almis personal blog

Spätsommer

Mein Papa hat früher um diese Zeit, als ich nach sieben Wochen Kärnten wieder nachhause gekommen bin, immer gefragt, ob hier nicht alles ganz fremd für mich wäre, nach so langer Abwesenheit.

Heute bin ich durch die Stadt gegangen, an einem Sonntag im Spätsommer, und habe mir gedacht, vielleicht ist um diese Zeit ohnehin immer alles irgendwie fremd, auch wenn ich gar nicht weg aus Wien war. Weil wieder etwas zuende geht und wenn es auch nur die Jahreszeit ist. Dann habe ich mir überlegt, wie oft sich das Leben verändert, und wie fremd es einem immer wieder einmal auch wird. Und ob das gut oder schlecht ist. Wahrscheinlich ist es gut, auch wenn es schwierig ist.

Ich mag diese Zeit im Jahr, ich mag das Licht, und wie es riecht, ich mag die Luft. Es haben auch nicht nur Dinge geendet, es haben auch wunderbare Dinge begonnen, genau zu dieser Zeit. Es ist so schön daran zu denken und manchmal auch ein bisschen traurig.

Die Ambivalenz des Spätsommers.

Diese Woche sind zwei Extremfrühchen im Krankenhaus Bozen gestorben, wie auch auf orf.on zu lesen war.

Diese Nachricht hat mich sehr betroffen gemacht. Weil das Kind ja auch als solches in Bozen auf genau dieser Station geboren worden war. Sie hatte schon vor 18 Jahren einen sehr guten Ruf und der menschliche Umgang mit Kindern wie auch mit den Eltern war hervorragend. Was man als erstes lernt ist besondere Vorsicht. Man muss immer durch die Hygieneschleuse gehen, einen weißen Kittel anziehen, die Hände gründlich waschen und desinfizieren, sonst darf man gar nicht hinein.

Mittlerweile gibt es aber insofern ein bisschen Entwarnung für die Station, als möglicherweise das verwendete Handspülmittel bereits kontaminiert gewesen zu sein scheint. Trotzdem ist es natürlich eine Tragödie.

Und es erinnert einen (auch mich selbst) wieder daran, was Extremfrühchen für Herausforderungen durchmachen müssen. Da geht es nämlich nicht nur darum, ein bisschen zu wachsen und zuzunehmen und ein paar Therapien zu machen; das ist in der Regel bei den “normalen” Frühchen der Fall. Sondern es ist eine Zeit, in der potentiell alles gefährlich werden kann und man muss oder sollte auch mit allem rechnen. Das wurde uns damals auch gesagt: Es werden Krisen kommen, schwierige Zeiten. Man unterschätzt das, auch ich habe das unterschätzt, weil die ersten drei, die gefährlichsten Tage, sehr gut verliefen.

Aber ein paar Tage später kollabierte ein Lungenflügel, das Kind musste operiert werden und später hatte er ebenfalls eine Infektion; das haben die meisten Frühchen irgendwann, es kommt nur eben drauf an, um welche Keime es sich handeln. Er musste dann auch kurzzeitig wieder voll beatmet werden. Trotzdem war das insgesamt kein außergewöhnlich dramatischer Verlauf oder wie der Arzt & Stationsleiter, Dr. Messner, damals sagte: Es gab keinen Moment, wo sie als Ärzte nicht mehr wussten, was sie machen sollen.

Mit der Zeit verblasst die Erinnerung an diese schlimmsten Ängste glücklicherweise, aber dankbar bleibt man immer, wenn man dran denkt, welches Glück man hatte.

Feiertag

Blick in die Welt am 15. August

Den Frühstückskaffee im Freien trinken, ein bisschen schreiben, Grillen, unterm neuen Sonnenschirm im Wasser sein, Eis essen, ein bisschen Stefan Zweig lesen, den Gesprächen zuhören, später alleine in die Welt schauen, an jemanden denken

Vielleicht mag in diese Zeit im Jahr am liebsten, die letzten, vergänglichen Sommertage. Und Abende.

Vorm Feiertag

Eigentlich wollte ich heute schon früher in den Garten, aber das Kind fand es gerade so gemütlich zum Plaudern.

