almis personal blog

Die nächste Depperte

In zwei Tagen habe ich Die nächste Depperte ausgelesen, was mir M. am Montag erst geschenkt hat!

Eigentlich lese ich noch immer Paul Auster, aber das ist ziemlich anstrengend, so war mir diese Lektüre eine willkommene Abwechlsung. Untertitel: Von einer, die auszog, um Autorin zu werden. Deshalb bekam ich auch das Buch harhar. Aber bei Susanne Kristek, der ich übrigens auch auf Instagram folge, hat es ja schon geklappt. Im Sommer habe ich bei einem ihrer Postings sehr gelacht, nämlich als sie den “Brunnen” im 12. Bezirk bei der Niederhofstraße fotografiert hat und drunter geschrieben hat: “Infinity Pool Meidling”. Jetzt muss ich jedes mal, wenn ich da vorbeikomme, daran denken.

Nun. Das Buch fand ich sehr amüsant und kurzweilig. Ein paar Disclaimer gibt es aber. Es ist weder ein Roman, noch erklärt es wirklich, wie man Autorin wird. Und es ist nicht ganz optimal lektoriert, wie ich finde, ein paar Redundanzen hätte man entfernen können. Es gibt keine richtige Handlungsstruktur, es ist eher eine Sammlung von Geschichten. Nix dagegen zu sagen, ich erwähne es nur. Kristek hat übrigens in der Kettenbrückengasse einen Schreibworkshop besucht und das ist witzig, weil ich gerade vor ein paar Tagen genau dort auch einen solchen ergoogelt habe.

Die atmosphärisch schönste Szene ist die, die dem Buch seinen originellen Titel gibt. Kristek stellt ihr erstes Buch vor, es ist wieder mal ein Lockdown, weshalb sie das bei unwirtlichem Wetter, Nieselregen und Wind im Oktober mit einem improvisierten Büchertisch im alten AKH tut. Und weil man halt Maske trägt und sowieso gerade alle durchdrehen, kommen ihre Versuche, Publikum anzulocken, eher mäßig gut bei den vorbeigehenden Menschen an. Eine alte Dame, die mit ihrem Hund unterwegs ist, schüttelt den Kopf und sagt: “Die nächste Depperte!” Harhar, fand ich sehr schön.

Ansonsten geht es um Autorinnenfreundschaft – mit der österreichischen Krimischriftstellerin Martina Parker – es geht um Ferienhäuser im Burgenland, die Frankfurter Buchmesse, ein Hera Lind Schreibseminar, die Empfehlung von Elke Heidenreich, um den “Gatten” und die “junge Dame” und darum, dass Kristek besser einparkt als Auto fährt. Ein bisschen geht es auch um ihre Mitmach-Lesungen, die sie in den Breitenseer Lichtspielen abhält und einfach darum, dass sie so eine Art Selfmade-Woman ist, die sich eher wenig selbst ernst nimmt und mit Selbstironie betrachtet. Das fand ich sehr sympathisch.

Unterscheiden tut mich von Kristek, dass sie schreibt, weil sie gerne Geschichten erzählt und Menschen unterhält. Ich schreibe, um zu erklären, was eigentlich mit mir los ist, harhar.

Weihnachtsferien, zwei

Die letzten Tage war das Kind auf quasi Zweitheimaturlaub. Ich hab ein bisschen gearbeitet, aber auch noch die freien Tage genossen. Weil die nächsten Monate werden wahrscheinlich eh ein bisschen anstrengend.

Ich habe zwei Filme gesehen. Ich habe Sirat nachgeholt, einen Film, bei dessen Trailer ich ahnte, er würde mich zerstören und den ich deshalb eigentlich ignorieren wollte. Aber nachdem er jetzt als bester internationaler Film für Spanien bei den Oscars eingereicht wurde, habe ich mich drüber getraut. Und siehe da, er hat mich tatsächlich vollkommen zerstört, harhar. Mehr bald. Zum quasi Ausgleich habe ich auch Showing Up in OV von Kelly Reichhardt im Stadtkino angeschaut. Einen Film im Künstlermilieu, in dem fast gar nichts passiert, nur Alltagsmomente, kleine Depressionen, sowie kleine Freuden eingefangen werden, aber alles mit so viel Liebe geschildert wird, das hat mir richtig gut gefallen.

Morgenblick aus dem schön warmen Haus in den winterlichen Garten

Ich war am Hauptbahnhof, um etwas zu besorgen und habe mich zwischen den vielen ankommenden und abfahrenden Menschen treiben lassen, die alle dringend irgendwohin mussten oder von irgendwoher kommen und mir gedacht, wie lange ich schon nicht mehr Teil davon bin, irgendwohin zu fahren oder irgendwo anzukommen.

