almis personal blog

The Magic of Cinema

Heute Nacht wurden die Golden Globes verliehen.

Ich habe es mir nicht angeschaut, einerseits, weil es nirgends übertragen wurde harhar, aber auch, weil ich die Befürchtung hatte, mich nur ärgern zu müssen, weil viele Schauspieler sich nicht an dem orientieren, was Ricky Gervais in seiner wirklich genialen Anmoderatorin der Globes 2020 zu den Anwesenden gesagt hat: “If you do win an award tonight, do not use it as a platform to make a political speech. You’re in no position to lecture the public about anything. You know nothing about the real world. Most of you spent less time in school than Greta Thunberg” harhar, immer wieder grandios.

Sehr schön fand ich aber dann heute die Rede von Stellan Skarsgård, der sich daran gehalten hat und trotzdem oder deswegen etwas wunderbares gesagt hat. Skarsgård wurde in der Kategorie “Bester Nebendarsteller” für meinen Lieblingsfilm 2025, Sentimental Value, der übrigens auch der Lieblingsfilm von Paul Thomas Anderson war, ausgezeichnet. By the way habe ich heute den Nachbarn getroffen, der auch viel ins Kino geht und er meinte zu mir, er würde ja nie im Kino weinen, aber jetzt hat er Sentimental Value gesehen harhar…na jedenfalls sagte Skarsgård, er freue sich, dass so ein kleiner norwegischer Film, ohne viel Geld für Marketing hier vertreten ist und ihn so viele sehen. Außerdem:

“And hopefully, you’ll see it in a cinema. Because they are an extinguished species now. In a cinema, where the lights go down and eventually you share the pulse with some other people. That’s magic. Cinema should be seen in cinemas”

Hach ja, wie schön schnüff. Solche Reden wollen wir hören, genau solche.

Winterwochenende

Dieses Wochenende wars so kalt, die Arbeit stapelt sich ohnehin und das Kind war auch auswärts, so hätte ich zwei Tage nur daheim am PC sitzen können. Habe mich dann aber doch anders entschieden. Ich war an beiden Nachmittagen im Kino harhar. Und zwar im Filmhaus am Spittelberg.

Ich habe einen “geheimen” Weg entdeckt, zwischen dem Kino…

Wokes Kino, aber gemütlich harhar

…an der Benko Ruine vorbei:

Das war notwendig, dafür das alte Leiner Haus abzureißen, oder?

…zum Morawa (am Samstag)…

Recht angetan von meinen kurzen Leseproben dieser Literaturnobelpeisträgerin

…bzw. Vapiano, heute

Zu gierig bzw. um 15.30 zu hungrig für ein “vorher” Foto harhar

Schön wars, gemütlich wars und hat meiner “Mental Health” sehr gut getan. Zum Arbeiten hatte ich auch noch genug Zeit.

Dazwischen zwei Highlights:

1.) Kind kommt für 30 Minuten heim. Ich so: Das hat sich jetzt aber nicht ausgezahlt! Kind so: Ich wollte dich sehen. Ich: Ok, was ist der echte Grund? Kind: Ja wirklich, deshalb. Ich: Ohhh! Harhar.

2.) Wieder ein wunderschöner, komplett unrealistischer Traum letzte Nacht. Und auch wenn ich das weiß, habe ich es auch diesmal einfach genossen, jemanden zu sehen und mit jemandem so zu reden wie früher, mich genauso zu fühlen, wie damals, neben ihm.

Gutes Wochenende.

Sirat

So jetzt zu einem wirklich verstörenden Film, den ich irgendwie “durchgestanden” habe, nämlich Sirāt von Oliver Laxe.

