almis personal blog

So lange ich lebe

Nadine Hilmar hat in ihrem Blog, den ich sehr gerne lese, darüber geschrieben, dass sie auf der Körperwelten Ausstellung war – noch bis Ende März in Wien zu sehen.

Ich kann da leider nicht hingehen. Ich war einmal, also so 1995, als Begleiterin in einer Anatomie Vorlesung, wo der Professor etwas an einem Schädel demonstriert hat. In meiner Naivität meinte ich, das wäre irgendwie artifiziell, so eine Art Nachbau. In dem Moment, in dem ich festgestellt habe, das ist ein tatsächlicher Kopf, wurde mir so übel, dass ich den Rest der Vorlesung meinen eigenen Kopf auf die Tischplatte legte und einfach nur atmete. Als die Vorlesung aus war, versuchte ich beim Hinausgehen nicht mehr zum Pult zu schauen, wo dieser Schädel immer noch lag. Ja, ich eigne mich nicht als Medizinerin, ich meine, das war mir eh schon vorher klar. Dass ich so extrem reagieren würde aber nicht.

Darüber wollte ich jetzt aber gar nicht erzählen. Ich fand nämlich in erster Linie spannend, wie Nadine berichtet, dass am Ende der Aussellung eine Tafel stand, mit der Aufschrift “Bevor ich sterbe, möchte ich…” und es war da Kreide, und jeder konnte dann Dinge draufschreiben, die er eben noch tun möchte, in seinem Leben. Sowas finde ich auch immer total spannend, was Menschen da so für Gedanken habe. Und ich habe da recht ähnliche Vorstellungen wie Nadine.

Ich möchte auch einen naja Bestseller nicht mal unbedingt schreiben, aber zumindest ein Buch in einem “herkömmlichen” Verlag, wo man das Lektorat und die Vermarktung auslagern kann und wo dann das Buch in der Auslage steht. Vor allem möchte ich mich aber mitteilen, ich will, das Menschen verstehen, was ich fühle und warum und was für Gedanken ich habe und wie ich das Leben empfinde. Wie ich etwas bestimmtes sehe, ein großes Thema quasi, und ja. Ein paar Leute, die sich Zeit nehmen, meine Worte zu lesen, das wäre schön..

Und natürlich will auch ich mein bereits erwachsenes Kind “begleiten” so lange es geht und vor allem Zeit mit ihm verbringen, aber das eh komplett selbstverständlich.

Das mit den Beziehungen, naja, dazu muss man dann eben das Buch lesen. Teaser! Das kann ich nicht in zwei, drei Sätzen zusammenfassen, es ist schon schwer auf 280 Seiten (oder so) harhar.

Ansonsten möchte ich mich vor allem immer daran erinnern, was mich glücklich macht, auch wenn ich einmal keine so gute Phase habe.

Und ich würde gerne, bevor ich sterbe, noch ein paar Dinge verstehen, ich meine wirklich verstehen. Etwas auflösen. Aber so ist das Leben wohl nicht. Es wird immer mehr Fragen geben als Antworten. Und vielleicht ist da auch ganz gut so.

In der Bücherei

Ich hatte vor, in den “Ferien” irgendwann mal ein bisschen auswärts zu schreiben und bin daher heute erstmal essen gegangen, harhar, unbezahlte Werbung. Ich mein, man muss sich auch stärken.

Kottbullar Menü mit Mandeltorte

Ich habe ja mal vor zwei Jahren probiert, in der Nationalbibliothek zu schreiben, aber das hat nicht so ideal funktioniert, warum weiß ich nicht, als Studentin war ich öfters dort. Heute habe ich die Hauptbücherei am Urban Loritz Platz ausprobiert und war der Meinung, dass es dort kaum funktionieren wird, obwohl es recht viele Schreibplätze gibt – die heute auch fast alles belegt waren. Aber siehe da, es war ur super.

Man kann ganz vorne bei der Glasfront sitzen, mit Blick aufs komplett nebelige und diesige Wien und die U6, die direkt unterhalb durchfährt.

Es ist total ruhig, die Leute lesen oder arbeiten am Laptop, es wird nur geflüstert, es herrscht eine total entspannte und trotzdem irgendwie produktive und anregende Stimmung. Und ich mochte das total.

