almis personal blog

Keine andere

Letztens ist mir ein Facebookbeitrag hereingespült worden, von jemandem, den ich gar nicht wirklich kenne bzw nur um die Ecke. Dieser Jemand, ein älterer Mann, der seit Jahren keinen Kontakt zu seinem erwachsenen Kind und demzufolge auch zu seinen Enkeln hat, schrieb, es wäre nun, da seine Frau sehr krank ist, sei vielleicht ein Treffen angedacht, nach vielen Jahren des Schweigens.

Natürlich gabs dann dutzende Kommentare dazu und einer schrieb, er würde diesem Mann alles glauben, seine ganze Geschichte, wenn er diese erzählen würde. Da hab ich mir gedacht schon interessant. Ich verstehe nicht mal die Familiendynamiken mit meinen eigenen Eltern genau (harhar), aber es gibt offenbar Leute, die trauen sich zu, die Geschichten von anderen Menschen beurteilen zu können.

Ich habe meinen Papa vor seinem Tod ja ebenfalls einige Jahre nicht gesehen – wenn es auch kein völliger Kontaktabbruch war. Grund gab es keinen, zumindest wurde mir keiner genannt. Telefoniert haben wir ab und zu. Ich weiß, dass sich Menschen dazu ein Bild machen, auch über mich. Aber irgendwann konnte ich nicht mehr. Und damit meine ich nicht nur, ich konnte keine Treffen mehr vorschlagen oder Einladungen aussprechen, die dann nicht angenommen werden oder nur schnell “absolviert”. Vor allem konnte ich nicht mehr so tun als wäre ich die Tochter, die ich vielleicht sein sollte, die er sich wahrscheinlich vorgestellt hatte. Ich bin ihm nicht böse. Ich bin aber auch mir selbst nicht (mehr) böse, dass ich keine andere bin.

Letztens als P. da war, erzählte sie, dass sie am Vortag geweint hatte, weil ihr Papa seinen Monats-Sterbetag hatte – er ist noch kein ganzes Jahr tot – und wie sehr sie ihn vermisst. Und das ist traurig, aber auch schön, weil es von einer sehr guten Beziehung erzählt. Und das alles existiert nebeneinander, es macht das Leben schwierig und schmerzlich, aber auch vielschichtig, rätselhaft und interessant.

Causa prima

Es wurde ja schon alles zu Stockers Aussage über die Kinderbetreuung gesagt, nur noch nicht von allen. In diesem Sinn, meine Ansicht.

Ja, da war vielleicht keine sehr geglückte Formulierung von unserem Bundeskanzler, von mir aus. Allerdings finde ich es schon interessant, dass jetzt Protest auch von der Seite kommt, die sonst schnell von “Herdprämie” spricht, wenn es finanzielle Erleichertungen für Mütter geben soll. Wenn es Frauen also ermöglicht werden soll, länger in Karenz zu gehen und bei den Kindern zu bleiben. Wie oft habe ich gelesen, dass Frauen dann im Kinderzimmer bzw. in der Küche “versauern” würden. Klingt das wirklich danach, als ob Kinderbetreuung gleichermaßen respektiert und wertgeschätzt wird wie “Lohnarbeit”?

Private Anekdote am Rand: L. und ich haben unsere Kinder immer so um 14 Uhr aus dem Kindergarten, der ein Betriebskindergarten war, abgeholt. Irgendwann haben wir von Gerüchten gehört, dass wir als “Glucken” bezeichnet werden, weil wir unseren Nachwuchs eben immer so früh abholen würden. Ich gebs zu, ich war damals ur sauer. Das haben wir dann mal einer befreundeten Mutter dort erzählt. Und eines Tages, als wir gerade mit den Kids wieder “so früh” aus der Einrichtung kommen, begegnen wir dieser Mutter und sie meinte: “Ach die zwei Glucken wieder”. Da musste ich so lachen und das Thema war für mich erledigt.

Fazit: Im besten Fall bringt uns diese Debatte dazu, andere weniger zu bewerten und vor allem unser Leben so zu führen, wie wir das möchten, egal was andere davon halten.

Frühstück im Garten

Es ist August und somit ist es endlich wieder einmal soweit, M. war zu Besuch und ein Garten-Frühstück stand auf dem Programm. Und dieses wird natürlich so streng analysiert, wie die sonstigen Auswärts-Frühstücke harhar.

