almis personal blog

Entdeckung

Auch mit 50 Jahren hat man ab und zu noch Aha-Momente über sich selber. Heute zum Beispiel.

Ich tue mir immer schon eher schwer, nein zu sagen. Stattdessen gehe ich dann über meine Grenzen, schmeiße meine Pläne um, stresse mich irgendwohin. Ich dachte lange, das hat damit zu tun, dass ich andere Menschen nicht enttäuschen will. Das ist es schon auch, aber nicht nur. Tatsächlich habe ich heute festgestellt, dass ich irgendwo auch immer im Hinterkopf habe, vielleicht werde ich gar nicht mehr gefragt, wenn ich einmal irgendwas absage, was sich einfach zeitlich oder sonst wie gerade nicht ausgeht. Vielleicht werde ich dann ab jetzt vergessen. Also so eine Art Angst vor einer auto-induzierten Selbst-Marginalisierung. Schön gesagt gell, harhar.

Dann dachte ich mir, boah, was ist denn das schon wieder für ein (Kindheits)thema in mir. Und dann ist mir Chandler (der leider verstorbene Matthew Perry) aus Friends eingefallen, die eine Szene in der ihm irgendwas passiert, ich weiß nicht mehr was, jedenfalls sitzt er dann so da und denkt (man hört nur seine Stimme): “Seriousely what’s wrong with me? Uhh…don’t open that door”

Und deshalb lieben wir alle Chandler am meisten, zumindest ich tue das, weil er ein so ein zutiefst unperfekter Charakter ist, mit so vielen Themen, die er immer mit Humor und Selbstironie pariert, aber nie versteckt. Der immer auch offen zugibt, dass er sich so fühlt, wie er sich fühlt, aber nie als Opfer seiner Umstände. Ein echt authentischer Charakter, das will ich auch sein, sagen was ist.

Handy und Emotionen

Seit gestern habe ich ein neues Handy. Also für mich neu, es ist gebraucht, aber super. Mein altes war schon acht Jahre oder so und schon etwas mitgenommen. Trotzdem schrecke ich immer vor einem neuen zurück, weil ich dann Tage brauche, um wieder alles einzurichten und mich zurechtzufinden. Die Töne sind anders, die Handhabe auch, ich bin sogar gleich mal an einem Screenshot gescheitert.

Heute war ich unterwegs und das Internet ging außerhalb der Wohnung gar nicht, trotzdem die mobilen Daten eingestellt waren. In der U-Bahn habe ich verzweifelt versucht, es zum Laufen zu bringen, man ist ja gleich komplett abgeschnitten von der Welt. Normalerweise ist meine Strategie bei technischen Schwierigkeiten immer, ein Gerät aus- und wieder einzuschalten. Aber bei dem neuen Handy weiß ich ja noch nicht einmal, wie das geht und googlen konnte ich ja nicht, harhar. Als ich dann später die Techniker meines Vertrauens danach fragte und Antworten wie “Hm” und “Gute Frage” bekam, schrieb ich ganz frech zurück: “Also da hätte ich mir jetzt mehr erwartet” harhar. Gleichzeitig war ich aber auch zufrieden, dass ich nicht an einer Trivialität gescheitert bin, die man easy aus der Ferne lösen kann.

Dann sucht man natürlich auch seine dutzenden Passwörter zusammen, die man ewig nicht mehr verwendet beziehungsweise schon überall direkt am alten Handy gespeichert hatte. Aber das hat mich auch, so blöd es klingt, ein bisschen glücklich gemacht. Denn manche Passwörter erinnern mich an besondere Tage. Als ich noch in einem anderen Bewusstseinszustand war, habe ich einmal geschrieben, dass diese Daten aufgehört haben zu existieren. Aber das haben sie nicht. Sie bleiben unvergessen. Auch am neuen Handy.

Karfreitag

Seit der Pandemie backe ich. Damals haben ja alle zu backen angefangen und keiner wusste wieso eigentlich. Während dieser Zeit habe ich oft Topfenkuchen, Gugelhupf, Bananenschnitte gemacht, einmal sogar Punschkrapferl. Aber das Leben ändert sich und geblieben ist einmal jährlich die Osterpinze.

Eine Schönheit harhar

Aber was soll ich sagen (ohne mich zu loben)? Harhar. Sie ist diesmal wieder echt köstlich geworden.

