Heute mal kein Vapiano Foto, sondern was fotogenes selbstgemachtes vom Wochenende:
Hendl mit Käse und Schinken, Nudeln mit Gemüse
Vor ungefähr zwei Wochen hat das Kind mich über die Tigermücke informiert, die in unseren Breiten gerade Saison hat. Und ich so, ignorant wie ich manchmal bin: Tigermücke geh bitte, was soll das sein, das gibt es doch bei uns nicht. Jetzt, ungefähr 200 Stiche später, muss ich sagen, ja es gibt diese Tigermücke und ihre Stiche sind so extrem fies und vor allem sticht sie auch untertags. Einmal war es so arg, dass ich einfach ins Pool geflüchtet bin, weil es überall so gejuckt hat. Ich hoffe, dass ich bis nächstes Jahr die Tigermücke wieder vergessen habe, harhar. Glücklicherweise ist die Saison erst im Spätsommer.
Heute war ich auch noch ein letztes (!?) Mal im Pool, bin neugierig, wie oft ich das noch schreib, er hat nur noch 23 Grad, aber wenns draußen so warm wie heute ist, geht es.
Außerdem habe ich mir fürs Wochenende neue Bücher gekauft:
Ja richtig, ich habe Vaterland gesehen (harhar). War jetzt allerdings nicht so überwältigt von dem semi-fiktionalen Film über Thomas Manns Deutschlandreise im Jahr 1949 wie andere Menschen. Aber in dem Film kommt auch der Sohn, Klaus Mann vor und in einer Szene auch Gustaf Gründgens, der nicht nur ein berühmter Schauspieler, sondern auch mit Erika Mann verheiratet war; und über diesen hat Klaus den Schlüsselroman Mephisto geschrieben. Ich habe weder den Roman bisher gelesen, noch den Film mit Klaus Maria Brandauer gesehen, große Bildungslücke. Na immerhin habe ich jetzt schon die Hälfte des Buches gelesen. Ich finde, man kann über das Werk schwer sagen, dass es einem “gefällt”, aber es ist sehr interessant geschrieben.
Und auf in die nächste Woche, die quasi im Zeichen von Erinnerungen steht.
Am Mittwochabend ist der Fall des Kabarettisten P. öffentlich geworden und seitdem gibt es kaum noch ein anderes Thema.
Florian Klenk, Chefredakteur des Falter, hat seine Ansichten dazu geteilt, wie man solche und ähnliche Fälle in Zukunft vermeiden kann. Er spricht sehr viel von Prävention und bringt das Beispiel eines Mannes namens Lukas, der im Zuge des Falles T. vor einigen Jahren Hilfe in Form von Therapie, Hilfe auch bei seinen Freunden gesucht, der aktiv daran gearbeitet hat, seine Trigger zu umgehen. Und wie dieser Lukas deshalb nicht zum Täter geworden ist. Das ist absolut anzuerkennen und Prävention ist sicher sehr wichtig, wer würde das auch bestreiten. Aber für Prävention braucht es halt auch Voraussetzungen, vor allem Selbstreflexion und Unrechtsbewusstsein.
P. hat monatelang sein Programm vorbereitet, das am Mittwoch Premiere gehabt hätte. Er hat sein Leben in den letzten Wochen so weitergelebt, als wäre gar nichts passiert. Er hat noch vor ein paar Tagen ein Interview im Falter anlässlich dieser Premiere gegeben, in dem er uns ein bisschen gönnerhaft die Welt erklärt und sogar über “gut” und “böse” reflektiert, ich habe das Interview damals gelesen. Ja, P. hat sich selbst angezeigt, allerdings nicht aus dem Gefühl heraus, etwas falsch gemacht zu haben, sondern weil er erpresst wurde. P. hat ein Video auf Facebook gestellt, nachdem sein Name der Öffentlichkeit genannt wurde, weil er jetzt angeklagt wird. Und in dem Video erklärt er unter anderem, was wir tun sollen, wenn wir solche Neigungen in uns spüren.
