almis personal blog

qwien, Teil 1

Ich heute im qwien (sprich: Queen)

Jeder Ausstellungsbesucher muss ein Foto vor diesem Spiegel machen, sonst war er gar nicht dort, harhar.

Eigentlich könnte hier auch ein Selfie mit Marco Schreuder und mir gepostet werden. Dazu hätte ich ihn aber darum bitten müssen, und dafür war ich leider zu überfordert.

Marco Schreuder ist Kurator der Ausstellung United by Queerness und einer der Moderatoren des ESC Podcasts Merci Cherie – und war auch mal Politiker. Wir kannten uns noch nicht persönlich, haben uns aber öfter mal geschrieben und ich war ziemlich überrascht, als er plötzlich vor mir stand und fragte: “Du bist doch Heidi oder?” Harhar. Habe ihm gleich zur tollen Ausstellung gratuliert. Er hatte dann direkt auch noch ein Interview ebendort und hat mich zum Abschied umarmt und geküsst und meinte, schön, dass wir uns mal gesehen haben und das fand ich ur lieb.

ESC, die Elemente

Am Wochenende war nicht nur San Remo, auch der deutsche Vorentscheid für den ESC, der den etwas brachialen Titel “Das deutsche Finale” trägt. Ich habe ihn ein bisschen parallel geschaut.

Gewonnen hat dann jedenfalls Sarah Engels, die früher Sarah Lombardi hieß und ich kam mir ein bisschen vor wie mein Vater früher, als ich nachfragen musste. Dann bekam ich die Antwort, ja die war verheiratet mit mit Pietro Lombardi. Okay. Und wer ist das? Harhar. Jedenfalls ist ihr Song ein bisschen, ich würde es so formulieren: Unüberraschend. Und er heißt Fire.

Darüber habe ich länger nachgedacht, weil ich den Eindruck hatte, dass es in der letzten Zeit quasi jedes Jahr einen Song beim ESC gab, der was mit Feuer zu tun hat. Und ich hatte unrecht. Manchmal gibt es pro Jahr auch zwei Songs, harhar. Letztes Jahr zum Beispiel Lighter und ein Feuer verbirgt sich auch hinter Zjerm (albanisch für Feuer). Dann hatten wir natürlich Fuego, mit dem der heurige deutsche Titel stilistisch auch oft verglichen wird, wir hatten On Fire, Fulen (Funke), es gab Firefighter, Start a Fire, Pali Si (Fire of Love) oder auch Embers (Glut).

Seltener werden übrigens andere Elemente besungen, wie Water, River, Voda (auch Wasser), Waterline oder Walk on Water und Watergun. Ein bisschen was zum Wind gibt es auch, wie Storm (gleich zwei Jahre hintereinander), Silent Storm oder auch Calm After the Storm und – im Gegenteil – Hurricane. Das ist mal eine Recherche, was? Harhar. Zu Storm von Estland 2019 ist mir dann die Sendung Songcheck eingefallen, die es leider nicht mehr gibt. Da wurden alle Songs mit Liebe und auch bisschen Ironie analysiert. Über Storm hieß es eben: “IDM mit Country Anleihen, da kriege ich immer so eine Kreuzallergie” und auch: “Er hat diverse Floskeln zur stürmischen See auf Lager.”

Und dann hatte ich nostalgische fünf Minuten und habe der Songcheck Moderatorin Alina Stiegler geschrieben und wir haben uns über die Sendung ausgetauscht:

Finde es wichtig, Menschen zu sagen, wenn es einem etwas bedeutet, was sie tun. Ihre Freude freut mich dann auch. Deshalb bringt den Songcheck zurück, damit wir solche Dinge wie die Rolle der Elemente beim ESC gemeinsam analysieren können.

März

Heute bin ich das erste Mal im Garten in der Sonne gesessen. Dabei habe ich mir San Remo Songs angehört, gestern war ja Finale, ich bin um Mitternacht eingeschlafen und da wars natürlich noch lange nicht aus. Habe mich sehr darüber amüsiert, wie man den Siegertitel von Sal da Vinci namens Per sempre sì in der Facebook ESC Gruppe beschrieben hat, nämlich als “1970-ziger Schmalz mit Heiratsschwindler Vibes”. Harhar. Das ist so treffend, da bin ich immer etwas neidisch, wenn mir so etwas geniales nicht einfällt. Jemand anderer meinte: Viel Spaß in Caorle 1981, auch hübsch.