Obwohl man ja immer etwas nervös ist, wenn man Dinge nicht mehr so häufig macht, ob alles klappen wird. Und auch wenn sich das Leben geändert hat, denke ich nach wie vor an jemand, der immer gesagt hat, man kann jeden Tag zehn Fehler machen. Das entlastet mich bis heute und bei dem Gedanken muss ich immer lächeln.

Sign of the Times

Letztens rede ich mit dem Kind so über Musik, weil er einige Konzerte plant von Bands, die mir prinzipiell eh auch gefallen. Aber, sage ich ihm, ich höre praktisch fast nur noch ESC Songs, weil mich die an nichts erinnern. Das stimmt wirklich, eh auch irgendwie leider, aber mich trifft emotional nichts so schnell wie das “falsche” Lied – kein Film, auch wenn er arg ist und auch kein Roman. Aber Lieder können mich so arg triggern, nur noch geschlagen von U-Bahn-Stationen, harhar.

Dann reden wir weiter und irgendwie kommen wir auf Harry Styles, den das Kind nicht so mag.

Ich dann: Aber Sign of the Times ist ur gut.

Und er so: Na und das ist nicht deprimierend?

Harhar, da hat er natürlich recht, es ist schon ein trauriges Lied. Hier auf dem Blog habe ich damals geschrieben, Styles singt so, als wäre sein Leben schon einmal komplett auseinandergebrochen und dann nur notdürftig wieder zusammengesetzt worden. Das hat mich damals sehr angesprochen, ich war aber erstaunt, dass jemand, der erst Anfang 20 ist, von solchen Dingen erzählen kann. Andererseits wird der Grundstein für die Dinge, die einen später brechen, wahrscheinlich eh immer in der Kindheit gelegt.

Trotzdem – und nachdem ich gerade (!) nachgelesen habe, dass Styles hier über eine Mutter singt, die gleich sterben wird und ihrem Neugeborenen in diesem Song alles mitgeben will, was sie über das Leben weiß, na uff – ja trotzdem deprimiert mich dieses Lied nicht. Weil ich es im Sommer 2017 gehört habe, und da war ich so glücklich und alles war noch möglich. Das assoziiere ich immer noch damit.

50, zwei

Gestern, nach der emotionalen Aufwühlung (im positiven Sinn) im Thalia (unbezahlte Werbung harhar) war ich mit L. essen.

Bekommen habe ich unter anderem, das:

Au ja, wer möchte mit mir Movies und TV Soundtracks raten harhar. Wobei ich glaub, da bin ich nicht so gut wie bei Fragen zu Schauspielern und Regisseuren, aber sicher sehr lustig

Und ich habe außerdem Vapiano Gutscheine und Thalia Gutscheine bekommen. Also ich werde viel lesen und essen. Ach ja und 1 Jahr Nonstop Abo Verlängerung, mit Verpflegung. Der Verpflegungsbonus ist sehr großzügig ausgefallen, dafür, dass ich im Kino ja nur ein Mineralwasser oder einen Holundersaft konsumiere, harhar. Danke!

Außerdem wurde ich aufs Konzert von Tom Smith eingeladen, der in der Simm City (in Simmering) auftrat. Manche kennen ihn vielleicht als Sänger von den Editors. Es war aber ein Tom Smith Soloabend, man konnte dort sitzen, was ich in meinem Alter bei zwei Stunden Konzert schon ganz okay finde. Es war alles sehr ruhig und getragen, schön.

Und die Songzeile: “You knew you were lost, but you carried on anyway ist mir im Kopf geblieben.” So als Art Leitspruch für das Leben an sich.

Verdammt wütend

Ich habe M. den Roman Verdammt Wütend von der norwegischen Schriftstellerin Linn Strømsborg geschenkt, weil uns beiden der Vorgänger, Nie, Nie, Nie sehr gut gefallen hat. Jetzt habe ich Verdammt Wütend selbst gelesen und sorry liebe M. I should have known better, harhar.

