mal null – wie gestern bei UK und Deutschland – und du bist dabei groß im Bild zu sehen. Unangenehm.

Ingesamt ist der ESC Abend immer der Abend, an dem meine persönliche Sorgen irgendwie weit weg sind, weil etwas ganz anderes im Mittelpunkt steht, was mich immer wieder aufs neue fröhlich macht. Das hat auch heuer wieder geklappt.

Fazit:

Kann sicher nicht jeder nachvollziehen und vielen geht es hinten vorbei, und das ist auch völlig okay, aber wenn man es liebt, ist es wunderbar.

Die Katze

Die Katze ist schon da. Gestern Abend angekommen, sieben Monate alt, aber gar nicht scheu, hat sich alles genau angesehen.

Um halb eins bin ich ins Bett gegangen. Um fünf Uhr früh saß sie maunzend vor meiner Tür. Ich total planlos mitten aus dem Schlaf gerissen, bin mir vorgekommen, als hätte ich wieder ein Kleinkind. Ich habe sie dann natürlich reingelassen. Sie hat aber weiter gemaunzt und zwar ganz schön laut. Daraufhin habe ich ihr etwas zu fressen und zu trinken angeboten, was sie aber nicht mochte. Na gut, habe ich ihr gesagt, dann gehe ich wieder ins Bett.

Zurück im Bett, ist sie gleich raufgesprungen und minutenlang auf meinem müden Körper herumspaziert, Katzen Shiatsu-mäßig. Danach hat sie ihre Krallen an meinem Polster ausprobiert, während ich direkt daneben versucht habe, wieder einzuschlafen.

Irgendwann nach sechs hat sie sich dann unters Bett verkrochen – wo es ur ausschaut, wie ich im Zuge dessen draufgekommen bin, ähm. Aber anscheinend taugt ihr das; bald habe ich gleichmäßige Atemgeräusche gehört. So konnte ich dann ab halb sieben auch noch ein bisschen schlafen. Als ich aufgewacht bin, lag sie immer noch schlafend unterm Bett.

Aber sie ist so süß und hübsch, man kann ihr natürlich nicht böse sein. Aber heute Nacht schlafen wir durch, gell junge Dame? Weil heute bleiben wir sowieso noch lange auf. Weil bester Abend: Songcontest!

Semifinale 2, ESC 26

Heute habe ich mich mit sehr lieben Menschen zum Mittagessen getroffen, die extra aus dem Süden Österreichs angereist sind, um gestern die Semi 2 Nachmittagsshow zu sehen. Ich habe mir natürlich alle Details erzählen lassen. Super nett wars!

Ansonsten war das Semi gestern nicht wahnsinnig überraschend – die zehn Songs, die laut Quoten weiterkommen sollten, sind auch weiter gekommen. Ich finde es ja immer faszinierend, dass ich selbst am Ende jedes ESC Jahres sage, Schluss, aus, ich werde mich nicht mehr an den Quoten orientieren und jedes Jahr tue ich es dann doch aufs neue, harhar. Naja, gestern hat es jedenfalls gestimmt.

Interessanter – oder vielmehr ärgerlicher, zumindest meines Erachtens – war die Erstellung der tatsächlichen Startreihenfolge morgen. Die Musiker ziehen ja an sich, wo sie starten werden, allerdings nur eingeteilt in “First Half”, “Second Half” und “Producers Choice” (aka “Deliberate Fraud” harhar, Witz bevor mich wer klagt) Ja, mir ist schon klar, dass man nicht drei Balladen hintereinander platzieren will oder vier Banger aus showtechnischen Gründen, aber es ist auch klar, dass die Songs, die in der ersten Hälfte drankommen, einen Nachteil haben und je früher, umso größer ist dieser. Und in diesem Zusammenhang dann Dänemark auf Startplatz 1 zu setzen, ist schon, wie Jugendliche sagen würden, Ragebait.

Ich verstehe es auch showtechnisch nicht wirklich, weil das für mich auch kein klassischer Eröffnungssong ist. Jedenfalls dürften damit Dänemarks kleine Siegeschancen dahin sein. Fakt ist außerdem, dass von Startplatz 2 aus noch nie ein ESC gewonnen wurde. Diesen undankbaren Platz hat dieses Jahr Deutschland zugewiesen bekommen. Dafür hat Australien gerade ein gewisses Momentum, kommt mir vor. Gestern hat man gesehen, dass Goodrem ein absoluter Profi ist, mir ist es trotzdem zu glatt. Cosmo startet übrigens als Letzter, quasi als Comic Relief nach Rumäniens Choke me, harhar.

