almis personal blog

Spotify Jahrescharts

Das Jahr mag anders als andere gewesen sein, gleich ist aber, dass in meinen Spotify Jahrescharts wieder mal die ersten ca. 20 Plätze von Songcontest Songs belegt werden.

Und die Nummer 1 ist Diodato, der mit Fai Rumore heuer bei ESC für Italien angetreten wäre, hätte es einen Songcontest gegeben.

Fai Rumore ist nicht gerade ein fröhliches Lied. Antonio Diodato besingt hier seine gescheiterte Liebesbeziehung. Lärm machen ist gut, besser als die “unnatürliche Stille”, die zwischen ihm und seiner ehemaligen Liebsten herrscht.

Es gibt auch eine Aufnahme vom Lockdown in Italien, als ItalienerInnen dieses Lied aus ihren Wohnungen gesungen haben. Davon hab ich schon mal erzählt.

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Wenn man der Nachbarin, die mit Maske anläutet, Spagetthi borgt bzw. eigentlich schenken will, weil sie erst nach Fertigstellung des Sugos gesehen hat, dass sie keine Nudeln mehr hat ….

…liegt dann sowas vor der Haustüre. Hab mich schon sehr gefreut!

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Wien bei Nacht im Lockdown ist echt spooky.

Ich war Samstag Abend im 3. Bezirk und wenn jetzt die Lieferservices auch verboten wäre, dann wären mir praktisch keine Menschen begegnet. Die einzigen, die die Straße noch beleben, sind FahrradbotInnen.

Einmal ist ein einzelner Mensch um die Ecke gebogen und wir haben uns beide sehr erschrocken.

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Ich sag wie es ist: die letzten Tage konnte ich mich schwer dazu motiveren, vom Sofa aufzustehen und in die Gänge zu kommen. Nach dem Aufstehen hätt ich mich am liebsten gleich wieder hingelegt. Ich war so erschöpft von allem und absolut unmotiviert. Ich, die ich an normalen Tagen locker an die 10.000 Schritte gehe, schaffte es grade mal zum Billa.

Gestern hat mir dann L. geschrieben, ob ich Lust hätte auf Coffee und Croissant to go und Plaudern. Und das war heute – an dem sonnigen und in der Sonne sehr milden Vormittag genau das richtige. Ich bin endlich wieder rausgegangen und dann haben wir im Wasserpark unsere Runden gezogen und das hat sehr gut getan. Zum Schluss konnten wir sogar eine Viertelstunde in der Sonne sitzen.

Und hier ein paar Fotos, mögen sie euch eure Stimmung heben. Copyright: L.M.

Und am Schluss noch ein Foto von mir

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Kommt ein neuer Lockdown? Es kommt ein neuer Lockdown (light).

Problem: Ich kann nicht – wie im Frühling – um halb neun irgendwie aus dem Bett fallen, mich gemächlich ins Wohnzimmer vorarbeiten, am Sofa hängenbleiben, dort ewig ins Nichts starren und dabei schluckweise Kaffee trinken, um dann irgendwann ins Bad zu gehen usw, denn: die Schule bleibt offen und ich habe jede Menge Arbeit. So hat man zwar irgendwie einen Lockdown, aber dann doch nicht wirklich das passende Gefühl dazu. Das ist eigenartig.

Am Samstag, als ich nach 20 Uhr das Haus verließ und Ubahn fuhr, war es jedenfalls schon wieder erstaunlich leer in derselben. Viel leerer als in den letzten Wochen und dabei war eh noch alles geöffnet. Allerdings hatte der Bundeskanzler um 20 Uhr zum Volk gesprochen.

Dafür betreibe ich das, was ein Freund gestern als Übersprungshandlung bezeichnet hat. Statt mich mit Corona zu beschäftigen, mache ich nach wie vor beim Suchen der besten Zweitplatzierten in der Geschichte des ESC mit, in unserer ESC Facebookgruppe. Wir haben uns schon bis 2010 vorgearbeitet. Und somit haben wir auch eine(n) Zweitplatzierte(n) erreicht, der IMO das Zeug hat, ins zumindest Viertelfinale zu kommen, nämlich Verka Serduchka 2007 mit Dancing Lasha Tumbai. Die Kontroverse um den Titel hab ich eh schon öfters erzählt (Stichwort Russia Goodbye)

Um etwas Schwung in die trübe Stimmung zu bringen und falls sich jemand nicht mehr an Verka erinnern kann:

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Was hab ich also gebacken? Punschkrapferl.