Die Anfangsszene ist natürlich super. Da ist Britt, Anfang 40, mit Mann und kleiner Tochter auf Urlaub mit Freunden. Und eines Morgens schreit sie einfach alle an. Den Mann, die Tochter, die Freunde. Weil sie, erraten, einfach verdammt wütend ist. Sie ist wütend, weil ihre Mutter sie selbst als zehnjähriges Mädchen verlassen hat, einfach gegangen ist. Weil die Beziehung zu Espen nicht das ist, was sie sich vorgestellt hat, weil er Verantwortung scheut und sie möglicherweise betrügt. Weil sie ihre Tochter liebt, vieles aber dennoch anstrengend ist. Und weil die Freunde eben auch irgendwie nerven. Als Leser liebt man ja irgendwie das Drama und ist gespannt darauf: Was kommt danach? Aber leider ist es die beste Szene des ganzen Buches.

Strømsborg schreibt immer noch gut, die Sprache gefällt mir. Bei Verdammt Wütend hapert es aber, meines Erachtens aber am Plot, der sich jetzt nicht wesentlich von anderen Büchern dieses Themenkreises unterscheidet und der vor allem keine wirkliche Weiterentwicklung seiner Protagonistin bietet.

Ja, es geht um Wut, um Frust, um unfaire Bedingungen, darum wie “Orsch” alles ist, ja ich verstehe es, ich kann es auch in Teilen durchaus nachvollziehen. Aber mir fehlt irgendwie die Transformation. Also Wut entsteht natürlich immer wieder einmal in einem Menschen und ist ab und zu auch notwendig, aber an sich ja noch kein Wert. Man sollte ja mit dieser Wut irgendwas tun, damit sich etwas anderes daraus entwickeln kann, das im Idealfall eine Verbesserung der Situation bringt. Oder sagen wir so: Wenn jemand 100 Seiten in seinem Tagebuch mit wütenden Gedanken füllt, ist das vielleicht ganz therapeutisch, aber es ist noch keine Literatur. Mir bleibt Britt ein bisschen zu verhaftet in der “Opfererzählung”. Mir fehlt ein bisschen die Reflexion über die eigenen Anteile an der unbefriedigenden Ist-Situation.

Es gibt auch einige ziemlich eigenartige Perspektivenwechsel. Meistens verfolgen wir die Handlung ja aus der Sicht von der Protagonistin Britt. Ein Kapitel ist allerdings aus Sicht von Espen erzählt, eines aus dem Blickwinkel einer Freundin. Was tatsächlich eine interessante Idee wäre, wäre es nicht so “random” eingesetzt, wie mein Kind es bezeichnen würde. Die Perspektive von Espen wird auf ein paar wenigen Seiten erzählt, das wird der Figur nicht gerecht, wir lernen ihn deswegen auch nicht besser kennen und können uns über ihn kein “Urteil” bilden. Ich frage mich, was sich die Autorin diesbezüglich von uns erwartet. Das würde ich sie wirklich gerne fragen, harhar.

Britt sagt einmal: “Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so wütend sein würde, und wenn ich gekonnt hätte, hätte ich mich defintiv dagegen entschieden. Für Freude, Neugierde, Offenheit, Trauer, Staunen oder Zufriedenheit. Aber diese Wahl wurde mir nie gelassen. Man hat mir nur dieses Leben gegeben und es ist eine große Enttäuschung.”1 Wirklich?


  1. Linn Strømsborg: Verdammt Wütend, S. 33 ↩︎

A Summer Place

Der Trailer zum neuen Kristoffer Borgli Film The Drama ist grandios.

Borgli, der Meister der tollen Prämissen, die dann nicht aufgehen, harhar, has done it again. In The Drama geht es um ein junges Paar, das kurz vor seiner Hochzeit steht. Bei einem Abendessen mit einem befreundeten Paar erzählt jeder etwas bisher Geheimes von sich. Das ist anscheinend lustig, etwas peinlich bis leicht unangenehm. Aber dann ist die Figur, die Zendaya spielt, an der Reihe und sagt etwas offensichtlich so Arges, dass die Stimmung kippt und alle erschüttert sind. Nach diesem Trailer bin ich einfach nur ur neugierig, und ich hoffe, Borgil versaut es nicht wieder. Harhar.

