almis personal blog

Meine Norwegen-Schuhe

Heuer habe ich fünf norwegische Filme gesehen und sechs norwegische Bücher gelesen. Ich habe dabei viel über das Land gelernt, zu dem ich bisher wenig Bezug hatte.

In dem norwegischen Film, der mir davon am wenigsten gefallen hat, nämlich Lovable, habe ich aber permanent die coolen Winterschuhe der Hauptdarstellerin bewundert – auch das kann ein Aspekt eines gelungenen Abends sein harhar. Und wer ist kompetenter als Menschen aus Skandinavien, wenn es um Winterkleidung geht?

Nachdem ich eh auch keine Winterschuhe mehr hatte, habe ich mir vorige Woche meine “norwegischen” bestellt, allerdings in braun, statt in schwarz:

Taking dumb pictures of my feet (c) Lost in Translation

Schaue jetzt noch “wolliger” aus, aber das Outfit macht mir irgendwie gute Laune.

Jay Kelly

Jay Kelly ist der neue Film des Regisseurs Noah Baumbach (The Squid and the Whale, Frances Ha, Mistress America, Marriage Story – habe ich alle gesehen, mochte ich auch alle), der hierzulande leider keinen Kinostart bekommen hat und nur auf Netflix zu sehen ist.

Jay Kelly (George Clooney) ist ein berühmter Hollywood-Star, immer umgeben von seiner Entourage, an der Spitze sein warmherziger Manager Ron (Adam Sandler) und seine zunehmend genervte PR-Frau Liz (Laura Dern), hat scheinbar alles, was man sich erträumen kann. Beruflich höchst erfolgreich und beliebt, sind die Beziehungen zu seinen beiden Töchtern und seinem Vater allerdings komplizierter. Auf einer Europareise beginnt er, seine Lebensentscheidungen zu hinterfragen…

WIRKLICHE SPOILER GIBT ES KAUM, WEIL EH NIX PASSIERT

Das ist einer dieser Filme, bei denen die Besprechung im fm4 Filmpodcast interessanter war als das Werk an sich, sorry Mr. Baumbach. Pia Reiser meinte, für sie fangen die Probleme schon beim Namen an. “Wenn man sich einen Namen ausdenken kann, von allen Namen in der Welt, warum dann Jay Kelly?” harhar, das stimmt irgendwie.

Ich persönlich habe mich gefragt, wohin Baumbach mit diesem Film eigentlich will. Für eine Komödie ist er weder witzig noch zynisch genugt, für eine Charakterstudie ist er zu oberflächlich, vor allem aber ist er vollkommen unfokussiert. Baumbach will nicht nur das komplizierte Verhältnis zu gleich zwei Töchtern beleuchten, nein, auch Jays Vater muss ins Spiel kommen, gleichzeitig beginnnt aber auch eine generelle Sinnsuche und Identitätskrise. Es ist einfach zu viel (und gleichzeitig zu wenig)

Auch stilistisch ist das nicht meine Baustelle. Baumbach entscheidet sich für Rückblicke auf das Leben des jungen Jay, die so eine plumpe weichzeichnerische Ästhetik haben, dass ich mich irgendwie manipuliert gefühlt habe. Ähnliches gilt für den Moment, als Jay auf einer großen Leinwand Filmausschnitte seiner alten Filme ansieht – es sind übrigens lauter Clooney Werke (ohne Emergency Room) Clooney ist also quasi von Clooney ergriffen, das ist mir irgendwie zu nahe an der Realität, harhar. Auf X schrieb jemand, Baumbach sei zu jung für so eine weinerliche Lebensrückschau und Clooney ist das im Grunde ebenfalls. Obwohl, wie es im Film heißt: “Du bist nicht mehr 25. Du bist auch nicht mehr 55”. Okay, das war lustig. Pia Reiser und Christian Fuchs haben auch die klischeebeladene Szene in einem italienischen Zug sehr schrecklich gefunden. Reiser: “Ich hab mir überlegt, ob ich vielleicht irgendeine Fellini Referenz da nicht verstanden habe.” harhar

Dazu kommt, dass George Clooney das tut, was er immer macht, es ist nicht sehr überraschend. Anders liegt der Fall bei Adam Sandler, der hier in einem der Filme zu sehen ist, die zeigen, dass er um einiges vielschichtiger ist als wofür er meistens besetzt wird. Tatsächlich hätte mich die Beziehung zwischen Jay und ihm, dem Manager, wohl auch deshalb am meisten interessiert. Vielleicht wäre ein Film, der die Perspektive von Ron eingenommen hätte, auch ein spannenderer gewesen, weil die Figur von Ron einfach die komplexere und besser gespielte ist.