Leider macht die Bücherei ja immer erst um 11 Uhr auf, also “Morgenseiten” werden da keine produzieren können, aber ich könnte meinem Nachmittagstief bei meiner Lohnarbeit vielleicht hierher entfliehen.

Ein paar Bücher hab ich mir dann natürlich auch noch mitgenommen, unter anderem Bekenntnisse eines jungen Schriftstellers von Umberto Eco. Weil mir der Anfang schon so gut gefällt, wo er schreibt, wieso er sich mit (damals) bald 80 als jungen Schriftsteller sieht. Weil er seinen ersten Roman Der Name der Rose erst 28 Jahre zuvor publiziert hatte. “Daher betrachte ich mich als noch ziemlich jungen und vielversprechenden Romancier”, harhar.

In diesem Sinne.

Die nächste Depperte

In zwei Tagen habe ich Die nächste Depperte ausgelesen, was mir M. am Montag erst geschenkt hat!

Eigentlich lese ich noch immer Paul Auster, aber das ist ziemlich anstrengend, so war mir diese Lektüre eine willkommene Abwechlsung. Untertitel: Von einer, die auszog, um Autorin zu werden. Deshalb bekam ich auch das Buch harhar. Aber bei Susanne Kristek, der ich übrigens auch auf Instagram folge, hat es ja schon geklappt. Im Sommer habe ich bei einem ihrer Postings sehr gelacht, nämlich als sie den “Brunnen” im 12. Bezirk bei der Niederhofstraße fotografiert hat und drunter geschrieben hat: “Infinity Pool Meidling”. Jetzt muss ich jedes mal, wenn ich da vorbeikomme, daran denken.

Nun. Das Buch fand ich sehr amüsant und kurzweilig. Ein paar Disclaimer gibt es aber. Es ist weder ein Roman, noch erklärt es wirklich, wie man Autorin wird. Und es ist nicht ganz optimal lektoriert, wie ich finde, ein paar Redundanzen hätte man entfernen können. Es gibt keine richtige Handlungsstruktur, es ist eher eine Sammlung von Geschichten. Nix dagegen zu sagen, ich erwähne es nur. Kristek hat übrigens in der Kettenbrückengasse einen Schreibworkshop besucht und das ist witzig, weil ich gerade vor ein paar Tagen genau dort auch einen solchen ergoogelt habe.

Die atmosphärisch schönste Szene ist die, die dem Buch seinen originellen Titel gibt. Kristek stellt ihr erstes Buch vor, es ist wieder mal ein Lockdown, weshalb sie das bei unwirtlichem Wetter, Nieselregen und Wind im Oktober mit einem improvisierten Büchertisch im alten AKH tut. Und weil man halt Maske trägt und sowieso gerade alle durchdrehen, kommen ihre Versuche, Publikum anzulocken, eher mäßig gut bei den vorbeigehenden Menschen an. Eine alte Dame, die mit ihrem Hund unterwegs ist, schüttelt den Kopf und sagt: “Die nächste Depperte!” Harhar, fand ich sehr schön.

Ansonsten geht es um Autorinnenfreundschaft – mit der österreichischen Krimischriftstellerin Martina Parker – es geht um Ferienhäuser im Burgenland, die Frankfurter Buchmesse, ein Hera Lind Schreibseminar, die Empfehlung von Elke Heidenreich, um den “Gatten” und die “junge Dame” und darum, dass Kristek besser einparkt als Auto fährt. Ein bisschen geht es auch um ihre Mitmach-Lesungen, die sie in den Breitenseer Lichtspielen abhält und einfach darum, dass sie so eine Art Selfmade-Woman ist, die sich eher wenig selbst ernst nimmt und mit Selbstironie betrachtet. Das fand ich sehr sympathisch.

Unterscheiden tut mich von Kristek, dass sie schreibt, weil sie gerne Geschichten erzählt und Menschen unterhält. Ich schreibe, um zu erklären, was eigentlich mit mir los ist, harhar.

Weihnachtsferien, zwei

Die letzten Tage war das Kind auf quasi Zweitheimaturlaub. Ich hab ein bisschen gearbeitet, aber auch noch die freien Tage genossen. Weil die nächsten Monate werden wahrscheinlich eh ein bisschen anstrengend.