Schön fand ich gestern, wie sich die Künstler verschiedenener Nationen gegenseitig gratuliert haben und sich miteinander freuen. Das ist genau der ESC-Spirit, den wir sehen wollen. Und nicht die ganze Cancel-Boykott Kacke, harhar. Sorry, aber ist ja so.

Feiertag

Obwohl Feiertag ist, habe ich heute erstmal was gearbeitet und dann schon ein bisschen die Wohnung aufgeräumt und geputzt. Am Samstag gibt es eine kleine Patchwork ESC-Party und wie ich heute erfahren habe: sogar mit einem Stargast, einer kleinen Katze. Freue mich sehr, natürlich auch auf die anderen Gäste harhar.

Am Nachmittag bin ich ins Filmhaus am Spittelberg gefahren und habe mir Un Poeta angeschaut. Es geht hier um einen alternden eher erfolglosen Dichter in Kolumbien – habe sofort connected harhar – der eine junge Frau aus armen Verhältnissen als Talent entdeckt. Aber ich habe mir das alles ein bisschen mehr “uplifting” und positiv vorgestellt. Der Film hat zwar sogar witzige Momente, aber der Vibe ist mir generell zu düster gewesen, das war alles so schwer und desolat, das passiert mir selten, dass ich mir sowas ansehe und es nicht im Vorfeld schon ahne und auslasse.

Also direkt vom Filmhaus zu Fuß zum Rathausplatz gegangen.

Das Wetter in dieser ESC Woche ist übrigens genauso beschissen bescheiden wie es das 2015 auch war

Wegen dem Eurovillage Feeling, ich wollt zumindest mal in der Nähe sein. Es war gerade ein ESC Quiz und ich konnte die Fragen ohne Auswahlmöglichkeiten beantworten, ich glaube, das ist irgendwie bedenklich harhar. Ausserdem habe ich Miriana Conte aus Malta vom letzten Jahr performen gehört.

Dann wieder daheim natürlich das zweite ESC Semifinale geschaut – ein garantierter Stimmungsaufheller. Und zum Einschlafen an jemand denken. Das sowieso.

Semifinale 1, ESC 26

Nächste Obsession: ESC.

Also gestern war ja das erste Semifinale und was soll man sagen, die Bühne der Stadthalle war schon mal ganz cool, finde ich:

Mir gefällt diese Bühne ehrlich gesagt besser als die von 2015, wo ich live vor Ort war

Die Moderatoren hm. Wie sang Jendrick, der deutsche ESC Kandidat von 2021: “I don’t feel hate, I just feel sorry”. Nein, ich habe irgendwie keine richtige Meinung dazu und das ist ja auch mal ganz angenehm.

Zu den Songs. Ich persönlich habe mich sehr gefreut, dass Litauen dann doch weitergekommen ist und ich weiß, Lion Ceccah mit Sólo quiero más ist ein Minderheitenprogramm oder wie jemand in den ESC Reactions meinte: Litauen bringt heuer den Beitrag, der am lautesten Kunsthochschule schreit. Dafür ist normalerweise eher Portugal zuständig. Aber mir gefällt das wirklich gut, ich fand auch das Staging interessant. Apropos Staging: In unserer ESC Gruppe wurde der Abend zusammengefasst als: Grusel, Hexen, Monster & Zauberer und das stimmt auch, es war ziemlich düster, ziemlich viel rot und schwarz, natürlich das übliche Feuer, stellenweise sehr martialisch.

Lion Ceccah nachdem er zwei Minuten vor allem litauisch gesungen hat, harhar.

Kontrastprogramm dazu Akylas aus Griechenland mit Ferto, ein Mitfavorit und ich habe es leider bis jetzt nicht geschafft, mir den Song schönzuhören, ich habe es wirklich versucht. Mir ist das irgendwie zu anstrengend und die Bühnenshow (nix für Epileptiker) verstärkt das noch. Da hat man den Eindruck, nachdem man sich Akylas drei Minuten angesehen hat, jetzt würde man sich gern mal ein halbes Stündchen hinlegen, harhar. Aber natürlich ist Griechenland weiter. Nicht weiter ist hingegen San Marino, wo die ESC Veteranin Senhit diesmal Boy George im Schlepptau hatte und ich finde es erstaunlich, dass sie immer noch nicht zu wissen scheint, wie dieser Bewerb funktioniert. Dass nämlich große Stars außerhalb des ESC nicht unbedingt ein Erfolgsgarant sind, zumindest wenn der Song nix kann.