Jemand auf letterboxd schrieb über Jay Kelly: “The Netflixication of Sentimental Value.” Das ist wahr, gleiches Thema, komplett anderer Outcome, oder:

Jay Kelly hat mich dagegen nicht überzeugt. Leider.

Vor-Weihnachten

Aufgrund des Lesevergnügens am Wochenende habe ich mir heute gleich einen “neuen” Paul Auster Roman 4 3 2 1 aus der Bücherei ausgeborgt, schlappe 1200 Seiten für die Weihnachtsferien dann, harhar.

Sein opus magnum, die great american Novel, eine Geschichte mit vier verschiedenen Perspektiven

Weihnachten und das Jahresende überrollen mich heuer einerseits ein bisschen, weil so viel zu erledigen ist gerade, andererseits war ich irgendwann davor auch mal ganz gut organisiert und habe schon länger alle Geschenke beisammen, auch das andere Weihnachtszeug herausgekramt und freue mich auf eine ruhigere Zeit.

Nachdem ich erfahren habe, dass ich in den Ferien ein paar Tage “alleine” sein werde, hab ich natürlich Kino geplant – es gibt unter anderem ein Schnitzler Special im Metro, eine Kelly Reichard Retrospektive im Stadtkino, die letzten Filmneustarts des Jahres, und dann wie gesagt lesen und natürlich schreiben. Mein Roman ist heuer zwar nicht komplett fertig geworden, aber immerhin die Rohversion mit 81.000 Wörtern und es geht ans Überarbeiten. Und ganz ehrlich gesagt, tut es mir gerade auch gut, mich an ihm festzuhalten und mit dem Text Zeit zu verbringen und mit den Figuren, vor allem mit dieser einen Figur, die dann immer bei mir sein kann. Als schreibender Mensch ist man schon auch ein bisschen gaga, aber auf eine gute Art, sag ich mal, harhar.

Auf Insta habe ich in einem Astro-Reel (apropos gaga) über Fische in meiner Planeten-Konstellation gelesen, meine Begabung: You turn feelings into art. Pain, joy, love, loss. You take what you feel and create something beautiful that helps other people feel less alone.

Ja, das wäre schön.

Nacht des Orakels

Sorry an die Menschen, die hier gerne mehr Buchbesprechungen sehen würden, in letzter Zeit bin ich kaum zum Lesen gekommen, das wird sich wieder ändern. Vor einigen Tagen ist mir jedenfalls, beim Kramen in Erinnerungen (!), der Roman Nacht des Orakels von Paul Auster in die Hände gefallen und nachdem ich überhaupt nicht mehr wusste worum es darin geht, konnte ich nicht widerstehen. Paul Auster hab ich vor 25 Jahren an diversen Stränden gerne gelesen, als mein Leben noch Strandurlaube beinhaltet hat. Es kommt mir fast vor, als würde Sand herausrieseln und das Buch schaut auch irgendwie so aus, harhar.

Nacht des Orakels ist, wenn man so will, ein ziemlich typischer Auster Roman, mit Motiven wie Selbstreferenz, Zufall, Identität, Schreiben und Räume. Ich finde, dieser Roman hat auch etwas Lynch-eskes. Meine mangelnde Erinnerung an die Inhalte mag darin liegen, dass hier so viel passiert. Der eigentliche Protagonist des Romans heißt Sidney Orr, ein Schriftsteller, der mithilfe eines neu gekauften Notizbuches Krankheit und Schreibblockade hinter sich lässt und eine Erzählung verfasst, in der er selbst verschwindet – seine Frau blickt in sein Schreibzimmer und sieht ihn nicht – und in der es wiederum auch um einen Roman geht.

Das heißt, wir sehen Auster zu, wie er seiner Hauptfigur zusieht, die wiederum ihrem Protagonisten über die Schulter blickt. Und weil das anscheinend nicht komplex genug ist, hat Auster noch jede Menge Fußnoten eingebaut, die wieder auf andere Werke referenzieren und diverse Assoziationen auslösen. Ach ja und der wichtigste Nebencharakter im Buch heißt John Trause (A-u-s-t-e-r, Anagramm Alarm!) und ist, wie Auster zum Zeitpunkt des Schreibens, 56 Jahre alt. Trotzdem, und das finde ich spannend, sind Austers Werke nie anstrengende intellektuelle Kopfgeburten, sondern recht leicht lesbar und teilweise richtig gemütlich, wenn wir mit der Hauptfigur in dem Cafe um die Ecke ein Käsesandwich essen oder in einem Schreibwarengeschäft namens Paper Palace (was für ein toller Name!) stöbern.