Ich habe zwei Filme gesehen. Ich habe Sirat nachgeholt, einen Film, bei dessen Trailer ich ahnte, er würde mich zerstören und den ich deshalb eigentlich ignorieren wollte. Aber nachdem er jetzt als bester internationaler Film für Spanien bei den Oscars eingereicht wurde, habe ich mich drüber getraut. Und siehe da, er hat mich tatsächlich vollkommen zerstört, harhar. Mehr bald. Zum quasi Ausgleich habe ich auch Showing Up in OV von Kelly Reichhardt im Stadtkino angeschaut. Einen Film im Künstlermilieu, in dem fast gar nichts passiert, nur Alltagsmomente, kleine Depressionen, sowie kleine Freuden eingefangen werden, aber alles mit so viel Liebe geschildert wird, das hat mir richtig gut gefallen.

Morgenblick aus dem schön warmen Haus in den winterlichen Garten

Ich war am Hauptbahnhof, um etwas zu besorgen und habe mich zwischen den vielen ankommenden und abfahrenden Menschen treiben lassen, die alle dringend irgendwohin mussten oder von irgendwoher kommen und mir gedacht, wie lange ich schon nicht mehr Teil davon bin, irgendwohin zu fahren oder irgendwo anzukommen.

Ich habe geschrieben und ich muss sagen, mit meinem Text bin ich wirklich zufrieden. Ich recherchiere außerdem gerade nach irgendwelchen Workshops, die mir Tipps geben können, wie ich an Agenturen oder Verlage herantreten kann, dass ich auch eine Chance habe. Da geht es um Exposes und Pitches und Marketing, was ich bei Geboren in Bozen irgendwie zwangsläufig auch gemacht habe, ich war sogar im Stern. Aber prinzipiell, ich verrate das hier exklusiv, liegt mir das wirklich null harhar.

Morgen beginnt wieder die Schule und für Maturanten auch bereits das zweite Semester und ja, wie gesagt, es könnte ein bisschen anstrengend werden harhar.

Vor-Weihnachten

Aufgrund des Lesevergnügens am Wochenende habe ich mir heute gleich einen “neuen” Paul Auster Roman 4 3 2 1 aus der Bücherei ausgeborgt, schlappe 1200 Seiten für die Weihnachtsferien dann, harhar.

Sein opus magnum, die great american Novel, eine Geschichte mit vier verschiedenen Perspektiven

Weihnachten und das Jahresende überrollen mich heuer einerseits ein bisschen, weil so viel zu erledigen ist gerade, andererseits war ich irgendwann davor auch mal ganz gut organisiert und habe schon länger alle Geschenke beisammen, auch das andere Weihnachtszeug herausgekramt und freue mich auf eine ruhigere Zeit.

Nachdem ich erfahren habe, dass ich in den Ferien ein paar Tage “alleine” sein werde, hab ich natürlich Kino geplant – es gibt unter anderem ein Schnitzler Special im Metro, eine Kelly Reichard Retrospektive im Stadtkino, die letzten Filmneustarts des Jahres, und dann wie gesagt lesen und natürlich schreiben. Mein Roman ist heuer zwar nicht komplett fertig geworden, aber immerhin die Rohversion mit 81.000 Wörtern und es geht ans Überarbeiten. Und ganz ehrlich gesagt, tut es mir gerade auch gut, mich an ihm festzuhalten und mit dem Text Zeit zu verbringen und mit den Figuren, vor allem mit dieser einen Figur, die dann immer bei mir sein kann. Als schreibender Mensch ist man schon auch ein bisschen gaga, aber auf eine gute Art, sag ich mal, harhar.

Auf Insta habe ich in einem Astro-Reel (apropos gaga) über Fische in meiner Planeten-Konstellation gelesen, meine Begabung: You turn feelings into art. Pain, joy, love, loss. You take what you feel and create something beautiful that helps other people feel less alone.

Ja, das wäre schön.

Permeabel

Jetzt habe ich Der Horizont von Patrick Modiano ausgeborgt, weil er dort von Jahreszeiten in Jahreszeiten schreibt, das fasziniert mich irgendwie.