Nur weil man in der Öffentlichkeit steht, mehr oder weniger berühmt ist, und eine Plattform bekommt, das alles macht die eigene Person nicht zu einer moralischen Instanz, das wird einem dieser Tage wieder bewusst. Und auch wenn mir natürlich klar ist, dass P. ein spezieller Fall ist, finde ich doch, dass niemand die Deutungshoheit hat oder sie für sich reklamieren sollte. Macht euer Ding, eure Programme, drückt euch über die Kunst aus, gebt uns was zum Nachdenken, inspiriert uns, fordert uns heraus, seid provokant und eckt ruhig an. Sagt uns was ihr denkt, aber sagt uns nicht, was wir denken sollen, das wär super, danke.
Die Woche läuft gut soweit. Am Montag nach einem 10 Stunden Arbeitstag – der mit der Mail: “Du bist ein Wahnsinn, danke” belohnt wurde – habe ich Wer wird Millionär gesehen, wieder da, nach der Sommerpause. Ich schaue die Sendung tatsächlich schon seit 25 Jahren. Es war auch das erste mal in diesem Sommer, dass ich den Fernseher aufgedreht habe.
Und ich habe gleich etwas gelernt:
Wer wird Millionär vom 31.August 2026
Weil ich wusste zwar, dass es die Programmiersprache Python gibt, das Kind hatte das sogar als Themenbereich bei der Informatikmatura, aber ich hatte absolut keine Ahnung, dass der Name von Monty Python kommt. Ich habe immer an die Schlange gedacht. Und dieses Wissen gebe ich hiermit hier weiter.
Am Dienstag gab es ein Geburtstagstreffen mit M in Wien Mitte. Wir waren supergut asiatisch essen, leider habe ich kein Foto gemacht, weil wir so ins Gespräch vertieft waren und danach waren wir noch an der frischen Luft und haben uns einen Mango bzw. Orangen Spritz gegönnt. Ein total schöner Nachmittag.
Lässiges Chillen in Wien Mitte
Heute habe ich es dann ins Kino geschafft – wie ich Teenage Sex and Death at Camp Miasma fand, ein andermal, nur das: der Film ist ungefähr so verkopft wie sein Titel. Davor war ich aber noch in der Severingasse auf Lokalaugenschein. Und jetzt wird sich jeder denken, wie, was? Nun ja, diese Gasse spielt in meinem Roman eine Rolle und ich wollte sie mal wieder begehen.
Die mystische Severingasse am 2. September 2026
Ich habe dort einmal die Vorlesung Medizinische Psycholgie besucht haben, das Institut war damals in dem Backsteinhaus links. Ich habe sie als Wahlfach wegen meiner Dissertation ausgewählt, eigentlich war es eine Lehrveranstaltung für Medizinstudenten im zweiten Studienabschnitt. Ich habe mir gedacht, hm, wie werde ich als Geisteswissenschaftlerin da mithalten können. Und es ist tatsächlich eines der Dinge, auf die ich wirklich stolz bin, dass ich den Test mit der Note “Sehr gut” bestanden habe (ich hab auch ur viel gelernt, weil ich mich nicht blamieren wollte, harhar)
Die Gasse mag ich aus dem Grund, weil ich, als ich sie erstmal sah dachte, wow, die ist wie aus einer anderen Welt. Oder zumindest aus einem anderen Ort als Wien. Und ich frage mich bis heute, wieso ich das so empfinde. Sowas finde ich immer total spannend. Ich könnte über Straßenzüge, Gegenden und Häuser ewig nachdenken. Auch wenn ich (noch) keine Worte dafür habe.
Belle Burden gelang, wie ich schon geschrieben habe, mit ihrem autobiografsich geprägten Roman über das Ende ihrer Ehe namens Fremde ein mega Bucherfolg in den USA, der heiß diskutiert wurde, weil Burden offen über ihr eigenes Leben schreibt. Burden entstammt selbst der berühmten (und reichen!) Vanderbilt Familie, ihre Großmutter war ein It-Girl ab den 1930-er Jahren und eng mit Truman Capote befreundet.