Die EBU hat sich heuer dafür entschieden, die Geräusche in der Halle, sprich den Unmut gegen Israel, nicht herauszufiltern und dann passierte das:

Wirklich so, so laut selbst im TV zu hören, sehr unangenehm, glücklicherweise eine singuläre Erscheinung.

Finnland als überdrüber Favorit ist natürlich auch weiter, dazu gab es ja eine kleine Kontroverse, da dem Wunsch der Geigerin Linda Lampenius stattgegeben wurde, die Geige live zu spielen. Das war eine Sensation, denn es war tatsächlich das erste Mal seit … vorigem Jahr. Okay, hear me out: Natürlich hat der Italiener Lucio Corsi letztes Jahr auch seine Mundharmonika spielen dürfen, aber es dauerte ungefähr 15 Sekunden, bis Corsi das angesabberte Instrument (hab ich mir immer gedacht harhar) seinem Co-Musiker wieder zurückgibt. Und davor war das letzte live Instrument tatsächlich 1998 (!) im Einsatz. Weil es eben da verboten wurde.

Morgen dann schon das zweite Semi, mit meinen beiden Lieblingssongs aus Tschechien und Dänemark.

Girls, Fazit

Mein Fazit nach Girls – ja dann ist Schluss, ich weiß ich bin gerade etwas obsessed – und der Lektüre von Famesick: Ich hätte gern eine neue Lena Dunham Serie.

Aber keine wie Too Much, die Miniserie vom vorigen Jahr. Ich habe da länger gegrübelt, warum mich die so gar nicht erreicht hat. Ich glaube, es lag einerseits an der Hauptdarstellerin Megan Stalter, die ich überhaupt nicht mochte. Dunham selbst war so liebenswert, zwar auch total schräg, hatte aber so etwas nahbar-sympathisches. Too Much fehlte auch die gewisse Ambivalenz, die Girls hatte, auch eine Vielschichtigkeit. Natürlich ist Hannah Horvath Demokratin, aber es gibt zum Beispiel eine Szene, in der sie mit Jessa über Politik spricht, da sie gerade einen Republikaner datet, und Jessa sagt: „What’s wrong with a Republican? It’s just the same as a Democrat. They’re all dirtbags. It was Bill Clinton who repealed the Glass-Steagall Act” Ich glaube, Lena Dunham hat mit den Clintons noch ein Hühnchen zu rupfen, harhar.

Das Problem ist vielleicht auch, dass Dunham mit fast 40 Jahren keine Serien über Ende 20-Jährige machen “sollte”. Ich bin der Überzeugung, dass wenn man aus einer Altersgruppe draußen ist, darüber nicht mehr wirklich authentisch schreiben kann, besonders wenn die Zielgruppe genau diese Altersgruppe sein soll. Mir wäre lieber, sie macht eine Serie über 40 Jährige, die zum Beispiel, wie sie selbst, kein Kind bekommen können – ein großes Thema in Famesick – oder etwas über die Herausforderungen mit ihrer Krankheit. Etwas, was mehr sie jetzt ist und nicht sie vor zehn Jahren.

Zum Schluss noch mal ein Spoiler, für die, meines Erachtens, eigenartigste Szene der ganzen Serie, aus Staffel 5. Hannah entdeckt auf dem Handy ihres damaligen Freundes Fran Nacktfotos von dessen Ex-Freundinnen. Zur Rede gestellt, gibt Fran an, er hat die Fotos “nur”, um sich dabei ähm, selbst zu befriedigen. Also das ist ja doch irgendwie schon eine ziemliche Red Flag, harhar. Man hat die Szene noch gar nicht richtig verdaut, wird sie von der nächsten noch getoppt, in der Hannah sich nackt von Ray (nicht etwa von einer der Freundinnen) fotografieren lässt, weil er halt einfach die besten Fotos macht, um Fran quasi selbst eine “Vorlage” zu liefern. Da sitzt man schon vorm TV und denkt sich: Was bin ich sehend? Aber ich mag sowas ja. Harhar.

Entlassen möchte ich euch jetzt mit der Frage, die Ray gerne jedem stellt, den er neu kennenlernt: Möchtest du lieber in einem hässlichen Haus mit Blick auf ein schönes Haus leben oder in einem schönen Haus mit Blick auf ein hässliches?

Spannende Frage, oder?

Girls, zwei

Also noch ein bisschen was zu Girls– Staffel sechs.

