almis personal blog

Project Hail Mary

Hier kommt nun der Überraschungsmegaerfolg des bisherigen Jahres, der bereits 420 Millionen Dollar eingespielt hat und wie alle wissen, bin ich ja ein großer Blockbuster-Fan, harhar. Aber an dem Film gibt es tatsächlich kein Vorbeikommen und prinzipiell tut es dem Kino gut, wenn viele Menschen ein solches besuchen. Project Hail Mary (zu deutsch: Der Astronaut) ist die Verfilmung des gleichnamigen Roman von Andy Weir, der ja mit The Martian schon mal ein später verfilmtes Buch verfasst hat, wo ich den Film sehr mochte.

Wieder einmal muss die Welt gerettet werden. Grob gesagt, ist durch eine Art intergalaktische Pandemie die Sonne vom Sterben bedroht und somit auch die Menschheit. Lediglich ein Stern im Sonnensystem ist anscheinend immun, weshalb die Taskforce der Vereinten Nationen unter Leitung der ostdeutschen Eva Stratt (Sandra Hüller) ein dreiköpfiges Team, Kapitän, Techniker und Molekularbiologe auf diesen Stern schicken möchte, um die Situation zu untersuchen. Der Haken daran: Rückfahrtticket gibt es aus logistischen Gründen keines. Ryland Grace (Ryan Gosling), der eigentlich Biologielehrer ist, aber eine der Materie verwandte und dem damaligen wissenschaftlichen Konsens widersprechende Masterarbeit verfasst hat, wird als externer Berater angeheuert, um diese Mission von der Erde aus zu begleiten…

ACHTUNG SPOILER MÖGLICH

Und es ist jetzt kein großer Spoiler, dass dieser Ryland letztendlich nicht auf der Erde bleibt, weil sonst würde der Film nicht Der Astronaut heißen, harhar. Ryland ist nachvollziehbarer Weise ganz und gar nicht einverstanden, er sagt – was nur im englischen Original funktioniert: “I am not an Astronaut. I put the “not” in Astronau(o)t.” Und hier muss man sagen, trifft der Film eine absolute Anti-Mainstream/ All-American-Hero Entscheidung und das hat natürlich meine vollste Sympathie, weil es den Film, die Figur so viel interessanter macht. Wie es dazu kommt, dass Ryland im All landet, das ist nämlich mehr Arthouse-Denke, und ich werde es jetzt nicht verraten, da Menschen in meinem Umfeld diesen Film noch immer nicht gesehen haben. Looking at you, A., weshalb ich auch meine absolute Lieblingsszene nicht spoilern kann. Zweite Anti-Mainstream Entscheidung: Es gibt keine Liebesbeziehung zwischen Protagonistin und Protagonist. Auch die Erzählweise des Filmes ist nicht linear, aber gut zu verfolgen.

Apropos Protagonisten. Pia Reiser hat im fm4 Filmpodcast zwei spannende Dinge gesagt: Erstens, sie verstehe nicht, wieso sich so viele Menschen für den Weltraum interessieren (harhar) zweitens, schon vor einiger Zeit: “Ich fürchte, wir verlieren Ryan Gosling an die Ironie”. Ryan Gosling war ja am Anfang seiner Karriere in düsteren bis absolut pessimistischen Feel Bad Movies unterwegs, von denen ich selbst nicht alle gesehen habe, weil ich das nicht aushalte. Aber aus der Indie-Ikone wurde spätestens mit La La Land jemand, der sich selbst auch gerne mit Augenzwinkern inszenierte, bis dann halt irgendwann gar nichts mehr Dunkles übrigblieb. Gosling ist aber, das zeigt dieser Film wieder, wirklich super darin, einen so richtig in die Handlung mitzuziehen, denn Project Hail Mary ist über weite Strecken eine One Man Show (plus naja Alien).

Sandra Hüller wiederum schickt sich an, als Deutsche eine Christoph Waltz-artige Karriere in Hollywood zu machen, nur hat sie ein bisschen mehr schauspielerische Range als dieser. 2023 wurde sie bereits für Anatomy of a Fall für den Oscar nominiert und spielte auch im Holocaustfilm done different The Zone of Interest die Frau eines hochrangigen Nazis. Hier ist sie eine ostdeutsche Wissenschafterin, und es ist so angenehm, einmal jemand zu sehen, der nicht operiert/gebotoxt/sonstiges ist und einfach ein “normales” Gesicht hat. Hüllers Mitwirken hier soll unterstreichen, dass diese Weltrettungsmission nationenübergreifend ist, weshalb am hier bereits erwähnten Karaokeabend auch Wind of Change und Pata Pata gesungen wird.

Insgesamt ist Project Hail Mary (was übrigens so viel heißt wie Himmelfahrtskommando) ein Sci/Fi-Wissenschaft-light Film, auch für nicht-Nerds nachvollziehbar, bildgewaltig, höchst unterhaltsam, erstaunlich rührend und voller popkultureller Referenzen (man beachte Rylands Cats T-Shirt) Auch wenn man zuweilen eine Menge Suspension of Disbelief braucht – die Szene in der Ryland im All aus einer Art Koma erwacht hat wahrscheinlich so viel mit medizinischen Realitäten zu tun wie Geburtsszenen im Film und TV und übrigens wie duscht man im All? – hat mich dieser Film echt positiv überrascht.