Der Geschäftsbesitzer sagt: “Alle machen Wörter. Alle schreiben Dinge auf. Kinder in der Schule benutzen meine Bücher. Lehrer schreiben Noten hinein, Liebesbriefe werden in Umschlägen von mir verschickt. (…) Notizbücher für Einkaufslisten, Terminkalender für den Wochenplan” (S. 13) Orr schreibt, wie gesagt, eine Erzählung in sein neues Notizbuch, sein Protagonist lässt versehentlich eine Tür zufallen. Die Tür zu einem unterirdischen Bunker, die nur von außen geöffnet werden kann. Dort sitzt seine Romanfigur dann fest und wartet darauf, dass der einzige Mensch, der diese Tür öffnen kann, wieder zurückkommt ohne zu wissen, dass dieser gerade überirdisch verstorben ist. Wie Auster das beschreibt, gibt einem einen Eindruck davon, selbst irgendwo eingeschlossen zu sein und keine Luft zu bekommen, zumindest habe ich mich kurz so gefühlt.

Und wie löst Orr diese missliche Lage auf? Nun, Spoiler, gar nicht. Er gibt zu, dass er sich als Autor in eine Sackgasse geschrieben hat, die er nur auf banale oder komplett uninteressante Weise wieder entwirren könnte. Also zerreißt er sein Notizbuch, und macht die Geschichte im wahrsten Sinn des Wortes ungeschehen. Oder geht das etwa nicht? Hängt er selbst schon zu tief mit drinnen? Am besten selbst nachlesen, harhar.

Ins Wochenende

Die Woche war irgendwie anstrengend, viel zu grübeln, zu organisieren und auch viel zu viel gefühlt, was macht man da? Richtig, zuerst mal Bücher schauen gehen…

Literatur über Literatur, klingt sehr interessant

… da ging es mir schon etwas besser. Und dann Mittagessen mit L. im Vapiano. (Unbezahlte Werbung)

Da konnten wir uns gegenseitig unseren Mental Overload, (c) L. – genial! – klagen und dabei schmausen. Manche Probleme können mit Pasta und Süßem doch etwas gelindert werden.

Einmal Tagespasta Avocado, einmal Spagetthi Carbonara, gebt mir so viel Fett und Speck wie möglich….
…und Schokolade und Zucker, auch harhar.

Ich habe mich danach wirklich gut gefühlt, hoffe, das beruht auf Gegenseitigkeit. Und nächstes Jahr wird alles einfacher, das haben wir jetzt mal beschlossen. harhar.

Am Abend dann ein anderer Stimmungsaufheller, Film schauen. Diesmal Hedda auf prime, nach Henrik Ibsen. Aber Hedda Gabler ist hier eine woman of colour und ihr Ex ist eine Frau. Kurz zusammengefasst: Hätte ein Mann diesen Film gedreht, würde das Fazit lauten was für eine misogyne Frechheit, aber nachdem die Regie von einer Frau ist, ist es progressiv und mutig, harhar. Auch das hat mich komischerweise aufgemuntert, auch wenn ich den Film nicht empfehlen kann, harhar.

Jetzt Podcast hören, einschlafen und jemand im Traum suchen, wie jede Nacht.

ESC Winner of the Winners, drei

So jetzt ist Island also auch raus aus dem ESC und in den Fangruppen wird gejubelt, ob dieser mutigen Entscheidung. Das ist irgendwie so wie früher, als Menschen auf dem Hauptplatz hingerichtet wurden und Leute dazu applaudiert haben, weil es “die Richtigen” waren, die da hängen und dabei ein bisschen vergessen haben, dass Hinrichtungen am Hauptplatz einfach nie ein Grund zum Jubeln sein können. Tolle Metapher, was? Harhar.

Aber kommen wir zu erfreulichem, nämlich der Best of the Best Wertung, die ich heute eingereicht habe (sogar mit Sprachbeitrag). Und da sich sicher alle erwartungsvoll fragen, was ist mein persönlicher Lieblingsgewinner, jetzt die Auflösung. Das war tatsächlich nicht einfach, obwohl das Kind meinte “Ist jetzt nicht so deep”. Ja eh, es ist überhaupt nicht deep und es geht auch um gar nix, und es ist alles andere als weltbewegend, deshalb denke ich auch so gerne drüber nach.