Es gab Kornspitz, Croissant, Semmel, Käsewurst, Gouda, Schinken, Tomaten, Erdbeeren, Marmalade, weiches Ei und natürlich Kaffee, Wasser und Orangensaft. Gute Auswahl.

Geschirr: Das meiste aus der H&M Home Kollektion. Unbezahlte Werbung harhar, aber ich liebe die Sachen dort.

Dazu: Fünf Stunden Gespräche über den Sommer, Urlaube, die Kinder, das Leben an sich

Dazwischen: Eine Stunde im Pool.

Herrlich wars!

Direkt danach kamen “meine Kids” und wir waren nochmal eine Stunde im Pool, es gab eisgekühltes Red Bull in diversen Geschmacksrichtungen (die Bereitstellung derer ist meine love language harhar)

Und am Ende vom Tag hab ich mir gedacht, M. kenne ich über 30 Jahre, dafür bin ich sehr dankbar. Jahre, in denen viele Menschen gekommen und wieder gegangen sind. Über manche Abschiede kommt man kaum hinweg. Aber es kommen auch neue Menschen, wie “meine Kids” und es ist so schön mit ihnen.

Was darf Kunst?

Ja Hirsch und Danzer Aufregung, dies, das. Ich hab eh schon hundertmal über Rollenprosa und Kontext geschrieben. Aber dennoch etwas zu dem, was Verena Bogner auf fm4 zur Causa geschrieben hat. Vor allem ihr letzter Satz:

“Nicht jeder menschliche Abgrund muss in Songform erfoscht und vor einem Massenpublkukum wiedergegeben werden.” Und wenn wir diesen Satz sehr kritisch betrachten, klngt das fast ein bisschen totalitär.

Denn wer soll denn bestimmen, was erforscht und einem Massenpublikum zugemutet werden kann und was nicht. Der Staat? Die Zensurbehörde? Das Wahrheitsministerium? Ich würde nämlich sagen: Erstmal darf alles Thema sein. Denn jedes “umstrittene” Thema hat Menschen, die sich davon getriggert fühlen, das ist leider so. Das fängt ja nicht bei Pädophilie an, es gibt genug Menschen, die wahrscheinlich auch nichts über Abtreibungen und Fehlgeburten, Gewaltverbrechen und Missbrauch oder auch einfach nur von solch alltäglichen Katastrophen wie Trennung und Scheidung hören wollen. Und das ist auch völlig okay so.

Es kann aber nicht die Aufgabe von Kunst sein, jeden Trigger zu vermeiden. Nein, man muss sich nicht alles anhören, man muss schon gar nicht alles gut finden. Man darf sich selbst schützen. Es muss aber in einer freien Gesellschaft möglich sein, auch kontroversielle Dinge anzusprechen, vor allem in einem künstlerischen Kontext. Kunst hat nämlich auch immer die Aufgabe, umbequem zu sein, Fragen zu stellen und den Finger in die Wunde zu legen. Das kann unangenehm und anstrengend sein, manchmal auch ärgerlich sein. Ich finde auch nicht alles ur super.

Kunst ist aber kein Safe Space und keine Komfortzone und das sollte von ihr auch nicht verlangt werden, denn sonst schafft man sie ab.

Verlass die Stadt, zwei

Wo bin ich jetzt?

New York? Knapp daneben.

Das Dorf hat 80 Einwohner und nur über eine kurvige Bergstrasse erreichbar. Manche Mitreisende bauen schon gedanklich hier ein Haus in zehn Jahren.

Das könnte ich jetzt nicht, weil:

a) will ich nicht Autofahren

b) gibt es kein Kino in der Nähe

c) ist es mir auf Dauer zu frisch auf fast 1000 m Seehöhe und mitten im Gebirge. Ich friere schon in der Stadt dauernd.

Aber es ist wunderschön und ruhig und abgeschieden hier. Ein paar Tage tut das sehr gut.

Montag

Gestern habe ich das WM Finale geschaut und es war recht ereignislos, aber dank der Kommentare von Co Kommentator Andreas Herzog sehr unterhaltsam.

