
Imagine

my little place on the web…

Letztens rede ich mit dem Kind so über Musik, weil er einige Konzerte plant von Bands, die mir prinzipiell eh auch gefallen. Aber, sage ich ihm, ich höre praktisch fast nur noch ESC Songs, weil mich die an nichts erinnern. Das stimmt wirklich, eh auch irgendwie leider, aber mich trifft emotional nichts so schnell wie das “falsche” Lied – kein Film, auch wenn er arg ist und auch kein Roman. Aber Lieder können mich so arg triggern, nur noch geschlagen von U-Bahn-Stationen, harhar.
Dann reden wir weiter und irgendwie kommen wir auf Harry Styles, den das Kind nicht so mag.
Ich dann: Aber Sign of the Times ist ur gut.
Und er so: Na und das ist nicht deprimierend?
Harhar, da hat er natürlich recht, es ist schon ein trauriges Lied. Hier auf dem Blog habe ich damals geschrieben, Styles singt so, als wäre sein Leben schon einmal komplett auseinandergebrochen und dann nur notdürftig wieder zusammengesetzt worden. Das hat mich damals sehr angesprochen, ich war aber erstaunt, dass jemand, der erst Anfang 20 ist, von solchen Dingen erzählen kann. Andererseits wird der Grundstein für die Dinge, die einen später brechen, wahrscheinlich eh immer in der Kindheit gelegt.
Trotzdem – und nachdem ich gerade (!) nachgelesen habe, dass Styles hier über eine Mutter singt, die gleich sterben wird und ihrem Neugeborenen in diesem Song alles mitgeben will, was sie über das Leben weiß, na uff – ja trotzdem deprimiert mich dieses Lied nicht. Weil ich es im Sommer 2017 gehört habe, und da war ich so glücklich und alles war noch möglich. Das assoziiere ich immer noch damit.
Gestern, nach der emotionalen Aufwühlung (im positiven Sinn) im Thalia (unbezahlte Werbung harhar) war ich mit L. essen.
Bekommen habe ich unter anderem, das:

Und ich habe außerdem Vapiano Gutscheine und Thalia Gutscheine bekommen. Also ich werde viel lesen und essen. Ach ja und 1 Jahr Nonstop Abo Verlängerung, mit Verpflegung. Der Verpflegungsbonus ist sehr großzügig ausgefallen, dafür, dass ich im Kino ja nur ein Mineralwasser oder einen Holundersaft konsumiere, harhar. Danke!
Außerdem wurde ich aufs Konzert von Tom Smith eingeladen, der in der Simm City (in Simmering) auftrat. Manche kennen ihn vielleicht als Sänger von den Editors. Es war aber ein Tom Smith Soloabend, man konnte dort sitzen, was ich in meinem Alter bei zwei Stunden Konzert schon ganz okay finde. Es war alles sehr ruhig und getragen, schön.
Und die Songzeile: “You knew you were lost, but you carried on anyway ist mir im Kopf geblieben.” So als Art Leitspruch für das Leben an sich.
Ich habe M. den Roman Verdammt Wütend von der norwegischen Schriftstellerin Linn Strømsborg geschenkt, weil uns beiden der Vorgänger, Nie, Nie, Nie sehr gut gefallen hat. Jetzt habe ich Verdammt Wütend selbst gelesen und sorry liebe M. I should have known better, harhar.
Die Anfangsszene ist natürlich super. Da ist Britt, Anfang 40, mit Mann und kleiner Tochter auf Urlaub mit Freunden. Und eines Morgens schreit sie einfach alle an. Den Mann, die Tochter, die Freunde. Weil sie, erraten, einfach verdammt wütend ist. Sie ist wütend, weil ihre Mutter sie selbst als zehnjähriges Mädchen verlassen hat, einfach gegangen ist. Weil die Beziehung zu Espen nicht das ist, was sie sich vorgestellt hat, weil er Verantwortung scheut und sie möglicherweise betrügt. Weil sie ihre Tochter liebt, vieles aber dennoch anstrengend ist. Und weil die Freunde eben auch irgendwie nerven. Als Leser liebt man ja irgendwie das Drama und ist gespannt darauf: Was kommt danach? Aber leider ist es die beste Szene des ganzen Buches.

Strømsborg schreibt immer noch gut, die Sprache gefällt mir. Bei Verdammt Wütend hapert es aber, meines Erachtens aber am Plot, der sich jetzt nicht wesentlich von anderen Büchern dieses Themenkreises unterscheidet und der vor allem keine wirkliche Weiterentwicklung seiner Protagonistin bietet.