Ich habe mich aus verschiedenen Gründen für Johnny Logan und Hold me now entschieden. Da schaut ihr, was? Harhar. Einerseits, weil ich ein bisschen edgy sein wollte und weil – frei nach der Fußball WM, wo am Ende immer Deutschland gewinnt – hier ganz sicher Abba oder Loreen (mit Euphoria) gewinnen werden und ich beide Songs zwar in meinen Top 10 habe, aber näher an meinem Herzen ist tatsächlich der Siegertitel aus dem Jahr 1987, den ich erstmal auf der Kuschelrock CD Nummer 1 entdeckt war, bevor mir klar war, dass das ein ESC Siegertitel ist.

Wir haben hier die gerne genommene gaga (und auch recht toxische) Prämisse: Wir (das besungene Paar) haben noch eine Nacht und dann müssen wir uns trennen. Natürlich wird nie erklärt, warum sich ein Paar dann unbedingt trennen muss, es wäre zu deprimierend oder auch zu ernüchternd oder fishy. Deshalb wird das immer ausgespart und letztendlich ist die beste Liebe in Liebesliedern immer die, die unerfüllt ist, weil: Seufz.

Auf den weiteren Plätzen bei mir: ABBA, Lordi (!), Celine Dion, France Gall, Sandra Kim, Loreen, Salvador Sobral, Alexander Rybak und Toto Cotugno. Ja, ich hab die letzten fünf Jahre weggelassen (zu nahe) und auch die österreichischen Teilnehmer, weil eigentlich : you cannot vote for your own country. Und eine gewisse Landesdiversität gibt’s auch. Mehr kann man echt nicht verlangen. Jetzt bin ich schon gespannt, was in der Gesamtwertung rauskommt.

In die Sonne schauen

In die Sonne schauen ist die diesjährige deutsche Einreichung für die Oscar-Kategorie “Best international Film.” Es handelt sich um das zweite Werk der Regisseurin Mascha Schilinski und ich habe den Film im immer gemütlichen Cinecenter gesehen.

Der Film umspannt in zweieinhalb Stunden einen Zeitraum von über 100 Jahren, ab 1910 bis in die Gegenwart und erzählt von vier Familien, vor allem vier Mädchen bzw jungen Frauen, die in verschiedenen Jahrzehnten auf demselben Vierkanthof in Norddeutschland aufwachsen und deren Schicksale merkwürdig ineinander verwoben zu sein scheinen…

WIE IMMER SPOILER MÖGLICH

So, ich werde jetzt mal bekennen, welche Vorurteile ich hier hatte, harhar. Deutscher Film, trübes Wetter, alles sehr ernst, ein Jahrhundert mit zwei Kriegen umspannend und über zweieinhalb Stunden lang, da habe ich mir sehr viel Elend und Bräsigkeit (um ein typisch bundesdeutsches Wort zu verwenden) erwartet. Ich will jetzt nicht sagen, dass dieser Film das Prädikat “feelgood” verdienen würde, das tut er nicht, er ist schon ziemlich dunkel und die Regisseurin/Drehbuchautorinnen scheinen eine merkwürdige Todessehnsucht zu haben, harhar. Aber- und das sage ich nicht oft: Hier hatte die Regisseurin eine wirkliche künstlerische Vision, die ich zwar nicht zur Gänze verstanden habe, die mich aber tief beeindruckt und fasziniert hat. Vor allem deswegen, weil sie eben nicht das macht, was man sich von dieser Art von Film erwartet, sondern wirklich Kunst – ohne dabei prätentiös zu sein.

Beschreiben kann man das gar nicht so leicht. Der Film zeichnet sich auch weniger durch eine durchgehende Narration aus, sondern ist viel mehr eine Collage, deren zeitliche Ebenen immer wieder wechseln, ein Mosaik aus rätselhaften Stimmungen und an Ungesagtem, mit einem gewissen Ausmaß von generational Trauma und natürlich auch an den gesellschaftlichen Zwängen der jeweiligen Zeit. Gleich am Anfang wohnen wir einem Totengedenken bei (wie könnte es anders sein) und die kleine Alma entdeckt auf einer Totenfotografie (!) ein Mädchen, das gleichalt ist wie sie gerade und auch genauso aussieht. Und wir als Zuschauer fragen uns, befinden wir uns jetzt in einer Phantasie? Oder ist das eine verstorbene Schwester, die nicht thematisiert wurde? Ist Alma quasi ein “Ersatz”? Irgendwie bekommt man dabei Gänsehaut, man ist aber auch gleichzeitig seltsam angezogen. Und dieses Gefühl begleitet einen durch den Film, sehr viele Szenen sind nicht auserzählt, sondern nur geheimnisvoll angedeutet. Findet man einen roten Faden, muss man diesen überhaupt suchen?