Luis (Sergi López, der einzige Berufsschauspieler, alle anderen sind Laiendarsteller) und sein 12 jähriger Sohn Esteban samt Hund suchen auf einem illegalen Rave in Südmarokko nach der Tochter bzw. Schwester Mar, die zwar volljährig, aber seit Monaten vermisst ist. Nachdem die Veranstaltung polizeilich aufgelöst wird, schließen sie sich einer kleinen Gruppe von Ravern an, um durch die Wüste zum nächsten geplanten Spot zu fahren und dort weiterzusuchen…

ACHTUNG SPOILER

Pia Reiser vom fm4 Filmpodcast versucht, eine neue Begrifflichkeit für diese Art von Filmen zu etablieren und da ich diese so gelungen finde, verbreite ich sie gerne weiter. Sie nennt dieses Genre Arghouse. Also eine Mischung aus Arthouse und “arg” harhar.

Rein optisch könnte man hier, frei nach Grissemann und Stermann, sagen: Das ist Mad Max/Fury Road für Sozialhilfeempfänger. Die beiden Trucks, die durch die Wüste brettern erinnern – minus des Glamours und der Coolness – sehr an die dystopische Endzeitsaga von George Miller. Nur begleiten wir hier Menschen, die vom Leben gebrochen sind. Man sieht es ihnen auch äußerlich an. Sie wirken älter als sie sind, jemand fehlt eine Hand, einem anderen das Bein. Menschen, die von der Gesellschaft ausgeschlossen wurden oder dieser aus eigenem Antrieb den Rücken gekehrt haben, genauer wird das nicht erklärt. Die jedenfalls nichts mehr haben als diese Art der Wahlverwandtschaft und den Eskapismus in Drogen und Tanz. Es sind keine “bösen” Menschen, im Gegenteil, sie wirken zu verletzlich für diese Welt.

Schon diese Prämisse finde ich persönlich unfassbar deprimierend. Denn auch wenn ich diese Art von Hoffnungslosigkeit irgendwie nachempfinden kann oder es zumindest versuche: Depression entgeht man nicht in der Wüste, das sage ich jetzt mal so. Aber die Raver haben schon lange keine Perspektive für die Zukunft mehr. Und die Vergangenheit ist ein endloser Schmerz. Es ist alles so unglaublich bedrückend und es ist hier fast körperlich spürbar, dass sie sich nun irgendwie fatalistisch der Natur und den Umständen ausliefern, denn hier lauert eine Gefahr nach der anderen: Wie lange kommt man mit den Wasservorräten aus? Wo ist die nächste Tankstelle? Und wo die bis an die Zähne bewaffnete fragwürdige “Polizei”?

Es ist die Stärke, aber auch das wirklich beklemmende an diesem Film, dass er so radikal ist und einen mit audiovisueller Finesse sofort in die Handlung hineinzieht. Einerseits verspürt man eine gewisse Faszination des Grauens, andererseits will man nichts wie weg. Und der Zuseher wird tatsächlich nicht geschont. Es ist wirklich so arg wie alle behaupten und zwar nicht im Sinne des Horrorgenres, denn es ist kein Horrorfilm. Hier passieren Dinge, die jedem Einzelnen von uns dort genauso widerfahren könnten. Bis man schließlich total handlungsunfähig ist und, im wahrsten Sinn des Wortes, auf einem Minenfeld landet. “Sirāt” bezeichnet im Islam übrigens einen hauchdünnen, aber messerscharfen Weg, der Dies- und Jenseits trennt.

Fazit: Auch wenn es am Ende einen *klitzekleinen* Lichtstreifen am Horizont gibt, ist das über weite Strecken echtes Feelbad Cinema, da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Ja, ich bin froh, dass ich diesen Film gesehen habe. Ich empfehle ihn aber nur auf eigene Gefahr, denn ich bin kein Sadist harhar.

Frühstück Joma

Okay, heute gab es das schon zweite Auswärts-Frühstück in dieser Woche und diesem Jahr und sogar sogar im Schnee. L. und ich waren diesmal im Joma am Hohen Markt (unbezahlte Werbung). Ich war da vor Jahren schon mal und hatte es in guter Erinnerung.

