Category: entwicklung
Mein älteres Ich
Sneak Peek: In meinem Roman beschreibe ich, wie die Protagonistin mit ihrem noch kleinen Kind im Museumsquartier sitzt und Eistee trinkt. Ur spannend, was? Harhar. Es war das erste Mal, dass diese kleine Kind länger als fünf Minuten irgendwo sitzengeblieben ist und die Protagonistin denkt sich, hach herrlich: “Unser Mama-Kind Beziehung löste sich für einige kurze Momente auf, ich musste nicht sagen, wo es langgeht und er musste nicht folgen oder sich auflehnen oder gelangweilt darüber gähnen oder wütend werden, je nach Laune und Anlass, wir konnten einfach nur sein, und uns voneinander erzählen und ich dachte plötzlich voller Sehnsucht daran, an mein und sein älteres Ich, es gefiel mir.”
In Wirklichkeit bin ich jetzt tatsächlich in dieser Situation des älteren Ichs und das Kind hatte heute einen Termin, bei dem ich in gewisser Weise mitreden sollte (es ging um seine Geburt). Wir haben uns bei der Schule getroffen, das Kind hat am Bahnhof gegessen und gegoogelt, dass gleich gegenüber dieses Termins eine Parkparage sei. Und so stieg er in die Straßenbahn – ich habe mich geweigert und musste auch noch Geld abheben – um das Auto zu holen. Wir machten aus, uns dann entlang der oberen alten Donau zu treffen.
Auf dem Weg dahin schreibt er, ich solle ihm meinen WhatsApp Standort schicken, ich schaffe das, noch dazu mit eiskalten Fingern, natürlich nicht. Er: “Dann mach ein Foto” harhar. Wie old school! Und dann steige ich also zu ihm ins Auto und wir fahren mit den üblichen Bemerkungen (“Da gehen Leute über die Staße” “Ja ich sehe es!!” harhar) durch Wien und hatten es ur lustig. Und dann geht es eben in diese Parkgarage und er kennt sich mit allem besser aus als ich und parkt professionell ein und da denke ich ja, jetzt bin ich diese Person, ich habe ein erwachsenes Kind, das Dinge macht, die ich nicht kann. Wie flashig!
Ich war direkt froh, dass er dann meinte, ob ich ihm bei diesem Termin ein bisschen unterstützen würde. harhar. Das erinnert mich daran, dass ich im Jahr 2007 und 2008 mehr Telefonnummern von Ärzten und Ärztinnen sowie Therapeutinnen in meinem Notizbuch hatte als sonst was. Aber das ist eine andere Geschichte.
Faust, vereinfacht
Das Kind musste sich diese Woche für ein viertes Fach entscheiden, in dem er zur mündlichen Matura antritt. Das war gar nicht so einfach.
Ich war natürlich gerne mit Tipps behilflich, harhar. Ich habe ihm von Deutsch vorgeschwärmt, wie toll das war. Nur zwei, die damals angetreten sind, naja nach der schriftlichen waren wir drei, und stundenlang über Faust reden, das Motiv der Kindermörderin in verschiedenen Texten verfolgen und 25 Bücher durfte man auch lesen. Ich bekam zur mündlichen Matura einen Auszug aus einem Schnitzler Stück, in dem ich die ganzen Subtexte markieren und analysieren sollte. Das war das Beste an der ganzen Schulzeit, harhar.
In Berlin wird derweil darüber geredet, dass deutsche Literatur zu schwer rezipierbar wär. Und ob man da echt noch Klassiker lesen soll. Oder lieber in einfacher Sprache. Oida! Anna Schneider, Journalistin der Welt und manchmal ähnlich wütend wie ich, dabei aber viel eloquenter, hat gesagt, damit reduzieren wir Literatur auf Zusammenfassungen und nehmen ihr das, was sie ausmacht, nämlich die persönliche Auseinandersetzung mit dem Text. Sicher kann das anstrengend sein, es bringt einen aber auch weiter. Schneider außerdem: “Wenn ein Lehrer jetzt sagt, na gut, lesen wir die einfache Version – es gibt keine einfache Version von Faust.” Harhar. Einfach nur richtig. Und ich würde noch ergänzen, man muss auch nicht immer alles bis ins Detail kapieren. Das bereitet einen gut aufs Leben vor, wo man später auch nie alles verstehen wird, was einem so widerfährt.
