almis personal blog

Rudolfshügel

Heute war zu lesen, dass 37 Haltestellen in der Stadt Wien umbenannt werden. Und als ich so die Liste durchgehe, bleibe ich bei Raxstraße/Rudolfshügelgasse hängen. Weil Nostalgie.

Das Kind besuchte in St. Marx den Kindergarten und wir lebten damals noch in Favoriten, die Oma auch. So ein- bis zweimal die Woche fuhren wir nach dem Abholen zu ihr. Es war die Zeit, in der es keinen Südbahnhof mehr gab, aber auch keinen Hauptbahnhof, sondern nur eine riesige Baustelle. Dort stiegen wir immer in den O-Wagen um, dessen Endstadtion Raxstraße/Rudolfshügelgasse lautete. Übrigens eine außergewöhnliche Endstadion finde ich, mit einem besonderen Vibe – gleich nach den Sonntagen werde ich mich auch mit Straßenbahnstationen beschäftigen, harhar.

Das Kind war jedenfalls so drei und hielt während der ganzen Fahrt zur Oma nie still, turnte herum und sagte auf dem Weg auch immer etwas wie “Mudoshügi.” Nunja, Kinder entwerfen ja oft eigenwillige Wortkreationen und Mütter verstehen meistens, was sie damit meinen. Mudoshügi war mir aber monatelang ein Rätsel. Dieses Wort trat fast immer in Erscheinung, wenn wir zur Oma fuhren, ich konnte aber keinen Zusammenhang zu irgendwas erkennen. Einmal aber, als wir an der Haltestelle warteten, fuhr die Straßenbahn ein und das Kind zeigte mit dem Finger darauf und rief erfreut: “Mudoshügi”.

Und da dämmerte es mir letztendlich doch was er meinte, nämlich die Station Rudolfshügel, die immer als Endstation durchgesagt wurde. War später ein Running Gag für uns. Finde ich ein bisschen schade, dass es die Station jetzt nicht mehr gibt, auch wenn Abteilung #sinnlosesentimentalität

Sonntag

“Ich habe gedacht, dass Sonntag war, und das hat mich angeödet. Ich mag den Sonntag nicht.”1 Das stellt Meursault, die vornamenlose Hauptfigur in Albert Camus Roman Der Fremde fest.

Ich glaube, so geht es vielen Menschen manchmal, auch mir. Nachdem ich einige Jahre lang die allerschönsten Sonntage erlebte habe und sie dann endeten, habe ich mich viele Wochen am Sonntag verkrochen und vor allem versteckt. Mittlerweile gehe ich wieder hinaus. Vor allem heute, nachdem das Kind gestern weggefahren ist – erster Urlaub “alleine”.

Natürlich war ich irgendwie müde oder eher träge und musste mich überwinden, aber dann bin ich doch auf die Mariahilferstraße gefahren und war mittagessen.

Zu diesem Essen gibt es eine umständliche traurige Geschichte, ich sage nur plant based chicken (versehentlich) harhar.

“Etwas später habe ich, um irgendetwas zu tun, eine alte Zeitung genommen und habe sie gelesen. […] Der Nachmittag war schön. […] Ich habe gedacht, dass sie (die Menschen auf der Straße , Anm.) in die Kinos im Zentrum gingen. Deshalb machten sie sich so früh auf den Weg und eilten unter lautem Lachen zur Straßenbahn. Nach ihnen wurde die Straße allmählich leer. Die Vorstellungen hatten überall angefangen, glaube ich.”2

So auch meine, harhar. Ich habe Die Jüngste Tochter im Filmhaus gesehen. Der Saal ist mir schon sehr vertraut und gemütlich. Ich fühle mich wohl dort.

Spiegelungen im Filmhaus

Danach bin ich den Spittelberg hinunter gegangen

Ganz eigene Sonntag, 1. Februar Stimmung

“Der Tag hat sich noch etwas verändert. Über den Dächern ist der Himmel rötlich geworden, und mit dem einbrechenden Abend haben sich die Straßen belebt. Die Spaziergänger kamen nach und nach zurück. […] Die Straßenlampen sind dann plötzlich angegangen und haben die ersten Sterne, die in der Nacht aufstiegen, verblassen lassen.”3

Ich habe mit dem Kind geschrieben, Fotos bekommen und noch ein bisschen gearbeitet, an meinem Roman weitergelesen.

“Wenig später, als die Straßenbahnen seltener wurden und die Nacht über den Bäumen und Lampen schon schwarz war, hat sich das Viertel umerklich geleert, bis die erste Katze langsam die wieder ausgestorbene Straße überquerte”.4

Ich habe daran gedacht, Texte, Betrachtungen, Gedanken über den Sonntag zu sammeln. Das Phänomen “Sonntag” erscheint mir als erforschenswertes und es inspiriert mich irgendwie. Und nun beschließe ich das Wochenende mit Gedanken an die allerschönsten Wochenenden und diesen Menschen.


  1. Albert Camus: Der Fremde, Seite 29 ↩︎
  2. Seite 31 ↩︎
  3. Seite 32 ↩︎
  4. Seite 33 ↩︎