Mir wäre ja nie eingefallen, Punschkrapferl selbst herzustellen, wenn der Geburtstagsmensch diese nicht lieben würde, aber so… Na jedenfalls ist es nicht so schwierig wie man denken könnte. Oder sagen wir so: wenn man ungefähr 30 Rezepte von Punschkrapferl gegoogelt hat, findet man so ca. bei Nummer 31 auch eines, das einfach zu verstehen und nachvollziehbar ist.

Dieses Punschkrapferl Foto hab ich auf Instagram gepostet #fürmehrrealitätaufinstagram Harhar. Geschmeckt haben sie übrigens wirklich gut, wenn ich mich loben darf.

Geburtstag gefeiert wurde dann im sehr kleinen Kreis outdoor. Auf der Libelle, wie man das in Coronazeiten eben macht. Die Libelle ist ein Dachaufbau am Leopold Museum und wurde – auch Corona-bedingt – statt im März im September eröffnet. Man hat einen wunderschönen Rundblick auf die Museen und das Museumsquartier.

Wenn man übrigens 49 Jahre alt wird, dann redet niemand darüber, dass man gerade 49 geworden ist, sondern alle reden vom 50er. O-Ton: “Jetzt haben wir gerade erst deinen 40er gefeiert und jetzt bist schon 50.” “Ich bin nicht 50.” Harhar.

Original und Fälschung, neun

Als John Lennon starb, waren Roxy Music gerade auf Europa-Tour. Als sie von seiner Ermordung erfuhren, spielten sie als Hommage spontan Jealous Guy, ein Song, der auf dem 1971 erschienen Album Imagine enthalten ist.

Vorab: Ich mag beide Versionen von Jealous Guy. Sowohl die von Lennon als auch die von Roxy Music. Nur ist die Version, die Bryan Ferry singt natürlich eine dementsprechende Poser-Version, ganz im Stil der beginnenden 1980er Jahre. Lennon leidet, jammert, bettelt ein bisschen, dann ist er wieder zerknirscht, dass er so eifersüchtig ist, ein bisschen Selbsthass ist auch dabei, die ganze Gefühlspalette eben. Bei Lennon hat man das Gefühl, dass er wirklich meint, was er singt.

Dagegen Bryan Ferry, im Video als Achtziger-Dandy herausgeputzt, schaut sich in ebendiesem Video zuerst mal in den Spiegel quasi als der Narzisst, der eben ist. Bei ihm hat man eher das Gefühl, dass er mit dem Image des Eifersüchtigen eher ein bisschen kokettiert als es wirklich zu fühlen. Oder sagen wir so: man hat das Gefühl, er gibt der Frau die schuld, dass er eifersüchtig sein muss. Eigentlich sollte sie sich bei ihm entschuldigen. Harhar. Außerdem muss ich immer, wenn ich Bryan Ferry sehe, daran denken, dass er die Ex-Freundin seines Sohnes geheiratet hat. Tut zwar nicht sehr viel zur Sache, abgesehen von Gossip, aber ist halt so.

Jedenfalls trotzdem thumps up für diese Coverversion, auch wenns ein bisschen Folklore ist.

Literatur-Nobelpreis

Mit dem Literatur-Nobelpreis verbinde ich lustige Erinnerungen.

2004 gewann Elfriede Jelinek den Nobelpreis, was damals noch via Zettel am Germanistikinstitut ausgehängt wurde. Ich hatte ein schönes Telefonat mit meinem Papa, den ich anrief, um ihn raten zu lassen, wer wohl den Preis gewonnen hatte. Und vor allem: um seine Reaktion zu hören. Denn ich wusste, wie er reagieren würde.

Er: “Na hoffentlich nicht der Handke.”

Ich: “Nein, DER nicht.”

Er: “Aber jemand aus Östrreich?”

Ich: “Ja.”

Er: “Oh mein Gott…”

Und weil er soviel Glück hat, hat dann bekanntermaßen Peter Handke letztes Jahr auch noch den Preis bekommen.