Das Kind nimmt jetzt aber doch ein anderes Fach, harhar.
Ugo Rondinone
Aus der Rubrik: Künstliche Aufregung meinerseits.
Vor kurzem hat eine Schauspielerin, die ich noch aus Beverly Hills 90210 kenne, auf Insta folgendes gepostet:
Ihr Mann steht da offenbar in einer Art Park bei Las Vegas, der nennt sich Seven Magic Mountains. Und ich denke mir: erstens wow diese Exponate wirken toll in der Wüste und zweitens: Oida das schaut aus wie der Vienna Mountain im Andre Heller Park:
Ich so im ersten Augenblick, was für eine Frechheit, was für ein Plagiat, wie unverfroren – und dann, nach einer Minute Rage meinerseits, habe ich den Künstler gegoogelt, es ist, Ugo Rondinone. Also in beiden Fällen ähm. Sorry, nur ein Selbstplagiat. Harhar Scherz! Eine Neuinterpretation.
Und wenn ich schon beim Heller Park bin, liebe Stadt Wien ein paar Hinweisschilder oder Durchsagen mit Hinweis auf die neue Touristenattraktion im Bus wären schon cool, weil ich jetzt schon mehrfach von orientierungslosen Interessierten nach dem Standort gefragt wurde. Ich mein, es ist halt echt am A…der Welt.
Ich geh jetzt öfters Abends hin zum “Auszittern”. Es ist wirklich enorm friedlich. Weil ich denke immer noch an jemanden.
Weihnachtsferien, zwei
Die letzten Tage war das Kind auf quasi Zweitheimaturlaub. Ich hab ein bisschen gearbeitet, aber auch noch die freien Tage genossen. Weil die nächsten Monate werden wahrscheinlich eh ein bisschen anstrengend.
Ich habe zwei Filme gesehen. Ich habe Sirat nachgeholt, einen Film, bei dessen Trailer ich ahnte, er würde mich zerstören und den ich deshalb eigentlich ignorieren wollte. Aber nachdem er jetzt als bester internationaler Film für Spanien bei den Oscars eingereicht wurde, habe ich mich drüber getraut. Und siehe da, er hat mich tatsächlich vollkommen zerstört, harhar. Mehr bald. Zum quasi Ausgleich habe ich auch Showing Up in OV von Kelly Reichhardt im Stadtkino angeschaut. Einen Film im Künstlermilieu, in dem fast gar nichts passiert, nur Alltagsmomente, kleine Depressionen, sowie kleine Freuden eingefangen werden, aber alles mit so viel Liebe geschildert wird, das hat mir richtig gut gefallen.
Ich war am Hauptbahnhof, um etwas zu besorgen und habe mich zwischen den vielen ankommenden und abfahrenden Menschen treiben lassen, die alle dringend irgendwohin mussten oder von irgendwoher kommen und mir gedacht, wie lange ich schon nicht mehr Teil davon bin, irgendwohin zu fahren oder irgendwo anzukommen.
Ich habe geschrieben und ich muss sagen, mit meinem Text bin ich wirklich zufrieden. Ich recherchiere außerdem gerade nach irgendwelchen Workshops, die mir Tipps geben können, wie ich an Agenturen oder Verlage herantreten kann, dass ich auch eine Chance habe. Da geht es um Exposes und Pitches und Marketing, was ich bei Geboren in Bozen irgendwie zwangsläufig auch gemacht habe, ich war sogar im Stern. Aber prinzipiell, ich verrate das hier exklusiv, liegt mir das wirklich null harhar.
Morgen beginnt wieder die Schule und für Maturanten auch bereits das zweite Semester und ja, wie gesagt, es könnte ein bisschen anstrengend werden harhar.