Ich habe geschrieben und ich muss sagen, mit meinem Text bin ich wirklich zufrieden. Ich recherchiere außerdem gerade nach irgendwelchen Workshops, die mir Tipps geben können, wie ich an Agenturen oder Verlage herantreten kann, dass ich auch eine Chance habe. Da geht es um Exposes und Pitches und Marketing, was ich bei Geboren in Bozen irgendwie zwangsläufig auch gemacht habe, ich war sogar im Stern. Aber prinzipiell, ich verrate das hier exklusiv, liegt mir das wirklich null harhar.

Morgen beginnt wieder die Schule und für Maturanten auch bereits das zweite Semester und ja, wie gesagt, es könnte ein bisschen anstrengend werden harhar.

Vor-Weihnachten

Aufgrund des Lesevergnügens am Wochenende habe ich mir heute gleich einen “neuen” Paul Auster Roman 4 3 2 1 aus der Bücherei ausgeborgt, schlappe 1200 Seiten für die Weihnachtsferien dann, harhar.

Sein opus magnum, die great american Novel, eine Geschichte mit vier verschiedenen Perspektiven

Weihnachten und das Jahresende überrollen mich heuer einerseits ein bisschen, weil so viel zu erledigen ist gerade, andererseits war ich irgendwann davor auch mal ganz gut organisiert und habe schon länger alle Geschenke beisammen, auch das andere Weihnachtszeug herausgekramt und freue mich auf eine ruhigere Zeit.

Nachdem ich erfahren habe, dass ich in den Ferien ein paar Tage “alleine” sein werde, hab ich natürlich Kino geplant – es gibt unter anderem ein Schnitzler Special im Metro, eine Kelly Reichard Retrospektive im Stadtkino, die letzten Filmneustarts des Jahres, und dann wie gesagt lesen und natürlich schreiben. Mein Roman ist heuer zwar nicht komplett fertig geworden, aber immerhin die Rohversion mit 81.000 Wörtern und es geht ans Überarbeiten. Und ganz ehrlich gesagt, tut es mir gerade auch gut, mich an ihm festzuhalten und mit dem Text Zeit zu verbringen und mit den Figuren, vor allem mit dieser einen Figur, die dann immer bei mir sein kann. Als schreibender Mensch ist man schon auch ein bisschen gaga, aber auf eine gute Art, sag ich mal, harhar.

Auf Insta habe ich in einem Astro-Reel (apropos gaga) über Fische in meiner Planeten-Konstellation gelesen, meine Begabung: You turn feelings into art. Pain, joy, love, loss. You take what you feel and create something beautiful that helps other people feel less alone.

Ja, das wäre schön.

Permeabel

Jetzt habe ich Der Horizont von Patrick Modiano ausgeborgt, weil er dort von Jahreszeiten in Jahreszeiten schreibt, das fasziniert mich irgendwie.

Nämlich zum Beispiel:

“In welcher Jahreszeit war er bloß? (…) Wahrscheinlich Frühling im Winter, wie er die schönen Tage im Januar und Februar gerne nannte. Oder Sommer im Frühling, wenn es im April schon sehr heiß ist. Oder einfach Nachsommer, im Herbst – all diese Jahreszeiten, die miteinander verschmelzen (…)”

Patrick Modiano, Der Horizont, S. 164

Das hat mich an den Roman Der Himmel kennt keine Günstlinge (sperriger Titel) von Erich Maria Remarque erinnert, den ich in meiner Dissertation analysiert habe. Remarque schreibt da von einer jungen Frau, die unheilbar krank ist und der folgendes durch den Kopf geht:

“Sie hat keine Zeit für Wiederholungen (….)” viel mehr will sie “jetzt eine Stunde leben, aus meinem fünfzigsten Jahr – dann eine aus meinem dreißigsten, dann eine aus meinem achzigsten – alle in einem Tag, wie ich gerade Lust habe (…)”

Erich Maria Remarque, Der Himmel kennt keine Günstlinge, S. 237

Diese Stellen passen zusammen oder empfinde das nur ich so?

Und es passt auch ein bisschen dazu, was mir selbst manchmal durch den Kopf geht, wenn ich zum Beispiel mit geschlossenen Augen auf dem Sofa liege und nur auf die Geräusche von draußen höre. Kann man, so denke ich oft, nur anhand der Geräusche feststellen, in welcher Zeit man lebt? Was gerade so passiert auf der Welt? Haben sich die Geräusche draußen seit meiner Kindheit geändert? Die Motoren der Fahrzeuge, das Geschrei am Spielplatz, das Brummen der Flugzeuge, das Türenknallen, das Vogelgezwitscher? Und wenn ja, auf welche Weise?