Sehr stimmungsvoll, wieso das Foto so schief geworden ist, keine Ahnung

Das Lokal ist gediegen, hat eine schöne ruhige Atmosphäre, ist behaglich und gut beheizt, was heute wichtig war. Ich habe schon wieder Egg Benedict bestellt, L. Egg Avocado und es war tatsächlich wieder herrvorragend. Eine leichte Sauce, Grünzeug, diesmal sogar mit Nobelschinken (ich mein, wir sind im 1. Bezirk) und auch optisch ein Genuss. Dazu gabs Cappuccino und danach noch frischgepressten Orangensaft. Geht es uns gut oder was? Harhar.

Egg Benedict und Egg Avocado

Wir haben die Weihnachtsferien aufgearbeitet und die herannahende Matura besprochen und noch so einiges anderes. Danach sind wir zum Stephansplatz gebummelt und waren dann noch Bücher schauen.

Stephansdom im Schnee, 9. Jänner 2026

Schön sah sie aus, die Welt heute. Wie immer bei Neuschnee auch ein bisschen magisch.

Ugo Rondinone

Aus der Rubrik: Künstliche Aufregung meinerseits.

Vor kurzem hat eine Schauspielerin, die ich noch aus Beverly Hills 90210 kenne, auf Insta folgendes gepostet:

Ihr Mann steht da offenbar in einer Art Park bei Las Vegas, der nennt sich Seven Magic Mountains. Und ich denke mir: erstens wow diese Exponate wirken toll in der Wüste und zweitens: Oida das schaut aus wie der Vienna Mountain im Andre Heller Park:

Der Vienna Mountain bei Nacht im Andre Heller Park

Ich so im ersten Augenblick, was für eine Frechheit, was für ein Plagiat, wie unverfroren – und dann, nach einer Minute Rage meinerseits, habe ich den Künstler gegoogelt, es ist, Ugo Rondinone. Also in beiden Fällen ähm. Sorry, nur ein Selbstplagiat. Harhar Scherz! Eine Neuinterpretation.

Und wenn ich schon beim Heller Park bin, liebe Stadt Wien ein paar Hinweisschilder oder Durchsagen mit Hinweis auf die neue Touristenattraktion im Bus wären schon cool, weil ich jetzt schon mehrfach von orientierungslosen Interessierten nach dem Standort gefragt wurde. Ich mein, es ist halt echt am A…der Welt.

Ich geh jetzt öfters Abends hin zum “Auszittern”. Es ist wirklich enorm friedlich. Weil ich denke immer noch an jemanden.

Die nächste Depperte

In zwei Tagen habe ich Die nächste Depperte ausgelesen, was mir M. am Montag erst geschenkt hat!

Eigentlich lese ich noch immer Paul Auster, aber das ist ziemlich anstrengend, so war mir diese Lektüre eine willkommene Abwechlsung. Untertitel: Von einer, die auszog, um Autorin zu werden. Deshalb bekam ich auch das Buch harhar. Aber bei Susanne Kristek, der ich übrigens auch auf Instagram folge, hat es ja schon geklappt. Im Sommer habe ich bei einem ihrer Postings sehr gelacht, nämlich als sie den “Brunnen” im 12. Bezirk bei der Niederhofstraße fotografiert hat und drunter geschrieben hat: “Infinity Pool Meidling”. Jetzt muss ich jedes mal, wenn ich da vorbeikomme, daran denken.

Nun. Das Buch fand ich sehr amüsant und kurzweilig. Ein paar Disclaimer gibt es aber. Es ist weder ein Roman, noch erklärt es wirklich, wie man Autorin wird. Und es ist nicht ganz optimal lektoriert, wie ich finde, ein paar Redundanzen hätte man entfernen können. Es gibt keine richtige Handlungsstruktur, es ist eher eine Sammlung von Geschichten. Nix dagegen zu sagen, ich erwähne es nur. Kristek hat übrigens in der Kettenbrückengasse einen Schreibworkshop besucht und das ist witzig, weil ich gerade vor ein paar Tagen genau dort auch einen solchen ergoogelt habe.