Ja, es geht um Wut, um Frust, um unfaire Bedingungen, darum wie “Orsch” alles ist, ja ich verstehe es, ich kann es auch in Teilen durchaus nachvollziehen. Aber mir fehlt irgendwie die Transformation. Also Wut entsteht natürlich immer wieder einmal in einem Menschen und ist ab und zu auch notwendig, aber an sich ja noch kein Wert. Man sollte ja mit dieser Wut irgendwas tun, damit sich etwas anderes daraus entwickeln kann, das im Idealfall eine Verbesserung der Situation bringt. Oder sagen wir so: Wenn jemand 100 Seiten in seinem Tagebuch mit wütenden Gedanken füllt, ist das vielleicht ganz therapeutisch, aber es ist noch keine Literatur. Mir bleibt Britt ein bisschen zu verhaftet in der “Opfererzählung”. Mir fehlt ein bisschen die Reflexion über die eigenen Anteile an der unbefriedigenden Ist-Situation.
Es gibt auch einige ziemlich eigenartige Perspektivenwechsel. Meistens verfolgen wir die Handlung ja aus der Sicht von der Protagonistin Britt. Ein Kapitel ist allerdings aus Sicht von Espen erzählt, eines aus dem Blickwinkel einer Freundin. Was tatsächlich eine interessante Idee wäre, wäre es nicht so “random” eingesetzt, wie mein Kind es bezeichnen würde. Die Perspektive von Espen wird auf ein paar wenigen Seiten erzählt, das wird der Figur nicht gerecht, wir lernen ihn deswegen auch nicht besser kennen und können uns über ihn kein “Urteil” bilden. Ich frage mich, was sich die Autorin diesbezüglich von uns erwartet. Das würde ich sie wirklich gerne fragen, harhar.
Britt sagt einmal: “Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so wütend sein würde, und wenn ich gekonnt hätte, hätte ich mich defintiv dagegen entschieden. Für Freude, Neugierde, Offenheit, Trauer, Staunen oder Zufriedenheit. Aber diese Wahl wurde mir nie gelassen. Man hat mir nur dieses Leben gegeben und es ist eine große Enttäuschung.”1 Wirklich?
Der Trailer zum neuen Kristoffer Borgli Film The Drama ist grandios.
Borgli, der Meister der tollen Prämissen, die dann nicht aufgehen, harhar, has done it again. In The Drama geht es um ein junges Paar, das kurz vor seiner Hochzeit steht. Bei einem Abendessen mit einem befreundeten Paar erzählt jeder etwas bisher Geheimes von sich. Das ist anscheinend lustig, etwas peinlich bis leicht unangenehm. Aber dann ist die Figur, die Zendaya spielt, an der Reihe und sagt etwas offensichtlich so Arges, dass die Stimmung kippt und alle erschüttert sind. Nach diesem Trailer bin ich einfach nur ur neugierig, und ich hoffe, Borgil versaut es nicht wieder. Harhar.
Was aber nebenbei noch interessant ist, in diesem Trailer kommt der Song A Summer Place vor. Da musste ich an meinen Papa denken. Er hatte die Platte und hörte sie oft. Und ich dachte daran, wie ich mich in den letzten Jahren meistens an ihn erinnert habe, mit einem gewissen Schmerz. Ich dachte fast nur noch an ihn als so etwas wie ein ungelöstes Rätsel, als Leerstelle, als jemand, der am Ende seines Lebens nichts mehr mit mir zu tun haben wollte, ich sag es mal so hart. Ich dachte an seine Witwe, mit der ich beim Notar gestritten hatte – harhar, das könnte ich tatsächlich von ihm haben, er hat sich gern aufgeregt – bis sie dann eingestanden hat, dass ich nichts falsch gemacht hatte. Ich habe mich dafür bedankt, dass sie mir das gesagt hat. Ich denke, ich bin einfach nicht der Mensch geworden, den er sich vorgestellt hat. Das ist sehr lange schmerzhaft gewesen, bis es dann eines Tages gar nichts mehr mit einem macht. Ich glaube, das nennt sich Akzeptanz. Ich habe meine Perspektive gewechselt. Ich mag nicht mehr kämpfen.
Jedenfalls hat mich dieses Lied daran erinnert, wie mein Papa auch sein konnte. Sehr lustig nämlich, er konnte super Geschichten und Erlebnisse (nach)erzählen, das haben mir manche auch bei seinem Begräbnis versichert, dass sie sich so an ihn erinnern. Er konnte gut kluge und ziemlich provokante Dinge sagen und es gab natürlich auch viele helle Momente zwischen uns, so hell wie dieser Song. Ich freue mich wirklich, dass mich dieser Trailer daran erinnert hat.
