So, folgendes, es wird bisschen kompliziert. Ich kenne die Sängerin Charlie XCX so ungefähr seit zwei Wochen. Da habe ich nämlich Wuthering Heights gesehen und sie war verantwortlich für den Soundtrack. Natürlich hatte ich den Namen vorher schon mal gehört, aber nur so im Unterbewusstsein wahrgenommen. Den Soundtrack finde ich aber so gut und naja, diese Woche gibt es ein paar Vorstellungen ihrer Mockumentary The Moment.
Das Gartenbaukino war fast ausverkauft, ich habe aber in letzter Minute noch eine Karte bekommen. Und als ich dann so im Kino stehe, kam es mir irgendwie so vor als wäre ich auf einer Party, zu der ich gar nicht eingeladen worden bin. Denn ich bin nicht unter, sagen wir großzügig 33 und/oder ich bin nicht queer. Was mache ich alte (literally) Hete bei diesem Film harhar. Aber es gab zumindest noch einen anderen älteren Mann, wie mir die superwitzige Digital Creatorin Alisa Florentina heute erzählt hat, nachdem ich sie gestern dort gesehen und sie heute gleich mal einfach angeschrieben habe.
Nun zum Film, Spoiler gibt es eh nicht wirklich. The Moment handelt in einer semi-pseudo-realistischen Weise über die Konzerttournee, die Charlie XCX in Folge ihres Albums Brat und den von ihr ausgerufenen Brat Summer vorbereitet. Ich musste selbstredend Brat Summer googlen und ich mein, wie weit kann man von Jugendkultur entfernt sein, aber es ist leider so. Charlie XCX beschreibt das von ihr ins Leben gerufene Phänomen so: “Just, like, a pack of cigs, and, like, a BIC lighter and, like, a strappy white top. With no bra. That’s, like, kind of all you need.” Na gut, kein Wunder, dass ich davon keine Ahnung habe, harhar.
Jedenfalls war der Film wirklich höchst amüsant, gleichzeitig aber auch wirklich deep. Ihr seht, ich wechsle schon in so eine Art Jugendsprech. Was ich damit meine: Charlie XCX wird mit diesen Brat Summer Dings richtig erfolgreich, richtig angesagt, richtig populär. Und was kommt jetzt danach? Wie Eminem uns bereits aus seiner eigenen Erfarhung in seinem Song Lose Yourself mitteilte: “Superstardom is close to post-mortem”. Wie soll sie Brat in Szene setzen? Wie lange soll dieser Sommer dauern und was kommt danach? Und welches Publikum will sie eigentlich ansprechen? Hat sie jetzt so einen Taylor Swift Appeal und macht massentauglichen Stadienrock? Also der Inbegriff der großen Kunst versus Kommerz Kontroverse.
Im Film bilden sich mit ihrer Kreativdirektorin und Freundin Celeste (Hailey Gates), die die künstlerische Vision von Charlie XCX teilt und dem renommierten, vom Management geforderten, vor allem aber extrem arroganten deutschen Konzertfilme-Macher Johannes (Alexander Skarsgård) zwei Pole, die über die Deutungshohheit von Brat streiten. Johannes will zum Beispiel alles etwas familientauglicher und weniger “offensive” gestalten und als ihm Celeste dann sagt, Charlie singe nun mal beispielsweise über Kokain und er dann fragt, metaphorisch oder real und sie dann: “What is metaphorical cocaine?” Köstlich.
Wie das alles also vor sich geht, wie viele doppelte Böden, wie viel Selbstironie und Selbstbespiegelung, die sich selbst bespiegelt man hier vorfindet, ist ein Traum. Das liegt auch an den Schauspielern, die wieder eine Reihe von anderen Assoziationen nach sich ziehen, wie die Indie Ikone Rachel Senott oder Fleabag Weirdo Jamie Demetriou. Und es liegt natürlich vor allem daran, dass Charlie XCX charismatisch und enigmatisch ist, für mich zumindest. Ich verstehe den Hype um sie schon.
Schade und irgendwie unverständlich, dass es nur eine Handvoll Vorstellungen in Wien gibt.