Die atmosphärisch schönste Szene ist die, die dem Buch seinen originellen Titel gibt. Kristek stellt ihr erstes Buch vor, es ist wieder mal ein Lockdown, weshalb sie das bei unwirtlichem Wetter, Nieselregen und Wind im Oktober mit einem improvisierten Büchertisch im alten AKH tut. Und weil man halt Maske trägt und sowieso gerade alle durchdrehen, kommen ihre Versuche, Publikum anzulocken, eher mäßig gut bei den vorbeigehenden Menschen an. Eine alte Dame, die mit ihrem Hund unterwegs ist, schüttelt den Kopf und sagt: “Die nächste Depperte!” Harhar, fand ich sehr schön.

Ansonsten geht es um Autorinnenfreundschaft – mit der österreichischen Krimischriftstellerin Martina Parker – es geht um Ferienhäuser im Burgenland, die Frankfurter Buchmesse, ein Hera Lind Schreibseminar, die Empfehlung von Elke Heidenreich, um den “Gatten” und die “junge Dame” und darum, dass Kristek besser einparkt als Auto fährt. Ein bisschen geht es auch um ihre Mitmach-Lesungen, die sie in den Breitenseer Lichtspielen abhält und einfach darum, dass sie so eine Art Selfmade-Woman ist, die sich eher wenig selbst ernst nimmt und mit Selbstironie betrachtet. Das fand ich sehr sympathisch.

Unterscheiden tut mich von Kristek, dass sie schreibt, weil sie gerne Geschichten erzählt und Menschen unterhält. Ich schreibe, um zu erklären, was eigentlich mit mir los ist, harhar.

Weihnachtsferien, zwei

Die letzten Tage war das Kind auf quasi Zweitheimaturlaub. Ich hab ein bisschen gearbeitet, aber auch noch die freien Tage genossen. Weil die nächsten Monate werden wahrscheinlich eh ein bisschen anstrengend.

Ich habe zwei Filme gesehen. Ich habe Sirat nachgeholt, einen Film, bei dessen Trailer ich ahnte, er würde mich zerstören und den ich deshalb eigentlich ignorieren wollte. Aber nachdem er jetzt als bester internationaler Film für Spanien bei den Oscars eingereicht wurde, habe ich mich drüber getraut. Und siehe da, er hat mich tatsächlich vollkommen zerstört, harhar. Mehr bald. Zum quasi Ausgleich habe ich auch Showing Up in OV von Kelly Reichhardt im Stadtkino angeschaut. Einen Film im Künstlermilieu, in dem fast gar nichts passiert, nur Alltagsmomente, kleine Depressionen, sowie kleine Freuden eingefangen werden, aber alles mit so viel Liebe geschildert wird, das hat mir richtig gut gefallen.

Morgenblick aus dem schön warmen Haus in den winterlichen Garten

Ich war am Hauptbahnhof, um etwas zu besorgen und habe mich zwischen den vielen ankommenden und abfahrenden Menschen treiben lassen, die alle dringend irgendwohin mussten oder von irgendwoher kommen und mir gedacht, wie lange ich schon nicht mehr Teil davon bin, irgendwohin zu fahren oder irgendwo anzukommen.

Ich habe geschrieben und ich muss sagen, mit meinem Text bin ich wirklich zufrieden. Ich recherchiere außerdem gerade nach irgendwelchen Workshops, die mir Tipps geben können, wie ich an Agenturen oder Verlage herantreten kann, dass ich auch eine Chance habe. Da geht es um Exposes und Pitches und Marketing, was ich bei Geboren in Bozen irgendwie zwangsläufig auch gemacht habe, ich war sogar im Stern. Aber prinzipiell, ich verrate das hier exklusiv, liegt mir das wirklich null harhar.

Morgen beginnt wieder die Schule und für Maturanten auch bereits das zweite Semester und ja, wie gesagt, es könnte ein bisschen anstrengend werden harhar.

Frühstück Wirr

Auch in den Ferien werden selbstverständlich neue Frühstückslokalitäten getestet. Heute war ich mit M. im WIRR in der Burggasse. Nur ein par Schritte vom superen Admiralkino entfernt.