Blick in den Garten am 1.März

Dabei gab es auch sehr viele sehr moderne Songs zur Auswahl, etwa mein diesjähriger Favorit vom Duo Fedez und Marco Masini: Male necessario, Pop mit soften Rap-Anteilen. Der Titel bedeutet so etwas wie “Notwendiges Übel”. Finde ich auch total interessant. Und im Song gehts dann ums Aufknallen auf dem Boden der Tatsachen in irgendeinem Hotelzimmer und man hat gleich tausend Bilder und Assoziationen im Kopf. Richtig schön melancholisch und kraftvoll.

Am späteren Nachmittag bin ich dann ins Kino gefahren und habe mir den neuen Jarmusch Father Mother Sister Brother angesehen. Beim Hinuntergehen der Währinger Straße sind mir viele Menschen mit Iran-Fahnen entgegen gekommen, anscheinend, wie ich nachgelesen habe, gab es eine Kundgebung am Heldenplatz. Es ging dabei aber sehr ruhig und zufrieden zu, eine angenehme Begegnung. Der Film war ein typischer Jarmusch, auch sehr angenehm und ruhig und wie immer bei ihm komplett unspektakulär. Muss man mögen und ich mag es seit 30 Jahren.

Votivkirche, so schön!

Den Abend mit Sonntagszeitungen und Korrekturlesen verbracht. Guter Sonntag.

ESC: Vienna Calling

Ich wollte noch was zu Vienna Calling schreiben, der Sendung, in der am Freitag der ESC Beitrag für 2026 gewählt wurde.

Und zwar das: Nächstes Mal machen wir lieber wieder eine interne Ausscheidung, gö? Harhar.

Nicht wegen dem Siegersong Tanzschein von Cosmo, den ich tatsächlich catchy und originell finde, noch dazu mal in deutscher Sprache – man kann als Fixstarter auch etwas wagen, und ich finde es gut, dass der Song ganz anders ist als der voriges Jahr. Aber der Rest der Show… anstrengend!

Ich bin sowieso immer eher für eine interne Wahl, auch weil Eberhard Forcher, der das die letzten Jahre ja ziemlich erfolgreich gemacht hat, in einem Interview gesagt hat, dass viele Acts abwinken, wenn sie sich einem öffentlichen Voting stellen müssen. Und da bewerben sich dann halt oft eher Menschen, die, sagen wir mal, nix zu verlieren haben. Das finde ich ja prinzipiell mutig und alles, aber viele wissen halt offenbar nicht, dass ein ESC-Song jetzt nicht nur ein Lied ist, das zufällig drei Minuten dauert.

Eine Mini-Kontroverse gab es heuer zu dem Song Wenn ich rauche von Sidrit Vokshi. Ist es misogyn? Weil Vokshi singt von einem frisch getrennten Mann, der sich in unbedeutende Affären flüchtet, folgendes: “Doch ich lieg’ mit ‘ner andern (…) ‘ne Frau, die ich nicht kenn’, stets der gleiche Lauf. Ich nehm’ sie mit und in der Früh schmeiß’ ich sie raus.” Ich hab mir auch kurz gedacht na servas. “Schmeiß ich sie raus” klingt nicht sehr konsensual.

Aber trotzdem darf man natürlich auch jemand besingen, der sich nicht korrekt verhält und das lyrische Ich muss nicht die Haltung des Sängers widerspiegeln. Mich hat der Songtext ein bisschen an Laura non c’e (=Laura ist nicht mehr da) von Nek erinnert. Ähnliche Gedankengänge, nur damals keine Aufregung, weil 1990er Jahre und zu wenig verstehen italienisch, harhar.

Fazit der Show insgesamt: Ausbaufähig. Oder eben eher lieber ganz weglassen, nächstes Jahr.

ESC: Goodbye Conchita

Heute habe ich erfolglos versucht, Karten für den ESC zu ergattern.

To be fair: Ich hätte darüber enttäuschter sein können. Der ESC hat für mich derzeit eine Ambivalenz, die ich gar nicht mag. Und ich hoffe, das gibt sich, sobald die ersten Vorentscheide (San Remo!) stattfinden und wir wieder über etwas anderes reden können, als wer wem böse ist und wer jetzt noch welches Virtue Signalling betreiben muss.