Allgemein lässt sich sagen, dass in den Staffeln zuvor einiges passiert, was in Serien öfters passiert: Es gibt Hochzeiten, es gibt Trennungen – oft betreffen sie auch die Menschen, die gerade erst geheiratet haben. Es gibt Schwangerschaften und (beinahe) Abtreibungen. Es gibt Todesfälle. Jemand zieht für eine gewisse Zeit an einen anderen Ort; hier: Japan. Es gibt sogenannte Bottle Episoden, das bedeutet, es kommen nur ganz wenige Protagonisten vor, die sich die ganze Folge an einem Ort aufhalten und fast nur reden.

Ich finde aber, wie eh schon kurz erwähnt, die letzte Staffel macht einiges anders als man das so aus Serien kennt.

ACHTUNG MASSIVE SPOILER FOLGEN

Die vier “Girls” nämlich, bleiben keine Freundinnen oder sagen wir so, dieser Freundeskreis wird durch äußere und innere Umstände herausgefordert bis zerissen Und es läuft so ab, wie im wirklichen Leben, hier kommt ein Mann dazwischen, dort passiert Entfremdung durch unterschiedliche Ansichten oder Lebensstile. Man hat Geheimnisse oder redet einfach nicht mehr so viel miteinander, es gibt ein Missverständnis, you name it. Und nach der finalen Folge weiß man im Prinzip nicht, ob sich die vier weiterhin sehen werden, also zu viert vermutlich gar nicht mehr. Das ist irgendwie traurig, aber irgendwie auch ziemlich realitätsnah. Nämlich auch der Aspekt, dass man es eben nie genau weiß, wie sich Freundschaften entwickeln werden.

Meine Lieblingsszene der ganzen Serie ist die, bei der Ray (Alex Karpovsky) – der, sind wir uns ehrlich, sympathischste Mann in Girls – mit einem Date Karusell oder sagen wir Ringelspiel fährt, es ist Nacht, man sieht die Skyline von New York, sehr romantisch. Und es spielt ein Musikstück. Und ich denke mir so, das kenne ich, das ist doch ein Wiener Marsch. Und nach kurzem Googeln weiß ich, es handelt sich um Wien bleibt Wien von Johann Schrammel, aus dem Jahr 1886 (!). Und das Stück läuft nicht im Hintergrund, es dominiert die ganze Szene und geht noch im Abspann weiter. Keine Ahnung, wie das US-Amerikaner empfinden, wenn sie das sehen und vielleicht noch überhaupt nie ein Wienerlied gehört haben, aber ich fand es skurill und süß und irgendwie rührend. Genau das macht den Stil von Lena Dunham aus, dass sie nicht nur sehr ungeniert nackt herumläuft, nein, sie trifft auch solche überraschenden Regie-Entscheidungen, die einfach besonders sind und die Serie so interessant machen.

Am emotional erschüttersten ist vielleicht die Szene, in der Adam (Adam Driver), die große Liebe von Hannah (Lena Dunham) seit Folge 1 quasi zurückkehrt, obwohl er eigentlich gerade mit Jessa (Jemima Kirke, einem der Girls) zusammen ist. Was natürlich sehr schmerzhaft für Hannah war/ist. Hannah selbst ist schwanger von einem Urlaubsflirt, mit dem sie natürlich keine Zukunft plant, sie will das Baby aber behalten. Und Adam bietet ihr an, sich um sie und das Kind zu kümmern, weil eigentlich gehören sie – er und Hannah – zusammen, so seine Erkenntnis. Und natürlich ist der Reflex der Zuseher hier: Ah endlich!

Hannah und Adam verbringen einen gemeinsamen Tag von Wiedersehens-Sex bis Shopping von Babyutensilien, doch dazwischen merkt man immer durch nur ganz subtile Kleinigkeiten, dass irgendwas nicht passt. Etwas liegt in der Luft. Als sie schließlich am Abend essen gehen und Adam laut nachdenkt, wo sie denn nun gemeinsam hinziehen werden, fängt Hannah zu weinen an. Und dann schauen sie sich nur an – beide spielen das extrem gut – sprechen kein Wort und trotzdem versteht jeder Zuschauer, dass die beiden gerade eine Erkenntnis darüber haben, dass es nicht funktionieren wird. Und dass ihre Beziehung endgültig vorbei ist. Quasi der Moment, in dem man das bekommt, was man immer erseht hat und merkt: Ich will es gar nicht mehr. Es ist zu viel passiert, über das nicht hinwegzukommen ist. Das betrifft hier speziell Hannah, habe ich zumindest das Gefühl, wie gesagt: Es wird kein Wort darüber gesprochen. Adam sagt nur schließlich: “What’s the rest of your night look like?” und damit ist klar, dass jeder nun seiner eigenen Wege geht. Das ist so schlicht, fast nebenbei, dass es eine ganz eigene Wirkung hat.