MÖGLICHE WEITERE SPOILER ZUM FILM
Das Politische an diesem Film, das der Moderator des Q&A auf der Viennale vermisst hat, war für mich vor allem die Szene, in der Jimmy nach einer Gesundheitskrise im Krankenhaus ist und durchuntersucht wird. Sein Partner Dennis fragt einen Arzt, wann er ihn wieder nach Hause nehmen kann – und der Arzt sagt quasi, also so schnell nicht, weil er, Jimmy, ja niemanden hat, der sich um ihn kümmert. Was natürlich ein Wahnsinn ist, wenn man davor schon eine Stunde gesehen hat, was Dennis für ihn tut, wie er ihm die Medikamente schlichtet, den Haushalt schupft, auch das Geld verdient, einfach immer für ihn da ist. Und dann sieht das aber “die Gesellschaft” nicht, weil homosexuelle Partnerschaften einfach noch nicht ernst genommen worden sind, als das, was sie sein konnten, nämlich genauso “vollwertig” wie heterosexuelle. Wie wütend dann Dennis wird, das habe ich so nachvollziehen können.
Nebenbei gibt es aber auch noch eine ziemlich witzige Szene, in der Jimmys Neffe (so etwa 13 Jahre alt) ihn für ein Video zu eben dem Elternhochzeitstag filmt, und wo Jimmy mit netten Worten für die beiden beginnt, aber schnell über sein ausschweifendes Sexleben erzählt und zwar in extrem detaillierten Beschreibungen, bis dann sein Schwager hereinkommt und die Aufnahme abbricht. Auf letterboxd schrieb jemand darüber: “That was one hell of a video for mum and dad”
Generell muss ich sagen, fand ich die Rezension zu The Man I Love im Magazin Variety super. Wenn man so was liest, denkt man, was soll ich da jetzt noch ein Review schreiben? Harhar. Ich meine alleine die Formulierung “offbeat Drama” sagt soviel. Und ich find da nicht einmal ein deutsches Äquivalent, das das ausdrücken würde. Es gibt Begriffe, die man dafür verwenden kann, aber sie fühlen sich anders an.
Am coolsten finde ich, wie der Autor Owen Gleiberman über Rami Malek schreibt. Ich habe ja bis heute Bohemian Rhapsody, das Freddie Mercury Biopic, nicht gesehen, für dessen Verkörperung Malek ja damals sogar den Oscar erhielt. Aber ich habe schon so viel “Hate” auf diesen Film gelesen – es gibt so ein paar Filme, die einfach von Film Social Media abgrundtief verachtet werden, man braucht nur daran denken, als Crash gegen Brokeback Mountain gewonnen hat, da war Crash das Böse schlechthin. Aber ich fand, ganz ehrlich, Brokeback Mountain auch nicht soo super. Dann wird einem gleich mal unterstellt, man ist queerfeindlich, allerdings sind einige meiner liebsten Filme queere Dramen, das aber eben nicht.
Jedenfalls Bohemian Rhapsody und auch Malek selbst wurden sehr kritisiert und da schreibt Gleiberman etwas sehr witziges in seinem aktuellen Review über Malek: “This actor has been a critical whipping boy ever since “Bohemian Rhapsody” (2018), which somehow became — at least, in the eyes of too much of the media — not a zesty, enjoyable, and flawed rock biopic but some sort of weird crime against humanity.” Harhar. Was für eine Beschreibung! Genial. Rami Malek ist sicher weder eine klassische Schönheit noch ein sofort einnehmender Protagonist, aber in The Man I Love spielt er hervorragend.
P.S. Es wird sehr bald einen anderen Film mit einer ziemlich ähnlichen Thematik geben, nämlich Elsinore. In diesem Film spielt Andrew Scott – den wir alle als den “hot priest” aus Fleebag kennen – einen Schauspieler, der an AIDS erkrankt ist und erstmals den Hamlet verkörpern wird. Scott gilt aktuell als Oscarfavorit und dieser Film wird wohl mehr ein Tearjerker sein, sag ich jetzt mal. Da bin ich jetzt schon sehr gespannt auf die möglichen Paralellen und Unterschiede zu The Man I Love.