Montag

Ein kurzes Wort zur Emmy Verleihung: Einmal im Leben möchte ich so überzeugt von meinem Wissen über hochkomplexe (politische) Geschehnisse auf der Welt sein und mich in Besitz der einzigen und undifferenzierten Wahrheit zu fühlen wie diverse high profile Celebrities in Hollywood. Ricky Gervais to the rescue!

Anyway. Ich selbst habe derweil einen wichtigen Etappensieg im Kampf Mensch gegen Maschine erreicht. Das kam so, dass mich eine Kollegin eines Auftraggeber angerufen hat, mit der Aussage, die KI hätte eine unverständliche 25- seitige englisch-deutsche Sprachwurst ausgespuckt und ob ich das vielleicht besser könnte. Na klar, harhar. Die Textwurst war übrigens wirklich unlesbar.

Wo ich schon mal in der Gegend war, habe ich gleich meinen “Lokalaugenschein” auf der Praterstraße gemacht. Lokalaugenschein deshalb, weil diese ein Schauplatz meines in Arbeit befindlichen Romans sein soll. Ich finde, ich kann ganz gut Menschen beschreiben, aber Orte, da tue ich mir so schwer, obwohl sie mich oft faszinieren, und auch wie sich der Charakter der Stadt manchmal schon binnen zwei Straßenzügen ändert, durch einen Perspektivenwechsel, durch Licht und Schatten, Geschäfte und Lokale, Gerüche.

Wenn ich zum Beispiel an diesem Platz bin…

…dann spüre ich so viel, aber ich kanns kaum in Worte fassen. Dieses Eck nämlich, am Anfang der Praterstaße, neben der Abzweigung Zirkusgasse, hat irgendwie etwas total mystisches für mich. Eine echte Herausforderung, es zu beschreiben.

Ein bisschen rette ich mich darüber, was ich über die Gegend weiß, ich habe einmal eine sehr interessante Führung mit der Initative Denkmalschutz entlang der Praterstraße gemacht. Und im Buch Sprechende Fassaden wird genau dieses “Wohnhaus zum Jonas”1 auch näher beschrieben, vor allem die grünen Jalousien, ursprünglich aus dem Orient kommend. Sie ermöglichten den Blick nach außen, schützen aber die Privatsphäre, vor allem der Frauen. “Leben hinter grünen Jalousien” war auch ein Synonym für Wohlstand.


  1. Sprechende Fassaden von Klaus Jürgen Bauer, S. 62f. ↩︎

August

In meinem “Poetik-Feed” auf Social Media habe ich zum Anfang des Monats gelesen: “I expect too much of August and August expects too much of me.” Finde ich irrsinnig schön formuliert, geht mir aber gar nicht so, ich erwarte mir gerade gar nichts, na ja, einen Schatten unterm Baum und vielleicht doch noch ein paar Mal ins Wasser gehen, lesen und schreiben und ein paar lustige Tage mit dem Kind verbringen, wenn er wieder da ist. Was der August von mir will, ist mir ziemlich egal, harhar.

Meine Telefoniererei hat übrigens ein höchst erfolgreiches Ende genommen, nachdem ich mit Menschen von Wien, Innsbruck bis nach Bozen (extreme Flashbacks an meine Zeit dort!) gesprochen habe. Ich bin schon ein bisschen stolz auf mich, dass es mir gelungen ist, Menschen zu helfen. Anscheinend liegt mir das Telefonieren doch nicht so schlecht, ich bin vor Freude ein bisschen durchs Haus getanzt. Ich habe aber trotzdem keinen, ich wiederhole keinen Wiederholungsbedarf, harhar.

Hietzing am Platz und Sonne!

Zur Feier dessen bin ich nach Hietzing gefahren, bin spazieren gegangen und habe fast eine Stunde in der Buchhandlung Kral (unbezahlte Werbung) verbracht und ganz viele Bücher angelesen. Letztendlich habe ich mich, naja, nicht für das falsche, aber doch wieder für einen Roman entschieden, nämlich Verheiratete Frauen, der mich bisher nur so halb überzeugt. Die Themen – Frauen um die 40 Jahre und ihre Beziehung(skrisen), auch Affinität zum Medium Film – interessieren mich zwar total, aber ich halte so eine verkitschte Sprache gar nicht aus, wie sie leider auch die Autorin Cristina Campos verwendet. Ich bin da eher bei Ernest Hemingway, der forderte: “Write hard and clear about what hurts”. Das kann und soll poetisch sein, aber eben kein Kitsch.

Ach ja, bei meinem Text geht es gut voran, ich weiß jetzt auch endlich wie er enden wird und das erfüllt mich auch mit einer gewissen Zufriedenheit, harhar.

