almis personal blog

Weihnachtsferien, zwei

Die letzten Tage war das Kind auf quasi Zweitheimaturlaub. Ich hab ein bisschen gearbeitet, aber auch noch die freien Tage genossen. Weil die nächsten Monate werden wahrscheinlich eh ein bisschen anstrengend.

Ich habe zwei Filme gesehen. Ich habe Sirat nachgeholt, einen Film, bei dessen Trailer ich ahnte, er würde mich zerstören und den ich deshalb eigentlich ignorieren wollte. Aber nachdem er jetzt als bester internationaler Film für Spanien bei den Oscars eingereicht wurde, habe ich mich drüber getraut. Und siehe da, er hat mich tatsächlich vollkommen zerstört, harhar. Mehr bald. Zum quasi Ausgleich habe ich auch Showing Up in OV von Kelly Reichhardt im Stadtkino angeschaut. Einen Film im Künstlermilieu, in dem fast gar nichts passiert, nur Alltagsmomente, kleine Depressionen, sowie kleine Freuden eingefangen werden, aber alles mit so viel Liebe geschildert wird, das hat mir richtig gut gefallen.

Morgenblick aus dem schön warmen Haus in den winterlichen Garten

Ich war am Hauptbahnhof, um etwas zu besorgen und habe mich zwischen den vielen ankommenden und abfahrenden Menschen treiben lassen, die alle dringend irgendwohin mussten oder von irgendwoher kommen und mir gedacht, wie lange ich schon nicht mehr Teil davon bin, irgendwohin zu fahren oder irgendwo anzukommen.

Ich habe geschrieben und ich muss sagen, mit meinem Text bin ich wirklich zufrieden. Ich recherchiere außerdem gerade nach irgendwelchen Workshops, die mir Tipps geben können, wie ich an Agenturen oder Verlage herantreten kann, dass ich auch eine Chance habe. Da geht es um Exposes und Pitches und Marketing, was ich bei Geboren in Bozen irgendwie zwangsläufig auch gemacht habe, ich war sogar im Stern. Aber prinzipiell, ich verrate das hier exklusiv, liegt mir das wirklich null harhar.

Morgen beginnt wieder die Schule und für Maturanten auch bereits das zweite Semester und ja, wie gesagt, es könnte ein bisschen anstrengend werden harhar.

Unfehlbar

Es ist so schrecklich, was in der Schweiz passiert ist und es ist echt übel, finde ich, wie manche Menschen darüber urteilen.

Ich denke mir, in dieser Situation kann man doch nur froh und dankbar sein, dass das eigene Kind, dass niemand, den man liebt, betroffen ist. Aber manche rotzen (sorry, ich verwende das Wort nicht gerne, aber hier ist es wirklich so) ins Internet, dass die jungen Leute so dumm waren, und einfach das Feuer filmten, anstatt raus zu laufen.

Ja, vielleicht würdest du das nicht machen, aber vielleicht bist du einmal alkoholisiert oder übermüdet Auto gefahren. Vielleicht hast du irgendwelche obskuren Substanzen zu dir genommen, die dir irgendjemand zugesteckt hat. Vielleicht bist du über die Straße gegangen, ohne zu schauen, vielleicht bist du zu nah an einem Abgrund gestanden, vielleicht hast du mit den falschen Leuten Streit angefangen oder sonst irgendwas Dummes gemacht und hattest Gott sei Dank Glück.

Jedem, der meint, sich hier moralisch irgendwie profilieren zu müssen, möchte ich wünschen, dass er selbst nie in eine Lage kommt, in der er binnen zehn Sekunden eine richtige Entscheidung treffen muss, jung, womöglich übermüdet, nicht mehr ganz nüchtern, nicht ganz zurechnungsfähig. Ich zumindest halte mich nicht für so unfehlbar, dass ich denke, jede Gefahrensituation sofort richtig einschätzen und dementsprechend handeln zu können. Mal davon abgesehen, dass es in dieser Bar ja offensichtlich grobe Sicherheitsmängel gab.

Wir sind Menschen, wir machen nicht immer alles richtig. Und es ist einfach nur eine Tragödie, wenn es solche Konsequenzen hat.

Willkommen

Heute habe ich M. geschrieben, ich mag den 1. Jänner nicht besonders. Und in manchen Jahren noch weniger als in anderen.