Conchita Wurst hat heute in einer sehr kryptischen Social Media Message, die man so oder so finden kann, erklärt, dass sie sich vom ESC als Ganzes zurückzieht. Der Songcontest, so Wurst, würde immer ein Teil ihrer Vergangenheit bleiben, aber nicht mehr ihre Zukunft sein. Genaue Gründe nennt sie nicht, Fragen dazu will sie nicht beantworten und so bleibt natürlich massiver Raum für Spekulation.

Hat es etwas mit Israel zu tun (was ich nicht hoffe) oder damit, dass sie gerüchteweise nicht moderieren “darf” oder ganz was anderes? Wir werden es eventuell nie erfahren. Aber es ist halt schon ein Statement, wenn der ESC gerade heuer in Wien stattfindet, und sie letztes Jahr noch auf allen ESC-Hochzeiten getanzt hat (nämlich auch bei anderen Vorentscheiden mitgemischt hat, etcetera) und nun kommt so eine doch finale Aussage. Wozu? In dieser Endgültigkeit war das nicht notwendig. Das hat ja schon fast den Vibe von der großen Geste a la: “Ich verlasse Twitter.”

Conchita hat natürlich jedes Recht dazu, klar, aber ein bisschen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass jemand, den dieser Bewerb berühmt gemacht und auch das Konto ganz gut gefüllt hat, vielleicht ein wenig behutsamer mit der Institution an sich umgehen hätte können, gerade in einer Zeit, die für den ESC eh, vorsichtig formuliert, ein bisschen Orsch ist. Zumindestens wenn einem der ESC was bedeutet.

(Almi mad as hell, harhar, nein so schlimm ist es auch nicht, aber ich muss auch nicht alles super finden)

ESC Winner of the Winners, drei

So jetzt ist Island also auch raus aus dem ESC und in den Fangruppen wird gejubelt, ob dieser mutigen Entscheidung. Das ist irgendwie so wie früher, als Menschen auf dem Hauptplatz hingerichtet wurden und Leute dazu applaudiert haben, weil es “die Richtigen” waren, die da hängen und dabei ein bisschen vergessen haben, dass Hinrichtungen am Hauptplatz einfach nie ein Grund zum Jubeln sein können. Tolle Metapher, was? Harhar.

Aber kommen wir zu erfreulichem, nämlich der Best of the Best Wertung, die ich heute eingereicht habe (sogar mit Sprachbeitrag). Und da sich sicher alle erwartungsvoll fragen, was ist mein persönlicher Lieblingsgewinner, jetzt die Auflösung. Das war tatsächlich nicht einfach, obwohl das Kind meinte “Ist jetzt nicht so deep”. Ja eh, es ist überhaupt nicht deep und es geht auch um gar nix, und es ist alles andere als weltbewegend, deshalb denke ich auch so gerne drüber nach.

Ich habe mich aus verschiedenen Gründen für Johnny Logan und Hold me now entschieden. Da schaut ihr, was? Harhar. Einerseits, weil ich ein bisschen edgy sein wollte und weil – frei nach der Fußball WM, wo am Ende immer Deutschland gewinnt – hier ganz sicher Abba oder Loreen (mit Euphoria) gewinnen werden und ich beide Songs zwar in meinen Top 10 habe, aber näher an meinem Herzen ist tatsächlich der Siegertitel aus dem Jahr 1987, den ich erstmal auf der Kuschelrock CD Nummer 1 entdeckt war, bevor mir klar war, dass das ein ESC Siegertitel ist.

Wir haben hier die gerne genommene gaga (und auch recht toxische) Prämisse: Wir (das besungene Paar) haben noch eine Nacht und dann müssen wir uns trennen. Natürlich wird nie erklärt, warum sich ein Paar dann unbedingt trennen muss, es wäre zu deprimierend oder auch zu ernüchternd oder fishy. Deshalb wird das immer ausgespart und letztendlich ist die beste Liebe in Liebesliedern immer die, die unerfüllt ist, weil: Seufz.

Auf den weiteren Plätzen bei mir: ABBA, Lordi (!), Celine Dion, France Gall, Sandra Kim, Loreen, Salvador Sobral, Alexander Rybak und Toto Cotugno. Ja, ich hab die letzten fünf Jahre weggelassen (zu nahe) und auch die österreichischen Teilnehmer, weil eigentlich : you cannot vote for your own country. Und eine gewisse Landesdiversität gibt’s auch. Mehr kann man echt nicht verlangen. Jetzt bin ich schon gespannt, was in der Gesamtwertung rauskommt.