Also wurde es halb vier und bei 34 Grad in einer vollbesetzten U6 von Floridsdorf bis Niederhofstraße zu fahren ist auch ein besonderes Erlebnis. Ich musste daran denken, als ich mit dem damals kleinen Kind – er war so ungefähr fünf Jahre alt – in der U6 fuhr und zu ihm sagte, dass auf dieser U-Bahn Linie viele komische Leute fahren. Er meinte dann zu mir: “Aber vielleicht halten die Leute uns auch für komisch.” Ich musste lachen und ihm recht geben und habe mir damit abgewöhnt, irgendwelche stereotypen Platitüden zu verbreiten, zumindest versuche ich das. Tatsächlich war die Fahrt in der U6 heute aber eine Freakshow eine Ansammlung von sehr vielen verschiedenen Menschen mit sehr vielen verschiedenen Bedürfnissen.

Jetzt bin ich also da und kümmere mich um den Garten, die Oma ist weggefahren und am Wochenende ist Grillen und Pool und so weiter angesagt.

Außerdem habe ich mir schon wieder zwei Bücher gekauft, was ich anlässlich der gestern eingetrudelten Stromnachzahlung nicht tun sollte (harhar, war aber eh nicht ganz so schlimm wie befürchtet). Einerseits Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara. Ich hab dem Buchhändler am Spitz einfach gleich den Screenshot des Namens gezeigt. Dieses Buch wird auf TikTok von irgendwelchen 20-Jährigen gefeiert, aber daher kenne ich es nicht, ich kenn es von einem zumindest etwas älteren Literatur-Influencer auf Insta, dem ich seit längerem folge. Diesmal hab ich außerdem das ganze erste Kapitel probegelesen und bin nun guter Dinge. Wäre auch nicht schlecht, wenn es mir gefällt, es hat fast tausend Seiten.

Andererseits, und irrer Kontrast, Die Welt von gestern von Stefan Zweig. Ich bin durchs Literaturmuseum vorige Woche wieder auf das Buch aufmerksam geworden, ich habe es tatsächlich noch nie gelesen. Und außerdem und vor allem lese ich es jetzt wegen jemand, der immer wieder davon erzählt hat. Ich brauch das irgendwie gerade, dasselbe zu lesen, was er mal gelesen hat.

Day-Lewis is back

Daniel Day-Lewis kehrt auf die Leinwand zurück.

Er ist ja 2017 quasi im normalen Rentenalter in Pension gegangen, und zwar nur einige Tage nachdem ich hier am Blog geschrieben habe, dass ich kein großer Fan von ihm bin. Wenn auch nicht deswegen harhar.

Jedenfalls ist Day-Lewis ja sowas wie das männliche Äquivalent zu Meryl Streep, weil beide haben drei Schauspiel-Oscars bisher und es gibt jetzt nicht so extrem viele Menschen, die das von sich behaupten können. Jack Nicholson fällt mir spontan noch ein. Aber wenn meine Mutter über Leonardo di Caprio in The Great Gatsby gesagt hat: “Na Redford is a kana”, so gilt das umso mehr für Day-Lewis, als er in einem quasi Remake von 8 1/2 (einer meiner Lieblingsfilme), nämlich Nine die Rolle von Marcello Mastroianni gespielt hat. Mastroianni ist er definitiv keiner! Eine krassere Fehlbesetzung gibt es eigentlich nicht, denn Day-Lewis ist sicher viel, aber kein italienischer Lebemann.

Ich muss aber zugeben, ich habe kürzlich mal seinen bis dato letzten Film Phantom Thread von Paul Thomas Anderson gesehen, in dem Day-Lewis einen richtig unangenehmen Kontrollfreak spielt, der seine Aggressivität und ungute Art nur mühsam unter Kontrolle halten kann, und das hab ich ihm wirklich voll abgenommen harhar.

Jedenfalls spielt er jetzt in Anemone, dem Debütfilm seines Sohnes Ronan, die Hauptrolle. Es geht um eine komplizierte Vater/Sohn Beziehung (autobiografisch?), was ja zumindest recht interessant klingt. Auf X hat jemand geschrieben: “Getting Daniel Day-Lewis in your debut feature because he’s your dad might be the most powerful use of nepotism we’ve ever seen”. Super formuliert. Und ich glaube, den Film werde ich mir ansehen.