Das Wirr in der Burggasse, nicht vor den Vespas täuschen lassen, es war saukalt

Wir haben reserviert, das war aber nicht notwendig, dann als wir kurz nach neun gekommen sind, war niemand da, harhar. Ich glaube, das ist sonst nicht so, aber viele werden vermutlich noch Urlaub haben und/oder länger schlafen.

Nachdem ich vom Wirr schon einiges an Lob gehört habe, habe ich den Egg Benedict Test gemacht – das ist nämlich nicht überall gleich gut, manchmal ist es mir zu üppig. Aber hier wars wirklich schön leicht und fluffig. M. hatte das Wiener Frühstück, was auch sehr gut aussah bzw. auch schmeckte. Die Bedienung war auch sehr freundlich.

Was soll ich sagen, drei Stunden vergingen wieder mal im Flug, ab und zu kamen auch ein paar Gäste und gingen wieder, während wir immer noch da waren – wir hätten wahrscheinlich auch noch Stunden weiterquatschen können, verließen aber dann doch kurz nach Mittag das Lokal.

Im WIRR ist noch Weihnachten

Vorm Heimfahren war ich noch in der Hauptbücherei und da waren tatsächlich alle Leute, wirklich heute Unmengen an Menschen, Studentengruppen etcetera. Interessant auch, ich habe ein bestimmtes Buch gegoogelt und zwar nach “lila Hühnchen”, tatsächlich heißt es aber Das violette Hündchen. Naja, close enough oder so, harhar.

Schön wars!

Song Sung Blue

Song Sung Blue (Regie: Craig Brewer) beruht auf der wahren Geschichte der Neil Diamond Tribute Band Thunder and Lightning, bestehend aus Mike “Lightning” (Hugh Jackman) und Claire “Thunder” (Kate Hudson) Sardina aus Milwaukee, die sich regional vor allem in den 1990-er Jahren einen Namen gemacht haben und deren Geschichte auch schon in einer Dokumentation beleuchtet wurde.

In diesem Film wird ihr Kennenlernen und das Formieren der gemeinsamen Band ebenso portraitiert wie die zahlreichen Ups und vor allem Downs die folgen sollen…

ACHTUNG WIE IMMER SPOILER

Und Downs ist noch untertrieben, also da war ja Hiob nix dagegen bitte. Ich kann über den Film nichts schreiben, was nicht The Hollywood Reporter schon besser geschrieben hat, und zwar in einem einzigen Satz, nämlich: “Hugh Jackman and Kate Hudson bring Sparkling Chemistry and Impressive Musicality to Disarming Boomer Love Story.” Ja, vor allem disarming, aber sowas von.

Claire und Mike sind Arbeiter. Er ist eigentlich Mechaniker, sie Friseurin, die einen Traum haben: Musiker zu sein und auf der Bühne zu stehen. Sie haben jeweils eine Scheidung hinter sich, eine Suchtvergangenheit nach Vietnam (er), psychische Probleme (sie), beide haben jugendliche Kinder, leicht schmuddelige Häuser, keine fancy Klamotten oder Lifestyle, sowie auch keine Krankenversicherung, dafür etliche finanzielle Sorgen. Aber inmitten von Elvis- und Buddy Holly Imitatoren finden sie sich bei einem bunten Abend und wie sich herausstellt sind beide füreinander genau das, was sie gerade gebraucht haben.

So schwierig das alles ist und so viele Steine ihnen vom Schicksal in den Weg gelegt werden, hier sind zwei Menschen, die sich immer wieder aufrappeln und weiter kämpfen. Ein erster Erfolg stellt sich ein, als sie von Eddie Vedder persönlich als Vorband für Pearl Jam gebucht werden und er, auf Mikes Bitte hin, sogar einen Song mit ihnen performt. Es gibt auch viele witzige Momente. Etwa als Mike die Show mit einem besonders künstlerischen Anspruch gestalten will – also nicht den Diamond Smash Hit Sweet Caroline am Anfang bringen, um irgendwie mit dem Publikum zu connecten. Sondern das unbekannte und eher sperrige Soolaimon – alleine was der Veranstalter und Mikes Manager zu diesem Titel für Assoziationen haben ist göttlich harhar. Aber am Ende des Filmes wippt man auch bei Soolaimon mit. Und natürlich wird auch Sweet Caroline im Endeffekt ausgiebig performt.