Die Handlung von Fremde setzt im März 2020 ein, als Burden mit ihrem Ehemann James (sein Name wurde geändert) und den zwei jugendlichen Töchtern – der ältere Sohn ist bei Freunden geblieben – vor dem New Yorker Lockdown in ihr Feriendomizil auf Marthas Vineyard flüchtet. Bereits wenige Tage später erhält sie dort den Anruf eines ihr unbekannten Mannes, der behauptet, seine Frau hätte ein Verhältnis mit James. James leugnet nicht, trennt sich sofort von Belle und reist ab. Entgegen meiner Befürchtungen ist die Pandemie hier ein Nebenschauplatz, und kommt vor allem als Faktor in Bezug auf die Isolation in dieser Ausnahmesituation vor. Eine Isolation, die gute und schlechte Seiten hat. Einerseits kann sich Belle zurückziehen und muss nicht unmittelbar Rechenschaft über die neue Situation ablegen, andererseits sind die Menschen, die sie unterstützen können, zumindest räumlich weit entfernt.
Wie schon bei Lena Dunham, der vorgeworfen wurde, in ihren Erinnerungen Adam Driver in Misskredit zu bringen, habe ich auch hier nicht den Eindruck einer Racheaktion. Und glaubt mir, ich würde es sagen, wenn es anders wäre, harhar. Es ist vielmehr der Versuch von Burden zu begreifen, wie es so weit kommen konnte. Wie ihr Mann, mit dem sie 20 Jahre glücklich verheiratet war, ein guter Mann und Vater, plötzlich ohne viel Erklärung aus ihrem Leben verschwinden konnte, als hätte sie nie eine Rolle gespielt. Diese Erkenntnis, die wahrscheinlich jeder von uns schon einmal hatte, einen anderen, besonders vertrauten Menschen plötzlich nicht mehr wiederzuerkennen, weil man seine Handlungen (oft in Bezug auf einen selbst) nicht verstehen kann. Burden gräbt in James’ Vergangenheit, versucht Traumata zu identifizieren, sucht die “Fehler” aber auch bei sich. Sie beschreibt die Reaktionen ihrer Umwelt: ihre Ärztin etwa meint, da Burden seit den Kindern nur noch ehrenamtlich als Anwältin arbeitet, dass nicht-berufstätige Frauen für Männer meist uninteressant werden. Und das ist auch so ein interessantes Phänomen, wenn man eine Trennung durchmacht, dass ganz viele Menschen einem ihre Lebensansichten und Glaubenssätze aufdrücken, die in der Regel nicht gerade hilfreich sind.
Einen beträchtlichen Teil des Romans nimmt auch das Eingehen auf finanzielle Aspekte ein. Gut, wir sind jetzt alle keine Vanderbilt Erben (harhar), aber es geht ums Prinzip. Burden hat auf Wunsch von James und gegen den Rat ihres Anwalts einen Ehevertrag unterschrieben, der besagt, dass das in der Ehe erwirtschaftete Geld im Falle der Scheidung bei der Person bleibt, die es verdient hat. Sprich: Die hohen Einkünfte von James gehören am Ende ihm allein. Burden selbst hingegen hat die gemeinsame Wohnung und das Haus großteils vom ihrem Erbe bezahlt und James trotzdem als Miteigentümer eintragen lassen, weshalb sie ihn nun auszahlen müsste, was ihren finanziellen Ruin bedeuten würde; dazu kommt es dann nicht, da James schließlich einlenkt. Trotzdem hat sie durch ihre Entscheidung große finanzielle Einbußen. Diese Entscheidungen, die aus Liebe und das Vertrauen in ein “happily ever after” getroffen wurden, das wir – sind wir uns ehrlich – an einem gewissen Punkt alle hatten, können einen im Zweifelsfall die Existenz kosten. Auch wenn es unromantisch klingt, über Geld zu sprechen, Burden erinnert uns daran, dass eine faire Einigung in den “guten Zeiten” wichtig wäre.
Fazit: Ein dicht erzählter Page-Turner, der zeigt, wie man als der Mensch, der “übrigbleibt” irgendwann in der Lage ist, das Tal der Tränen auch wieder zu verlassen. Allerdings ist es ein langer, schmerzhafter und oft schwieriger Weg, der mit sehr viel Selbsterkenntnis und Bewusstseinsarbeit einhergeht. Vor allem dem Bewusstsein, das Leben lieben zu lernen, auch wenn von nun an jemand fehlt.
Wenn nur alles in meinem Leben so gut funktionieren würde, wie eine Katze in die Transportbox setzen:
M. liebt ihre Transportbox
Oft ist das Leben aber doch herausfordernder, wie eine Katze unterm viel zu engen Sofa, unter das sie sich unvorsichtigerweise gequetscht hat, wieder hervorzubekommen.