ESC: aktuell

Weil ich auf die derzeitige Lage des ESC angesprochen wurde – naja, sie ist ziemlich Scheiße, würde ich sagen.

Vorige Woche gab es eine Konferenz der EBU, die von vorneherein nur in einem lose/lose Szenario enden konnte. Entweder mit dem Ausschluss Israels – ich bin persönlich generell gegen Ausschlüsse – oder damit, dass Länder von der Teilnahme zurücktreten, weil Israel antreten darf. Letzteres ist nun passiert, bisher haben die Niederlande, Slowenien, Irland und auch das Big Five Land Spanien ihren Rückzug angekündigt. Belgien und Portugal haben nach einer Nachdenkphase zugesagt, Island überlegt noch, ist aber m.E. auch mehr als wackelig. Das sind ganz schwarze Tage des ESC, das kann man sich nicht schönreden.

Wie kam es dazu? Ich habe es schon 2022 prophezeit, als Russland ausgeschlossen wurde, jetzt kommen wir in eine Spirale aus politischen Diskussionen und moralischer Selbstüberhöhung. Wir leben sowieso seit Corona in einer Zeit, wo es permanent darum geht, sich zu positionieren und Gegenmeinungen nicht mehr auszuhalten und deshalb gar nicht zuzulassen. Ich will und kann aber beim ESC nicht darüber diskutieren, was Israel falsch gemacht hat. Ich kann nicht den Nahostkonflikt bei einer Musikveranstaltung lösen, genauso wenig wie ich dort den Russland-Ukraine Krieg beenden kann.

Ich selbst habe hier schon geschrieben, dass die Tage des Songcontests möglicherweise gezählt sind, zumindest so wie wir ihn kennen. Es ist bitter das zu schreiben, ich bin aber auch keine Realitätsverweigerin. Man muss sich bewusst sein, dass man jederzeit etwas verlieren kann, das man liebt.

Meiner Meinung nach kann der ESC nur gerettet werden, wenn wir uns wieder daran erinnern, warum er ursprünglich erfunden worden ist, wenn wir daran denken, was er leisten kann und was eben nicht. Zurück zur Musik, zur Diskussion über Bühnenshow und Kostüme, zurück zu den Memes, dem Humor, der Leichtigkeit, wo man alles nicht ganz so ernst nehmen muss und dem friedlichen Feiern mit anderen Menschen. Auch Menschen im Übrigen, die anderer Meinung sind. Weil es wurscht ist, weil es zumindest an diesem einen Abend nicht darum gehen sollte. Die Hoffnung, dass es wieder möglich ist, habe ich noch nicht verloren.

ESC Winner of the Winners, zwei

Am Wochenende mit dem Kind über meine Top 10 ESC Gewinner diskutiert, darüber könnte ich ja stundenlang reden.

Das Kind outete seine Vorliebe für Heroes von Mans Zelmerlöw. Finde ich ok, aber kein Top 10 Material. Am meisten mag ich den Text, der hat irgendwie so was leicht abseitiges, wenn Mans von seinen inneren Dämonen singt – was mittlerweile ja auch ein bisschen traurige Aktualität in seinem tatsächlichen Leben erlangt hat – oder gleich am Anfang, wenn es heißt: “Don’t tell the gods I left a mess. I can’t undo what has been done. Let’s run for cover.” Das hat irgendwie etwas bedrohliches, aber auch interessantes.

Apropos bedrohlich, das führt direkt zu 1944, dem Siegersong der Urkraine von 2016, performt von Jamala. Dieser beginnt mit den Zeilen: “When strangers are coming, they come to your house, they kill you all, and say we’re not guilty” oder wie ein Freund damals meinte, ein richtiger Feelgood Song, harhar. Hier versagte jedenfalls die vielzitierte politische Neutralität des ESC auf ganzer Linie. Ich mag 1944 unter anderem deshalb überhaupt nicht, genausowenig wie die anderen beiden ukranischen Siegersongs. Was komisch ist, weil die Ukraine sonst oft wirklich sehr gute Songs geschickt hat. Aber Wild Dances von 2005 ist belanglos und das Kalush Orchestra mit Stefania? Don’t get me started.