Herzog ging aufgeregt in das Match, er freue sich so auf das Finale, nach der Hälfte war er schon etwas desillusioniert und am Ende richtig sauer. Als der Moderator erklärte, wie viel Finaltickets kosten (viel) meinte Herzog so: “Dafür sieht man in 80 Minuten keinen einzigen Torschuss von den Argentiniern.” Und als der argentinische Spieler Leandro Paredes sich beim Schiedsrichter über eine Aktion eines spanischen Spielers aufregte, meinte Herzog so: “Selber ein Holzhacker vor dem Herrn und geht sich beschweren beim Schiedsrichter.” Und am Ende, als Paredes nach Abpfiff einen Gegner attakierte: “Schau dir den Vollidioten an” Harhar. Herrlich (siehe auch hier)

Nachdem meine Arbeits-Deadlines alle im August liegen, habe ich heute quasi schon den Urlaub begonnen und zwar am Naschmarkt. Die Odysee verfolgt mich:

Dezentes Plakat des Nolan Films

Ich habe mich mit einer Nachbarin zum Frühstücken getroffen. Im Haus sehen wir uns nämlich fast gar nicht mehr. Früher, als die Kinder noch klein waren, waren wir oft im Hof und unterwegs, quasi der Gang zur Bücherei mit vier Kindern als “der Tagesausflug”; aber das ist ja ziemlich lange her, ihre Tochter hat auch “mit” meinem Kind maturiert, also in der gleichen Schule. Wir haben uns im Orient Occident getroffen, wie eh immer.

Schöne Morgenstimmung am Naschmarkt

Wir haben echt lang geplaudert, quasi das erste Mal nach drei Stunden auf die Uhr geschaut. Das ist ja immer ein gutes Zeichen. Es ging um Kinder und Häuser am Land und Männer (hui!) und ich war sehr offen und habe gesagt, dass es jemand gibt, den ich vermisse. Es ist okay, es gehört zu mir.

Später ging es auch darum, dass wir froh sind, keine Babies oder Kleinkinder mehr zu haben. Da habe ich ein wirklich crazy Kompliment bekommen, sie meinte nämlich zu mir, sie könnte sich mich schon mit Baby vorstellen und ich ganz erstaunt: Wieso das? Und sie so, na du siehst so jung aus. Waaaas? Harhar. Aber danke.

Mediteranes Dings-Frühstück und mein klasisches Wiener Frühstück

Als wir gegangen sind, hat sie mich noch bis zum Schwedenplatz begleitet, ihr Rad schiebend. Das hat mich an etwas erinnert.

Wir in zehn Jahren

Aufgrund des Titels und der Prämisse habe ich mir Wir in zehn Jahren von Jessica Stanley gekauft. Eine Beziehungsgeschichte über ein Paar. die sich über eben diesen Zeitraum erstreckt. Coralie wird beruflich von Australien nach London versetzt und lernt den geschiedenen Adram kennen, der eine kleine Tochter hat.

Achtung Spoiler

Nun hab ich mir persönlich so eine eher rohe Beziehungsabrechnung erwartet, wie das so ist mit Verlieben und Zusammensein und Kinder haben und die ganzen Herauforderungen und Krisen die da so einhergehen. Die Autorin ist mir natürlich nicht schuldig, dass sie das schreibt, was ich gerne hätte harhar. Aber es hat mich schon irgendwie erstaunt, dass Boris Johnson (sic!) in diesem Roman öfter genannt wird, als die beiden Kinder, die sie selbst dann später mit Adam bekommt.

Überhaupt ist hier viel von Politik die Rede – Adam ist Journalist. Ich mag es ja an sich, wenn so aktuelle Ereignisse in die Handlung eingewoben werden, aber man kann es auch übertreiben. Nicht ganz klar ist, ob die Autorin ein bisschen kritisch die Denkweisen der, sagen wir mal, linksliberalen Protagonisten kommentiert oder sie affirmiert. Es gibt eine Szene, in der ein Freund Adam quasi darauf hinweist, dass er mit Labour ja selbst höhere Steuern gewählt hat und Adam sagt ja, aber es geht ja auch um Werte. Das halte ich persönlich für ein ärgerliches Kuriosum der heutigen Politik. Dass ein Teil des Spektrums ihre Aufgabe als erledigt ansieht, in dem sie quasi gegen rechts ist und “Werte” vermittelt, anstatt die Probleme, die es gibt, wirlich anzugehen.