Unfehlbar
Es ist so schrecklich, was in der Schweiz passiert ist und es ist echt übel, finde ich, wie manche Menschen darüber urteilen.
Ich denke mir, in dieser Situation kann man doch nur froh und dankbar sein, dass das eigene Kind, dass niemand, den man liebt, betroffen ist. Aber manche rotzen (sorry, ich verwende das Wort nicht gerne, aber hier ist es wirklich so) ins Internet, dass die jungen Leute so dumm waren, und einfach das Feuer filmten, anstatt raus zu laufen.
Ja, vielleicht würdest du das nicht machen, aber vielleicht bist du einmal alkoholisiert oder übermüdet Auto gefahren. Vielleicht hast du irgendwelche obskuren Substanzen zu dir genommen, die dir irgendjemand zugesteckt hat. Vielleicht bist du über die Straße gegangen, ohne zu schauen, vielleicht bist du zu nah an einem Abgrund gestanden, vielleicht hast du mit den falschen Leuten Streit angefangen oder sonst irgendwas Dummes gemacht und hattest Gott sei Dank Glück.
Jedem, der meint, sich hier moralisch irgendwie profilieren zu müssen, möchte ich wünschen, dass er selbst nie in eine Lage kommt, in der er binnen zehn Sekunden eine richtige Entscheidung treffen muss, jung, womöglich übermüdet, nicht mehr ganz nüchtern, nicht ganz zurechnungsfähig. Ich zumindest halte mich nicht für so unfehlbar, dass ich denke, jede Gefahrensituation sofort richtig einschätzen und dementsprechend handeln zu können. Mal davon abgesehen, dass es in dieser Bar ja offensichtlich grobe Sicherheitsmängel gab.
Wir sind Menschen, wir machen nicht immer alles richtig. Und es ist einfach nur eine Tragödie, wenn es solche Konsequenzen hat.
Willkommen
Heute habe ich M. geschrieben, ich mag den 1. Jänner nicht besonders. Und in manchen Jahren noch weniger als in anderen.
Im Moment fühle ich mich wie Austin Powers, der versucht, mit diesem kleinen Transportfahrzeug in einem engen Gang zu reversieren, immer ein bisschen vorwärtsfähren und lenken, und dann wieder rückwärts wieder lenken und das macht er ein dutzend mal und es ändert überhaupt nichts. So fühlt sich mein Leben manchmal an, harhar.
Es stimmt nicht ganz. Ab und zu habe ich das Gefühl, ich habe nicht nur unzählige Fragen, sondern auch so manche Antwort oder, wenn ich gerade keine habe, ist es mir im Grunde egal. Aber dann kommt wieder der Backlash und ich wache auf und denke: Habe ich eigentlich überhaupt irgendwas verstanden? Vielleicht muss es so sein, wenn man schreibt oder man schreibt, weil es so ist. Insofern freut euch auf 365 (oder so) neue Blogeinträge, in denen ich darüber berichte, was ich alles nicht weiß, harhar.

M. antwortete mir dann, sie konzentriert sich am 1. nicht so auf die Vergangenheit, sondern auf die Zukunft, wo alles noch vor einem liegt und deshalb alles möglich ist und manchmal ist es so einfach, ein Perspektivenwechsel und alles fühlt sich ein bisschen leichter an. Danke!
Wie David Lynch sagte: I am wearing my sunglasses today, cause I am looking at the future and the future looks bright.
In diesem Sinne!
Immer

Deshalb schreibe ich ein Buch
Drei Lebensweisheiten
Aus Anlass seines heutigen Geburtstages, drei Lebensweisheiten meines Papas, die mir immer in Erinnerung bleiben werden:
3. Vom Arbeiten ist noch niemand reich geworden.
2. Es gibt nicht gesund, es gibt nur schlecht untersucht.
Und Platz 1:
Dreimal umgezogen ist einmal abgebrannt.
Honorable mention:
Farben sind Zeichen einfachen Geistes
Harhar.