Ja hier wird das Kino nicht neu erfunden. Und ja, hier haben wir eine Menge kaum durch Ambivalenz getrübten Pathos. Das Drehbuch hat Schwächen, ich weiß das, ich sehe sie, sie stören mich hier aber nicht. Tatsächlich ist das ein Film, der einfach ehrlich ist und nix anderes sein will als er ist, vor allem nicht “cool”. Das fand ich sehr sympathisch. Ein Film, in den man sich richtig reinkuscheln möchte, der immer positiv bleibt, auch wenn hier sehr arge Dinge passieren. Beim ersten “Ereignis” habe ich mich im Kino so erschrocken, ich will es gar nicht spoilern, es ist ein enormer Effekt wenn man es einfach so sieht. Und es bleibt nicht dabei. Immer wieder fragt man sich auch, wird der trockene Alkoholiker Mike – seine Vorstellung bei den AA wird am Anfang des Films so inszeniert als stünde er auf einer Bühne (und von diesen guten Ideen gibt es auch einige in diesem Film) – rückfällig? Oder passieren ganz andere Dinge?

Jedenfalls, wie kürzlich gesagt: Ich liebe die Botschaften des Films und diese Attitüde des Weitermachens mit dem, das einem – trotz allen Verlusten – bleibt. Oft ist Heilung tatsächlich in der Kunst zu finden, wie uns auch Sentimental Value erzählt hat. Song Sung Blue (übrigens der Titel eines Neil Diamond Songs) sagt alles. Und nebenbei bemerkt singen Hugh Jackman (bei dem wusste ich das schon, er hat mal die Oscars mit einer musikalischen Performance eröffnet) und Kate Hudson tatsächlich einfach großartig und haben sichtbar auch enormen Spaß daran. Man muss kein Neil Diamond Fan sein – obwohl ich liebe Cracklin’ Rosie, ist mir wieder eingefallen – um das zu mögen.

Ein überraschend toller Film für Alexander Horwath (harhar) und mich!

Unfehlbar

Es ist so schrecklich, was in der Schweiz passiert ist und es ist echt übel, finde ich, wie manche Menschen darüber urteilen.

Ich denke mir, in dieser Situation kann man doch nur froh und dankbar sein, dass das eigene Kind, dass niemand, den man liebt, betroffen ist. Aber manche rotzen (sorry, ich verwende das Wort nicht gerne, aber hier ist es wirklich so) ins Internet, dass die jungen Leute so dumm waren, und einfach das Feuer filmten, anstatt raus zu laufen.

Ja, vielleicht würdest du das nicht machen, aber vielleicht bist du einmal alkoholisiert oder übermüdet Auto gefahren. Vielleicht hast du irgendwelche obskuren Substanzen zu dir genommen, die dir irgendjemand zugesteckt hat. Vielleicht bist du über die Straße gegangen, ohne zu schauen, vielleicht bist du zu nah an einem Abgrund gestanden, vielleicht hast du mit den falschen Leuten Streit angefangen oder sonst irgendwas Dummes gemacht und hattest Gott sei Dank Glück.

Jedem, der meint, sich hier moralisch irgendwie profilieren zu müssen, möchte ich wünschen, dass er selbst nie in eine Lage kommt, in der er binnen zehn Sekunden eine richtige Entscheidung treffen muss, jung, womöglich übermüdet, nicht mehr ganz nüchtern, nicht ganz zurechnungsfähig. Ich zumindest halte mich nicht für so unfehlbar, dass ich denke, jede Gefahrensituation sofort richtig einschätzen und dementsprechend handeln zu können. Mal davon abgesehen, dass es in dieser Bar ja offensichtlich grobe Sicherheitsmängel gab.

Wir sind Menschen, wir machen nicht immer alles richtig. Und es ist einfach nur eine Tragödie, wenn es solche Konsequenzen hat.