UK und Irland sind mittlerweile hochgradige “Problemkandidaten” des ESC, was den Erfolg betrifft, eigentlich seit 1999 alle Nationen in englischer Sprache singen dürfen. Früher waren sie eine Bank. Irland hat in den 1990er Jahren viermal gewonnen, davon ein Hattrick, der letzte Sieg von UK war 1997 mit Katrina and the Waves, die gefühlt zwei Hits insgesamt hatten, Walking on Sunshine und eben Love Shine a Light, über den Grissemann damals meinte, “Jetzt kommt der Geheimtipp. Oder wie heißt das, wenn alle sagen, das wird Erster?” Harhar.

Es wurden auch Weltkarrieren mithilfe eines ESC Sieges gestartet, berühmtestes Beispiel natürlich ABBA Waterloo 1974), aber auch Celine Dion, 1987 für die Schweiz und zuletzt die italienische Rockband Maneskin (2021 mit Zitti e buoni) auf deren Konzert in der Stadthalle ich 2023 war. Dann gibt es aber auch die Beispiele von Siegern, von denen man nachher nie wieder hört. Duncan Laurence zum Beispiel, der 2019 mit Arcade gewonnen hat, war für mich immer so ein Michael Tschugnall von Starmania Moment. Tschugnall, der damals vor Christina Stürmer siegte, weil er uns an unsere Wunden erinnert hat. In dem einen Moment haben wir es alle gefühlt, wie auch bei Duncan, aber tatsächlich wäre der Zweite Mahmood vielleicht die nachhaltigere Wahl gewesen.

Gerne habe ich mich auch wieder an Aserbaidschans Running Scared von Ell & Nikki erinnert. Wir hatten damals eine ESC Party und ein Freund meinte, als die beiden ziemlich überzeugend performten, leider kommt Österreich in der Startreihenfolge genau danach, harhar. Und auch die “Männer in den Wechseljahren” (Grissemann), die Olsen Brothers mag ich mit Fly on the Wings of Love, auch wenn ich weiß, dass es ur schlagerig ist und generell ziemlich guilty pleasure.

Naja, wie ich gesagt habe, ich könnte ewig über den ESC reden, aber für heute reicht es dann auch.

ESC Winner of the Winners

Wieder fordert uns Nerds Marco Schreuder, bzw. der Merci Cherie Podcast bzw. die OEAG Austria auf, bei einem Voting mitzutun. Diesmal geht es darum, die besten 10 ESC Sieger zu küren, die Winner of the Winners sozusagen.

Jetzt ist schon klar, dass nicht immer das Siegerlied der persönliche Favorit eines Jahres ist, dennoch sprechen wir hier von 69 Songs bzw. Interpreten, die zur Auswahl stehen. Wie soll man sich da entscheiden? Nach dem, was einem selbst am besten gefällt, auch wenns guilty pleasure ist? Oder soll man etwas wählen, was richtungsweisend für den ESC war und ist, Songs, die die meiste Resonanz gefunden haben, die den ESC am besten repräsentieren? Und was ist mit dem Regency Bias? Was mit dem eigenes-Heimatland Bias? Bewerten wir die Studioversion oder den Live-Auftritt? Und ist es ok, alle drei Siegertitel von Italien in die Wertung zu nehmen? Bei meinen “Hass”-Gewinnern würde ich mir jedenfalls sehr leicht tun, harhar.

Ich hab mir gestern den sogenannten Schnelldurchlauf angesehen, der immerhin auch fast 30 Minuten dauert, und da wurden mir zumindest ein paar Dinge bewusst. Es ist absolut richtig, was in Love Love Peace Peace – dem Intervall Act von 2016, bei dem beschrieben wird, wie man den ESC gewinnen kann – gesungen wird: “Nothing says winner like a violine.” Denn auch wenn man natürlich weiß, dass Alexander Rybak 2009 bei Fairytale eine Geige dabei hatte, es kam tatsächlich auch bei Dima Bilan mit Believe (für Russland, 2008), bei Secret Garden mit Nocturne (für Norwegen 1995, fast ein Instrumentalstück) und auch bei Eimear Quinn und The Voice (Irland 1997) vor.

Barfuß übrigens auch immer eine gute Idee! Das Trickkleid kann man ebenfalls mehrmals bei der Arbeit beobachten. Und bei Helena Paparizous My Number One (für Griechenland 1995) und den Lyrics “You’re my lover, undercover, you’re my secret passion, and I have no other” musste ich an den Tweet denken, in dem jemand schrieb, wenn man als Textdichter struggelt, sollte man dran denken, dass mit diesen Zeilen tatsächlich ein Wettbewerb gewonnen wurde, harhar.