Auch die Erzählökonomie, wie Bachmann-Juror Philipp Dingler sagen würde, stimmt hier gar nicht. Es gibt ein queeres Großelternpaar (natürlich) also anders gesagt zwei Omas und die Omas kommen gleich hinter Boris Johnson, was die Präsenz im Roman betrifft. Ich mein, die Omas sind eh recht amüsant, aber was haben sie in epischer Breite mit dem Thema zu tun. Ich persönlich hätte auch auf die Schilderung des Schwangerschaftsturnens verzichtet können, die außer Klischees (nehme ich an, ich habs ja nicht so weit geschafft harhar) nichts neues an Erkenntnis bringt.

Und letztendlich verägert mich das Buch auch damit, dass es am Anfang ein tragisches oder zumindest kontroversielles Ende in Aussicht stellt, was am Schluss nicht nur nicht eingelöst wird, nein, alles wird so auf süßlich-klebrige Art weggeräumt, dass ich, als jemand der irgendwie anscheinend mehr mit dem wirklichen Leben konfroniert wurde, einfach nur den Kopf schütteln kann. Nein, ein Paar muss sich nicht zwangsläufig trennen, aber Problem auf Problem zu stapeln und dann siegt doch der platte Kitsch, och nö. Harhar.

Heiße Tage

Puh, heißeste Tage gerade und gestern Abend sehr unerwartet ein dringendes Projekt bekommen, wo man erstmal eine halbe Stunde am Telefon drüber sprechen muss. Mal wieder eine Forschungsarbeit in englischer Sprache großteils, wo ich auch wissenschaftlich mitarbeiten kann bzw darf, ein ganz spannendes Thema. Das freut mich wirklich sehr.

Davor war ich mit M. noch auf relaxt Mittagessen, denn ich wusste da ja noch nichts davon. Und danach haben wir uns einen Hugo gegönnt, der sehr gut (und relativ günstig) war. Beim Asiaten nämlich. Außerdem habe ich jede Menge ur liebe Geschenke bekommen – der Lesesommer ist unter anderem gesichert.

Ur lieb <3

Habe ich gestern irgendwie eh gebraucht. Manchmal fühlt man sich nicht so super und Fragen, die einen schon Jahre beschäftigen, ohne Antworten ploppen plötzlich wieder auf. Gestern war ich schon so weit, die KI dazu zu befragen und ganz ehrlich, wenn man zu solchen Themen mal die KI befragt, dann kann man sich auch gleich zwangseinweisen lassen. Aber das Beste ist, die Antworten waren ur gut. The rise of the machines doch nicht nur schlecht harhar.

Lasset das Arbeits- und parallel Poolwochenende beginnen. Heute um 21 Uhr war ich jedenfalls endlich im Wasser.

Matura, fünf (the end)

So, das wars jetzt endgültig.

Ein Teil der Feiergemeinde beim “Stehcafe” im Zuge der Maturafeier

Wer, wie ich, vor 30 Jahren maturiert hat, kennt das ja alles nicht. Wir hatte ja nichts! Harhar. Heutzutage werden Eltern, Freundinnen und Freude, sonstiger Anhang eingeladen, es gibt Reden von Klassenvorstand und Klassensprecher, Direktorin und gefühlt wer sonst noch Bock hat. Dazu natürlich das feierliche Überreichen des Maturazeugnisses. Untermalt wird das Ganze mit Musik und vielleicht ein paar Trän(chen). Im Gegensatz zu anderen Maturafeiern, von denen ich gehört habe, kam weder Putin noch Trump in den Äußerungen vor (danke dafür!), und die Reden haben es geschafft, da und dort den Horizont zu erweitern und ein bisschen den Trampelpfad des offensichtlichen zu verlassen, das fand ich sehr schön.

Sehr subversiv war der letzte Song, dargebracht von “unserer” Klasse und zwar Another Brick in the Wall von Pink Floyd. Wir erinnern uns an die Lyrics “We don’t need no education. We don’t need to thought control. Teachers leave us kids alone”. Derart bestärkt geht man doch gern in die Welt hinaus.

Und ja, damit ist ein weiterer Lebensabschnitt, auch für mich, zuende und ein anderer beginnt. Freue mich über jeden und jede, die oder der mich hier lesend weiterbegleitet.*

*Etwas gerührt gesendet.