Nadines neuer Blogeintrag Vier kleine Dinge haben mich gleich inspiriert, auch darüber nachzudenken. Über Dinge nämlich, die einem im Alltag Freude machen.
Hier meine vier:
Zuerst ist mir das Essen mit meinem Kind eingefallen. Gerade jetzt, wo er erwachsen ist und wir gerade nicht so viel Zeit miteinander verbringen, ist dieser Punkt sehr wichtig geworden. Weil wir essen beide sehr gerne, derzeit oft Piccata Milanese, sein Lieblingessen von mir. Wir kochen dann zusammen oder, wenn er in der Schule ist, versuche ich es so zu timen, dass das Essen genau dann fertig ist, wenn er zur Türe hereinkommt. Und dann quatschen wir über seinen Tag und meinen und er bringt ein Thema auf, wo er weiß, dass es mich aufregt (harhar) oder fragt mich tatsächlich auch um meinen Ratschlag oder meine Ideen zu etwas O Ton: Das Einzige, wo ich nie auf dich hören werde ist, welche Jacke ich anziehen soll.
Sehr gerne komme ich meist Freitagabend in mein Haus, derzeit ist es oft schon dunkel bzw. die Solarleuchten im Garten haben sich eingeschaltet. Ich esse zu Abend, meine Mutter ist manchmal da, dann reden wir, sie lebt unten. Dann gehe ich hinauf in meinen Stock, den ich nach und nach so eingerichtet habe, wie ich wollte, mit Bücherregalen und Sofa, Fotolichterkette, Filmplakaten und vielen Pölstern und Decken und anderem Zeugs, auch so kleines Krimskrams, über das Chandler in Friends einmal sagte, dass das Frauen so lieben, “The tiny little box, that’s too small to put anything in”. Und da fühle ich mich dann sehr wohl, und habe Zeit und Ruhe zum Lesen und Schreiben und Nachdenken.
Den nächsten Punkt muss ich “leider” von Nadine übernehmen, nämlich die Dunkelheit, bevor ein Film im Kino beginnt. Das liebe ich auch so sehr. Weil es einen aus der Welt reißt und in eine ganz andere katapultiert. Egal ob man gestresst, zerstreut oder auch einmal niedergeschlagen im Kino ankommt, ob einen etwas belastet oder ob man einfach nur in totaler Vorfreude auf den Film ist – was bei mir auch oft der Fall ist – in einem Kinosaal kann man mal zwei, zweieinhalb Stunden an nichts anderes denken als eben das, man ist so in dem Moment, alles andere bleibt außen vor. Und das ist tatsächlich ein Vorteil zu Netflix und Co (was ich natürlich auch ab und zu schaue), man katapultiert sich bewusst aus seinem Leben hinaus. Und nachdem mir sehr oft gesagt wurde, ich lebe in einer Traumwelt, passt das hervorragend harhar.
Und als viertes kurz und bündig: Abendsonnenlicht, dass sie in den Fensterscheiben schöner, alter Häuser spiegelt.
Heute waren L. und ich im halbwegs neueröffneten Cafe/Restaurant Das Hegel frühstücken.
Es wurde mir irgendwie in meine timeline gespült (unbezahlte Werbung), wir haben übermotiviert reserviert, aber der Andrang war eher überschaubar *hüstel*. Das Hegel liegt gleich neben dem Stadtpark, auch in der Nähe der entsprechenden Ubahn Station, was ich aber wieder ignoriert habe, und zuerst irgendwo beim Gartenbaukino gesucht habe. War aber dann trotzdem immer noch zehn Minuten zu früh.
Zu Unrecht übrigens eher wenig los, denn das Lachsfrühstück, das wir beide ausgewählt haben, war wirklich sehr gut und das Heißgetränk ist im Preis schon inkludiert, was man wissen sollte (wer lesen kann ist klar im Vorteil, harhar), denn sonst wirkt es vielleicht etwas teuer. Wie man sieht, ein sehr bunter und gesunder Teller, neben Lachs und weichem Ei noch Avocado, Tomaten, Käse, Weintrauben (!), die ich zuerst mit Oliven verwechselt habe und Ruccola. Und dazu eben Cappuccino. Mhmm, wirklich sehr gut.