Was aber nebenbei noch interessant ist, in diesem Trailer kommt der Song A Summer Place vor. Da musste ich an meinen Papa denken. Er hatte die Platte und hörte sie oft. Und ich dachte daran, wie ich mich in den letzten Jahren meistens an ihn erinnert habe, mit einem gewissen Schmerz. Ich dachte fast nur noch an ihn als so etwas wie ein ungelöstes Rätsel, als Leerstelle, als jemand, der am Ende seines Lebens nichts mehr mit mir zu tun haben wollte, ich sag es mal so hart. Ich dachte an seine Witwe, mit der ich beim Notar gestritten hatte – harhar, das könnte ich tatsächlich von ihm haben, er hat sich gern aufgeregt – bis sie dann eingestanden hat, dass ich nichts falsch gemacht hatte. Ich habe mich dafür bedankt, dass sie mir das gesagt hat. Ich denke, ich bin einfach nicht der Mensch geworden, den er sich vorgestellt hat. Das ist sehr lange schmerzhaft gewesen, bis es dann eines Tages gar nichts mehr mit einem macht. Ich glaube, das nennt sich Akzeptanz. Ich habe meine Perspektive gewechselt. Ich mag nicht mehr kämpfen.

Jedenfalls hat mich dieses Lied daran erinnert, wie mein Papa auch sein konnte. Sehr lustig nämlich, er konnte super Geschichten und Erlebnisse (nach)erzählen, das haben mir manche auch bei seinem Begräbnis versichert, dass sie sich so an ihn erinnern. Er konnte gut kluge und ziemlich provokante Dinge sagen und es gab natürlich auch viele helle Momente zwischen uns, so hell wie dieser Song. Ich freue mich wirklich, dass mich dieser Trailer daran erinnert hat.

Vier kleine Dinge

Nadines neuer Blogeintrag Vier kleine Dinge haben mich gleich inspiriert, auch darüber nachzudenken. Über Dinge nämlich, die einem im Alltag Freude machen.

Hier meine vier:

Zuerst ist mir das Essen mit meinem Kind eingefallen. Gerade jetzt, wo er erwachsen ist und wir gerade nicht so viel Zeit miteinander verbringen, ist dieser Punkt sehr wichtig geworden. Weil wir essen beide sehr gerne, derzeit oft Piccata Milanese, sein Lieblingessen von mir. Wir kochen dann zusammen oder, wenn er in der Schule ist, versuche ich es so zu timen, dass das Essen genau dann fertig ist, wenn er zur Türe hereinkommt. Und dann quatschen wir über seinen Tag und meinen und er bringt ein Thema auf, wo er weiß, dass es mich aufregt (harhar) oder fragt mich tatsächlich auch um meinen Ratschlag oder meine Ideen zu etwas O Ton: Das Einzige, wo ich nie auf dich hören werde ist, welche Jacke ich anziehen soll.

Sehr gerne komme ich meist Freitagabend in mein Haus, derzeit ist es oft schon dunkel bzw. die Solarleuchten im Garten haben sich eingeschaltet. Ich esse zu Abend, meine Mutter ist manchmal da, dann reden wir, sie lebt unten. Dann gehe ich hinauf in meinen Stock, den ich nach und nach so eingerichtet habe, wie ich wollte, mit Bücherregalen und Sofa, Fotolichterkette, Filmplakaten und vielen Pölstern und Decken und anderem Zeugs, auch so kleines Krimskrams, über das Chandler in Friends einmal sagte, dass das Frauen so lieben, “The tiny little box, that’s too small to put anything in”. Und da fühle ich mich dann sehr wohl, und habe Zeit und Ruhe zum Lesen und Schreiben und Nachdenken.

Den nächsten Punkt muss ich “leider” von Nadine übernehmen, nämlich die Dunkelheit, bevor ein Film im Kino beginnt. Das liebe ich auch so sehr. Weil es einen aus der Welt reißt und in eine ganz andere katapultiert. Egal ob man gestresst, zerstreut oder auch einmal niedergeschlagen im Kino ankommt, ob einen etwas belastet oder ob man einfach nur in totaler Vorfreude auf den Film ist – was bei mir auch oft der Fall ist – in einem Kinosaal kann man mal zwei, zweieinhalb Stunden an nichts anderes denken als eben das, man ist so in dem Moment, alles andere bleibt außen vor. Und das ist tatsächlich ein Vorteil zu Netflix und Co (was ich natürlich auch ab und zu schaue), man katapultiert sich bewusst aus seinem Leben hinaus. Und nachdem mir sehr oft gesagt wurde, ich lebe in einer Traumwelt, passt das hervorragend harhar.

Und als viertes kurz und bündig: Abendsonnenlicht, dass sie in den Fensterscheiben schöner, alter Häuser spiegelt.