Heuer, bei der Verkündigung des Preises, wieder die alte Frage: Ist das noch Schwedisch oder war das schon der Name? Heuer aktueller denn je, denn als ich den Namen hörte, hab ich ihn zuerst mal falsch gegoogelt. Nämlich Klik. Tatsächlich heißt die Dame allerdings Louise Glück.

Jemand hat mal geschrieben, dass manche Literatur-Nobelpreisträger gleichsam aus der Welt gefallen sein (aka: niemand kennt sie) und das fand ich brilliant formuliert. Le Clezio etwa oder Tomas Tranströmer. Und ich denke, Louise Glück verdient dieses Prädikat auch. Denn:

ESC, deine Texte zwei

Weils so lustig war, noch ein paar Gedanken zu Lyrics von Song Contest Songs.

Eine Zeile, die Marco Schreuder im Merci Cherie Podcast besonders gut gefallen, gerade im ESC-Kontext, kommt von der “Combo” Sisters, die 2019 Sister performten. Die Zeile lautete. “I am tired of competing”. Wie gesagt, im Wettbewerbskontext gesungen.

Sehr nett auch Verka Serducka 2007 mit Dancing Lasha Tumbai: “Me English nix verstehen, let’s speak dance.” Vorgeworfen wurde der Ukrainerin allerdings, dass sie nicht “Lasha Tumbai” singen würde, sondern “Russia Goodbye”. Was übrigens “Lasha Tumbai” tatsächlich heißt, darüber gibt es diverse Spekulation. Die wahrscheinlichste davon ist: es heißt gar nichts.

Von den Strichmännchen bei ESC Sieger 2015 – Mans Zelmerlöw mit Heroes – sollte man nicht verwirren lassen. Der Song ist gar nicht fröhlich und easy going. Hier wird zwar auch getanzt, allerdings “with the demons in my mind.” Er singt auch: “Don’t tell the gods I left a mess”. Irgendwie fast etwas gruselig.

Da gehts bei Netta dann – trotz massiver Kritik an männlicher Toxität – bei Toy doch wieder etwas entspannter zu. Da läuft der Teddybär weg und die Barbie hat etwas zu sagen, aber am wichtigsten: “I’m taking my Pikachu home.” Das finden sogar die Kids von heute cool, weil Pikachu ist ja wieder “fresh”.

Noch erwähnenswert an dieser Stelle – die Konjunktiv-Hymne von Frans, If I were sorry. Da zählt er auf, was er nicht alles tun würde, würde es ihm leidtun. Durch die Wüste auf allen vieren kriechen, den höchsten Berg erklimmen, tausend Meilen rennen, so lange tauchen bis seine Lungen explodieren. Problem nur: “If I were sorry. But I’m not sorry. No.” Ok, wäre das auch geklärt.

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Es irritiert mich, dass die Schulhomepage verkündet, dass ihre Ampelfarbe gelb ist. Aber das in oranger Farbe kundtut. Jeden Tag erschrecke ich aufs Neue.

Es ist Coronaherbst, und genauso fühlt es sich gerade an. Die Tagen werden kürzer, grauer und frischer – und irgendwann wird jeder einen kennen, der schlecht drauf ist. An manchen Tagen, wenn ich so nach draußen lausche, hab ich das Gefühl, dass es stiller ist als normalerweise, aber es ist keine angenehme, ruhige Stille, eher eine resignierte. Möglicherweise interpretiere ich aber zuviel hinein.

Leben haben sich geändert und zwar ausnahmslos nicht durch die Krankheit Corona, sondern durch die Begleitumstände, wie das daheim eingesperrt sein – die, die damit ein Problem haben, bezeichnen es oft so. Da haben Biografien sehr unerwartete neue Verläufe gekriegt, wie ich jetzt schon einige Male in persönlichen Gesprächen gehört habe. Ich habe auch schon gehört: “Wer weiß wie lange ich noch lebe? Deshalb habe ich dieses oder jenes riskiert.”

Ich weiß nicht wie ich das finden soll. Ich selbst sehne mich wie schon vor Corona (und das wird sich danach auch nicht ändern, vermute ich) nicht nach Risiko, sondern immer nach Nähe und Geborgenheit, die ich an manchen dieser ruhigen Tagen bekomme. Dann ist die Stille draußen nicht mehr bedrohlich.