Nämlich zum Beispiel:

“In welcher Jahreszeit war er bloß? (…) Wahrscheinlich Frühling im Winter, wie er die schönen Tage im Januar und Februar gerne nannte. Oder Sommer im Frühling, wenn es im April schon sehr heiß ist. Oder einfach Nachsommer, im Herbst – all diese Jahreszeiten, die miteinander verschmelzen (…)”

Patrick Modiano, Der Horizont, S. 164

Das hat mich an den Roman Der Himmel kennt keine Günstlinge (sperriger Titel) von Erich Maria Remarque erinnert, den ich in meiner Dissertation analysiert habe. Remarque schreibt da von einer jungen Frau, die unheilbar krank ist und der folgendes durch den Kopf geht:

“Sie hat keine Zeit für Wiederholungen (….)” viel mehr will sie “jetzt eine Stunde leben, aus meinem fünfzigsten Jahr – dann eine aus meinem dreißigsten, dann eine aus meinem achzigsten – alle in einem Tag, wie ich gerade Lust habe (…)”

Erich Maria Remarque, Der Himmel kennt keine Günstlinge, S. 237

Diese Stellen passen zusammen oder empfinde das nur ich so?

Und es passt auch ein bisschen dazu, was mir selbst manchmal durch den Kopf geht, wenn ich zum Beispiel mit geschlossenen Augen auf dem Sofa liege und nur auf die Geräusche von draußen höre. Kann man, so denke ich oft, nur anhand der Geräusche feststellen, in welcher Zeit man lebt? Was gerade so passiert auf der Welt? Haben sich die Geräusche draußen seit meiner Kindheit geändert? Die Motoren der Fahrzeuge, das Geschrei am Spielplatz, das Brummen der Flugzeuge, das Türenknallen, das Vogelgezwitscher? Und wenn ja, auf welche Weise?

Montag

Ein kurzes Wort zur Emmy Verleihung: Einmal im Leben möchte ich so überzeugt von meinem Wissen über hochkomplexe (politische) Geschehnisse auf der Welt sein und mich in Besitz der einzigen und undifferenzierten Wahrheit zu fühlen wie diverse high profile Celebrities in Hollywood. Ricky Gervais to the rescue!

Anyway. Ich selbst habe derweil einen wichtigen Etappensieg im Kampf Mensch gegen Maschine erreicht. Das kam so, dass mich eine Kollegin eines Auftraggeber angerufen hat, mit der Aussage, die KI hätte eine unverständliche 25- seitige englisch-deutsche Sprachwurst ausgespuckt und ob ich das vielleicht besser könnte. Na klar, harhar. Die Textwurst war übrigens wirklich unlesbar.

Wo ich schon mal in der Gegend war, habe ich gleich meinen “Lokalaugenschein” auf der Praterstraße gemacht. Lokalaugenschein deshalb, weil diese ein Schauplatz meines in Arbeit befindlichen Romans sein soll. Ich finde, ich kann ganz gut Menschen beschreiben, aber Orte, da tue ich mir so schwer, obwohl sie mich oft faszinieren, und auch wie sich der Charakter der Stadt manchmal schon binnen zwei Straßenzügen ändert, durch einen Perspektivenwechsel, durch Licht und Schatten, Geschäfte und Lokale, Gerüche.

Wenn ich zum Beispiel an diesem Platz bin…

…dann spüre ich so viel, aber ich kanns kaum in Worte fassen. Dieses Eck nämlich, am Anfang der Praterstaße, neben der Abzweigung Zirkusgasse, hat irgendwie etwas total mystisches für mich. Eine echte Herausforderung, es zu beschreiben.

Ein bisschen rette ich mich darüber, was ich über die Gegend weiß, ich habe einmal eine sehr interessante Führung mit der Initative Denkmalschutz entlang der Praterstraße gemacht. Und im Buch Sprechende Fassaden wird genau dieses “Wohnhaus zum Jonas”1 auch näher beschrieben, vor allem die grünen Jalousien, ursprünglich aus dem Orient kommend. Sie ermöglichten den Blick nach außen, schützen aber die Privatsphäre, vor allem der Frauen. “Leben hinter grünen Jalousien” war auch ein Synonym für Wohlstand.


  1. Sprechende Fassaden von Klaus Jürgen Bauer, S. 62f. ↩︎