ESC Update

So, in der quiet season doch auch wieder mal was zum ESC. Weil am 20. August wird bekannt gegeben, ob der Songcontest nächstes Jahr in Wien oder in Innsbruck stattfindet. Ich habe da weniger Gefühle dazu als vermutlich haben sollte. Meine Ticket-Connection von 2015 gibt es leider nicht mehr, daher werde ich wohl da wie dort nicht live dabei sein können. Es sei denn, jemand schenkt mir eine Karte, damit ich darüber berichte, harhar dream on.

Marco Schreuder hat jedenfalls einen sehr guten Logo-Vorschlag für den ESC nächstes Jahr gepostet:

(c) Marco Schreuder und Aston Matters

Harhar, ja so passend.

Das Motto 2015 war eben Building Bridges, es gab dazu auch den gleichnamigen Song, den ich live in der Stadthalle gehört habe. Da hieß es, diese Brücken” (…) will stand the test of time (!). We can build a bridge until it reaches out, across the borderlines.” Damals dachte ich so ja, eh catchy der Song, aber halt auch bissl abgegriffene Plattitüden, das empfinde ich jetzt anders, weil es nicht mehr selbstverständlich ist, eben auch nicht beim ESC. Ich erinnere mich, damals haben noch so viele Fans ihre israelischen Fahnen vor der Stadthalle gewachelt, das kann man sich momentan gar nicht vorstellen.

Ach ja und es wird diesmal einen öffentlichen Vorentscheid über den österreichischen Beitrag geben, da sind die ESC Ultras natürlich extrem begeistert, weil das in der Vergangenheit immer sehr erfolgreich war harhar, not. Aber ich nehme an, der ORF will den ESC Hype ausnutzen und denkt sich, es werden sich total viele Menschen dafür interessieren und demzufolge ORF schauen. Ich bin da nicht jetzt nicht ganz so sicher. Ich mein, ich persönlich schaue natürlich fix alles. Außerdem wollen “wir” sicher nicht zweimal hintereinander gewinnen und das werden wir so auch eher nicht.

Zurück

Das Kind ist wieder da!

Für mich kommt es ja immer noch einem unbegreiflichen Mirakel gleich, wenn Flugzeuge sicher starten, tausende Kilometer ohne gröbere Turbulenzen zurücklegen und wieder unbeschadet landen. Und dann wurde auch noch die, statistisch gesehen, unsicherere Taxifahrt gut überstanden und der Taxifahrer sah ganz überrascht, aber eh auch irgendwie zufrieden zu, wie ein großer Jugendlicher seine kleine(re) Mama umarmt.

Ein echt kanadischer Elch <3

Ich habe ein ur süßes Mitbringsel bekommen, womit auch das Reiseziel geklärt wäre.

Die Horror (?) Geschichten vom Wandern höre ich dann von allen Teilnehmern beim Grillen in ein paar Tagen, zumindest hoffe ich das. Ich habe bereits jede Menge Wäsche gewaschen und verschiedene Sachen gekocht, zur Auswahl. Das Kind hat kaum Jetlag, weil er ist wenig wach, harhar. Deshalb hab ich auch gleich meine Steuererklärung gemacht (eh schon wieder zu spät, aber noch ohne blauen Brief diesmal), mit neuen Skripten für einen Auftraggeber begonnen und so Dinge erledigt, für die man sonst eh keine Zeit/Lust hat.

Morgen dann Schnitzelessen gehen mit Oma und Hund – because there are no Schnitzels in Canada, just Steaks.

Verheiratete Frauen

Jetzt zu meinen Lektüreerfahrungen, das Buch Verheiratete Frauen von Cristina Campos betreffend.

Es geht, wen überrascht es, um drei verheiratete Frauen in den 40-igern, mit ihren Beziehungsproblemen und Affären und den Affären ihrer Partner, etcetera. Das Cover ist irrsinnig schön und beweist: ist das Cover gut und hat ein Buch einen interessanten Titel, dann falle ich selbstverständlich drauf rein, harhar. Ich habe schon auch ein paar Passagen gelesen, die ich gelungen fand, aber das waren halt auch nur Momentaufnahmen.

