almis personal blog

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Heute wurde außerdem der Songcontest in Rotterdam auf 2021 verschoben. Was eh klar war. Interessant wird nur, ob man dann mit den Songs von heuer dort antritt. Ist das überhaupt möglich?

In Italien singen die Menschen von ihren Balkonen, das wissen wir eh schon lange. Schön fand ich, als sie Diodatos Fai rumore (wäre der Kandidat für Italien heuer gewesen) gemeinsam gesungen haben:

Letztens sag ich zum Kind, dass er zwei ganz bemerkenswerte Dinge in seiner Kindheit/ Jugend erlebt, die er dann mal später seinen Enkeln erzählen kann. Kind: “Was ist das zweite?” Ich: “Der österreichische Songcontestsieg 2014.”

Und ja, weil ich auch schon dementsprechende Kommentare zu dieser Aussage gehört habe, ich lebe in meiner eigenen kleinen Welt und sehr gut. Harhar.

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Auf Twitter hat jemand einen dänischen Supermarkt gepostet, wo Punkte am Boden markiert waren, wo die KundInnen sich hinstellen sollen, damit sie vor der Kassa genügend Abstand halten und dann gemutmaßt, dass sich der Durchschnitts-Wiener da natürlicherweise dazwischendrängeln würde. Das kann ich insofern bestätigen, als ich beim letzten Einkauf bewusst Abstand gehalten habe und genau das passiert ist, jemand hat sich einfach vor mich gestellt. Harhar.

Jeden Tag schaue ich auf die offzielle Seite, wo die Zahlen der Infektionen mit dem Coronavirus bekannt gegeben werden. Jeden Tag schaue ich auch in meine Fonds hinein. Beides ist nicht erfreulich. Bei den Fonds bin ich immerhin zufrieden, meine letzte Ausschüttung nicht reinvestiert zu haben, sondern konventionell angelegt. Aber Fonds-Sorgen sind vernachlässigbar, wenn man ehrlich ist, solange man nicht sein ganzes Vermögen so investiert hat.

Gestern war ein zäher Tag. Schon morgens Kopfweh, aber Ibuprofen hat durch CoV auch ein schlechtes Image derzeit, also gar kein Pulver genommen. Highlights des Tages: Schokolade und Cola-Vorrat aufgefüllt und (natürlich nur teilweise) konsumiert und, dass Tarek Leitner bei der Schaltung nach Rom die dortige Korrespondentin mit den Worten ankündigt: “Katharina Wagner vor ihrem äh…antiken Radiogerät.” Man wird echt bescheiden, was Tageshighlights betrifft.

Heute Morgen ist es besser. Die Sonne scheint. Mit meiner extrem positiv gestimmten Mutter telefoniert. Laut ihr halten sich die Leute an die neue Einkaufsregelung – zwischen 8 und 9: “Nur Alte im Geschäft”

Auch mit meinem Papa telefoniert. Ebenfalls positiv drauf, obwohl doppelter Risikopatient. Und: Er ist mit der Regierung zufrieden. Ich bin erstaunt. Das war zum letzten Mal Anfang der 1980er Jahre der Fall…

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Neue Sitzordnungen mit entsprechender Distanz in den Informationssendungen des ORF:

Im TV kann man fast nur noch Nachrichten sehen, und dazwischen Werbung, die einem großteils komplett unpassend erscheint: das große Familienfest zu Ostern, italienische Lebensfreude outdoor in bella Italia, Männer mit tödlichem Männerschnupfen, Kinder die sich zu viert oder fünft auf ein Trampolin drängen und über Reizdarm macht sich momentan wohl auch keiner Sorgen.

Interessant fand ich auch, dass ich heute Jö Bonusklub (unbezahlte Werbung) Gutscheine bekommen habe, die – haltet euch fest – vom 16.3 bis 12.9, in Worten SEPTEMBER (sic!!!) gelten. Was weiß Billa, was wir nicht wissen? Na gut, die Vermutung ist, dass man nicht die derzeit eh schon stattfindenden Hamsterkäufe nicht noch befeuern will.