Dann diese Songs, die gefühlt nur aus dem Refrain bestehen wie Making your mind up (Bucks Fizz 1981), Diggi-Loo Diggy-Ley (Herreys, Schweden 1984) oder La det swinge (Bobbysocks Norwegen 1985). Die Selbstgeiselungsballade Why me? (Linda Martin, Irland 1992) versus die Selbstermächtigungshymne Ne partez pas sans moi (Celine Dion Schweiz 1988), das “Überraschungsgenre” Rock Hard Rock Halleluja (Lordi, Finnland 2006) und Zitti e Buoni (Maneskin Italien 2021), die Wiederholungstäter Johnny Logan und Loreen…. und die ganz stillen Molitva (Marija Šerifović Serbien 2007) oder Amar pelos dois (Salvador Sobral Portugal 2017) – der kommt übrigens fix in meine Wertung, das weiß ich schon.

So, lange Rede, kurzer Sinn, das wird wieder anstrengend werden. Harhar. Wer mitvoten will, bis zum 10. Dezember hier.

ESC Rückkehrer und Vorentscheide

Die neue ESC Saison steht jetzt nicht direkt vor der Tür, trotzdem werden gerade ein paar Entscheidungen getroffen und drei betreffen Länder, die 2026 zurückkehren. Eh gut, weil so viele andere gehen wollen, harhar (bitteres Lachen).

Rumänien, Bulgarien und Moldawien sind zurück, das freut mich. Besonders Bulgarien hat in den letzten Jahren erstaunlich interessante Beiträge beigesteuert, wenn man jetzt von der allerletzten Teilnahme absehen, wo eine Band namens “Intelligent Music Project” angetreten ist und so sollte man sich eher nie nennen, wenn man nicht wirklich sehr intelligente Musik macht – das Publikum konnte sich dieser Eigendefinition jedenfalls nicht anschließen.

Doch davor gab es mit Poli Genowa einen echten Fan Favorit, eine kleine ESC Ikone, die auch beim breiten Publikum ankam (4. Platz) und Kristian Kostov wurde im ziemlich starken Jahrgang 2017 sogar Zweiter mit Beautiful Mess (gewissermaßen ein Oxymoron) Bei beiden Songs hatte übrigens Cesar Sampon die Finger mit im Spiel, als Teil des Produzentteams Symphonix, die eine zeitlang für viele ESC Songs verantwortlich waren. Ich bin neugierig, ob Bulgarien mit ihnen zurückkehren wird.

Interessant ist auch, wer bei der estnischen Vorentscheidung, dem Eesti Laul mitmacht. Ich kenne jetzt die estnische Musikszene nicht so gut bzw überhaupt nicht harhar, aber zwei bzw drei ESC-Acts kehren zurück. Zum einen einmal Geeter Jaanni, die 2011 beim ESC war, sogar zum erweiteren Favoritenkreis zählte und deren Song Rockefeller Street sehr außergewöhnlich war, ist auch immer noch auf meiner Playliste. Trotzdem wurde sie im Endeffekt Vorletzte, weil der Song auf der Bühne irgendwie nicht so cool wirkte, wie in der Studioversion.

Und dann treten nächstes Jahr auch noch Victor Crone und Stieg Rästa gemeinsam an. Wer waren die schnell? Also Stieg Rästa hat mit Elina Born 2015 Goodbye to Yesterday gesungen, eines meiner all time ESC Lieblingslieder und er hat für Victor Crone 2019 Storm geschrieben, der, sag ich mal, nicht ganz so gut ankam. Im Songcheck hieß es damals unter anderem “IDM mit Country Anleihen, da kriege ich immer so eine Kreuzallergie” und “Der Sturm ist relativ lau”, sowie, “Er bringt halt irgendwelche Floskeln zur stürmischen See” harhar.

Leider ist auch 2026 etwas Country-mäßiges zu befürchten, denn Rästa, der eher nicht wie ein Cowboy aussieht und Crone (der schon eher) nennen sich “Stockholm Cowboys” (warum jetzt Stockholm?) und ihr Song heißt Last Man Standing, ja und jetzt weiß ich auch nicht. Kann sich wer erinnern, dass ein Country Song beim ESC mal gut ankam…? Ja ok, die Common Linnets wurden 2014 Zweite harhar, übrigens hinter Österreich. Aber vielleicht ist doch alles ganz anders, lassen wir uns überraschen.