Ansonsten schaue ich mir die Urlaubsfotos von anderen an und freue mich mit. Ich vermisse da nichts. Das, was ich vermisse, ist eine Melodie in meinem Alltag (siehe gestriger Eintrag) – das finde ich ein so schönes Bild und tut mir gerade gut.

Ein Raum zum Schreiben

Nachdem ich Ein Raum zum Schreiben von Kristin Valla jetzt tatsächlich schon (mit Begeisterung) ausgelesen habe und auch um eine Rezension gebeten worden bin, hier ein paar Gedanken dazu.

Ich weiß nicht, ob das Buch, das kein Roman im eigentlich Sinn ist, jedem so gefallen wird wie mir. Denn es geht Valla in diesem autobiografischen Text, in Anlehnung an Virginia Woolfs Postulat, darum, dass jede Frau, die schreiben will ein eigenes Zimmer, eben für sich alleine, braucht. Wo sie die Tür zumachen und ungestört sein kann. Ein bisschen Geld kann auch nicht schaden harhar. Aber das Zimmer als Gedankenraum wäre essentiell. Valla, Mitte 40, zwei jugendliche Kinder, schreibt darüber, wie sie früher als Autorin tätig war, aber durch Heirat, Kindererziehung und Brotjob einfach nicht mehr dazugekommen ist. Deshalb macht sie sich schließlich auf die Suche nach einem Haus.

Und davon erzählt dieses Buch in großen Teilen. Ihre Erkundungsfahrten nach einem Domizil, das sie schließlich in Frankreich findet, was jetzt nicht gerade um die Ecke von Norwegen ist und auch noch in einem dort entlegenen Gebiet liegt, kann man als fixe Idee oder auch Schwachsinn betrachten. Wozu braucht sie das? Wozu lädt sich sie so viele neue Probleme auf? Sie schreibt eine to do Liste:

Während ich die Liste machte, stellte ich mir vor, wie meine Tage in dem Haus aussehen würden. Ich stellte mir vor, wie ich dort leben, wie ich schreiben, Kaffee trinken, lesen, denken, im Fluss schwimmen würde. Ich brauchte eine Kaffeemascheine. Eine Bettdecke. Einen Nachttisch, auf den ich die Kaffeetasse stellen könnte. Morgenrock, Pantoffeln, Teller. Es machte mir so viel Freude, diese Liste aufzustellen, dass ich mich fragte, ob das Schreiben nur ein Vorwand dafür sei, das alles zu kaufen.

Kristin Valla: Ein Raum zum Schreiben, Seite 54

Valla steckt so viel Zeit, Geld, Energie und Tränen in ihren Traum, weil es ein altes Haus ist, das revitalisiert werden muss. Sie friert, watet im Wasser, sowie in Dreck und Staub, trifft auch tierische Mitbewohner. Zum Schreiben kommt sie lange gar nicht – aber dann doch. Die Arbeit daran, sich etwas eigenes zu schaffen, gibt ihr erstaunlich viel Inspiration und Kraft zurück. Und entgegen ihrer eigentlichen Pläne nimmt sie auch ihre Familie immer öfter mit in ihr Haus.

Zwischen den Schilderungen ihres Weges erzählt sie von vielen anderen Autorinnen, die sich ebenfalls ihren Raum geschaffen haben. Neben vielen Literatinnen aus Skandinavien, kommen da auch Frauen wie Agatha Christie, Toni Morrison, Daphne du Maurier, Patti Smith (sie verfolgt mich) und natürlich auch Virginia Woolf vor. Und ihre Geschichten sind allesamt total spannend und anregend. Die Verknüpfung Literatur mit (Innen)Architektur scheint irgendwie Sinn zu ergeben. Edith Wharton schrieb, als sie ihre Villa kaufte, “Es kommt mir vor wie zu heiraten und endlich den richtigen Mann”. Und du Maurier schleicht 15 Jahre um ihr Traum-Herrenhaus herum, Menabilly, das später das Vorbild für Manderly in ihrem Roman Rebecca wurde. “Das kann nicht von Dauer sein”, schreibt sie, “Es kann nicht bestehen. Vielleicht ist es gerade das Unsichere an dieser Liebe, das die Leidenschaft so stark macht.”

Jedenfalls ist Ein Raum zum Schreiben die Art von Buch, wo man sich richtig gedanklich reinkuscheln und wohlfühlen kann, auch wenn der Inhalt oft gar nicht so viel zur Entspannung beitragen sollte, würde man meinen. Aber vielleicht erkennen wir Leser und Leserinnen, wie Valla, dass alles am Ende Sinn ergeben wird. Außerdem müssen ja auch nicht wir im tiefsten Winter in einem unbeheizten, zugigen Haus übernachten, in dem es von der Decke tropft, harhar. Wir können gemütlich auf der Gartenliege verweilen, während wir davon lesen.