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Ich finde es erstaunlich was passiert, wenn ich einmal in meinem Leben versuche, nicht in Panik zu geraten…

Ich kann meinen Lesern versichern, natürlich habe ich mittlerweile die Panik nachgeholt. Begonnen im eigentlichen Sinn hat es am Montag. Da wurde mir so langsam klar, was diese Pandemie wirklich bedeutet. Und mit welchen Beschränkungen sie verbunden sein wird. Ich glaube, jeder hat diesen Moment letzte Woche in der einen oder anderen Form erlebt. Am Dienstag hab ich zuletzt meine Mutter gesehen. Sie war noch auf einem anderen Stand als ich und ich habe lange und eindringlich mit ihr gesprochen. Beim Abschied war sie sensibilisiert, wir konnten aber noch drüber witzeln, dass sie jetzt bitte in den Öffis Abstand hält.

Am Mittwoch hatte in den ersten Corona-indizierten Heulanfall. Weniger, wegen der Erkrankung selbst, sondern, was es für das öffentliche Leben bedeutet. Bisher hatte ich auf Schulschließung ab dem 23. März getippt. Noch an diesem Abend wird die schrittweise Schließung ab dem 16. angekündigt, ab dem 18. darf mein Kind zuhause bleiben. Was am Donnerstag war, weiß ich nicht mehr. Ich hänge jedenfalls zuviel vorm Fernseher. Whatsappgruppenchats beleben sich. Ich kontaktiere viele Freunde.

Freitag ist wieder ein harter Tag. Es wird verkündet, dass die Kinder schon am Montag zuhause bleiben sollen, nach Möglichkeit. Was gut ist. Die ersten Supermärkte werden wahrlich gestürmt, abgesehen von unserm kleinen Billa in der Gasse. Eine Freundin schreibt mir, sie ist mit ihrer Familie auf dem Weg zum Zweitwohnsitz nach Niederösterreich, auf unbestimmte Zeit. Als ich das lese, sitze ich gerade bei der Arbeit an meinem PC und mir rinnen von einer Sekunde zur anderen die Tränen hinunter. Ich schreibe ihr, dass ich sie umarme und sie antwortet “Wir schaffen das.” Als ich Einkaufen gehe, fällt eine tote Taube vor mir auf den Gehsteig. Eigentlich hätte es nicht noch mehr Apokalypse-Feeling bedurft, aber gut. Auch an diesem Nachmittag Dauer-Nachrichten. Ich kann mich kaum mehr auf meine Arbeit konzentrieren. Schätzungsweise hab ich noch für eine gute Woche Arbeit, wenn dann keine neuen Projekte mehr kommen.

Samstag nochmal einkaufen. Ein Nachbar beschwert sich darüber, dass sein Kind die Situation mit Ferien verwechselt, und, dass er zu lange schläft und Handy spielt. Ich denke mir: Interessante Prioritäten. Ich selbst hab mir noch nicht mal angeschaut, was das Kind alles für Aufgaben bekommen hat, mein Kopf ist voll mit ganz anderen Dingen. Ich erinnere mich an die Zeit in Bozen, die auch eine Ausnahmesituation für mich war. Der Unterschied war nur, dass das Leben rund um mich damals normal weiterging. Die Ausnahmesituation hatte nur ich. Alle anderen lebten ihr Leben weiter. Jetzt lebt niemand mehr sein gewohntes Leben weiter. Am Sonntag werden von der Regierung klare Ausgangsbeschränkungen kommuniziert. Ich verabschiede mich persönlich von einem Menschen, der mir sehr viel bedeutet. Ich weine nicht, aber ich zittere, obwohl ich die Tragweite noch gar nicht richtig begreifen kann. Niemand kann das. Doch es passiert auch etwas tröstliches, glücklicherweise gibt es noch tröstendes.

PS: In den nächsten Tagen, Wochen, Monate werde ich unter dem Kürzel LIZVC / Leben in Zeiten von Corona meine Gedanken und Beobachtungen bloggen. Ich verspreche, es wird nicht nur düster werden.