Wie schon in Sentimental Value spielt hier das Haus eine große Rolle. Was haben diese Mauern schon “gesehen” und wird etwas davon weitergegeben, ein gewisser Geist auch wenn man 30, 70, 100 Jahre später darin wohnt? Wenig Rolle spielen hingegen Männer, sie werden – einmal umgekehrt – vor allem aus dem Blickwinkel von Mädchen und Frauen gezeigt. Ein Blick, der sehr oft durch Schlüssellöcher und Fenster fällt, der da ist, wo er nicht sein sollte. Wenig Rolle spielen auch die Nationalsozialisten eine besonders interessante Entscheidung, eine fast revolutionäre Idee, das hier wegzulassen, obwohl der 1. Weltkrieg und die DDR Zeit sehr wohl einbezogen wird. Neben der suggestiven Bildsprache werden viele Sätze gesprochen, die lange nachhallen wie (eigentlich über eine Amputation) “Schon komisch, dass einem etwas wehtun kann, was gar nicht mehr da ist.” Wer fühlt das nicht, Dinge, die wehtun, obwohl sie nicht mehr da sind.

Ich sage es, wie es für mich ist: das ist ein wirklich großartiger Film.

Drei Lebensweisheiten

Aus Anlass seines heutigen Geburtstages, drei Lebensweisheiten meines Papas, die mir immer in Erinnerung bleiben werden:

3. Vom Arbeiten ist noch niemand reich geworden.

2. Es gibt nicht gesund, es gibt nur schlecht untersucht.

Und Platz 1:

Dreimal umgezogen ist einmal abgebrannt.

Honorable mention:

Farben sind Zeichen einfachen Geistes

Harhar.

ESC: aktuell

Weil ich auf die derzeitige Lage des ESC angesprochen wurde – naja, sie ist ziemlich Scheiße, würde ich sagen.

Vorige Woche gab es eine Konferenz der EBU, die von vorneherein nur in einem lose/lose Szenario enden konnte. Entweder mit dem Ausschluss Israels – ich bin persönlich generell gegen Ausschlüsse – oder damit, dass Länder von der Teilnahme zurücktreten, weil Israel antreten darf. Letzteres ist nun passiert, bisher haben die Niederlande, Slowenien, Irland und auch das Big Five Land Spanien ihren Rückzug angekündigt. Belgien und Portugal haben nach einer Nachdenkphase zugesagt, Island überlegt noch, ist aber m.E. auch mehr als wackelig. Das sind ganz schwarze Tage des ESC, das kann man sich nicht schönreden.

Wie kam es dazu? Ich habe es schon 2022 prophezeit, als Russland ausgeschlossen wurde, jetzt kommen wir in eine Spirale aus politischen Diskussionen und moralischer Selbstüberhöhung. Wir leben sowieso seit Corona in einer Zeit, wo es permanent darum geht, sich zu positionieren und Gegenmeinungen nicht mehr auszuhalten und deshalb gar nicht zuzulassen. Ich will und kann aber beim ESC nicht darüber diskutieren, was Israel falsch gemacht hat. Ich kann nicht den Nahostkonflikt bei einer Musikveranstaltung lösen, genauso wenig wie ich dort den Russland-Ukraine Krieg beenden kann.

Ich selbst habe hier schon geschrieben, dass die Tage des Songcontests möglicherweise gezählt sind, zumindest so wie wir ihn kennen. Es ist bitter das zu schreiben, ich bin aber auch keine Realitätsverweigerin. Man muss sich bewusst sein, dass man jederzeit etwas verlieren kann, das man liebt.

Meiner Meinung nach kann der ESC nur gerettet werden, wenn wir uns wieder daran erinnern, warum er ursprünglich erfunden worden ist, wenn wir daran denken, was er leisten kann und was eben nicht. Zurück zur Musik, zur Diskussion über Bühnenshow und Kostüme, zurück zu den Memes, dem Humor, der Leichtigkeit, wo man alles nicht ganz so ernst nehmen muss und dem friedlichen Feiern mit anderen Menschen. Auch Menschen im Übrigen, die anderer Meinung sind. Weil es wurscht ist, weil es zumindest an diesem einen Abend nicht darum gehen sollte. Die Hoffnung, dass es wieder möglich ist, habe ich noch nicht verloren.