Im Moment fühle ich mich wie Austin Powers, der versucht, mit diesem kleinen Transportfahrzeug in einem engen Gang zu reversieren, immer ein bisschen vorwärtsfähren und lenken, und dann wieder rückwärts wieder lenken und das macht er ein dutzend mal und es ändert überhaupt nichts. So fühlt sich mein Leben manchmal an, harhar.

Es stimmt nicht ganz. Ab und zu habe ich das Gefühl, ich habe nicht nur unzählige Fragen, sondern auch so manche Antwort oder, wenn ich gerade keine habe, ist es mir im Grunde egal. Aber dann kommt wieder der Backlash und ich wache auf und denke: Habe ich eigentlich überhaupt irgendwas verstanden? Vielleicht muss es so sein, wenn man schreibt oder man schreibt, weil es so ist. Insofern freut euch auf 365 (oder so) neue Blogeinträge, in denen ich darüber berichte, was ich alles nicht weiß, harhar.

Eingang zum Andre Heller Park – Willkommen zum Auszittern, wie Heller selbst es nennt

M. antwortete mir dann, sie konzentriert sich am 1. nicht so auf die Vergangenheit, sondern auf die Zukunft, wo alles noch vor einem liegt und deshalb alles möglich ist und manchmal ist es so einfach, ein Perspektivenwechsel und alles fühlt sich ein bisschen leichter an. Danke!

Wie David Lynch sagte: I am wearing my sunglasses today, cause I am looking at the future and the future looks bright.

In diesem Sinne!

Drei Lebensweisheiten

Aus Anlass seines heutigen Geburtstages, drei Lebensweisheiten meines Papas, die mir immer in Erinnerung bleiben werden:

3. Vom Arbeiten ist noch niemand reich geworden.

2. Es gibt nicht gesund, es gibt nur schlecht untersucht.

Und Platz 1:

Dreimal umgezogen ist einmal abgebrannt.

Honorable mention:

Farben sind Zeichen einfachen Geistes

Harhar.

Sonntagstraum

Heute Nacht habe ich etwas so Schönes geträumt, praktisch das Einzige, was ich mir in meinem Leben wirklich wünschen würde, ansonsten ist alles gut. Aber es ist gleichzeitig so dermaßen unrealistisch, dass ich beim Aufwachen nicht einmal wirklich enttäuscht war, dass es nicht “echt” war. In “echt” wird das niemals passieren. Ich weiß das und es ist auch okay.

Am Ende des Traumes ist etwas geschehen, sodass ich im Grunde gar nicht mehr die Traumdeutung googeln musste. Ich schwebte mit einem rosa (!) Luftballon durch irgendein Gebäude und letztendlich platzte der Ballon. Ich mein, wie offensichtlich kann es sein, ein rosaroter Luftballon platzt, was will mir das nur sagen? harhar. Ich habe dann übrigens noch versucht, einen neuen Ballon zu bekommen, aber vergeblich.

Ich hatte in der Früh trotzdem ein glückliches und geborgenes Gefühl, weil es sich eben für ein paar Minuten real angefühlt hat. Und ich habe sogar vor Freude im Traum geweint, nicht nur, weil eben das eingetreten ist, sondern weil ich noch jemand anderen deswegen wiedergesehen habe – weniger kryptisch geht es hier leider nicht. Manchmal macht einen so etwas aber nicht traurig, sondern gibt einem irgendwie Kraft. Und so wars heute.

Arbeitsplatz

Heute kann ich hier nicht mehr präsentieren als meinen Arbeitsplatz für (heute) zehn Stunden harhar.

Übergroßer Monitor für altersbedingte Sehschwäche, meine Pinnwand voll Kinderzeichnungen, Cartoons, Arbeitsstichworten, Postkarten und Kinocontent.

Arbeiten mit meinem Transkriptionsprogramm, den Text musste ich natürlich aus Datenschutzgründen verfremden

Neben dem Keyboard: Ken Knoblo aus der Billa Vitaminstars Serie (aber das Stofftier wechselt täglich harhar), ein Zitat mit meiner Meinung zu Mathematik und viele Glückschweinderln.