Dieser Blick, nachdem ich zwei Stunden versucht habe, sie zu befreien. Letztendlich hat sie es keuchend selbst geschafft
Soviel zu den Metaphern, ich wollte vor allem zwei süße Fotos herzeigen, harhar.
Letztens ist mir ein Facebookbeitrag hereingespült worden, von jemandem, den ich gar nicht wirklich kenne bzw nur um die Ecke. Dieser Jemand, ein älterer Mann, der seit Jahren keinen Kontakt zu seinem erwachsenen Kind und demzufolge auch zu seinen Enkeln hat, schrieb, es wäre nun, da seine Frau sehr krank ist, sei vielleicht ein Treffen angedacht, nach vielen Jahren des Schweigens.
Natürlich gabs dann dutzende Kommentare dazu und einer schrieb, er würde diesem Mann alles glauben, seine ganze Geschichte, wenn er diese erzählen würde. Da hab ich mir gedacht schon interessant. Ich verstehe nicht mal die Familiendynamiken mit meinen eigenen Eltern genau (harhar), aber es gibt offenbar Leute, die trauen sich zu, die Geschichten von anderen Menschen beurteilen zu können.
Ich habe meinen Papa vor seinem Tod ja ebenfalls einige Jahre nicht gesehen – wenn es auch kein völliger Kontaktabbruch war. Grund gab es keinen, zumindest wurde mir keiner genannt. Telefoniert haben wir ab und zu. Ich weiß, dass sich Menschen dazu ein Bild machen, auch über mich. Aber irgendwann konnte ich nicht mehr. Und damit meine ich nicht nur, ich konnte keine Treffen mehr vorschlagen oder Einladungen aussprechen, die dann nicht angenommen werden oder nur schnell “absolviert”. Vor allem konnte ich nicht mehr so tun als wäre ich die Tochter, die ich vielleicht sein sollte, die er sich wahrscheinlich vorgestellt hatte. Ich bin ihm nicht böse. Ich bin aber auch mir selbst nicht (mehr) böse, dass ich keine andere bin.
Letztens als P. da war, erzählte sie, dass sie am Vortag geweint hatte, weil ihr Papa seinen Monats-Sterbetag hatte – er ist noch kein ganzes Jahr tot – und wie sehr sie ihn vermisst. Und das ist traurig, aber auch schön, weil es von einer sehr guten Beziehung erzählt. Und das alles existiert nebeneinander, es macht das Leben schwierig und schmerzlich, aber auch vielschichtig, rätselhaft und interessant.
Es wurde ja schon alles zu Stockers Aussage über die Kinderbetreuung gesagt, nur noch nicht von allen. In diesem Sinn, meine Ansicht.
Ja, da war vielleicht keine sehr geglückte Formulierung von unserem Bundeskanzler, von mir aus. Allerdings finde ich es schon interessant, dass jetzt Protest auch von der Seite kommt, die sonst schnell von “Herdprämie” spricht, wenn es finanzielle Erleichertungen für Mütter geben soll. Wenn es Frauen also ermöglicht werden soll, länger in Karenz zu gehen und bei den Kindern zu bleiben. Wie oft habe ich gelesen, dass Frauen dann im Kinderzimmer bzw. in der Küche “versauern” würden. Klingt das wirklich danach, als ob Kinderbetreuung gleichermaßen respektiert und wertgeschätzt wird wie “Lohnarbeit”?
Private Anekdote am Rand: L. und ich haben unsere Kinder immer so um 14 Uhr aus dem Kindergarten, der ein Betriebskindergarten war, abgeholt. Irgendwann haben wir von Gerüchten gehört, dass wir als “Glucken” bezeichnet werden, weil wir unseren Nachwuchs eben immer so früh abholen würden. Ich gebs zu, ich war damals ur sauer. Das haben wir dann mal einer befreundeten Mutter dort erzählt. Und eines Tages, als wir gerade mit den Kids wieder “so früh” aus der Einrichtung kommen, begegnen wir dieser Mutter und sie meinte: “Ach die zwei Glucken wieder”. Da musste ich so lachen und das Thema war für mich erledigt.
Fazit: Im besten Fall bringt uns diese Debatte dazu, andere weniger zu bewerten und vor allem unser Leben so zu führen, wie wir das möchten, egal was andere davon halten.