Ich bin wieder mal aus meiner Komfortzone rausgegangen und habe mir The Bride angesehen. Eine Figur aus dem Frankenstein Umfeld, das mich ja bekanntermaßen nicht besonders interessiert, aber ich hatte die Hoffnung, dass die zweite Regiearbeit von Maggie Gyllenhaal, die man ja vor allem als Schauspielerin kennt, irgendwas ganz neues interessantes aus dem Stoff macht, im Gegensatz zu Guillermo del Toro erst kürzlich, der ja einen sehr klassischen Zugang gewählt hat.
Worum geht es also? Zunächst spricht Frankenstein-Autorin Mary Shelley (Jessie Buckley) quasi meta-mäßig zu uns. Ihr zu früher Tod hätte verhindert, dass sie uns mehr über die Figur “The Bride” erzählt, die ja irgendwie nur als Fußnote vorkommt. Nun soll Abhilfe geschaffen werden. Wir befinden uns mittlerweile, warum auch immer, im Jahr 1936. Frankensteins Monster (Christian Bale) ist einsam und sucht eine Gefährtin. Er wendet sich an die nerdige Wissenschafterin Dr. Euphronious (Annette Benning) und bittet sie, die vor kurzem erst verstorbene Ida (auch Jessie Buckley) für ihn zum Leben zu erwecken…
SPOILER MÖGLICH
Im Kino hab ich merkwürdiges erlebt: Ich sah diesen Film im eher spärlich besuchten de France und hatte so viele Fragen, die permanent mehr wurden. Beispielsweise saß hinter mir eine junge Frau, die immer wieder einmal gelacht hat und ich habe mich jedes einzelne Mal gefragt, lacht sie, weil sie die Szene gerade witzig findet oder ist es ein ironisches Meta-Lachen. Und ich finde, das sagt schon recht viel über den Film aus.
Während Christopher Nolan aus dem Stoff rund um die Comicfigur Batman einen extrem starkes, dreiteilige Neo-Noir Drama gemacht hat, dass nur noch mit genauem Blick als Genrewerk zu erkennen ist, geht Gyllenhaal (die übrigens in eben dieser Nolan Trilogie mitgespielt hat) quasi den umgekehrten Weg und macht aus dem dunklen Frankenstein Stoff eine schrille und stark überzeichnete Graphic-“Novel”. Das ist irgendwie reizvoll, irgendwie lädt es aber auch dazu ein, den Film von der humoristischen Seite aus zu rezipieren, was ja okay wäre, sich aber damit beißt, dass der Film sich selbst oft so wahnsinnig ernst nimmt. Etwa in seinem, sagen wir, 1990er Jahre Feminismus, in dem es vor allem darum geht, wessen fu***** Bride Buckley nun sei, also wem sie “gehöre” und anderen formale Spitzfindigkeiten. Als Dr. Euphronius die Bride zum Leben erweckt und ihr Frankensteins Monster quasi als Love Interest schmackhaft machen will, meint the Bride: “Then why don’t you marry him?” Ich finde das eine durchaus berechtigte Frage.
Gyllenhaal mixt hier (zu)viele verschiedene Elemente zusammen: Es gibt einen Subplot um einen Mafiaboss, der Frauen die Zungen aus dem Mund schneidet, und dem das Handwerk gelegt werden soll. Es gibt die Stimme von Mary Shelley aus dem Off, die irgendwo zwischen semantisch-philosophischer Auslotung von Sprache und extremer Wortfindungsstörung changiert. Und es gibt das Detektivpaar Myrna (Penelope Cruz) und Jake (Peter Sarsgaard), das ein einziges 1930-er Jahre Klischee in Aussehen, Habitus und Funktion ist, mir als Element aber, dank der guten Chemie der beiden Schauspieler miteinander, dennoch am besten in diesem Film gefallen hat. Während Christian Bale, der zweifellos ein toller Darsteller ist, hier komplett verloren erschien, so als wisse er auch nicht genau, was er hier eigentlich macht.
Fazit: Während die erste Regiearbeit von Gyllenhaal, The Lost Daughter, ein sehr ruhiger, durchaus auch ein bisschen sperriger Indie-Film war, den ich persönlich ziemlich gerne mochte, überhebt sie sich hier sowohl im Genre und auch in der Thematik. Ihre Begabung schimmert aber immer wieder durch. Ich hoffe, sie macht weiterhin Filme, gleichzeitig muss es aber nicht noch mal ein Comic-Zugang sein finde ich, harhar.

