Danach waren wir noch im Stadtpark, sind in der Sonne gesessen und haben geplaudert, unter anderem über die nahenden Maturabälle unserer Kinder. Ich musste auch daran denken, wie wir vor fast vier Jahren schon mal dort gesessen sind und es war der letzte Tag eines anderen Lebens, was ich damals aber nicht wusste. Wie viel hat sich seitdem verändert und wie viel gar nicht. Ich bin glücklich, meine Erinnerungen an dieses Leben zu haben und das Schreiben.
Guten Start ins Wochenende.
Es schneit also wieder – so ging ich heute vom Gartenbaukino nachhause, wo ich die äußerst unterhaltsame Mockumentary mit Charlie xcx The Moment gesehen habe:
Ich hab mich einerseits sehr über den Schnee gefreut, es ist schön im Dunklen bei Schneegestöber, ein bisschen magisch sogar, Gedanken an jemand, immer.
Andererseits war das Kind auf dem Weg mit dem Auto in Niederösterreich. Und dann ruft er mich unterwegs an, dass nichts geräumt ist und “arg zu fahren” (as predicted by me). Hurra, das hört man gerne. Nun ja, er darf lernen, bei diesen Verhältnissen zu fahren, wenn er schon muss, und ich darf lernen, dass er erwachsen ist und mit den Dingen klarkommt.
Habe trotzdem nervös gewartet bis er gut am Ziel war. Ich: Ich hab mir Sorgen gemacht. Er: Das war nicht notwendig. Oida. Aber das ist mein Kind. Harhar.
Fazit: Ich habe offenbar mehr zu lernen als er. Und ich kann jetzt wenigstens beruhigt schlafen, während es draußen weiter schneit.
Nadine Hilmar hat in ihrem Blog, den ich sehr gerne lese, darüber geschrieben, dass sie auf der Körperwelten Ausstellung war – noch bis Ende März in Wien zu sehen.
Ich kann da leider nicht hingehen. Ich war einmal, also so 1995, als Begleiterin in einer Anatomie Vorlesung, wo der Professor etwas an einem Schädel demonstriert hat. In meiner Naivität meinte ich, das wäre irgendwie artifiziell, so eine Art Nachbau. In dem Moment, in dem ich festgestellt habe, das ist ein tatsächlicher Kopf, wurde mir so übel, dass ich den Rest der Vorlesung meinen eigenen Kopf auf die Tischplatte legte und einfach nur atmete. Als die Vorlesung aus war, versuchte ich beim Hinausgehen nicht mehr zum Pult zu schauen, wo dieser Schädel immer noch lag. Ja, ich eigne mich nicht als Medizinerin, ich meine, das war mir eh schon vorher klar. Dass ich so extrem reagieren würde aber nicht.
Darüber wollte ich jetzt aber gar nicht erzählen. Ich fand nämlich in erster Linie spannend, wie Nadine berichtet, dass am Ende der Aussellung eine Tafel stand, mit der Aufschrift “Bevor ich sterbe, möchte ich…” und es war da Kreide, und jeder konnte dann Dinge draufschreiben, die er eben noch tun möchte, in seinem Leben. Sowas finde ich auch immer total spannend, was Menschen da so für Gedanken habe. Und ich habe da recht ähnliche Vorstellungen wie Nadine.
Ich möchte auch einen naja Bestseller nicht mal unbedingt schreiben, aber zumindest ein Buch in einem “herkömmlichen” Verlag, wo man das Lektorat und die Vermarktung auslagern kann und wo dann das Buch in der Auslage steht. Vor allem möchte ich mich aber mitteilen, ich will, das Menschen verstehen, was ich fühle und warum und was für Gedanken ich habe und wie ich das Leben empfinde. Wie ich etwas bestimmtes sehe, ein großes Thema quasi, und ja. Ein paar Leute, die sich Zeit nehmen, meine Worte zu lesen, das wäre schön..
Und natürlich will auch ich mein bereits erwachsenes Kind “begleiten” so lange es geht und vor allem Zeit mit ihm verbringen, aber das eh komplett selbstverständlich.
Das mit den Beziehungen, naja, dazu muss man dann eben das Buch lesen. Teaser! Das kann ich nicht in zwei, drei Sätzen zusammenfassen, es ist schon schwer auf 280 Seiten (oder so) harhar.
Ansonsten möchte ich mich vor allem immer daran erinnern, was mich glücklich macht, auch wenn ich einmal keine so gute Phase habe.
Und ich würde gerne, bevor ich sterbe, noch ein paar Dinge verstehen, ich meine wirklich verstehen. Etwas auflösen. Aber so ist das Leben wohl nicht. Es wird immer mehr Fragen geben als Antworten. Und vielleicht ist da auch ganz gut so.