So macht Arbeiten Spaß! (wirklich)

Ein Foto

Am Wochenende hat das Kind ein Foto von mir gemacht am Bahnhof Hetzendorf, es war dunkel und ich hatte meine “Schafsjacke” an. Wir hatten davor gut gegessen und auf dem Heimweg herumgeblödelt. Das Foto hat mir gefallen. Ich hatte das Gefühl, das bin wirklich ich auf dem Foto. Ich hab irgendwie jung und glücklich ausgesehen.

Die Hälfte vom Gesicht war zunächst komplett dunkel (wahrscheinlich deshalb der Eindruck harhar) und ich habe dem Kind gesagt, genau dafür brauchen wir KI, dass es den ganzen Schatten wegmacht. Letztendlich hab ich mich selbst damit herumgespielt, bis nur noch ein kleiner Schatten auf einem Teil des Gesichts lag, so als wäre mein Gesicht ein bisschen geteilt, in eine große helle Fläche und in eine kleine dunkle, und das finde ich passend. So fühle ich mich meistens. Immer nach dem Positiven suchend und nach einem Grund, mich zu freuen, aber trotzdem ist das Dunkel da, muss auch irgendwie sein, wahrscheinlich. Es ist vielleicht auch so, als wäre ich in einer Art Metamorphose, noch nicht dort, wo ich sein will, aber auch nicht mehr da, wo ich war. Ich teste es jetzt mal auf X.

Jemand sagte mir früher, perfekt ist, zehn Fehler am Tag zu machen, daran denke ich so oft. Insofern ist das Foto so perfekt wie es sein kann.

Woke ist over

Gestern erschien im Falter ein Artikel zum Thema “Woke ist tot”. Also wenn das jetzt schon der Falter schreibt, dann können wir vermutlich aufatmen, harhar.

In diesem recht differenziert verfassten Artikel wird darauf hingewiesen, dass “woke” an sich mal etwas gut gemeintes war, aber…Ja wir sind bedachter geworden und bis zu einem gewissen Punkt ist das auch gut, aber irgendwann ist es außer Kontrolle geraten. Jane Fonda hat mal bei einer Preisverleihung gesagt, was wäre schlecht daran woke zu sein, “It means, you care about others.” Genau das bedeutet woke aber, find ich, nicht. Denn einerseits kann man niemandem Empathie für irgendetwas oder irgendwen “verordnen”. Andererseits wird ja immer sehr genau differenziert, wofür Empathie angesagt ist und wofür nicht.

Ein kleines, wenn auch banales Beispiel. Bei mir im Stiegenhaus liegt seit Tagen das Buch Nur ein toter Mann ist ein guter Mann von Gaby Hauptmann in der Bücher-Tausch-Ecke. Jetzt stellen wir uns einmal vor, ein männlicher Autor hätte ein Buch namens Nur eine tote Frau ist eine gute Frau geschrieben. Stimmt, es geht nicht. Es ist unvorstellbar, dass irgendein Verlag in unseren Breiten heute ein Buch mit so einem Titel publizieren würde, egal wie ironisch es auch gemeint wäre, denn es würde heute immer zutiefst misogyn wahrgenommen werden und der Verlag hätte einen 1a Shitstorm am Hals.

Und das ist ein Problem an der Wokeness, dass da einerseits oft eine große Überempfindlichkeit herrscht, andererseits aber dann auch wieder eine Kaltschnäuzigkeit in der anderen Richtung. Diese Doppelstandards halt ich echt schwer aus. Die Welt ist außerdem nicht so schwarz und weiß, dass es reicht, sich einen Button für oder gegen irgendwas ans Revers zu heften. Ganz viele Dinge sind dafür viel zu komplex.

Hilfreich ist es natürlich immer, sensibel durch die Welt zu gehen, und niemand mit Absicht zu verletzen. Dennoch wird es uns hin und wieder passieren und auch wir werden von anderen verletzt werden. Aber können wir diesen Zustand der permanenten “Angerührtheit”, wie man in Wien sagt, irgendwie hinter uns lassen? Oder wie es in After the Hunt hieß, als eine Figur zur anderen sagt, das Gespräch mache sie gerade “uncomfortable” und die andere antwortet: “Not every conversation is supposed to make you feel comfortable.”

Wie die Schauspielerin Keira Knightley letztens in einem Interview meinte: “We are living in a period of time right now, where we have to figure out how we live together. And we all got very different opinions. I hope that we can all find respect.”

So ist es.