Leider hält der Roman nämlich inhaltlich nicht das, was er verspricht oder was ich mir erwartet habe. Ich nenne es Behauptungsprosa. Das bedeutet, es werden nicht Charaktere und Ereignisse beschrieben und der Leser oder die Leserin kann dann daraus seine oder ihre Schlüsse ziehen, sondern es werden Dinge behauptet, und ich kann es dann glauben oder nicht. Ich persönlich mag das nicht so gern, weil es irgendwie auch wenig Spielraum für Interpretationen lässt. Außerdem wimmelt es in dem Roman von schon zu oft gelesenen Metaphern und Vergleichen, vor allem bei den Softporn-Stellen *hust* Den Kitsch habe ich eh schon erwähnt. Hui, heute bin ich fies. Auf der Pro-Seite: Es ist immerhin so spannend, dass man wissen will, wie es weitergeht, so a la Reich und Schön.

Einen großen Fehler habe ich in dem Roman auch entdeckt. Nämlich am Anfang hat die Hauptfigur Gabi ein zweijähriges Kind und ihre Freundin Silvia hat ein Baby. Und viele, viele Seiten und viele Zeitensprünge und Perspektivenwechsel später, wird die Zeit erzählt, als Gabis Kind ein Baby war und das Kind von Silvia war da plötzlich schon im Kindergarten (??!) Nicht, dass es wirklich etwas mit der Handlung zu tun hätte, aber solche Dinge ärgern mich. Vor allem, weil ich – im Gegensatz zum Lektorat – nicht mit einer Timeline da sitze und das Buch akribisch auf solche Details hin durchforste und es mir trotzdem auffällt. Es gibt auch zwei, dreimal Sätze, wo die Namen der Freundinnen offensichtlich vertauscht wurden. Und hier und da ein paar Dinge, die ich zumindest wenig plausibel finde.

Aber es ist auch irgendwie egal, die Leute lieben das Buch offenbar und preisen es auf Amazon und anscheinend wollen viele (Frauen) genau so etwas lesen. Ich selbst schreibe halt überhaupt nicht so, oje, ich schreibe quasi am Markt vorbei, aber ich komm gut damit klar, harhar.

Stimmungsbild, zwei

Samstag, 7.30 Uhr in Atzgersdorf:

Suchbild mit gespiegelten Ohren

Leider etwas schief und nicht so scharf wie ich wollte, aber die tierischen Protagonisten sind leider nicht so kooperativ wie man es gerne hätte. Oder auch: ich war zu langsam, harhar.

Stimmungsbild

Nach der ganzen Literatur etwas zünftigeres. Gestern habe ich nämlich ein leichtes Sommermittagessen genossen

Bin normalerweise kein großer Schweinsbratenfan, aber der ist wunderbar im “Genusstreff” (unbezahlte Werbung)

Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, ich hatte eine Jeansjacke an, es war nicht wirklich extrem warm. Danach gab es Topfencreme mit Früchten, das war der Jahreszeit trotzdem angemessener und es war so gut, dass ich es nicht gegen ein Mousse au Chocolat getauscht hätte und ich würde fast alles gegen Mousse au Chocolat tauschen.

Am Abend schickte mir das Kind, wie immer, lauter Formel 1 und Autoreels und ich kommentierte alles, während meine Mama einen Stock darunter mit ihm eine richtige Unterhaltung führte. Sie dann zu mir: Er freut sich schon sehr auf daheim. Ich so: Hast du ihm das in den Mund gelegt? Und sie: Ich hab geschrieben, daheim ist es doch am schönsten und er hat “Ja” geschrieben. Ich so: Also hatte ich recht, harhar.

Mein friedlicher Morgenblick

Heute war dann der erste wirklich warme Morgen seit ja fast Wochen und so ein schönes Licht, es ist dieses schon-August Licht. Das Wasser im Pool ist interessanterweise auch nach dem vielen Regen und kühlen Nächten ziemlich angenehm. Meine Arbeitsdeadline ist geschafft, die neuen Nachbarn grillen und machen fröhliche Geräusche. Bald ist das Kind wieder da. Und da sind, wie immer, diese Gedanken an jemand.

Ich fühle mich gerade ganz zufrieden.